12. Briefwechsel.

Das stille Friedensparadies im Schooße der Herrlichkeit Doorwerth, welches die Freunde aufgenommen, blieb nur kurze Zeit für dieselben ein Schooß der Ruhe. Näher drängten die politischen Ereignisse; mit unruhiger fieberhafter Spannung wurde täglich neuen Zeitungen, Nachrichten und Briefen entgegengesehen, und wenn diese ankamen, waren sie selten erfreuender Art und enthielten mehr Unliebes als Liebes, ja, sie waren ungleich mehr geeignet, Furcht und Bangen zu steigern, als Besorgnisse zu zerstreuen, die immer drückender wurden.

Ludwig und Leonardus nahmen Waffenübungen vor, welche Windt, von früherer Zeit her mit Führung der Waffen wohl vertraut, leitete, sofern dessen außerordentlich in Anspruch genommene Zeit dies vergönnte; es wurden zu solchen Uebungen spätere Stunden des Nachmittags gewählt und die ganze jüngere Dienerschaft, wie die jungen Landleute aus den Ortschaften der Herrlichkeit beigezogen, welche ohnedies durch die Jahreszeit von der Feldwirthschaft nicht allzusehr in Anspruch genommen wurde. Es wurde ein Jägercorps errichtet, und Windt befehligte dasselbe als Hauptmann. Angés lebte mit dem immer lieblicher aufblühenden Kinde still und zurückgezogen, stand Windt’s Frau in häuslichen Geschäften bei, schloß sich an diese an und gewann deren Gunst und Theilnahme dadurch, daß sie ihr sehr viel erzählte. Philipp mußte jeden Morgen nach Arnhem zur Post reiten, die Pferde Isabella und der Braune waren vor der Pariser Reise bereits auf kürzestem Weg von Amsterdam nach Doorwerth gesendet worden.

Windt war von Geschäften ganz umfluthet; es gehörte nur eine so ausdauernd zähe, kernhaftkräftige Natur wie die seine dazu, nicht zu unterliegen, und obschon er beständig über körperliche Leiden zu klagen hatte, hielt er doch wunderbar aus, ließ aber auch die Freunde Einiges aushalten, indem er ihnen seine vielfachen Bedrängnisse häufigmittheilte. Oft gab sein komischer Zorn Stoff zum Lachen, oft forderte er die Mithülfe der jungen Freunde für dies und das, und nie erschien der Augenblick, in welchem irgend einen der gebildeten jetzigen Bewohner des Kastells Doorwerth die Langeweile zu beschleichen vermocht hätte. So war der 22. September herbeigekommen, und die an diesem Tage geborenen Freunde feierten denselben im Bunde mit den befreundeten Seelen Windt und dessen Frau; Angés und die kleine Sophie saßen mit Ludwig und Leonardus beim heitern Mahle, und gern wurde auch des biedern Schiffskapitäns Richard Fluit gedacht und ihm und der »vergulden Rose« einige Becher geweiht. War es doch eine schöne Erinnerung an Fluit’s Geburtstag, der das innige Band der Freundschaft um die Herzen von Ludwig, Leonardus und Angés geknüpft hatte, und wohl werth, am günstigen und geeignetsten Tage sie zu erneuen. Die Verbundenen waren still glücklich; ihre Freude war keine lebhafte und laute, nur Frau Juliane Windt, des Schaumweins ungewohnt, trank sich ein heiteres Räuschchen; Windt selbst hatte den Kopf viel zu voll Gedanken und Geschäfte, Verdruß und Aerger, als daß er hätte die Empfindungen theilen können, welche seine jungen Freunde beseelten. Er nahm daher, nachdem er der Freundespflicht ein Genüge geleistet, und auf Aller Wohl, sein eignes, das er, wie er bemerkte, sehr brauchen könne, nicht ausgenommen, wacker mit angeklungen hatte, keinen Anstand, die fernere Unterhaltung mit dem zu würzen, was ihn beschäftigte und zum Theil bedrängte.

Dem Rentmeister Görlitz muß der Donner auf den Kopf fahren! Er will fort und er soll fort. Er ist ein ungetreuer Hund! Die gnädige Frau Reichsgräfin Excellenz sollen Alles wissen! Die macht mir aber den Kopf auch warm genug. Ich soll durchaus den Vergleich noch zu Stande bringen, der in Varel abgebrochen wurde! Pah! Möcht’ es ja von Herzen gern thun, kann ich denn? Wo ist der Erbherr? Wissen Sie es? Ich weiß es nicht. Ohnlängst war er in Amsterdam, dann im Haag, und wo nun? Wenn ich sicher wüßte, wo ich ihn träfe, ich reiste lieber heute als morgen zu ihm. Sein Agent in Varel, der Kammerrath Melchers, schreibt mir, daß er auf drei Briefe ohne Antwort gelassen sei, auch die gnädige Frau in Kniphausen weiß nicht, wo der Herr ist, und bestürmt Melchers mit Fragen. Sie soll immer leidend sein.

Was sagen Sie, Herr Windt, leidend? fragte Ludwig mit schmerzlichem Gefühle.

Ich sage leidend. Herr Melchers schreibt es, da können wir nun leider Beide nicht helfen, Herr Graf! Nur wenn der Erbherr da wäre, wäre uns vielleicht geholfen. Von Einigen hörte ich, er sei bei der Armee, von Andern, er wolle seine Schwester nach Hamburg zur gnädigen alten Excellenz bringen, wieder von Andern, er wolle seine Gemahlin und deren Kinder, nebst der Frau Schwiegermutter, die jetzt bei ihr ist, mit der Staaten-Jacht auch nach Hamburg bringen und schwärme seiner Gewohnheit nach zu Wasser herum, und ich sitze hier und lauere, und möchte rasend werden, und er gab mir doch sein gräfliches Wort, binnen vierzehn Tagen hierher zu kommen. Es muß ihm etwas ganz Außerordentliches begegnet sein. Hab’ ihm tüchtig und derb geschrieben, was hilft es aber, wenn mein Brief herumwandert wie der ewige Jude, und ihn nirgend findet? Und Gott allein weiß, wie ich hier, gesetzt der Erbherr käme endlich, mit ihm unterhandeln werde!

Die Reihe dieser Erörterungen würde noch ungleich länger gedauert haben, wenn nicht Philipp mit der verschlossenen Brieftasche eingetreten wäre.

Du bliebst heute sehr lange aus, sprach Ludwig zu seinem Diener.

Halten der gnädige Herr zu Gnaden, antwortete der Briefboote: ich mußte lange auf der Post warten. Die Posten sind ungewöhnlich spät eingetroffen; es muß überhaupt was los sein drüben in Arnhem, die Leute rennen mit den Köpfen aneinander und durcheinander, wie ein Ameisenhaufen, habe es nicht klein bekommen können, was es gibt, außer, daß man will in der Ferne kanoniren gehört haben, denn wenn ich mein Maul aufthue und frage, so versteht mich Niemand, und wenn Jemand mir antwortet, so verstehe ich auch Niemand, es ist ein dummes Volk hier zu Lande, ich dächte doch, ich spräche so gutes Deutsch, daß man mich verstehen könnte!

Alle lachten. – Ja ja, mein guter Philipp, du sollst nächstens bei den Niederländern in Arnhem Sprachlehrer werden; dein Deutsch klingt ganz so rein und schön, wie unser Helgoländisch, das wir in Paris sprachen, als du den »Ueppasser« in die Seine warfst, scherzteLudwig. Komm Bursche und trinke! Es ist heute unser Geburtstag. – Wenn der Kerl nur verdronken wäre! fügte Philipp mit vollem Ernst hinzu. Auf des gnädigen Herren gutes Wohlsein!

Windt erschloß die Brieftasche; sie enthielt der Briefe viele. Mit Freude im Blick rief er aus: Ah! Gott sei Dank, ein Brief vom gnädigen Erbherrn! Hier einer von der alten Excellenz aus Hamburg; hier einer an Sie, Dame Angés aus Zweibrücken; hier einer an Sie, Herr Leonardus van der Valck; halt, noch einer, auch an Sie! Nun, möge es allseits eine gute Festbescheerung geben! – Mit sehr verschiedenen Gefühlen im Herzen der Empfänger wurden diese verschiedenen Briefe entgegengenommen. Welch eigenthümliches Hereintreten der Außenwelt in den Menschenkreis, der dieses einsame Schloß belebte! – Windt erbrach hastig den Brief des Erbherrn, in ihm lag ein Brief an Ludwig beigeschlossen. – Ich war schon gefaßt darauf, leer auszugehen, wie so oft, sprach dieser. Was kann der Vetter mir zu schreiben haben?

Windt las den Brief des Erbherrn laut vor. »Im Haag, den und den. Ich habe Ihre beiden Briefe wohl empfangen, mein liebster Windt, aber da ich zur Zeit ihres Einganges weder in Amsterdam noch im Haag war, sondern in dringenden Geschäften anderswo, so habe ich Ihnen nicht früher antworten können, was mir leid thut. Ich hoffe zu Ende nächster Woche von hier nach Doorwerth reisen zu können; ich kann unmöglich früher; ich habe auch, hoffe ich, das nöthige Geld gefunden. Gebe der Himmel, daß dies Geschäft bald endige, denn mein Kopf geht mit mir um; es ist in diesen Zeiten so drangvoll, daß ich fast nicht weiß, wo anfangen und wie alles Begonnene vollenden. Adieu mein Bester! Leben Sie wohl.

Wilhelm Gustav Friedrich.«

Mit Hast erbrach Windt nun das Schreiben der Reichsgräfin. Ach, rief er aus, halb lachend, halb ärgerlich: der hochgnädig ertheilte Urlaub für mich zur Brunnenkur in Pyrmont, um den ich vor sechs Wochen gebeten! Was hilft er mich nun, wo die Gefahr mit jedem Tage uns näher rückt? Gott weiß, wie sehr ich dieser Cur bedürfte, aber kann ich jetzt fort, darf ich fort? Von Amsterdam die schlechtesten Nachrichten, wo es so steht, daß man dort weniger die Franzosen fürchtet, als die Patrioten; schöne Patrioten das, die den Pöbel auf ihre Seite gelockt haben – so machen es die Hunde vonAufwieglern überall und dann nennen sie sich Patrioten! Und wir hier? Vom Rheine her die anrückenden Armeen der Coalition, von Frankreich her die Carmagnolen, vom Norden her die holländische Armee unter Anführung des Erbprinzen von Oranien, und außerdem noch die Engländer unter dem Herzog von York, und da sollte ich von hier fortgehen? Ein schlechter Soldat, der seine Fahne verläßt, Doorwerth ist meine Fahne! Ich bin Kommandant des Kastells; es ist meiner Obhut anvertraut, ich werde es hüten und halten!

Sie sind stets der ehrenfeste treue Mann, auf den man sich verlassen kann in Noth und Gefahr, lieber Windt! belobte ihn Graf Ludwig und fragte: Doch was schreibt Ihnen die Frau Großmutter weiter?

Windt durchflog murmelnd die Zeilen und begleitete das, was er daraus mittheilte, mit Glossen. Klagt über Kranksein, andere Leute sind auch krank! Sehnt sich in ein Bad – soll doch hingehen, sie hält kein Feind ab, und kein Kriegstrouble wie mich; die Veränderung wird der bejahrten Dame wohler thun und besser bekommen, als alle Recepte und Mittel des Doctor Reimarus, welcher der Leibarzt Ihrer Excellenz in Hamburg ist. Räth mir das Archiv einpacken zu lassen – ist bereits geschehen – gibt einen fürchterlichen Ballast Papier – will nicht glauben, wie es hier aussieht – sollte nur selbst kommen!

Dem Vetter schrieb der Erbherr in einigen flüchtigen Zeilen, daß er ihn noch in Doorwerth zu treffen wünsche, daß er sich aber vorbereiten möge, dann mit ihm zur Armee zu gehen, es sei ihm eine Offizierstelle beim Regiment Orange-Geldern ausgemacht; der Erbprinz wünsche, daß Graf Ludwig in so bewegter Zeit nicht müßig seine Jugend verträume, sondern vielmehr eine Laufbahn einschlage, die zu Ruhm und hoher Stellung im Leben führen könne, und er, der Erbherr, könne diesem Wunsche und dieser Ansicht nur beipflichten.

Leonardus und Angés lasen still die Briefe, welche sie empfangen hatten; Wehmuthsschatten überflogen Angés’ schöne Züge und voll Theilnahme blickten endlich alle zunächst auf sie, Leonardus mit einem verhaltenen Freude-Gefühl, Ludwig mit seelenvollster Zuneigung, Windt mit reinem und gütigem Wohlwollen, und Frau Juliane Windt auch mit Wohlwollen, dem aber ein Zusatz von weiblicher Neugier beigemischt war, daher sie auch zuerst wieder das Wort mit der Frage nahm: Hoffentlich empfingen Sie gute Nachrichten, verehrte Madame?

Angés war nicht geneigt, ausführliche Mittheilungen aus ihrem Briefe zu machen, sie beschränkte sich daher auf eine höflich ausweichende, allgemeine Antwort, während Windt mit dem Finger gegen seine Frau hindrohend nichts sagte, als: Jule! Hat schon wieder die Mühle kein Korn mehr zu mahlen? Muß schon wieder aufgeschüttet werden? Ich dächte doch, es wäre genug aufgeschüttet worden? – Aber als die durch den Bund einer lauteren und seeleninnigen Freundschaft eng Verbundenen unter sich beisammen waren, da wurde gegenseitig Alles mitgetheilt, was von weiter Ferne her in Schriftzeilen vor ihr Auge gekommen war, und mit allseitiger Theilnahme nicht nur, sondern auch mit mannigfaltiger Empfindung vernommen.

Meine Mutter schreibt mir, sprach Angés, daß sie Gott auf den Knieen gedankt habe, wieder Nachricht von mir zu erhalten. Von le Mans aus seien nur Schilderungen voll Härte und Roheit und Verdammungsurtheile eingegangen.

Berthelmy war außer sich, als er, heimkehrend, uns, mich und Sophie, nicht mehr fand. Voll Wuth, wie voll Reue hat er mich überall gesucht und suchen lassen; an Leonardus hat er nicht gedacht er konnte an dich, mein Freund, nicht denken, da er deine Anwesenheit in le Mans nicht ahnen konnte. Zuletzt mußte er sich doch sagen, daß sein rohes Benehmen mich fortgetrieben hatte, und da vielleicht doch noch einige Liebe zu mir in ihm lebte, trotz aller Mißhandlung, die er mir hatte angedeihen lassen, so mag es wohl sein, daß er sich Vorwürfe machte und sich doppelt elend fühlte. Er ist noch im Herbst des vorigen Jahres zur Armee der Vendéer gegangen.

Meiner Rückkehr in die Heimath, in die Arme meiner Familie, schreibt mir die Mutter, stehe nichts entgegen, und meine Ankunft werde der Familie ein Freudenfest sein. Noch schreibt meine Mutter: Auch für die kleine Sophie, deren du dich so mütterlich angenommen, liebe Angés, lichtet sich die Zukunft. Der Prinz tritt offener hervor mit seiner Liebe, die Prinzessin, vor Gott längst seine Gemahlin, wird es gewiß auch noch vor der Welt, und jene liebliche süße Frucht dieser Liebe, aus einer Zeit, wo noch das allertiefste Geheimniß sie umschleiern mußte, darf hoffen, einst an der Hand erhabener Eltern auf sanftgebahnten Wegen durch das Erdenleben zu wallen. Jene heißschlagenden, jugendlichen, feurigen Herzen, die nur ihrer eigenenStimme folgten, brauchen dann nicht mehr zu erröthen, fehlt es ihnen doch nicht an Vorbildern in der eigenen Familie. Dir ist bekannt, liebe Angés, daß des Prinzen Vater schon eine Prinzessin, seine nachherige Gemahlin, welche älter war als er, feurig liebte, und in früher Jugend Vaterfreuden sich erblühen sah. Der gleiche Fall trat bei dem Sohne ein, dem Kinde dieser flammenden und daher auch früh verrauchten und verzehrten Leidenschaft und wenn wir Louise Maria Therese Bathilde nicht verdammen, so dürfen wir auch Charlotten nicht richten, welche, hingerissen von der Liebe eines jugendlichen Helden zu ihr und von ihrer heißen Erwiderung dieser Liebe, willenlos der Macht beiderseitiger Leidenschaft folgte und die Mutter des herrlichen Kindes wurde, zu dessen Pflege und Ueberwachung wir uns Beide geweiht haben mit heiligem Eide. Daß du es mit dir hinwegnahmst, nachdem es nur kurze Zeit bei uns verborgen gehalten worden, war sehr gut; Niemand ahnete etwas und konnte etwas ahnen. Jetzt, wenn du wiederkehrst, gilt die kleine Sophie Charlotte als dein Kind, das Kind einer Wittwe oder einer von ihrem Gatten treulos verlassenen Frau. Habe nur Acht, liebe Tochter, bei Allem, was dir heilig und theuer ist, beschwöre ich dich, alle mögliche Sorgfalt anzuwenden, daß das Kind an Leib und Seele wohl erhalten bleibe, und gib mir sobald als möglich Nachricht von deiner Ankunft, auf welche mit aller Macht sehnsuchtvoller Liebe hofft deine treue Mutter.«

Hätte es noch irgend eines äußeren Umstandes bedurft, um Leonardus und Ludwig zu überzeugen, daß Sophie nicht das Kind von Angés sei, so würde dieser Brief jedes desfallsige Zeugniß zur Genüge vertreten haben. Verwundert aber rief Ludwig aus: Wie merkwürdig! Also Sophie Charlotte heißt diese Kleine? Gerade wie meine Großmutter!

Jetzt entfaltete auch Leonardus seine Briefe, um Angés und dem Freund aus denselben Mittheilungen zu machen, indem er sprach: Ich habe frohe und schlimme Botschaft zugleich erhalten; zunächst schreibt mir mein Vetter, der Kaplan Vincentius Martinus van der Valck, daß mein Vater Wort gehalten und mich vor Notar und Zeugen so zu sagen enterbte, indem er mich auf die bloße Hälfte des Pflichttheiles gesetzt hat.

Leonardus! rief Angés, und schlug bebend ihre Hände zusammen. Und das um meinetwillen? Das ertrage ich nicht!

Sei ruhig, liebe Angés, erwiederte Leonardus: es muß und es wird sich wohl auch ertragen lassen. Ich kann mir selbst Geld erwerben, auf den Summen der holländisch-ostindischen Compagnie ruhen ohnedies die Flüche der geknechteten Menschheit und entsetzlichen Unrechts millionenfach. Noch leben Vater und Mutter, und der Sinn der Menschen ist veränderlich. Vor der Hand meldet noch mein Vetter, daß mein Vater nicht zu seinen und unserer jungen Muhmen Gunsten testiren wolle, sondern es solle ein Theil des Vermögens an die Seitenverwandten fallen, welche zu Bochum in Westphalen wohnen; an einen Hermann Heinrich van der Valck, der aus Holland nach Deutschland übersiedelte, so viel ich weiß, eine Tochter des Namens Aloysia hat, und dessen Vorfahren mit den unsern der Sage nach, die ganze Grafschaft Valkenburg zwischen dem Hochstift Lüttich und den Herzogthümern Jülich und Limburg besessen haben sollen. – Doch das werde, wie es wolle, mir soll darüber kein graues Haar wachsen; aber nun, liebste, theuerste Angés, höre was das Handelshaus in le Mans, an das ich mit Aufträgen mich gewendet, mir schreibt, höre es, und freue dich! Es ist das mein schönstes Angebinde zum heutigen Tage: Du bist frei! »Auf Ihr Geehrtes«, so schreiben meine Handelsfreunde: »ermangelten wir nicht, sorgfältige Erkundigung nach dem hier wohlbekannten Kaufmann Etienne Berthelmy einzuziehen. Derselbe führte als Hauptmann eine Compagnie, mit welcher er zur Armee der West-Vendée unter Charette stieß, und soll sicherem Vernehmen nach bereits am 11. October des vorigen Jahres bei der Erstürmung und Eroberung der Insel Noirmoutier geblieben sein, zum Mindesten soll sein Name auf der Todtenliste gestanden haben. Sein bejahrter Vater ist mittlerweile auch gestorben, und seine betagte Mutter lebt noch unter betrübten Umständen und nährt sich von einem kleinen Kramladen, dem alleinigen Ueberbleibsel ihres einst blühenden Geschäftes.«

Angés saß stumm und ernst da, und hörte diesen Bericht mit einer Fülle von Gedanken an, die sie erschütterte, endlich reichte sie jedem der beiden Freunde eine ihrer zarten Hände, und sprach: So fällt denn ein dunkler Vorhang nieder und schließt einen, ach undwohl den traurigsten der Acte meines Lebensdrama’s mit dem Bilde eines Sarges, wie ein Traum ist es mir, mich frei zu denken, mich frei zu fühlen, und so wichtig ist diese Nachricht, daß ich mich nicht mit derselben begnügen kann: ich kann auf sie nicht bauen und keinen Schritt der Entscheidung thun, bevor ich nicht die verbürgteste Bestätigung dieser Nachricht in Händen habe; aber, meine lieben, theuern Freunde, erfüllt mir eine Bitte: laßt mich scheiden! Meine Mutter verlangt nach mir, ihrem Kinde, und hier dieses holde und liebe, mir anvertraute Kind, unser Sophiechen, schon in zuviel Gefahren brachte ich’s, ich will es der Heimath wieder zuführen, der es entstammt, ihm will ich dort leben, und deine That, Leonardus, deine Liebe will ich ewig dankbar segnen, deiner Freundschaft, Ludwig, will ich innig eingedenkt bleiben! Wir müssen uns trennen. Du, Leonardus, mußt zu deinem Vater zurückkehren als ein reumüthiger Sohn und seine Verzeihung erflehen. Er wird dir verzeihen, und du wirst noch glücklich sein. Du, Ludwig, wirst auf dem Felde der Ehre wandeln und eine selbstständige hohe Stellung dir erringen, die dich völlig unabhängig macht von deinen Verwandten.

Liebe Angés, nahm Leonardus das Wort: deine Entschlüsse sind ehrenhaft, und was du sagst, ist gut, aber es ist nicht ausführbar, du kannst jetzt nicht reisen. Alle Lande am Nieder-, Mittel- und Oberrhein wimmeln von Truppen. Thue keinen Schritt, der dich reuen könnte, aber folge in Einem deiner Mutter, achte auf das anvertraute Kind; setze nicht dieses zarte Leben auf das Spiel, um mit nicht ganz reiflich überlegten Entschlüssen durchzudringen. – Auch ich muß Leonardus beistimmen, setzte Ludwig hinzu. Hier bist du sicher und wohlgeborgen mit deinem Kinde, Angés, und reichte das Schloß nicht aus, so gibt es in dem nahen Busch voll Moorbrüche einzelne Hütten und Häuser genug, zu denen kein Krieger zu dringen vermag und die Pfade findet; laß erst die herrannahende Wolke des Kriegsgewitters vorüberziehen, ja, wenn es sein muß, vorüberbrausen, weiche nicht aus diesem Asyle, es wird sich dir nirgend ein sichereres bieten und öffnen.

Das Gespräch wurde unterbrochen; Windt klopfte stark an, und trat erhitzt ein. Hören Sie es, meine Herrschaften? war seine Frage, und da man nicht zu verstehen schien, was er wolle, so ließ er die Zimmerthüreoffen stehen und machte eine Geberde, die zum Horchen und Lauschen aufforderte. Und kaum war dieser Aufforderung genügt, so hörten Alle in bestimmten Zwischenräumen einen dumpfen Schall.

Was ist es, lieber Herr Windt?

Freudenschüsse sind es wahrscheinlich, zu beiderseitiger hoher Geburtstagfeier! Eine Kanonade ist es, meine Verehrtesten, und jetzt entsteht die Frage: Was thun? Feiglinge würden rufen: Rette sich wer kann! Ich rufe: Ausharren und treu bleiben! Für mich ist das keine Frage. Halten Sie sich bereit, meine Herren, mich zu unterstützen! Der Augenblick wird kritisch, sehr kritisch, doch nur keine Furcht. Das hiesige Archiv fährt, in einige fünfzig Kisten verpackt, nach Arnhem; alle Papiere des gräflichen Hauses, der Lehn- und Rentenkammer, ich stelle sie unter den Schutz des dortigen Magistrates. So wie eine Abtheilung der holländischen oder der englischen Armee sich nähert, werden Sie, Herr Graf, zu deren Befehlshaber zu reiten so gütig sein, und um Schutzwachen für Doorwerth, Helsum, Rosendael und Wolfsheese bitten. Es geht bereits ganz lustig und kunterbund zu, die Wege sind mit Flüchtlingen aus Brabant bedeckt, Adelige, Geistliche und sonst vornehme Leute, in Arnhem sind schon Flüchtlinge aus Mastricht angelangt. Dort packt Alles ein und hat sich schrecklichbeezig[10]und consternirt. Die Stadt wird stark befestigt. Etwas Neues ist auch noch, daß der Graf Johann Carl schon einige Male durch Helsum gekommen ist, ohne hier vorzusprechen. In Rheenen, wo wir ja ohnlängst durchkamen, soll das englische Lazareth hingelegt werden. Im Haag sogar, vernahm ich heute, wird eingepackt, leider ist die prinzliche Partei die einpackende. Doch zu den schlimmen Nachrichten nun auch eine gute, erfreuliche. Robespierre ist todt, das blutige Scheusal; mit ihm fielen eine ganze Anzahl seiner schändlichen Helfershelfer, unter ihnen der elende Schuster Simon, der Quäler des Dauphins, dem Racheschwert der unausbleiblichen Vergeltung anheim. Wäre Zeit, sich der Freude zu überlassen, so wollt’ ich’s im vollen Maaße thun. Sie räumen hübsch auf, die Herren Franzosen, einundzwanzig Henkersknechte sind zugleich mit ihrem Meister zur Hölle gefahren, und amTage darauf einundsiebenzig. Die Zeit ist endlich da, wo die Drachenzähnesaat aufgeht und sich selbst erwürgt. –

[10]Rührig.

[10]Rührig.

Es kamen schlimme Tage für den treuen Windt, die seine Geduld, seinen Muth und seine Ausdauer im Beschützen des Besitzthums seiner Gebieterin auf harte Proben stellten. Ein Theil der englischen Armee überfluthete bereits die Gegenden von Arnhem bis Deventer und die Rhein- und Ysselufer, und wie es immer zu geschehen pflegt, wenn die Furien des Krieges entfesselt sind, die Engländer benahmen sich nicht, wie Hollands Verbündete, sie nahmen blos, und zwar Alles was sie fanden und stahlen wie die Raben. In allen Ortschaften wurde verkündigt und öffentlich angeschlagen, Niemand solle über die politischen Ereignisse reden oder schreiben; alle Boote, Kähne und dergleichen Fahrzeuge mußten nach Arnhem eingeliefert werden und Niemand durfte zur Abend- oder Nachtzeit über den Rhein. Man trug sich mit Listen der Gutsbesitzer und Schlösser, welche geplündert, oder Herrlichkeiten, welche zerstört werden sollten. Doorwerth hatte die Ehre, oben anzustehen, Helsum, Mariendael und Rosendael, drei gräfliche Besitzungen, folgten zunächst. Die Herrlichkeit Rosendael (sprich Rosendahl), mit prächtigem Schloß und prangenden Ziergärten, liegt nahe bei Arnhem. Wer irgend ein werthes Besitzthum zu bergen hatte, der suchte es zu bergen und floh in nördlicher Richtung aus dem neuen Schauplatz des Kriegs; Arnhem, Doesburg, Zuitphen wurden leer von Wohlhabenden, das Gesindel blieb und plünderte auf eigene Hand und auf Rechnung der Soldaten.

Und mitten in diese Bedrängniß hinein kamen zu Windt drängende Briefe von der alten Reichsgräfin wie Bomben geflogen, oft ungehaltenen und ungnädigen Inhalts; der ins Stocken gekommene Vergleich sollte endlich abgeschlossen, der Erbherr zu einer Entscheidung gedrängt werden, er sollte Doorwerth käuflich übernehmen und einen Theil der Kaufsumme gleich baar erlegen. Windt, oft ernstlich krank, mußte fast täglich Briefe nach allen Richtungen schreiben; mittlerweile flüchteten sich zahlreiche Bekannte mit ihrer Habe aus der nächstbedrohten Nachbarschaft zu ihm und hofften in dem Kastell Aufnahme und Schutz zu finden. Dabei begannen schon Krankheiten auszubrechen und die Theurung der Lebensmittel stieg auf eine bedenkliche Höhe. Jeden Tag, ja stündlich hatte Windt seinen Freunden Neues mitzutheilen,Ludwig und Leonardus bildeten gleichsam mit ihm den Kriegsrath im Kastell; alle drei trugen aus guten Gründen militärische Uniformen und ebenso steckte die Dienerschaft in Jäger-Monturen. Nebenausgänge aus dem Kastell waren verrammelt, das Hauptthor bewacht, die Zugbrücke aufgezogen. Dieser Widerstand sollte nicht gegen kriegerischen Angriff gelten, sondern blos Schutz gewähren gegen Raubrotten, und den leistete das so bewehrte und bewachte Kastell Doorwerth trefflich. Es war ein ungleich besserer strategischer Punkt, als die kleine, unbedeutende und halb verfallene Dunenschanze, die in des Schlosses nächster Nähe nach dem Strome zu lag. – Wieder war ein Tag voll Unruhe angebrochen, Windt hatte den treulosen Rentmeister entlassen und seiner Pflicht entbunden, und hatte einen Brief vom Hofrath Brünings aus Varel erhalten, wo auch kein schönes Wetter war. Brünings äußerte sich halb ironisch, voll Hoffnung, daß das »große Werk« nun wohl bald zu Stande kommen werde und schrieb: »Man hört hier von Holland, in Ansehung der inneren Unruhe, viele düstere Gerüchte. Gott gebe, daß sie ohne Grund sind. Hier nimmt der Geist des Jakobinismus noch gar nicht ab. Die reichen Bauern wollen keine Steuern mehr zahlen, die armen können nicht, unsere herrschaftlichen Kassen sind leer.«

Und was in unseren hiesigen liegt, ist auch kein Gold und kein Silber, seufzte Windt. Und jetzt nun soll Doorwerth verkauft werden! Es ist unsinnig. Aber hab’ ich’s nicht schon vor vier, vor drei und zwei Jahren voraus gesagt, daß man warten und zögern werde, bis die politischen Angelegenheiten Alles verderben und aufs Spiel setzen würden? Siehe, da ist’s handgreiflich wahr geworden. Und dem Erbherrn, welcher kommen und Geld mitbringen wollte, geht es wie mir, er ist krank vor Sorge und Anstrengung. Er hat sein Leben daran gesetzt, ein neues Corps zu errichten. Er nimmt sich mit dem edelmüthigsten und tapfersten Sinne der Landesangelegenheiten auf das Aeußerste an und soll ganz elend aussehen. Alle Geldmittel, deren er hat habhaft werden können, hat er seinen patriotischen Zwecken geopfert, und wo sollte er nun Geld für Doorwerth hernehmen? Keiner borgt jetzt dem Andern einen Deut. Die Zeit ist aus ihren Fugen gekommen, sagt Hamlet. Die so schleunige Wendung der Dinge macht es dem Erbherrn unmöglich, Geld zu schaffen, selbst wenn er Zeit hätte,sich danach umzuthun, er hat alle Hände voll mit seinem neuen Landrattencorps zu thun, wie ich erfahren habe; sein Cabinet und Zimmer liegen voll Monturen, Hüte, Schuhe, Gewehre, und Alles läuft Tag und Nacht bei ihm um, wie sein eigener Kopf. Wie ich mit ihm fahren werde, weiß Gott! Jetzt sind die Zinsen von der Herrlichkeit Rosendael fällig, die verpachtet ist – kein Deut zu haben, und ich soll tausend Gulden Schatzung von den gräflichen Häusern nach Arnhem liefern. Alles Unheil schlägt zusammen, wie der Donner in die Töpfe!

Mitten in die endlosen Klagen des redlichen Intendanten leuchtete ein Strahl der Freude; unverhofft kam der Erbherr an, geleitet von einer Reiterabtheilung, und sah sich freudig begrüßt; doch konnte sich Windt nicht enthalten, als er jenen von Weitem erblickte, auszurufen: Gott wie sieht unser Herr aus? Wie ein Busch verhagelter Petersilie!

Der Erbherr, allerdings sehr angegriffen und mitgenommen aussehend, saß bald im vertrauten Gespräch mit Windt; es handelte sich um die verwickelte Angelegenheit, der beste Wille war da, aber Geld fehlte und neue Schwierigkeiten thürmten sich entgegen. Windt erhob das große wichtige Bedenken, ob es besser sei, daß Doorwerth bei einem doch immer möglichen Ueberzug dieser Gegend durch die französische Armee Eigenthum eines feindlichen Offiziers sei, Mitgliedes der holländischen Ritterschaft und Oberamtmannes im Haag; oder Eigenthum einer jetzt in der freien Stadt Hamburg lebenden Gräfin, die dem neutralen dänischen Reiche angehöre?

Da thäte es Noth, lieber Windt, warf der Erbherr ein, das dänische Grafendiplom aus dem Kniphäuser Archiv, wo nicht gar aus Kopenhagen erst hierher kommen zu lassen – ehe das kommt, steht hier kein Stein mehr auf dem andern!

Mit nichten, gnädigster Erbherr, entgegnete Windt. Hier ist es schon in bester Form und beglaubigter Abschrift auf einem Stempelbogen, der »Een Rigsdaler« gekostet hat.Nos Christianus quintus his literis patentibusund so weiter, beglaubigt, unterschrieben und untersiegelt mit demKongelige Danske Cancellier Seigl.

Was Sie für ein Diplomat sind, Herr Windt! Fürwahr, ich bewundereSie immer mehr! rief der Erbherr. Ich will Sie der geliebten Großmama nicht abwendig machen, aber sollte sie die Augen zuthun, so daß ich es erlebe, so ernenne ich Sie zu meinem Rath, Ihre Treue und Umsicht verdient noch mehr!

Windt verneigte sich und erwiederte: Wollte Gott, es wäre Zeit zu scherzen, mein gnädigster Herr Graf! Der Frau Reichsgräfin Excellenz helfen jetzt weder deutsche noch dänische Grafendiplome, und wenn Karl der Große sie ausgestellt hätte, statt Karl der Fünfte von Dänemark. Holländische Ducaten sind die Losung, das ist dievis unitanicht nur, es ist auch dievis unica, nicht die einige blos, sondern die alleinige mächtige Hülfe. Alle Einkünfte stocken; hier ist nichts, Rosendael liefert nichts, Varel liefert auch nichts – und die gnädige Frau Großmutter Excellenz –

Braucht Geld, und zwar viel, wie immer, ergänzte der Erbherr. Ich hatte Hoffnung, aber sie schwand wieder, denn keiner meiner Vettern und auch mein eigener Bruder in Utrecht, von dem ich so eben komme, kann oder will Etwas beisteuern, ja mein Bruder Johann Carl sagte mir geradezu in das Gesicht: »Wenn, wie zu fürchten steht, der Feind in das Land kommt, so gebe ich für dein eigenes Leben keinen Heller, geschweige für deine Güter; denn mit aller Herrlichkeit der Herrlichkeiten wird es dann ein schnelles Ende nehmen. Man verlangt jetzt hier in Utrecht bei Anleihen den drei- bis vierfachen Werth des Kapitals als Hypothek und in was? In alten holländischen Obligationen.« Wer aber solche besitzt, braucht nicht zu borgen. Mein bester Freund, Baron Grovesteins, der mir früher zehntausend Gulden angeboten hatte, sagte mir, daß er mir jetzt nicht einhundert Gulden leihen würde, und wenn er das Geld in Haufen liegen habe und mitSchepelnmessen könne. Es sind einhundert Gulden baar nicht zu bekommen, und wenn man eintausend dafür verschreiben wollte!

Während dieses Gespräches hatte auch Leonardus mit Ludwig eine lange und ernste Unterredung, in welcher der Erstere dem Freunde die ganze Fülle seines offenen und redlichen Charakters erschloß und zugleich den Blick auf ihre beiderseitige Zukunft lenkte.

Folge du, mein Ludwig, sprach Leonardus, jetzt dem an dich ergangenen Winke, nimm den Kriegsdienst an, der dir ehrenvolle Lebensstellungsichert, und folge meinem wohlüberlegten und brüderlichen Plane. Unterdeß wirke ich, und wir werden von einander hören. Angés muß mein werden, wenn Gott mir das Leben fristet; wäre Letzteres nicht, so bleibe sie in deinen edeln Schutz gestellt, und dann erfülle die Verpflichtung, die mein Vertrauen dir auferlegt, die deine Liebe mir zugesichert. Sieh, dann bringst du mir ein ungleich höheres und dankenswürdigeres Opfer, als ich dir, indem ich beizutragen suche, deine Stellung im Leben einigermaßen zu sichern. Und nun kein Wort weiter! Der Bruderbund ist aufs Neue geschlossen, und dieser Kuß besiegle ihn.

Wenn nun Euer Gnaden, sprach Windt weiter zum Erbherrn, sich an den Herzog von Portland wendeten? Könnte und würde dieser nicht –?

Hab’ es gethan, lieber Windt, hab’ es gethan! antwortete der Erbherr bekümmert: mein Vetter, der Vice-Admiral, schrieb selbst den Brief, da ich mich nicht blos geben wollte. Die Antwort kam schnell genug zurück, denn pünktlich sind diese Engländer und rechnen, ah, sie rechnen, auch wenn sie in der Pairskammer sitzen. Der Herzog schrieb an seinen Verwandten und Namensvetter William: Es sei ein recht artiger Einfall von mir, daß ich fünftausend Pfund Sterling von ihm leihen wolle, und er müsse nur bedauern, meine Artigkeit und mein Vertrauen nicht in gleichem Maaße erwiedern zu können.

Da stand nun Windt rathlos und sah abermals all’ sein treues Bemühen zu nichte gemacht, und der Erbherr schaute finster drein und schwieg.

Diese peinliche Pause unterbrach der Eintritt Ludwig’s.

Störe ich? fragte er, und machte Mienen, sich zurückzuziehen.

Bleibe immerhin, Vetter! rief der Erbherr. Unser Geschäft ist zu Ende.

Darf ich dir Glück wünschen zu Doorwerth? fragte der junge Graf.

Leider nein! erwiederte der Erbherr kurz und mit Achselzucken.

Woran fehlt es, daß der Kauf nicht zu Stande kommt?

Hm – am Besten, am Geld! erwiederte Windt verdrießlich.

Doorwerth ist dein, Vetter! rief Ludwig mit blitzenden Augen. Jene starrten ihn an.

Es ist dein, ich kaufe es für dich, ich leihe dir das Geld! Hier sind einstweilen fünfzigtausend Gulden in englischen Banknoten!

Vetter! Vetter! rief der Erbherr außer sich, und die so plötzlich nahe tretende Erfüllung eines seit Jahren gehegten Lieblingswunsches erfüllte seine Seele mit hohem Entzücken.

Die Flüchtlinge.

Motto:Wo ich sei, und wo mich hingewendet,Als mein flücht’ger Schatten Dir entschwebt?Schiller.

Motto:

Wo ich sei, und wo mich hingewendet,Als mein flücht’ger Schatten Dir entschwebt?

Wo ich sei, und wo mich hingewendet,Als mein flücht’ger Schatten Dir entschwebt?

Schiller.

Anders sah es aus in der Herrlichkeit Doorwerth, aber nicht besser. Die Gefahr wuchs von Stunde zu Stunde. Die Engländer, welche Windt nie anders als »saubere Alliirte« nannte, drohten ein Lazareth in das Kastell zu legen. Fort und fort hörte man in der Ferne kanoniren, sah den feurigen Flug der Bomben und die Flammen in Brand geschossener Magazine. Der Herzog von York that mit seiner Armee sein Möglichstes, um Holland zu decken, aber von den Zinnen und Warten des Kastells erblickte man täglich ganze Säulen flüchtender Soldaten, welche die Wege nordwärts einschlugen. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatze jagten einander bald verbürgt, bald unverbürgt. Grevecoeur, der Schlüssel zu dem Bosch (Herzogenbusch) ist über, hieß es; dann sollte der Bosch auch über sein; dann wurde die Nachricht wiederrufen, unter dem fernher vernehmlichen Donner des gröbsten Geschützes. »Die Carmagnolen haben fünf Brücken über die Maas geschlagen – die Menge und Tapferkeit der Franken macht jeden Widerstand unmöglich, was flüchten kann aus Städten und Orten, das flüchtet – die Franken sind nahe vor Nymwegen – in die Werke von Nymwegen haben sich sechstausend Engländer geworfen – die zurückgedrängte englische Armee will sich wieder bei Gorkum setzen – die in großer Zahl ausgewichenen Bataver haben ein Comité gebildet, und durch dasselbe mit der französischen Republik über Vertragsbedingungen unterhandelt – die Franken sollen die Städte der neuen batavischen Republik mit Truppen besetzen – die Regierungsform soll provisionell bleiben, wie sie ist – die entlassenen Beamten sollen wiederin ihre Stellen einrücken – die Geflüchteten sollen zurückkehren – Holland soll die französische Republik anerkennen, soll sein Bündniß mit England brechen, sich mit Frankreich verbinden und an England, Preußen und Oesterreich den Krieg erklären – des Statthalters und seiner Partei soll in keiner Weise mehr gedacht werden.« – So drängten sich und wirrten die Nachrichten durcheinander, als schon der October herbeigekommen war.

Ludwig und Leonardus waren als Führer in das berittene Corps eingetreten, das der Erbherr errichtet hatte; Angés mit dem Kinde blieb in Windt’s Schutz gestellt in Doorwerth, und für Frau Windt war es ein großer Trost, eine weibliche Seele als Freundin zur Seite zu haben, die ihr manchen Beistand leistete.

Windt bot Alles auf, mehr und mehr Lebensmittel in das Kastell zu schaffen, denn es kam ihm im Geiste vor, als wenn der bedrohliche Zustand sobald nicht enden werde. Man sah ihn häufig, von einem oder zwei Reitknechten begleitet, in seiner kleidsamen Offiziersuniform durch die Fluren und die nächstgelegenen Ortschaften reiten; Graf Ludwig hatte dem redlichen Freund seine Isabella geschenkt, halb aus Liebe zu Windt, halb aus Liebe zur Isabella, deren Leben er dadurch besser zu sichern hoffte, als wenn er das treue Pferd der Gefahr beim Heere aussetzte – und überall war Windt willkommen; seine Anordnungen wurden genau befolgt, die Bauern liebten ihn, weil er sie von dem Rentmeister befreit, der sie gedrückt und geschunden hatte, um sich zu bereichern, und weil Windt sie menschenfreundlich behandelte. Jeden Morgen fast saß Windt am Schreibpulte und schrieb Briefe an seine Herrin, oft in fliegender Hast und Hetze, Alles bunt durcheinander, aber sie wollte und mußte Alles wissen. Doorwerth und dessen guter Verkauf bildete jetzt einen Theil ihrer noch übrigen Lebenshoffnungen.

»Ich bin im Handgemenge mit den Engländern!« schrieb Windt unter Andern in seiner eigenthümlichen, raschen und keinerlei Umstände machenden Weise, die sein ganzes Wesen an Tag legte: »Gestern war ein hoher Offizier hier, um das Kastell mit Allem, was dazu gehört, für verwundete Offiziere in Besitz zu nehmen, so wie sie die Kirchen in Helsum, Renkum und Velp[11]für Kranke in Besitz genommen,letztere liegt bereits voll davon, ebenso wie ganz Rosendael, wo ein Lager aufgeschlagen ist und alles Holzwerk, jung und alt, zerstört wird. Der Offizier war genau unterrichtet, wem die Herrlichkeit gehört, wie viele Einwohner sie zählt; der Bürgermeister von Wageningen, wo auch Alles voll liegt, hat ihn mir auf den Hals zu laden gesucht. Der Donner soll diesem Bürgermeister, den ich kenne, dafür auf den Kopf fahren! Sobald ich hinüber komme, will ich ihm sagen, was er wissen soll. Ich war gestern in der Stadt und sprach mehrere Engländer und balgte mich bis zum Säbelziehen mit ihnen herum. Wer meine Dispute mit den Engländern angehört hat, kann sich eine Vorstellung vom babylonischen Thurmbau machen, sie haben mich indessen besser verstanden, als ich mich selbst verstehe. In Arnhem hat man mich zum Bürgergardehauptmann gewählt. Gehorsamer Diener! Erst kommt Doorwerth und dann kommt es noch einmal, und dann kommt Arnhem noch lange nicht.«

[11]Renkum, niederländisch Renekom, Dorf zwischen Helsum und Wageningen; Velp, Dorf ohnweit Arnhem und Rosendael.

[11]Renkum, niederländisch Renekom, Dorf zwischen Helsum und Wageningen; Velp, Dorf ohnweit Arnhem und Rosendael.

»Ihre Excellenz sind sehr besorgt um das hier befindliche Silber. Dies kann ich nicht eher bergen, als bis ich mich selbst bergen muß, denn es ist höchst gefährlich, Werthsachen wegzusenden und selbst zu bleiben; nichts wegzusenden und Vertrauen zu zeigen, ist das einzige Mittel, um sich bei den Carmagnolen in Achtung zu setzen; selbst von dem Meinigen sendete ich weder Kleider, noch Waffen fort. Geld habe ich ohnehin nicht fortzuschaffen, Geld gibt es nicht. Der schurkische Rentmeister hat die Renten bis Petri des nächsten Jahres voraus eingetrieben und mir nichts zurückgelassen, als für mehr als 1000 Gulden unbezahlter Rechnungen. Ich bin froh, dieses Ungeziefer los zu sein, die Bauern sind auch froh. Ohne Zweifel wird er sich Ihrer Excellenz in Hamburg vorzustellen frech genug sein, aber die geringste Höflichkeit, die ihm in Hochdero Hotel zu Theil wird, nehme ich für mich als die höchste Beleidigung. Wenn er kommt, lassen Ihre Excellenz ihn durch den Büttel aus den Thoren der Stadt bringen!«

»Was aus Doorwerth, was aus der ganzen Republik Holland werden will, weiß Gott allein! Ich bin ein gehetztes Wild, voll Angst und Trübsal, Mühe und Arbeit, Last und Hast, und Ihre Excellenz sind jetzt für ein wenig Silber besorgt, aber nicht für mich. Ich bitte meine arme Schwester, die ängstlich besorgt um mich ist, zu trösten. Es ist immer noch möglich, so gefährlich es auch aussieht,daß wir diesseit des Rheines noch einige Zeit von den Franken befreit bleiben, obgleich General Pichegru darauf gewettet haben soll, den Winter in Nimwegen zuzubringen und seine Armee diesseits des Rheines Winterquartiere aufschlagen zu lassen.«

»Heute habe ich den holländischen General-Quartiermeister von hier aus bis auf den halben Weg nach Nimwegen gebracht, es sieht übel aus auf den Straßen, es ist eine bitterböse Zeit; wo man hin hört und sieht, vernimmt man nichts und hört man nichts, als von Raub und Plünderung, Mord und Brand, Krankheit und Theurung. Das Pfund Butter kostet in diesem so butterreichen Lande 1 Gulden.«

»Gestern ist die Frau Landgräfin zu Hessen-Philippsthal, Ulrike Eleonore, welche die Belagerung von Hertogenbosch treulich mit ihrem tapferen Gemahle ausgehalten, durch Arnhem gekommen. Sie wird mit dem Landgrafen nach Bückeburg gehen, zur gnädigen Frau Schwägerin, der trefflichen Fürstin Juliane.«

Diesen Brief konnte Windt erst Abends vollenden. Er schrieb: »Rundum uns her ist ein fürchterliches Getümmel; so eben komme ich, 7 Uhr Abends, aus einer Bataille mit Irländern zu Pferde nach Hause, die in Wolfsheese und längst der Doorwerth marodirten und ein Zetergeschrei unter dem armen Volke erregten. Ich jagte ihnen aber, unterstützt von meinen Leuten, ihre Beute wieder ab; allein es wird zu arg mit dem Rauben der sauberen Alliirten; Bauern, die ihre Habe vertheidigen, werden aufgehenkt und ihre Häuser werden in Brand gesteckt. Die Irländer namentlich haben stets Hunger wie die Pierrots in der Pantomime. Und wenn diese Feinde der Ordnung aus dem Lande sind, dann wird dasselbe Spiel von den Carmagnolen begonnen werden, wobei, wie eben auch in der Pantomime, höchst wahrscheinlich die Pierrots von den Harlekinen Prügel bekommen.«

»Ueberall ist der Teufel los; Gott lasse mich nur jetzt nicht krank werden, sonst ist hier Alles verloren! Fort und fort Kanonendonner auch jetzt, indem ich dies schreibe, in der Richtung nach Nimwegen hin. Vorgestern kam der Herzog von York nach Arnhem; Prinz Friedrich zu Hessen lag mit seinem Regiment in Rosendael und wohnte wahrscheinlich dem gestrigen Treffen bei. Ich ritt stracks nach Arnhem, um beim Herzoge Schutz zu suchen; er war aber nicht zu sprechen; gestern ritt ich wieder hinüber und war so glücklich, Sauvegarden für dieOrtschaften von ihm zu erhalten, es wäre auch sonst kein Einhalt mehr zu thun gewesen, und ich bin des Reitens und ewigen Brutalisirens bei Tag und Nacht müde; ich spüre in allen meinen Knochen einen Höllenschmerz.«

»Was den Kauf von Doorwerth betrifft, über den ich Ihrer Excellenz schon unterthänig berichtete, so waren der gnädige Erbherr und ich nicht weniger erstaunt, als Ihre Excellenz selbst es sind über das großmüthige und räthselhafte Anerbieten des jungen Herrn. Ich hielt es für Pflicht, diesen zu warnen, eine solche hohe Summe auf das Spiel zu setzen; selbst der Erbherr sträubte sich lebhaft gegen diesen Edelmuth, allein Graf Ludwig entgegnete: Dieses Geld wurde mir anvertraut zu beliebiger Verfügung; wie könnte ich es besser anlegen, als in einem werthvollen Grundstück, welches ich, da es doch einmal verwerthet werden soll, dadurch der Familie erhalte? Ich baue unbedingt auf meines Vetters Ehre und da wird ohne Zweifel dieses Geld in den besten Händen sein. – Wahrlich Excellenz, ich schäme mich nicht, es zu sagen, daß dieser Beweis eines wahrhaft edeln Herzens und Charakters Hochihres jüngsten Enkels mich auf das Innigste rührte und was im Gemüthe des Erbherrn vorging, konnte ich in dessen Mienen lesen. Wir beriethen nun die Sache ernstlich; der junge Herr sollte auf Doorwerth einstweilen nur 25,000 Gulden anzahlen, und dafür eine Obligation auf Varel erhalten, die anderen 25,000 Gulden wollte der Erbherr auch annehmen und auf Rhoon versichern. Ihre Excellenz sollten die Gnade haben, mir förmliche Vollmacht zu ertheilen, alle nöthigen Schriftdocumente zu entwerfen, die Summe in Empfang zu nehmen und in Hochdero Namen bündig zu quittiren, welche Quittung zugleich als Interims-Verschreibung auf gedachte Herrlichkeit Doorwerth mit Zubehör gelten solle, bis zu Ertheilung der förmlichen Obligation und Ausfertigung des zur Sicherheit weiter Erforderlichen. Diese Verhandlung erfolgte ebenfalls unter beständigem fernen Kanonendonner; da kam auf einmal der auf Kundschaft ausgesandte Diener des jungen Herrn, Philipp Scarre, im vollen Jagen angesprengt und brachte die Nachricht, die Engländer seien geschlagen, ein ganzes Regiment derselben an der Wahl gefangen genommen, ein anderes völlig vernichtet, die ganze hannoversche Infanterie unter Graf Walmoden habe sich nach Nimwegen geworfen.Das nöthigte den Erbherrn zum schleunigen Aufbruch und es blieb nur noch so viele Zeit, zu verabreden, daß, wenn der Feind nicht über den Rhein käme, demnächst wo möglich eine neue Zusammenkunft und Verhandlung stattfinden solle. Einstweilen gebe ich Ihrer Excellenz anheim, mit den nöthigen Papieren und Hochdero Zustimmung mich zu versehen, und bin zu Füßen Hochdero unterthäniger Windt.« –

Feindselig war die Zeit aller Liebe und jeder Liebeshoffnung in den von der Geißel wilder Kriege furchtbar heimgesuchten Ländern. Wittwen und Waisen machte der Krieg in Menge, Thränen und Jammer brachte er in zahllose Hütten, Häuser und Paläste, Glück nirgend hin, in kein einziges Haus. So war es damals, war es früher, und so ist es immer noch; fort und fort erneuen sich die Häupter dieser lernäischen Schlange. Der Mächtigen Laune, oder Ländergier, oder Herrschsucht, ebenso wie der Völker Wahnsinn beschwören den Dämon des Krieges aus dem finstern Orkus herauf, sie entfesseln ihn zur Peinigung, zur Knechtung, zur Vernichtung der Menschheit, und vermögen ihn dann sobald nicht wieder zu bannen. Kaum ein Jahrhundert vermag die Wunden zu heilen, die ein blutiger Krieg den Ländern, den Völkern schlägt, aber vergebens und immer vergebens rathen Religion und Vernunft, Gerechtigkeit und Sitte, Bildung und Fortschritt vom Beginn solcher Greuel ab; vergebens kämpfen weise Männer unter dem Wehen der Oelzweige und der Friedenspalmen gegen den Krieg; dort sind es die Gewalthaber, hier sind es ganze Völker, die beide in unsinnigster Verblendung seine Furien wachrufen, und sich, gleich den Fanatikern Indiens, mit Freude vom Donnerwagen Krischna’s bei der Pagode von Jagernaut zermalmen lassen.

Angés saß bei Frau Windt im stillen Zimmer, die Herbstsonne kämpfte mit den schweren Nebeln der weitgedehnten Flächen und der nahen moorigen Brüche. Auch die kleine Sophie saß bei den Frauen, und übte mit Eifer eine Arbeit, welche sie jene ebenfalls üben sah, eine Arbeit, die der Krieg aufdrängt dem zarten Geschlecht, die an Schmerz und Pein, an Blut und Wunden fort und fort erinnert: sie zupften Charpie.

Wer mag wissen, wem diese Leinwand dienen wird, warf Angés trübsinnig die Frage auf, und ihre angstvollen Gedanken flogen nach Leonardus hin, der es verschmäht hatte, in Doorwerth müßig zu weilen, währendsein Freund sich vielleicht die Lorbeeren der Schlachten pflückte. Sie sah im Geist den Freund ihres Herzens verwundet und sich als seine liebevolle Pflegerin. Frau Windt aber antwortete: Das möchte ich nicht einmal wissen; am Besten, sie würde gar nicht gebraucht, da brennte ich das Zeug zu Zunder und steckte mein Licht an ihm an; wär’ auch ein guter Gebrauch, besser als der, für den diese Leinwand bestimmt ist, nämlich Solchen zu dienen, deren Lebenslicht mit dem Erlöschen bedroht ist.

Das Kind begann in dieser Zeit etwas Holländisch und etwas Deutsch sprechen zu lernen, und die beiden Frauen ertheilten ihm den Unterricht so eifrig und vortrefflich, daß bald sein Deutsch äußerst holländisch und sein Holländisch äußerst deutsch klang, was manchen Anlaß zum Lachen gab.

Mit leiser, längst auf dem Herzen getragener Frage wandte sich in dieser traulichen Stunde, und indem sie mit wahrhaft mütterlichem Wohlgefallen auf die Kleine blickte, Frau Windt an Angés: Sie wollten mir immer von dem schönen Kinde erzählen, meine Beste! Heute hätten wir Zeit; es ist außen einmal etwas ruhig; mein Mann ist nach Arnhem geritten, halb in Geschäften und halb aus Neugierde, um den Grafen von Artois zu sehen, den Mann, der sich für den künftigen König von Frankreich hält, aber nichts thut, sein Königreich wieder zu gewinnen. Er wohnt als Gast auf der Sip, einem Gute des Herrn von Brantsen, nur ein halbes Stündchen von Arnhem, und ist umgeben von einem kleinen Kreise Emigranten, welche alle denken wie der Herr Graf von Artois, und ihr Königthum in Gedanken mit sich herumtragen, wie die Juden ihre Bundeslade auf der Reise durch die Wüste. Der Herzog von York hat gestern beim Grafen von Artois gespeist; auf dem Park wohnt der Prinz Louis von Rohan; gestern ist auch der Kurfürst von Köln in Arnhem angekommen, und der tapfere und berühmte Kriegsheld Graf von Clairfait. Man spricht davon, daß das Hauptquartier der verbündeten niederländischen und holländischen Armee nach Arnhem gelegt werden soll.

Ein flüchtiges Roth flog auf Angés zarte Wangen bei einem der Namen, welche Frau Windt ihr nannte, diese bemerkte dasselbe aber kaum, oder schob es auf Rechnung ihrer Aufforderung an die junge Freundin, ihr Etwas mitzutheilen, was Angés bisher immer mitAengstlichkeit zu verhüllen gesucht hatte. Wenn aber Angés erwog, welche große Ansprüche auf Dank sich Windt und dessen gutmüthige und liebevolle Frau um sie verdienten, welch ein trauliches und gewiß auch sicheres Asyl sich ihr, der Heimathlosen und Flüchtigen, in Doorwerth erschlossen, und endlich, wie wenig eine Mittheilung an diese Freundin, welche wohl kaum deren Schicksal weit über die Grenzen Gelderns und höchstens wieder einmal in die ostfriesischen und oldenburgischen Gefilde führen werde, irgend ihr oder dem Kinde dereinst Schaden bringen könnte, zumal wenn sie jeden Namen sorglich verschweige, so hielt sie sich nicht nur für berechtigt, sondern sogar durch Dankbarkeit verpflichtet, in etwas dem Wunsche der älteren Freundin nachzugeben. Sie begann daher, wenn auch nicht ganz ohne Zagen:

Was Sie zu erfahren wünschen, beste Frau Windt, und was ich selbst weiß und sagen darf, sollen Sie erfahren. Ein junger, schöner und höchst liebenswürdiger Prinz aus einem sehr vornehmen Hause faßte eine glühende Neigung zu einer Prinzessin, die nur wenige Jahre älter ist als er selbst, und einer Familie entstammt ist, in welcher die Leidenschaft der Liebe stets ein vorwaltender Charakterzug der Träger ihres Namens war. Vorbedeutungsvoll ist auch jener Prinz gleich nach seiner Geburt durch Feuer und Flammen gegangen. Ihn wie seine heimlich angebetete Geliebte trieb die Revolution aus ihrem beiderseitigen Vaterlande, dem schönen Frankreich, hinweg, und die Einsamkeit eines verborgenen Zufluchtsortes nährte die wachsende Flammengluth der jungen stürmischen Herzen und riß sie völlig hin.

Nichts hätte unter andern Verhältnissen den gegenseitig Ebenbürtigen im Wege gestanden, sich mit einander zu vermählen, aber die Zeit des Jahres siebenzehnhundertundneunzig war nicht günstig für Freuden und Hochzeiten der armen Flüchtlinge; war es doch erst kaum ein Jahr, daß der Graf von Artois, dessen Sie, beste Frau Windt, vorhin erwähnten, wie auch die Prinzen Condé, Broglio, Bretueil und auch die Polignac’s ihr Vaterland gemieden hatten; man vernichtete, das heißt man hob in Frankreich alle Vorrechte der Geburt und des Standes auf, und es war kaum zu wagen, an eine Rückkehr in das geliebte Vaterland, oder an eine Rückkehr der alten Ordnung zu denken. Der junge Prinz, welcher bisher mehrere Reisen gemacht hatte, von denen er immer wieder an den Ort seiner verborgenenLiebe zurückkehrte sah sich veranlaßt, zu dem Heere zu gehen, das die Bestimmung hatte, die verlorene Heimath mit Gewalt der Waffen wieder zu erobern.

Die Bestimmung – ja – aber nicht Macht, nicht Muth genug! warf Frau Windt ein.

Niemand ahnete die Folgen der glühenden Liebe des Prinzen und der Prinzessin, fuhr Angés fort. Der geheime und gutgewählte Zufluchtsort auf deutschem Boden, auf dem Boden meines Vaterlandes, half die Verborgenheit sichern, doch bedurfte die Prinzessin mindestenseinerganz vertrauten Person, um ihr Geheimniß tragen zu helfen; zu dieser Vertrauten wurde meine Mutter erkoren. Es ist mir noch, als ob es vor wenigen Tagen geschehen sei, so lebhaft erinnere ich mich daran, wie eines Abends in der Dämmerung – ich war noch ein ganz junges Mädchen und saß mit Leonardus in der Rebenlaube vor unserm Hause im zärtlichen kosenden Gespräche – eine verschleierte Dame bei uns eintrat, von jugendlicher Haltung und schönem Wuchs, und mit einer zarten, außerordentlich wohlklingenden Stimme und im reinsten Französisch nach meiner Mutter fragte. Ich verließ Leonardus und geleitete die Fremde zur Mutter, es fiel mir dieser Besuch gar nicht auf, weil meine Mutter vor ihrer Verheirathung mit meinem Vater in Paris gelebt und in einem hochangesehenen Hause in einem gewissen dienstlichen Verhältniß gestanden hatte. Die Fremde schlug ihren Schleier nicht zurück und fragte meine Mutter, ob sie dieselbe nicht ohne Zeugen sprechen könne, worauf ich mich sogleich zurückzog, und nur noch auf dem Vorsaal meine Mutter in jenem Zimmer laut ausrufen hörte:O ciel! O ma très chère gracieuse Princesse!– Ich eilte, weit entfernt horchen zu wollen, schnell zu meinem in der Laube harrenden Geliebten zurück, und dachte kaum noch an die Fremde, so sehr beschäftigt ein junges Mädchen seine Liebe und das Glück, den geliebten Gegenstand sich nahe zu wissen, bis erstere wieder aus dem Hause trat und von meiner Mutter unter ehrerbietigen Verbeugungen schied, ohne daß beide dabei ein Wort wechselten. Meine Mutter weihte meinen Vater in das Geheimniß ein, und endlich mit großer Vorsicht auch mich, das heißt, sie sagte mir nur, was sie für mich nöthig hielt, von der Sache zu wissen, weil auf meine Hülfe Rechnung gemacht werden mußte, um nicht annoch andere Personen das Geheimniß hinzugeben. Ich hatte so ziemlich die Größe der fremden Dame, von welcher ich vorerst nur erfuhr, daß sie die Tochter einer Freundin meiner Mutter sei, daß sie Paris in Folge der Revolution gleich Andern verlassen habe, und daß sie wohl nach einiger Zeit wieder kommen, und eine Zeit lang bei uns wohnen würde, doch solle davon nicht gesprochen werden. Es wurde ein von der Straße ganz entlegenes stilles Zimmer unseres Hauses eingerichtet, um einen weiblichen Besuch aufzunehmen; ich erhielt einige neue Kleider und die Weisung, bisweilen und nach und nach bei Ausgängen verschleiert zu gehen, so daß die Einwohnerschaft gewohnt werde, mich so zu sehen. Ein neues Dienstmädchen vom Lande wurde angenommen, welches an der französischen Grenze bereits gedient hatte und ganz hübsch Französisch sprach. Der Name dieser Dienerin war Sophie Botta; ihr Geburtsort hieß Westbacherhof, vier Stunden von Kaiserslautern. Am Tage des Abgangs ihrer Vorgängerin und Sophiens Antritt fuhr meine Mutter mit mir nach dem unserer Stadt ganz nahen Dörfchen Ixheim, einem Vergnügungsort der Zweibrückner vornehmen Welt, und hatte mir vorher genau meinen Anzug bestimmt. Dort fanden wir jene fremde Dame, die Prinzessin, ohne alle Begleitung, und zwar genau so gekleidet wie ich. Diese junge Dame sehen und sie liebgewinnen, war bei mir die Wirkung jenes Augenblicks, als ich sie ohne Schleier sah; welche Huld, welche Güte, welche süße Verwirrung und Scham strahlte aus diesen himmlischen dunkeln Augen, voll eines Feuers, das nur durch unendliche Sanftmuth gemildert war, die über ihr ganzes Wesen sich ergoß! – Diese Dame, sagte meine Mutter zu mir nach den ersten Begrüßungen und dem Anknüpfen der Bekanntschaft, wird statt deiner mit mir zurückfahren, liebe Angés, und du wirst dann die kleine Wegstrecke als angenehmen Spaziergang zurücklegen. Dabei bezeichnete sie mir die Straßen, durch welche ich gehen solle, und meinen Weg in das elterliche Haus durch unsern an dessen Hintergebäude angrenzenden Garten, zu dessen Thüre sie mir den Schlüssel behändigte. Es wurde mir nun klar, daß die Fremde mit mir nureinePerson darstellen sollte, sie kehrte mit der Mutter verschleiert als deren Tochter Angés nach Hause zurück, ich kam in der Abenddämmerung durch das Hinterpförtchen in das Haus, und konnte durch eine Treppe im Hofe alsbald in das obere Stockwerkgelangen. Dieser Plan war außerordentlich leicht auszuführen, und wurde auch eben so leicht ausgeführt. Das neue Dienstmädchen fand bei seinem Antritt die Dame, ohne zu wissen, ob sie zum Hause gehörte, oder nicht? Es bediente daher dieselbe mit gleicher Treue, wie meine Mutter und mich.

Frau Windt hörte Angés Erzählung mit wachsendem Erstaunen an, und unterbrach dieselbe nur, um für einige Herzstärkungen zu sorgen, die ihr, der eingebornen und nicht mehr jungen Niederländerin, ungleich mehr Bedürfnis waren, als Angés. Dann aber drängte die gute Holländerin um die Fortsetzung der ihren ganzen Antheil lebhaft erregenden Erzählung.

Nach einiger Zeit, fuhr Angés erglühend und fast flüsternd fort: gebar die fremde bei uns wohnende Dame dieses schöne Kind. DieSage-femmewurde durch Geld schweigsam gemacht, unsere Sophie mußte zum Schein krank werden, das heißt, sie mußte die hohe Wöchnerin auf das Sorgsamste warten und pflegen und ein anderes Mädchen versah indeß ihre Stelle. Die guten Zweibrückner hörten zwar und glossirten nach deutscher Kleinstädter Weise das Ereigniß, daß unsere junge Dienerin ziemlich bald ein Gastgeschenk in unser Haus gebracht, vor dem sich in der Regel Jedermann zu bedanken pflegt, indeß war man so gütig, meine rechtlichen Aeltern und auch mich dabei zu bedauern, die man frisch und munter und jetzt wohlweislich ohne Schleier täglich auf der Straße gehen sah, und war ferner so gütig, die Schuld einem meiner Brüder in die Schuhe zu schieben. Auch dieses Reden wäre zu vermeiden gewesen, wenn man das Kind zeitig aus dem Hause gebracht hätte, aber dagegen widersetzte sich die junge Mutter, und da das Kind getauft werden mußte, so ließ sich diese Handlung nicht außer dem Hause vornehmen. Ein schönes Stück Geld bewog leicht die junge Dienerin, ihren Namen herzuleihen, und so wurde das Kind nach seiner angeblichen Mutter, der kleinen französisch plaudernden Westbacherhoferin Sophie Charlotte Botta getauft, und die große Sophie verließ dann reichlich belohnt und mit zugesichertem Wiedereintritt nach einiger Zeit, der guten Sitten halber, mein elterliches Haus.

Nun wissen Sie, beste Frau Windt, wie sehr es in unserer weiblichen Natur liegt, daß wir uns zu kleinen Kindern hingezogen fühlen, besonders wenn sie hübsch und wenn sie hülflos sind. Mein liebesehnsüchtigesHerz, das seinen Gegenstand entbehrte, wandte die ganze Fülle seiner Gefühle diesem Kinde zu und dessen junge Mutter gewahrte dies mit hohem Entzücken.

O Angés! sprach sie einstens zu mir: wie engelgut Sie sind, wie Sie mein Kind lieben! Dies kann ich nie vergelten, wie auch nie Ihrer Frau Mutter deren unendliche Güte. Ach, schon zerreißt der Gedanke an Trennung von dem Kinde mir das Herz, und doch muß, muß, muß ich von ihm scheiden! Einst, ich flehe das von Gott, wird es seine Mutter wieder sehen, wird sie kennen lernen und von aller Welt anerkannt, sich nie wieder von ihr trennen, wie auch nie von seinem herrlichen Vater! O Henri, o mein Henri!

Ich ward ganz hingerissen von der Liebe und dem Schmerz der schönen Prinzessin, bedeckte in ihrer Gegenwart ihr Kind mit Küssen und rief mit einem flammenden Entschlusse: Darf und soll dieses holde, süße, unschuldige kleine Wesen bei uns bleiben, so weihe ich mich ihm zur treuesten Pflegerin, die es auf Erden finden kann! So schwöre ich Ihnen.

Schwören Sie nicht, edles Mädchen, unterbrach mich die Prinzessin. Sie fühlen jetzt so schön und groß! Wird dies Gefühl Dauer haben können? Sie sind jung, auch Sie lieben, Sie werden sich vermählen, eigene Kinder werden dies fremde Kind von Ihren Armen hinweg, aus Ihrem Herzen drängen. Rasch sind Gelübde gethan, schwer, oft unendlich schwer sind sie zu erfüllen und dauernd zu halten.

Ich weiß, welche Pflicht ich übernehme! entgegnete ich der Prinzessin. Nie will ich von diesem Kinde mich trennen, wie meinen Augapfel will ich es hüten und bewachen, und zwar so lange, bis Höchstsie selbst oder von Ihnen Beauftragte es von mir fordern werden.

Die Prinzessin umarmte mich unter Thränen; nie vergesse ich den rührenden Anblick dieser unglücklichen und durch ihr Kind doch so glücklichen jungen Mutter. Welchen Lohn, rief sie schluchzend aus: welchen Lohn darf ich Ihnen bieten, der würdig wäre der Größe meines Dankgefühls?

Einen Lohn, Prinzessin? rief ich bestürzt aus. Welchen Lohnes wäre ich bedürftig? Keines anderen als Ihrer Liebe!

Es wurde nun Alles ernst und ruhig unter Zuziehung des Beirathes meiner Mutter besprochen. Das Kind sollte von mir aufgezogenwerden, vorerst vor allen Augen unberufener Neugier geborgen; unser an das Haus anstoßender Garten war geräumig genug, ihm die Wohlthat frischer Luft täglich zu gönnen, auch war das Kind völlig gesund. Unter geheimen Aufschriften wurden die Orte bestimmt, wohin allwöchentlich Nachricht von seinem Befinden gegeben werden sollte, auch ward verabredet, der Kleinen ein Zeichen einzuätzen, daran die Mutter oder der Vater sie erkennen könnten, und als das einfachste Zeichen solcher Art schlug ich vor, die Anfangsbuchstaben ihres Namens S. C. B. zu wählen. Die Prinzessin schüttelte erst mit dem Kopf, als wolle sie meinen Vorschlag verwerfen – augenscheinlich mißfiel ihr der bäurische Name – mit einemmale aber überstrahlte Freude ihr Gesicht, als sie ein wenig nachgesonnen hatte, und sie rief: Ja, theure Angés, nicht anders, nicht anders, als S. C. B.! Das muß ja nicht Botta heißen? Nicht wahr? O, es kann ganz anders heißen! C–B– ja, so ist es recht, so sei es! Wohl kann es anders heißen, es kann Namen bedeuten, denen nicht viele gleichstehen auf Erden an Glanz und Hoheit, Alter und Ehre, wenn sie auch die Zeit, gewiß nicht für immer, verdunkelt hat und eine blutrothe Wolke vor jene große Sonne getreten ist.

Voll Verwunderung hörte Frau Windt diese Mittheilung an; mit einer gewissen scheuen Ehrfurcht blickte sie auf das Kind, das da neben ihr im kleinen Stübchen unbefangen und in holder Unschuld saß und Charpie zupfte, vielleicht für die Wunden eines Kriegers, der dem Vater dieses Kindes und seiner Mutter die Rückkehr in das heißgeliebte Vaterland erkämpfen helfen wollte. Thränen der Rührung traten in die Augen der freundlichen Frau, als ihr fragender Blick auf Angés fiel, denn Frau Windt erging es wie Faust’s Famulus bei Goethe: sie wußte nun viel, doch mochte sie gern vollends Alles wissen. Angés fuhr fort:

Noch kein Jahr war das Kind bei uns in heimlicher Pflege, und mein einziges Glück, meine liebste Zerstreuung; sein Lächeln war Balsam auf mein trauerndes Herz, da ich mich von Leonardus treulos verlassen glaubte, da kam die neue Bekanntschaft, mit ihr mein Unglück. Von allen Seiten wurde ich bestürmt, ich willigte endlich ein, doch nur unter der Bedingung, daß ich nicht von dem Kinde mich trennen müsse. Meine Mutter fragte brieflich an, schilderte alles treulich,doch theilte sie der Prinzessin nur mit, daß ich mich verheirathen würde und fest entschlossen sei, das Kind als mein eigenes mit mir zu nehmen – und so willigte diese denn ein, sandte reiche Geschenke und eine nicht unbedeutende Geldsumme zur Verpflegung des Kindes und Bestreitung aller seiner Bedürfnisse. Oh, sie hat mir auch nicht wenige Sorge gemacht, die kleine liebe Sophie, sie hat zweimal an Kinderkrankheiten darniedergelegen, doch mein brünstiges Gebet für ihre Erhaltung wurde erhört, auch aus der größten Noth half Gottes allmächtige Hand, der ich nun hier in stiller Demuth vertraue, und hoffe, daß er das Kind und mich wieder glücklich nach der Heimath führen und geleiten werde. Dann werden Sie, beste Frau Windt, schloß Angés mit lieblichem Lächeln: die lange getragene Doppellast los.

Sie waren und sind mir in Wahrheit keine Last, gute Angés! versetzte Frau Windt. Bleiben Sie bei Ihrem Gottvertrauen, denn Gottes Rath ist wunderbarlich und führet es herrlich hinaus.


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