Chapter 37

££££18401 440 59218432 548 32118462 707 57118493 569 02318411 885 84018443 275 33318473 530 58918503 762 48018422 068 84218453 134 78918483 626 24118513 598 591

Our exports are therefore threefold those to Russia and nearly double those to Russia and Austria together.“[3]So weitThe Economist.

In dem englischen Ministerium selbst muß großer Krakeel sein über die „Turkish Question“.[4]Denn Palmerstons [unlesbar] die Morning Post pfeift direkt aus dem entgegengesetzten Loche wie die Times.

D’Israeli ist seinerleadershipder „great conservative party“[5]glücklich entsetzt, andSir John Pakington, a mournful man otherwise,[6]an seine Stelle getreten. Das ist das erstemal seit 1828, daß die Torypartei einen „leader“[7]besitzt, der ebenso borniert ist wie ihr Gros.

Du hast gesehen, daß in der letzten Abstimmung über dieclergy reserve bill,[8]wo der würdige Russell von den dreiclauses,[9]die er vorgeschlagen, eigenhändigthe omission of the third clause proposed,[10]das Ministerium den Sieg nur durch die Stimmen der konservativen Minorität davontrug. Ein schlechtes Zeichen das.

Mazzini ist hier seit einigen Tagen, aber einstweilen noch inkognito.

Daß „goodAberdeen“ sehr geneigt ist, den Flüchtlingen etwas am Zeuge zu flicken, magst Du daraus sehen, daß vorige Woche die englische Polizei eine Art Flüchtlingsstatistik aufnahm. Zwei bis drei Detektivs,in plain clothes,[11]begaben sich von Square zu Square und von Straße zu Straße und nahmen Notizen zu Papier, in den meisten Fällen bei den Nachbarn der nahegelegenen Bierwirtschaften. Ausnahmsweise aber – zum Beispiel bei dem Hause Pulszkys, er selbst ist just in Amerika – drangen sie unter dem Vorwand, es sei ein Diebstahl begangen worden, in die Domizile der Flüchtlinge selbst und durchmusterten ihre Papiere. –

Vater Willich ist in New York gelandet. Freund Weitling veranstaltete ihm ein Bankett von dreihundert Personen, wo Willich mit einer gewaltigen roten Schärpe erschien, eine lange Rede hielt des Inhaltes, daß Brot mehr wert ist als Freiheit, und von Weitling einSchwertüberreicht erhielt. Dann trat Weitling auf und bewies, daß Jesus Christus der erste Kommunist war und daß sein Nachfolger niemand anders ist als der bekannte Wilhelm Weitling.

Ich habe einen Brief von Schabelitz erhalten, den ich einlege. Es geht daraus hervor, daß er zwar nicht politisch verraten, aber unendlich albern verfahren hat. – – – Zugleich hat Doktor Feddersen dem Dronke geantwortet, der ihm über die Angelegenheit geschrieben hatte.Er bestätigt Schabelitz’ Brief, teilt aber zugleich mit, daß seiner Ansicht nach der gerichtlichen Untersuchung gegen Schabelitz keine weitere Folge gegeben wird. Es fragt sich, wasnun tun? Die preußische Regierung wünscht die Sache vollständig zu burken [ersticken], so sehr, daß der Minister des Auswärtigen gegen eine „Theorie des Kommunismus“ fahndet, die ich in Basel publiziert haben soll. Also sogar der Titel soll dem Publikum verheimlicht bleiben.Que faire?[12]

Schabelitz hat mir zwei Exemplare geschickt, eines direkt an mich, eines an Freiligrath, wofür ich zusammen 15 Schilling zu zahlen hatte. SchöneEinnahme. Bisher war es mir noch nicht möglich, der Clique die Exemplare zu entreißen. Bis Mittwoch (morgen) denke ich aber im Besitz von einem derselben zu sein, zugleich mit dem Paket, das schon lange für Dich parat liegt.

Zerffi ist hier. Er flüchtete von Paris bei der Razzia auf die fremden Korrespondenten. Zerffi ist ein Schwätzer, hat aber über die ungarischen Verhältnisse selbständigere und richtigere Ansichten, als ich sonst noch von Flüchtlingen von daher gehört habe. Dies mag darin seinen Grund haben, daß er von Hause aus kein Magyar ist, sondern ein „Schwab“, und nicht nur ein Schwab, sondern der Sohn eines Juden aus Hannover, der wahrscheinlich Cerf hieß und sich in Zerffi magyarisierte.

Dein K. M.

23. März. Gestern ist auf unseren Aufruf, bestehend aus drei Zeilen mit unseren sämtlichen Namen, Sendung von 20,17 Pfund Sterling für die Kölner vom Turnverein von Washington bei dem Kassierer Freiligrath angelangt.

Schimmelpfennig hat 1 000 Pfund Sterling von der Brüning geerbt.

[1]Wert der Türkei.

[2]Während unser Handel mit Österreich und Rußland entweder stationär geblieben ist oder zurückgeht, nimmt der mit der Türkei regelmäßig zu. Wir sind außerstande, anzugeben, welcher Teil unserer Ausfuhr seinen Weg nach Österreich etwa durch Deutschland findet, aber wir glauben, daß er nur klein sein kann. Unser direkter Handelsverkehr mit Österreich ist durchaus unbedeutend. Unsere Ausfuhr britischer Produkte nach seinen adriatischen Landesteilen (den einzigen [sollte wohl heißen: wenigen], die es hat) wurde bis 1846 nicht von der nach dem übrigen Italien getrennt aufgeführt, damals hatte sie die Ziffer 721 981 Pfund Sterling erreicht. 1850 war sie auf 687 755 gefallen und 1851 auf 812 942 Pfund gestiegen. Unsere Ausfuhr nach Rußland belief sich im Durchschnitt der Jahre 1840/41 auf 1 605 000, 1846/47 auf 1 785 000 und 1850/51 auf 1 342 000 Pfund. Unsere Ausfuhr nach den türkischen Gebieten einschließlich Ägypten, Syrien, Palästina, der Moldau und Walachei hat sich daher wie folgt entwickelt ....

[3]Unsere Ausfuhr ist dagegen dreimal so hoch wie die nach Rußland und nahezu doppelt so hoch wie die nach Rußland und Österreich zusammen.

[4]Türkische Frage.

[5]Führerschaft [der] großen konservativen Partei.

[6]Sir John Pakington, im übrigen ein trauriger Mann.

[7]Führer.

[8]Gesetzesvorlage über die Ersatzpersonen der Geistlichen.

[9]Klauseln.

[10]Auslassung der dritten von den vorgeschlagenen Klauseln.

[11]In gewöhnlicher Kleidung.

[12]Was tun?

Sonntag, 10. April [1853].

Lieber Marx!

Hierbei der Brief von Cluß zurück. Die Sache wird wohl auf sich beruhen müssen, bis wir das ganze Hirschsche Aktenstück nebst seinen von Weydemeyer zurückgehaltenen ersten Erklärungen vor Augen haben.

In Hirschs Aussage sind manche Sachen ganz richtig, zum Beispiel mit dem Briefe von Dir aus Manchester. Dabei lügt und verschweigt er aber natürlich gehörig. So vergißt er zu erzählen, daß er, offenbar nicht ohne Absicht, Dir nach Manchester nachreiste und uns eines Sonntags auf der Bury New Road mit einem anderen Bummler begegneteund im Vorbeigehen ganz laut schrie: „Guten Tag, Marx!“ Du erinnerst Dich, wir wunderten uns, wer es gewesen sei;ce fut notre cher[1]Hirsch. Ebenso die Geschichte mit dem Brief der Frau Daniels und der Haussuchung.

Es ist komisch, wieviel Coopersche Spione jetzt auftauchen. Chenu, Cherval, Hirsch.

Die angegebenen Personen müßten erforscht werden. Der Lanckronsky ist offenbar derselbe, den Du als „Graf L.“ in dem Kossuth-Bonaparte-Artikel als russischen Agenten denunziert hast. –

Pour revenir.[2]Ich glaube nicht, daß vorderhand, das heißt bis nach vollständiger Einsicht der Akten etwas öffentlich geschehen kann; bloß vorbereitende Schritte, unter anderem auch Nachspürungen, woher das Dokument kommt und wo der Hirsch jetzt ist, was er treibt; im Notfall eine Konfrontation des Kerls, um eine weitere schriftliche Erklärung von ihm auszupressen. Der Fleurygeschichte wegen des Diebstahls werde ich auch sofort weiter nachforschen, leider ist mein Informant, der ihn persönlich kennt, krank. Besorge mir nur gleich das verlangte Signalement usw.

Die mir zugeschickten amerikanischen Zeitungen habe ich heute größtenteils durchgestöbert. Manches ist sehr amüsant, aber es ist, so in einem Haufen, doch eine angreifende Arbeit, die einen sehr dumm macht. Sehr nett sind dagegen Cluß’ Briefe. Wie ich sehe, stehen die Enthüllungen schon in der Neu-England-Zeitung, es ist doch arg, daß Weydemeyer sie nicht in die Kriminal-Zeitung gebracht hat. Er wird wenigstens jetzt den Hauptinhalt nachholen müssen – gib ihm doch per nächsten Steamer einen groben Wink deshalb mit dem Scheunentor, sonst denkt er am Ende gar nicht daran.

Wie sieht es mit Deiner Reise aus? Ich denke doch, Dich spätestens im Mai hier zu sehen.

Meinen Brief vom Freitag mit 3 Pfund wirst Du erhalten haben. Beste Grüße an Deine Frau.

Dein F. E.

[1]Es war unser lieber [Hirsch].

[2]Um [zur Sache] zurückzukommen.

28 Deanstreet, 23 April 1853.

Lieber Engels!

Die Geschichte mit Pieper ist wahr. Den einliegenden Bleistiftzettel schicke unmittelbar zurück.Qu’en dis-tu?[1]

Ich habe jetzt wieder 30 Pfund Sterling auf New York zu ziehen. Bamberger geht nicht heran, aber ich habe andere Aussicht. Wenn sie sich erfüllt, komme ich vom 1. bis 7. zu Dir,supposé,[2]daß ich Dich nicht geniere.

Wenn Deine Zeit es erlaubt, wäre es mir sehr lieb, bis Freitag einen Artikel über die Schweiz zu haben. Du hast die Sache xmal behandelt, während ich die Persönlichkeiten usw. nicht kenne, doch dürfte der Artikel keine Fortsetzung haben.EinArtikel über die Schweiz ist genug für die Größe des Landes.

Dein K. M.

[1]Was sagst Du dazu?

[2]Vorausgesetzt.

26. April 1853.

Dear Frederic!

Ich fürchte, daß aus der vorgehabten Reise nichts wird. Bamberger kann mir den Wechsel nicht diskontieren, und Friedländer, der halb versprochen hatte, willdéfinitivement[1]nicht. Ich habe deswegen an Strohn geschrieben, halte es aber für eine bloße Formalität, die ichpour acquit de conscience[2]und meiner Frau zuliebe erfüllt, ohne an ein Resultat zu glauben.

Bei Gelegenheit einer Korrespondenz, worin ich der Tribune Mazzinis Hiersein – jetzt wieder von seinen Freunden geleugnet, ich denke aber, auf seinen Befehl – anzeige (dieselbe Korrespondenz enthält den ersten Türkenartikel), macht sie einen kleinenLeader[3]über Mazzinis glückliches Durchschlüpfen und bemerkt bei der Gelegenheit:

„In this connection we may properly pay a tribute to the remarkable ability of the correspondent by whom this interesting piece of intelligence is furnished. Mr. Marx has very decided opinions of his own, with some of which we are far from agreeing, but those who do not read his letters neglect one of the most instructive sources of information on the great questions of current European politics.“[4]Du siehst, ich sitze hier fest. Ich habe außerdem einen sehr interessanten Brief von Cluß mit zwei Nummern von Hirschs Bekenntnissen (noch nicht geschlossen) erhalten. Ich schicke die Geschichte noch nicht, da vielleicht noch ein Zufall mich befähigt, selbst zu kommen unddie Sache zu bringen. Wenn ich komme, erhältst Du jedenfalls vorher Anzeige. Wann rückt Dein Alter ein, mit dem ich nicht karambolieren will?

Wenn der Dana mir hier nur, worum ich ihn schon dreimal gebeten, ein Haus anzeigte, so wäre ich wenigstens über das Dickste weg.

Ad vocem[5]Hirsch: Ich war ursprünglich Deiner Ansicht, aber doch verhält sich die Sache anders. Stieber und Goldheim sind positiv hier, um die Kossuthsche Pulververschwörung mit Berlin zu „vermitteln“. Derselbe Kerl, der mir den anonymen Wisch schrieb, schrieb an demselben Tage wörtlich folgendes an Schärttner und Göhringer:

„London, den 21. 4. 53.

Bekanntmachung.

Seit kurzer Zeit hier angekommen: Polizeirat Stieber und der Jude Goldheim, Polizeileutnant, beide von Berlin.

Signalement

des Stieber:des Juden Goldheim:Mittlere Statur (zirka 5 Fuß),zirka 6 Fuß,Haare: schwarz, kurz,schwarz, kurz,Schnurrbart: ditto, ditto,ditto, dittoGesichtsfarbe: gelb und abgelebt.gelb, aufgedunsenes Gesicht.Trägt enge, dunkle Hose, einen blauen Sack, einen Zeughut, welchen man zusammenklappen kann, und eine Brille.Trägt schwarze Hose, einen weißgelben Sack, schwarzen Hut.

NB.Beide gehen regelmäßig zusammen und sind begleitet vonHirsch, Handlungsdiener aus Hamburg, Künig, Postexpedient, aus dem Geburtsort Willichs. Stieber und Goldheim gehen regelmäßig alle Tage zwischen 11 und 3 Uhr auf die preußische Gesandtschaft.“

Ich glaube, der Verfasser ist Henry de l’Aspée, Freund und Landsmann von O. Dietz, derselbe gekränkte Polizist, der, wie Du Dich erinnern wirst, zu weiteren Enthüllungen[6]mit uns bei Deiner Ankunft hier haben sollte. Du siehst, wie „Hirsch“ voranarbeitet. Nichts konnte den Willich-Kinkel ungelegener kommen.

Fare-well.[7]

Dein K. M.

Was das Pfund angeht, so werde ich jedem 10 Schilling geben, da Pieper, soviel ich weiß, Aussicht hat, sein Geld jetzt ohne Prozeß zu erhalten.

[1]Endgültig.

[2]Um mein Gewissen zu beruhigen.

[3]Leitartikel.

[4]In diesem Zusammenhang mag es angebracht sein, der bemerkenswerten Fähigkeit des Korrespondenten, durch den [uns] diese interessante Mitteilung zugeht, Anerkennung zu zollen. Herr Marx hat seine sehr bestimmten eigenen Ansichten, die wir zum Teil weit entfernt sind, zu teilen, aber diejenigen, die seine Briefe nicht lesen, lassen sich eine der lehrreichsten Quellen der Informierung über die großen Fragen der gegenwärtigen europäischen Politik entgehen.

[5]Hinsichtlich.

[6][Hier fehlt offenbar das Wort: Zusammenkunft.]

[7]Lebe wohl.

26. April 1853.

Lieber Marx!

Inliegend Artikel und Pfund Sterling. Wer immer von den beiden Claimants[1]auch leiden möge, tröste ihn mit der nächsten Woche.

Je eher Du selbst kommst, desto besser. Das Schlafzimmer in meinem Hause ist fertig.

In Frankreich scheint der Commerce schon am Abfallen zu sein. Besonders abgenommen haben die direkten Importe von Baumwolle aus Amerika, so daß Frankreich daseinzigeLand ist, das trotz der kolossalen amerikanischen Erntewenigerbezogen hat als voriges Jahr und kaum mehr als im Jahre der politischen Trübsal 1851,où l’ordre et la société allaient s’engloutir dans le gouffre socialiste.[2]Die Importe von 1852 zeigen den momentan magischen Effekt des Staatsstreichs, 1853 zeigt den Revers. Etwas ist immer von Liverpool nach Havre gegangen, doch nicht so viel mehr als früher. Auch sonst scheint in Frankreich die Industrie nicht eben zu florieren. Diesmal scheint die Sache wirklich ernsthaft zu sein und speziell auf der Verdrängung französischer Artikel aus den auswärtigen Märkten durch einheimisches Fabrikat zu beruhen. Die kolossalen Exilierungen von Arbeitern 1851/52 fangen an, ihre Früchte zu tragen; ich bin überzeugt, daß sie ganz speziell zur Ausdehnung und Verbesserung der englischen und amerikanischen Fabriken von Pariser Artikeln, Bronzesachen usw. beigetragen haben. Heutzutage noch tausendmal weniger als früher jagt die Ordnung ungestraft das Proletariat über die Grenze. Selbst im tiefsten Frieden müßte die französische Industrie bei dieser fortwährenden Exploitation des Komplotts alsmoyen de gouvernement[3]und ewig sich erneuernden Proletarierverbannung zum Teufel gehen; die Engländer und Yankees wissen wahrhaftig den brauchbaren Teil darunter zu benutzen!

Also wann kommst Du?

Dein F. E.

[1]Ansprucherheber.

[2]Wo die Ordnung und die Gesellschaft daran waren, vom sozialistischen Strudel verschlungen zu werden.

[3]Regierungsmittel.

28 Deanstreet, Soho, 27. April 1853.

Lieber Engels!

Ich war soeben mit Freiligrath bei Gerstenberg, und es ist Aussicht, daß ich bis Freitag, wenn auch nicht den Wechsel diskontiert, doch einenVorschuß darauf erhalte. Mit Strohn war es,of course,[1]nichts. Also immer noch möglich – was ich sehr wünsche –, daß ich zu Dir komme.

Den Artikel und die 2 Pfund für Pieper und Dronke erhalten.

Ich weiß nun sicher, daß ich recht berichtet war mit der Anwesenheit Mazzinis in London.

Hirsch war vorgestern beim russischen Konsul, an demselben Tage im Hause Fleurys zusammen mit Stieber und Goldheim.

Dein K. M.

[1]Selbstverständlich.

[Undatiert. Offenbar 27. April 1853.]

Lieber Herr Engels!

Es ist mir furchtbar unangenehm, in Geldsachen an Sie schreiben zu müssen. Sie haben uns nur schon zu oft geholfen. Aber dieses Mal weiß ich keine Rettung, keinen Ausweg. Ich habe an Hagen in Bonn, an Georg, an Cluß, an meine Schwiegermutter, meine Schwester in Berlin geschrieben. Schreckliche Briefe! Und von allen, allen bis heute keine Antwort. So bleibt uns kein Mittel mehr übrig. Ausmalen, wie es hier aussieht, kann ich nicht. Mein Mann ist in die City zu Gerstenberg. Sie können denken, welch ein Gang das für ihn ist. Während der Zeit schreibe ich diese Zeilen. Können Sie etwas uns schicken? Für Freitag hat der Bäcker das Brot gekündigt. Gestern hat der Musch ihn noch abgewehrt, indem er dem Bäcker auf seine Frage: „Is Mister Marx at home?“[1]antwortete: „No he aint upstairs!“[2]und dann mit seinen drei Broten unter dem Arme pfeilschnell davonlief und seinen Streich erzählte.

Leben Sie wohl.

Jenny Marx.

[1]„Ist Herr Marx zu Hause?“

[2]„Nein, er ist nicht oben!“

28 Deanstreet, Soho, 28. April 1853.

Lieber Engels!

Heute war ich mit Freiligrath wieder bei Gerstenberg. Er gab mir einen „verschlossenen“ Empfehlungsbrief an Spielmann in Lombardstreet. Abschlag. Dem Gerstenberg – als Hauptkinkelianer – war es natürlich nicht Ernst mit der Sache.

Nun schicke ich Dir den Wechsel, der mit dem morgen abgehenden Briefe 32 Pfund Sterling beträgt.

Bamberger will mir 2 Pfund Sterling pumpen, damit ich ein paar Schilling meiner Frau lassen und mit dem anderen zu Dir reisen kann.Ich reise Sonnabend morgen fort.Morgen ist es unmöglich.

Dein K. Marx.

1. Juni 1853.

Lieber Marx!

Inliegend die Hälfte von 20 Pfund –P. E.90138. Die andere Hälfte per zweite Post, da ich keine andere Adresse weiß.

Der Kerl, der den Wechsel einkassiert hat, ist auf ein paar Tage verreist, und wir können also das Geld nicht kriegen. Damit Du aber nicht zu warten brauchst, habe ich mir diese 20 Pfund verschafft. Die Abrechnung über den Wechsel erfolgt also Anfang nächster Woche.

Der verdammte Hund zieht uns zirka 18 Pfund ab für Zigarren und Wein, die teils Charles auf Spekulation, teils ich für Konsumtion von ihm gekauft, so daß man dabei noch zum Schuldenzahlen kommt.

In einer alten Tribune von Anfang April las ich gestern Deinen Artikel über die Times und die Flüchtlinge (mit dem Dantezitat).Je t’en fais mon compliment.[1]Das Englisch ist nicht nur gut, es ist brillant. Hier und da sind ein paar Stichwörter nicht kulant genug eingeflochten, das ist aber auch das Schlimmste, was man von dem Artikel sagen kann. Pieper ist fast gar nicht drin zu entdecken, und ich begreife nicht, wozu Du den noch brauchst.

Dein F. E.

[1]Ich mache Dir dazu mein Kompliment.

[Undatiert. Wahrscheinlich Mai 1853.]

Lieber Marx!

Die Bombe wird also endlich platzen, wie Du aus inliegendem Korrekturwisch und Weydemeyers Brief ersiehst. Wunderbarlich ist diese Manier von Willich, sich aus der Sache zu ziehen, jedenfalls; Du wirst Dich gewiß kostbar amüsieren über diese lahmen Zirkumlokutionen[1]und die verlegene Holprigkeit der Schreibart. Der Kerl ist schwer getroffen. Vater Schramm aber scheint ihn in Cincinnati schwer gekränkt zu haben; immer zu etwas gut. Soviel ist sicher: aufdieseErklärung kann nur noch eine größere Blamage von seiten des Ritterlichen folgen. –

Zur Beruhigung kann ich Dir mitteilen, daß die Neu-England-Zeitung mir heute den Versand von 420 Exemplaren „Enthüllungen“ an meine Adresse anzeigt, ich sie also wohl morgen oder spätestens in acht Tagen erhalten werde, wenn das Paket nicht mit dem letzten Steamer abgegangen sein sollte. Die Kerle haben die Unverschämtheit, mich in einem halbanonymen „Office der Neu-England-Zeitung“ unterzeichneten Briefe zum Mitarbeiten aufzufordern – das fehlte noch!

Gut ist es auf alle Fälle, daß wir jetzt doch in der „Reform“ ein Organ haben, worin man, selbst wenn alle Stricke reißen, Sachen in der Polemik gegen Willich und Konsorten unterbringen kann. Der Krawall reitet den Kellner immer tiefer hinein.

Der Druckfehler von Weydemeyer darf Dich nicht wundern. Du weißt ja, daß Weydemeyer statt „Rühmliches“ immer auch nur „Ähnliches“ leistet.

Der Kleine [Dronke] wird nächsten Sonntag herkommen. Ich bin begierig, wie er sich in Bradford als Kommis entwickelt. Jedenfalls scheint der brave Buckup ihn gehörig schanzen zu lassen.

Gestern habe ich das Buch über die arabischen Inschriften gelesen, wovon ich Dir sprach. Das Ding ist nicht uninteressant, so eklig der Pfaff und Bibelapologet überall durchblickt. Sein höchster Triumph ist, dem Gibbon einige Schnitzer in der alten Geographie nachweisen zu können und davon auch auf die Verwerflichkeit der Gibbonschen Theologie zu schließen. Das Ding heißt:The historical Geography of Arabia by the Reverend Charles Forster.[2]Das Beste, was dabei herauskommt, ist:

1. Die in der Genesis gegebene angebliche Genealogie von Noah, Abraham usw. ist eine ziemlich exakte Aufzählung der damaligen Beduinenstämme je nach ihrer größeren oder geringeren Dialektverwandtschaft usw. Die Beduinenstämme nennen sich bekanntlich bis heute immer Beni Saled, Beni Jussuff usw., das heißt die Söhne von dem und dem. Diese Benennung, aus der altpatriarchalischen Existenzweise hervorgehend, führt schließlich auf diese Art Genealogie. Die Aufzählung der Genesis wirdplus ou moins[3]bestätigt durch die alte Geographie, und die neueren Reisenden beweisen, daß die alten Namen, dialektisch verändert, meistens noch existieren. Dabei kommt aber heraus, daß die Juden selbst weiternichts sind als ein Beduinenstamm wie die anderen, den Lokalverhältnisse, Agrikultur usw. in Gegensatz zu den anderen Beduinen brachten.

2. In Beziehung auf die große arabische Invasion, von der wir früher sprachen: daß die Beduinen gerade wie die Mongolen periodische Invasionen gemacht haben, daß das Assyrische Reich und das Babylonische durch Beduinenstämme gegründet sind, auf demselben Flecke, wo später das Kalifat von Bagdad. Die Gründer des Babylonischen Reiches, die Chaldäer, existieren noch unter demselben Namen, Beni Chaled, in derselben Lokalität. Die rasche Herstellung großer Städte, Niniveh und Babylon, ist genau so geschehen wie noch vor 300 Jahren die Schöpfung von ähnlichen Riesenstädten, Agra, Delhi, Lahore, Muttan, in Ostindien durch die afghanische respektive tatarische Invasion. Damit verliert die mohammedanische Invasion viel von ihrem distinktiven[4]Charakter.

3. Die Araber scheinen, wo sie ansässig waren, im Südwesten, ein ebenso zivilisiertes Volk gewesen zu sein wie die Ägypter, Assyrer usw., ihre Bauwerke beweisen das. Auch das erklärt manches in der mohammedanischen Invasion. Was den Religionsschwindel angeht, so scheint aus den alten Inschriften im Süden, in denen die altnational-arabische Tradition des Monotheismus (wie bei den amerikanischen Indianern) noch vorherrscht, und von der die hebräische nur einkleiner Teilist, hervorzugehen, daß Mohammeds religiöse Revolution, wiejedereligiöse Bewegung,formell eine Reaktionwar, vorgebliche Rückkehr zum Alten, Einfachen.

Daß die jüdische sogenannte heilige Schrift weiter nichts ist als die Aufzeichnung der altarabischen religiösen und Stammtradition, modifiziert durch die frühe Separation der Juden von ihren stammverwandten, aber nomadischen Nachbarn, ist mir jetzt vollständig klar. Der Umstand, daß Palästina nach der arabischen Seite zu von lauter Wüste, Beduinenland, umgeben, erklärt die separate Entwicklung. Aber die altarabischen Inschriften, Traditionen und der Koran, sowie die Leichtigkeit, mit der sich nun alle Genealogien usw. auflösen lassen, beweisen, daß der Hauptinhalt arabisch oder vielmehr allgemein semitisch war, wie noch bei uns die Edda und die deutsche Heldensage.

Dein F. E.

[1]Umschreibungen.

[2]Die geschichtliche Geographie Arabiens von Hochwürden Charles Forster.

[3]Mehr oder weniger.

[4]Unterschiedlich.

Freitag, 29. Mai 1853.

Lieber Marx!

Hierbei das Neueste aus Amerika. Ich habe noch mehrere Kopien der Kriminalzeitung mit Weydemeyers und Deiner Erklärung hier, dieich im Anfang der nächsten Woche schicken werde, damit Ihr sie verwenden könnt, ein Exemplar halte ich hier für Dronke und das Archiv.

Die 25 Pfund, welche beiliegen, ist Freiligrath wohl so gut, dem Weydemeyer oder Lièvre anzuzeigen, für heute ist es zu spät für mich, an Weydemeyer zu schreiben. Wie die Kerle indes es fertig bringen, 125 Dollar in 25 Pfund umzuwechseln, ist mir nicht klar; nach dem letzten New Yorker Kurs vom 4. März steht Sterling 54 Pence = 1093/4Cent, also selbst zu 110 Cent sind 125 Dollar = 25 Pfund 11 Schilling 4 Pence, also auf jeden Dollar 3,2 Pence am Kurs verloren.

Mein Alter hat mir endlich geschrieben. Wie ich erwartete: um Gottes willen nur keinen Skandal schlagen, warten, bis er herkommt, und dann mich an die Börse bringen. Das Geschäft geht zu gut, als daß man sich auf großen Krakeel einlassen könnte. Ist mir soweit ganz recht, wenn mein Herr Papa nichts dawider hat; was mache ich mir aus der Lumperei?

Dein F. E.

28 Deanstreet, Soho, 31. Mai 1853.

Lieber Engels!

Heute noch wird der Wechsel von 25 Pfund Sterling an Freiligrath abgehen, der ihn gleich dem Lièvre anzeigen soll.

Einliegend die Adresse von Wolff, der noch immer brummt. –

Um Gottes willen, schicke mirkeineExemplare mehr von Weydemeyers oder meiner Erklärung. Hier allein liegen vierzehn Stück von beiden, die ich vorgestern erhielt. Es wäre wichtiger, wenn Weydemeyer wenigstens zwei oder drei Exemplare der „Hirschschen“ Enthüllungen geschickt hätte. Zum Beispiel in der Schweiz könnte Schabelitz eines brauchen, im Falle sein Prozeß weitergeht.

Sonst nichts Neues hier. Hast Du dem Blind, den ich noch nicht gesehen, seinen Herzen geschickt?

Das Peoples Paper steigt und ist einstweilen pekuniär sichergestellt. Jones ruft Massenmeetings zusammen für den 19. Junisqq.auf Blackstone Edge, Skurcoat Moor, Mount Sorrell, Nottingham Forest.

Apropos! Dem Pieper konnte ich nur 10 Schilling geben, da ich durch Strohns falschenrailwayguide[1]denparliamentary train[2]versäumte und daher mitclass IIreisen mußte.

Lasse bald von Dir hören.

Dein K. M.

[1]Fahrplan.

[2]Parlamentszug.

Manchester, 31. Mai 1853.

Lieber Marx!

Der Wechsel auf Dana ist bezahlt, morgen erhalten wir das Geld, das wir Dir gleich schicken; Charles verfehlte den Kerl heute zweimal. Es wird zwar auf den Kurs etwas verloren, ich denke aber doch weniger als bei Negoziierung in London.

Das Paket mit den Broschüren ist ebenfalls hier, es geht morgen ab, ich werde acht bis zehn hier behalten. Es ist ziemlich schwer und kostete 1,16 Pfund, die Du auf den Verkaufspreis schlagen kannst.Duty[1]allein 18 Schilling, so daß es unter allen Umständen gut ist, daß es an mich adressiert wurde.

Der Kleine [Dronke] war Samstag hier, er scheint sich besser zu machen, als zu erwarten war. Buckup sagte Strohn, er sei ganz zufrieden mit ihm, und er arbeite sich rasch ein. Ich habe ihm wieder etwas Pünktlichkeit eingepredigt, übrigens sind die Verhältnisse auf dem Buckupschen Kontor so günstig für ihn, wie er sie nur wünschen kann.

Von Amerika diese Woche mir nichts Neues zugekommen.

Dein F. E.

[1]Zoll.

28 Deanstreet, Soho, 2. Juni 1853.

Dear Frederic!

Die erste Hälfte der 20 Pfund-Note eingesprungen. Ich schreibe Dir vor meinem Gang ins Museum, also noch sehr früh zu Tag.

Einliegende Erklärung des großen Willich an die Neu-England-Zeitung hätte ich Dir längst geschickt, wenn ich nicht vorausgesetzt, daß Weydemeyer Dir die Sache zugesandt. DasKonzeptdieser zweiten Erklärung ist genuine, echter Willich. Die anderen schreiben „Aufsätze“, er schreibt „Tatsachen“, und ... der edle Mann übergibt „ungern“ der „Öffentlichkeit“ die Tatsachen. Natürlich, er zog es vor, sie geheim hinter der Bierbank den Philistern vorzuraunen; sie durch zwei Erdteile auf „Kontrabandweg“ seit drei Jahren zu kolportieren,jurante Kinkelio.[1]– –

Tout ça n’est pas trop mal pour un vieux sous-lieutenant.[2]Was aber den Stil der Erklärung Nummer 2 angeht – so schlecht er ist, er ist dennoch apokryph. – – Jedenfalls wird jetzt das nötige Supplement zu Tellerings Broschüre von Herrn Willich herausgegeben werden,und da das ganze Zeug einmal vors Publikum gebracht ist,il faut aller jusqu’au bout.[3]Wenn Weydemeyer, Cluß und Komp. geschickt operieren, so müßten sie jetzt dem Willich in die Parade fahren und im voraus den Überraschungen, die er dem Publikum vorbehält, die Pointe und die Neuheit abbrechen.Nous verrons.[4]

Das Lob, das Du meinem „jungen“ Englisch erteilst, hat sehr aufmunternd auf mich gewirkt. Was mir hauptsächlich fehlt, ist einmal grammatische Sicherheit und zweitens die Gewandtheit in gewissen sekundären Wendungen, ohne die alles schlagfertige Schreiben unmöglich ist. Herr „Tribune“ hat zu meinem zweiten Artikel über Gladstones Budget eine Bemerkung an die Spitze ihres Blattes gesetzt, worin sie das Publikum auf die „masterly exposition“[5]aufmerksam macht und erklärt, sie habenowhere „a more able criticism“[6]gesehen und tue „not expect to see one“.[7]Das ist nunall right. Aber in dem folgenden Artikel blamiert sie mich wieder, indem sie einen ganz unbedeutenden und unbedeutend sein sollenden Kopf [Anfang] von mir unter meinem Namen druckt, während sie sich Deinen „Schweizer“ aneignet. Ich werde Dana schreiben, es sei mir sehr „schmeichelhaft“, wenn sie die Sachen manchmal alsleader[8]benutzen. Nur sollten sie dann gefällig meinen Namen nicht unter unbedeutende Notizen setzen. Ich habe der Gesellschaft jetzt unter anderem zwei Artikel über „China“ mit Beziehung auf England geschickt. Wenn Deine Zeit Dir erlaubt und Du gerade Lust hast zu schreiben über irgend etwas, Schweiz, Orient, Frankreich, England odercottonoderDänemark, so tue es von Zeit zu Zeit, da ich jetzt gewaltsam auf den Beutel der Kerls losarbeite, um den Ausfall von dreiweeks[9]zu decken. Wenn Du mir von Zeit zu Zeit so was schickst –de omnibus rebus[10]–, so kann ich’s immer unterbringen, denn Du weißt, daß ich das „Mädchen für alles“ bei den Kerls bin, und es ist immer leicht, alles an alles, an jeden Tag anzuknüpfen.

In bezug auf die Hebräer und Araber war Dein Brief mir sehr interessant. Es lassen sich übrigens 1.allgemeinesVerhältnis nachweisen bei allen orientalischen Stämmen, zwischen demsettlement[11]des einen Teiles derselben und der Fortdauer im Nomadisieren bei den anderen, seit die Geschichte geschieht. 2. Zur Zeit Mohammedshatte sich der Handelsweg von Europa nach Asien bedeutend modifiziert, und die Städte Arabiens, die am Handel nach Indien usw. großen Anteil nahmen, befanden sich kommerziell im Verfall, was jedenfalls mit Anstoß gab. 3. Was die Religion angeht, so wird sich die Frage in die allgemeine und darum leicht beantwortbare auflösen: Warumerscheintdie Geschichte des Orients als eine Geschichte der Religionen?

Über die orientalische Städtebildung kann man nichts Brillanteres, Anschaulicheres und Schlagenderes lesen als den alten François Bernier (neun Jahre Arzt von Aurang-Zebe). „Voyages contenant la description des états du Grand Mogul etc.“[12]Auch setzt er das Militärwesen, die Art, wie diese großen Armeen sich ernährten usw., schön auseinander. Über beides bemerkt er unter anderem: „Die Kavallerie bildet den Hauptteil, die Infanterie nicht so groß, als das Gerücht geht,si ce n’est qu’avec les véritables gens de guerre on ne confond tous ces gens de service et de bazars ou marchés qui suivent l’armée; car, en ce cas là, je croirais bien qu’ils auraient raison de mettre les 2 et 300 000 hommes dans l’armée seule qui est avec le roi, et quelques fois encore d’avantage, comme quand on est assuré qu’il sera longtemps absent de la ville capitale; ce qui ne semblera si fort étonnant à qui saura l’étrange embarras de tentes, de cuisines, de hardes, de meubles et de femmes même assez souvent, et par conséquent d’éléphants, de chameaux, de bœufs, de chevaux, de portefaix, de fourrageurs, vivandiers, marchands de toutes sortes et serviteurs qui traînent après soi ces armées, et à qui saura l’état et gouvernement particulier du pays, à savoir quele roi est le seul et unique propriétaire de toutes les terresdu royaume, d’où vient par une certaine suite nécessaire que touteune ville capitalecomme Delhi ou Agra ne vit presque que de la milice, et est par conséquent obligée de suivre le roi quand il va en campagne pour quelque temps, ces villes là n’étant ni ne pouvant être rien moins qu’un Paris, maisn’étant proprement qu’un camp d’arméeun peu mieux et plus commodément placé qu’en rase campagne.“[13]

Bei Gelegenheit des Marsches des Großmoguls nach Cacharim, mit 400 000 Mann usw. Armee, sagt er: „La difficulté est de savoir d’où et comment peut subsister une si grande armée en campagne, une si grande quantité d’hommes et d’animaux. Il ne faut pour cela que supposer, ce qui est très vrai, que les Indiens sont fort sobres et fort simples dans leur manger, et que de tout ce grand nombre de cavaliers, il n’y a pas le dixième, ni même le vingtième part, qui, dans la marche, mange de la viande; pourvu qu’ils aient leur kicheris ou mélange de ris et d’autres légumes, sur lequel ils versent de beurre roux quand ils sont cuits, ils sont contents. Il faut encore savoir que les chameaux résistent extrêmement au travail, à la faim et à la soif, vivent de peu et mangent de tout, et qu’aussitôt que l’armée est arrivée les chameliers les mènent brouter à la campagne, où ils mangent tout ce qu’ils attrapent. De plus que les mêmes marchands qui entretiennent les bazars dans Delhi, sont obligés de les entretenir dans les campagnes, ebenso diepetits marchands etc. ... enfin à l’égard du fourrage, tous ces pauvres gens s’en vont rôdant de tous les côtés dans les villages pour en acheter et y gagner quelque chose, et que leur grand et ordinaire refuge est de râper, avec une espèce de truelle, les campagnes entières, battre ou laver cette petite herbe qu’ils ont râpée, et l’apporter vendre à l’armée ....“[14]

Bernier findet mit Recht die Grundform für sämtliche Erscheinungen des Orients – er spricht von Türkei, Persien, Hindostan – darin, daß keinPrivatgrundeigentumexistiert. Dies ist der wirklicheclef[15]selbst zum orientalischen Himmel.

Was sagst Du zumfailure[16]des „financial scheme for reducing the national debt“[17]deshudibrasiac[18]Rodolpho Gladstone?

Das Journal des Débats hat vorgestern das wahre Geheimnis ausgesprochen, warum Rußland so frech ist. Entweder, sagt es, muß der Kontinent seine Unabhängigkeit russischer Gefahr aussetzen, oder er muß dem Krieg sich aussetzen, und das ist „la révolutionsociale“.[19]Nur vergißt das elende Débats, daß Rußland sich ebensosehr vor der Revolution fürchtet wie Mr. Bertin, und daß der ganze Witz jetzt darin liegt, wer sich den meisten Schein der „Nichtfurcht“ zu geben weiß. Aber England undFrance– die offiziellen – sind so miserabel, daß wenn Nicholas steifhält, er alles ausrichten kann.

Vale faveque.[20]

K. M.

An Lassalle ist geschrieben, und er wird wohl bereit sein, ein paar hundert Exemplare der Broschüre in Empfang zu nehmen und in Deutschland zu vertreiben. Nun fragt es sich, wie hinüberbringen? Charles meinte, als ich in Manchester war, es ließe sich tun durch Verpackung mit Kaufmannsgütern? Frage ihn jetzt einmal darüber.

P. S.Die Abschickung des Briefes hat sich verspätet, und so kann ich Dir noch nachträglich Ankunft des Bücherpakets und der zweiten Hälfte der Note anzeigen.

[1]Mit Kinkel als Schwurzeugen.

[2]Alles das ist keine schlechte Leistung für einen alten Unteroffizier.

[3]Muß man’s bis auf die Neige kosten.

[4]Wir werden sehen.

[5]Meisterhafte Zergliederung.

[6]Nirgends eine fähigere Kritik.

[7]Erwarte [auch] nicht, eine solche zu sehen.

[8]Leitartikel.

[9]Wochen.

[10]Von allen möglichen Dingen.

[11]Niederlassung.

[12]Reisen, enthaltend die Beschreibung der Staaten des Großmogul usw.

[13]Wenn man nicht alle Dienst- und Basar- oder Handelsleute, die der Armee folgen, mit den eigentlichen Kriegsmannschaften zusammenwirft; denn in diesem Falle glaube ich allerdings, daß sie recht hätten, 200 000 und 300 000 Mann und manchmal mehr allein auf die Armee, die mit dem König geht, anzusetzen, zum Beispiel wenn sicher ist, daß er lange aus der Hauptstadt fort sein wird; was dem nicht sehr erstaunlich scheinen wird, der den merkwürdigen Reichtum an Zelten, Küchen, Kleidern, Möbeln und oft selbst Frauen, und folglich an Elefanten, Kamelen, Rindern, Pferden, Lasträgern, Futterlieferanten, Marketendern, Händlern aller Art und Dienern kennt, den diese Armeen mit sich ziehen, und die eigenartige Verfassung und Regierung des Landes kennt, nämlich daß derKönig der alleinige und einzige Eigentümer alles Grund und Bodensdes Königreichs ist, woher es dank einer gewissen notwendigen Folgewirkung kommt, daß eine ganzeHauptstadtwie Delhi oder Agra fast nur von der Miliz lebt und daher genötigt ist, dem König zu folgen, wenn er für etliche Zeit ins Feld zieht, da jene Städte nichts weniger sind noch sein können als ein Paris, sonderneigentlich nur ein Feldlagersind, das etwas besser und bequemer placiert ist als auf dem flachen Lande.

[14]„Die Schwierigkeit ist, zu wissen, woher und wie eine so große Armee, eine so große Menge von Menschen und Tieren im Felde existieren kann. Man muß da zunächst nur voraussetzen, daß die Inder, was sehr wahr ist, sehr mäßig und nüchtern in ihrer Lebensweise sind, und daß von dieser großen Zahl von Reitern nicht der zehnte, nicht der zwanzigste Teil auf dem Marsche Fleisch ißt; wenn sie nur ihr Kicheri oder Mischung von Reis und anderen Leguminosen haben, auf die sie, wenn sie gekocht sind, rote Butter schütten, sind sie zufrieden. Man muß ferner wissen, daß die Kamele außerordentlich viel Arbeit, Hunger und Durst aushalten, von wenig leben und alles essen; sobald die Armee [an dem Standort] angelangt ist, lassen die Kameltreiber sie auf dem Felde weiden und sie fressen, was sie erwischen. Außerdem daß dieselben Händler, die die Basars in Delhi halten, verpflichtet sind, sie im Felde zu halten, [ebenso] die Kleinhändler usw. ... endlich, was die Furage anbetrifft, so streichen alle diese armen Leute nach allen Seiten in die Dörfer, um dort etwas zu kaufen und zu verdienen, und daß ihre große und gewöhnliche Zuflucht ist, mit einer Art Sichel ganze Felder abzuschneiden, das bißchen Gewächs, das sie geschunden haben, zu dreschen oder zu waschen und es dann zum Verkauf an die Armee heranbringen ....“

[15]Schlüssel.

[16]Fehlschlag.

[17]Finanzplan für die Reduktion der Staatsschuld.

[18]Hudibrasischen [geht auf eine komische Person aus dem Spottgedicht „Hudibras“ des S. Butler].

[19]SozialeRevolution.

[20]Lebe wohl und bleib’ mir gut.

Manchester, 6. Juni 1853, abends.

Lieber Marx!

Ich wollte Dir heute per erste Post schreiben, wurde aber bis 8 Uhr durch Kontorarbeiten aufgehalten. Die beiden Erklärungen Weydemeyers und Cluß’ in der Kriminal-Zeitung gegen Willich wirst Du erhalten haben, das heißt von Amerika direkt, wo nicht, so schreibe mir gleich. Vater Weydemeyer ist wie gewöhnlich zu breit, weiß die Pointe nur stellenweise zu finden, stumpft sie auch dann durch seinen Stil ab und entwickelt seinen bekannten Mangel an Verve mit seltener Gelassenheit. Trotzdem hat der Mann sein möglichstes getan, die Geschichte mit dem „Waffengefährten“ Henze und der von anderen inspirierten Schreibart des Hirsch richtig gedreht; sein hahnebüchener Stil und seine Gelassenheit, die dort für Impassibilität gilt, wird dem Philistertum zusagen, und im ganzen kann man mit seiner Leistung zufrieden sein. Die Erklärung von Cluß dagegen gefällt mir ausgezeichnet. Derhomme supérieur,[1]der seiner Überlegenheit durch die „persönliche Berührung“ mit Willich sich sozusagen physisch bewußt geworden, lacht aus jeder Zeile hervor. An Leichtigkeit des Stils ist das Ding das Beste, was Cluß je geschrieben, auch nicht eine holperige Wendung drin, keine Spur vongêne[2]oder Verlegenheit. Wie gut steht ihm der fingierte Biedermann mit der Miene desbonhomme, der aber doch überall den Teufel durchblicken läßt, der ihm im Nacken sitzt. Wie famos ist die Wendung mit dem „Schwindel, wie Revolutionsagenturen sind“, von denen er lebe, wie Willich behaupten soll. Der Ritterliche wird sich gewundert haben, unter den rohen „Agenten“ einen Kerl zu finden, der so flott, so geschickt, so von Natur offensiv und zu gleicher Zeit so unprätentiös nobel auftritt, und der ihn so fein, viel feiner und gewandter als er selbst, seine eigenen Fintenà tempostößt. Wenn der Willich nur Geschmack genug hat, das herauszufinden; aber ich hoffe, der Ärger und das notwendige Spintisieren werden ihm schon ein gewisses Verständnis eröffnen. –

Wenn Lassalle Dir eine gute, gleichgültige Adresse in Düsseldorf gegeben hat, so kannst Du mir hundert Exemplare schicken. Wir werden sie in Twistballen durch hiesige Häuser verpacken lassen; aber sie dürfen nicht an Lassalle selbst adressiert sein, da die Pakete nach Gladbach, Elberfeld oder so gehen und von da, alspostpflichtig, per Post nachDüsseldorf gehen müssen. Ein Paket an Lassalle oder die Hatzfeldt können wir aber keinem hiesigen Hause geben, denn 1. ist in jedem dieser Häuser hier mindestenseinRheinländer, der den Tratsch kennt, oder 2. wenn das gut geht, so wissen die Empfänger des Ballens drüben Bescheid, oder 3. im günstigsten Falle sieht sich die Post die Sachen an, ehe sie sie abgibt. In Köln haben wir eine gute Adresse, kennen aber leider die Leute nicht besonders, die hier die Haupteinkäufer für das Kölner Haus sind, und können ihnen daher keinen Schmuggel zumuten. Wir sagen hier den Leuten nämlich, die Pakete enthielten Präsente für Damen. –

Die Abwesenheit des Grundeigentums ist in der Tat der Schlüssel zum ganzen Orient. Darin liegt die politische und religiöse Geschichte. Aber woher kommt es, daß die Orientalen nicht zum Grundeigentum kommen, nicht einmal zum feudalen? Ich glaube, es liegt hauptsächlich im Klima, verbunden mit den Bodenverhältnissen, speziell mit den großen Wüstenstrichen, die sich von der Sahara quer durch Arabien, Persien, Indien und die Tatarei bis ans höchste asiatische Hochland durchziehen. Die künstliche Bewässerung ist hier erste Bedingung des Ackerbaus, und diese ist Sache entweder der Kommunen, Provinzen oder der Zentralregierung. Die Regierung im Orient hatte immer auch nur drei Departements: Finanzen (Plünderung des Inlandes), Krieg (Plünderung des Inlandes und des Auslandes) undtravaux publics(Sorge für die Reproduktion). Die britische Regierung in Indien hat Nr. 1 und 2 etwas philiströser geregelt und Nr. 3 ganz beiseite geworfen, und der indische Ackerbau geht zugrunde. Die freie Konkurrenz blamiert sich dort vollständig. Diese künstliche Fruchtbarmachung des Bodens, die sofort aufhörte, wenn die Wasserleitungen in Verfall kamen, erklärt die sonst kuriose Tatsache, daß jetzt ganze Striche wüst und öde sind, die früher brillant bebaut waren (Palmyra, Petra, die Ruinen in Jemen und Lokalitäten in Ägypten, Persien und Hindustan); sie erklärt die Tatsache, daß ein einziger Verwüstungskrieg ein Land für Jahrhunderte entvölkern und seiner ganzen Zivilisation entkleiden konnte. Dahin gehört, glaube ich, auch die Vernichtung des südarabischen Handels vor Mohammed, die Du sehr richtig als ein Hauptmoment der mohammedanischen Revolution ansiehst. Ich kenne die Handelsgeschichte der sechs ersten christlichen Jahrhunderte nicht genau genug, um urteilen zu können, inwieweit allgemeine materielle Weltverhältnisse den Handelsweg durch Persien nach dem Schwarzen Meer und durch den Persischen Meerbusennach Syrien und Kleinasien dem übers Rote Meer vorziehen ließen. Aber jedenfalls war nicht ohne bedeutende Wirkung die relative Sicherheit der Karawanen im persischen, geregelten Sassanidenreich, während Jemen von den Abessiniern von Anno 200 bis 600 fast fortwährend unterjocht, überfallen und geplündert wurde. Die zur Römerzeit noch blühenden Städte des südlichen Arabien waren im siebenten Jahrhundert wahre Wüsten von Ruinen; die benachbarten Beduinen hatten in 500 Jahren rein mythische, fabelhafte Traditionen über ihren Ursprung sich angeeignet (siehe den Koran und den arabischen Geschichtschreiber Novairi), und das Alphabet, in dem die dortigen Inschriften geschrieben, war fast total unbekannt, obwohl kein anderes da war, so daß sogarde factodas Schreiben in Vergessenheit geraten. Dergleichen Sachen sehen neben einem durch etwaige allgemeine Handelsverhältnisse veranlasstensuperseding[3]auch noch eine ganz direkte gewaltsame Zerstörung voraus, wie sie nur durch die äthiopische Invasion zu erklären ist. Die Vertreibung der Abessinier geschah um 40 Jahre vor Mohammed und war der erste Akt des erwachenden arabischen Nationalgefühls, das außerdem durch persische Invasionen vom Norden her, die fast bis nach Mekka drangen, gestachelt war. Ich werde die Geschichte Mohammeds selbst erst dieser Tage vornehmen; bis jetzt scheint sie mir aber den Charakter einer beduinischen Reaktion gegen die ansässigen, aber verkommenden Fellahs der Städte zu tragen, die damals auch religiös sehr zerfallen waren, und mit einem verkommenen Naturkultus ein verkommenes Judentum und Christentum vermischten.

Die Sachen vom alten Bernier sind wirklich sehr schön. Man freut sich ordentlich, einmal wieder etwas von einem alten nüchternen, klaren Franzosen zu lesen, der überall den Nagel auf den Kopf trifftsans avoir l’air de s’en apercevoir.[4]

Da ich nun doch einmal auf ein paar Wochen in der orientalischen Schmiere festsitze, so habe ich die Gelegenheit benutzt, um Persisch zu lernen. Von dem Arabischen schreckt mich einerseits mein eingeborener Haß gegen die semitischen Sprachen zurück, andererseits die Unmöglichkeit, in einer so weitläufigen Sprache, die 4000 Wurzeln hat und sich über 2000 bis 3000 Jahre erstreckt, ohne viel Zeitverlust es zu etwas zu bringen. Persisch dagegen ist ein wahres Kinderspiel von einer Sprache. Wäre es nicht wegen des verfluchten arabischen Alphabets, worin immer je sechs Buchstaben sich gleich sehen und wo man die Vokale nicht schreibt,so würde ich mich anheischig machen, die ganze Grammatik binnen 48 Stunden zu lernen. Dies zum Trost für Pieper, wenn er etwa Lust haben sollte, mir diesen schlechten Witz nachzumachen. Ich habe mir drei Wochen als Maximum für das Persische angesetzt; wenn er also zwei Monate dran riskiert, so schlägt er mich jedenfalls. Für Weitling ist es ein Pech, daß er kein Persisch kann; er würde seinelangue universelle toute trouvée[5]haben, da es meines Wissens die einzige Sprache ist, wo kein Krakeel zwischen Mir und Mich entsteht, da der Dativ und der Akkusativ sich immer gleich sind.

Übrigens ist es ganz angenehm, den liederlichen alten Hafis in der Ursprache zu lesen, die ganz passabel klingt, und der alte Sir William Jones gebraucht mit Vorliebe persische Zoten als Beispiele in seiner Grammatik, die er dann nachher in seinenCommentariis poeseos asiaticae[6]in griechische Verse übersetzt, da ihm das doch im Lateinischen selbst noch zu unflätig vorkommt. Diese Kommentare: Jones’ Works, 2. Band,de poesi erotica,[7]werden Dich amüsieren. Dagegen ist die persische Prosa zum Totschießen. Zum Beispiel derRanzât-uo-safâ[8]des edlen Mirkhond, der die persische Heldensage in sehr bilderreicher, aber inhaltloser Sprache erzählt. Hier heißt es von Alexander dem Großen: Der Name Iskander heißt in der jonischen Sprache Akschid Rûs (verstümmelt, wie Iskander, aus Alexandras), das bedeutet soviel wieFilusûf, welches herkommt vonfila, Liebe, undsufa, Weisheit, so daß Iskander dasselbe ist wie ein Freund der Weisheit. – Von einemretired[9]König heißt es: Er schlug die Trommel der Abdankung mit dem „Trommelstock des Sichzurückziehens“, wie Vater Willich dies tun wird, wenn er sich etwas weiter in den literarischen Kampf lanciert. Demselben Willich wird es auch ergehen wie dem König Afrasiat von Turan, als seine Truppen ausrissen, und von dem Mirkhond sagt: „Er biß sich die Nägel des Entsetzens mit den Zähnen der Verzweiflung, bis das Blut des geschlagenen Bewußtseins ihm aus den Fingerspitzen der Scham quoll.“ – Morgen mehr.


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