Ich sammle noch mein Fürst, die letzte Kraft,Um dich als Freund und Unterthan zu segnen ——Ich sterbe ——
Ich sammle noch mein Fürst, die letzte Kraft,
Um dich als Freund und Unterthan zu segnen ——
Ich sterbe ——
Edu.
Sey verflucht du Mörderschwert.Mein Freund, Du stirbst, ich habe Dich getödtet!Vergieb mir Theuerster, wenn du vergeben kannst.Ich bin dein Mörder, ich, der Dir das Leben dankt.O Undank, schwarze That! Nein, keine Reue tilgtVerbrechen aus, die unser Herz entehren.Ich will dein Rächer seyn, ich selbst will mich bestrafen,Und deine Wunde Freund, mit meinem Tode rächen!
Sey verflucht du Mörderschwert.
Mein Freund, Du stirbst, ich habe Dich getödtet!
Vergieb mir Theuerster, wenn du vergeben kannst.
Ich bin dein Mörder, ich, der Dir das Leben dankt.
O Undank, schwarze That! Nein, keine Reue tilgt
Verbrechen aus, die unser Herz entehren.
Ich will dein Rächer seyn, ich selbst will mich bestrafen,
Und deine Wunde Freund, mit meinem Tode rächen!
(Er faßt den blutigen Degen, um sich zu durchbohren. Marsis sammelt die letzten Kräfte, und entreißt ihm das Schwert.)
Mars.
Halt ein, die Thränen sind mir theurer als dein Blut!Die Thräne, die mein Mund begierig trinkt,Verwäscht die kleine That, die schon vergessen ist.Ich sterbe froh, wenn dich mein Tod belehrt.O kehre schnell zurück, und such die edlen Gleise,Die deine Tugend stäts mit kühnem Fuß betrat.Erwähl die Menschlichkeit zur Zierde deines Thrones.Bereue jeden Tag, den keine grosse That,Die deiner würdig ist, dir schätzbar macht.Die Güte muß aus jeder Handlung blicken.Streck deine milde Hand auf Waisen aus,Und lächle sanft der armen Wittwe zu.Erheb die Künste hoch, ermuntre Wissenschaften.Sey wie ein Gott durch lauter Gnaden groß.Dann ist mein Blut bezahlt, dann fließt noch SegenAus meinem Grab auf Dich! Du wirst geliebt,Als Mensch geliebt, und angebetet seyn.Der gute Rath, der mir vom Herzen strömt,Soll mein Vermächtniß seyn! Nimm hin mein Lebewohl.Wie heiter, und wie froh ist meine Sterbescene.Ich nehme Freund, die süsse Hofnung mit,Mein Vaterland durch dich beglückt zu sehn.Dieß ist mein Abschiedsgruß. Lebt wohl ihr Bürger!Ihr Staaten lebet wohl, die meine Jugend sah!Der letzte Schauer naht —— Mein Blut erstarrt ——Auf! — Höher Geist! — Zu Gott! — Zu Gott! — Ich sterbe ——
Halt ein, die Thränen sind mir theurer als dein Blut!
Die Thräne, die mein Mund begierig trinkt,
Verwäscht die kleine That, die schon vergessen ist.
Ich sterbe froh, wenn dich mein Tod belehrt.
O kehre schnell zurück, und such die edlen Gleise,
Die deine Tugend stäts mit kühnem Fuß betrat.
Erwähl die Menschlichkeit zur Zierde deines Thrones.
Bereue jeden Tag, den keine grosse That,
Die deiner würdig ist, dir schätzbar macht.
Die Güte muß aus jeder Handlung blicken.
Streck deine milde Hand auf Waisen aus,
Und lächle sanft der armen Wittwe zu.
Erheb die Künste hoch, ermuntre Wissenschaften.
Sey wie ein Gott durch lauter Gnaden groß.
Dann ist mein Blut bezahlt, dann fließt noch Segen
Aus meinem Grab auf Dich! Du wirst geliebt,
Als Mensch geliebt, und angebetet seyn.
Der gute Rath, der mir vom Herzen strömt,
Soll mein Vermächtniß seyn! Nimm hin mein Lebewohl.
Wie heiter, und wie froh ist meine Sterbescene.
Ich nehme Freund, die süsse Hofnung mit,
Mein Vaterland durch dich beglückt zu sehn.
Dieß ist mein Abschiedsgruß. Lebt wohl ihr Bürger!
Ihr Staaten lebet wohl, die meine Jugend sah!
Der letzte Schauer naht —— Mein Blut erstarrt ——
Auf! — Höher Geist! — Zu Gott! — Zu Gott! — Ich sterbe ——
Edu.
Es ist geschehn! —— O That! O schöne That!Er segnet mich, und lehret seinen Mörder!Der edle Glanz von seiner Tugend stralt,Und schleudert mich herab von meiner Höhe!Wie häßlich schein ich mir! Wie bin ich schwarz!Gebrandmarkt ist die Hand von seinem Blute.Ein jedes Laster steht izt vor mir auf,Und klagt mich an; bang zittert mein Gewissen.Kehr wieder theurer Freund, O komm zurück!Von deinem Aug ein Blick bringt Leben in mein Herz.Ich fühle nichts als Sturm; mein Busen kocht;Wo soll ich Trost, wo soll ich Hülfe suchen?Im Grabe nur allein will ich vergessen,Daß ich ein Mörder bin, der seine Freunde würgt.
Es ist geschehn! —— O That! O schöne That!
Er segnet mich, und lehret seinen Mörder!
Der edle Glanz von seiner Tugend stralt,
Und schleudert mich herab von meiner Höhe!
Wie häßlich schein ich mir! Wie bin ich schwarz!
Gebrandmarkt ist die Hand von seinem Blute.
Ein jedes Laster steht izt vor mir auf,
Und klagt mich an; bang zittert mein Gewissen.
Kehr wieder theurer Freund, O komm zurück!
Von deinem Aug ein Blick bringt Leben in mein Herz.
Ich fühle nichts als Sturm; mein Busen kocht;
Wo soll ich Trost, wo soll ich Hülfe suchen?
Im Grabe nur allein will ich vergessen,
Daß ich ein Mörder bin, der seine Freunde würgt.
(Er sucht das Schwerdt; Die Höflinge halten ihn ab.)
Laßt mich! Zurück! Ich muß mit Marsis sterben!
Laßt mich! Zurück! Ich muß mit Marsis sterben!
(Indem er entkräftet auf die Leiche sinkt.)
Dieß sey der letzte Kuß, den mir dein blasser MundZum Labsal giebt! Verzeih! Vergieb o Freund!Die Thränen waschen Dich! Sieh meine Reue;Nie soll ein Lächeln mehr die Stirne heitern!Die schwarze Nacht des Grabes soll mich decken,Und unbeweint will ich vergessen seyn!
Dieß sey der letzte Kuß, den mir dein blasser Mund
Zum Labsal giebt! Verzeih! Vergieb o Freund!
Die Thränen waschen Dich! Sieh meine Reue;
Nie soll ein Lächeln mehr die Stirne heitern!
Die schwarze Nacht des Grabes soll mich decken,
Und unbeweint will ich vergessen seyn!
(Man schleppt ihn gewaltthätig von der Leiche.)
(Lusian, indem er einem Höfling nachschreyt.)
Er hat den edlen Marsis getödtet, sagst du? —— Bravo!(Er schlägt in die Hände)Bravo Eure Majestät! —— Bravo Meister Eduard! —— Eine Säule von deiner Universalmonarchie hast du selbst wie ein zweyter Samson eingestürzt, das Dach fällt sicher auf dich, und zermalmet dich und deine Schmäuchler! —— Gute Nacht wackerer Marsis!(lacht bitter)Das ist der Dank für so viele Dienste! Sechzig Schlachten hat er mit gefochten; sechzigmal hat er für dich geblutet, undankbarer König! —— Soll man diesen gekrönten Ungeheuern dienen? —— O wenn ich izt — Mäßige dich Lusian! —— Hinunter steigende Galle! —— Laß den Verstand siegen! Fort aus diesem Raubneste, wo die Tugend stirbt! —— He Dibald! Sattle mein schnellstes Pferd! —— Ich will fliegen! Wenn ich nur Flügel hätte —— Eduard mag seine unendlichen Kriege selbst ausfechten. Er hat ein hübsches Stück Arbeit! —— Hahaha! Kein Lebewohl von ihm! Ich hasse die Eroberer —— Fort! Leb wohl du armes Volk —— lebt wohl Freunde! —— Mein Hohngelächter über Euch verächtlichen Hofschurken!
Flieh Satyr fern von mir, du bist ein loser Bube!Wie oft jagt ich dich schon aus meiner Stube!Du schleichst dich immer wieder ein,Und spielest mir am Hofe tolle Streiche.Izt soll der Schluß von unsrer Freundschaft seyn,Weil ich nicht lange mehr im Staube keuche;Von Städtern fern, und fern von DirWill ich mir dort in stillen BuchenDen ächten Busenfreund, Horazens Nachbar suchen;Der lacht und scherzt mit mir,Nicht so wie wir aus weiter Kehle lachten,Wenn wir uns beide lustig machten.Wie oft durchwühlten wir das grosse Narrenhaus,Und zischten die Bewohner aus!Zuerst bespähten wir die grossen Staatsperücken,Und fanden selten ein Gehirn.Dann prüften wir des Höflings hohe Stirn,Und schätzten sie viel kleiner als die Mücken.Bey Fräulein suchten wir die keusche Jungferschaft,Allein sie wohnt nicht mehr in Gold und Taft;Wie morsch und wie verwelkt sind ihre Herzen!Mit Weibern pflegten wir zu scherzen;Wir haben sie ein bischen ausgehöhnt,Weil jede gern den theuren Gatten krönt;Sonst sind sie leidliche Geschöpfe.Dann spürten wir um die gelehrten Köpfe,Allein wir fanden Rauch und Wind.Die Schmäuchler, die am Hofe häufig sind,Verdienen sicher ein Gelächter,Denn sie vergöttern oft den reichen Pächter;Ein goldner Pavian scheint ihnen wie ein Gott.Sie fühlten auch Herr Bruder, unsern Spott.Die Kriecher wurden nicht verschonet;Die Gleißner auch mit Streichen reich belohnet.Mit einem Wort ich prüfte jeden Stand;Es ist gewiß das ganze hübsche LandNichts weiter als des Tespis Karren,Und stolz im HarlekinsgewandSpielt jeder seinen Lieblingsnarren.Izt bin ich endlich ihrer satt.Ich hasse diese Schellenkappen.Ich fliehe gähnend Hof und Stadt,Und suche Menschen ohne Wappen.Vielleicht schmückt die Natur das Land.Ich wünsche Mutterwitz, natürlichen Verstand;Ein gutes Herz, und reine SittenFind ich vielleicht in kleinen Hütten;Und hab ich das, was brauch ich mehr?Ich schliesse ruhig meine Tage.Dieß ist, was ich mein Faun, dir sage!Dieß merk, sonst sprech ich deutlicher.Zu Zeiten will ich deiner noch gedenken,Und unsrer Freundschaft Blicke schenken;Mehr aber Satyr fodre nicht,Man macht sich Feinde, wenn man sticht.
Flieh Satyr fern von mir, du bist ein loser Bube!
Wie oft jagt ich dich schon aus meiner Stube!
Du schleichst dich immer wieder ein,
Und spielest mir am Hofe tolle Streiche.
Izt soll der Schluß von unsrer Freundschaft seyn,
Weil ich nicht lange mehr im Staube keuche;
Von Städtern fern, und fern von Dir
Will ich mir dort in stillen Buchen
Den ächten Busenfreund, Horazens Nachbar suchen;
Der lacht und scherzt mit mir,
Nicht so wie wir aus weiter Kehle lachten,
Wenn wir uns beide lustig machten.
Wie oft durchwühlten wir das grosse Narrenhaus,
Und zischten die Bewohner aus!
Zuerst bespähten wir die grossen Staatsperücken,
Und fanden selten ein Gehirn.
Dann prüften wir des Höflings hohe Stirn,
Und schätzten sie viel kleiner als die Mücken.
Bey Fräulein suchten wir die keusche Jungferschaft,
Allein sie wohnt nicht mehr in Gold und Taft;
Wie morsch und wie verwelkt sind ihre Herzen!
Mit Weibern pflegten wir zu scherzen;
Wir haben sie ein bischen ausgehöhnt,
Weil jede gern den theuren Gatten krönt;
Sonst sind sie leidliche Geschöpfe.
Dann spürten wir um die gelehrten Köpfe,
Allein wir fanden Rauch und Wind.
Die Schmäuchler, die am Hofe häufig sind,
Verdienen sicher ein Gelächter,
Denn sie vergöttern oft den reichen Pächter;
Ein goldner Pavian scheint ihnen wie ein Gott.
Sie fühlten auch Herr Bruder, unsern Spott.
Die Kriecher wurden nicht verschonet;
Die Gleißner auch mit Streichen reich belohnet.
Mit einem Wort ich prüfte jeden Stand;
Es ist gewiß das ganze hübsche Land
Nichts weiter als des Tespis Karren,
Und stolz im Harlekinsgewand
Spielt jeder seinen Lieblingsnarren.
Izt bin ich endlich ihrer satt.
Ich hasse diese Schellenkappen.
Ich fliehe gähnend Hof und Stadt,
Und suche Menschen ohne Wappen.
Vielleicht schmückt die Natur das Land.
Ich wünsche Mutterwitz, natürlichen Verstand;
Ein gutes Herz, und reine Sitten
Find ich vielleicht in kleinen Hütten;
Und hab ich das, was brauch ich mehr?
Ich schliesse ruhig meine Tage.
Dieß ist, was ich mein Faun, dir sage!
Dieß merk, sonst sprech ich deutlicher.
Zu Zeiten will ich deiner noch gedenken,
Und unsrer Freundschaft Blicke schenken;
Mehr aber Satyr fodre nicht,
Man macht sich Feinde, wenn man sticht.
(Der Schauplatz ist ein Schlachtfeld. In der Ferne sieht man das verschanzte Lager der Feinde. In der Ebne liegen die Todten und Verwundeten. Waffen, Pferde, und Leichen sind aufeinander gethürmet. Von allen Seiten fliehen die Schaaren Eduards. Panisches Schrecken verscheucht sie. Eduard erscheint mit fliegenden Haaren und mit blutigem Schwert in der Hand. Donner rollen, Blitze leuchten; ein fürchterliches Ungewitter wütet. Aus den feindlichen Wällen tönen Stückschüsse. Es ist Mitternacht.)
Edu.Ihr feigen Memmen! Wo eilt ihr hin? Zurück! Wider die Feinde! Ich bin Eduard, euer König! —— Fechtet! —— Folget mir nach! Ihr verzagten, wo fliehet ihr hin?
Ein Hauptmann.Unsere Kräfte erliegen, die Feinde sind unüberwindlich ——
Edu.Sklave stirb!(Er schleudert ihn zu Boden). Zur Schlacht, zum Gefechte! Hieher! —— Alles flieht, alles verläßtmich! Tod und Verderben! Ich muß siegen! Ich muß die Feinde tödten! Ich will allein fechten!
(Ein königlicher Schatten mit einem Heere von Geistern in einer majestätischen Schlachtordnung erscheinet. Eduard erstarrt, und steht wie eine Bildsäule mit gesträubtem Haare, und mit dräuendem Schwert.)[19]
Edu.Welche Gespenster erblicken meine Augen? —— Himmel und Hölle wafnet sich wider mich! —— Ich bin besiegt, mein Glück sinkt, aus meinen Händen fallen die Zepter, und die Kronen entstürzen meinem Haupte! Entsetzen!
Der k. Schat.
Sieh an die Opfer deiner Wuth!Wie lang wird noch dein Ehrgeiz wüten?Wie lange trinkest Du noch Menschenblut?Die Rache folget deinen Schritten!Du bist zur Strafe schon gereift.Die Hand des Winters, die den Baum entblättert,Hat auch dein kahles Haupt gestreift.Bald wird die hohe Stirn zerschmettert!Die weise Vorsicht wiegtMit unbestochener furchtbarer WaageDie Thaten aller deiner Tage!Erwach! Dein Traum entfliegt!
Sieh an die Opfer deiner Wuth!
Wie lang wird noch dein Ehrgeiz wüten?
Wie lange trinkest Du noch Menschenblut?
Die Rache folget deinen Schritten!
Du bist zur Strafe schon gereift.
Die Hand des Winters, die den Baum entblättert,
Hat auch dein kahles Haupt gestreift.
Bald wird die hohe Stirn zerschmettert!
Die weise Vorsicht wiegt
Mit unbestochener furchtbarer Waage
Die Thaten aller deiner Tage!
Erwach! Dein Traum entfliegt!
(Die Geister verschwinden unter Blitz und Donner.)
Edu.
Das Schicksal hemmt den Lauf von meinen Siegen!Ich sollte mich vor meinen Feinden schmiegen?Nein! Eduard mißkennt den Sklaventon!Ich stütze dieses Reich und meinen Thron!Der Himmel mag mit seinen Donnern dräuen;Die schwarze Hölle mag auf mich Gespenster speyen;Ich höhne nur den Schattentroß!Ich zittre nicht, mein Geist bleibt groß!
Das Schicksal hemmt den Lauf von meinen Siegen!
Ich sollte mich vor meinen Feinden schmiegen?
Nein! Eduard mißkennt den Sklaventon!
Ich stütze dieses Reich und meinen Thron!
Der Himmel mag mit seinen Donnern dräuen;
Die schwarze Hölle mag auf mich Gespenster speyen;
Ich höhne nur den Schattentroß!
Ich zittre nicht, mein Geist bleibt groß!
(Er eilt wütend fort.)
Die helikonischen Schwestern besangen die Thaten des Königs.Er sah sich von kriechenden Völkern und Schmäuchlern vergöttert.Könige bebten vor seinem länderzermalmenden Donner.Eilends beschlich der Stolz den eitelkeitliebenden Busen.So wie der heisseste Sommer auf paradiesischen FlurenBlumenverzehrende Heere der wilden Insekten erzeuget;So gebähren die glücklichsten Tage die häßlichsten Laster.Eduard kannte sich nicht mehr, er wurde von Hochmuth begeistert.Wie der donnerkochende Hekla die Gegend verwüstet,Auf die benachbarten Hütten die brennende Lava verspritzet,Und die armen Bewohner der Thäler despotisch verscheuchet;So zerschlug der siegende König die bebenden Bürger.Eiserne Ruthen bestraften sein Volk, und selbsten die Freunde,Die ihr Blut und Leben ihm weihten, enteilten dem Hofe.Ich bin der Herrscher, so rief er, ich gebe der Erde Gesetze;Mein Wink ist heilig, und alles verehret mein göttliches Antlitz.Himmlischbegeisterte Sänger verewigen meine Trophäen,Denn mein Rachschwert hat täglich die tapfersten Feinde gezählet.Durch mich fielen die mächtigsten Heere; mich betet die Welt an!So rief der aufgedunsene Sieger am Morgen und Abend,Und die Ohren der Gottheit wurden vom Frevel beleidigt.Wer ist der Mann vom fürstlichen Saamen, der dort wie die CederBis zu den Wolken die trotzige Stirne mit Kühnheit erhebet?Hat er denn nicht die Krone von Mir, und von Mir den Segen?Hab Ich nicht Völker und Länder in seine Verwaltung gegeben;Hab Ich ihm nicht die goldenen Zepter zu Füssen geworfen?Wie hat dieser Kameleon sich so plözlich verändert!Ich will dem würgenden Parder die zierlichen Flecken verwischen.Ich will dein Horn, du Stolzer zerbrechen, und wieder erniedern!Bald soll dein blühender Lorbeer verwelken, und Schande dich decken!Deine Hände sollen erschlappen, dein Herz soll verzagen;Nicht mehr werden die glänzenden Stralen der Sonne dir leuchten;Ewige Dämmerung soll dein Gedächtniß verwirren, umnebeln!Wohn in stinkenden Gräbern, benetze mit Thränen die LeichenJener unschuldig erwürgten Schlachtopfer der thörichten Ruhmsucht.Ich will in dir den mächtigsten Fürsten ein Beyspiel bereiten!Gabriel, fasse die blutige Sichel, dort reifet die Aernde!So sprach zörnend der Alte der Tage; die rollenden DonnerBrüllten durch die hohen Gewölber des staunenden Himmels.Feyerlich horchte die ganze Natur, und die zitternde SchöpfungAuf die allesbeherrschenden Winke des Gottes der Götter.Und der gehorchende Seraph entflog mit hastigen Schwingen.
Die helikonischen Schwestern besangen die Thaten des Königs.
Er sah sich von kriechenden Völkern und Schmäuchlern vergöttert.
Könige bebten vor seinem länderzermalmenden Donner.
Eilends beschlich der Stolz den eitelkeitliebenden Busen.
So wie der heisseste Sommer auf paradiesischen Fluren
Blumenverzehrende Heere der wilden Insekten erzeuget;
So gebähren die glücklichsten Tage die häßlichsten Laster.
Eduard kannte sich nicht mehr, er wurde von Hochmuth begeistert.
Wie der donnerkochende Hekla die Gegend verwüstet,
Auf die benachbarten Hütten die brennende Lava verspritzet,
Und die armen Bewohner der Thäler despotisch verscheuchet;
So zerschlug der siegende König die bebenden Bürger.
Eiserne Ruthen bestraften sein Volk, und selbsten die Freunde,
Die ihr Blut und Leben ihm weihten, enteilten dem Hofe.
Ich bin der Herrscher, so rief er, ich gebe der Erde Gesetze;
Mein Wink ist heilig, und alles verehret mein göttliches Antlitz.
Himmlischbegeisterte Sänger verewigen meine Trophäen,
Denn mein Rachschwert hat täglich die tapfersten Feinde gezählet.
Durch mich fielen die mächtigsten Heere; mich betet die Welt an!
So rief der aufgedunsene Sieger am Morgen und Abend,
Und die Ohren der Gottheit wurden vom Frevel beleidigt.
Wer ist der Mann vom fürstlichen Saamen, der dort wie die Ceder
Bis zu den Wolken die trotzige Stirne mit Kühnheit erhebet?
Hat er denn nicht die Krone von Mir, und von Mir den Segen?
Hab Ich nicht Völker und Länder in seine Verwaltung gegeben;
Hab Ich ihm nicht die goldenen Zepter zu Füssen geworfen?
Wie hat dieser Kameleon sich so plözlich verändert!
Ich will dem würgenden Parder die zierlichen Flecken verwischen.
Ich will dein Horn, du Stolzer zerbrechen, und wieder erniedern!
Bald soll dein blühender Lorbeer verwelken, und Schande dich decken!
Deine Hände sollen erschlappen, dein Herz soll verzagen;
Nicht mehr werden die glänzenden Stralen der Sonne dir leuchten;
Ewige Dämmerung soll dein Gedächtniß verwirren, umnebeln!
Wohn in stinkenden Gräbern, benetze mit Thränen die Leichen
Jener unschuldig erwürgten Schlachtopfer der thörichten Ruhmsucht.
Ich will in dir den mächtigsten Fürsten ein Beyspiel bereiten!
Gabriel, fasse die blutige Sichel, dort reifet die Aernde!
So sprach zörnend der Alte der Tage; die rollenden Donner
Brüllten durch die hohen Gewölber des staunenden Himmels.
Feyerlich horchte die ganze Natur, und die zitternde Schöpfung
Auf die allesbeherrschenden Winke des Gottes der Götter.
Und der gehorchende Seraph entflog mit hastigen Schwingen.
Noch überdeckten den schlummernden Erdkreis die nächtlichen Schatten;Eduard wälzte sich schlaflos auf goldenem Lager, und webteRiesenentwürfe für kommende Tage der Welt zur Erstaunung.Als der dräuende Herold des Himmels die sichern GemächerMajestätisch betrat, und donnernd den Schläfer begrüßte:Ich will das Nest des himmelhochfliegenden Adlers zerstören!So spricht der große Beherrscher der Schöpfung. Wer bist du Verwägner,Der du so kühne Gewebe von künftigen Planen gebährest?Wisse, du säest nur Wind, und ärndest nur reifes Verderben!Augenblickbettler, was macht dich so stolz? Erzähl mir die Thaten!Kennst du die größten und kleinsten Geschöpfe? Hast du sie erschaffen?Gabst du der glänzenden Sonne Befehle, der Erde zu leuchten;Bist du zu dem geheiligten Buche des Schicksals getreten;Hast du der weisen Natur erstaunliche Wunder ergründet?Wechselt durch deinen allmächtigen Wink der Winter und Sommer;Kannst du der trockenen Erde den segnenden Morgenthau schenken?Oder ist nur dein gröstes Geschäfte die Völker zu tilgen?Geissel des Menschengeschlechtes erwache vom täuschenden Traume!Ich will deinen verfinsterten Augen die Nebel entreissen;Aber dann will ich dich wieder mit ewiger Blindheit bestrafen!Nur die Erstlinge deiner Regierung sind Opfer der Tugend.Du hast die Wege der Demuth verlassen; aus Undank vergessen,Wer die Kronen Euch Sterblichen giebt, und wieder entreisset.Du gabst die Ehre dir selbsten, die nur der Gottheit gehöret,Welche dich aus dem mindesten Staube so gütig erhöht hat;Eben die Gottheit schleudert dich wieder zum Staube zurücke!Du sollst irren in Wäldern, und häßliche Höhlen bewohnen!Wenige Stunden sind dir noch zur Reue, zu Thränen geschenket.Trage die Strafe geduldig, und nütze die goldnen Minuten,Vielleicht kannst du durch Zähren und Demuth die Allmacht entwafnen,Doch izt trinke den Kelch der Rache bis auf die Hefen!So sprach der Bothe des Himmels, und flog durch die schwarzen Gemächer,Und er betäubte das Ohr des niedergedonnerten Fürsten.Gnade! So rief er, indem er mit Zittern dem Lager entstürzte,Und im Staube demüthig sich wälzte, Herr, schenk mir Erbarmung!Sieh, ich bin schon zu Boden geschleudert, gerichtet, verworfen!Selbst der Schatten der vorigen Grösse wird von mir verschwinden.Meine Palläste sind öde, die goldnen Kronen zersplittern;Meine stockenden Nerven erschlappen, der Busen verwelket;Hangende Wolken lassen sich nieder auf meinem Gehirne!Wer bin ich izt, wo wandelt mein Fuß, wo find ich die Ruhe?Hülfe! Höret mich niemand? Bin ich von Himmel und ErdeGrausam verlassen? So rief er betäubt, und stürzte zur Pforte,Irrte durch Wälder, und Gräber, und ward den Verbrechern zum Schrecken.Nur in seltnen Minuten gab ihm das Schicksal die Ruhe;Seine Vernunft erwachte zu Zeiten, das Elend zu fühlen,Und nieversiegende Thränen benezten die sterbenden Augen.
Noch überdeckten den schlummernden Erdkreis die nächtlichen Schatten;
Eduard wälzte sich schlaflos auf goldenem Lager, und webte
Riesenentwürfe für kommende Tage der Welt zur Erstaunung.
Als der dräuende Herold des Himmels die sichern Gemächer
Majestätisch betrat, und donnernd den Schläfer begrüßte:
Ich will das Nest des himmelhochfliegenden Adlers zerstören!
So spricht der große Beherrscher der Schöpfung. Wer bist du Verwägner,
Der du so kühne Gewebe von künftigen Planen gebährest?
Wisse, du säest nur Wind, und ärndest nur reifes Verderben!
Augenblickbettler, was macht dich so stolz? Erzähl mir die Thaten!
Kennst du die größten und kleinsten Geschöpfe? Hast du sie erschaffen?
Gabst du der glänzenden Sonne Befehle, der Erde zu leuchten;
Bist du zu dem geheiligten Buche des Schicksals getreten;
Hast du der weisen Natur erstaunliche Wunder ergründet?
Wechselt durch deinen allmächtigen Wink der Winter und Sommer;
Kannst du der trockenen Erde den segnenden Morgenthau schenken?
Oder ist nur dein gröstes Geschäfte die Völker zu tilgen?
Geissel des Menschengeschlechtes erwache vom täuschenden Traume!
Ich will deinen verfinsterten Augen die Nebel entreissen;
Aber dann will ich dich wieder mit ewiger Blindheit bestrafen!
Nur die Erstlinge deiner Regierung sind Opfer der Tugend.
Du hast die Wege der Demuth verlassen; aus Undank vergessen,
Wer die Kronen Euch Sterblichen giebt, und wieder entreisset.
Du gabst die Ehre dir selbsten, die nur der Gottheit gehöret,
Welche dich aus dem mindesten Staube so gütig erhöht hat;
Eben die Gottheit schleudert dich wieder zum Staube zurücke!
Du sollst irren in Wäldern, und häßliche Höhlen bewohnen!
Wenige Stunden sind dir noch zur Reue, zu Thränen geschenket.
Trage die Strafe geduldig, und nütze die goldnen Minuten,
Vielleicht kannst du durch Zähren und Demuth die Allmacht entwafnen,
Doch izt trinke den Kelch der Rache bis auf die Hefen!
So sprach der Bothe des Himmels, und flog durch die schwarzen Gemächer,
Und er betäubte das Ohr des niedergedonnerten Fürsten.
Gnade! So rief er, indem er mit Zittern dem Lager entstürzte,
Und im Staube demüthig sich wälzte, Herr, schenk mir Erbarmung!
Sieh, ich bin schon zu Boden geschleudert, gerichtet, verworfen!
Selbst der Schatten der vorigen Grösse wird von mir verschwinden.
Meine Palläste sind öde, die goldnen Kronen zersplittern;
Meine stockenden Nerven erschlappen, der Busen verwelket;
Hangende Wolken lassen sich nieder auf meinem Gehirne!
Wer bin ich izt, wo wandelt mein Fuß, wo find ich die Ruhe?
Hülfe! Höret mich niemand? Bin ich von Himmel und Erde
Grausam verlassen? So rief er betäubt, und stürzte zur Pforte,
Irrte durch Wälder, und Gräber, und ward den Verbrechern zum Schrecken.
Nur in seltnen Minuten gab ihm das Schicksal die Ruhe;
Seine Vernunft erwachte zu Zeiten, das Elend zu fühlen,
Und nieversiegende Thränen benezten die sterbenden Augen.
Der alte Patriot Alsin starb. Salinia erschien izt wieder am Hofe, denn der kluge Vater hielt sie entfernet. Die alte Liebesflamme ward im Herzen Eduards rege. Alidia erkannte bald diese furchtbare Nebenbuhlerin. Sie beschloß dieselbe zu verderben. Da sie ihr aber mit offenbarer Gewalt nicht beykommen konnte, schlich sie sich in das Vertrauen dieser Schönen. Sie besuchte ihre freundschaftlichen Kreise, wobey der König selbst erschien. Sie bemerkte scharfsichtig, daß Salinia in den schwülen Sommertagen sich mit süssen Getränken erfrischte, sie spähte glücklich den günstigen Augenblick Gift in eine Milch zu mischen. Durch ein trauriges Ungefähr trank auch der König davon, und fühlte der Erste die Wirkung dieses künstlichen Giftes. Die Aerzte wurden zwar eilends gerufen; aber sie kamen zu spät; eine tödtliche Schwäche befiel den König, und die Krankheit artete in eine Verrückung und endlich in eine Hirnwuth aus. Salinia fühlte bald die nämlichen Anfälle, nur mit minderer Gewalt. Man forschte vergebens nach dem Thäter. Alidia verbarg zwar ihre Schande; aber sie genoß nur halb den Sieg ihrer Rache, weil der Tod Eduards alle ihre ehrgeizigen Absichten vereitelte.
(Eine weite Ebne. In der Mitte steht auf einem Hügel ein Hochgericht mit einem Galgen, worauf ein Gehenkter den Raben zum Mahle dient, daneben ist eine zerstückte Leiche nach dem Henkerkostum auf ein Rad geflochten. Auf der Erde sind einige Gräber geöfnet, und Schedel und Knochen liegen herum. Eulen und Dolen krächzen. Es ist Mitternacht. Der Mond wirft blasse Stralen.)
Medea, Megära, hernach Satan, Alcina, Armida, viele Hexen, Teufel, und Geister.
(Medea erscheint auf einem Drachenwagen. Megärafährt auf feurigen Basilisken. Die andern Hexen erscheinen standesmäßig auf Besemen und Ofengabeln. Ganze Schaaren Fledermäuse begleiten sie.)[20]
Medea zur Megära.
Frau Schwester, wie entehrt ist unsre Zauberkunst!Sieh, wie profan sind diese Weiber!
Frau Schwester, wie entehrt ist unsre Zauberkunst!
Sieh, wie profan sind diese Weiber!
Megära.
O ihre Kenntniß ist auch lauter Dunst!Ein blöder Geist belebt die wilden Leiber.Welch ein Geschmack beherrscht die alten Feenkreise!Betrachte nur die pöbelhafte Weise,Wie man Versammlung hält.
O ihre Kenntniß ist auch lauter Dunst!
Ein blöder Geist belebt die wilden Leiber.
Welch ein Geschmack beherrscht die alten Feenkreise!
Betrachte nur die pöbelhafte Weise,
Wie man Versammlung hält.
Med.
Was seh ich! Pluto wird zum Luzifer entstellt!Ich weiß mich nicht in den Schnikschnak zu finden;Ich werde bald von hier verschwinden;Frau Schwester ganz gewiß, ich bin aus meiner Welt!
Was seh ich! Pluto wird zum Luzifer entstellt!
Ich weiß mich nicht in den Schnikschnak zu finden;
Ich werde bald von hier verschwinden;
Frau Schwester ganz gewiß, ich bin aus meiner Welt!
Meg.
Ich will nur sehn, was denn die Hexen machen;Wir wollen heut gelegenheitlich lachen.Wie ist das ganze Volk so läppisch dumm!Sie wissen nicht einmal die wahre Sprache.Ein Besem ist für sie ein Drache.Hahaha! Ich lache mich heut sicher krumm!
Ich will nur sehn, was denn die Hexen machen;
Wir wollen heut gelegenheitlich lachen.
Wie ist das ganze Volk so läppisch dumm!
Sie wissen nicht einmal die wahre Sprache.
Ein Besem ist für sie ein Drache.
Hahaha! Ich lache mich heut sicher krumm!
Med.
Und doch sind die Geschäfte wichtig.
Und doch sind die Geschäfte wichtig.
Meg.
Die Menschen denken izt zu flüchtig,Für sie ist unsre Kunst zu mystisch zu abstrakt:Die Hexen stehen izt mit Teufeln in Kontrakt.Wir bleiben Geisterköniginnen,Und lassen uns nicht mehr vom Vorurtheil umspinnen.Jedoch Alidien steh ich aus Freundschaft bey,Und mache sie noch heut vom Liebeskummer frey.Die Hexen sollen mir die Eselohren spitzen,
Die Menschen denken izt zu flüchtig,
Für sie ist unsre Kunst zu mystisch zu abstrakt:
Die Hexen stehen izt mit Teufeln in Kontrakt.
Wir bleiben Geisterköniginnen,
Und lassen uns nicht mehr vom Vorurtheil umspinnen.
Jedoch Alidien steh ich aus Freundschaft bey,
Und mache sie noch heut vom Liebeskummer frey.
Die Hexen sollen mir die Eselohren spitzen,
Med.
Ich bleibe stäts in meinen Wagen sitzen,Indeß man sich vielleicht beym Hexensopha schlägt,Bis Meister Satan selbst sich in das Mittel legt.Jedoch ich sehe schon die Rathsversammlung glänzen;Die Rednerinn beginnt mit gothischen Sentenzen.
Ich bleibe stäts in meinen Wagen sitzen,
Indeß man sich vielleicht beym Hexensopha schlägt,
Bis Meister Satan selbst sich in das Mittel legt.
Jedoch ich sehe schon die Rathsversammlung glänzen;
Die Rednerinn beginnt mit gothischen Sentenzen.
Meg.
Wie hoch sie ihre Nase trägt!
Wie hoch sie ihre Nase trägt!
(Alcina neiget sich gegen Satan.)
Alc.
Das Circular belehrt bereits Euch weise Damen,Was unser Zweck in der Versammlung ist.Ihr kennet auch den edlen Namen,Der Suplikantinn, die uns bittlich grüßt.Selbst Vater Satan will uns heut beehren,Das ganze Gremium als Meister zu belehren.
Das Circular belehrt bereits Euch weise Damen,
Was unser Zweck in der Versammlung ist.
Ihr kennet auch den edlen Namen,
Der Suplikantinn, die uns bittlich grüßt.
Selbst Vater Satan will uns heut beehren,
Das ganze Gremium als Meister zu belehren.
Sat.
Mesdames, stäts theuer ist mir eure Gegenwart,Das schwör ich euch, wie Mahomet beym Bart!Verzeihet, wenn ich oft die Worte stockend breche,Ihr wisset, daß ich stäts französisch spreche.Empfanget dieß Recept zur magischen Arzney.Die Geister bringen Euch die Species herbey.Ich weiß kein Mittel sonst, der Teufel soll mich holen![21]Macht eure Sache gut, und hiemit Gott befohlen.
Mesdames, stäts theuer ist mir eure Gegenwart,
Das schwör ich euch, wie Mahomet beym Bart!
Verzeihet, wenn ich oft die Worte stockend breche,
Ihr wisset, daß ich stäts französisch spreche.
Empfanget dieß Recept zur magischen Arzney.
Die Geister bringen Euch die Species herbey.
Ich weiß kein Mittel sonst, der Teufel soll mich holen![21]
Macht eure Sache gut, und hiemit Gott befohlen.
(Armida steht auf.)
Armid.
Daß ich gewiß die beste Köchin bin,Das werdet Ihr doch nicht in Zweifel ziehn?Ich lernte meine Kunst von Wällschen und Franzosen!
Daß ich gewiß die beste Köchin bin,
Das werdet Ihr doch nicht in Zweifel ziehn?
Ich lernte meine Kunst von Wällschen und Franzosen!
Alcin.
Wir werden um die Würde loosen!Seht, mich hat selbst das Glück gewählt,Ich fühle mich bereits durch ein Instinkt beseelt!
Wir werden um die Würde loosen!
Seht, mich hat selbst das Glück gewählt,
Ich fühle mich bereits durch ein Instinkt beseelt!
(Die Geister setzen einen grossen Kessel auf das Feuer; die Hexen tanzen herum mit fliegenden Haaren. Die Teufel werfen die gefoderten Ingredienzen in den Kessel, und eine abscheuliche Musik beginnt.)
Alcina.
Ihr tanzenden Hexen,Werft Schlangen, EidexenIn dieses Gefäß!Bringt schwarze Dämonen,Noch sechs ScorpionenZum Hexenprozeß!
Ihr tanzenden Hexen,
Werft Schlangen, Eidexen
In dieses Gefäß!
Bringt schwarze Dämonen,
Noch sechs Scorpionen
Zum Hexenprozeß!
Chor von allen.
Von neuen BrochürenDas Schandprotokoll;Sechstausend Vampiren,Der Kessel ist voll!
Von neuen Brochüren
Das Schandprotokoll;
Sechstausend Vampiren,
Der Kessel ist voll!
Medea.
Verjagt den Hexentroß aus diesem Schreckenorte!Komödiantisch wird die Wissenschaft verhunzt!Hör Schwester, wie die Präsidentin grunzt!Sind dieses mystische und zauberische Worte?Hört Stümperinnen mich!So öfnet man die Höllenpforte.Wollt Ihr doch Hexen seyn; so sprecht wie ich!
Verjagt den Hexentroß aus diesem Schreckenorte!
Komödiantisch wird die Wissenschaft verhunzt!
Hör Schwester, wie die Präsidentin grunzt!
Sind dieses mystische und zauberische Worte?
Hört Stümperinnen mich!
So öfnet man die Höllenpforte.
Wollt Ihr doch Hexen seyn; so sprecht wie ich!
(Eine pathetische Musik beginnt mit seltnen erschütternden Tönen. Eine feyerliche Stille herrscht.)
Med.
Hör mich geweihter Styx, ström feurig Acheron!Halt deine Fluten ein, erzörnter Phlegeton;Laß deine Schatten izt zu meinen Beystand fliegen!O Pluto höre mich! Erscheint ihr Furien!Proserpina belohn mit Lächeln dieses Flehn!Laß stäts Alidien mit ihrem Reize siegen,Und Eduard soll sich in ihre Fässel schmiegen!Der Donner rollt; Zevs ist versöhnt,Und meine Bitten sind gekrönt!
Hör mich geweihter Styx, ström feurig Acheron!
Halt deine Fluten ein, erzörnter Phlegeton;
Laß deine Schatten izt zu meinen Beystand fliegen!
O Pluto höre mich! Erscheint ihr Furien!
Proserpina belohn mit Lächeln dieses Flehn!
Laß stäts Alidien mit ihrem Reize siegen,
Und Eduard soll sich in ihre Fässel schmiegen!
Der Donner rollt; Zevs ist versöhnt,
Und meine Bitten sind gekrönt!
(Sie entflieht mit ihrer Freundinn siegreich, und die Hexenversammlung geht beschämt auseinander.)
Abt Mauritz, Lusian.
Lus.Wie gesagt, Herr Abt, die arme Salinia ist sehr krank. Vielleicht leidet sie mehr im Geist als im Körper. Besuchen Sie das gute Fräulein, Männer wie Sie haben immer Trostgründe vorräthig.
Maur.Ich muß izt geschwind zum Könige, er will beichten; ich bin gleich wieder hier ——
Lus.O Herr Abt, die Beicht eines Eroberers wird lang dauern ——
Maur.Nichts weniger! Zu Zeiten giebt man in zwey Minuten den Segen über ganze Kriegsheere. Gewisse Handlungen sind zu sehr verwickelt, man muß sie nicht auflösen, sondern wie Alexander, der ein geschickter Feldpater war, den Knoten in Stücken hauen. Ich eile ——
Lus.Es lebe die geistliche Kürze!
Der König, Abt Mauritz sein Gewissensrath.
(Der König liegt im Bette. Der Beichtvater sizt an der Seite, und fühlt an den Puls.)
Edu.Mein lieber Abt, ich habe einige ausserordentliche Gewissenszweifel, die ich sonst nie fühlte ——
Abt.Eure Majestät handeln sehr großmüthig mit ihrem Gotte; andere große Könige wissen nicht einmal, daß ein Gott ist. Die Gewissenszweifel sind eine Gattung schwerer Träume. So ein Alp entsteht vom dicken Geblüte. Wie befinden sich Eure Majestät?
Edu.Schlecht! Ich werde sterben ——
Abt.Könige sind unsterblich! —— Ich spreche Eure Majestät los von allen Sünden, die Sie begangen haben, und künftig begehen werden, denn alles, was wir auf Erden lösen, das ist auch im Himmel gelöset! —— Ueberdieß haben die Könige und besonders die Helden und Eroberer gewisse Freyheiten, wie die Dichter. Was für den gemeinen Pöbel Todsünde wäre, ist für Durchlauchtige Sünder höchstens eine Läßliche! Auf ein Paar Stunden in das Fegfeuer, so ist der Spaß gar! Das verstehn wir aus der Kunst. Ein armer Teufel muß indeß in der Hölle zappeln, da wird Heulen seyn und Zähnklappen!
Edu.Auf meine Zweifel zu kommen ——
Abt.Dafür weiß ich geistlichen Seelenrath ——
Edu.Ich liebte das schöne Geschlecht ——
Abt.Kleinigkeiten. Der weise Salomon hatte viele hundert Kebsweiber. Es giebt Schwachheiten, die den Menschen und nicht den König betreffen. Man kann ein schwacher Mensch, und grosser Monarch seyn. Der Gesalbte des Herrn, David war nicht unempfindlich für das schöne Geschlecht, wie uns die Schrift sagt. Klopfen Eurer Majestät mit einer politischen Reue an das Herz mit den Worten:mea Culpa, mea maxima Culpa!Ich werde einige Messen lesen,multum enim valet deprecatio justi assidua!Sagt der heilige Jakob —— Enthalten sich auch Eure Majestät der Gewohnheitssünden, bis Sie wieder genesen ——
Edu.Was denken Sie von meinen Eroberungen?
Abt.Eure Majestät sind Adams Erbe. Er war König der Welt. Gott selbst sezte den Menschen zum Herrscher über alle Thiere! Ich habe bedächtig alle Kriegserklärungen durchblättert, sie reden alle von lauter gerechten Waffen.
Edu.Lieber Abt, glauben Sie also, daß ich für so viel Arbeit den Himmel erbe?
Abt.Wenn ich Eurer Majestät so viele Welten versprechen könnte, als ich Ihnen Freuden des Himmels zusagen kann, wie viel Welten würden Sie erobern!
Edu.Ich danke für ihren guten Willen und frommen Wunsch. In meiner Lage wird mir eine Welt zu schwer.
Abt.Das ist die schönste Verfassung eines Christen. Ihre Seele ist mit dem Schöpfer ausgesöhnt. Beten Eure Majestät zwey Vater unser ——et ego te absolvo a peccatis tuisu. s. w.
Der König, Beliam, hernach Isidor.
Bel.Ich suchte dich überall! Neuigkeiten über Neuigkeiten!
Edu.Was bringst du mir Narr?
Bel.Man sagt, du seyst, was ich bin ——
Edu.So sey du das, was ich war!
Bel.Der Tausch gefällt mir.
Edu.Hast du Herz?
Bel.Herz? Willst du ein Metzger werden? Ich habe Herz, so viel ein Narr bedarf; aber es ist nicht käuflich!
Edu.Du bist mein Mann! —— Ich suchte lang ein grosses Genie. Ich will deine treuen Dienste belohnen. Ich ernenne dich in dieser schriftlichen Vollmacht zum Statthalter über Jerusalem, das du erobern sollst!
Bel.Ich? Hahaha! Du verschenkst, was du nicht hast. Meister, du sollst Pabst werden, und den fünften Welttheil verschenken. Ich ein Statthalter! —— Ich, in meiner närrischen Person! — Vater Eduard, wach auf! Du schläfst!
Edu.(geheimnißvoll)Hör: Es ist ein heiliges Gelübde meiner Kindheit ——
Bel.Kindheit? Ja wohl —— Die Menschen werden wieder Kinder ——
Edu.Wir müssen die heiligen Länder dem Erbfeinde der Christenheit entreissen! Eil, flieg, sammle ein Heer, reiß diese heilige Stätte aus den Händen der Unglaubigen! Ich bin dein wohlgesinnter König!
(Er geht majestätisch ab.)
(Beliam sieht ihm eine Weile nach, betrachtet bald den König bald das Papier, und staunt über den Auftrag.)
Bel.(Er singt)Einst war der Löwe toll und voll! —— Hahaha! Leben Sie wohl Herr Kollega! —— Ich ein Statthalter! —— Und warum nicht! —— Pansa der Grosse höchstseligen Angedenkens spielte auf dem Schauplatz der närrischen Welt meine Rolle, und war ein preißwürdiger Statthalter, der so gut essen, trinken, schlafen, und mehr solche Staatsgeschäfte verrichten konnte, als jede Durchlaucht und Excellenz. Das Glück küßt dich; wenn Könige rasen, machen Narren ihr Glück! —— Kein Teufel soll mir meine Würde entreissen! —— Aber wo nehme ich Kriegsleute her? — O das will ich klüger machen, als alle gescheiden Leute! Ich leere alle Krankenhäuser, und Spitäler, Krüppeln und Ungeheuer, Zwergen und Mißgeburten und allen müßigen Troß menschlicher Hefen will ich in die Schlacht führen, diese kann der Feind tödten. Die schönen Leute will ich aufsparen, die leeren Städte zu bevölkern. Hahaha! Welch ein grosser Politiker bin ich geworden! Da mögen die Staatsleute in die Schule gehn; sie schicken die Riesen der Nation auf die Schlachtbank, und verwandeln die Städte in Pygmäennester!
Isid.So in Gedanken Narr?Beliam, was macht dein Esel?
Bel.Er ist vorgerükt, der König macht ihn zum Hofjunker, er wird dein Kamerad!
Isid.Mit dir ist nicht gut scherzen ——
Bel.Das kömmt daher, weil ich ein grosser Herr bin, und mit grossen Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie werfen den Gästen die Stengel in das Gesicht! —— Ich bin izt Statthalter von Jerusalem!
Isid.Hahaha!
Bel.Nur kein voreiliges Gelächter! Hier ist die königliche Vollmacht!
Isid.Hahaha! Der König ist verrükt ——
Bel.Das ist seine Sache! Ich rede nur von mir. Genug ich bin Statthalter, und eile meine Staaten in Besitz zu nehmen. Es wird viel Blut und Tinte kosten! Leb wohl! Ich bleibe dir mit meinen Gnaden gewogen, wir Beliam der erste Statthalter von Jerusalem, Mehrer des Reichs und so weiter!
(Er geht stolz ab.)
Isid.Hahaha! Warte Bengel, ich will dir Türken über den Hals schicken! —— Vielleicht kann so eine Mummerey den kranken König ermuntern.
(Er eilt fort.)
(Beliam, Rotando ein Maler, Martius ein Mönch, Spilon ein Poet, viel andere Narren mit allerhand Spielwerk. Es ist die Erholungsstunde.)
Beliam.(rechnet in seiner Schreibtafel)Zweyhundert Buklichte! —— Sind oft verschmitzte Köpfe! —— Zweyhundert Lahme! —— O das sind standhafte Leute! —— Vierhundert allerley Troß, Seiltänzer, Gaukler, ein Ausschuß von Halunken! Bravo! Meine Werbung geht hastig! Alles gelingt! Wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verstand! —— Euer Diener meine Herren Kollegen!
(Die Narren umringen ihn.)
Beli.Ich habe vom König als sein Statthalter den Auftrag, Jerusalem zu erobern. Der Ruhm meiner Heldentaten ist Euch gewiß zu Ohren gekommen. Wer hat von Euch Herz genug, meiner Fahne zu Folgen? Ich habe Königreiche zu verschenken!
(Martius eilt hastig hervor, umarmet ihn, kniet nieder mit Grimassen, pocht an sein Herz, hebt die Hände betend zum Himmel, und nach einem leisen Schußgebethe springt er auf, und drückt den Beliam an seinen Busen.)
Mart.Dank sey dem gütigen Himmel! Der seinem unwürdigen Knecht Martius diese heilige Stunde schenkte. Endlich ist er gekommen dieser edle Befreyer. Ich hatte durch hundert funfzig Nächte Erscheinungen und Gesichter; alle verkündigten mir die nahe Befreyung der geheiligten Mauern. Sey mir gesegnet du Zögling des Himmels! Ich habe bereits der Welt deine Ankunft geweissaget; aber die undankbaren Menschen, über welche der Zorn Gottes eineewige Blindheit gesandt hat, haben meine Wahrheiten und brüderlichen Warnungen zu Lügen gemacht, und mich in das Tollhaus gesperrt.
Beli.Das ist eben der Sammelplatz grosser Genien! Du hast also bereits von meinen Siegen geträumt! Desto besser! Wer bist du?
Mart.Ich bin ein Kirchenlehrer!
Beli.Heiliger Vater, du sollst mein Generalfeldpater werden! Wenn wir keinen Bissen Brod zu kauen haben; so schreibst du dem Heere Fasten vor.
Rot.Auch ich trete in deine Kriegsdienste!
Beli.Wer bist du?
Rot.Ich bin der weltberühmte Maler Rotando! Ich male die Gedanken der Menschen. Ich werde deine Schlachten und Stürme für die Nachwelt verzeichnen.
Beli.Du bist mir willkommen! Ich will meinen Heldensaal mit Schlachtgemälden ausschmücken!
Spil.Auch ich schwöre zu deinem heiligen Panier! Ich bin der unsterbliche Spilon, dessen dichterisches Genie alle Welten bewundern; selbst im Archiv des Himmels werden meine posthumen Werke als ein Schatz aufbewahrt. Ich werde wie die alten Barden allen Schlachten beywohnen, und die blutige Mordgeschichte in Bardenliedern verewigen. Das soll ein unsterbliches Bardiet werden!
Beli.Nun sind alle Narren beysammen!Cuncta licent stultis pictoribus atque poetis!Die Unternehmung verspricht viel. Kommt meine Freunde, wir wollen noch mehr Proseliten suchen.
Göttinnen des Gedächtnisses, die Ihr unsterbliche ThatenIn dem goldenen Buche der rühmlichsten Helden verzeichnet,Späht izt mit forschendem Ohre die weisen Orakel der Musen!Niemalsgehörte Geschichten, verstandübersteigende WunderWerden auf der durchlauchtigsten Bühne des Krieges erscheinen.Beliam nähert mit jauchzenden Schaaren der tapfersten Krieger.Muse, beschreibe du selbsten wie dort bey Troja die Heere,Mal mit Homerischem Schwunge die Führer der stolzen Geschwader!Beliam dieser denkwürdige Feldherr war schreckbar bewaffnet.Selbst Donquixote war nicht so tragischkomisch gerüstet.Und wie der weiseste Pansa sich zu dem Esel herabließ;So nahm Beliam auf den Rathschluß des heiligen Lehrers,Einen arkadischen Enkel aus Demuth zu seinem Gefährten.Nach ihm trabte zu Fusse der grosse Prophet halbbewaffnet.Eine Hand führte das Kreuz, die andre die blutige Fahne.Wunderbar wie ein Centaur betäubt er mit beiden GestaltenJedes Auge, das ihn so seltsam vermummet erblickte.Ihm folgten zweyhundert der tollesten Ritter der Erde.Mancherley waren die komischen Waffen, erfindsam die Kleidung.Harlekins witzige Maske, die Wällschland erfand, und vergöttert,Ist nicht so bunt, und so neu, wie jene der rüstigen Haufen,Die für Jerusalems Mauern als Kämpfer das Rachschwerd ergriffen,Ihnen folgte Rotando mit einer Riesenperücke,Mehr zur Jagd als zur Hochzeit bestimmt, erhob sie die steilenLockengebüsche, und streute bey jeder Bewegung des WindesAuf das frohlockende Heer die sonnenverfinsternden Wolken.Er war im Schlafrock geharnischt, und schreckbar mit Pinseln bewaffnet.Ihn trug ein bescheidener Gaul, der Haber verschmähte,Dem bey philosophischer Mäßigkeit Stoppeln begnügten.Diese strengere Lebensart schuf ihn zu einem Gerippe.Er war mit Rosinante verwandt, und des Bucephalus Enkel.Seine Familie führte das Schicksal durch Wunderepochen.Hundert buklichte Helden, und hundert Ritter auf KrückenFolgten als Reisige dem majestätischen Winke des Führers.Dann kam Spilon ein Barde, gleich edel als Dichter und Fechter.Er hat den heiligen Musen, und auch dem Kriegsgott geopfert,Und er war zweyfach bewaffnet, bald Blut bald Tinte zu giessen.Ihm folgt’ ein Troß von Gauklern, und nüchternheithassender Zecher.Sie überjauchzten mit donnernden Kehlen die schwankenden Schaaren.Und der heilige Martius, diese hellleuchtende FackelDes Jerusalemstützenden Heeres begann izt die Rede:Tapfere Kämpfer und Helden des Glaubens uns winken die Lorbeern.Entweder tilgen wir heut die mahometanischen Lügen,Oder wir sterben als Märtyrer durch die Hände der Heyden;Engel führen uns jauchzend in jene Gefilde des Himmels,Und die Erde verewigt uns auf frommen Altären.Leben und Tod verschönern wir heut, wir werden verewigt!So rief dieses erhabne Kirchenlicht zu der Gemeinde.
Göttinnen des Gedächtnisses, die Ihr unsterbliche Thaten
In dem goldenen Buche der rühmlichsten Helden verzeichnet,
Späht izt mit forschendem Ohre die weisen Orakel der Musen!
Niemalsgehörte Geschichten, verstandübersteigende Wunder
Werden auf der durchlauchtigsten Bühne des Krieges erscheinen.
Beliam nähert mit jauchzenden Schaaren der tapfersten Krieger.
Muse, beschreibe du selbsten wie dort bey Troja die Heere,
Mal mit Homerischem Schwunge die Führer der stolzen Geschwader!
Beliam dieser denkwürdige Feldherr war schreckbar bewaffnet.
Selbst Donquixote war nicht so tragischkomisch gerüstet.
Und wie der weiseste Pansa sich zu dem Esel herabließ;
So nahm Beliam auf den Rathschluß des heiligen Lehrers,
Einen arkadischen Enkel aus Demuth zu seinem Gefährten.
Nach ihm trabte zu Fusse der grosse Prophet halbbewaffnet.
Eine Hand führte das Kreuz, die andre die blutige Fahne.
Wunderbar wie ein Centaur betäubt er mit beiden Gestalten
Jedes Auge, das ihn so seltsam vermummet erblickte.
Ihm folgten zweyhundert der tollesten Ritter der Erde.
Mancherley waren die komischen Waffen, erfindsam die Kleidung.
Harlekins witzige Maske, die Wällschland erfand, und vergöttert,
Ist nicht so bunt, und so neu, wie jene der rüstigen Haufen,
Die für Jerusalems Mauern als Kämpfer das Rachschwerd ergriffen,
Ihnen folgte Rotando mit einer Riesenperücke,
Mehr zur Jagd als zur Hochzeit bestimmt, erhob sie die steilen
Lockengebüsche, und streute bey jeder Bewegung des Windes
Auf das frohlockende Heer die sonnenverfinsternden Wolken.
Er war im Schlafrock geharnischt, und schreckbar mit Pinseln bewaffnet.
Ihn trug ein bescheidener Gaul, der Haber verschmähte,
Dem bey philosophischer Mäßigkeit Stoppeln begnügten.
Diese strengere Lebensart schuf ihn zu einem Gerippe.
Er war mit Rosinante verwandt, und des Bucephalus Enkel.
Seine Familie führte das Schicksal durch Wunderepochen.
Hundert buklichte Helden, und hundert Ritter auf Krücken
Folgten als Reisige dem majestätischen Winke des Führers.
Dann kam Spilon ein Barde, gleich edel als Dichter und Fechter.
Er hat den heiligen Musen, und auch dem Kriegsgott geopfert,
Und er war zweyfach bewaffnet, bald Blut bald Tinte zu giessen.
Ihm folgt’ ein Troß von Gauklern, und nüchternheithassender Zecher.
Sie überjauchzten mit donnernden Kehlen die schwankenden Schaaren.
Und der heilige Martius, diese hellleuchtende Fackel
Des Jerusalemstützenden Heeres begann izt die Rede:
Tapfere Kämpfer und Helden des Glaubens uns winken die Lorbeern.
Entweder tilgen wir heut die mahometanischen Lügen,
Oder wir sterben als Märtyrer durch die Hände der Heyden;
Engel führen uns jauchzend in jene Gefilde des Himmels,
Und die Erde verewigt uns auf frommen Altären.
Leben und Tod verschönern wir heut, wir werden verewigt!
So rief dieses erhabne Kirchenlicht zu der Gemeinde.