Chapter 13

Gotische Randverzierung.2. Die Vergoldung und farbige Verzierung der Decke. Nachträgliches.

Gotische Randverzierung.

Gotische Randverzierung.

Auswaschen, Grundieren und Kleistern des Leders. — Ledersorten. — Rückenvergoldung. — Äußere und innere Deckelvergoldung. — Ledermosaik und Bemalung. — Pressendruck auf Leder, Kaliko, Samt. — Färbung und Marmorierung des Leders. — Verarbeitung des Pergaments und des Samts.

DieHandvergoldung,d. h.das Aufdrucken von Stempelverzierungen auf Leder unter Anwendung von Blattgold war schon in spätrömischer Zeit bekannt. Zur Verzierung von Buchdecken wurde sie zuerst im Orient verwendet, von dem das Abendland überhaupt die kunstvolle Bearbeitung des Leders erlernt hat.

Den ältesten Ledervergoldungen auf europäischem Boden begegnen wir in Italien. Sie erscheinen matt und grieselig, was sich aus dem Umstande erklärt, daß das Gold auf das feuchte Leder ohne vorherige Grundierung aufgetragen wurde. Erst im Laufe der Zeit kam man darauf, dem Leder einen Leim- oder Eiweißgrund zu geben, wie solcher noch heute angewendet wird.

DemGrundierenvoraus geht dasAuswaschenund in bestimmten Fällen dasKleisterndes Leders.

Das Auswaschen geschieht mit einem Schwamm und reinem Wasser, in besonderen Fällen auch mit Essig. Der Zweck des Waschens ist nicht nur, das Leder von etwa an demselben haftenden Unreinigkeiten zu befreien, sondern ihm den Grad von Feuchtigkeit zu verleihen, den es haben muß, wenn das Gold gut »halten« soll. Auf trockenem Leder läßt sich auch nicht der lebhafte Glanz des Goldes erzielen; es »steht« nicht, wie der Kunstausdruck lautet.

Zum Auswaschen bedient man sich auch mit gutem Erfolge einerBeize, die zu zwanzig Teilen aus Kornbranntwein, einem Teil Scheidewasser und einem Teil Meerzwiebelsaft besteht, und der man auch noch einige Tropfen Ammoniak zuzusetzen pflegt. Das Waschen mit dieser Beize erhält selbst an heißen Tagen den Grund einige Stunden lang frisch, so daß langsamer gedruckt werden kann.Auch brauchen die Stempel weniger heiß zu sein, wodurch die Schönheit der Vergoldung wesentlich gewinnt.

DasKleisternist nur bei Ledersorten erforderlich, die geneigt sind, aus den Grundiermitteln die Feuchtigkeit schnell aufzusaugen, so daß sich der Klebstoff auf der Oberfläche als graue Schicht ablagert. Man nimmt dazu gewöhnlichen Kleister, der mit so viel Wasser versetzt wird, daß er einer Mehlsuppe gleicht. Zum Auftragen, das recht gleichmäßig zu geschehen hat, bedient man sich des Kleisterpinsels, und reibt dann mit dem Ballen der Hand, besser mit einem Hasenfuß, aus dem aber die Zehen ausgebrochen sein müssen, den Kleister in das Leder ein.

Die Grundierung erfolgt erst mitLeimund danach mitEiweiß.

Der für denLeimgrundoder die »Leimtränke« dienliche Leim istFischleim, von dem man 4 bis 5 Tropfen auf eine halbe Tasse lauwarmen Wassers nimmt und mit diesem gut vermischt. Die Flüssigkeit wird leicht, aber gleichmäßig aufgestrichen. (Der unter der Bezeichnung »colle liquide« in den Handel kommende flüssige Gummi ist für diesen Zweck durchaus unbrauchbar.)

Den zweiten und letzten Grund stellt man mit einer Mischung her, die zu ⅔ aus Eiweiß und zu ⅓ aus Essig, Lagerbier oder Apfelmost besteht. Die Mischung muß gut durchgequirlt werden. Um sie haltbarer zu machen, setzt man ihr einige Tropfen Ammoniak oder ein Stückchen Kampfer zu.

Wir unterscheiden in bezug auf die Behandlung harte und weiche Leder, erstere müssen rasch und heiß, letztere mäßig warm und langsam gedruckt werden; dabei steht das Gold besser. Dazu gehören alle Saffiane.

Im nachfolgenden geben wir eine Übersicht über die verschiedenen Ledersorten und Stoffe, die zu Buchdecken verwandt werden, und bemerken bei jedem einzelnen Material die Art der Behandlung, der es vor der Vergoldung zu unterwerfen ist.

1.Schafleder.Man unterscheidetlohgaresundgekörntesoder anderweitig appretiertes Schafleder. Ersteres, gefärbt oder ungefärbt, wird mit Wasser ausgewaschen, mit Kleisterwasser bestrichen, erst mit Fischleim und nach dem Abtrocknen mit Eiweiß grundiert. Letzteres wird mit Essig oder Beize ausgewaschen und dann ohne vorherigen Leimgrund mit Eiweiß behandelt.

2.Bocklederwird mit Essig oder Beize ausgewaschen und mit Eiweiß grundiert. Grüne, braune und die helleren, sog. Modefarben drucken sich leicht und halten gut, was bei schwarzem Leder weniger der Fall zu sein pflegt.

3.Bastardledergleicht dem Bockleder, ist aber, wie der Kunstausdruck lautet, »glänzend gestoßen«. Die hellen Farben sind meist nicht waschecht. Dem Abfärben wird einigermaßen dadurchvorgebeugt, daß man dem Leder erst einen Leimgrund und danach doppelten Eiweißgrund gibt.

4.Saffian(Maroquin[franz.] oderLevant Marocco[engl.]),d. h.genarbtes Ziegenleder, wird mit Wasser ausgewaschen und einfach mit Eiweiß grundiert. Nur in dem Falle, wo das Kornniedergeglättetworden ist, wird zweimal grundiert und bei sehr reichen Vergoldungen vorher ein Leimgrund aufgestrichen.

5.Schweinsleder.Bei diesem genügt das Auswaschen mit Wasser und einfacher Eiweißgrund. Wenn, wie das bei Schweinslederbänden meist der Fall ist, Golddruck in Verbindung mit Blinddruck zur Anwendung kommt, so ist ein weiteres Auswaschen nicht mehr nötig. Die Goldverzierungen werden vorgedruckt und halten nach nur einmaliger Grundierung mit Eiweiß sehr gut.

6.Kalbleder.FarbigesKalbleder wird mit Wasser,ungefärbtes, sog. weißes Kalbleder ebenfalls mit Wasser, in dem aber ein wenig Kleesalz oder Zitronensäure aufgelöst ist, ausgewaschen.

7.Pergamentwird zweimal mit gesättigter Alaunlösung abgewaschen und muß danach völlig austrocknen. Nachdem dies geschehen ist, wird es zweimal mit reinem Eiweiß grundiert. Der Eiweißgrund muß dann mindestens eine Stunde lang trocknen. Der Alaun bewirkt eine Verseifung der im Pergament enthaltenen Leimteile und erhält die Oberfläche sauber.

8.Kalikowird mit Eiweiß einmal grundiert.

9.Seide,Samtund andere Webstoffe werden mit Pulver gedruckt, wovon weiter unten die Rede sein wird.

Bei allen Lederbänden werden die zu vergoldenden Stellen zuerst blindvorgedrucktund dann mit Eiweiß ausgepinselt. Bei größeren, dicht mit Ornamenten zu bedruckenden Flächen bedient man sich statt des Pinsels eines Schwämmchens. Da das Eiweiß gern schäumt, so begegnet man diesem Übelstande dadurch, daß man mit dem Pinsel oder dem Schwämmchen vor dem Eintauchen leicht über das Kopfhaar streicht. Das Haar gibt einige wenige Fettteile ab, die genügen, um das Schäumen zu verhindern.

Da nicht alle Ledersorten von gleicher Art durchaus übereinstimmende chemische oder struktive Eigenschaften haben, so können die oben aufgestellten Regeln nur als allgemeine Erfahrungssätze gelten, von denen unter Umständen auch abgewichen werden muß. Nur Übung und praktische Erfahrung lassen den Vergolder in jedem einzelnen Falle das Richtige treffen.

DieRückenvergoldung. Die Rücken von einfachen Bänden, welche glatt,d. h.ohne Bünde ins Leder gemacht sind, erhalten entweder eineBundeinteilung(Fig. 72,73u.74), oder einen sog.langen Rücken(Fig. 75,76u.77), oder auch einenliegend gedachten Rückenmit einem langen Felde, das den Titel enthält oder ornamentiert wird. (Fig. 78u.79.)

Die nach Bünden eingeteilten Rücken haben entweder gleich große oder verschieden große Felder. In beiden Fällen wird zunächst für die Verzierung des Kopfendes, je nach der Größe des Buches, eine Breite von ½ bis 1½ cm, für die Verzierung des Schwanzendes eine solche von 1 bis 3 cm vorgesehen. Die Felder werden abgezirkelt und der Bundstrich an einem Streifchen Karton oder Pergament mit dem Falzbein genau rechtwinkelig zu der Falzkante gezogen. Dieser Vorzeichnung folgt man mit einer Linienfilete, die wiederholt aufgedruckt wird, bis der Strich blank erscheint. Der Band, der in eine Klotzpresse oder Einspannvorrichtung (vgl.S. 117) fest eingeklemmt ist, muß bei dieser Arbeit genau quer vor dem Arbeiter mit der Rückenfläche etwa in Brusthöhe stehen. Die Druckbewegung muß leicht mit dem Handgelenk ausgeübt werden, nicht mit dem vollen Gewicht des Armes. Die Geschicklichkeit, mit der stark gewölbten Filete eine genaue gerade Linie über den in umgekehrter Spannung gebogenen Rücken zu drucken, wird nicht in einem Tage erreicht, sondern erfordert eine längere Übung. Die Hauptsache ist, daß der Anfänger sich gewöhnt,das Ende der Linie beim Drucken im Auge zu behalten, nicht aber mit dem Auge der sich über den Rücken neigenden Linie zu folgen oder gar von der Seite unter die Filete zu sehen.

Gewöhnlich nimmt man drei Linien für jeden Bund an, von denen die mittlere, mindestens doppelt so stark als die anderen, blind gedruckt wird. (Vergl.Fig. 72.) Hat man eine dreifache Filete, so wird mit dieser der Bund blind gedruckt und danach die beiden feinen Linien mit der Filete in Gold gedruckt. Bei solchen einfachen Bänden wird gewöhnlich an Kopf und Schwanz nur eine doppelte oder mehrfache Linie als Abschluß angeordnet; besser sieht es natürlich aus, wenn ein Ornament mit freien Endigungen (Spitzen- oder Blattwerk) den Rücken an beiden Enden abschließt, wie aufFig. 72u.73.

Die Fileten haben je nach der Art des Ornaments, das durch den Aufdruck hervorgebracht wird, verschiedene Bezeichnungen. DieLinienfilete(einfach, doppelt, dreifach und in verschiedenen Stärken) lernten wir bereits kennen. DiePunkt-oderTippelfiletebildet eine punktierte Linie. (Fig. 80bei a.)

DieFilete mit laufendem Mustergibt ein bandartiges Ornament, bei dem keine bestimmte Richtung oder nur die seitliche (Wellenbewegung) betont ist. (Fig. 80bei b, c, e, f, g und h.) Für die Verzierung des Kopf- und Schwanzendes dient dieSchluß-oderEndfiletemit nach unten, bez. nach oben gerichtetem Muster (Fig. 80bei i und k). Eine besondere Art bilden dann noch dieBundfileten, welche zur Vergoldung erhabener Bünde und Kanten verwendet werden (wozu übrigens auch jedes laufende Muster zu gebrauchen ist), und sich aus einfachen Linien, die senkrecht oderschräg, auch wohl mit punktierten Linien wechselnd, dicht nebeneinander angeordnet sind, zusammensetzen. (Fig. 80bei d.)

Fig. 72.Fig. 73.Fig. 74.Fig. 75.

Fig. 72.

Fig. 72.

Fig. 73.

Fig. 73.

Fig. 74.

Fig. 74.

Fig. 75.

Fig. 75.

Fig. 76.Fig. 77.Fig. 78.Fig. 79.

Fig. 76.

Fig. 76.

Fig. 77.

Fig. 77.

Fig. 78.

Fig. 78.

Fig. 79.

Fig. 79.

Fig. 80. Verschiedene Filetenmuster.

Fig. 80. Verschiedene Filetenmuster.

Kehren wir zur Rückenvergoldung zurück, so ist zunächst noch zu bemerken, daß man die Titelfelder auch seitlich mit einer Linie begrenzen, sowie auch die Bundlinien verdoppeln, bez. eine punktierte oder schmale Zierlinie anbringen kann, wie es eben dem Geschmackdes Arbeiters oder dem Wunsche des Bestellers entspricht. Nachdem sämtliche Linien vorgedruckt sind, kommt die Reihe an den Titel. Die Titel und sonstigen schriftlichen Bezeichnungen werden aus Schriftsatz gebildet. DieSchriften,d. h.die einzelnen zum Drucken dienenden Buchstaben, sind entweder aus Schriftgut, wie die Buchdruckerlettern, oder in Messing gegossen. Messingschriften sind selbstverständlich vorzuziehen, weil das Metall härter ist und nicht Gefahr läuft zu schmelzen. Die Lettern werden zum Zweck des Druckens in denSchriftkastengesetzt, der in Deutschland mit sog. Zentralstellung eingerichtet ist (Fig. 81), während die ältere Form, bei der die Schrift an einem Ende eingeschraubt wird, nur noch selten gebraucht wird. Vor dem Gebrauch wird jede Zeile mit einem weichen Läppchen abgerieben.

Fig. 81. Schriftkasten.

Fig. 81. Schriftkasten.

Die Größe und Art der Schriften, die man im einzelnen Falle verwendet, richtet sich natürlich nach der Größe des Feldes, das mit Titel, Bandzahlu. s. w.zu bedrucken ist. Am besten nehmen sich bei Verwendung lateinischer Schrift (Antiqua) die sog. Majuskeln oder Versalien, Anfangs- oder großen Buchstaben aus, weil sie, abgesehen von der klaren und deutlichen Form, oben wie unten eine gerade Linie bilden. Bei der gotischen Schrift (Fraktur), die nur noch im deutschen und dänischen Sprachgebiet gebräuchlich ist, sind Majuskeln wegen der krausen, schwer lesbaren Form nicht anwendbar. Hauptsache bei einem Titel ist immer, daß er deutlich erscheint. Deshalb sind auch allzu schlanke Lettern (wie inFig. 77), ebenso solche, die mit Zierat überladen oder zu Mißformen umgestaltet sind, vom Übel.

Bei dieser Gelegenheit ist noch zu bemerken, daß Lesezeichen (Interpunktionen) bei Titeln mindestens überflüssig sind. (AufFig. 74ist ein Punktum und aufFig. 76sind zwei Kommata versehentlich stehen geblieben.) Nur bei Abkürzungen, wie beiFig. 74REC., darf der Punkt nicht weggelassen werden. Ferner sei darauf aufmerksam gemacht, daß ein Rückentitel um so ruhiger und deshalb gefälliger aussieht, je weniger die darauf angebrachten Schriften in der Form der Buchstaben von einander abweichen. Zu empfehlen sind für den Druck auf Leder und Kaliko namentlich die Schriften mit gleichstarkem Zuge, also ohne scharf abstechende Haarstriche. (Vergl.Fig. 72und dagegenFig. 74, wo der Zusatz »Rec. Frey« einen anderen Schriftschnitt zeigt als der Haupttitel, übrigens auch zu groß gegen jenen erscheint). Bei der Wahl der Schriften hatman noch zu berücksichtigen, daß Titelzeilen von gleicher und annähernd gleicher Länge sich nicht gut ausnehmen, namentlich nicht, wenn sie unmittelbar unter einander stehen. Man hilft sich in gegebenem Falle durch Sperren mit Durchschuß (zwischen die Lettern gesetzten Metallplättchen, auchSpatiengenannt) oder durch schmalere, bez. fettere Schriften, nur muß man sich hüten, nicht die Hauptsache durch kleinere oder weniger fette Schrift zur Nebensache zu machen.

Selbstverständlich ist es unmöglich, hier die Regeln für geschmackvolle und verständige Anordnung von Titeln zu erschöpfen, da jeder einzelne Fall besondere Überlegung erfordert. Erst die Praxis schärft den Blick für das Richtige und Angemessene, und nur durch Sehen und Vergleichen gewinnt man die Reife des Urteils, die Schönheit mit Zweckmäßigkeit in vollen Einklang zu bringen weiß.

Jede eingesetzte Zeile wird mit dem Zirkel genau gemessen, das gefundene Maß auf ein schmales Papierstreifchen, und von diesem auf das Titelfeld übertragen. Sind mehrere Bände gleichen Titels vorhanden, so werden diese alle in gleicher Weise vorgezeichnet und blind vorgedruckt. Der Schriftkasten wird natürlich ebenso wie die Fileten vor dem Druck heiß gemacht. Bleischriften kann man natürlich nicht mit über das Feuer bringen, sondern muß sie in den angewärmten Schriftkasten nachträglich einsetzen.

Beim Drucken mit dem Schriftkasten wie mit den Fileten ist es notwendig, den Ansatz mit der Daumenspitze der linken Hand zu regeln. Indem das hintere Ende des Werkzeugs auf diese aufgesetzt wird, erhält es einen Stützpunkt, der das Auffinden des Ansatzpunktes erleichtert. Im übrigen sei auf die früheren Bemerkungen über den Blinddruck (S. 116) verwiesen.

Sobald der blinde Vordruck ganz ausgeführt ist, wird der Rücken ausgewaschen und erforderlichen Falles mit Leimtränke überfahren. (Bei Ledersorten, die Kleistergrund bedingen, muß dieser schon vor dem Blinddruck aufgestrichen sein.) Nachdem der Leimgrund trocken geworden ist, werden alle Vordruckstellen, welche vergoldet werden sollen, mit Eiweiß ausgepinselt, und zwar mit Vorsicht, damit nicht das Eiweiß über die Grenzen hinauskommt und hier graue Stellen hinterläßt.

Wo es sich um das Drucken einzelner Linien handelt, kann das Gold, das man vorher in der oben (S. 75) angegebenen Weise in kleine Streifchen, etwas breiter als die Filete, zerlegt hat, mit der Filete aufgefangen werden. Diese muß vorher mit Öl oder anderem Fett leicht überfahren sein. Indem man sie mit einem Ende beginnend, leicht aufsetzt und über den Streifen wegführt, hängt sich das Gold an und wird danach auf die zu bedruckende Stelle gebracht.

Über das Erwärmen der Druckwerkzeuge ist schon oben (S. 115) das Erforderliche gesagt worden. Es sei hier nur noch bemerkt,daß man gut daran thut, bei jeder Ledersorte vorerst eine Probe für den Hitzegrad zu machen. Bei zu geringer Wärme hält das Gold nicht und löst sich ab, wenn man das Leder mit dem Goldlappen abwischt; bei zu großer Wärme läuft man Gefahr, das Leder zu verbrennen. Kalbleder verträgt eine etwas stärkere Erwärmung als andere Ledersorten, erfordert aber sehr raschen Druck.

Beim Vergolden des Titels wird auf das ganze Titelfeld Gold aufgetragen, nachdem man es mit einem Hauch Fett überfahren hat. Das Auftragen des Goldes geschieht in derselben Weise wie beim Goldschnitt (s.S. 75) mittelst eines Streifchens Papiers. Das aufgetragene Gold wird mit sauberer Watte leicht betupft, damit es sich an die Fläche anschmiegt. Durch das Gold hindurch wird dann der Vordruck sichtbar, der nun Zeile für Zeile nachzudrucken ist. Sobald der Druck einer Linie oder eines Titels ausgeführt ist, wischt man das überschüssige Gold mit einem weichen, wollenen Lappen, demGoldlappen, ab; bleiben dabei noch kleine Teilchen hängen, so werden diese mit schwarzem Gummi abgerieben oder mit einem spitzen Hölzchen entfernt. Der Goldlappen wird nach längerer Benutzung verkauft; das darin haftende Gold ist nämlich nicht verloren, sondern kann durch Ausbrennen wiedergewonnen werden.

Die fertige Vergoldung soll blank und selbst unter der Lupe fehlerlos erscheinen. Solange dies nicht der Fall ist, genügt der Druck nicht und muß nachgedruckt werden.

Pergamentbändeerfordern besonders sorgfältige Behandlung, da das Material sehr leicht Schmutz annimmt. Deshalb schlägt man, wenn man den Rücken vergolden will, einen breiten Streifen Papier der Länge nach um den Band, so daß nur der Rücken heraussieht. In ähnlicher Weise schützt man den einen Deckel, wenn man den anderen in Arbeit nimmt. Die Vergoldung wird wie beim Leder vorgedruckt, aber nicht mit Eiweiß ausgepinselt; das Gold wird mit reichlichem Öl aufgetragen. Die Rückenvergoldung geschieht in der Weise, daß die Bundlinien, nachdem die Einteilung mit dem Zirkel abgestochen ist, auf dem aufgetragenen Golde vorgezeichnet werden. Der Vorzeichnung gemäß spannt man einen dünnen Zwirnsfaden quer über den Rücken und zieht denselben einmal kurz hin und her. Das Titelfeld besteht stets aus einem aufgeklebten Stück farbigen Leders.

Dies Überkleben des Titelfeldes mit andersfarbigem Leder läßt sich natürlich auch bei allen anderen Ledersorten anwenden, und dient zur Belebung der eintönigen Rückenfläche, die dadurch ein gefälligeres Ansehen gewinnt. Man nimmt dazu ganz dünn ausgeschärftes Saffian- oder Bockleder, schneidet das Stück genau passend und klebt es mit Kleister auf. Die Titelfelder werden vor und nach dem Golddruck ausgeglättet.

Fig. 82.Fig. 83.Fig. 84.Fig. 85.Fig. 82–85. Verschiedene Rücken mit Bundeinteilung.

Fig. 82.

Fig. 82.

Fig. 83.

Fig. 83.

Fig. 84.

Fig. 84.

Fig. 85.

Fig. 85.

Fig. 82–85. Verschiedene Rücken mit Bundeinteilung.

Fig. 86.Fig. 87.Fig. 88.Fig. 86–88. Verschiedene Rücken mit Bundeinteilung.

Fig. 86.

Fig. 86.

Fig. 87.

Fig. 87.

Fig. 88.

Fig. 88.

Fig. 86–88. Verschiedene Rücken mit Bundeinteilung.

Von den verschiedenen Einteilungsweisen des Rückens war schonoben (S. 124) die Rede. Natürlich sind damit nicht alle Abweichungen erschöpft, sondern nur die hauptsächlichsten Schemata gegeben. Der sog.lange Rückenist eine englische Bezeichnung und in England zumeist üblich.Fig. 76und77geben zwei derartige Rücken, die mit Stempeldruckverzierungen versehen sind und in England alsherabhängende Rückenbezeichnet werden.Fig. 75ist einfiletierter Rücken, bei dem die Fläche zwischen Titel und Schwanz mit einer gemusterten Filete vollständig bedruckt ist. Flächen, die filetiert werden sollen, müssen vorher nach der Breite der Filete ausgemessen werden, damit man mit der letzteren genau auskommt; der ganze Rücken wird mit Eiweiß überfahren, mit Gold aufgetragen und nach dem Druck der Fileten und Titel abgewischt und ausgeputzt.

DieStempelwerden beim Aufdruck etwas anders gehandhabt als die Fileten. Ihre Oberfläche ist leicht nach der Mitte zu gewölbt, so daß beim Aufsetzen nicht die ganze Druckfläche das Leder berührt, die Hand aber im stande ist, nach jedem einzelnen Punkte der Gravierung hin einen kräftigen Druck auszuüben. Größere Stempel werden zunächst mit der Mitte senkrecht aufgesetzt und dann mit der Hand in kreisförmiger Bewegung, ohne von der Stelle zu rücken, zum Abdruck gebracht. Bei kleineren, einfacheren Stempeln genügt das einmalige Hin- und Herbewegen, um einen guten Abdruck zu erzielen. Daß die Stempelabdrücke durchaus gleichmäßig erscheinen müssen, bedarf wohl kaum der Erwähnung.

Um beim Aufsetzen der Stempel auf den Rücken genau Mitte zu halten, zeichnet man, soweit der Stempel reicht, eine Mittellinie vor, die als Anhalt dient. Seitliche Linien (einfache oder doppelte), wie sie beiFig. 78und79zur Einrahmung des ganzen Rückens angeordnet und bei Rücken ohne Bundeinteilung üblich sind, streicht man mit dem Falzbein vor und druckt in Gold mit der Rolle nach. Dazu ist es aber nötig, den Band entweder auf ein schräg stehendes Brett mit einer vorstehenden Leiste, ähnlich einem Lesepult, zu legen oder ihn in eine Klotzpresse (vgl.S. 117) zu setzen und diese schräg zu stellen.

Feine Halbfranz- und Ganzlederbände erhalten stetserhabene Bünde, die eigentlich an der Stelle sitzen sollten, wo sich auf dem inneren Rücken die Bünde befinden, indes oft ganz beliebig angeordnet werden. Titelfelder ebenso wie verzierte Felder pflegt man mit einer einfachen oder einer Doppellinie einzufassen, die mit kurzen Linienstücken, deren etwa 10 von verschiedener Länge einen Satz bilden, gedruckt werden (sog. Karreedruck). (Fig. 84–88.) Es empfiehlt sich nicht, das Gold mit den Linienstücken aufzunehmen, da die kleinen Stücke leicht erkalten, ehe man zum Drucken kommt.

Beim Karreedruck ist vor allem darauf zu achten, daß die Linien an den Ecken genau zusammentreffen und den Eindruck machen, als sei das Viereck mit einem Stempel gedruckt.

Felder, die ganz oder zum größeren Teile mit Zierat bedeckt werden sollen, also unter Verwendung von Eckstücken neben dem Mittelstück, grundiert man in der ganzen Fläche mit Eiweiß und trägt danach Gold auf, von dem der Überschuß, wie oben erwähnt, hinterher abgewischt wird.

Verwickelte Stempelzusammenstellungen erfordern einen vorausgehenden Entwurf, der auf dünnem aber festem Papier gemacht werden muß. Das Papierstück mit dem Entwurf wird auf das Feld aufgelegt und an den vier Ecken leicht mit Kleister angehängt. Zum Vordruck werden die mäßig gewärmten Stempel durch das Papier durchgedruckt. Ganz kleine Teile, die etwa noch hier und da anzusetzen sind, druckt man aber nicht mit vor, sondern richtet sich dabei nach dem Augenmaß.

Außer den geraden Linien bedarf der Vergolder auch der gebogenen. Für eine gut eingerichtete Werkstatt sind mehrereBogensätzebis zu dreißig Nummern erforderlich, so daß man im stande ist, Kreise von 4–5 mm ebenso wohl wie solche von 8–10 cm Durchmesser zu drucken. Je größer die Bogenlinie ist, um so flacher ist die Krümmung, oder um so größer der Kreis, von dem sie einen Teil bildet. Der Bogendruck ist die schwierigste Arbeit des Vergolders, der es erst nach langer Übung zu vollkommener Sicherheit bringt. Da die einzelnen Bogenlinien nicht scharf aneinander gesetzt werden können, sondern ein allmähliches Übergehen von der einen in die andere erfolgen muß, so erfordert der Druck namentlich kleiner Bogen viel Geduld, insofern häufig Fehlstellen vorkommen, die wiederholtes Grundieren und Nachdrucken nötig machen.

Fig. 89.Fig. 90.Fig. 91.Fig. 92.Innere Kantenvergoldungen.

Fig. 89.

Fig. 89.

Fig. 90.

Fig. 90.

Fig. 91.

Fig. 91.

Fig. 92.

Fig. 92.

Innere Kantenvergoldungen.

DieDeckelvergoldungerstreckt sich bei reich ausgestatteten Lederbänden nicht nur auf die äußeren, sondern auch auf die inneren Seiten. Wir beginnen mit diesen, da sie bei der Arbeit ebenfalls den Anfang machen. Die Verzierung der Innenseite besteht stets aus einerKante(Umrahmung), die entweder an allen vier Rändern hinläuft oder nur an den drei äußeren, während die innere Seite am Falz her durch das Vorsatz, einen Leder- oder Stofffalz gedeckt wird. Das umrahmte Feld, derSpiegel, kann auf die verschiedenste Weise, symmetrisch (Fig. 96–99) und unsymmetrisch (Fig. 95und100), voll (Fig. 100), oder mit einem frei in der Fläche stehenden Zierstück (Fig. 95und98), ornamentiert werden; nur ist darauf zu achten, daß die Kante ein dichteres und kräftigeres Muster zeigt als die Mitte. In ihr soll die Festigkeit des Rahmens gewissermaßen zum Ausdruck kommen, ähnlich wie dies bei der Verzierung von Zimmerdecken der Fall ist, wo die tiefere Färbung die Ränder gegen die lichter behandelte mittlere Fläche absetzt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich dieVerzierungsweise der Innenseiten von derjenigen der Außenseiten, bei denen man Kante und Spiegel nicht so scharf hervorhebt, sondern auf eine allmähliche Überleitung vom Rande nach der Mitte zu Bedacht nimmt, sei es durch vermittelnde Linien, sei es durch Anordnung von Eckstücken, die das Mittelfeld zu einem Oval oder zu einer dem Oval sich nähernden Form gestalten. Der Grund für diese gegensätzliche Art der Ornamentierung liegt wohl nur in dem Reiz des Gegensatzes, nicht aber in dem Wesen der Sache.

Fig. 93.Fig. 94.Innere Kantenvergoldungen.

Fig. 93.

Fig. 93.

Fig. 94.

Fig. 94.

Innere Kantenvergoldungen.

Der Arbeit voraus geht wieder der Entwurf, der, wenn er nicht ganz einfacher Art ist, wie beim Rücken, zu Papier gebracht wird. Nachdem man die geraden Linien mit Bleistift gezogen hat, läßt man das zur Verzierung dienende Werkzeug, Fileten, Stempel, Rollen, über der Flamme einer Kerze anrußen und druckt damit die Verzierung auf das Papier. Dies Verfahren ist dem Druck mit Druckerschwärze vorzuziehen, da diese die feinen Gravierungen leicht vollschmiert und nicht so leicht zu entfernen ist wie Ruß.

Dem Entwurfe gemäß, mag er nun bloß im Kopfe oder auf dem Papier vorhanden sein, werden alle Linien mit einem Stellzirkel parallel mit der Kante vorgestrichen. Wo Doppel- oder Dreilinien in Frage kommen, wird stets nur die äußere vorgezeichnet. Nun werden alle Linienrollen genau mit Gehrungsansatz in den Ecken lau vorgedruckt, danach folgen die Punktlinien und Fileten,zuletzt die Stempel. Gemusterte Rollen werden nicht vorgedruckt, da ein genaues Nachdrucken derselben kaum möglich ist.

Beim Vordrucken des Spiegels verfährt man ebenso wie beim Vordruck des Rückens, indem man, wo es nötig ist, eine Papiermuster benutzt und die Stempel hindurchdruckt.

Vor dem Vordrucken und nach dem Vergolden werden Kanten und Spiegel stets abgeglättet.

Fig. 95. Spiegel mit unsymmetrischer Mittelverzierung.

Fig. 95. Spiegel mit unsymmetrischer Mittelverzierung.

Fig. 96. Spiegel mit eingesetztem Rahmen und freiem Mittelfelde.

Fig. 96. Spiegel mit eingesetztem Rahmen und freiem Mittelfelde.

Bei breiten Kanten werden die Fälze aus dem zum Überzug verwendeten Leder gebildet, und wie die anderen drei Kanten vergoldet. Das Vergolden dieser hinteren Kanten erfordert eine Unterstützung des Deckels bis in den Falz hinein. Man bedient sich dazu eines mit Tuch bezogenen Unterlagsbrettes, das an einer Kante schräg ausgekehlt istund sich mit der Kehlung hart bis an den Rücken heranschieben läßt. Unter allen Umständen liegt das Buch, um keinen Schaden zu leiden, beim Vergolden auf einem mit weichem Tuch überspannten Brett oder Pappdeckel.

Fig. 97. Spiegel mit eingesetztem Rahmen und freiem Mittelfelde.

Fig. 97. Spiegel mit eingesetztem Rahmen und freiem Mittelfelde.

InFig. 89 bis 94geben wir sechs verschiedene Kantenvergoldungen und inFig. 95 bis 100sechs Entwürfe zu inneren Deckelvergoldungen, von denen sichFig. 99undFig. 100übrigens auch zur Verzierung der Außenseiten eignen.

Bevor die Vergoldung der äußeren Decke an die Reihe kommt, werden auch noch die sog. Stehkanten des Deckels, die schmalenäußeren Ränder mit einer feinen Linie, einer Doppellinie oder einer Tippellinie bedruckt. Will man ein übriges thun, so bedruckt man die den Ecken zunächst liegenden Stellen auf 3 bis 4 cm Länge mit einer Bundfilete und die übrigen Teile mit einer glatten oder punktierten Linie.

Fig. 98. Spiegel mit gestirnter Fläche und kleinem Mittelstück.

Fig. 98. Spiegel mit gestirnter Fläche und kleinem Mittelstück.

Für den Druck des äußeren Deckels gelten bezüglich des Übertragens der Zeichnung, des Auswaschens und Grundierens dieselben Vorschriften wie für den Druck der Innenseiten, bez. des Rückens.

Außer und neben der Goldverzierung wendet man zum Schmuck der äußeren Decke auch die Farbe an, entweder in der Gestalt der sog. Ledermosaik oder durch Auftragen mit dem Pinsel.

Fig. 99. Spiegel mit breiten Eckfüllungen und symmetrischem Mittelstück.

Fig. 99. Spiegel mit breiten Eckfüllungen und symmetrischem Mittelstück.

Fig. 100. Spiegel mit unsymmetrischer Füllung.

Fig. 100. Spiegel mit unsymmetrischer Füllung.

DieLedermosaikist eine Musterung des Lederüberzugs mittelst anders gefärbter Lederstücke, die entweder eingelegt oder aufgelegt werden. FüreingelegteArbeit nach Art der Holzintarsia eignet sich aber das Material sehr wenig, da sich keine scharfen Konturen herstellen lassen, wie sie zur Hervorhebung der Zeichnung erforderlich sind. Dagegen lassen sich mit der Lederauflage reiche und gefällige, dem Stoff angemessene Wirkungen erzielen. Die Teile der Zeichnung — vorzugsweise sind es die bandartigen Ornamente, indes auch Blätter, Rosetten und kleinere, durch Bandverschlingungen gebildete Felder — welche, wie der Fachausdruck lautet, »ausgelegt« oder »unterlegt« werden sollen, müssen vorerst ausgeschnitten werden. Das dazu zu verwendende Leder wird zuvor in entsprechend großen Stücken so weit ausgeschärft, daß es nicht viel stärker ist als einBlatt Seidenpapier. DieVorderseitewird danach auf kräftiges Schreibpapier oder Aktendeckel mit Kleister aufgeklebt und angepreßt. Auf das Papier wird nun die Form des aufzulegenden Stückes genau aufgezeichnet und danach mit einem scharfen, spitzen Messer ausgeschnitten.

Fig. 101. Albumdecke mit Lederauflage. (M. Göhre in Leipzig.)

Fig. 101. Albumdecke mit Lederauflage. (M. Göhre in Leipzig.)

Nachdem alle farbigen Lederteile auf diese Weise vorbereitet sind, wird die Zeichnung auf dem Leder vorgedruckt und diesem Vordruck gemäß Stück für Stück auf den Deckel aufgeklebt, natürlich mit der Fleischseite des Leders, so daß das aufgeklebte Papier oben aufliegt. Das Anschmieren wird dabei in der Weise bewerkstelligt, daß man die einzelnen Teilchen auf ein mit Kleister bestrichenesBlech legt und gut andrückt; man hebt sie danach mit der Messerspitze ab und klebt sie an der Stelle, für die sie bestimmt sind, auf. Ist die ganze Klebearbeit besorgt, so wird ein Blatt Papier über den Deckel gelegt und der Band einige Zeit zwischen Blechen oder Platten eingepreßt. Die Pressung bewirkt, daß die aufgelegten Teile sich in Papierstärke in den Grund eindrucken. Der aus der Presse kommende Band wird nunmehr mit Wasser überfahren, um das Papier loszuweichen. Nachdem dies abgelöst worden ist, legt man abermals ein Blatt Papier, besser noch ein Blatt Staniol auf den Deckel und preßt den Band von neuem ein. Vollendet wird die Arbeit zuletzt durch das Konturieren der eingelegten Teile mit Goldlinien. Der Kontur darf dabei die Auflage nur so weit treffen, daß sie gewissermaßen angeklemmt und die Verbindungsstelle zwischen Grund und Auflage gedeckt wird.

Fig. 102.Oktavdecke mit Ledermosaik (M. Göhre in Leipzig).

Fig. 102.Oktavdecke mit Ledermosaik (M. Göhre in Leipzig).

Fig. 103. Oktavdecke mit Lederauflage (Horn in Gera).

Fig. 103. Oktavdecke mit Lederauflage (Horn in Gera).

Fig. 104. Deckenentwurf für Lederauflage (P. Adam).

Fig. 104. Deckenentwurf für Lederauflage (P. Adam).

Die beigefügten AbbildungenFig. 101 bis 104geben einige Muster von Buchdecken mit Lederauflage und dienen der obigen Darlegung zur Erläuterung.

Eine ähnliche Verbindung von Farbe und Gold läßt sich auch, wie schon bemerkt, durch das Bemalen einzelner Teile der Zeichnung erzielen, ein Verfahren, das schon im 16. Jahrhundert geübt wurde. Man benutzt dazu nur Deckfarben, die mit Lack angerieben sind, auch wohl Ölfarben, die freilich den Fehler haben, daß sie nurlangsam trocknen. Durch Beimischung von Sikkativ kann man dem Übelstande etwas abhelfen. Im vorigen Jahrhundert und auch noch im gegenwärtigen hat man namentlich gern Pergamentdecken mit gemalten Verzierungen versehen und in der That ist Pergament wohl der am meisten für die farbige Behandlung geeignete Deckelüberzug. Nach dem Vergolden werden die Deckel mit einem mäßig warmen Glättkolben abgeglättet, und der Band dann zwischen Blechen oder Platten, um welche vorher ein Staniolblatt zu schlagen ist, in die Presse gebracht. Nach dem Auspressen wird die ganze Decke mit einem Flanellläppchen und einigen Tropfen gutem Lack recht gleichmäßig überfahren. Bände mit Bemalung müssen vor dieser Arbeit eingepreßt werden.

Eine verhältnismäßig einfache Art, eine Decke mit Linienornamenten in Gold zu verzieren, ist dieStiftvergoldung, die besonders in solchen Fällen gute Verwendung findet, wo rasch und ohne große Kosten eine Vergoldung in reicherer Zeichnung ausgeführt werden soll. Man kann die Stiftvergoldung nur auf glattem oder geglättetem Leder anwenden, das wie bei der Handvergoldung ausgewaschen, grundiert und mit Gold aufgetragen wird. Das Verfahren erfordert eine Vorzeichnung auf Pauspapier, welches über dem aufgetragenen Golde unverrückbar aufgespannt wird. Die gepausten Linien werden dann mit einem Messingstifte (Punktstifte) nachgefahren, der etwas heißer sein muß als bei der Handvergoldung, da das zwischenliegende Papier etwas von der Hitze wegnimmt. Nachdem die Arbeit beendet ist, nimmt man das Papier fort, wischt das Gold herunter und glättet die Fläche ab.

Die Vergoldung der Decke erfordert mitunter die Zuhilfenahme derPresse. Abgesehen von umfangreichen, die ganze Deckenfläche einnehmenden Platten, die nur mit der Presse gedruckt werden können, ist die Anwendung derselben auch bei größeren Mittel- und Eckstücken sowie bei Inschriften erforderlich. DerPressendruckwar schon im 16. Jahrhundert in Übung, und zwar für Blinddruck. Man kannte auch damals schon Vollplatten zum Bedrucken der ganzen Buchfläche. Die Platten sind meist auf beiden Seiten graviert; bei Eckstücken, die so behandelt sind, vereinigte man auf diese Weise das rechts- und das linksseitige Stück in einer Platte. Jede Plattenverzierung wurde einzeln gedruckt, nicht, wie in unserer Zeit, alle Teile, die die Deckenverzierung bilden, gleichzeitig mit einem Druck. Die Presse, die zum Drucken diente, war die sog.Stockpresse. Mit der Einbürgerung der Handvergoldung kam der Pressendruck mehr und mehr außer Gebrauch und beschränkte sichim 17. und 18. Jahrhundert fast ausnahmslos auf die die Mitte einnehmenden Wappen oder Bibliothekszeichen.

In der heutigen Buchbinderei ist dieVergolderpresseeine für den Großbetrieb unumgängliche Maschine, die aber nicht bloß zum Golddruck, sondern auch zum Aufdruck von Farben dient, deren bis zu zwölf und mehr hintereinander gedruckt werden, um buntfarbige Bilder, figürliche wie landschaftliche, auf die Kalikodecke zu bringen. Es wird dem Buchdeckel damit eine Verzierung aufgenötigt, die seiner Natur und der Natur des ihn überziehenden spröden Stoffes wenig entspricht. Da aber über den Geschmack sich streiten läßt, würde es vergeblich sein, gegen diese Verirrung desselben sich aufzulehnen. Unsere Abbildung (Fig. 105) gibt die jetzt allgemein übliche Gestalt der Presse wieder. Der Druck wird von unten her mittelst eines Hebels ausgeübt. Der Kopf der Maschine ist unbeweglich; er hat unten eine glatte Fläche, den sog.Tiegel, mit drei Heizröhren darunter, die zur Aufnahme glühender Bolzen dienen. Diese geben die Hitze an die Druckplatte ab, die mit der Rückseite an den Tiegel befestigt wird. Zu dem Ende leimt man, da Metall auf Metall nicht festklebt, ein kräftiges Stück Papier auf die Druckplatte und diese mit dem Papier an den Tiegel an. Besteht die Verzierung aus einzelnen Stücken, so werden diese in der entsprechenden Zusammenstellung aufgeleimt. Unter dem Tiegel und von diesem durch einen Zwischenraum getrennt befindet sich der sog.Schlitten, eine Platte, die vorgezogen werden kann und zum Auflager für die zu pressende Decke dient. Beim Niederdrücken des Schwengels wird der Schlitten gegen den Tiegel gedrückt und auf diese Weise die Pressung bewirkt.

In der Regel kommt eine und dieselbe Decke mehrere Male in die Presse, zumal bei vielfarbiger Zeichnung. Um nun ohne weiteres jedes folgende Mal die Decke genau in dieselbe Lage zu bringen, wie die beim ersten Druck, ist einePunkturerforderlich. Man schafft dieselbe mit Hülfe von zwei Reißzwecken mit nicht zu kurzem Stift, die man auf dem Schlitten festklebt. Die Decke selbst wird nach einer aufgelegten Schablone mit zwei Punktierlöchern versehen, die der Stellung der beiden Stifte genau entsprechen. Bei jedem neuen Druck wird die Decke mit den Punktierlöchern auf die Stifte gebracht, so daß genau Druck auf Druck paßt. Für Blinddrucke und Pressungen, die nur einen Druck erfordern, bedient man sich zur Anlage eines angeschraubten Metall- oder angeklebten Pappwinkels; besser noch sind die Klötzchen, die auf den Schlitten aufgeleimt werden, zwei für die seitliche Führung und eins hinten zum Anstoßen.

Für jede Art der Pressung: Blinddruck, Golddruck, Farbendruck, ist je eine Platte notwendig. Bei mehrfarbigem Druck erfordert jede Farbe ihre Platte, ganz wie beim lithographischen Farbendruck. Beisehr dichter Zeichnung, die vom Grunde des Überzugs nichts oder wenig mehr sehen läßt, wird die Fläche vorweg mit einer Platte ohne Gravierung glatt gepreßt.


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