Chapter 31

Addio!

Dein K. M.

[1]Stürmischem Beifall.

[2]Der kleine Mann.

[3][Stern] des Vaterlandes .... Ich will, sagte er, euch die Bewegung der Geschichte auseinandersetzen usw.

[4]Große Siege und große Schlappen. Wohlan, Frankreich ist eine militärische Nation. [Sie hat ihre] Aufschwünge [und ihre] Zusammenbrüche. Was zu beweisen war.

[5]Das Elend, das scheußliche Elend.

[6]Das Elend ist nichts fest Umschriebenes, nichts zu Greifendes.

[7]Die Mutter wird nicht mehr mit eigenen Händen die Frucht ihres Leibes vernichten, das Mädchen von sieben Jahren wird sich nicht mehr an die Maschine „gruppieren“.

[8]1. Einen Abenteurer, 2. einen Bastard und 3. den Affen seines Oheims.

[9]Was sagst Du dazu?

[10]Männchen [und] Weibchen.

[11]Aber er ist ein Militär.

Manchester, 2. März 1852.

Lieber Marx!

Die 5 Pfund, die ich gestern zur Hälfte an Dich direkt, zur Hälfte unter Kuvert an Lupus schickte, wirst Du erhalten haben. –

Stirners Geschichte der Reaktion ist, nach der Augsburger Allgemeinen Zeitung, eine miserable Kompilation oder vielmehr Zusammenstellung von Lesefrüchten und gedruckten und ungedruckten Stirnerschen Zeitungsartikeln – „verschmähte Blätter und Blüten“ über alles in der Welt und noch einiges andere –, zwei Bände, die mit der Drohung schließen, daß der dritte „die Grundlage und das Lehrgebäude“ enthalten werde. Weit entfernt, sich zum Heiligen zu versteigen, sind seine eigenen Glossen vielmehr für höhere Töchterschulen bestimmt.

Der kleine Simon von Trier muß sich doch bei Dana schrecklich blamieren, wenn er uns so lächerlichen Blödsinn unterschiebt und Dana dabei unsere Artikel liest, die dochanything but that[1]enthalten .... Mein Artikel für den Southampton Steamer hat diesen verfehlt, da ich mich um einen Tag wegen dessen Abfahrt verrechnet hatte; Du erhältst ihn nun Freitag mit noch einem zweiten, der die Sache bis Ende 1848 bringen wird. Dann kommen die preußischen Kammern, die Reichsverfassungskampagne und schließlich die preußisch-österreichischen Wirren von 1850/51, endlich Konklusion – zusammen wird das Ganze vielleicht noch sechs bis acht Artikel machen, Summa Summarum 17 bis 20 Artikel. – In vierzehn Tagen wird Charles wieder hier sein, und dann habe ich mehr Zeit. Jones muß sich bis dahin gedulden. –

Herr Derby also erklärt geradeheraus, daß erà laSir J. Graham etwaige zukünftige Bandieras wieder den Österreichern und Konsorten in die Hände spielen wird. Also wieder Brieferbrechungenen masse. Wer hauptsächlich hierunter leiden wird, ist Mazzini und die Ungarn. Uns wird das wenig genieren.

Die Unverschämtheit des Derby ist aber groß. „Ich erkläre euch hiermit, daß ich bei passender Gelegenheit einen Zoll auf Korn legen werde. Wann, darüber habe ich allein zu urteilen. Wenn ihr, die Majorität des Unterhauses, aber nichtdes factieux[2]sein wollt, so müßt ihr mich in Ruhe lassen, bis ich mich so weit konsolidiert und das Land so weit toryfiziert habe, daß ich in aller Gemütsruhe den ganzen Fortschritt der letzten zwanzig Jahre wieder umwerfen kann.“ Das armehouse of commons![3]Anstatt eines Ministeriums, das sich in relativer Minorität befand, erhält es jetzt eines, das in der absoluten und permanenten Minorität ist, und es soll ihm nicht einmal Opposition machen dürfen. Den schlappen Freetraders aber geschieht ganz recht. Die Kerls hatten eine Schlacht gewonnen, eine neue strategische Linie erobert und vernachlässigen, sie zu besetzen und zu befestigen, ja vernachlässigen, vom Siege zu profitieren und selbst bloß den Feind zu verfolgen. Jetzt haben sie die Schlacht noch einmal auf demselben Terrain zu liefern. Dies Tory-Avènement[4]hat den Kerls die Fragen aber plötzlich enorm klar gemacht. Die Parlamentsreform, und zwar bis zu einem Grade, der wenigstens die unvermischten Tories und Whigs auf ewig von der Herrschaft ausschließtund eine Majorität von Industriellen im Kabinett und im Parlament sicherstellt, ist jetzt Lebensfrage für die Fabrikanten. Hier sind diese Gentlemen wieder sehr aktiv. In diesem Augenblick ist die Anti-Corn-Law-League versammelt und berät, ob sie sich wieder organisieren soll. Cobden, Bright, M[ilner] Gibson usw. sind hier. Wahrscheinlich werden sie das Gerippe der Organisation wenigstens wieder zusammenstoppeln. Aber erst wenn es zur Auflösung kommt, wird der rechte Tanz losgehen. Die Auflösung muß aber bald kommen, die Kollisionen können trotz der sanften Worte und friedlich-versöhnenden Absichten des Derby nicht ausbleiben.

Leider ist wenig Aussicht, daß die Handelskrise mit der Auflösung gleichzeitig eintritt. Der Commerce geht hier fortwährend brillant. Die Nachrichten von Amerika sind äußerst günstig. Was die Krise hinausschiebt und noch etwas hinausschieben kann, ist 1. Kalifornien, sowohl der Trade dahin, wie die Massen Gold, die in Verkehr kommen, und die Auswanderung dahin, kurz, der ganze Stimulus, den Kalifornien auf die ganzen Vereinigten Staaten ausübt. 2. Der Zügel, den die hohen Baumwollpreise von 1849 und 1850 der Baumwollindustrie anlegten, die sich erst seit Frühjahr 1851 flott entwickelt hat. 3. Der enorme Fall in den Baumwollpreisen – fast 50 Prozent – seit 11/2Jahren. In New Orleans kostete Baumwolle (Middling, die Durchschnittssorte) am 1. September 1850 131/2Cents = 73/4Pence in Liverpool; jetzt kostet Middling in New Orleans 75/8Cents = 47/8Pence in Liverpool und stand eine Zeitlang auf 7 Cents. Das muß den Konsum natürlich bedeutend vermehren. Im vorigen Jahre – Januar und Februar – wurden hier im Baumwollbezirk wöchentlich 29 000 Ballen konsumiert, dies Jahr 33 000, und das ist bloß amerikanische, dazu noch Surate, ägyptische, usw. – Wenn das so fortgeht, konsumiert England dies Jahr 800 bis 850 Millionen Pfund Baumwolle. 4. Die allgemeine Scheu vor der Spekulation, die nicht einmal auf Goldminen und Dampfschiffe sich mit Ausdauer werfen will. Nach allem, was ich sehe, sollte ich meinen, daß noch sechs Monate so forcierter Produktion wie jetzt hinreichen müßten, um die ganze Welt zu überführen; dazu noch zirka vier Monate für die Zeit, bis die Waren am Bestimmungsort ankommen und die Nachrichten von der definitiven Überführung wieder her, sowie für die Zwischenzeit, wo die Leute sich besinnen, bis sie von Panik erfaßt werden – so wäre die Zeit vom November 1852 bis Februar 1853 wohl die wahrscheinlichstefür den Ausbruch der Krise. Das ist aber allesguess-work,[5]und wir können sie ebensogut schon im September haben. Sie wird aber schön werden, denn solche Massen Waren aller Art sind noch nie auf den Markt geschleudert worden und solche kolossale Produktionsmittel sind noch nie dagewesen. Der dumme Streik derengineershält sie gewiß für einen Monat wenigstens auf; Maschinen werden jetzt so gut wie gar keine gemacht und sehr viele verlangt. Hibbert, Platt & Son haben Hunderte von Ordres sowohl für hier wie fürs Ausland und können natürlich nicht eine einzige ausführen. Wenn dies kommerzielle Ungewitter übrigens dem Herrn Derby über den Hals kommt, so wird’s ihm schlecht gehen! – –

Das Buch von Ewerbeck schicke mir ja nicht. Es ist die 6 Pence nicht wert, die das Porto kosten würde.

Grüße Deine Frau und Kinder bestens.

Dein F. E.

[1]Alles andere als das.

[2]Ränkespinner.

[3]Haus der Gemeinen.

[4]Das zur Regierung Kommen der Tories.

[5]Sache des Vermutens.

28 Deanstreet, London, 3. März 1852.

Lieber Engels!

Ich habe Montag die 5 Pfund erhalten, obgleich Lupus 3 und nicht 4 Broadstreet wohnt. Ebenso heute den sehr gelungenen Artikel an Dana.

Deine Sendung der Revolution und Tribune war erbrochen. Man hatte sich nicht einmal die Mühe genommen, sie wieder zuzumachen.

[Ernest] Jones hat mit Bezug auf W[eydemeyer]s Artikel ihm einen mit heutiger Post abgehenden offiziellen Brief zugeschickt, worin er Heinzenavec un dédain Suprême[1]behandelt und ihn über den „war of classes“[2]belehrt. Vorgestern hielt die National-Reformleague ein großes Meeting, wenigstens 2000 Zuhörer. Jones hat [die] Herrn Hume, Walmesley und Ko. gehörig gedeckelt und einen wahren Triumph davongetragen. London und Manchester scheinen sich jetzt so in die Arbeit zu teilen, daß dort die Bourgeois mehr ihre politische und hier mehr ihre kommerzielle Attacke führen.

Es ist mir vor einigen Tagen einitalienischabgefaßtes Manifest von Signore Mazzini in die Hand gefallen. Er ist derheiligeBourgeoisquand même[3]und schimpft über die „profanen“ französischen Bourgeois. Er überträgt die Initiative von Paris nach Rom. „Il materialismo“[4]und „il egoismo“[5]haben Frankreich ruiniert. Die Arbeiter haben von den Bourgeois beide Laster geerbt. Seit 1815 hat Frankreich aufgehört,das Land der Initiative zu sein, Italien und Ungarn sind jetzt die auserwählten Länder.

Während „Signore Mazzini“ als Peter der Eremit die lasterhaften Franzosen abkanzelt, kriecht er den englischen Freetraders in den Hintern, die wohl „le dévouement“[6]und „la foi“[7]inkorporieren.L’imbécile![8]

Den einliegenden Brief bitte zurückzuschicken. Heute nur so wenig, weil ich mit der Expedition nach Amerika die Hände voll habe.

Dein K. Marx.

[1]Mit erhabener Verachtung.

[2]Klassenkampf.

[3]Trotz alledem.

[4]Der Materialismus.

[5]Der Egoismus.

[6]Die Hingebung.

[7]Den Glauben.

[8]Der Dummkopf.

18. März 1852.

Lieber Marx!

Inliegend der Brief von Wichtelmännchen [E. Dronke] zurück. Ich binpour le moment entièrement dépourvu[1]und würde die 2 Pfund – in diesem Monat wenigstens – nicht auftreiben können; außerdem ist sein Brief vom 5. datiert, und man weiß gar nicht, ob ihn das Geld noch träfe ....

Wenn der Kleine ankommt, wirst Du einige Mühe haben, sein durch die „langen Mühsale“ gewiß sehr gesteigertes pugnazioses Temperament in Schranken zu halten; Keilereien und Paukereien kosten hierzulande zu viel Geld, als daß man ihm dergleichen gestatten könnte. Es wird am besten sein, wenn Du ihn an Pieper überantwortest, damit dieser ihm in der politischen Ökonomie Unterricht geben kann. Die Geschichte mit Massol ist sehr interessant, und wenn er dort bleibt, so bin ich begierig, ihn kennen zu lernen.

Was Du mir von Jones schreibst, freut mich sehr – ich habe nur jetzt verflucht wenig Zeit, sonst würde ich ihm mehr Artikel schicken. Aber der Charles ist noch nicht von Deutschland zurück, und dann außer dem Artikel für die Tribune und einem wöchentlichen Bericht an meinen Alten noch regelmäßig wöchentlich für ihn respektive Weydemeyer zu schreiben, ist etwas zu stark, wenn man den ganzen Tag auf dem Kontor geschanzt hat. Zudem muß ich endlich mit meinen slawischen Geschichten ins reine kommen. Auf die bisherige dilettantische Weise bin ich in einem ganzen Jahre zu nichts gekommen, und da ich doch einmal angefangen habe und zu weit bin, um die Geschichte fallen zu lassen, so muß ich jetzt einmal einige Zeit regelmäßig daran wenden. Ich habe seit vierzehn Tagen tüchtig Russisch geochst und bin mit der Grammatik jetzt so ziemlich im reinen, zwei bis drei Monate mehr werden mir auchden nötigen Wortreichtum verschaffen, und dann kann ich was anderes anfangen. Mit den slawischen Sprachen muß ich dies Jahr fertig werden, undau fond[2]sind sie gar nicht so schwer. Außer dem linguistischen Interesse, was die Sache für mich hat, ist es auch die Konsideration, daß wenigstens einer von uns bei der nächsten Haupt- und Staatsaktion die Sprachen, die Geschichte, die Literatur und die Details der sozialen Institutionen gerade derjenigen Nationen kennt, mit denen man sofort in Konflikt kommt. Bakunin ist eigentlich bloß dadurch etwas geworden, daß kein Mensch Russisch konnte. Und der alte panslawistische Schwindel, das altslawische Gemeindeeigentum in Kommunismus zu verwandeln und die russischen Bauern als geborene Kommunisten darzustellen, wird wieder sehr breit getreten werden.

Jones hat übrigens sehr recht, jetzt, nach des alten O’Connor definitivem Verrücktwerden, alle Saiten anzuspannen. Jetzt ist die Chance für ihn, und wenn dercitizen[3]Hipphipphurra noch dazu abfällt, so ist er seiner Sache sicher. Nach allem, was ich sehe, sind die Chartisten so komplett aufgelöst und zerfahren und haben zu gleicher Zeit einen solchen Mangel an brauchbaren Leuten, daß sie entweder ganz auseinandergehen und in Cliquen zerfallen, also praktisch reiner Schwanz derfinancials[4]werden müssen oder aber auf einer ganz neuen Basis von einem tüchtigen Kerl rekonstruiert. Jones ist ganz im richtigen Zuge, und wir können wohl sagen, daß er ohne unsere Doktrin nicht auf den richtigen Weg geraten wäre und nie gefunden hätte, wie man einerseits die einzig mögliche Basis zur Rekonstruktion der Chartistenpartei, den instinktiven Klassenhaß der Arbeiter gegen die industriellen Bourgeois, nicht nur beibehalten, sondern noch erweitern, entwickeln und der aufklärenden Propaganda zugrunde legen kann – und andererseits doch progressiv sein, den reaktionären Gelüsten der Arbeiter und ihren Vorurteilen entgegentreten.

Quoad Napoleonem,[5]hat der Mann nicht zu Louis Blanc gesagt, als er nach Frankreich ging:Quand je serai président, je mettrai en pratique vos idée?[6]Übrigens sieht man, wie die Finanznot selbst einen wahren Sozialisten wie Louis Napoleon zu finanziell-bürgerlichen Mustermaßregeln treiben kann, wie die Rentenkonversion. Der Shopkeeper und kleine Industrielle verzeiht für diese Eine Ersparnis von 18 Millionenzwanzig sozialistische Sprünge, und die Daily News bewundert diese Maßregel. Dümmer und gemeiner wie die Débats kann man übrigens über diese Geschichte nicht sprechen. Ganz die alte Geschichte: Postreform = Sozialismus! Rentenkonversion = Sozialismus! Freetrade = Sozialismus! Ich fürchte nur, daß Mynheer Napoleon, der trotz alledem in seinen eigentlich sozialistischen Geschichten sehr schüchtern auftritt und in der Hypothekengeschichte auch nicht über die bürgerlich-preußischen Kreditinstitute hinausgeht, schließlich, durch den Drang der Verhältnisse gezwungen, alle seine sozialistischen Velleitäten in einfache bürgerliche Reformen umwandelt, und dann kann uns nur die unvermeidliche Finanznot retten. Die Daily News hat recht, die Rentenkonversion ist einemesure éminemment pacifique[7]und zudem ein sehr fatales Anzeichen, daß Louis Napoleon mehr in die Bahnen des bürgerlichencommon sense[8]gerät. Aber freilich, wann hat man jemals Frankreich mitcommon senseregieren können, und welch eine Verwicklung von Umständen gehört dazu, einen Louis Napoleon zumcommon sensezu bringen! Jedenfalls sieht mir die kontinentale Atmosphäre nicht sehr revolutionär aus, obwohl Alräunchen ganz andere Nachrichten mitbringen wird. –

Unser Konzern hier geht wahrscheinlich noch in diesem Jahre auseinander. Ist dies der Fall, so werde ich zunächst, bei Besorgung der Liquidation, eine bedeutend freiere Stellung erhalten und weniger an Kontorarbeiten regelmäßig gebunden sein. Später, schreibt mir mein Alter, würde sich für mich wohl einebessereStellung finden – ich vermute, daß er auf meinen alten Plan eingehen wird, wonach ich mich nach Liverpool setzen und Baumwolle für ihn einkaufen würde. Das wäre famos, und Du müßtest in diesem Falle, wenn Du mit den Vorarbeiten zur Ökonomie fertig bist, mit Deiner ganzen Familie auf sechs Monate herüberkommen – wir würden in New Brighton an der See wohnen, und Du würdest noch Geld dazu sparen. Jedenfalls nehme ich mir Zulage, das ist klar. – Leider habe ich heute nicht Ruhe, den Artikel für die Tribune zu machen; aber da nächsten Mittwoch ein amerikanischer Steamer geht, so bekommst Du ihn bis Montag oder Dienstag, und ich mache dann für den Freitagsteamer wieder einen.

Viele Grüße.

Dein F. E.

Diesmal war das Siegel Deines Briefes zum erstenmal vollkommen unverletzt.

[1]Für den Augenblick ganz entblößt.

[2]Im Grunde.

[3]Bürger.

[4][Abkürzung für]Financial Reformers= Steurreformer.

[5]Was Napoleon anbetrifft.

[6]Wenn ich Präsident sein werde, werde ich Ihre Ideen praktisch verwirklichen.

[7]Hervorragend friedfertige Maßregel.

[8]Gesunden Menschenverstandes.

28 Deanstreet, Soho, 30. März 1852.

Lieber Frederic!

Soeben Deinen Artikel erhalten. Du bekommst einliegend ein ganzes Pack von amerikanischen Neuigkeiten, die Dir schon früher zugekommen, wenn nicht Abschrift und bündliche [an Bundesmitglieder gehende] Mitteilung von einem Teile der Sachen nötig gewesen wäre.

Hier allerlei Neues. Gottfried Christus Kinkel schickt oder hat vielmehr ausgeschickt Studiosum Schurz und Schimmelpfennig, um für Mitte April in London von der Schweiz, Paris, Deutschland, Belgien aus einen Kongreß zusammenzutrommeln, zur Garantie der Revolutionsanleihe und zur definitiven Regulierung der Verwaltung dieses Schatzes und der demokratischen Regierungin partibus.[1]

Kossuth, durch Szemere in Amerika bloßgestellt und ganz mit seinem zurückgelassenen Londoner Komitee zerfallen, wird sich wundern zu erfahren, welche Spaltungen unterdessen unter der demokratischen Klerisei eingerissen sind.

Herr Mazzini nämlich, seit zwei Jahren der Papst der demokratischen Kirchein partibus, hielt es endlich an der Zeit, seinem Gifte gegen den Sozialismus und Frankreich in französischer Sprache Luft zu machen, nämlich in der Brüsseler Nation, die er mit 10 000 Franken von dem italienischen Gelde, im Einverständnis mit Ledru-Rollin, an sich gekauft hatte. Dort schiebt er den 2. Dezember, die Einnahme Roms, kurz die ganze Konterrevolution den Sozialisten in die Schuhe und poltert in seiner hochtrabenden Dominikanermanier gegen die Ketzer, die Sekten, den Materialismus, den Skeptizismus, das welsche Babel ganz ebenso entschieden, wie er in London den englischen liberalen Bourgeois in den Hintern kriecht. Frankreich habe die revolutionäre [undeutlich, wahrscheinlich Initiative] verloren. Daspeuple-roiexistiere nicht mehr. Jetzt sei die Reihe an den anderen Völkern usw. Kurz, eine förmliche Bannbulle, die die Ehren der Aufnahme in die Patrie und im Constitutionnel genossen hat. Das war den Franzosen zu toll. Der kleine Louis Blanc, der hier zugleich eine Gelegenheit sah, sich wieder zu rehabilitieren und vorzudrängen, trommelte Cabet [?], Pierre Leroux, Bianchi, Nadaud und Vasbender (Proudhonien) zusammen. Im Morning Advertiser haben sie Herrn Mazzini aufs gröbste angegriffen. Der theoretische Teil ihrer Replikfast so schwach wie der Angriff Mazzinis. Der persönliche, wozu Massol dem Leroux das Material gab, vernichtet den arroganten Theopompos.

Ledru-Rollin seinerseits, um nicht allen Einfluß zu verlieren, sah sich gezwungen, aus dem europäischen Zentralkomiteeauszuscheiden. Auch er hat in der Nation auf den Angriff gegen Frankreich geantwortet. Elender Artikel ohne Hand und Fuß. Behauptet „die revolutionäre Initiative Frankreichs“, aber wie!C’est pour faire pitié![2]Ledru-Rollin soll jetzt nach den Vereinigten Staaten gehen wollen ....

Unterdes schafft die englische Regierung auf Staatskosten jede Woche den Mob der französischen Emigration haufenweise nach Amerika. Der elendelittleBlanc will die zufällige Gesamtdemonstration gegen Mazzini benutzen, um sich als das sichtbare Haupt derecclesia pressazu konstituieren. Zur Hintertreibung seiner kleinen Intrigen werde ich Massol hinter Pierre Leroux hetzen. Endlich, um die Konfusion voll zu machen, kommt Proudhon her.

Wie tief die offiziellen Größen sinken, siehst Du daraus, daß der süße Felix Phat –cet homme artiste,[3]unter welchem Kunstausdruck die Franzosen alle Schwäche, alle Charakter- und Verstandlosigkeit eines Individuums beschönigen – die Dezembertage zu einem melodramatischen Spektakelstück verarbeitet hat. Er hat einen englischen Unternehmer dafür gefunden, und mit ihm wird er den Schund in New York usw. aufführen, die Mordszenen, Expulsionen, Deportationen usw. Kann man hundsgemeiner auf das Pech seines Landes spekulieren? ...

Dein K. M.

[1]Ohne Anhang.

[2]Es ist, um Mitleid zu erregen.

[3]Dieser Mensch mit der Künstlernatur.

1. April 1852.

Lieber Marx!

Deinen Brief heute morgen erhalten, und zwar unversehrt. Die neue Adresse scheint gut zu tun.

Die erheiternden Emigrationsaktenstücke werden morgen zurückerfolgen – ich werde mir einige Notizen daraus machen.

Der kleine Dronke scheint sich richtig in Paris haben fassen lassen – sonst hörte man wohl von ihm. Sollten sich im Café D. wirklich, wie die Kölnische Zeitung sagt, einige Leute „der Marxschen Sekte“ zusammengefunden haben? Ich wüßte nicht, wo diese Trümmer herkommen sollten. Jedenfalls wäre es von Dronke unverzeihlich gewesen, wenn er sich sopubliquementunter diese Leute ins Café begeben hätte. Wäreer aber noch frei und eine Möglichkeit vorhanden, mit ihm zu korrespondieren, so müßte man jetzt allerdings alles aufbieten, um ihn nach London zu schaffen – er ist ausgewiesen, und die Kerle sind imstande, ihn wegenrupture de Ban[1]nach Algier zu schicken. Wenn es also möglich ist, Näheres zu erfahren, so will ich sehen, daß ich die zwei Pfund auftreibe; in Sicherheit muß das Kerlchen doch kommen. Schreibe mir, was Du über ihn erfährst.

Ich gehe jetzt nach Hause, um noch einen Artikel für Dana fertig zu machen, der, wenn er fertig wird, Dir mit der zweiten Post zugeht. Vorige Woche war ich scheußlich erkältet und bin es noch, so daß ich mehrere Abende absolut zu nichts kapabel war. Sonst wäre schon mehr fertig.

Sage Jones, daß er nächste Woche etwas von mir erhält – meine Artikel für ihn sind leider alle miserabel, da ich bei der Kleinheit jedes einzelnen und des geringen benutzbaren Raumes regelmäßig vergesse, was ich die Woche vorher geschrieben – dazu muß ich rasch und flüchtig arbeiten und habe gar keine Zeit, mir über die letzten französischen Geschichten Material zu sammeln und zu ordnen. Das ewige Schütteln aus dem Ärmel demoralisiert.

Sollte ich heute abend mit dem Artikel für Dana nicht fertig werden, so liegt das besonders daran, daß ich noch ein gut Teil Neue Rheinische Zeitung April und März 1849 durchzugehen habe, denn die Frankfurter müssen bei dieser Gelegenheitgründlichgedeckelt werden. Der Bauer reicht da nicht aus.

Dein F. E.

[1]Bannbruch.

28 Deanstreet, London, 5. April 1852.

Lieber Frederic!

Einliegend eine Sendung von Cluß, die ich bis Montag (Bundessitzungsabend) zurück haben muß.

Dronke hatte gleich den anderen Tag, nachdem Du mir sein erstes Schreiben zurückgeschickt, aus dem Gefängnis geschrieben an Freiligrath, was ich Dir mitzuteilen vergaß. Freiligrath schickte sofort den Brief an Lassalle, damit dieser ihm Geld nach [unlesbar] spediere, was wahrscheinlich um so rascher expediert werden konnte, als Lassalle mit jenem Briefe alle liberalen Bourgeois von Düsseldorf angehen konnte. Leider sagt die Patrie, es seien kompromittierende Briefe bei Dronke gefunden.Sollte er dumm genug gewesen sein, von seinem abgeschmackten Heß und sonstigen Verbindungen die Testimonia mit sich herumzutragen?

Louis Blanc, wie ich voraussah, sucht die gemeinsame Erklärung gegen Mazzini zu benutzen, um ein neues „réseau d’action“[1]zu bilden und sich als Chef der revolutionären Partei vorzudrängen. Er hat sogar mich zu seiner Fusion aller französischen Sozialisten zuziehen wollen und zu einer Zusammenkunft einladen lassen. Ich habe natürlich ihn nicht einmal einer Antwort gewürdigt, sondern demintermédiaire[2]bloß mein Erstaunen über diese Zudringlichkeit zu erkennen gegeben. Da Proudhon herkommt, wäre dem Kleinen eine Allianz mit mir jetzt sehr gelegen.

Dana hat endlich geschrieben und 9 Pfund, die Zahl dergedrucktenArtikel, gezahlt. Er hat mich zugleich gebeten, da die Präsidentenwahl alle Spalten des Blattes in diesem Intervall in Anspruch nehme, den Rest in fünf bis sechs Artikeln zu kondensieren und im letzten namentlich dieprospects of revolutionary Germany[3]darzustellen. Es gäbe dies famosen Anlaß zur Geißelung der Emigration, und werde ich Dir in einem späteren Briefe ausführlich meine Ansichten darüber schreiben.

Szemere schickt mir nun in drei bis vier Lieferungen sein (deutsches) Manuskript über Kossuth, Görgey und Louis Bathyani. Weydemeyer hat es in Amerika zu verlegen, was für ihn ein famoses Geschäft ist, zumal da hinzukommt, daß er wahrscheinlich von dieser Seite 500 Dollar für sein Blatt erhalten wird. Aber ehe die Sache deutsch nach Amerika geht, soll sie hier in England englisch übersetzt werden, um hier, nachdem sie in Amerika deutsch erschienen, als Broschüre für das hiesige Publikum herausgegeben zu werden. Du wirst schwerlich Zeit zu diesem Geschäft haben, selbst wenn Du den Dana eine Zeitlang liegen läßt. In diesem Falle müßte ich Jones die Sache geben. Es wird ein Pfund pro Bogen Übersetzung gezahlt.

Ich habe hier Oberst Szerelmey kennen gelernt, der sehr gebildet ist. Er hat vierzehn Schlachten in Ungarn mitgemacht. Da er zugleich famoser Maler ist, so gibt er jetzt ein Prachtwerk heraus, die Schlachtberichte im Text und die Schlachtzeichnungen. Er hat die Skizzen selbst gemacht, die ersten französischen Maler die Ausführung. Er hat mir ein Exemplar zugesagt. [Das] Stück wird 10 Pfund kosten. Da erhältst Du also einen Beitrag für Deine Kriegsbibliothek. – – –

Dein K. M.

[1]Netz der Aktion.

[2]Mittelmann.

[3]Aussichten des revolutionären Deutschland.

20. April 1852.

Lieber Marx!

Ich habe mit Bedauern gesehen, daß sich meine Befürchtungen wegen Deines kleinen Mädchens nur zu schnell bestätigt haben. Wenn es nur irgend ein Mittel gebe, daß Du mit Deiner Familie in eine gesündere Gegend und geräumigere Gegend [?Wohnung] ziehen könntest!

Gern hätte ich Dir einiges Geld geschickt, aber ich habe in London so viel mehr ausgegeben, als worauf ich gerechnet [hatte], daß ich selbst hier bis Ende dieses Monats krumm liegen muß, und im nächsten Monat habe ich an Rechnungen und für in Deutschland bestellte Bücher gleich 12 Pfund zu zahlen. Doch will ich sehen, wenn es irgend angeht, daß ich Dir gleich anfangs Mai etwas besorge. Ich wollte, ich hätte vorher gewußt, wie die Sachen in London ständen, ich hätte dann dieau fondganz überflüssige Reise nach London unterlassen und dadurch etwas freie Hand bekommen.

Pindar ist hier, da er in Liverpool kein Unterkommen gefunden hat. Er sucht eine Stelle oder Privatstunden, und ich werde mich natürlich für ihn verwenden. Um ihm einen Beweis meiner guten Dispositionen zu geben, habe ich russische Stunden bei ihm genommen. Um ihn aber hier empfehlen zu können, muß ich etwas mehr über ihn wissen, und da man [aus] ihm dergleichen nur mit der größten Mühe herauszerrt, so wäre es mir lieb, wenn Du mir schriebst, was Du von ihm und seinen Verhältnissen weißt, woher Du ihn kennst usw. Bei seiner stummen Manier sieht er mir übrigens nicht danach aus, als ob er hier sein Glück machen werde.

Bei den jetzigen kommerziellen Aspekten besonders in bezug auf Ostindien ist ein Punkt nicht außer acht zu lassen. Trotz der seit drei Jahren fortwährend steigenden kolossalen Einfuhr englischer Industrieprodukte nach Ostindien kommen seit einiger Zeit wieder ziemlich gute Nachrichten von dort; die Vorräte verkaufen sich allmählich und werden dort besser bezahlt. Dies kann nur darin seinen Grund haben, daß in den zuletzt von den Engländern eroberten Provinzen, in Sindh, dem Pendjab usw., wo sich die einheimische Handarbeit bisher noch fast ausschließlich gehalten hatte, diese jetzt endlich von der englischen Konkurrenz erdrückt wird, sei es, daß die hiesigen Fabrikanten erst neuerdings dahin gekommen sind, die für diese Märkte passenden Zeuge anzufertigen, sei es, daß die Natives ihren Geschmack an den einheimischen Geweben endlich dem wohlfeileren Preis der englischen, gewöhnlich nach Indien exportierten Zeuge geopfert haben. Die letzte indische Krisis 1847 und die damitzusammenhängende große Depreziation der englischen Produkte in Indien mag dazu sehr viel beigetragen haben; und schon aus dem alten Gülich geht hervor, daß selbst das zu seiner Zeit von den Engländern eroberte Indien noch lange nicht vollständig seine eigene alte Manufaktur aufgegeben hatte. Nur hieraus ist es zu erklären, daß nicht längst in Kalkutta und Bombay die 1847er Geschichte sich in verstärkter Form wiederholt hat. Wenn aber erst die 3 000 000 Ballen Baumwolle der letzten Ernte in den Markt gekommen und verarbeitet und als fertige Waren dem größten Teile nach nach Ostindien spediert sind, wird sich das schon ändern. – –

Nach allen Regeln muß die Krisis in diesem Jahre kommen, und wahrscheinlich wird sie es auch; wenn man aber die gegenwärtige ganz unerwartete Elastizität des ostindischen Marktes und die durch Kalifornien und Australien hineingekommene Konfusion sowie die Wohlfeilheit der meisten Rohprodukte, die die Industrieerzeugnisse ebenfalls wohlfeil hält, und die Abwesenheit aller großen Spekulation betrachtet, so kommt man fast in Versuchung, der gegenwärtigen Prosperitätsperiode eine außerordentlich verlängerte Dauer zu prophezeien. –

Grüße Deine Frau vielmals und schreibe bald.

Dein F. E.

28 Deanstreet, London, 24. April 1852.

Lieber Frederic!

Ich habe vergangene Woche eine Scheußlichkeit durchgemacht, von der Du Dir keine Vorstellung machen kannst. Am Tage des Begräbnisses blieben die versprochenen Gelder von allen Seiten aus, so daß ich schließlich gezwungen war, zu benachbarten Franzosen zu laufen, um die [Beerdigungskosten] zu zahlen. Und unglücklicherweise kam noch der Brief von Weydemeyer, wonach auch in Amerika alle Aussichten gescheitert scheinen. Cluß, dessen Brief Du nächste Woche erhältst, gibt jetzt bessere Aussichten.Quoique de dure complexion,[1]griff mich diesmal die Erbärmlichkeit bedeutend an.

Einliegend ein Brief von Ewerbeck, der nie frankiert und immer die letzten zehn Pence einem wegstiehlt. Dann einen Artikel von B. Bauer in der Daily New York Tribune. Dein Artikel hat alles Aas dahingezogen. Du wirst lachen über die Bauerschen Entdeckungen über die „Armeen“. Wenn Du mir jetzt Artikel für Dana schickst, so kannst Du warten, bis es mehrere sind, die ich dann gleichzeitig abschicke. – –

Heise (von der Hornisse), jetzt Willichs Intimus, teilen ein Bett. Was ist an dem Kerl? Sie renommieren wieder mit einem beabsichtigen Putsch in Deutschland. –

Apropos. Vergiß nichtimmédiatement[2]folgende zwei Wische nach London zu senden: 1. eine Vollmacht für Liebknecht, das Pfund Sterling beiHainzu heben; 2. einen kleinen Wisch schreibe selbst an Hain, worin Du dem „lieben Freund“ in zwei Zeilen mitteilst, da Du gehört, daß es ihm gut gehe, habest Du Liebknecht an ihn gewiesen wegen des Pfund Sterling. Man muß nämlich verhüten, daß keine Feindschaft nicht entsteht.

Nämlich gestern, da einer unserer Bekannten, der bisher bei Liebknecht Nachtlager fand, von dessen Wirtsleuten herausgeschmissen wurde und keiner von uns einen Penny dem armen Teufel geben konnte, schrieb ich Liebknecht ein Billett, worin ich ihm sagte, Du habest ihn auf Hain wegen des einen Pfund Sterling angewiesen. Herr Hain schien etwas ungläubig und verlangte von Liebknecht erst Deine Handschrift zu sehen.

Schicke mir einige Stamps, da ich Dir eine Masse Zeug zusenden muß.

Dein K. M.

[1]Obgleich [ich] von Charakter hart [bin].

[2]Unverzüglich.

Manchester, 25. April 1852.

Lieber Marx!

Von Hain erhielt ich gestern abend ein Billett, was ich Dir nebst Antwort darauf gestern zurückschickte. Ich denke, hiernach wird Herr Hain schon zahlen.

Inliegend die Stamps, denen bald mehr folgen sollen. Auch die Geschichten zurück. Der Brief von Ewerbeck ist ein würdiges Pendant zu seinem Buche. „Helft mir doch gegen Ribbentrop! Ich werde ihn der Demokratie alshypocriteunddébaucheur[1]denunzieren!“ Der Mensch ist vollends verkindischt.

Auch Freund Bruno hat nicht zugenommen an Weisheit und Erkenntnis Gottes.Il valait bien la peine,[2]von Berlin aus die amerikanische Presse in Bewegung zu setzen, um auf diesem weiten Umweg der erstaunten Welt zu verkünden, daß die kontinentalen Armeen zur Aufrechterhaltung der inneren Ruhe da sind. Herr Bruno repräsentiert noch immer die Hegelsche Dialektik auf der Stufe ihrer tiefsten Versumpfung. Die ganze Tiefe der Geschichtsauffassung beschränkt sich in diesem Entwicklungsstadium darauf, die banalsten Gemeinplätze mit einem hinreichendenAufwand von Pathos und scheinbarer Entwicklung umständlich zu beweisen und sie dann als ein ganz neu entdecktes Resultat des Forscherfleißes hinzustellen. Alles das ist erträglich bei längst vergangenen Historien, aber wenn einem die unmittelbare Gegenwart auf diese Weise vermystiziert wird, so ist das zu arg, und jeder Esel muß merken, daß nichts dahinter steckt. Und die tiefe Wahrheit: die Regierungen haben recht gegen die Revolutionen, weil diese noch unreif sind, aber die Revolutionen haben auch recht gegen die Regierungen, weil sie die Ideen der Zukunft zwar embryonisch und unreif, aber doch substantiell repräsentieren – alter Hegelscher Witz, der gewiß selbst in Amerika nicht mehr neu ist! Und immer und ewig die „Verstimmung“, die „Verdrießlichkeit“, die „gründliche Gleichgültigkeit“ des „Bürgers“. „In einigen Ländern kämpfen Klassen gegen Klassen, in anderen Nationen gegen Nationen.“ Genau genommen ist dieser ungeheuer gescheite Satz das Ganze, was Bruno aus der Revolution gelernt hat.

Herr Tellering ist offenbar aus Frankreich fortgeschafft worden als heimatlos vagabundierendes Mitglied des Lumpenproletariats und nicht einmal in dersociété du 10 Décembre[3]brauchbar.

Wenn Du nicht positiv weißt, daß Dr[onke] freiwillig nach Deutschland gegangen ist, so scheint mir die Sache wahrscheinlicher so, daß er, als früher schon aus Frankreich ausgewiesen, diesmal nicht nach einer beliebigen, sondern nach derdeutschenGrenze transportiert worden ist .... Man wird ihn sehr bald nach Köln transportieren und vielleicht vor den Assisen versuchen, als Zeuge auftreten zu lassen. Ihm selbst geschieht diesmal ganz recht. Das Geld, was er etwa brauchte, konnte er in Frankfurt gewiß auftreiben oder sich von Lassalle irgendwo hinschicken lassen, aber nein, das Kerlchen muß absolut nach Koblenz, wo ihn jeder Gendarm und jeder Hund auf der Straße kennt.En attendant il est sûrement logé.[4]

Dein F. E.

[1]Heuchler und Verführer.

[2]Es hat der Mühe sehr gelohnt.

[3]Verein des 10. Dezember [Titel der bonapartistischen Verschwörung].

[4]Inzwischen ist er sicher untergebracht.

Manchester, 27. April 1852.

Lieber Marx!

Inliegend Neuestes von Weydemeyer, das etwas besser lautet. Deinen Artikel behalte ich einstweilen hier, 1. um ihn zu lesen und 2. um ihn später eventuell ins Englische zu übersetzen, was mit Weglassung einiger nur Deutschen verständlichen Redeblumen sehr gut geht.

Voilà doncMoses Heß in der Kölnischen Zeitung steckbrieflich wegen Hochverrats verfolgt. Ich will mich hängen lassen, wenn das nicht infolge von bei Vater Dronke gefundenen blödsinnigen Papieren über ihre wichtigen Genfer Geschichten geschehen ist.Cela valait bien la peine![1]Inzwischen ist Moses wieder Märtyrer, was seinotium cum dignitate[2]sehr verschönern wird; vielleicht wird man ihn bald nach London spedieren –est-ce que nous n’échapperons jamais à cet imbécile![3]Jedenfalls kann alles das für die armen Teufel in Köln wieder sehr fatal werden und neuen Grund zu Verschleppungen ihres Prozesses geben; wären sie wirklich schon vor die Assisen verwiesen, so hätten wir das doch gehört.

Freiligrath schreibt mir wegen einer Introduktion an meinen Schwager – ich schicke sie ihm heute, er will also doch sich mit Gewalt nach einer Stelle umsehen.

Meine besten Grüße an Deine Frau und Kinder

Dein F. E.

[1]Das hat gerade der Mühe gelohnt.

[2]Würdevolles Mußeleben.

[3]Werden wir diesem Dummkopf niemals entrinnen!

[An einen aus Williamsburg datierten Brief Weydemeyers angefügt.]

Manchester, 29. April 1852.

Lieber Marx!

Die Koblenzer Geschichte wegen des Pikkolo [Ernst Dronke] war also doch eine reine Fabel, und wenn der Kölner Zeitung zu trauen ist, wird Vater Dronke jetzt wohl schon in London sein und seine Abenteuer so ein Ziel erreicht haben.Tant mieux pour lui.[1]Die Geschichte mit Moses’ Steckbrief wird mir aber dadurch erst recht unerklärlich. Jedenfalls scheint sie neue Schikanen gegen die Kölner anzudeuten. Gott weiß, welcher alte Wisch wieder in die Hände der Polizei geraten sein mag.PauvreMoses, soegregiously post festum[2]noch zum Märtyrerin partibus infidelium[3]zu werden!

Nächste Woche werde ich einige Artikel für Dana hintereinander machen und sehen, daß ich die Geschichte bis zum Schlusse der Reichsverfassungskampagne bringe. Damit wir dann gleich schließen können, wäre es gut, wenn Du für die letzten Artikel, dierevolutionary prospects of Germany[4]und die Stellung unserer Partei während und nach der Revolution, mir ein kurzes Memorandum machtest. Geradediese Schlußsachen sind zu wichtig, und dann wird ein solches Memorandum mich in den Stand setzen, die Artikel nicht nur besser, sondern auch bei weitem rascher zu machen. Auf diese Weise würde es mit einiger Anstrengung von meiner Seite gelingen, die ganzen rückständigen fünf bis sechs Artikel heute über vierzehn Tage fertig zu haben, und inzwischen könntest Du schon mit Dana wegen einer neuen Serie, über einen Gegenstand von mehractualité, in Korrespondenz treten,soit la France, soit l’Angleterre.[5]Da Weydemeyers Broschüre nun recht bald erscheint, so wird der 18. Brumaire, es sei denn unter veränderter Gestalt, dem Dana nicht mehr zu verkaufen sein; er kann ihn dannfor nothing[6]haben und selbst übersetzen. Du könntest aber immer bei Dana anfragen, ob er eine für das anglo-amerikanische Publikum berechnete Veränderung und Übersetzung haben will, man würde dann die Vorgeschichte bis zum 2. Dezember 1851 bedeutend zusammenstreichen und schließlich die Sache in die unmittelbareactualitéverlaufen lassen müssen, so daß fortlaufende wöchentliche oder vierzehntägliche Berichte über Frankreich sich daran schließen könnten.

Dein F. E.

[1]Um so besser für ihn.

[2]Armer [Moses], so ungemein hinterher.

[3]In den Gebieten der Ungläubigen.

[4]Aussichten der Revolution in Deutschland.

[5]Sei es Frankreich oder England.

[6]Umsonst.

28 Deanstreet, London, den 30. April 1852.

Lieber Frederic!

Gleichzeitig mit diesem Briefe erhältst Du eine kolossale Sendung von Amerika. Ich habe heute auch einen Brief von Cluß erhalten, von dem ich Dir unten Auszüge gebe, den ich aber bis nächste Woche noch brauche.

Dronke istsain et sauf[1]hier eingetroffen. Er gefällt mir besser, als ich gefürchtet hatte. Er ist gewachsen und auch in die Breite gegangen. Dadurch hat er an Aplomb gewonnen. Einstweilen kneipt er bei Anschütz, der ihn mit offenen Armen empfangen hat. Er wird hier ein kleines Geschäft anfangen, da er von Paris den Auftrag hat, hier Zigarren- und Moneytaschen zu verkaufen. 10 Prozent Gebühren. Und durch Anschütz kommt er gleich in die nötigen Verbindungen für diesen Trade.

Von ihm habe ich erfahren, daß der „brave“ Techow eine Charakteristik über uns in die Schweiz geschickt, worin er weidlich schimpfte, speziell über Dich. Die Militärs haben einen Konkurrenzneid gegenDich.Et je pense,[2]daß Du eines Tagesleurs pressentiments[3]rechtfertigen wirst. Außerdem: Schily verlangte von Genf, die Herren sollten sich mit uns ausgleichen. Darauf erfolgte ein Gutachten, gezeichnet: Willich, Techow, Schapper, Schimmelpfennig, worin es unter anderem hieß: 1. habe man vollständig mit dieser ganz machtlosen Partei gebrochen; 2. seien Polizeispione unter uns, die alles der preußischen Regierung anzeigten. – –

Das Memorandum über Deutschland wirst Du erhalten.

Aus dem Clußschen Briefe folgendes:

Hutzel (zu unterscheiden von Hutzelwitt, Freund von Cluß, bei dem Kinkelkongreß zu Cinncinnati als Garant anwesend) schreibt an Cluß unter anderem: „Kinkel wollte mich durch Gemeinheiten gegen Marx und Engels niederschmettern. Was ich wollte, ist mir gelungen. Ich brachte ihn so in die Enge, daß ich ihn auf lange im Sacke habe. Er wollte sich sicherstellen dadurch, daß er mich um mein Ehrenwort hat, über den Vorfall zu schweigen und ihm ‚keine Stänkereien‘ durch eine Publikation zu bereiten. Ein gewisser Tellering schimpft ‚wie ein Rohrspatz in einem Briefe an Anneke‘.“

Weiter schreibt Cluß selbst: „In New York in der kostbaren Versammlung, deren Rapport ich in meinem letzten Briefe sandte, haben sich die sehr zahlreichen Turnvereine separat konstituiert und sich für meinen Protest und Weydemeyers Artikel gegen das Memorial von Kinkel erklärt.“

Unter den Sachen, die ich Dir zuschicke, findest Du den Entwurf einer Reklame für die Bilder und [das] Schlachtenberichtwerk vom alten Szerelmey. Er wünscht es etwas ausgepatscht und ins Englische als Reklame verarbeitet, wofür er jedem von uns ein Exemplar des Werkes zusagt.Je crois que ça vaut la peine de faire un petit Puff.[4]–

Mais que dis-tu, mon cher,[5]daß Ruge in dem Dir überschickten Janus sich den Kommunismus als jüngstes Produkt seines „humanistischen Denkens“ anzueignen sucht, und wie!Mon Dieu!

Hast Du den Hahnenkampf zwischen Harney und Jones gelesen? Sonst schicke ich Dir ihre wechselseitigen Philippiken. Beide, der eine freiwillig, der andere gezwungen, steigen hier auf den Standpunkt der deutschen Emigrationspolemik herab.

Dein K. M.

[1]Heil und sicher.

[2]Ich denke.

[3]Ihre Ahnungen.

[4]Ich glaube, das lohnt der Mühe, eine kleine Marktschreierei zu machen.

[5]Aber was sagst Du dazu, mein Lieber?

Manchester, 1. Mai 1852.

Lieber Marx!

Inliegend 30 Schilling Post Office Ordre, alles, was ich für den Moment entbehren kann. Du wirst das Ding zwar morgen des Sonntags wegen nicht einkassieren können, aber wenigstens weißt Du, daß Du es hast. Sollte es mir im Laufe des Monats möglich sein, eine zweite derartige Sendung abzustoßen, so weißt Du, daß es jedenfalls geschieht, aber bis jetzt kann ich das noch nicht beurteilen.

Daß der Kleine eingesprungen ist und sich herausgemacht hat, ist sehr schön, und daß er an Anschütz vorderhanda friend in need, a friend indeed[1]gefunden, ist auch etwas wert. Im Laufe des Sommers muß er mich mal besuchen, wenn ich erst meinen Alten hier gehabt habe.

Den Brief von Cluß nächste Woche zurück. Die Geschichte für Szerelmey werde ich machen.

Dein F. E.

[1]Ein Freund in der Not, ein wirklicher Freund.

Manchester, 4. Mai 1852.

Lieber Marx!

Inliegend den Clußschen Brief zurück. Die Jonesschen Artikel habe ich hier, dagegen nicht die von Harney, die Du mir gelegentlich schicken kannst, damit man beide Seiten kennen lernt und Vater Harney in seiner neuen Rolle sieht ....

Das Herkommen meines Alten schiebt meine Danaschen Pläne natürlich um acht bis vierzehn Tage auf.

Wie mir Ebner schreibt, steht er wegen Deiner Ökonomie noch immer mit Löwenthal in Unterhandlung, der sich in Brüssel etablieren will und einstweilen noch Associé im Frankfurter Geschäft bleibt.

Wie kommt Freiligrath mit meinem Schwager voran? Antworte mir wegen Pindar,c’est une bête ennuyeuse et assez confuse.[1]Ist er im B[un]d?

Schreibe bald.

Dein F. E.

Bei Paketen, die nicht durch die Post gehen, schreibst Du besser statt der alten Nr. 70 beide, die alte und neue Nummer auf die Adresse, so: Nr. 44/70 Great Ducie Street, Strangeways, Manchester.

Die Geschichte für Szerelmey womöglich morgen.

[1]Das ist ein langweiliges und ziemlich konfuses Vieh.

28 Deanstreet, London, 6. Mai 1852.

Lieber Frederic!

Das Paket an Dich ist nicht abgegangen, weil Pickford 21/2Schilling meiner Frau abverlangte. Und so viel ist der ganze Dreck nicht wert.

Der einliegende sonderbare Zettel, den Du erhältst, ist eine rasch genommene Kopie von einem Rundzettel, den die Herren Kinkel-Willich an ihre Affiliierten erlassen haben. Das Komische ist, daß einer ihrer Sektionschefs diese Wische jedesmal zum preußischen Generalkonsul Hebeler bringt, der dafür zahlt. Die preußische Regierung hat natürlich ebensogut den Schlüssel zu diesen wichtigtuenden Mysterien wie Kinkel-Willich.

So viel ist sicher, daß ein Putschquelconque[1]beabsichtigt wird. General Klapka ist bereits nach Malta abgereist, in seiner Tasche eine Bestallung, gezeichnet Kossuth-Mazzini, die ihn zum Obergeneral der ungarischen und italienischen Armee ernennt. Ich glaube, in Sizilien soll begonnen werden. Wenn die Herren nicht jedes Jahr zweimal Niederlagen erleben und Schläge bekommen, fühlen sie sich unbehaglich. Daß die Weltgeschichte sich ohne ihr Zutun entwickle, ohne ihre Intervention, und zwar offizielle Intervention, können sie nicht zugeben. Geht die Sache schief, so hat Herr Mazzini von neuem Gelegenheit, sich in entrüsteten Briefen an einen Grahamquelconquewichtig zu machen.

Ich war gestern mit Freiligrath bei Buchhändler Trübner. Er glaubt, eine Anzahl der „Revolution“ hier in London unterbringen zu können und einen anderen Teil in Deutschland durch Campe vertreiben lassen zu können. Sobald also die Weydemeyerschen Exemplare kommen, expediere hierher. Die Turnzeitung scheint sich verlaufen zu haben.

Dein K. Marx.

[1]Irgendwelcher [Putsch].

Manchester, 7. Mai 1852.

Lieber Marx!

Inliegend den Brief von Cluß zurück. Es fällt mir dabei ein, daß jetzt, wo Herr Dana sich mit Bruno Bauer und Simon von Trier in Verbindung gesetzt und zugleich Dir wegen der Präsidentenwahl den Raum beschränkt hat, es gewiß am Platze wäre, gegen Herrn Dana einige Yankeeschritte zu tun ....A Barnum, Barnum et demi.[1]Wenn es Dir recht ist, kann ich dies per nächsten Steamer bei Weydemeyer einleiten.

Das Zirkular des Konvents an die Sektionen ist heiter. Ich will mich hängen lassen, wenn die Sektionen St. Petersburg, Warschau, Berlin, Rom usw. weiter als vier Meilen von Charing Croß entfernt domiziliert sind. Dies karbonarische, wichtigtuende, energisch aussehende, tagesbefehlmäßige Auftreten verrät, wie sehr die Herren sich wieder selbst über ihre angeblich organisierten Kräfte täuschen. Jetzt einen Putsch zu beabsichtigen, ist eineBêtise[2]und eine Gemeinheit. Aber freilich, „es muß doch was geschehen, es muß doch was getrieben werden!“ – – –

Ich habe endlich meine kriegswissenschaftlichen Sachen aus Deutschland erhalten. Was ich bis jetzt davon gelesen, ist nur wenig. Herr Gustav von Hofstetter, der Vielgerühmte, erscheint mir nicht gerade als Napoleon, sondern bis jetzt nur als recht brauchbarer Chef eines Bataillons oder so im kleinen Gefecht. Doch habe ich sein Ding noch nicht ausgelesen. Ein ganz hübsches Ding dagegen ist eine Broschüre über die neuen Fortifikationen im großen, von einem preußischen Ingenieurhauptmann Künzel – historischer und materialistischer als irgend etwas, was ich bisherin militaribusgelesen. – Was nun den Herrn Willisen angeht, so ist hier zu sagen, daß bei Idstedt nicht die Dänen über die Schleswig-Holsteiner, sondern die gewöhnliche Taktik des gesunden Menschenverstandes über die Hegelsche Spekulation gesiegt hat. Das Willisensche Buch sollte eigentlich heißen:Philosophiedes großen Krieges. Es versteht sich damit von selbst, daß in dem Ding mehr Philosophiererei als Kriegswissenschaft enthalten ist, daß die sich am meisten von selbst verstehenden Sachen mit der weitläufigsten und tiefsten Gründlichkeita priorikonstruiert werden, und daß dazwischen die schulgerechtesten Abhandlungen über Einfachheit und Mannigfaltigkeit und dergleichen Gegensätze vorkommen .... Hier und da sind nette Aperçus und brauchbare Reduktionen auf einfache Grundregeln; es wäre auch schlimm, wenn das nicht der Fall wäre. Auf seine Anwendung auf die Praxis bin ich noch nicht gekommen; aber es spricht nicht sehr für Willisen, daß Napoleons größte Erfolge jedesmal durch Mißachtung der Willisenschen ersten Regeln erlangt wurden, ein Resultat, das sich ein bibelfester Hegelianer freilich sehr gut erklären kann, ohne daß die Regeln im geringsten zu leiden brauchen.


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