Die Wanze Meyen läuft hier sehr geschäftig umher und teilt jedem, der es hören will, das Geheimnis mit, daß Marx und Engels allen Anhang und allen Einfluß in Deutschland verloren haben. Fürchterlicher Meyen!
Um Dir übrigens ein Beispiel von der schamlosen Zudringlichkeit dieser Patrone, von ihrem schäbigen Bettlertum zu geben:
Vorigen Sonntag war ich in Johnstreet, wo der alte Owen an seinem 80. Geburtstag eine Vorlesung hielt. Trotz seiner fixen Ideen war der Alte ironisch und liebenswürdig. Einer der Trabanten des Kosmos, nachdem der alte Herr geendet hatte, drängt sich an ihn heran und drückt ihm den Kosmos in die Hand mit der Erklärung, das Blatt enthalte seine Prinzipien. Und der Alte empfiehlt es wirklich dem Publikum.C’est par trop drôle![1]
Ich konnte den Abend übrigens nicht vermeiden, wieder mit Harney zu sprechen, der halb angerissen und sehr zuschauerlich auf mich zukam und sich nach Dir erkundigte.
Willichs Bettelgeschäfte gehen ganz gut. Er hat, als die schleswig-holsteinischen Flüchtlinge herkamen, über 200 Pfund von dencitymerchants[2]„für diese“ erbettelt.
Girardin sagt zwar, Cavaignac sei jetzt der einzig ernsthafte Kandidat derparti de l’ordre,[3]der Bourgeoismasse. Er selbst aber greift ihn und Changarnier wütend an, und seine Polemik erinnert wieder an die besten Zeiten seines Kampfes gegen den National. Dieser Kerl macht größere Agitation in Frankreich, als die ganze Bande der Montagnards und Roten zusammengenommen. Bonaparte scheinthors de question.[4]Indes, wenn die royalistische Majorität der Nationalversammlung die Konstitution wieder verletzt und mit einfacher Majorität die Revision der Verfassung beschließt, wird sie doch am Ende gezwungen sein – da sie dann allen legalen Halt verliert –, mit Bonaparte als dem Inhaber der exekutiven Gewalt einen Kompromiß abzuschließen. Es könnte in diesem Falle vielleicht zu ernstlichen Kollisionen kommen, da Cavaignac schwerlich die Gelegenheit sich noch einmal vor dem Maule wegfischen lassen wird.
Bald wird die ganze Neue Rheinische Zeitung hier sein. Ich wundere mich über das Ausbleiben von Lupus. Wenn ihm nur kein Pech arriviert ist.
Ich sitze jetzt immer von morgens 10 bis abends 7 auf der Bibliothek und verspare die Industrieausstellung bis auf Deine Ankunft.
Hast Du die falsche und echte Epistel Mazzinis im Débats gelesen?
Dein K. M.
Musch [Marx’ Sohn Edgar] grüßt den „Friedrich Engels“.
Apropos. Willich und Schimmelpfennig haben an „ihre Brüder in der preußischen Armee“ den unvermeidlichen Aufruf erlassen.
[1]Das ist schon zu komisch.
[2]Kaufleute der [Londoner] City.
[3]Ordnungspartei.
[4]Außer Frage.
Manchester, 23. Mai 1851.
Lieber Marx!
Ich habe mit Vergnügen aus den Blättern ersehen, daß die Neue Rheinische Zeitung in Deiner Person auch auf dem Soyerschen Allerweltspreß-Symposium vertreten war. Mögen Dir diehomards à la Washington[1]und derchampagne frappé[2]geschmeckt haben. Wie aber Mr. Soyer Deine Adresse aufgefunden hat, ist mir ein Geheimnis.
Weißt Du, was aus dem versoffenen Laroche aus der Great Windmillstreet geworden ist? Derselbe ist, wie deutsche Blätter melden, abgefangen und in Berlin zum Tode verurteilt worden. Es stellt sich heraus, daß dieser angebliche ehemalige preußische Husarenleutnant niemand anders ist als der Schuhmacher August Friedrich Gottlieb Lehmann aus Treibel bei Sohrau in der oberschlesischen Wasserpolackei, Wehrmann ersten Aufgebots, durch Urteil vom 23. März 1842 wegen Desertation in Friedenszeit, Fälschung und unerlaubten Schuldenmachens zu den militärischen Ehrenstrafen und sechzehnmonatiger Einstellung in eine Strafsektion verurteilt. Ein neuer Beitrag zur Aufklärung über unsere Revolutionshelden.
Daß die großen Krieger, Willich, Schimmelpfennig und Sigel, sich mehr und mehr zusammenfinden, ist ganz gut. Dies Soldatenpack hat einen unbegreiflich schmutzigenEsprit de corps.[3]Sie hassen sich untereinanderà mort,[4]beneiden sich gegenseitig wie Schuljungen die kleinste Auszeichnung, aber gegen Leute vom „Zivil“ sind sie alle einig. Akkurat, nur in zwerghaft karikiertem Maßstab, wie in den ersten französischen Armeen von 1792/93. Die Windmillstreet-Gesellschaft sehen sie alle für ein Bataillon an, das fix und fertig und geschlossen herübermarschieren wird; es ist das einzig übrige, seit die in der Schweiz gesprengt und fortexpediert sind. Kein Wunder, daß sie sich alle an dieses edle Korps anhängen. Es ist sehr gut, daß man schon jetzt auf diesen Offizierkorpsgeist aus der alten Kaserne und von der Offizierstafel her aufmerksam gemacht wird, und daß man schon jetzt sieht, wie diese Cliquenwirtschaft unter dem emigrierten Offiziersmaterial ebensosehr herrscht wie im herrlichen Kriegsheer. Wir wollen diesen Herren seinerzeit schon zeigen, was „das Zivil“ zu bedeuten hat. Aber dergleichen Geschichten zeigen mir, daß ich gar nichts Besseres tun kann, als meine militärischen Studien fortzusetzen, damit wenigstens Einer vom „Zivil“ ihnen theoretisch die Stange halten kann. Jedenfalls will ich’s dahin bringen, daß solche Tröpfe mich nicht niederschwatzen sollen. Daß sie übrigens um 2000 Taler geprellt worden sind, ist sehr erfreulich. Die Nachrichten aus Köln sind sehr angenehm, die Leute dort mögen sich nur in acht nehmen.
Daß Girardin den Cavaignac nicht unterstützt, ging schon aus den englischen Blättern hervor. Aber daß er das Faktum konstatiert, daß Cavaignacs Chancen so flott stehen, reicht hin, um die Situation zu charakterisieren. Wenn die Chance sich realisieren sollte, von der Du sprichst, daß die Majorität und Bonaparte einen Vertrag schlössen und die illegale Revision durchzuführen suchten, so geht’s schief, glaube ich. Das setzen sie nie durch, solange Thiers, Changarnier und das Débats nebst ihren respektiven Schwänzen dagegen sind. Die Chance für Cavaignac wäre zu schön; und in diesem Falle, glaube ich, könnte er auf die Armee rechnen.
Gibt es Krawall im nächsten Jahre, so ist Deutschland in einer verfluchten Lage. Frankreich, Italien und Polen sind bei seiner Zerstücklung interessiert. Mazzini hat sogar, wie Du gesehen hast, den Tschechen Rehabilitierung versprochen. Außer Ungarn hätte Deutschland nur einen möglichen Bundesgenossen, Rußland – vorausgesetzt, daß dort eine Bauernrevolution durchgeführt worden ist. Sonst kriegen wir eineguerre à mort[5]mit unseren edlen Freunden nach allen vier Winden hin, und es ist sehr fraglich, wie diese Geschichte enden wird.
Je mehr ich über die Geschichte nachdenke, je klarer wird es mir, daß die Polen einenation fondue[6]sind, die nur so lange als Mittel zu brauchen sind, bis Rußland selbst in die agrarische Revolution hineingerissen ist. Von dem Moment an hat Polen absolut keineraison d’être[7]mehr. Die Polen haben nie etwas anderes in der Geschichte getan, als tapfere krakeelsüchtige Dummheit gespielt. Auch nicht ein einziger Moment ist anzugeben, wo Polen, selbst nur gegen Rußland, den Fortschritt mit Erfolg repräsentierte oder irgend etwas von historischer Bedeutung tat. Rußland dagegen ist wirklich progressiv gegen den Osten. Die russische Herrschaft mit all ihrer Gemeinheit, all ihrem slawischen Schmutz ist zivilisierend für das Schwarze und Kaspische Meer und Zentralasien, für Baschkiren und Tataren, und Rußland hat viel mehr Bildungselemente und besonders industrielle Elemente aufgenommen, als das seiner ganzen Natur nach chevaleresk-bärenhäuternde Polen. Schon daß der russische Adel fabriziert, schachert, prellt, sich korrumpieren läßt und alle möglichen christlichen und jüdischen Geschäfte macht, vom Kaiser und Fürst Demidoff bis herab zum lausigsten Bojaren vierzehnter Klasse, der nurblagarodno(wohlgeboren) ist, schon das ist ein Vorzug. Polen hatnie fremde Elemente nationalisieren können. Die Deutschen der Städte sind und bleiben Deutsche. Wie Rußland Deutsche und Juden zu russifizieren versteht, davon ist jeder Deutschrusse aus zweiter Generation ein sprechendes Exempel. Selbst die Juden bekommen dort slawische Backenknochen.
Von der „Unsterblichkeit“ Polens liefern Napoleons Kriege 1807 und 1812 schlagende Exempel. Unsterblich war bei den Polen bloß ihre Krakeelerei ohne allen Gegenstand. Dazu kommt, daß der größte Teil von Polen, das sogenannte Westrußland, das heißt Bjelostock, Grodno, Wilna, Smolensk, Minsk, Mohilew, Volhynien und Podolien, sich mit geringen Ausnahmen seit 1772 ruhig hat von den Russen beherrschen lassen,ils n’ont pas bougé,[8]mit Ausnahme von ein paar Bürgern und Edelleuten hier und da. Ein Viertel von Polen spricht Litauisch, ein Viertel Ruthenisch, ein kleiner Teil Halbrussisch und der eigentliche polnische Teil ist zu voll einem Drittel germanisiert.
Glücklicherweise haben wir in der Neuen Rheinischen Zeitung keine positiven Verpflichtungen gegen die Polen übernommen, als die unvermeidliche der Wiederherstellung mit suitabler Grenze – und auch die noch unter der Bedingung der agrarischen Revolution. Ich bin sicher, daß diese Revolution in Rußland eher vollständig zustande kommt als in Polen, wegen des Nationalcharakters und wegen der entwickelteren Bourgeoiselemente in Rußland. Was ist Warschau und Krakau gegen Petersburg, Moskau, Odessa usw. usw.!
Resultat: Den Polen im Westen abnehmen, was man kann, ihre Festungen unter dem Vorwand des Schutzes mit Deutschen okkupieren, besonders Posen, sie wirtschaften lassen, sie ins Feuer schicken, ihr Land ausfressen, sie mit der Aussicht auf Riga und Odessa abspeisen, und im Falle die Russen in Bewegung zu bringen sind, sich mit diesen alliieren und die Polen zwingen, nachzugeben. Jeder Zoll, den wir an der Grenze von Memel bis Krakau den Polen nachgeben, ruiniert diese ohnehin schon miserabel schwache Grenze militärisch vollständig und legt die ganze Ostseeküste bis nach Stettin bloß.
Ich bin übrigens überzeugt, daß bei dem nächsten Krawall die ganze polnische Insurrektion sich auf Posener und galizische Adlige nebst einigen Zuläufern aus dem Königreich beschränken wird, und daß die Prätensionen dieser Ritter, wenn sie nicht von Franzosen, Italienern, Skandinaviernusw. usw. unterstützt und durch tschechoslawische Krawalle verstärkt werden, an der Erbärmlichkeit ihrer Leistungen scheitern werden. Eine Nation, die 20 000 bis 30 000 Mann höchstens stellt, hat nicht mitzusprechen. Und viel mehr stellt Polen gewiß nicht.
Grüße Freiligrath, wenn Du ihn siehst, und Deine Familie, den Bürger Musch nicht zu vergessen. Ich komme zirka acht Tage später nach London, als ich dachte; die Geschichte hängt von vielen kleinen Lumpereien ab.
Dein F. E.
[1]Hummernà laWashington.
[2]Champagner in Eis.
[3]Korpsgeist.
[4]Auf den Tod.
[5]Krieg auf Tod und Leben.
[6]Aufgelöste Nation.
[7]Existenzberechtigung.
[8]Sie haben nicht gemuckt.
28. Mai 1851.
Lieber Engels!
Das Nichtantworten von Daniels (dem ich übrigens morgen wieder einen Brief zukommen lasse, wenn ich nicht noch heute einen erhalte) hat sehr verdrießliche Gründe. Nothjung ist in Leipzig am Bahnhof verhaftet worden. Was man an Papieren gefunden hat, weiß ich natürlich nicht. Darauf wurden (oder auch gleichzeitig, ich weiß das nicht) Becker und Röser in Köln verhaftet und gehaussucht (ebenso letzteres bei Bürgers. Dieser ist in Berlin, steckbrieflich verfolgt und wird wohl bald hier eintreffen).
Diese Maßregeln der Polizei gegen die Emissäre usw. verdanken wir ganz und gar dem elenden Geschrei der Esel in London. Diese Blasebälge wissen, daß sie weder konspirieren, noch einen wirklichen Zweck verfolgen, noch eine Organisation in Deutschland hinter sich haben. Sie wollen nichts als gefährlichscheinenund die Zeitungstretmühle in Rotation setzen. So hindern und gefährden die Canaillen die wirkliche Bewegung und setzen die Polizei auf dasQui vive.[1]Hat je eine solche Partei existiert, deren eingestandener Zweck die reine Renommisterei ist?
Freiligrath ist instinktmäßig zur rechten Zeit abgereist, um nicht gefaßt zu werden. Kaum hier, so wurden ihm Schlingen von allen Emigrationscliquen, philanthropischen Kinkelfreunden, ästhetelnden Howitts usf. gelegt, um ihn für die Koterie einzufangen. Er hat allen solchen Versuchen sehr grob geantwortet, daß er zur Rheinischen Zeitung gehöre und mit der kosmopolitischen Brühe nichts zu tun habe und nur mit dem „Dr. Marx und seinen intimsten Freunden“ verkehre.
Vorher nochun mot[2]über den Zustand in Frankreich.
Ich überzeuge michde plus en plus,[3]daß trotz alledem und alledem die Chancen Napoleons von allen Kandidaten einstweilen noch die besten sind. Man wirden principe[4]die Revision beschließen, aberen pratique[5]sich mit der Revision des auf den Präsidenten bezüglichen Artikels besch[schränken]. Sollte die Minorität zu viel Lärm machen, so faßt man einen einfachen Majoritätsbeschluß, wodurch man die Auflösung der Nationalversammlung und die Einberufung einer neuen beschließt, die dann unterauspiciis Faucheri,[6]des Telegraphen und des Gesetzes vom 31. Mai vor sich gehen wird. Die Bürger würden Cavaignac vorziehen; aber die Gefahr, mit demstatus quodurch eine radikale Neuwahl zu brechen, ist ihnen zu bedenklich. Schon jetzt haben eine Masse Fabrikanten ihrehands[7]gezwungen, Petitionen für Revision der Verfassung und Verlängerung der Präsidentengewalt zu unterhauen.En tout cas[8]muß die Sache sich bald entscheiden, undnous verrons![9]
Der Kosmos hat also mit Glanz Fiasko gemacht.
Vale faveque![10]
Dein K. M.
[1]Wer da!
[2]Ein Wort.
[3]Mehr und mehr.
[4]Im Prinzip.
[5]In der Wirklichkeit.
[6]Unter der Leitung [des Ministers] Faucher.
[7]Arbeiter.
[8]Auf jeden Fall.
[9]Wir werden sehen.
[10]Lebewohl und bleibe mir gut.
Dienstag [undatiert], Ende Mai 1851.
Lieber Marx!
Am Samstag komme ich nach London, wenn nichts dazwischen kommt.
Meine Befürchtungen wegen der Kölner haben sich, scheint es, nur zu rasch realisiert; die Verhaftung des roten Becker und Rösers wegen Hochverrat und Versuch zum Umsturz der Verfassung, sowie der Versuch zur Verhaftung des stillen Heinrich [Bürgers] sind offenbar nicht ohne Beziehung auf die B[undes]geschichte. Glücklicherweise hat man, wie das Frankfurter Journal sagt, absolut keine Papiere bei den Verhafteten gefunden – ob bei B[ürgers], wird nicht gesagt. Heinrich wird nun wohl auch zur Komplettierung der Neuen Rheinischen Zeitung nach London kommen. Die Geschichte kann unangenehm werden, wenn die Kerle sich dumm benommen haben.
Dein F. E.
16. Juni 1851.
Lieber Engels!
Bei Daniels ist Haussuchung und er verhaftet worden. Ich glaube nicht, daß man irgend etwas bei ihm gefunden hat.
Heute morgen erhielt ich einen Brief, offenbar von Daniels’ Handschrift aber ohne Namensunterschrift, worin man mir das obige Faktum mitteilt und mich zugleich auffordert, alle Briefe beiseite zu bringen, da man aussicherer(im Original so) Quelle wisse, daß auch hier in England Haussuchungen stattfinden würden.
Ob das gesetzlich möglich ist, weiß ich nicht. Jedenfalls werde ich alles beiseite bringen. Auch Du wirst gut tun, wenn Du sämtliche Briefe – die irrelevanten verbrennst und die anderen, die irgenddataund dergleichen enthalten, bei der Mary oder eurem Kommis versiegelt placierst.
Bei dem Jacoby hat man wahrscheinlich eine Empfehlung von Daniels gefunden.
Ich habe heute gleichzeitig durch einen Kaufmann einen Brief von Weydemeyer erhalten, der sich bei Frankfurt versteckt hält. Ich lege Dir diesen Brief bei. Weißt Du vielleicht die exakte Zahl, die Weydemeyer wissen will, zwischen dem Verhältnis des inneren und auswärtigen Handels Englands? Die Sache hat sich in der letzten Zeit bedeutend verändert. Salut!
Dein K. Marx.
27. Juni 1851.
Lieber Marx!
Es ist sehrbonasse[1]von der braven sächsischen Polizei, daß sie uns allerhöchst selbst von dem unterrichtet, was wir bisher nicht wußten oder erfahren konnten. Bürgers’ didaktisch-würdevolles Rundschreiben mit dem bekanntenclair-obscur[2]des Räsonnements muß ihnen viel fruchtloses Kopfzerbrechen gekostet haben; sie haben auch gerade nur die unrechten Stellen groß drucken lassen. Heiter nimmt es sich aus, daß die großen Windmiller jetzt vor der ganzen Welt herausgeschmissen aus der eigenen Partei dastehen, der große Willich gepaart mit Haude, Gebert und anderem unbekannten Pack, einem gewissen „Schopper“ (von „Schoppen“ abgeleitet), dessen seltene Verdienste so wenig bekannt sind, daß selbst in Köln sein Name nicht einmal richtig gedruckt wird!So far all right.[3]Aber der erste Artikel der Statuten ist schlimm für die Verhafteten: „Alle Mittel der revolutionären Tätigkeit“, oder wie es dort heißt. Das führt die Sache aus dem Gebiet der bloßen verbotenen Verbindung heraus auf das des Hochverrats. Übrigens, nach einer Andeutung der Kölnischen Zeitung zu schließen, scheint meine Vermutung richtig zu sein, daß man vorhat, die ganze Gesellschaft vor den für diese grandiose Gelegenheit eigens ins Leben zu rufenden Berliner Staatsgerichtshof zu stellen.
Ein gutes Zeichen für die Stimmung der Bourgeois ist, daß die Regierung mit ihrem Versuch, die große Dresdener Entdeckung als Schreckschuß zu exploitieren, so komplett durchgefallen ist. Der Bürger fürchtet sich so wenig mehr vor dem roten Gespenst, daß er vom großen Kommunistenkomplott nichts hören will und schon fürchtet, daß das Haussuchungssystem nächstens auch auf ihn ausgedehnt werde.
Kein einziges Blatt will anbeißen, und die Verzweiflungsexperimente der Regierung, bei Turnvereinen, freien Gemeinden und demokratisierenden Schneidermeistern weitere Umtriebe zu entdecken, beweisen einerseits, wie sehr sie sich über die Gleichgültigkeit der Bürger ärgert und die Neugier derselben zu kitzeln sucht, und andererseits, zu wie wenig weiteren Entdeckungen die Statuten und das Rundschreiben geführt haben. Bei Miquel scheint auch fruchtlos gehaussucht zu sein.
Qu’y a-t-il de nouveau à Londres?[4]
Dein F. E.
[1]Gutmütig.
[2]Halbdunkel.
[3]Somit [ist] alles in Ordnung.
[4]Was gibt es Neues in London?
[Undatiert. Etwa zwischen 6. bis 10. Juli 1851.]
Lieber Marx!
Nachdem ich meinen Alten hier acht Tage herumgeschleift, habe ich ihn glücklich wieder fortexpediert und kann Dir heute endlich inliegend Post Office Ordre für 5 Pfund schicken. Im ganzen kann ich mit dem Resultat meiner Entrevue mit dem Alten zufrieden sein. Er hat mich auf wenigstens drei Jahre hier nötig, und Verpflichtungen für die Dauer, nicht einmal auf die drei Jahre, habe ich keine eingegangen, sind auch weiter nicht verlangt worden; weder in Beziehung auf Schriftstellerei noch auf Hierbleiben im Falle einer Revolution.
An diese scheint er gar nicht zu denken, so sicher ist das Volk jetzt! Dagegen habe ich mir Repräsentations- und Tafelgelder gleich im Anfang ausgemacht – zirka 200 Pfund jährlich, was auch ohne großeSchwierigkeiten bewilligt wurde. Mit einem solchen Salär geht die Sache schon, und wenn es bis zur nächsten Bilanz ruhig bleibt und das hiesige Geschäft gut geht, wird er noch ganz anders bluten müssen – ich komme schon in diesem Jahre weit über die 200 Pfund. Dabei hat er mich in seine ganzen Geschäftsverhältnisse sowohl hier wie drüben blicken lassen, und da er sehr gute Geschäfte gemacht und seit 1834 sein Vermögen mehr als verdoppelt hat, so versteht es sich, daß ich mich nicht mehr geniere, als nötig ist.
Der Alte ist übrigens auch verschlagen genug. Sein Plan, der aber nur sehr langsam und schwierig durchzuführen und wegen der Tuckereien mit den Ermens schwerlich je durchgeht, ist der, den Peter Ermen nach Liverpool ziehen zu lassen, was dieser selbst wünscht, und mir dann die ganze Leitung des hiesigen Kontors – wo G. Ermen dann die Fabrik führen würde – in die Hände zu spielen. Damit wäre ich dann gebunden. Natürlich erklärte ich, daß mir das doch über die Kräfte ginge, und spielte den Bescheidenen. Wäre mein Alter indes noch ein paar Tage hier geblieben, wir wären uns in die Haare geraten.
Ceci entre nous.[1]
Die Kölner Zeitung ist seit Anfang Juli hier nicht mehr zu sehen, wahrscheinlich wegen vergessener Abonnementserneuerung. Ich weiß also nicht, ob weiter noch etwas vorgefallen ist. Wenn Du Neues weißt, so lasse mich es ja wissen. Ich werde endlich wieder anfangen können, ordentlich zu arbeiten, da die Exhibitionsstörungen jetzt so ziemlich vorüber sind und der Athenäumskatalog endlich fertig ist. Auch habe ich vor, bald aufs Land zu ziehen, damit ich ganz ungestört bin. Da ich binnen eines Jahres meinen Alten nicht wieder herbekomme, kann ich mich ganz nach Konvenienz einrichten und die Repräsentationsgelder zum großen Teile anders verwenden.
Grüße Deine Frau und schreibe bald
Deinem F. E.
[1]Dies unter uns.
28 Deanstreet, Soho, 13. Juli 1851.
Lieber Engels!
Ich habe meinen Brief von Tag zu Tag aufgeschoben, um Dir vollständig die Dokumente zu geben, die unten mitgeteilt werden. Da die Vollständigkeit aber erst in einigen Tagen möglich wird, schreibe ich heute, um nicht noch länger Dich auf Antwort warten zu lassen.
D’Abord.[1]Scheint mir aus Deinem Briefe hervorzugehen, daß Du während der Anwesenheit des Alten in Manchester nicht erfahren hast, daß ein zweites Aktenstück in der Kölnischen Zeitung abgedruckt war, unter der Überschrift „Der Bund der Kommunisten“. Es war dies die von uns beiden verfaßte Ansprache an den Bund –au fond[2]nichts als ein Kriegsplan gegen die Demokratie. Nach einer Seite hin war die Veröffentlichung desselben gut, im Gegensatz zu dem der Form nachplus ou moins[3]absurden und dem Inhalt nach wenig tröstlichen Aktenstück des Bürgers. Andererseits erschweren einige Stellen die Situation der jetzt Gefangenen.
Wie ich durch Louis Schüler [oder Schöler] aus Köln erfahre, schreibt Bürgers sehr trübselig aus Dresden. Dagegen glaubt man in Köln allgemein an die Freisprechung von Daniels, gegen den nichts vorliegt und für den die ganze Heulerei in der heiligen Stadt heult. Sie hält ihn natürlich für unfähig solcher „Narreteien“.
Miquel hat aus Göttingen geschrieben. Mehrmalige Haussuchung bei ihm. Man fand nichts. Ist nicht eingesperrt worden. Es sind von Göttingen aus fünf neue Emissäre – Gentlemen – nach Berlin usw. ausgegangen. Die Judenverfolgung erhöht natürlich den Eifer und das Interesse.
Das drolligste ist, daß die alberne Augsburger Allgemeine Zeitung das von uns verfaßte Aktenstück zu einem Kinde der Herren Mazzini-Ruge macht, sich ein über das andere Mal an die Brust schlägt und ihre Begriffserschütterung über das Ungeheure nicht besser zu formulieren weiß, als indem sie verschiedentlich Wahnsinn! schreit. Wahnsinn! Wahnsinn!
Die Triersche Zeitung hat sich natürlich –id estKarl Grün – aufs hohe Pferd gesetzt und aus dem ersten Aktenstück die materielle, aus dem zweiten jedoch die „geistige“ Ohnmacht der Partei bewiesen. Die lichtfreundlichen und am weitestgehenden „anarchischen“ Phrasen fehlen natürlich nicht. Alles von oben machen! Polizeistaat! Andersdenkende förmlich in Bann tun und ausschließen.Mon Dieu!Da hört am Ende alles auf!
Nun zu den hiesigen Stürmen, die in einem Regentropfen sich zu ereignen gewohnt sind.
Erstens. Vater Willich ist aus der Kaserne – deren Auflösung, wie es scheint, beschlossen war – ausgekniffen und in tiefen Krakeel mit den meisten seiner Leibgarde geraten.
Zweitens. Der große Fickler arrivierte hier. Lupus war einige Tage vor seiner Ankunft in England mit ihm in Straßburg zusammengewesen. Liebknecht ist seit alter Zeit mit ihm vertraut. Beide begaben sich also zu ihm am 5. Juli. Er schwatzte sehr freundlich, sprach von der Notwendigkeit der Aussöhnung der Parteien usw. Da kam auch der Amand Goegg hinzu. Er nannte Willich einen „bloßen Phantasten“, Schapper ein „ekelhaftes Subjekt“ – nachdem er den Kerl einigemal in der Windmill poltern gehört, habe er sich von ihm getrennt und sei nicht mehr in die Herberge gegangen. Fickler und Goegg zogen beide besonders stark über den großen Kinkel los, der hier nun den glücklichen Parvenü spielt und sich daher den Ärger der anderen großen Männer zugezogen hat. Ruge wurde dagegen als eine Art vonlumen[4]betrachtet.
Fickler fragte nach meiner Adresse, und Lupus und Liebknecht entfernten sich, düpiert von den nach „Eintracht“ ringenden Biedermännern.
Einige Tage nachher schickte mir Freiligrath folgenden Brief zu, der ihm zugegangen war:
4 Brunswickplace, North Brighton, 4. Juli 1851.
Lieber Freiligrath!
Wir projektieren eine Art Klub und Verein, der das Privatwesen aufhebt und niemand von der revolutionären sozialdemokratischen Partei ausschließt, als den, der exklusiv sein will oder der sich durch Charakter und Antezedentien selbst unmöglich gemacht hat.
Fickler, Goegg, Sigel, Ronge, Ruge betreiben die Sache, und ich habe es übernommen, Dich zu unterrichten und Dich einzuladen, wenn Du Dich, wie ich vermute, interessierst, an einem Meeting zu dem Zwecke am 14. Juli (Montag 8 Tage) 11 Uhr morgens inFicklersWohnung, 26 Yorkbuildings, die einen Teil von New Road bilden, unterhalb Bakerstreet, teilzunehmen. Wir haben etwa 24 Leute eingeladen, die wir als zuverlässig und treugeblieben kennen. Mehr wissen wir für den Augenblick nicht.
Ich hätte Dich gern gesprochen. Wenn wir reussieren mit dem Projekt, so wird dergleichen sofort in allen Fällen möglich. Wenn Du auch nicht in London bleibst, sollst Du doch hinkommen.
Mit Gruß und mit Händedruck
Dein A. Ruge.
Qu’en dis-tu?[5]
Freiligrath hat nun den großen Fehler begangen, seine Antwort erst gestern, 12. Juli, abzuschicken, so daß Ruge ihn [sie] nicht einmal vor seiner Abreise aus Brighton nach London erhalten wird. Überhaupt nahm Freiligrath die Sache etwas zu pomadig.Mais enfin, chacun a sa manière d’agir.[6]Lupus, dem ich den Brief mitteilte, schrieb sofort an Fickler:
3 Broadstreet, Golden Square, 10. Juli 1851.
Bürger Fickler!
Am 5. dieses Monats war ich mit Liebknecht bei Ihnen auf Besuch. Aus der Art und Weise, wie Sie sich gegen uns aussprachen, konnte ich durchaus nicht schließen, daß schon tags zuvor nachstehender Brief an Freiligrath abgesandt worden war. (Folgt obenstehender Brief.) Hätte ich am 5. dieses Monats entfernt ahnen können, daß Sie mit A. Ruge, diesem albern-schamlosen Lumpenhunde, in derartiger Verbindung stehen, ich würde Ihre Wohnung gewiß nicht betreten haben.
Da Sie nun aber, wie ich aus vorstehendem ersah, mit einem Menschen zusammengehen, „der sich durch Charakter und Antezedentien“ (zum Beispiel durch sein feiges Davonlaufen aus Berlin usw.) für jede wahrhaft revolutionäre Partei „selbst unmöglich gemacht hat“ und der bereits von der ganzen kommunistischen Partei in Deutschland in Verruf getan ist: so soll durch diese Zeilen konstatiert werden, daß ich mit Leuten, die sich so intim in der Sphäre eines Individuums wie Ruge bewegen, nichts zu schaffen haben will und kann.
W. Wolff.
P. S.Sie können von diesen Zeilen einen beliebigen Gebrauch machen. Ich für meinen Teil werde sie meinen Parteigenossen zur Kenntnis bringen.
Der Obige.
Lupus erhielt darauf folgende Antwort:
11. Juli 1851.
Lieber Bürger Wolff!
Mein Ahnungsvermögen ist in der Tat so schwach, daß es mich auch nicht entfernt den Verlust Ihres Wohlwollens und Ihres Besuchs befürchten ließ, wenn ich mit dem „Lumpenhund“ Ruge im Umgang mich befinde. Ja, ich wußte nicht einmal, daß ich in solcher Hinsicht schon unter der Vormundschaft einer Parteiabteilung und unter der Polizeiherrschaft der Männer der Zukunft stehe. Dieser Stumpfsinnigkeit, sowie der Erfahrung, welche ich in zwanzigjährigem politischen Wirken dahin machte: daß es nichteinepolitische Partei gebe, die vermeiden könne,mit Lumpenhunden zusammenzuwirken, verdanke ich den Entschluß, jedem befähigten Manne die Hand zu bieten, der gemeinsam mit mir die revolutionäre Bahn wandeln will; – ob derselbe bloß halbwegs zum Ziele gehe, welches ich mir vorgesteckt; – ob er mich bis dahin begleite oder ob er darüber hinausschreite.
Politische wie religiöse Achtserklärungen sind Anachronismen, selbst wenn sie vom Kaiser und Papst ausgehen; um wieviel lächerlicher erscheinen dieselben, wenn die Königlein und Päpstlein einer Partei sie ausschleudern, welche nach offenkundig gewordenen Bekenntnissen so zerfahren ist wie die Ihrige, und welche heute aus ihrer eigenen Mitte diejenigen zu „Lumpenhunden“ umformt, welchen sie gestern noch fast göttliche Ehre erwiesen!
Auf meinem Lebensweg habe ich ungleich mehr „Lumpenhunde“ als ehrliche Leute gefunden und bin von den ersteren ungleich weniger betrogen worden als von den letzteren. Deshalb verliere ich keine Zeit mit Sonderung dieser Sorten und sehe hauptsächlich auf Befähigung, deren man in der verschiedensten Weise bedarf.
Wollen Sie daher mit Marx und Liebknecht – um deren Verständigung ich Sie bitte – an dem erwähnten „Meeting“ teilnehmen, so lade ich Sie dazu mit dem Bemerken ein: daß es sich lediglich um eine Vorberatung handelt und die Hauptunannehmlichkeit für Sie wie für die Hälfte der Gesellschaft überhaupt darin bestehen dürfte, für die unedleren Körperteile der Sitze zu entbehren, was aber wesentlich zur Beschleunigung der Beratung beitragen wird.
Mit freundlichem Gruß
Ihr Fickler usw.
Das komischste an der ganzen Sache ist und bleibt die unendliche Anstrengung des Ruge und seiner Clique, sich mit stets neuen Kombinationen dem Publikum aufzudrängen. Geht es nicht als Abcdef, so geht es sicher als Fedcba. Rechne einmal aus, wieviel Variationen und Permutationen der Art noch möglich sind. Hat es je eine ohnmächtig lächerlich-anspruchsvollere Clique gegeben?
Dein K. M.
Apropos, die 5 Pfund erhalten. Sie kommen wie eindeus ex machina, denn diecircumstances[7]sind „öklich“ und schwer zu sehen, wie herauszukommen. Schreibedirektan den Klose (6 Upper Ruppertstreet, near Princeßstreet, Soho), da der Tropf sonst glaubt, sein an Dich gerichteter Brief, Du erinnerst Dich wegen der 10 Pfund, sei nicht an Dich gelangt.
[1]Erstens.
[2]Im Grunde.
[3]Mehr oder weniger.
[4]Licht.
[5]Was sagst Du dazu?
[6]Aber schließlich handelt jeder auf seine Weise.
[7]Umstände.
Manchester, 17. Juli 1851.
Lieber Marx!
Dem Klose wird heute noch geschrieben – es ist gut, daß Du seine Adresse beigefügt, da ich sie nicht hatte. – Daß Du arg in der Klemme bist, glaube ich gern, und um so ärgerlicher ist es mir, daß ich bis Anfang nächsten Monats über keinen Centime mehr zu disponieren habe. Wenn Du bis dahin nicht warten kannst, wäre es nicht einzurichten, daß Weerth Dir bis dahin einiges pumpte? Ich kann am 1. August 5 Pfund und am 1. September wieder 5 Pfund zurückzahlen, und das ist so sicher wie bar Geld.
Die Zeitungsabonnements sind hier endlich wieder in Ordnung, und so habe ich denn endlich unser altes Aktenstück in der Kölnischen Zeitung zu Gesicht bekommen. Die Augsburger erzählt übrigens in einem sonst anscheinend gut unterrichteten Artikel Dresden, man habe den Nothjung endlich durch schikanöse Verhöre breitgeschlagen, und dieser habe die umfassendsten Geständnisse gemacht. Ich halte es allerdings für leicht möglich, daß geschickte Inquirenten ihn bald in die Enge treiben und in die tollsten Widersprüche verwickeln können. Ein preußischer Beamter soll hingegangen sein, um noch mehr aus ihm herauszuquetschen. Der König von Hannover soll sich geweigert haben, die Verfolgungen in seinen Staaten zu betreiben, wenigstens in dercruden[1]Weise, wie dies in Preußen, Hamburg usw. geschieht. Der Brief Miquels scheint dies zu bestätigen. Daß Martens in Hamburg verhaftet ist, weißt Du. Die Dummheit der Preußen geht übrigens aus nichts mehr hervor als aus der Haussuchung bei „Karl am Rhein“, den man ebenfalls im Verdacht hatte, im komm[unistischen] Bund zu sein, und bei dem man nur Briefe von Raveaux fand!
Das alte Aktenstück kann nur durch die eine Stelle über die „Exzesse“ den Verhafteten schädlich sein, alle übrigen Stellen gehen gegen die Demokraten, und würden nur in dem Fall ihre Position erschweren, wenn sie vor eine halbdemokr[atische] Jury kämen; wie es aber den Anschein hat, wird man sie vor eine exquisite Spezial- oder Bundesjury stellen, wenn man sie überhaupt davor stellt. Und selbst diese Sachen waren schon in dem Bürgersschen Dokument, das gleich anfangs gefaßt war, großenteils wieder verarbeitet. Dagegen ist es in jeder anderenBeziehung von enormem Vorteil, daß das Ding publiziert und durch alle Blätter gegangen ist. Die einzelnen stillen Cliquen von angehenden Kommunisten, die man gar nicht kennt und die nach den bisherigen Erfahrungen in allen Teilen Deutschlands sitzen müssen, werden daran einen famosen Halt bekommen, und selbst dem Artikel der Augsburger sieht man an, daß das Ding sie ganz anders affiziert hat als die ersten Entdeckungen. Ihre Zusammenstellung des Inhaltes zeigt, daß sie den „Wahnsinn“ nur zu gut verstanden hat –en effet il n’y avait pas moyen de s’y méprendre.[2]
Dabei galoppiert die feudale Reaktion so toll und blindlings darauf los, daß der ganze Schreckschuß bei der Bourgeoisie nicht den mindesten Effekt macht. Es ist zu heiter, zu sehen, wie die Kölnische Zeitung jetzt täglich dasil faut passer par la mer rouge[3]predigt und alle Fehler der Konstitutionellen von 1848 eingesteht. Aber freilich, wenn man einen Kleist-Retzow zum Oberpräsidenten nach Koblenz bekommt, und wenn die unverschämte Kreuzzeitung in ihren platten Possen und Knittelversen immer injuriöser wird, was soll da die gebildete und gesetzliche konstitutionelle Opposition anfangen! Es ist schade, daß wir die Kreuzzeitung nicht hier haben. Ich sehe allerlei Auszüge draus. Von dieser hundsordinären, gassenbubenhaften, stinkenddummpreußischen Manier, mit der das Blättchen jetzt über die anständigen, wohlhabenden und respektablen konstitutionellen Größen herfällt, hat man keine Vorstellung. Wenn man Kerlen wie Beckerath und Konsorten noch ein bißchen Taktgefühl und Widerstandsfähigkeit zutrauen könnte, sie müßten die Mißhandlungen und Schimpfereien eines Père Duchesne in Rheinschürgermanier und die ganzeterreur rouge[4]einer Behandlung vorziehen, wie sie sie jetzt von den Junkern und der Kreuzzeitung täglich zu genießen haben.