Chapter 4

Von einem arabischen Einbande.2. Das Rohmaterial und erste Behandlung vor dem Heften.

Von einem arabischen Einbande.

Von einem arabischen Einbande.

Älteste Einrichtung der Lagen. — Aufthun. — Aus dem Falz schlagen. — Planieren. — Flicken. — Falzen. — Karton. — Kleben. — Einpressen.

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Zu der Zeit, wo die Herstellung der Handschriften hauptsächlich in Klöstern von schreibkundigen Mönchen, die nicht selten auch Künstler waren und die Schrift mit buntem Zierat, Initialen und Miniaturen versahen, betrieben wurde, blieb auch die Sorge für den Schutz der Handschrift durch eine Umhüllung dem handwerklichen Geschick der Klosterbrüder vorbehalten.

Der handwerksmäßige Betrieb der Buchbinderei begann naturgemäß erst mit der Erfindung des Buchdruckes. Die gedruckten Bogen kamen, wie es noch heute der Fall ist, roh (in albis) zum Buchbinder. Da man die Glättpresse nicht kannte, mußte der Buchbinder zunächst das durch den Druck rauh gewordene Papier glätten. Er bediente sich dazu des »Schlaghammers«. Der technische Ausdruck für diese Vorarbeit war:Aus der Lage schlagenoderAus dem Falz schlagen. Von der Mitte beginnend wurde die Lage Schlag an Schlag nach dem Rande zu behandelt. Dadurch setzte sich der Druck und das in der Mitte stärkere (Bütten-) Papier wurde kräftig zusammengeschlagen und eine gleichmäßigere Stärke erzielt. Der eiserneSchlaghammerhatte bis zu zwölf PfundGewicht. Als Unterlage für die Papierlage diente ein Steinblock, dessen obere Fläche geschliffen war. In Ermangelung dessen benützte man wohl auch Gußplatten, die in einem Holzklotz eingelassen waren. Noch heute sind Schlaghammer und Schlagstein vielfach angewendete Werkzeuge, wenngleich sie durch die glatten und fest satinierten Maschinenpapiere und durch zweckmäßige Maschinen fast ganz entbehrlich geworden sind.

Eine andere vorbereitende Arbeit war das jetzt nur noch ausnahmsweise vorkommendePlanierender rohen Druckbogen, eine Arbeit, die dem Schlagen vorhergehen muß. Die Druckpapiere waren früher ungeleimt, hauptsächlich wohl aus dem Grunde, weil ungeleimtes Papier die Druckfarbe leichter annimmt. Um solchem Papiere besseren Halt und »Griff« zu geben, wird es vor dem Binden mit kochendem Leimwasser durchtränkt, welches, um das Aneinanderkleben der Bogen zu verhüten, während des Kochens einen Zusatz von Alaun erhält, was das Verseifen des Leimes zur Folge hat.

Außer dem Alaun wurden dem Planierwasser auch wohl noch andere Stoffe zugesetzt, wie Eisenvitriol oder eine Coloquintenabkochung, wodurch dem Wurmfraß, der namentlich im Orient zerstörend auftritt, vorgebeugt werden sollte — schwerlich mit Erfolg.

Das beste Planierwasser für Druckpapiere besteht aus ½ Pfd. Leim (besten hellen Kölnischen) der mit Wasser 24 Stunden eingeweicht und abgekocht wird, nebst 4 Liter kochendem Wasser. Damit alle Unreinigkeiten ausgeschieden werden, wird das Leimwasser durch grobes Sackleinen oder ein Haarsieb gegossen, in welches vorher ½ Pfd. Alaun geschüttet wurde. Durch diese Lösung wird das bedruckte Papier Lage um Lage, jede etwa 5 Bogen dick durchgezogen oder einige Zeit eingelegt, bis es sich vollgesaugt hat. Das Gefäß, in dem sich das Leimwasser befindet, soll flach sein und nicht aus Eichenholz, da dieses Holzsäure abgiebt, die dem Papier einen gelben Schein erteilt. Das Beste bleibt für alle Fälle eine große Mulde von Holz oder Metall, wie sie von den Fleischern benützt wird.

Sind alle Druckbogen planiert, so werden sie durch Auspressen von dem überflüssigen Wasser befreit. Nachdem man oben und unten abgängige Papiere zum Schutze vorgelegt hat, bringt man die feuchten Bogen auf das sogenanntePlanierbrett. Dies ist ein starkes Brett, welches ringsumher mit Leisten versehen ist, die den Zweck haben, das wiederholt naß werdende Brett gegen das Ziehen zu schützen, und dazu dienen, das beim Pressen heraustretende Wasser zu sammeln, das dann an einer hierfür bestimmten Öffnung abgelassen wird. Das Brett hat eine Größe von etwa 40 zu 60 cm. Das Auspressen des Wassers geschieht mittels der Stock- oder Handpresse. Seit ältester Zeit, solange man überhaupt die Arbeit des Pressens verfolgen kann, kennt man die großeStockpressegenauin der Anordnung, wie sie zum Keltern benützt wurde, und die kleinereHandpresse. Erstere besteht aus zwei starken Brettern die mittelst einer Hebelstange zusammengepreßt werden. Die Handpresse besteht aus zweiPressbalken, die vermittelst Muttern, welche auf Spindeln drehbar sind, zusammengeschraubt werden. (Fig. 4.) Zu der Handpresse gehört dann noch derPressbengel, eine Handhabe zum Anziehen oder zum Öffnen der Muttern.

Fig. 4. Handpresse mit Pressbengel.

Fig. 4. Handpresse mit Pressbengel.

Neuerdings wird auch die große Stockpresse, aber in Eisen ausgeführt, wieder mehr zur Anwendung gebracht; jede Maschinenfabrik, die Buchbinderwerkzeugmaschinen fertigt, liefert diese Pressen je nach der auszuübenden Kraft mit zwei oder vier Säulen.

Will man irgend etwas einpressen, so muß das zu Pressende zwischen Brettern liegen, die je nach der Größe als Median-, Folio-, Quart-, Duodez- oder Sedezbretter bezeichnet werden. Von jeder dieser Sorten unterscheiden wir, je nach dem Gang der Faser, Länge- oder Querbretter. Alle Preßbretter sollen aus Birnbaum, Ahorn oder Buche sein. Keines der weichen Hölzer eignet sich für diesen Zweck, ebensowenig Holz mit sehr harten Jahresringen, wie etwa Eichenholz sie aufweist. Die Preßbretter haben stets den Zweck, etwas eben und glatt zu pressen, und aus diesem Grunde sollen sie selbst glatt und eben sein. Deshalb ist bei der Behandlung dieses Werkzeuges alle Vorsicht nötig, um die ursprüngliche Glätte der Fläche zu erhalten.

Hat man nun planierten Druck einzupressen, so ist es nicht zu vermeiden, daß hierbei die Preßbretter durchnäßt werden, daß Papierreste, Leim oder andere Unreinigkeiten sich daran festsetzen. Deshalb ist es zweckmäßig, für diese Arbeit besondere Preßbretter bereit zu halten, um die anderen zu schonen. Man achte beim Einpressen mit der Handpresse darauf, daß die Richtung der Preßbalken sich mit der der Faser der obersten Bretter kreuzt, da andernfalls die Bretter springen oder gar brechen würden.

Preßt man den planierten Druck oder dasPlanierin einer Stockpresse aus, so genügt es, das oben beschriebene Planierbrett unten in die Presse zu setzen, die planierten Bogen mitten darauf aufzuschichten, ein Planierpreßbrett oben aufs Ganze zu legen undnun fest zuzudrehen. Mit der Handpresse wird es freilich etwas umständlicher; da wird das nasse Planier ebenfalls in derselben Weise geschichtet, jedoch nicht in die Presse gehoben, wie wir dies später bei anderen Arbeiten sehen werden, sondern das Ganze zieht man etwas über die Tischkante vor und setzt die geöffnete Holzpresse so an, daß ein Balken unter, der andere über das Einzupressende zu liegen kommt, und nun zieht man mittelst des Preßbengels nach und nach abwechselnd beide Schraubenmuttern an, die man vorher leicht mit der Hand angedreht hatte. Neigt man nun die Presse ein wenig nach der Seite, an der im Unterlagsplanierbrett die Wasserausflußöffnung ist, so kann man dieses nach Belieben in einen untergestellten Topf oder eine Schüssel auslaufen lassen.

Nun erübrigt noch dasTrocknendes nassen Druckes. Dies geschieht auf Schnüren oder auf dreieckigen Latten, auf welche die Bogen, ebenfalls in4⁄6Blatt starken Lagen aufgehängt werden. Früher hing der Buchbinder solchen nassen Druck in seiner Werkstatt auf. Die Folge war, daß ihm dabei das Werkzeug verrostete, und er selbst nebst seinen Arbeitern sich jedesmal einige Tage recht unbehaglich fühlte. Heute, wo diese Arbeit zur Seltenheit geworden ist, wird man auf einem Bodenraum gewiß einen Platz erübrigen können, auf dem sich einige Schnüre zum Aufhängen der Bogen spannen lassen.

In der Zeit, als man noch sehr viel Planier zu trocknen hatte, verwendete manPlanierleinenaus gesponnenen Pferdehaaren, welche die Feuchtigkeit nicht annehmen und sehr leicht sauber zu halten sind, während Hanfleinen sehr häufig gewaschen werden müssen, wenn man dunkle Streifen auf dem Papier vermeiden will. Waren die Leinen niedrig gespannt, so hing man den nassen Druck über den linken Arm, löste mit der rechten Hand eine Lage um die andere ab und hing sie so auf, daß jede Lage das Ende der vorhergehenden ein wenig deckte; dies hatte seinen guten Grund darin, daß man nach dem Trocknen die Lagen von einem Ende nach dem andern, auf jeder Leine zusammenschieben konnte. Bei hochgespannten Leinen, die mit der Hand nicht zu erreichen sind, bediente man sich desPlanierkreuzes, einer auf einer Stange rechtwinklig befestigten oben gerundeten Latte, mit welcher die Lagen emporgehoben und auf die Leine niedergelassen wurden.

Wenn sich beim Aufhängen herausstellt, daß einzelne Bogen nicht völlig vom Wasser durchtränkt sind, so müssen diese sofort ausgemerzt und in siedend heißes Wasser gelegt werden. Andernfalls würde sich auf der Wassergrenze ein Fleck bilden, abgesehen davon, daß das nicht gefeuchtete Stück des Papieres ungeleimt bliebe und leicht mit anderen Bogen zusammenklebt. Das kochende Wasser zieht den Leim wieder aus dem Papier heraus; es versteht sich von selbst, daß solche Bogen getrocknet und die Arbeit des Leimenswiederholt werden muß. Häufiger als dieser Fehler kommt das Zerreißen der feuchten Bogen vor, und diese zuflickenist nicht angenehm. Etwas gut und unauffällig zu flicken ist eine besondere Kunst, die große Geduld und peinliche Sauberkeit erfordert, Zweckmäßig ist es immer, den Druck nach dem Trocknen zu flicken, weil man dann sauberer arbeiten kann, die einzelnen Stücke auch besser trocken als naß zu handhaben sind. Man unterscheidet zwei Arten des Flickens: das Übereinandersetzen und das Anstoßen mit aufgelegtem Papier. Die erstere Art ist die beste, da man nachher fast nichts oder doch nur wenig bemerkt, wenn man sauber gearbeitet hat; leider kann man dies nur dann thun, wenn die Art des Schadens es gestattet. Ist ein Riß erfolgt, so daß die getrennten Teile gewissermaßen von einander geschält sind, daß also jeder Teil etwas auf den anderen übergreift, so wird jeder der beiden Teile mit ganz sauberem Kleister und vermittelst eines sauberen Falzbeines auf der Bruchstelle dünn, oder, wie der Fachmann sagt, »mager« angeschmiert, die beiden Teile genau auf einander gepaßt und in der Weise angerieben, daß man ein sauberes Blatt Papier unter, ein eben solches über die geflickte Stelle legt und nun mit den Fingerspitzen das Ganze, insbesondere die Bruchstelle vorsichtig anreibt. Keinesfalls darf man aber mit einem Falzbein anreiben; dies würde den Kleister aus den Fugen heraustreiben und die Flickarbeit von vornherein unsauber erscheinen lassen.

Nehmen wir nun den weniger günstigen Fall an, daß der Bruch glatt durchgeht, glücklicherweise aber an der Bruchstelle das Papier auf beiden Seiten unbedruckt ist, so kann man auf dieser unbedruckten Stelle sehr wohl einen Papierstreifen aufkleben, nachdem die beiden Bruchkanten etwas kräftigen Kleister erhielten und genau zusammengestoßen wurden. Nun ist es freilich unzulässig, auf diesen Riß einen Streifen Papier fest aufzukleben; man hilft sich aber dadurch, daß man ein Stückchen Papier, möglichst genau in Stoff und Farbe passend, über den zusammengestoßenen Bruch und darüber ein sauberes Makulaturblatt legt, und nun das Ganze mit den Fingern anreibt. Der Erfolg wird sein, daß der Kleister nicht allein die Bruchstelle des Papieres zusammenhält, sondern daß auch das Streifchen Papier an der geflickten Stelle noch teilweise haften bleibt. Nach dem völligen Abtrocknen reißt man dies Blättchen vorsichtig ab, und zwar so, daß das Papier selbst sich spaltet und nur einzelne Fasern des Stoffes haften bleiben, gerade hinreichend, um die schadhafte Stelle entsprechend zu verstärken. Auch wenn das Papier an der Bruchstelle auf beiden Seiten bedruckt ist, kann man ähnlich verfahren, muß aber Seidenpapier zum Auflegen nehmen, das man nach dem Trocknen sehr vorsichtig abreißt.

Wir haben nun das Planier trocken und wollen es, damit es sich besser falzt, einige Zeit fest einpressen, nachdem wir selbstverständlichalle Bogen recht gleichmäßig, faltenlos und eben übereinander geschichtet haben. Da haben wir denn vollauf Muße, über das »Schlagen«, von welcher Arbeit wir den Abstecher zum Planieren machen mußten, noch einige Bemerkungen zu machen.

Wir unterscheiden das leichte Schlagen oder »Pumpen« und das eigentliche Schlagen. Ersteres hat den Zweck, das Papier nur obenhin und im großen Ganzen auf eine geringere Dicke zu bringen. Die Lagen können deshalb stärker sein als im anderen Falle. Von dem eigentümlich hohlen Geräusch hat diese Arbeit auch wohl den Namen erhalten. Will man aber dem Papier schärfer zu Leibe gehen und soll die Dicke desselben gehörig beschränkt werden, dann muss man es in wesentlich dünnere Lagen abteilen. Dies geschieht aber erst nach dem Falzen; wir verschieben daher das nähere Eingehen darauf bis nach dieser Arbeit und nehmen zunächst unsere Druckbogen wieder aus der Presse.

Ziehen wir irgend einen Bogen aus einem Druckwerk heraus, so finden wir meist oberhalb des Textes die Seitenzahlen angegeben. Es würde aber dem Buchbinder einige Schwierigkeiten machen, aus den Seitenzahlen sogleich die als erste Seite des Bogens bezeichnete herauszufinden und demgemäß den Bogen in richtiger Seitenfolge zu falzen. Deshalb ist in der sogenanntenSignatur, die der Setzer anbringt, eine Einrichtung getroffen, welche das vordere Blatt eines jeden Bogens sofort erkennen läßt. Der aufmerksame Arbeiter wird also nicht leicht »verfalzen« können. Die Signatur zeigt die Reihenfolge der Bogen mit 1, 2, 3u. s. w.oder (früher) mit Buchstaben a, b, c etc. am Fuße der Seite rechts an und die Zahl des ersten Blattes wiederholt sich, mit einem Stern versehen, auf dem zweiten Blatte (die sog. falsche Signatur) an derselben Stelle.

Faltet man ein leeres Blatt Papier zusammen, so wird man Kante auf Kante richten. Bei bedrucktem Papier ist dies anders; der weiße Rand ist für den Falzer völlig Nebensache, seine Aufgabe ist vielmehr, die einzelnen Kolumnen des Druckes,d. h.die von dem Letternsatz eingenommenen Flächen, genau auf einander zu bringen, so daß sie sich, wenn man sie gegen das Licht hält, decken. Zu dem Ende legt man die zu falzenden Bogen in einem nicht zu dicken Stoße mitten vor sich auf den Werktisch und zwar so, daß dierechteSignatur oben links auf der Unterseite, diefalscheSignatur oben rechts auf der Oberseite der Falzlage sich befindet. Die rechte Hand, welche zugleich ein Falzbein führt, greift den Bogen am rechten Rande etwa in der Mitte und schlägt denselben so nach links zusammen, daß die Ränder einander etwa gleich stehen. In dem Augenblicke aber, wo die rechte Hälfte des Bogens links ankommt, greift die Linke so zu, daß der Zeigefinger zwischen die Blätter in der Nähe der Kolumnenecken zu liegen kommt, während Daumen und Mittelfinger von außen zufassen, den Bogen etwa in Augenhöhe bringen und hier so richten, daß die Kolumnen sich ganz genau decken; bei dieser Arbeit hilft die Rechte durch Hin- und Herschieben der beiden Bogenhälften nach, ohne das Falzbein fortzulegen (Fig. 5). Sind die Kolumnen in richtiger Lage, so legt man den Bogen nieder, und während die Linke denselben noch hält, streicht die Rechte den zu bildenden Bruch kräftig und mit einem sicheren Strich nieder, und zwar von unten nach oben, indem das Falzbein mit der Spitze etwas schräg nach links oben gerichtet gehalten wird (Fig. 6). Damit sich die Bogen leicht aufgreifen lassen, streicht man über den Stoß dann und wann mit dem Falzbein halbrechts aufwärts, wodurch sich die obersten Bogen in dieser Richtung etwas über die anderen hervorschieben, so daß die Rechte sehr wohl, ohne daß die Augen folgen, den jeweiligen obersten Bogen greifen kann. Dies wäre das erste »Tempo«, um mit unseren deutschen Unteroffizieren zu reden, und es wäre wirklich nicht übel angebracht, diese Arbeit, die mit einiger Übung ungemein rasch auszuführen ist, in völlig militärischem Sinne »nach Zählen blind geladen« zu erlernen; einstweilen aber wollen wir uns bemühen, die zweite Bewegung zu machen und den Bogen fertig zu falzen.

Fig. 5. Stellung der Hände beim Richten der Kolumnen.Fig. 6. Niederstreichen des Falzstrichs.Fig. 7. Ergreifen des Bogens zum zweiten Bruch.Fig. 8. Niederbiegen des zweiten Bruches.

Fig. 5. Stellung der Hände beim Richten der Kolumnen.

Fig. 5. Stellung der Hände beim Richten der Kolumnen.

Fig. 6. Niederstreichen des Falzstrichs.

Fig. 6. Niederstreichen des Falzstrichs.

Fig. 7. Ergreifen des Bogens zum zweiten Bruch.

Fig. 7. Ergreifen des Bogens zum zweiten Bruch.

Fig. 8. Niederbiegen des zweiten Bruches.

Fig. 8. Niederbiegen des zweiten Bruches.

Indem man das Falzbein in der Gegend des Mittelsteges unterden eben gemachten Bruch schiebt, ergreift man den Bogen mit Falzbein und Zeigefinger, und zwar so, daß man mit einer kurzen Drehung der Hand den Bogen zwischen Zeigefinger, Daumen und Mittelfinger fassen kann, oder besser gesagt, daß die beiden letzteren in dem Bogen um den ersteren herum einen Bruch formen können (Fig. 7). In diesem Augenblicke faßt die linke Hand mit dem Daumen den Bogen auf der anderen Seite, schlägt ihn gemeinschaftlich mit der Rechten zusammen, zieht denselben aber mit einem kurzen Griff nach dem Körper des Arbeiters zu, während die Rechte ihre Seite hochhebt und in Augenhöhe bringt, um die Seitenzahlen genau auf einander richten zu können. Es geschieht dies, indem das Auge von oben in den Bogen hineinsieht. Die Linke hat inzwischen den unteren Teil des Bogens verlassen und mit dem Zeigefinger zwischen dem Daumen und Mittelfinger außen am oberen Rande zugegriffen, um in derselben Weise, wie beim ersten Bruche beim Richten behilflich zu sein. Decken sich die Seitenzahlen genau, so werden noch die beiden oberen Kanten des Bogen genau aufeinander gerichtet, um in dieser Weise mit dem ersten Bruche einen genauen rechten Winkel herzustellen (Fig. 8). Der Bogen wird nun, wie oben, auf die Tafel niedergelegt und der Bruch von oben nach unten niedergestrichen, indem man das Falzbein mit der Spitze etwas nach links unten seitwärts hält. Bei Quartformat (8 Seiten) ist damitdie Falzarbeit beendet, während bei Oktavformat (16 Seiten) sich die letzterwähnte Bewegung noch einmal wiederholt. Es sei dazu bemerkt, daß sich namentlich bei kräftigem Papier leicht die Luft in den zuerst zusammengefalteten Seiten fängt und bei raschem Niederstreifen dann Quetschfalten in dem Papier entstehen. Diesem Übelstande muß der Arbeiter durch Vorsicht zu begegnen suchen.

Der fertig gefalzte Bogen wird mit der linken Hand nach links beiseite gelegt, und zwar in derselben Lage, in der er sich zuletzt befand, also mit dem Rücken nach rechts, die Seitenzahlen oben. Waren die Druckbogen vor dem Falzen schon in Exemplaren kompletiert oder geordnet, so müssen sie umgekehrt, also auf dem Kopf stehend, doch ebenfalls mit dem Rücken nach rechts liegend weggelegt werden, anderenfalls würden die Bogen von hinten nach vorn gelegt erscheinen und müßten nachträglich neu geordnet werden.

Neuerdings wird die Falzarbeit auch mittelst Maschinen verrichtet; doch hat die Maschine die Menschenhand bei dieser Arbeit noch nicht voll ersetzen können, weil ihre Bedienung besondere Aufmerksamkeit erfordert und sie in Bezug auf Schnelligkeit der Arbeit einen geübten Falzer nur um weniges überholt.

Verhältnismäßig selten werden heutzutage kleinere Formate als Oktav-Größe gedruckt. Bei Duodez sind noch 8 Kolumnen (4 Blatt) mehr angedruckt, welche abgeschnitten und in den Bogen eingesteckt werden müssen. Entweder muß man zu diesem Zwecke den angedruckten Teil mit einem Bruch umfalzen oder, wie man zu sagen pflegt, »abbiegen« und mit dem Messer abschneiden, oder aber man nimmt die Bogen »auf Nadeln« und schneidet danach den betreffenden Teil ab. Zwischen Hauptbogen und Einsteckbogen befindet sich beiderseits je eine durchstochene Stelle, die sogenanntePunktur, welche die Druckpresse beim Durchziehen der Bogen über die Walze hervorbringt. Legt man den Bogen auf den Tisch oder ein Brett, und schlägt durch jedes der beiden Punkturlöcher eine kräftige Nadel senkrecht ein, so ist man sehr wohl im stande, alle Bogen ganz genau dem Drucke nach aufeinander zu bringen, wenn man sie einzeln auf diese Nadeln mit den Punkturen »aufsteckt«. Hat man in dieser Weise eine entsprechende Anzahl — etwa 50 Stück — so können mit scharfem Messer am eisernen Lineal her die Einsteckbogen sämtlich mit einem Schnitt vom Hauptbogen abgetrennt werden. Beide Teile werden nun für sich gefalzt, der kleinere in den größeren, oben genau gleich gerichtet eingesteckt.

Über dasSchneidenmit demMessersind hier noch einige erläuternde Bemerkungen zu machen.

Man benutzt hierzu fast ausschließlich sogenanntePapier-oderBuchbindermesser. Das Messer wird dicht an dem aufgelegten eisernen Lineal hergeführt, und zwar neigt man dasselbe mit dem Stiel soweit nach hinten, daß dessen Achse mit der Fläche desPapieres etwa einen halben rechten Winkel bildet, während die Klinge selbst senkrecht steht. Man achte besonders darauf, daß man das Papier nicht schräg unterschneidet, wodurch man einmal einen faserigen und welligen Schnitt erhalten, dann aber auch die zu unterst liegenden Blätter mehr oder weniger neben der beabsichtigten Stelle zerteilen würde. EiserneLinealesind am meisten üblich; hölzerne, nicht zu dünne Schienen haben den Vorteil, daß sie fester auf dem Papier aufliegen und leichter sind, dagegen den Nachteil, daß sie dem Messer kaum einen Widerstand entgegenstellen und öfter abgerichtet werden müssen. Als Unterlage dient ein sogenanntes Schneidebrett von Birnbaum, Ahorn oder Weißbuchenholz. Alle weichen oder mit groben Adern versehenen Hölzer sind ungeeignet. In neuester Zeit sind auch Zinkplatten als Unterlage in Gebrauch gekommen.

Beim Falzen kommt es sehr häufig vor, daß der Buchbinder genötigt wird, die Fehler anderer zu verbessern; dies istz. B.der Fall bei ungenau angelegten (»überdruckten«) Bogen. Am besten würde jeder schief gedruckte Bogen ausgeschieden; wo dies nicht angeht, muß man durch ein vermittelndes Zusammenfalzen den Fehler möglichst wenig sichtbar werden lassen, indem man die Richtungspunkte — Seitenzahlen oder Kolumnenecken — so aufeinander richtet, daß die passende Zahl genau zwischen die beiden nicht auf-, sondern nebeneinander stehenden gerichtet wird. Ist der Bogen sehr arg überdruckt, so zerschneidet man denselben in 4 Teile, falzt jedes Blatt besonders und steckt dieselben nach der Zahlenfolge genau ineinander.

Eine andere Korrektur, die dem Buchbinder zufällt, ist derKarton,d. h.ein besonders oder an den letzten, bez. den Titel-Bogen angedrucktes Blatt, das als Ersatz für ein anderes in dem Werke befindliches Blatt dient, dessen Entfernung wegen eines Fehlers oder aus irgend welchem Grunde dem Verfasser oder Verleger wünschenswert erscheint. Ist der Karton auf einzelne oder, wie gewöhnlich, auf Doppelblätter gedruckt, so werden diese entweder aufgenadelt oder zusammengefalzt und mit dem Messer am Lineal her durchgeschnitten. Ist der Karton an den letzten Bogen angedruckt, so muß er nach dem Falzen desselben abgeschnitten werden. Um die Kartonblätternunan ihre Stelle einzukleben, schmiert man etwa je 20, nachdem man sie aufgeschoben hat, auf einmal am Rücken ganz schmal mit Kleister an. DasAufschieben,d. h.ein terrassenförmiges Übereinanderlegen der Blätter, wird auf einfache Weise dadurch bewirkt, daß sie mit der Spitze eines Falzbeines quer über die Kante her wiederholt gestrichen werden; die obersten Blätter ziehen sich zuerst nach rückwärts und die anderen folgen alsbald nach. Man legt nun ein Blatt Makulatur vor und schmiert mit Kleister die Ränder, die in keinem Falle breiter als etwa je 2 bis 3 mm aufgeschoben sein dürfen, gut an. Der Pinsel soll dabei ebenfalls nur quer über die Blattränder, aber nie parallel mit denselben geführt werden, da sonst Kleister zwischen die Blätter kommen würde. Damit nun während der Fortsetzung der Arbeit die angeschmierten Blätter mit den Rändern nicht aneinander kleben, macht man noch einige Striche mit dem Falzbein auf dem obersten Blatte nach hinten; durch diesen Handgriff gehen die Blätter ganz wenig auseinander, so daß sich die Kleisterränder nicht mehr berühren und nicht zusammenkleben können. Beim Anschmieren legt man die Blätter an die vordere Tischkante; ist dies geschehen, so werden sie zur weiteren Behandlung herumgedreht, so daß die Kleisterränder nicht mehr dem Arbeiter zugewendet sind, sondern nach hinten zu liegen kommen. Nun wird Blatt für Blatt ergriffen und an den betreffenden Bogen geklebt, aus dem vorher das Fehlblatt unter Zurücklassung eines kleinen Fälzchens, an welches der Karton anzukleben ist, herausgeschnitten wurde. Bei der Arbeit liegt mitten vor dem Arbeiter das, worauf man zu kleben hat, rechts liegen die angeschmierten Blätter und links werden die fertig geklebten Bogen »abgelegt«. Dies ist die Formel, nach der in allen Fällen verfahren wird, ob wir nun einen Karton zu kleben oder Teile eines Bogens anzufügen haben, wie überhaupt das Arbeiten von rechts nach links überall notwendig ist, besonders da, wo mehrere Personen sich gegenseitig in die Hand arbeiten müssen.

Hat man ein einzelnes Blatt ein- oder anzukleben, so legt man es an die Tischkante und ein Blatt Papier so darüber, daß ein schmales Rändchen stehen bleibt. Den Kleister trägt man dann mit dem Finger auf, und zwar mit dem rechten Mittelfinger, nicht mit dem Zeigefinger, den man zum Zugreifen bereit und deshalb von Kleister freihalten muß.

Nicht alle Druckwerke schließen mit ganzen Bogen glatt ab, sondern häufig finden sich am Anfang, besonders aber am Ende auch halbe und Viertel-Bogen, ja einzelne Blätter. Alle einfachen Blätter müssen angeklebt werden, ebenso die Doppelblätter, wenn das verwendete Papier nicht so stark ist, daß sie ohne Schaden mitgeheftet werden können.

Haben wir den rohen Druck gefalzt, so werden die Bogen fest eingepreßt, damit sich die Brüche gehörig niederdrücken, und die einzelnen Blätter gut aufeinandersetzen. Überhaupt darf man keine Gelegenheit, die halbfertigen Bücher einzupressen, ungenützt vorübergehen lassen, wenn man auf gute und schöne Arbeit Anspruch erheben will.

Vor dem Einpressen werden die Bogen selbstverständlich gleichgestoßen, indem man je einen Packen am Oberschnitt und dann am Rückenbruch auf den Tisch aufstößt. Es ist ratsam, die Päcke nicht zu groß zu nehmen; der Anfänger sollte zunächst nur 10 Bogen zusammen aufstoßen und danach je 5–6 Päcke wieder zusammen geradestoßen. Auch ist darauf zu achten, daß nicht einzelne Bogenstecken bleiben, was bei dünnem Papier leicht der Fall sein kann; diese müssen dann vorgezogen und mit den anderen geradegerichtet werden. Vor dem Geradestoßen werden die Bogen, je nach der Dicke derselben, zu je 50 oder je 100 abgezählt.

Wir haben die Bogen nun packweise zwischen je zwei Bretter, beziehungsweise zwischen je zwei Päcke ein Brett zu bringen, und dürfen dabei so viel übereinander schichten, als wir glauben in die Presse bringen zu können. Die Presse wird rechts neben uns so auf den Tisch gestellt, daß der eine Spindelkopf ein wenig über die Tischkante hervorragt, die Balken der Presse etwa im rechten Winkel mit der Richtung des Tisches zu stehen kommen, und die Presse ein wenig nach vorn neigt. Die rechte Hand hebt den oberen Balken, in der Mitte desselben zugreifend, hoch, die linke hebt den einzupressenden Bücherstoß samt den Brettern in die Presse.

Nun werden die Muttern so weit mit der Hand zugedreht, daß ein Herausfallen des Stoßes nicht mehr zu befürchten ist; alsdann wird die Presse vom Tische gehoben, zwischen die Beine genommen und mit dem Preßbengel (s. o.Seite 9) fest angezogen. Bei schweren oder hohen Stößen muß ein zweiter Arbeiter den Preßbalken »aufhalten« und beim Einpressen zur Hand gehen.

Daß oben und unten Querbretter vorliegen müssen, ist schon erwähnt worden. (S.Seite 9.)

Das »Auspressen«,d. h.das Herausnehmen der eingepreßten Stöße aus der Presse, ist eine ziemlich einfache Arbeit.

Die Presse nebst Inhalt wird, nachdem man die Muttern etwas gelockert hat, auf Tischhöhe gehoben und mit dem unteren Preßbalken so quer an die Tischkante angesetzt, daß der eingepreßte Stoß auf derselben aufsteht. Die Muttern werden nun mit der Hand ganz aufgedreht, der Stoß mit der Brust durch die Presse durch ganz auf den Tisch geschoben und mit der Linken gehalten, während die Rechte die Presse zur Erde stellt.

Immer aber bedenke man, daßEinpressenvorAuspressengeht, denn

gut gepreßt, ist halb gebunden.


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