Chapter 32

Wie ich sehe, sind Görgeys Memoiren soeben erschienen – sie kosten aber 6 Taler, und ich werde sie mir daher jetzt noch nicht anschaffenkönnen. Mit ihnen kann man das Material über dasMilitärischedes ungarischen Krieges als vorderhand abgeschlossen betrachten. Über den ungarischen Krieg mache ich jedenfalls etwas, vielleicht über alle 1848/49er Kriege. Sowie ich etwas mit der früheren Kriegsgeschichte im reinen bin, werde ich mich nach einem Verleger umsehen, der dann auch den größten Teil der Kosten für die Quellen tragen kann.

Die Dir vorigen Samstag geschickten 30 Schilling wirst Du erhalten haben.

Dein F. E.

[1]Gegen einen Barnum [setzt man] anderthalb Barnums.

[2]Dummheit.

Manchester, 19. Mai 1852.

Lieber Marx!

Les affaires vont bien.[1]Morgen oder übermorgen reist mein Alter wieder ab, sehr zufrieden mit seinen Geschäften. Das hiesige Geschäft wird vollständig reorganisiert und auf neuen Grundlagen fortgeführt. Die Zulage ist glücklich erobert, und sobald die Kontrakte unterzeichnet sind und mein Alter verschwindet, wird die erwähnte Banknote bei Dir ihre Erscheinung machen. Das schönste dabei ist, daß ich gar nichts unterschreibe, mein Alter hat die Weisheit, mir in politischer Beziehung doch nicht ganz zu trauen und sich daher wohl zu hüten, daß er nicht später durch mich in neue Unannehmlichkeiten kommt. Auch kann ich es eintretendenfalls bei Beobachtung einiger Anstandsformen dahin bringen, daß ich von einem meiner Brüder ersetzt werde, so daß bei meinem Fortgehen mein Alter nichts verliert als allenfalls einige Illusionen, und ich derjenige bin, der ein Opfer bringt, nicht er. Da ich nämlich durch alle diese Veränderungen für den Augenblick einen tüchtigen Haufen Arbeit auf den Hals bekommen werde, so kann ich in den nächsten Tagen schwerlich an viel Zusammenarbeiten mit Dir denken, und doch wäre es mir lieb, Dich sobald wie möglich hier zu sehen .... Es fällt mir gerade ein, daß es am besten wäre, Du kämest Pfingsten,id estden Freitag vorher – übermorgen über acht Tage –, wo hier die allgemeinenholidays[2]sind. Bei schönem Wetter gingen wir dann auf die Insel Man oder sonst wohin und bei schlechtem arbeiteten wir.

Die Hauptsache ist übrigens bei dem neuen Arrangement, daß vom 1. Juli an mein Geld nicht nur sich vermehrt, sondern auch vollständigmeinist, so daß kein Mensch mehr mich zu fragen hat, wozu ich es gebrauche. Das Nähere mündlich.

Dein F. E.

[1]Die Geschäfte gehen gut.

[2]Ferientage.

Manchester, 21. Mai 1852.

Lieber Marx!

Mein Alter ist fort.All is right.[1]Inliegend die erste Hälfte der Zehnpfundnote. Ende nächster Woche hoffe ich, Dich hier zu sehen. Vermutlich liegt in diesem Augenblick ein Brief von Dir in meinem Hause, ich habe aber nicht die Zeit, hinzugehen. Die zweite Hälfte der Note erfolgt entweder heute mit der zweiten Post oder morgen.

Dein F. E.

[1]Alles ist in Ordnung.

Manchester, 22. Mai 1852.

Lieber Marx!

Ich schreibe Dir heute bloß, um für alle Fälle anzuzeigen, daß ich Dir gestern per erste Post direkt eine halbe Zehnpfundbanknote geschickt, und daß die zweite Hälfte gleichzeitig an Lupus zur Abgabe an Dich kuvertiert wurde, was Du hoffentlich richtig erhalten hast.

Hier ist jetzt großeelectioneering activity[1]– zwei von den Tories aufgestellte Whigfreetrader sollen Bright und Gibson hinauswerfen, und es wird nichts getan als gekanvaßt[2]und gesoffen. Natürlich haben die Kerls keine Chance, es wird sie aber ein schönes Geld kosten.

Vor drei Wochen trat, wie ich erwartet, ein Anlauf zur Spekulation im Baumwollenmarkt ein; da aber die Chancen noch nicht prononciert genug sind und die hiesigen Spinner und Kaufleute dagegen operierten, fiel die Geschichte momentan wieder ins Wasser. Sie wird indes sehr bald wieder anfangen, sobald die ganze Masse der Ernte in Amerika abgeliefert ist ....Après tout[3]zeigen sich die Sturmvögel jetzt doch schon etwas bestimmter und in größerer Menge.Cela sera beau.[4]

Hoffentlich erhalte ich spätestens bis morgen früh einen Brief von Dir.

Dein F. E.

[1]Wahlagitation.

[2][Wähler] persönlich bearbeitet.

[3]Nach allem.

[4]Es wird schön sein.

28 Deanstreet, Soho, 22. Mai 1852.

Lieber Frederic!

Heute morgen ist die erste Hälfte der Zehnpfundnote eingesprungen.

Ich denke Freitag von hier abzureisen, und zwar zu Schiff nach Liverpool, von da nach Manchester.

Apropos. Bürger Schramm reist nach Amerika über Liverpool. Nun hat der Kerl vor, wie er uns vertraut, Dich Mittwoch oder Donnerstag heimzusuchen. Du mußt sehen, wie Du ihm entgehen kannst.

Cherval, von dessen Heldentaten vor den Pariser Assisen, in demComplot allemand-français,[1]Du gelesen, ist, wie Du vielleicht auch in den englischen Blättern (Morning Advertiser) gesehen, auf fabelhaft kühne Weise den Häschern entsprungen. Nachträglich stellt sich heraus, mit Einwilligung der Polizei, der er alles, was er wußte, verraten. Die Great Windmillers selbst waren gezwungen, den Helden, mit dem sie in London herumparadierten, auszustoßen.

Die Kölner sind von dem Anklagesenat endlich vor die Assisen verwiesen. Wenn keine Extraassisen angesetzt werden, kommen sie erst Juli vor.

Dronke grüßt.

Dein K. M.

[1]Deutsch-französisches Komplott.

28 Deanstreet, 3. Juli 1852.

Lieber Engels!

Ich komme spät, aber ich komme. Den Aufschub wirst Du aus folgender Geschichtserzählung Dir erklären ....

Kloses Frau, lang kränkelnd, abzehrend im Hospital, wird von dem Hundepack entlassen gerade im Moment der letzten Krise, stirbt vorgestern in seinem Hause. Nun kein Centime da, Begräbniskosten usw. Freiligrath konnte nichts tun, da er eben alle seine Bekanntschaften erschöpft hatte, um Heilbergs Frau und Kind nach Breslau zurückzufördern, ihn selbst am Leben zu halten und schließlich ins Hospital zu fördern. So fiel die Sache auf mich und machte unsägliche Laufereien, bis sie ins reine gebracht war.Maintenant[1]ist wieder Ruhe!

Du wirst von neuen Verhaftungen in Paris gelesen haben. Die Tölpel (diesmal Ruge-Clique) mußten natürlich eine Scheinkonspiration wieder von neuem auf die Tapete bringen. Ihr Korrespondent in Paris, wie mir schon vor geraumer Zeit mitgeteilt war,Engländer, notorischer Polizeiagent (in Paris), deponiert natürlich jeden ihrer Briefe sofort im Office. Nicht zufrieden damit, schickt die französische Polizei Simon Deutsch her, um dem Panzerum die Würmer aus der Nase zu ziehen. L[ouis] N[apoleon] bedarf unter allen Umständen einer Konspiration.

Ein Hauptagent der Polizei ist bestochen. Zwei Generale sollen gewonnen sein. Nemours war selbst vor vierzehn Tagen in Paris. Große Summe zur Verbreitung von Pamphleten gegen L. N. verausgabt.

Der Hund Cherwald hat den Preußen noch den Pfänderschen Brief an ihn ausgeliefert.

Au revoir.

Dein K. M.

Von Weydemeyer keine Spur. Bonaparte wird wohl eher in Amerika sein als meine Broschüre über ihn in Europa. Wenn möglich, schicke mir bald einen Artikel für Dana.

[1]Jetzt.

Manchester, 6. Juli 1852.

Lieber Marx!

Ich sitze hier bis über die Ohren in der Arbeit. Vor mir liegen jetzt noch elf Geschäftsbriefe, die ich heute noch schreiben muß, und es ist gleich 7 Uhr. Ich will indes womöglich noch heute, spätestens aber morgen abend einen Artikel für Dana machen.

Ich habe gerade den Herrn Görgey vor. Wir haben damals aus den österreichischen Berichten den Gang des ungarischen Krieges in der Neuen Rheinischen Zeitung famos richtig geraten und glänzend, aber auch vorsichtig, richtig prophezeit. Das Buch von Görgey ist hundsgemein, so etwas klein Neidisches, infammesquinBorniertes existiert nicht mehr. Das Militärische ist gut, Görgey, wie er leibt und lebt, der talentvolle Exleutnant, der sofort General wird und dem der Kompagniedienst und das elementartaktische Detail noch als Eierschale überall anklebt. Die Ungarn, die behaupten, Görgey hätte das nicht schreiben können, sindEsel. Das echt Görgeysche und das österreichische Element sind im Buche so leicht zu unterscheiden, wie im Chenu die beiden heterogenen Elemente. Als Quelle ist das Buch – mit Vorsicht – aber sonst sehr gut zu gebrauchen. Die boshafte Borniertheit des Kerls geht so weit, daß sie ihn dazu treibt, sich selbst zu blamieren, wie durch die Geschichte von der Waizener Proklamation, worin er Kossuth vorwirft, in der Wirklichkeit gescheiter gewesen zu sein als in seinen bombastischen Reden, und durch die ganze unbeholfene Darstellung, die den Verfasser sich immer wider Willen kompromittieren läßt. Diese Borniertheit läßt Görgey nie zu einer wirklichen Charakterisierung irgend eines Kerls kommen, doch sind nette Züge und einzelne Glossen drin über Kossuth und die meisten anderen. Trotz dieser Borniertheit derBoshaftigkeit war Görgey – man sieht es überall – doch allen überlegen – was sind also die anderen erst für Kerle!

Über den ungarischen Krieg schreibe ich jedenfalls.

Dein F. E.

13. Juli 1852.

Lieber Engels!

Einen Artikel über die Wahlen habe ich nicht geschrieben, weil nach meiner Ansicht erst das Gesamtresultat abgewartet werden muß. Es scheint mir nach dem, was ich bisher gesehen, daß auf fünf bis sechs Stimmen, zum Vorteil der Whigs, das alte Parlament mit Haut und Haar wieder auferstehen wird. Die Kerls sind in einemcercle vicieux,[1]wo sie nicht herumkommen. Die einzigen, die bis jetzt bedeutend verloren haben, sind die Peeliten. – –

Der große Techow nebst Madame Schmidt-Stirner wandern nächste Woche nach Australien. Aber was Dich tiefer kränken wird, „Dr.“ Damm wirst sich nicht minder aufaustralian golddigging.[2]Noch einige Monate Frieden, und unsere Weltumwühler wühlen alle im australischen Dreck nach dem Drecke.

Meine Frau ist sehr leidend, magert ab und hustet. Indes erklärt der Doktor die Sache für nicht gefährlich und hat ihr außer Medizin verordnet, viel Porter zu trinken.

Wenn es Dir möglich ist, bis Freitag noch einen Artikel zu schicken, werde ich versuchen, die an Dana dann zu fordernden 5 Pfund bei Johnson zu eskomptieren. –

Dein K. M.

[1]Fehlerhaftem Zirkel.

[2]Goldgraben in Australien.

Manchester, 15. Juli 1852.

Lieber Marx!

Hast Du vor zwei bis drei Tagen den Artikel im Morning Herald über die verschiedenen Parteichefs der Opposition gelesen? Er kann nur von Disraeli selbst geschrieben sein. Das:And now stand forth, thou man of „unadorned eloquence“,[1]Richard Cobden, ist famos. Master John Bright wurde darin ganz richtig als der einzig gefährliche Kerl erkannt, obwohl die Herren sich über den Graham auch Illusionen machen. Dieser gewissenlose alteambitieux[2]ist gerade jetzt den Herren Tories sehr gefährlich.

Bon voyage[3]den patriotischen Goldgräbern! So bekommt der Name „Wühler“ doch endlich seine wahre Bedeutung und seinen Inhalt.

Gerade jetzt, da, wie ich höre, der Prozeß am 28. vorkommt, ist es wichtig, mehrere sichere Verbindungen mit Köln zu haben. Wüßten wir nur, wie weit man sich auf B[ermbach]s Tätigkeit verlassen kann. Die Briefe könnte man ihmviaBradford schon sicher zuspedieren. Wüßten wir, daß Weerth in Hamburg, so wäre die Sache abgemacht. Ich schreibe deshalb noch heute an Strohn. Zu gleicher Zeit ist im Notfall sogar Naut zu benutzen. Dieser nämlich, von Emanuels abgegangen, Agent für ein kleines Bradforder Judenhaus, hat mir einige militärische Sachen bei einem Kölner Antiquar gegen alle Erwartungäußerst promptbesorgt; das Rätsel löst sich aber, wenn Du hörst, daß er Agent für Ermen & Engels werden will und mich außerdem ersucht hat, ihm für ein hiesiges Twisthaus die Agentur zu verschaffen. Ich verspreche ihm alles und empfehle ihn meinem Alten. So kann man sich, für die Dauer dieser Unterhandlungen, auf seine Exaktitude verlassen.

Die mir von Naut besorgten Militaria – offenbar die Bibliothek eines abgedankten Artillerieoffiziers – kommen mir sehr gelegen, und zwar besonders, weil sie sich hauptsächlich auf dieniedereMilitärwissenschaft beziehen, den eigentlichen Dienst usw. Das fehlte mir gerade. Dazu famose Sachen über Fortifikation usw. Ich werde bald so weit sein, daß ich auch vor dem Publikum riskieren darf, ein independentes militärisches Urteil zu haben.

Inliegend der Artikel für Dana. Ich werde jetzt rasch zum Schlusse arbeiten; mache aber auch etwas über England. Schlagen wir 3 Pfund pro Woche aus dem Kerl heraus, so müßte es mit dem Teufel zugehen, wenn wir es nicht dahin brächten, daß Deine Frau noch vor Ende dieses Sommers einige Zeit aufs Land geht – das wird ihr besser helfen als aller Porter. Jedenfalls freue ich mich zu hören, daß ihr Unwohlsein nicht gefährlich ist.

Laß mich nur noch ein Jahr Militaria ochsen, und die Demokraten-Leutnants sollen sich doch höllisch wundern.

Grüße Deine Frau und Kinder und Dronke und Lupus von

Deinem F. E.

[1]Und nun trete vor, du Mann der „unverzierten Beredsamkeit“.

[2]Ehrgeiziger.

[3]Glückliche Reise.

2. August 1852.

Lieber Engels!

Die Kölner Geschichte [ist] von dem Gericht wieder auf drei Monate vertagt, auf Antragen des Staatsprokurators. Ihm sind nämlich die Hauptzeugen durchgegangen, Haupt nach Brasilien und ein Schneidergeselle nach irgendeinemlieu inconnu.[1]

Glaubst Du, daß Dana etwa Anstand nehmen wird, wegen der Namensverwandtschaft der englischen und amerikanischen Whigs?

Morgen wahrscheinlich eine ausführliche Depesche.

Dein K. M.

[1]Unbekannten Ort.

28 Deanstreet, 5. August 1852.

Lieber Engels!

Vergiß ja nicht, bisDienstagmir den Rest der Sache zu schicken. Der Abschnitt von den Tories allein ist zu klein. Aus doppeltem Grunde muß diesmal nicht in zu kargen Portionen dem Dana geschickt werden. 1. Der biedere Heinzen ist in Cincinnati für die Whigs gegen die Demokraten aufgetreten, weil er mit Recht dieseelectioneering time[1]für die rechte [Zeit] hält, um gekauft werden zu können. Greeley hat seine dortige Rede in der Tribune mitgeteilt und Heinzen gelobt. Also droht mir ein Ungewitter von dieser Seite. 2. Da ich seit Wochen, namentlich aber seit den letzten vierzehn Tagen täglich sechs Stunden laufen muß, um 6 Pence für das Fressen aufzutreiben und zudem noch von der Landlady von neuem gequält werde, so blieb mir nichts übrig, als gestern Johnson zu schreiben und bei ihm anzufragen, ob er mir einen Wechsel auf die Tribune diskontieren will. Sollte der Mann so verständig sein, hierauf einzugehen, was nochin dubio,[2]so muß ich also dem Dana das schreiben, und erhält er kleine Artikel, so betrachtet er die Sache als Schneiderei und wirft mich zum Tempel hinaus, da er jetzt so reichlichensupply[3]von Heinzen, Ruge und B. Bauer hat. Zum größeren Pech sah ich heute noch aus der Times, daß die Daily Tribune protektionistisch ist. Also das allesvery ominous.[4]Man muß so rasch an den Kerl schicken als möglich, ehe Konterorder kommt. Meine Depesche kann ich noch nicht fortschicken, da ich scheußliche Kopfschmerzen habe, wenn auch nicht infolge vonpale ale.[5]

Ich habe allerlei Zeug auch von Cluß an Dich zu schicken, die Du erhältst, sobald Du mir einige Stamps einlegst, da die Geschichte Dir sonst das Doppelte kostet, und ichpour le moment[6]keinen Penny zu entsenden habe.

Salut!

Dein K. M.

[1]Wahlagitationszeit.

[2]Zweifelhaft.

[3]Zufuhr.

[4]Sehr verhängnisvoll.

[5]Helles Bier.

[6]Im Augenblick.

Freitag, 6. August 1852.

Lieber Marx!

Die erste Hälfte des Artikels wirst Du gestern nachmittag Englisch und Deutsch zurückerhalten haben. Die zweite hast Du Dienstag morgen. Was die Schutzzöllnerei angeht, so schadet das nichts. Die amerikanischen Whigs sind alle industrielle Schutzzöllner, aber darum noch lange keine grundaristokratischen Derby-Protektionisten. So dumm sind sie auch nicht, daß sie nicht ebensogut wie List wüßten, daß für die englische Industrie derfreetrade[1]am konvenabelsten ist. Übrigens kann ich im Notfall bei denfreetradershier und da ein Wort deshalb einschieben, was Du ja wieder ausstreichen kannst, wenn es Dir nicht gefällt. Es ist aber nicht einmal nötig.

Ich dachte, Du hättest das Diskontogeschäft mit Johnson seit lange gemacht, und hoffe sehr, daß es zustande kommt. Was mich betrifft, so reite ich mich täglich tiefer in Geldsachen fest. Vater Dronkes Besuch ist mir zwar sehr angenehm, da aber abends nicht gearbeitet werden kann, so wird ziemlich Geld verbummelt, und dazu die laufendendisbursements,[2]nebst 20 Pfund Schulden im Haus, das setzt einen fest. Nächste Woche (Anfang) will Dronke zurück, und dann werde ich eine Zeitlang tüchtig arbeiten, Stoff genug habe ich hier, und dann auch bis Ende September wieder einiges Geld disponibel bekommen – ein paar Pfund im Dezember [September] gewiß. Zum äußersten Pech hat mich in einer bösen Stunde auch noch Herr Pindar angepumpt, der noch immer auf drei Stunden herumreitet und sich rührend verliebt zu haben scheint –pauvre garçon, il faut l’avoir vu sous l’empire de l’émotion plus ou moins vierge.[3]–

Ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll, daß ich einen Artikel Germany für Dana hinter Dr[onke]s Rücken mache, der die Sache nichtkennt; auf dem Kontor habe ich jetzt alle Hände voll bis nach 7 Uhr abends, da kann ich es also nicht.Cependant je verrai.[4]

Grüße Deine Frau und Kinder bestens von Deinem

F. E.

Inliegend für 9 Schilling und einige Pence Stamps.

[1]Freihandel.

[2]Ausgaben, Zahlungen.

[3]Armer Junge, man muß ihn unter dem Einfluß mehr oder weniger jungfräulicher Aufregung gesehen haben.

[4]Indes werde ich sehen [was zu machen].

28 Deanstreet, 6. August 1852.

Lieber Engels!

Einliegend Briefe von Cluß:

1. 20. Juni.2. 4. Juli.3. 8. Juli mit Zirkular von Kinkel.4. Zirkular von Kinkel vom 2. August.5. Cincinnati, 6. August, Brief von Kinkel an Hutzel.6. Brief von Hillgärtner an Hutzel.7. Brief von Cluß vom 22. Juli.

Das geheime Sendschreiben von Kossuth, wovon Cluß in seinem letzten Briefe spricht, findest Du englisch in dem morgen erscheinenden Paper von Jones. Es ist daher nicht beigelegt.

Dienstag, am 3. August, fand Kinkelsche Garantenversammlung statt. Die Hauptsache war die: Reichenbach hütet wie ein Zerberus den Schatz. 200 Pfund Sterling, die Kinkel-Willich bisher verausgabt, haben sieaufgenommenbei Gerstenberg usw. auf die Revolutionsdepositen. Statutenmäßig können sie bloß verfügen, sobalddreiMann wenigstens von den Garanten ernannt sind .... Löwe (alliiert mit Ruge) schlug vor, das Geld dem Revolutionsbunde in Amerika auszuhändigen. Kinkel erklärt sich jetzt für bereit, mit Goegg, Ruge usw.,gemeinsamzu gehen und gemeinsam das Geld zu verwalten, damit er überhaupt ans Verwalten kommt ....

Aber nun tut sich eine dritte Sache auf, deren nächstes Resultat zwar Kinkel und Goegg, beide Seiten, von dem „Schatze“ fernhalten kann.Nämlich einerseits agitiert unser Eduard Meyendafür, das Geld für die Ausgaben eines großenLondon weekly paper[1]zu verwenden. Imandt usw. betrachten dies als den einzigen Weg, das Geld vor Kinkel und Goegg zu retten.

Über die heutige Sitzung werde ich genauen Bericht erhalten, da Imandt jetzt B. M. G. [Bundesmitglied] ist.

Eben erhalte ich den einliegenden Brief von Freiligrath, woraus folgt, daß der Biedermann Johnson sich auf nichts einläßt. Ich weiß mir also absolut nicht mehr zu helfen, und die Position wird scheußlich.

Also der brave Goegg ladet den Freiligrath ein. Auf den können sie immer noch nicht verzichten, werden es schließlich aber doch müssen.

Gruß an Alraun [Dronke].

Dein K. M.

[1]Londoner Wochenblatt.

28 Deanstreet, London, 10. August 1852.

Lieber Engels!

Erstens einliegend den Originaltext von KossuthsSecret circular.[1]

Nun der Bericht über die Garantensitzung vom 3. August.

Zugegen: Kinkel, Willich, Reichenbach, Löwe von Kalbe, Meyen, Schurz (Techow diesmal nicht), Schimmelpfennig, Imandt, von anderen weiß ich nicht. Schärttner nicht zu vergessen. – –

Löwe von Kalbe:Erstens: „Die deutsche Anleihe ist mißglückt, da die politische Konstellation (Mai 1852), in bezug worauf sie unternommen wurde, nicht mehr vorhanden, und die vorausgesetzte Summe von 20 000 Dollar nicht aufgebracht worden ist.“Zweitens: „Die Gelder den amerikanischen Komitees zurückzuschicken.“

Der erste Teil des Antrags geht durch, der zweite verworfen.

Imandt: „Das vorhandene Geld soll, wenn die übrigen Garanten der Majorität noch derselben Ansicht, zur Herausgabe einer deutschen Zeitung in London verwandt werden.“ „Reichenbach bleibt Trustee des Geldes.“ „Es soll ein Komitee gewählt werden von Reichenbach, Löwe und Schimmelpfennig, dem die Listen der Garanten in Amerika und der Schweiz von Kinkel und Willich ausgeliefert würden, das bisherige Komitee hat nichts mehr mit der Sache zu schaffen. Das neue Komitee wird die auswärtigen Garanten von den gefaßten Beschlüssen unterrichten und ihre Meinung einholen.“ Reichenbach unterstützt. Imandts Anträge gehen sämtlich durch. Kinkel und Willich protestieren, weil die Verfügung über die Gelder nicht lediglich dem Garantenkörper zustehe. Nur die Geber des Geldes, respektive die in Amerika aufgestellten Finanzkomitees könnten das Verfügungsrecht ausüben. –

Dein K. Marx.

[1]Geheimes Rundschreiben.

16. August 1852.

Lieber Marx!

Heute abend sind mir 2 Pfund zugesagt, die ich vor einiger Zeit verpumpt hatte; bekomme ich sie, so schicke ich sie Dir gleich morgen in einer Post Office Ordre und schreibe Dir auch ausführlicher. –

Aus Deinem Bericht scheint hervorzugehen, daß dem Herrn Kinkel durch die Beschlüsse vom 3. vorderhand das Geld aus den Fingern gerissen ist.

Übrigens mache ich den ungarischen Feldzug jetzt baldigst und schreibe noch diese Woche direkt an Brockhaus. Ich werde sehen, daß ich ihm, wenn er meinen militärischen Kapazitäten nicht traut, vorher ein paar einschlagende Artikel für die „Gegenwart“ mache, wo er dann sehen kann, was daran ist. Der Brockhaus ist am Ende noch einer der traktabelsten Buchhändler.Nous allons voir.[1]

Den Artikel für Dana vorigen Donnerstag schreibend, wurde ich unterbrochen, ich werde dafür diese Woche womöglich zwei machen. Auch über England erwarte ich von Dir wieder etwas.

Grüße Deine Frau und Kinder.

Dein F. E.

[1]Wir werden sehen.

28 Deanstreet, London, 19. August 1852.

Lieber Engels!

Von Dronke 10 Schilling überreicht erhalten. Gestern per Post 2 Pfund Sterling. So sehr willkommen das Geld kam, so ennuyant[1]ist es mir, daß Du Dich für mich auspressest, und in einem Moment gar, wo Du selbstplus ou moinsfestgesessen.

Für den ungarischen Krieg wirst Du wahrscheinlich wohltun, noch anzusehen:

„The fortress of Komorons(Comorn)during the war of Independence in Hungary. By Colonel Sigismund Thaly. Translated(vom Deutschen)by William Rushton. James Madden, Leadenhallstreet.“

Von Schriften über das Kriegswesen, da Du einmal gründlich die ganzelinedurchmachen willst, zitiere ich noch folgendes, im Falle Dir das eine oder andere vielleicht anschaffenswert scheint:

Carion Nisas:Essai sur l’histoire générale de l’art militaire etc.Paris 1824.

Kausler: Kriegsgeschichte aller Völker. Ulm 1825. Wörterbuch und Atlas der Schlachten 1825 und 1831. (Die beiden einzigen allgemeinen Kriegsgeschichten. Sollen mager sein.)

Guerard: Enzyklopädie der Kriegskunst. Zweite Auflage. Wien 1833.

Handbibliothek der Offiziereüber das Ganze der Kriegslehre für Eingeweihte und Laien. Von einer Gesellschaft preußischer Offiziere. Berlin 1828.

J. A. M. (Mitterbacher): Das Kriegswesen der Römer, nach antiken Denkmalen geordnet.Ottenberger.Prag 1824.

Löhr: Das Kriegswesen der Griechen und Römer. Zweite Auflage. Würzburg 1830.

Blesson: Geschichte des Belagerungskriegs. Berlin 1821.

Hoyer: Geschichte der Kriegskunst. Göttingen 1797.

Chambray: Veränderungen in der Kriegskunst von 1700 bis 1815. Deutsch. Berlin 1830.

Stenzel: Geschichte der Kriegsverfassung Deutschlands, besonders im Mittelalter. Berlin 1820.

Barthold: Georg v. Frundsberg. Hamburg 1833.

Von Cluß heute Briefe angekommen, die ich Dir schicke, sobald sie Lupus und dem Bündchen mitgeteilt.

Was Weydemeyer angeht, so schreibt Cluß wie folgt:

„Weydemeyer hat mir unlängst auf mein Betreiben geschrieben, er müsse ernstlich sich hinter Korff rücken, der die 50 Brumaires abgesandt haben soll. Weydemeyer hat, glaube ich, kleine Forderungen an Korff und wird deswegen wohl ihm die Absendung respektive Bezahlung des Portos aufgetragen haben. – Die übrigen 300 Brumaires ... noch nicht abgesandt ....“

Ich habe vorige Woche wegen Abdruck des Brumaire an F. Streit in Koburg geschrieben, der in ähnlichen Artikeln handelt.

Apropos. Nr. 15 stand in der Tribune. –

Nachträglich habe ich noch zu berichten:

Am 3. allerdings fand förmliche Ehescheidung statt zwischen Kinkel und demcoffre fort. Reichenbach hat in seinem Namen das Geld auf der Bank von England deponiert. –

Freund Jones war die vorige Woche ein Haar breit am Untergehen seines Blattes. Wöchentliches Defizit. Überworfen mit dem Komitee und den zwei Bürgern, die ihm das Geld bis jetzt vorgeschossen. Plötzliche Rettung. M’Gowan hat den Druck übernommen, schießt das wöchentliche Defizit vor, und Jones haust jetzt im Office des alten Northern Star. M’Gowan hat den Harney herausgeschmissen, und der Esel hatte ihm für 40 Pfund den alten Star abgekauft.

In Frankreich nach der Gazette Agricole ein Defizit der nächsten Ernte von einem Drittelbelow the average,[2]was nach J. B. Say in Frankreich gleichfamine.[3]– In Deutschland mittlere Ernte. In England schon Abflüsse von Geld von der Bank für Getreideeinkäufe. Dabei tolle Spekulation in der City. Vorige Woche Bankrotte auf der Stock Exchange. Endlich in Nordamerika, wie ich aus dem New York Herald sehe, die allertollste Spekulation inrailways,bancs,[4]Häuserbauen, unerhörte Expansion des Kreditsystems usw. Ist das nichtapproaching[5]der Krisis? Die Revolution könnte früher kommen als uns erwünscht. Nichts schlimmer, als wenn die Revolutionäre für Brot sorgen sollen.

Dein K. M.

[1]Peinlich.

[2]Unter dem Durchschnitt.

[3]Hungersnot.

[4]Eisenbahnen, Banken.

[5]Herannahen.

28 Deanstreet, Soho, London, 20. August 1852.

Lieber Engels!

Dronke wird Dir das zwar miserabel konfuse Manuskript über Görgey mitbringen, ebenso denNeveu de RameauundJacques le fataliste[1]im Original.

Von Köln gestern Brief von Bermbach erhalten. Darin hauptsächlich folgendes:

„In letzter Zeit hat man verschiedener Orten bei allerhand Leuten nach Korrespondenzen von Ihnen gesucht, welche absolut durch jener Personen Vermittlung in die rheinische Demokratie gelangen sollten. Ihre Freunde in Köln wurden endlich vor die Assisen gestellt. Der Anklageakt, ein sehr kompendiöses Werk, ist zugestellt, der Termin zur öffentlichen Verhandlung der Sache auf den 28. dieses Monats bestimmt, und die üblichen Präliminarien sind vom Stapel gelaufen. Sie werden nach demCode pénalbeurteilt, da ihr Vergehen noch vor die Zeiten des neuen Preußischen Gesetzbuchs fällt. Soweit ich die Sache überschauen kann,steht siejuristischäußerst gut, aber man weiß, daß vor Geschworenen der moralische Standpunkt überwiegt, und nach dieser Seite läßt sich Gefahr für einzelne der Angeklagten nicht wegleugnen. Die Hauptangeklagten, Röser, Bürgers, Nothjung und Reiff, haben nämlich viel zu viel eingeräumt: eine Verbindung mit bestimmten Tendenzen und von einer bestimmten Dauer zugegeben; von der Aufnahme neuer Mitglieder mit gewissen Förmlichkeiten und Verpflichtungen gesprochen und dergleichen mehr, was an und für sich kein Verbrechen qualifiziert, wohl aber nach Umständen unangenehm auf Geschworene, die meist aus dem Bauernstand erlesen sind, einwirken kann, zumal wenn eine so geringe Ehrfurcht vor dem Herrgott und Grundeigentum durchleuchtet. Wegen der Verteidigung werden sich auch bedeutende Schwierigkeiten erheben; die Herren Advokaten verstehen nichts von solchen Sachen, sind meist prinzipielle Gegner und denken mit Schaudern an die zehntägige Sitzung, die für die Sache anberaumt ist. Freiligrath wirdin contumaciamgeköpft werden. – Ich habe eben den Anklageakt gelesen, der nicht weniger als etliche 65 bis 70 Seiten enthält. Die Leute haben es lediglich ihren eigenen Aussagen zu verdanken, wenn sie hängen bleiben. Es ist nun nicht zu verwundern, daß man die Leute so gepeinigt hat; je länger sie allein gehalten wurden, desto schönere Aussagen machten sie. Vom Faktum ist sonst gar keine Rede, und wenn die Angeklagten nicht recht hübsch selbst größtenteils ausgesagt hätten, läge nichts vor. Der Anklageakt enthält nebenbei allerhand Spezialia, woraus hervorgeht, daß gewisse Verhältnisse und Personen ihnen durch aufgefangene Briefe und Spionage ziemlich genau bekannt sind.“

Soweit Bermbach. – –

Ein gewisser Coeurderoi (d’ailleurs très bon républicain[2]), der schon ein kleines Pamphlet gegen Mazzini, Ledru-Rollin, Louis Blanc, Cabet usw. veröffentlicht hat, gibt jetzt ein förmliches Buch über die ganze französische Emigration heraus.

Proudhon veröffentlicht ein neues Werk. Da Religion, Staat usw. unmöglich geworden, bleiben nur noch die „Individuen“ übrig. Diese Entdeckung hat er Stirner nachgemacht.

Durch das unverzeihliche Zaudern von W[eydemeyer] bin ich so im Gedränge, daß ich heute selbst die Stamps für diesen Brief nicht beibringen kann.

Dein K. M.

[1]Rameaus Neffe [und] Jacques der Fatalist [Titel von Werken Diderots].

[2]Übrigens sehr guter Republikaner.

Manchester, 22. August 1852.

Lieber Marx!

Inliegend der Artikel für Dana. Die Mitteilungen von Bermbach sind unangenehm; wenn nur diejenigen loskommen, dienichtgeschwatzt haben! Übrigens ist der Prozeßautant[1]gegen uns gerichtet wie gegen die Kölner; wir werden auch unser Fett abbekommen, und besonders dale jeune[2]Sädt jetzt denkt, seine Revanche ungezüchtigt nehmen zu können.

Kannst Du mir die Sachen von Coeurderoi nicht verschaffen – das heißt, wenn sie der Mühe wert sind und mehr enthalten als pure Deklamationen.

Unser Worzell war, wie ich aus Smitt erfahre, wirklich Graf und Hauptbeteiligter bei der Wolhynischen Insurrektion, wo er sich dadurch auszeichnete, daß er versprengt wurde und zirka drei bis vier Wochen in den Wäldern eine Art Räuberbande anführte, bis ihn Rozycki nach Polen brachte; unser Sznayde hat einige Kavallerie – soviel ich bis jetzt weiß – ohne Auszeichnung kommandiert. Ein 1847 in Berlin erschienenes Werk von Mieroslawski über den polnischen Feldzug wird von Smitt sehr gerühmt.

Vergiß mir den englischen Artikel nicht!

Beste Grüße an Deine Frau und Kinder.

Dein F. E.

[1]Ebenso.

[2]Der jugendliche.

28 Deanstreet, London, 24. August 1852.

Lieber Frederic!

Du erhältst hier eingeschlossen: 1. Einen Brief von Massol an mich. Der Mann, auf den er Einfluß übt, ist Proudhon, und das Buch, das er als glückliche (!) Frucht dieses Einflusses betrachtet, dessen jüngstes Buch über Louis Bonaparte. Darüber werde ich in einem nächsten Briefe berichten.

2. Den Brief von Cluß, aus dem Du schon Auszüge erhalten.

3. Den höchst interessanten Bericht von Jakob Hutzel über Godofreden.

4. Einen Wisch von Goegg in der Schweizer Nationalzeitung.

5. und 6. „Entwurf eines Unionvertrags“ zwischen Kinkel, Willich und Goegg. Ein Rundschreiben der erstgenannten Herren an ihre amerikanischen Komitees und Garanten.

Das Ganze ist ein Notschrei von Kinkel-Willich. Sie wollen: 1. Den unbeugsamen Reichenbach von dem heiligen Gral entfernen, um „schleunigst“die Geldmittel zu verwenden. 2. Da Kinkel keine Armee mehr hinter sich, will er mit 1000 Pfund hinter sich in den sogenannten Revolutionsbund treten, von dem er erwartet, daß er ihn aus Dankbarkeit in sein oberstes Komitee wählt. 3. Willich, dessen Stellung unhaltbar ist, dem es auf den Nägeln brennt, will nach Amerika, nachdem er, wie er sagt, „nocheineAufgabe gelöst“. Die Aufgabe ist, durch Ausliefern der 1000 Pfund an den Revolutionsbund und durch Eintritt in denselben sich das Rittertum in Amerika „vorzubereiten“.

Nächstens mehr. Salut!

Dein K. Marx.

28 Deanstreet, Soho, London, 30. August 1852.

Lieber Engels!

Aus den Aktenstücken, die ich Dir gesandt habe, hast Du gesehen, wie Kinkel-Willich manövrieren. – Es handelt sich für die Herren darum, endlich wirklich an dieVerwaltung der Gelderzu kommen, von der sie abzutreten drohen, wenn man ihnen nicht willfahre. Derpoint urgent[1]ist der. Die Kerls haben 200 Pfund Sterling verausgabt, die ihnen hier schwerlich ratifiziert würden. Daher der Versuch, sich direkt und „schleunigst“ aus Amerika zu Geldausgaben bevollmächtigen zu lassen oder zur Zuziehung eines dritten Kollegen, damit sie als konstituiert handeln können. Sie haben die Sache in ihrer Weise pfiffig angegriffen. Erst die Dokumente nach Amerika und der Schweiz geschickt,hinterdem Rücken der Londoner Garanten. Dann diesen die Schriften am 26. zugestellt (obgleich vom 11. und 12. datiert), mit der Bemerkung, Stillschweigen als Einverständnis zu betrachten. –

Welcher Art aber die „starken“ Organisationen in Deutschland sind, womit sie renommieren, wirst Du aus folgendem ersehen.

Du weißt, daß Gebertangeblichnach Amerika gereist ist. Aber die Sache verhält sich wie folgt.

Kinkel-Willich haben Anfang dieses Monats einen Emissär nach Deutschland abgesandt,id estGebert, den Schneidergesellen. In Magdeburg hat er eine sogenannte Kommunistengemeinde versammelt; drei Tage nacheinander wurden Beratungen gehalten, 26 bis 30 Mitglieder nahmen teil; das Präsidium führte ein gewisserHammel; gegen Marx und Engels wurde mit großer Erbitterung debattiert, – nebst mehreren Administrations-und Organisationsfragen kam man auf die Frage: wie und auf welche Art eine Druckerei zu schaffen wäre! Es fand sich ein armer Buchdrucker, der in oder um Magdeburg herum etabliert ist; mit ihm wurde ein Vertrag geschlossen. Er stellte seine Office der Propaganda zur Verfügung, die alte Firma wird beibehalten. Dafür werden ihm sofort 100 Taler ausgezahlt und ein Schuldschein für 350 Taler am Ende des Jahres, von jetzt gerechnet.

Die Polizei wußte alles von Geberts Abreise an. Sie läßt ihn beständig begleiten. Sie hatte ihren Berichterstatter in der Magdeburger Versammlung. Sie will ihn erst einstecken, sobald er seine Mission erfüllt und möglichst viele ins Pech geritten hat. Die Sache ist sehr fatal für unsere Kölner Gefangenen. Wird Gebert gesteckt usw., so halte ich es an der Zeit, öffentlich die Kerls zu denunzieren und vor ihnen zu warnen, die zur Scheinagitation und um sich wichtig zu machen vom sicheren Versteck aus den deutschen Regierungen, speziell der preußischen, in die Hände arbeiten. Ich habe sofort nach Köln berichtet. Wie ich die Sache erfahren habe, kann ich Dir nurmündlichmitteilen. Das Postgeheimnis ist hier auch ein problematisches Ding. – –

Vor einigen Tagen beriefPyat(Felix) die mit ihm zusammenhaltenden Franzosen zu einer Reunion und legte ihnen ein Programm vor, das nun gedruckt werden soll. „Gott“ spuckte natürlich dadrein. Einer der Anwesenden protestierte dagegen, „Gott“ in einem Revolutionsprogramm zu beherbergen. Pyat, demgouvernement directgemäß, läßtabstimmen. „Gott“ passiert mit sieben Stimmen Majorität.L’être suprême est sauvé encore une fois.[2]Früher hieß es: Gott verläßt die Seinen nicht. Jetzt heißt es: Die Seinen verlassen Gott nicht. Eine Hand wäscht die andere.

General Vetter war auf längere Zeit aus London verschwunden, niemand wußte wohin. Dasmystèrehat sich aufgeklärt. Vetter reiste mit einem amerikanischen Passe, worin er als Maler figurierte, mit seiner Mätresse, einer Sängerin, namens Ferenzi. Er passierte als Künstler. Sie gab an allen bedeutenden Orten Konzerte, und so ist er von Genua und Mailand bis Rom, Neapel, Palermo gekommen. Er hatte diepasswords[3]und Empfehlungen von Mazzini-Kossuth. So waren ihm die geheimen italienischen Zirkel zugänglich, während seinostensibler trade[4]ihn in die höherencerclesbrachte. Er ist seit einiger Zeit hierherzurückgekehrt und hat Bericht bei dem „europäischen“ Zentralkomitee abgestattet. (Notabene: Darasz ist gestorben und vorige Woche begraben worden.) Das Resümee davon, zum großen Kummer des „frommen“ Mazzini:L’Italie s’est tout à fait matérialisée. On n’y parle que commerce, affaires, soies, huiles et autres misères mondaines. Les bourgeois calculent d’une manière terriblement positive les pertes, que la révolution de Mars les a fait subir et ne pensent qu’à se reprendre sur le présent. Quant à l’initiative insurrectionnelle ils sont heureux de la laisser aux Français, à ce peuple frivole et sensualiste. La seule chose, dont ils ont peur, c’est que les Français ne se hâtent trop.

Tu penses bien, mon cher, quel coup de foudre pour l’archange Mazzini. Le général Vetter, nommé déjà comme commandant supérieur des forces Mazzini-Kossuthiennes leur a déclaré, que les choses étant ainsi, il ne saurait mieux faire que de passer avec sa maîtresse en Amérique. Au bout du compte le malheureux Mazzini est convenu avec Kossuth de vouloir bien laisser aux Français l’initiative insurrectionnelle.[5]

Aber nicht dervile multitude,[6]sondern dem Bonaparte.

Aus Paris schreibt man mir darüber unter anderem:

„Kiß, Abgesandter von Kossuth, ist hier nicht nur mit den Orleanisten in Verbindung getreten, sondern mit den Bonapartisten. Kiß ist in Bekanntschaft mit Jeromes Söhnen. Auf diese konventionelle Bekanntschaft gestützt, wußte er Kossuth den Kopf voll zu machen, eine Verbindung mit der französischen Regierung zugunsten Ungarns einzugehen. Der phantastische Agitator ging in die Schlinge und sandte zu diesem Behuf Kiß mitGüldenversehen hierher nach Paris. Kiß amüsiert sich in Kaffeehäusern undanderenHäusern, antichambriert hin und wieder beiPierre Bonaparte, macht diesem einen blauen Dunst vor, schreibt prachtvolle Berichte an Kossuth, und ist [an] Ungarns Befreiung kein Zweifel mehr. Diese Revolutionärepar excellencesenden Agenten, um mit dem „Tyrannen“ einen Bund auf Leben und Tod zu schließen.“

Mais ce n’est pas tout.[7]

Aus sicherer Quelle weiß ich, daß im Namen der polnischen „Zentralisation“ Lelewel und Thaddäus Gorzowski hier waren. Sie haben den Kossuth-Mazzini einen Insurrektionsplan vorgelegt, dessenpivot[8]die Mitwirkung Bonapartes ist. Diese alten Esel von Konspirateurs rennen sich jeden Tag von neuem hinein. Als Agenten hier haben und hatten sie einen gewissen Graf Lanckronsky oder ähnlich. Dieser Bursche (wohnt 7 Harringtonstreet, Hampstead Road) istrussischerAgent, und ihr Insurrektionsplan hatte die Ehre, vorher in Petersburg korrigiert zu werden.

Dein K. M.

[1]Dringender Punkt.

[2]Das höchste Wesen ist wieder einmal gerettet.

[3]Stichworte, Losungsworte.

[4]Zur Schau getragenes Gewerbe.

[5]Italien ist vollständig dem Materialismus verfallen. Man spricht nur vom Handel, Geschäft, von der Seide, dem Öl und anderen irdischen Erbärmlichkeiten. Die Bürger berechnen auf eine schrecklich positive Art die Verluste, die die Märzrevolution über sie gebracht hat, und denken nur daran, sich an der Gegenwart schadlos zu halten. Die Initiative des Aufstandes überlassen sie gern den Franzosen, diesem leichtfertigen und sinnlichen Volke. Das einzige, was sie fürchten, ist, daß die Franzosen sich zu sehr beeilen könnten. Du kannst Dir denken, mein Lieber, welcher Blitzschlag das für den Erzengel Mazzini [war]. Der schon zum Oberbefehlshaber der Truppen der Mazzini-Kossuth ernannte General Vetter hat ihnen erklärt, daß er bei diesem Stande der Dinge nichts Besseres zu tun wüßte, als mit seinem Liebchen nach Amerika zu verschwinden. Zum Schlusse ist der unglückselige Mazzini mit Kossuth übereingekommen, den Franzosen die Initiative zum Aufstand überlassen zu wollen.

[6]Gemeine Menge.

[7]Aber das ist nicht alles.

[8]Angelpunkt.

28 Deanstreet, 2. September 1852.

Lieber Engels!

Aus den einliegenden schwachmütigen Briefe des braven Weydemeyer wirst Du ersehen, wie die Sachen stehen.

Von Herrn Streit habe ich noch keine Antwort,ce qui est de très mauvais augure.[1]Ich habe nun einige, wenn auch wenige Aussicht, daß ein Londoner Buchhändler die Sache [Der 18. Brumaire] englisch herausgeben will. Als Probe soll ich ihm vorläufig das erste Kapitel geben. Ich habe es daher durch Pieper übersetzen lassen. Die Übersetzung wimmelt von Fehlern und Auslassungen. Indes wirst Du doch durch die Korrektur nicht so in Anspruch genommen als durch die langweilige Übersetzungsarbeit. Du müßtest mir dazu ein englisches Vorwort von höchstens zehn Zeilen schreiben. Diese Schrift sei ursprünglich in der Form von Zeitungsartikeln, von Ende Dezember bis Anfang Februar, erschienen, am 1. Mai in New York als Broschüre herausgekommen, werde jetzt in zweiter Auflage in Deutschland erscheinen, sei die älteste der gegen Bonaparte erschienenen Schriften. Einige antiquierte Einzelheiten darin seien aus dem Datum ihrer Ersterscheinung zu erklären.

E. Jones hat mich zwei Monate mit der Versprechung einer Übersetzung (für sein Journal) an der Nase herumgezogen. Meinerseits hater nur Gefälligkeiten erhalten. Trotz meines eigenen Geldpechs bin ich tagelang mit ihm in seinen Zeitungsgeldangelegenheiten bei Pontius und Pilatus herumgezogen. Alle ausländischen Mitteilungen, die sein pauvres Blättchen eigens hatte, sind von mir. – Endlich habe ich, da sein Journal zu miserabel wurde, einige Wochen ihmeditorial support[2]gegeben, und wirklich wuchs das Blatt um einige hundert Abonnenten in London. –

Ich habe ihm gesagt, es sei gut, daß er Egoist sei, aber er solle es in zivilisierter Weise sein und nicht so albern.

Da das Blatt indes das einzige Chartistenorgan, so werde ich nicht brechen, aber einige Wochenlet ship him for himself.[3]

Dein K. M.

[1]Was ein sehr schlechtes Anzeichen ist.

[2]Redaktionelle Unterstützung.

[3]Ihn allein sein Schiff fahren lassen.

21. August 1852.

Lieber Marx!

Heute abend wird der Schluß Deines Artikels übersetzt und morgen oder Donnerstag der Artikel Germany gemacht. Charles ist auf einige Tage verreist und ich habe viel auf dem Kontor zu tun, so daß ich oft abends ganz wirr im Kopfe bin.

Für die kriegsgeschichtlichen Sachen meinen Dank. Kannst Du vielleicht gelegentlich auf dem Britischen Museum nachsehen, ob dort 1. die österreichische militärische Zeitschrift seit 1848, 2. das preußische Militär-Wochenblatt, die Berliner Wehrzeitung, 3. noch sonstige militärische Zeitschriften, besonders Revuen – auch französische – seit 1848 an, sich befinden? Auch eine Kollektion der Augsburger Allgemeinen Zeitung besonders seit 1850. Diese Sachen sind mir sehr nötig, und wenn es irgend angeht, würde ich Zeit zu finden suchen, sie dort durchzuochsen, wenn ich so weit bin.

Die Posse Willich-Schily muß heiter abgelaufen sein. Pauvre Willich, wie oft wird er sich unter den ihn hetzenden Biedermännern in die Gesellschaft des roten Wolf zurückwünschen!

Harneys Gestirn der Freiheit ist also Todes verblichen?

Die Krisis scheint allerdings kommen zu wollen, wenn auch die neulichen Failliten nur Vorläufer waren. Aber Frankreich bleibt in der Sauce, und das ist schon viel. – Die kleinepanicim Goldmarkt scheint vorüber,die Konsols undRailwayshares[1]steigen wieder flott,money is easier,[2]die Spekulation noch immer sehr verteilt auf Korn, Cotton, Steamboats, Miningoperations usw. ... Daß übrigens eine ausgebildete Spekulationswut diesmal der Krise vorhergeht, glaube ich nicht, und wenn sonst die Umstände günstig sind, werden ein paar schlechte ostindische Posten, einepanicin New York usw. sehr bald beweisen, daß mancher tugendhafte Bürger ganz im stillen allerhand Schwindel angestellt hat. Und diese entscheidenden schlechten Nachrichten aus überfüllten Märkten müssen doch bald kommen. Nach China und Ostindien wird in einem fort massenhaft geschickt, und doch sind die Nachrichten nicht besonders, ja Kalkutta istdecidedly overstocked,[3]und hier und da fallierennative dealers.[4]An eine längereprosperity[5]als Oktober oder November glaube ich nicht – selbst Peter Ermen wird besorgt.

Übrigens hängt es doch sehr von der Intensität der Krise ab, ob sie sofort eine Revolution erzeugt – sofort, das heißt in sechs bis acht Monaten. Die schlechte Ernte in Frankreich hat dasair,[6]als sollte es dort zu etwas kommen; aber wird die Krise chronisch und die Ernte schließlich doch etwas besser als erwartet, so kann’s immer noch bis 1854 dauern. Ich gestehe, ich wollte, mir bliebe noch ein Jahr Zeit zum Ochsen, ich habe noch manches durchzumachen.

Australien schadet auch. Erstens durch das Gold und das Aufhören aller seiner anderen Exporte, sowie durch die damit bedingte stärkere Einfuhr allercommodities,[7]dann durch den Abzug der hiesigensurplus population, at the rate of 5000 a week.[8]Kalifornien und Australien sind zwei Fälle, die im Manifest nicht vorgesehen waren: Schöpfung großer neuer Märkte aus nichts. Sie müssen noch herein.

Dein F. E.

[1]Eisenbahnaktien.

[2]Geld ist billiger.

[3]Entschieden übermäßig versorgt.

[4]Eingeborene [das heißt indische] Händler.

[5]Geschäftsblüte.


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