Scene im Schlachtfeld.

Aber ein schwarzes Gewölke von Staube bezeugte die AnkunftFeindlicher Schaaren, und Beliam reihte die muntern Geschwader.Er gab den Flügeln die Stellung, und wählte sich selbsten die Mitte.Er ritt lächelnd und muthig zur glänzenden Spitze des Heeres,Und begrüßte die edlen Gefährten mit donnernden Worten:Brüder, ein jeder von Euch ist rühmlich mit Narben bezeichnet!Eure gebrochenen Knochen beweisen die edle VerachtungEines gleichgültiggewordenen Lebens; so reift man zum Helden!Dort ist der blumichte Gleis, wo wir die Lorbeern erbeuten.Unsere Feinde von Wollust entnervet mißkennen die Pfade.Wie lang sollen noch eure Talente so fruchtlos verwelken!Euer Vaterland giebt Euch nur Ketten; dort ärnden wir Kronen!Laßt uns die schändliche Knechtschaft mit goldenen Zeptern verwechseln!Hier drückt Euch Armuth und Schande, dort lächeln Euch Reichthum und Ehre!Eure Krücken und Pflaster können Euch besser bezeugen,Was ich vom schwärzesten Undank des Vaterlands flüchtig berühre.Welcher Frevel! Mit solchen Genien Spitäler bevölkern!Eure zermalmten Gebeine, und meine gewichtigen GründeMüssen Euch heut im blutigen Schlachtfeld beharrlicher machen.Ihr seyd von der Mutter Natur zu Helden gebohren.Hinkte nicht Tamerlan, nikte nicht Alexander der GrosseMit dem Haupte; begreift Ihr die weisesten Schlüsse der Vorsicht?So sprach der ruhmbegierige Feldherr, und rauschender BeyfallKrönte die siegende Rede. Die muthigen Herzen entbrannten,Und die Heldentrompete gab schon das Zeichen zum Angriff.

Aber ein schwarzes Gewölke von Staube bezeugte die Ankunft

Feindlicher Schaaren, und Beliam reihte die muntern Geschwader.

Er gab den Flügeln die Stellung, und wählte sich selbsten die Mitte.

Er ritt lächelnd und muthig zur glänzenden Spitze des Heeres,

Und begrüßte die edlen Gefährten mit donnernden Worten:

Brüder, ein jeder von Euch ist rühmlich mit Narben bezeichnet!

Eure gebrochenen Knochen beweisen die edle Verachtung

Eines gleichgültiggewordenen Lebens; so reift man zum Helden!

Dort ist der blumichte Gleis, wo wir die Lorbeern erbeuten.

Unsere Feinde von Wollust entnervet mißkennen die Pfade.

Wie lang sollen noch eure Talente so fruchtlos verwelken!

Euer Vaterland giebt Euch nur Ketten; dort ärnden wir Kronen!

Laßt uns die schändliche Knechtschaft mit goldenen Zeptern verwechseln!

Hier drückt Euch Armuth und Schande, dort lächeln Euch Reichthum und Ehre!

Eure Krücken und Pflaster können Euch besser bezeugen,

Was ich vom schwärzesten Undank des Vaterlands flüchtig berühre.

Welcher Frevel! Mit solchen Genien Spitäler bevölkern!

Eure zermalmten Gebeine, und meine gewichtigen Gründe

Müssen Euch heut im blutigen Schlachtfeld beharrlicher machen.

Ihr seyd von der Mutter Natur zu Helden gebohren.

Hinkte nicht Tamerlan, nikte nicht Alexander der Grosse

Mit dem Haupte; begreift Ihr die weisesten Schlüsse der Vorsicht?

So sprach der ruhmbegierige Feldherr, und rauschender Beyfall

Krönte die siegende Rede. Die muthigen Herzen entbrannten,

Und die Heldentrompete gab schon das Zeichen zum Angriff.

Komm izt unsterbliche Muse, die Du zu schwarzen GemäldenAugenerschütternde Farben vermischest, und Schrecken entlockest,Zeichne mit blutigem Pinsel die schauererregende Kämpfe.Brüllendes Schlachtgeschrey stieg zu den Wolken auf feindlicher Seite;Isidor führte die Türkengeschwader mit rühmlichem Feuer.Er begrüßte Beliams Schaaren mit lautem Gelächter;Aber der Spott ward theuer gebüsset; sie stürzten wie LöwenUnter die staunenden Feinde; sie warfen die Reihen zu Boden;Und die buklichten Ritter erkletterten Menschengebirge.Wie viel gedächtnißwürdige Thaten wurden begraben!Beliam schleuderte kühn den fettesten Türken zur Erde,Er fiel wie schmetternde Fichten, und konnte sich nicht mehr erheben.Er lag wie Elephanten von eignem Gewichte belastet.Martius selbsten balgte sich weidlich mit den Saracenen.Sieg auf Sieg wurde gethürmet. Schon jauchzten die Christen;Riefen den frohen Triumph: als aus der neidischen HölleEine Furie stieg, und auf die kämpfenden SchaarenPlötzlich einen gewaltigen Hagel von Schlossen herabwarf.Die mit Beulen belasteten Krieger empfanden die Schläge,Einige fielen, andre verliessen mit bangem GeheuleDas so siegreicherfochtene Schlachtfeld, und liessen die LorbeernIhren Feinden zur Beute. Die Lahmen vergassen die Krücken.Pflaster, Verbände, Waffen, und Kleider lagen zerstreuet.Doch der seltene Zufall, der die grösten EpochenAuf dem Schauplatz der Erde mit hastiger Eile bereitet,Suchte den schwärmenden Eduard. Du zauderst die Helden zu stützen,Welche die saracenischen Greuel mit Allmacht zerstören.Nur ein feindliches Schicksal raubt ihnen erfochtene Palmen.Folg mir! Er folgte, und sah die flüchtig gewordenen Schaaren.Wo eilt Ihr hin? kleinmüthigen Memmen, erkennet den König!Ich bin Eduard, dessen Thaten die Nachwelt bewundert.Hört doch die Stimme der Ehre! Wir führen Euch wieder zum Siege.So rief er, und riß die Krücke dem Ersten vom Arme.Kehrte mit ihnen zum Schlachtfeld wie Samson bewaffnet zurücke.Izt erfocht er unsterbliche Siege. Die Türken erstaunten,Baten um Gnade; sie nannten sich selbst allerchristlichste Sklaven.Aber vergebens, ein rasender Ajax, ein zweyter OrlandoFocht hier verzweifelt; das menschliche Mitleid verwarf er, und fällteFreund und Feind, bis er entkräftet das blutige SchlachtfeldKeuchend küßte. Da lag er mit ewigen Lorbeern gekrönet.

Komm izt unsterbliche Muse, die Du zu schwarzen Gemälden

Augenerschütternde Farben vermischest, und Schrecken entlockest,

Zeichne mit blutigem Pinsel die schauererregende Kämpfe.

Brüllendes Schlachtgeschrey stieg zu den Wolken auf feindlicher Seite;

Isidor führte die Türkengeschwader mit rühmlichem Feuer.

Er begrüßte Beliams Schaaren mit lautem Gelächter;

Aber der Spott ward theuer gebüsset; sie stürzten wie Löwen

Unter die staunenden Feinde; sie warfen die Reihen zu Boden;

Und die buklichten Ritter erkletterten Menschengebirge.

Wie viel gedächtnißwürdige Thaten wurden begraben!

Beliam schleuderte kühn den fettesten Türken zur Erde,

Er fiel wie schmetternde Fichten, und konnte sich nicht mehr erheben.

Er lag wie Elephanten von eignem Gewichte belastet.

Martius selbsten balgte sich weidlich mit den Saracenen.

Sieg auf Sieg wurde gethürmet. Schon jauchzten die Christen;

Riefen den frohen Triumph: als aus der neidischen Hölle

Eine Furie stieg, und auf die kämpfenden Schaaren

Plötzlich einen gewaltigen Hagel von Schlossen herabwarf.

Die mit Beulen belasteten Krieger empfanden die Schläge,

Einige fielen, andre verliessen mit bangem Geheule

Das so siegreicherfochtene Schlachtfeld, und liessen die Lorbeern

Ihren Feinden zur Beute. Die Lahmen vergassen die Krücken.

Pflaster, Verbände, Waffen, und Kleider lagen zerstreuet.

Doch der seltene Zufall, der die grösten Epochen

Auf dem Schauplatz der Erde mit hastiger Eile bereitet,

Suchte den schwärmenden Eduard. Du zauderst die Helden zu stützen,

Welche die saracenischen Greuel mit Allmacht zerstören.

Nur ein feindliches Schicksal raubt ihnen erfochtene Palmen.

Folg mir! Er folgte, und sah die flüchtig gewordenen Schaaren.

Wo eilt Ihr hin? kleinmüthigen Memmen, erkennet den König!

Ich bin Eduard, dessen Thaten die Nachwelt bewundert.

Hört doch die Stimme der Ehre! Wir führen Euch wieder zum Siege.

So rief er, und riß die Krücke dem Ersten vom Arme.

Kehrte mit ihnen zum Schlachtfeld wie Samson bewaffnet zurücke.

Izt erfocht er unsterbliche Siege. Die Türken erstaunten,

Baten um Gnade; sie nannten sich selbst allerchristlichste Sklaven.

Aber vergebens, ein rasender Ajax, ein zweyter Orlando

Focht hier verzweifelt; das menschliche Mitleid verwarf er, und fällte

Freund und Feind, bis er entkräftet das blutige Schlachtfeld

Keuchend küßte. Da lag er mit ewigen Lorbeern gekrönet.

Eduard. Beliam, Isidor, Spilon,Rotando, Martius, Krieger von beiden Heeren.

(Es regnet. Der König erholet sich. Beliam erhebt sich von der Erde. Rotando gukt aus seiner grossen Perücke. Martius winselt, und verbindet sich den Kopf mit dem Schnupftuch. Andere Narren machen verschiedene Grimassen.)

Edu.Wo bin ich? Welcher kühlende Balsam erquicket mich! Ha! O du Thau des Himmels, du belebst mich wieder! —— Wie, auf dem Schlachtfelde! Welche Leichen sind rings um mich! —— Welch ein banges Gewinsel erschüttert meine Ohren! —— O Menschlichkeit, du weinest! —— Welche neue blutigen Opfer hab ich meinem Ehrgeize geschlachtet! —— Fort häßlicher Anblick! —— Ich enteile meiner Schande! —— Hier stinkt Menschenblut! —— Brüderblut.

(Er eilt fort, und gleitet über Beliam.)

Bel.Guten Morgen Meister! Wir armen Mordgesellen haben deine eiserne Ruthe gefühlt. Du hast uns wie Stiere geschlachtet, und der Himmel wässert uns izt zu Stockfischen. Sieh, wie es regnet!

Mart.O weh! Ich bin ein Märtyrer! Ich habe Löcher im Kopf; aber ich dulde alles mit Gelassenheit für den Glauben! —— O weh!

Rotand.Ich muß das Schlachtfeld abzeichnen! Welche malerische Gruppe! —— Das wird ein Meisterstück!

Isid.Mein Spaß bekömmt mir übel. Alle Ribben sind mir zermalmet ——

(Spilon hebt sich mit tragischen Tone.)

Sing unsterbliche Muse die ewigen Thaten der Helden,Welche mit Lorbeern geschmücket das blutige Schlachtfeld bedecken.

Sing unsterbliche Muse die ewigen Thaten der Helden,

Welche mit Lorbeern geschmücket das blutige Schlachtfeld bedecken.

Edu.(indem er starr das Schlachtfeld anstaunet.)Seht! Sie stehen auf! Sie rufen zum Himmel wider mich! —— Rache! Rache! —— Wie das Blut unter meinen zitternden Füssen strömet! —— Horcht! —— Das ist die Posaune! —— Der Weltrichter eilet daher! —— Die Todten stehen auf! —— Zum Gerichte!

(Er eilt fort.)

Bel.Wunderbare Wirkung des Ehrgeizes! Ihn macht er zum Narren, und mich heilt er von einer eingewurzelten angebohrnen Narrheit. Die kleine heilsame Aderlässe, die heldenmäßige Bewegung hat mein Blut verdünnet, und mein Gehirn aufgeheitert. Izt bin ich ein gesunder Kerl. Lebwohl Statthalterschaft, ich liebe den Frieden, und esse mein Stückchen Brod gern in Ruhe. Ihr meine unsterblichen Schlachtgenossen, kehret in des Himmels Namen in euer Tollhaus zurück, wo der dankbare Staat eure Verdienste reichlich belohnen wird, Lebt wohl!

Ein Hofplatz. Beliam, Viele Leute, Isidor.

(Beliam hat eine grosse Feldtrommel, eilt mit Lärmen über den Hauptplatz der Burg. Das Volk sammelt sich in einen Kreis; er zieht ernsthaft eine Schrift aus dem Busen, und liest.)

Bel.Kund und zu wissen sey hiemit jedem, der es wissen soll, und Ohren hat, daß Seine Majestät unser allergnädigster MonarchEduard der Grosse seinen Verstand verloren hat, wer solchen gefunden hat, wird gebeten, ihn in die Burg zu bringen. Der Finder soll königlich belohnt werden!

(Das Volk murmelt; viele lachen. Beliam schlägt seine Trommel und geht weiter.)

Isid.Narr, suchst du einen Schooßhund?

Bel.Da müßte ich Dich suchen! —— Ich suche den Verstand des Königs ——

Isid.Er hat ihn verloren ——

Bel.Er war der Einzige am ganzen Hofe, der noch einen Verstand verlieren konnte, denn die Uebrigen hatten keinen zu verlieren, oder haben ihn schon lang verloren. —— Glückliches Volk, das du einen so weisen König hast, der seinen Verstand verlieren konnte! —— An wenig Höfen wird getrommelt. Ich bin der Erste vielleicht auch der Letzte, der königlichen Verstand sucht!

(Er eilt fort, ihm folgt lachend das Volk.)

Ende der vierten Kaprizze.

(Ein abgelegener Theil des königlichen Pallastes. Im Grunde die Pforte zur Grabstätte des königlichen Hauses.)

Einige Höflinge, der Leibarzt, Hofdiener, und Damen stehen im Haufen und sprechen mit einander. Einige kommen von einer Seitentreppe herab; andere entfernen sich wieder. Hernach schleicht tiefsinnig Eduard daher, er ist seltsam mit bunten Federn geschmückt.

Der Arzt.Ich habe wenig Hofnung zu seiner Genesung! — Seht da kömmt dieses zertrümmerte Meisterstück der Natur! O ich möchte weinen!

Edu.Wo bin ich denn? —— Was für Menschengesichter! —(Er beschaut die Höflinge)Es ist meine Gallerie! —— Lauter Gemälde! —— Worte ohne Empfindung! —— Wenn ich König wäre, ich wollte Mohren bleichen! —— Wir alten Leute, Madame, gelten nichts! —— Andere Kunstwerke schäzt man, wenn sie alt sind; aber alte Exkönige —— Mehr Dunger auf die Genien! —— Schüttet die Gießkanne reicher aus! —— Seht, wie sie blühen! —— Die Gesetze der Weisheit leben auf!(Er faßt einen Höfling)Lebst du auch noch, morsche Schießscheibe? Den königlichen Spaß hättet ihr sehen sollen! Ich malte dieses Männchen wie ein Kartenmaler auf diese runde Tafel; alle Narren schossen auf ihn! Hahaha! Armer Günstling eines Königs! Der Neid —— Die Schminke ist verboten! Weg ihr Höflinge! Wascht eure Gesichter! —— Ist denn heut Maskenball? Ja ja! Hier ist meine Larve! —— Wie mich das Unglück in den April schickte! Nicht wahr, ihr alten Krieger, wir haben Meermuscheln eingesammelt? —— Eine prächtige königliche Sammlung! Kaligula war der erste Naturalist! — Mein Kopf ist überlastet! —(Er reisst die bunte Federkrone vom Haupt, und beschaut sie)Aleidtrug eine Löwenhaut, wißt ihr warum? —— Weil er mit Löwen kämpfte! —— Wir tragen wie die Mohren Vogelfedern, weil wir Papageyen und Gümpel rupften! —— Hahaha! Fort!(Er schleudert sie weg)Ich habe lange genug diese alberne Krone getragen! —— Aber mein Pferd hat mich und die Krone getragen, folglich ist mein Leibpferd nach allen Rechten mein Thronfolger! —— Ihr werdet dabey gewinnen; es ist ein gutes Roß, wenn es Haber hat, bricht und macht es nichts! —— Mein Leibkutscher sey Staatsminister! —— O der Kerl versteht sich auf die Räder! —— Wie sind wir in der Zeit? —— Ich verliere alle Stunden! —— Meine Freunde, Dämmerung ist rings um mich! Mir geht keine Sonne auf! —— Lebt wohl, bis ihr mich wider sehet! Wann glaubt Ihr wohl, daß Ihr mich wiederseht? —— Versteht mich wohl! —— Mich! — Mich selbst! —— Denn izt bin nicht ich —— Ach! Meine Brüder, ich war! —— O als ich war, da lächelten schöne Tage! ——(Er senkt das Haupt und denkt nach)Ich möchte izt weinen —— Was sagen die Leute von mir? —— Reden sie noch vom Zaunkönige?(Er faßt eine Hand)Ich will dir wahrsagen! —— Horch! Alle Haare sollen sich emporsträuben! Du mußt sterben! —— Ja sterben! Denn du bist ein Mensch! Wie die Eulen krächzen! —— Gute Nacht meine Söhne! —— Wir haben manche Stunde verwacht! —— Streut Roßmarin unter die blutigen Lorbeern!(Er schleicht zur Grabstätte.)

Der Arzt.Eure Majestät, die Luft ist hier schädlich! Hier sind Grabmäler!

Edu.O so flieh! Flieh so weit dich die Füsse tragen, denn aus den Särgen würde über dich ein lautes Gelächter schallen! ——(Er reißt die Thüren auf, und wirft Todtenköpfe heraus, dann thürmet er Pyramiden aus den Schedeln.)Alexander! — Herkules! — Cäsar! — Kartusch! —— Attila! — Ludwig! —— Karl! —— Hahaha! Das war ein närrischer Kerl! —— Herr Bruder, du warst ein Schwindelkopf wie ich! —— Wenn du gesund bist, freut es mich; ich zwar bin wohl auf, und glücklich wie ein König! —— Wo sind meine Tonkünstler! Macht Musik! Etwas zum Wirbeltanze! —— Ich will mit Helden tanzen! —— Das ist der Kopf des goldenenKalbes, die Vergoldung ist weggerieben, und da liegt die leere Hirnschaale! Schade, daß kein Gehirn in diesem Schedel war, —— Er war ein großer Mann, er hat viele Dinge ausführen wollen, die er nicht verstand. Er hat die Stühle im Rathhaus ganz anders gereihet!(Er nimmt einen andern Schedel)Ein elender Kopf! — Die Arbeit eines Schneiders! Zu schlecht für einen Steinhauer!(Er wirft ihn weg, und ergreift einen andern)Hahaha! Dem Bauch ist hart predigen!(Indem er einen andern faßt)Wie er daherschreitet wie ein Riese! Gebirge zittern unter seinen Fersen, er bildet Nationen um! —— Und fault! Schnupft Toback! Er stinckt! Gute Nacht Großsprecher, der Echo war dein Bruder! Viel Köpfe, viel Sinne! —— Ich habe die Lebendigen getödtet, izt bin ich König der Todten! — Dich ernenne ich zu meinem Hofmarschall! —— Du brauner Schedel sollst mein Feldherr seyn, dich hat die Sonne verbrannt, du wirst das Feuer des Geschützes erträglich finden. —— Du bist mein erster Kämmerling, so leer ist dein Schedel, wie ein Kämmerling natürlich seyn muß. —— Ihr zwölf morschen Schedel seyd meine geheimen Räthe! Widersprüche habe ich nicht zu befürchten, ihr liebt das Geheimniß, und sagt es nicht einmal euren Metzen! O die wakern Räthe! Kein König ist besser bedient als ich! —— Der Schedel ist unbestechlich, er nimmt kein Geschenk mehr; er sey Richter! —— Das Wetter trübt sich? Seht, wie die Winde ihre Pausbacken aufschwellen! Sie werden die Erde verschlingen. Fürchtet Euch nicht, es sind fade Politiker, die bey einem unsinnigen Zeitungsblatt träumen! —— Wie sanft alle ruhen! Keiner regt sich mehr! —— O hier will ich auch rasten! ——(Er legt sich auf die Stuffen der Treppe)Kühle Erde, wiege einen deiner müden Söhne ein! —— Geht alle! Lasset mich allein! —— Ich will schlafen! Ein angenehmer Traum soll mich betäuben! —— Löscht das Licht aus! —— Gute Nacht! ——(Er entschläft.)

(Der Arzt legt den Finger auf den Mund, und spricht leise)

Der Schlaf ist ein Balsam, wir wollen von ferne lauschen.

(Ein großer Saal bey Hofe. Viele Höflinge stehen im Haufen beysammen, und sind im eifrigen Gespräche. Salinia und Amanda ihre Zoffe treten ein. Salinia in einem weissen Nachtkleide mit aufgelösten Haaren. Einen Arm hat sie entblößt, und hängen noch von einer Aderlässe die Binden daran. Sie eilt hastig in den Saal, staunt plötzlich, schleicht furchtsam zu allen Schaaren der Höflinge, blickt ihnen unter die Augen, schüttelt mißvergnügt den Kopf, um dadurch anzudeuten, daß sie nicht findet, was sie sucht. Die Zoffe folgt ihr traurig, will sie wieder zurückführen, und die Verbände in Ordnung bringen. Die Höflinge sind durch den Auftritt gerührt. Ein alter Hofmann grüßt sie.)

Hofm.Aber mein liebes Fräulein, sie bluten ja.

Salin.Bluten? —— O ja, izt erinnere ich mich(indem sie ihm zum Ohre schreyt)Sie haben mich tödten wollen! —— Aber ich bin den Mördern glücklich entkommen! —— Amanda, hast du meinen Eduard nicht gefunden? —— Die Schwalbe hat das Nest verlassen ——

Hofmann zur Zoffe.Führen Sie das gute Fräulein zurük!

Amand.Sie ist den Wundärzten entlaufen. Man wollte ihr die Ader öffnen, denn ihr Verstand —— Ach! Das Schicksal des Königs hat ihr zärtliches Herz angegriffen —— Sehen Sie! Sie sucht ihn überall! —— O ich muß weinen ——

Hofm.Das arme Täubchen girrt ——

Salin.Die Gesichter sind mir verdächtig! —— Freund oder Feind? Er ist nirgends! —— Eduard nirgends! —— O Amanda, die Schlange hat ihn vergiftet! Und ich reichte ihm den Becher —— O mein Kopf! —— Wie es hier pocht! ——(Sie lehnt ihr Gesicht auf den Busen ihrer Zoffe und weint.)

Am.Englisches Fräulein, weinen Sie nicht! Kommen Sie mit mir! Ich führe Sie zu Eduard! —— Geben Sie mir den Arm!

Salin.(lächelnd)Zu Eduard? —— Du lügst immer! —— Sie haben ihn getödtet! —— Gemordet wie seinen Vater! —— Gute Nacht Eduard!(Sie sinkt allmählig zur Erde.)

Hofm.Das entgangene Blut hat sie geschwächt; man muß sie zu Bette bringen!

Sal.Lasset mich schlafen! —— Werft Erde auf mich! —— Da werden Ringelblumen und Maaßlieben auf meinem Hügel wachsen! —— Sanft, sanft will ich ruhen! —— Gute Nacht armer Eduard! —— Ich lade dich zu meiner Hochzeit —— Ich bin eine Braut —— ——

(Sie wird fortgetragen.)

Ein öffentlicher Platz der Hauptstadt. Auf einigen Stuffen erhöht thürmet sich in der Mitte ein prächtiger Tempel. Aus allen Gassen eilet das Volk. Die Hallen sind mit Bethern erfüllt. Die Mütter mit den Säuglingen, die Väter mit den Söhnen drängen sich zu.

Chor der Bether.

Da liegen wir auf den bethränten Stuffen,O Gott! Hör deine Kinder rufen!Dein Zorn schlug unser Haupt.Die Heerde weint um ihren theuren Hirten;Die Hände, die uns liebreich führten,Sind uns durch Dich geraubt!

Da liegen wir auf den bethränten Stuffen,

O Gott! Hör deine Kinder rufen!

Dein Zorn schlug unser Haupt.

Die Heerde weint um ihren theuren Hirten;

Die Hände, die uns liebreich führten,

Sind uns durch Dich geraubt!

Ein Greis. Recitativ.

Wir ächzen am verwaisten Throne;Die Wittwe seufzt, der Waise schreyt,Sie suchen Hülfe bey der Krone.Sieh, wie uns überall das Elend dräut!Bald werden Wölfe sich in unsre Hütten schleichen;Denn unser Jammer lädt sie ein.Bald wird das Schwert des Feindes uns erreichen,Und dieß bedrängte Volk wird seine Beute seyn.

Wir ächzen am verwaisten Throne;

Die Wittwe seufzt, der Waise schreyt,

Sie suchen Hülfe bey der Krone.

Sieh, wie uns überall das Elend dräut!

Bald werden Wölfe sich in unsre Hütten schleichen;

Denn unser Jammer lädt sie ein.

Bald wird das Schwert des Feindes uns erreichen,

Und dieß bedrängte Volk wird seine Beute seyn.

Ein Jüngling. Recitativ.

Was kann izt unsre Quaalen lindern?Verzweiflung herrscht bey Greisen und bey Kindern.Der Jüngling ist mit Schmerzen ganz vertraut;Ihm tönen nicht die süssen Hochzeitlieder;Er schlägt die müden Augen nieder,Und lächelt nicht der Braut.

Was kann izt unsre Quaalen lindern?

Verzweiflung herrscht bey Greisen und bey Kindern.

Der Jüngling ist mit Schmerzen ganz vertraut;

Ihm tönen nicht die süssen Hochzeitlieder;

Er schlägt die müden Augen nieder,

Und lächelt nicht der Braut.

Arie.

Ich sehe täglich Trauerscenen;Wenn mich die holde Sonne grüßt,Entsinken meinem Auge Thränen,Und Thränen, wenn der Abend schließt.

Ich sehe täglich Trauerscenen;

Wenn mich die holde Sonne grüßt,

Entsinken meinem Auge Thränen,

Und Thränen, wenn der Abend schließt.

Der Greis. Recitativ.

Doch horcht! Wer unterbricht das fromme Stehnen?Wer stöhrt das heilige Gebet?Der Vater kömmt, um den sich alle sehnen,Um dessen Heil das Volk zum Tempel geht.

Doch horcht! Wer unterbricht das fromme Stehnen?

Wer stöhrt das heilige Gebet?

Der Vater kömmt, um den sich alle sehnen,

Um dessen Heil das Volk zum Tempel geht.

(Eduard wird auf einer offenen Sänfte getragen; weinende Schaaren folgen in stiller Betäubung dem schlummernden König.)

Chor des Volkes.

O Gott! Laß uns die Bitte wagen,Schenk unserm Vater deine Huld;Laß uns für ihn die Strafe tragen,Und leg auf uns allein die Schuld!

O Gott! Laß uns die Bitte wagen,

Schenk unserm Vater deine Huld;

Laß uns für ihn die Strafe tragen,

Und leg auf uns allein die Schuld!

(Der Donner rollt; die Blitze leuchten; die Erde bebt. Der Tempel zittert; die Völker stürzen anbetend zur Erde. Eine feyerliche Stille herrscht. Eduard erwacht aus einem tiefen Schlummer, blickt auf, weint und segnet sein Volk.)

Eduard. Recitativ.

Wo bin ich! —— Welch ein Licht beleuchtet mich!Ich irre nicht, dies sind des Tages erste Keime!Von meinem Auge fliehn die schwarzen Träume.O theures Volk, mein Mund begrüsset dich!Der grosse Gott, der die Tyrannen höhnet,Scheint izt durch meine Reu versöhnet.In Thränen floß mein Leben hin;In Schmerzen hat mein Alter zugenommen!O Grab, izt bin ich doch zu Dir gekommen,Ich fühle daß ich reif zum Tode bin!

Wo bin ich! —— Welch ein Licht beleuchtet mich!

Ich irre nicht, dies sind des Tages erste Keime!

Von meinem Auge fliehn die schwarzen Träume.

O theures Volk, mein Mund begrüsset dich!

Der grosse Gott, der die Tyrannen höhnet,

Scheint izt durch meine Reu versöhnet.

In Thränen floß mein Leben hin;

In Schmerzen hat mein Alter zugenommen!

O Grab, izt bin ich doch zu Dir gekommen,

Ich fühle daß ich reif zum Tode bin!

Arie.

Warum bist du so traurig meine Seele;Warum betrübst du dich mein Geist?Izt, da ich mich zu den Versöhnten zähle,Und da mein Mund den Schöpfer preist.Nicht mehr dräut uns der Gottheit Donnerrache;Nicht mehr verschlinget uns ihr Zorn;Sie lächelt sanft und gütig auf uns Schwache,Und stürzet nur ein stolzes Horn.Warum bist du u. s. w.

Warum bist du so traurig meine Seele;

Warum betrübst du dich mein Geist?

Izt, da ich mich zu den Versöhnten zähle,

Und da mein Mund den Schöpfer preist.

Nicht mehr dräut uns der Gottheit Donnerrache;

Nicht mehr verschlinget uns ihr Zorn;

Sie lächelt sanft und gütig auf uns Schwache,

Und stürzet nur ein stolzes Horn.

Warum bist du u. s. w.

Chor des Volkes.

Preist den Allmächtigen, jauchzet ihr Brüder!Er schenkt den zärtlichsten Vater uns wieder.

Preist den Allmächtigen, jauchzet ihr Brüder!

Er schenkt den zärtlichsten Vater uns wieder.

Eduard. Recitativ.

Dank theure Söhne! Dank für eure Liebe!Gott segne dieses Volk! —— Mein Herz zerbricht —Die Seele bebt — Mein Auge wird izt trübe ——Mir winkt ein schreckliches Gericht ——

Dank theure Söhne! Dank für eure Liebe!

Gott segne dieses Volk! —— Mein Herz zerbricht —

Die Seele bebt — Mein Auge wird izt trübe ——

Mir winkt ein schreckliches Gericht ——

Arie.

Ich fühle schon die letzte Todeswunde;Es eilt, es fliegt die schwarze TrennungsstundeMit raschen Fittigen herbey,Und macht den Geist von Banden frey.

Ich fühle schon die letzte Todeswunde;

Es eilt, es fliegt die schwarze Trennungsstunde

Mit raschen Fittigen herbey,

Und macht den Geist von Banden frey.

Recitativ.

O lebet wohl ihr frommen Söhne,Zum Erben laß ich Euch —— Den Würdigsten! ——Komm Sigismund, verwische deine Thräne,Ich kenne Dich, dein Herz ist groß und schön! ——Verwandle nie die edle Sitte;Herrsch über dieses Volk mit Sanftmuth und mit Güte;Doch wenn Du hoch und stark auf meinem Throne bist,Vergiß nicht, daß ein Gott der Fürsten Richter ist! ——Ich segne noch zum letztenmal Euch Kinder! ——Lebt wohl, lebt ewig wohl! — Die Kräfte werden minder —Mein mattes Licht verlischt ——

O lebet wohl ihr frommen Söhne,

Zum Erben laß ich Euch —— Den Würdigsten! ——

Komm Sigismund, verwische deine Thräne,

Ich kenne Dich, dein Herz ist groß und schön! ——

Verwandle nie die edle Sitte;

Herrsch über dieses Volk mit Sanftmuth und mit Güte;

Doch wenn Du hoch und stark auf meinem Throne bist,

Vergiß nicht, daß ein Gott der Fürsten Richter ist! ——

Ich segne noch zum letztenmal Euch Kinder! ——

Lebt wohl, lebt ewig wohl! — Die Kräfte werden minder —

Mein mattes Licht verlischt ——

(Zu Sigismund.)

Es ist der Todesschweis, den deine Hand verwischt.Leb wohl! — Mein Geist kämpft schon, und unterlieget —O Gott, die Schreckenwage wankt! ——Du legst dein Mitleid zu, und deine Gnade sieget! ——Dir sey Allmächtiger gedankt! ——Wer dräut mir dort? —— Seht Millionen Seelen! ——Ihr Myriaden klagt, um mich zu quälen ——Vergebt, weil Gott vergiebt!Als Vater mir verzeiht — mich ruft — und — liebt —

Es ist der Todesschweis, den deine Hand verwischt.

Leb wohl! — Mein Geist kämpft schon, und unterlieget —

O Gott, die Schreckenwage wankt! ——

Du legst dein Mitleid zu, und deine Gnade sieget! ——

Dir sey Allmächtiger gedankt! ——

Wer dräut mir dort? —— Seht Millionen Seelen! ——

Ihr Myriaden klagt, um mich zu quälen ——

Vergebt, weil Gott vergiebt!

Als Vater mir verzeiht — mich ruft — und — liebt —

(Er stirbt.)

(Ein ängstlicher Schmerz betäubt das Volk. Nur ein banges Winseln unterbricht das schauervolle Schweigen.)

Ein Saal. Alidia, Simena ihre Vertraute.

Alid.Verfinstere mein Schlafgemach! Es soll kein Stral der Sonne die Dämmerung durchbrechen. Schließ sorgfältig die Thüren, und schwöre mir, daß du mich heimlich begraben lässest. Ich will dich bereichern, schwöre mir.

Simena.Ich schwöre! —— Aber theure Gebieterinn —

Alid.Keine Vorstellungen! —— Es ist geschehen. Ich sterbe freywillig. Ich will nicht meinen Feind auf dem Thron erblicken. Eduard ist todt. Sigismund ist sein Thronerbe. Er ärndet die Früchte meiner Rache. Der Gedanke verbittert mir den Tod. Es werdeniemand vorgelassen! Man soll nicht die Verwüstung meiner Gesichtszüge bey Annäherung des Todes sehen. Ausserordentliche Wesen müssen groß auf der Welt erscheinen, und plötzlich von der Erde verschwinden. Alles däucht den Augen der Menschen klein, was gebohren wird, und stirbt. Ich will meinen Feinden wenigstens die Freude des Hohngelächters entreissen. Leb wohl! Gedenke deines Eides! —— Ich schliesse mich in mein Schlafgemach!

Eduards trauriger Schatten durcheilte die schwarzen Gestade.Und die feurigen Fluten des schäumenden Acherons brülltenAn dem Fuße des felsichten Ufers, und schreckten den PilgrimZehnmal zurücke. Bald dräuten ihm gräßliche Höllengespenster,Und bald begrub ihn der glüende Dampf in Schwefelgewölke.Wie wenn der Wandrer bey nächtlicher Stille die Wälder durchirret,Er beym mindsten Geräusche verweilet, und zitternd erwartet,Ob ein menschenblutwitternder Löwe die Klauen bereitet,Ihn zu zerreissen, oder ob ein stillschleichender RäuberSeine beschleunigten Schritte belauschet, um Beute zu haschen.Eben so bebend und horchend durcheilte der König die Hölle,Endlich erreicht er den heiligen Styx, er sieht MyriadenHarrende Seelen den schwanckenden Nachen des Charons erwarten.Wie die weißwolligten Lämmer, wenn sie die Weide verlassen,Und der ländlichen Hütte sich nähern, einander verdrängen,Sich bald in schwankende Haufen versammeln, bald wieder zertrennen,Und mit Ungeduld ihren lang zaudernden Hirten erwarten;Eben so häuften sich hier zehntausendfach stehende Reihen.

Eduards trauriger Schatten durcheilte die schwarzen Gestade.

Und die feurigen Fluten des schäumenden Acherons brüllten

An dem Fuße des felsichten Ufers, und schreckten den Pilgrim

Zehnmal zurücke. Bald dräuten ihm gräßliche Höllengespenster,

Und bald begrub ihn der glüende Dampf in Schwefelgewölke.

Wie wenn der Wandrer bey nächtlicher Stille die Wälder durchirret,

Er beym mindsten Geräusche verweilet, und zitternd erwartet,

Ob ein menschenblutwitternder Löwe die Klauen bereitet,

Ihn zu zerreissen, oder ob ein stillschleichender Räuber

Seine beschleunigten Schritte belauschet, um Beute zu haschen.

Eben so bebend und horchend durcheilte der König die Hölle,

Endlich erreicht er den heiligen Styx, er sieht Myriaden

Harrende Seelen den schwanckenden Nachen des Charons erwarten.

Wie die weißwolligten Lämmer, wenn sie die Weide verlassen,

Und der ländlichen Hütte sich nähern, einander verdrängen,

Sich bald in schwankende Haufen versammeln, bald wieder zertrennen,

Und mit Ungeduld ihren lang zaudernden Hirten erwarten;

Eben so häuften sich hier zehntausendfach stehende Reihen.

Millionen erkannten und grüßten mit Ehrfurcht den Helden.Seht ihr, so riefen sie staunend, da kömmt der Beherrscher der Erde!Vor ihm bebten die Könige, vor ihm erblaßten die Krieger;Er hat Länder zertreten, und mächtige Städte zermalmet.Endlich hat ihn die würgende Sense des Todes gemähet.So die Geister. Der grauende Schiffer belastet den Nachen,Und beherbergt auf faulenden Brettern den Weltenbeherrscher.Selbst die stygischen Wogen trugen mit Ehrfurcht den Wandrer.Banges Gewinsel von nahen Gestaden betäubte die Ohren.Eduard sah auf brennenden Inseln das schwarze GefängnißDer vom Schicksal verworfenen Geister. Hier wohnten die Laster.Charon entschlich mit flüchtigem Ruder dem Schauplatz der Rache.Endlich begrüßten sie sanftere Fluren, und Minos der RichterGab hier die hohen Befehle. Hier zitterten selbst die Gerechten.Könige bebten bey seinem allesentscheidenden Urtheil.Er wog Eduards Thaten mit Vorsicht, und fand sie gewichtig,Deine Tugenden rief er, haben die Laster besieget.Eil in die glücklichen Wohnungen, wo dich die Helden umarmen.Eduard dankte den Göttern, und suchte die goldene Pforte.Ewiggrünende Fluren zeigten sich plötzlich dem Auge;Wohlgeruchduftende Blumen schmückten die grünen Gefilde;und harmonische Sänger der Lüfte durchkreuzten die Haine.Izt sah er die seligsten Schaaren der tapfersten Helden.Lächelnd und gastfreundlich begrüßten sie alle den Fremdling,Sahen in ihm den edlen Gefährten der künftigen Tage,Wie die wolkenansteigende Fichte das kleine Gebüsch überholet,So stieg Eduards fürstliche Stirne weit über die Seelen.

Millionen erkannten und grüßten mit Ehrfurcht den Helden.

Seht ihr, so riefen sie staunend, da kömmt der Beherrscher der Erde!

Vor ihm bebten die Könige, vor ihm erblaßten die Krieger;

Er hat Länder zertreten, und mächtige Städte zermalmet.

Endlich hat ihn die würgende Sense des Todes gemähet.

So die Geister. Der grauende Schiffer belastet den Nachen,

Und beherbergt auf faulenden Brettern den Weltenbeherrscher.

Selbst die stygischen Wogen trugen mit Ehrfurcht den Wandrer.

Banges Gewinsel von nahen Gestaden betäubte die Ohren.

Eduard sah auf brennenden Inseln das schwarze Gefängniß

Der vom Schicksal verworfenen Geister. Hier wohnten die Laster.

Charon entschlich mit flüchtigem Ruder dem Schauplatz der Rache.

Endlich begrüßten sie sanftere Fluren, und Minos der Richter

Gab hier die hohen Befehle. Hier zitterten selbst die Gerechten.

Könige bebten bey seinem allesentscheidenden Urtheil.

Er wog Eduards Thaten mit Vorsicht, und fand sie gewichtig,

Deine Tugenden rief er, haben die Laster besieget.

Eil in die glücklichen Wohnungen, wo dich die Helden umarmen.

Eduard dankte den Göttern, und suchte die goldene Pforte.

Ewiggrünende Fluren zeigten sich plötzlich dem Auge;

Wohlgeruchduftende Blumen schmückten die grünen Gefilde;

und harmonische Sänger der Lüfte durchkreuzten die Haine.

Izt sah er die seligsten Schaaren der tapfersten Helden.

Lächelnd und gastfreundlich begrüßten sie alle den Fremdling,

Sahen in ihm den edlen Gefährten der künftigen Tage,

Wie die wolkenansteigende Fichte das kleine Gebüsch überholet,

So stieg Eduards fürstliche Stirne weit über die Seelen.

Alexanders erhabener Schatten umfaßt ihn der Erste.Sey mir willkommen! So rief er entzückt, du Liebling der Ehre!Du hast mit wärmesten Eifer die Lorbeern des Sieges erfochten.Sieh mich gekrönt! Die Güte der Götter belohnt hier die Thaten,Welche durchlauchtige Geister zu Lichtern der Menschen erheben.Kleinere Herzen mißkennen die feurigen Triebe des Ruhmes.Andere Fürsten drängten sich zu den Neuling zu küssen,Und der weise Lykurg belehrte den staunenden König.Mir sind Elisiums alte Bewohner seit Jahren vertrauter;Ich will Dir die glänzendsten Thaten von ihnen erzählen.Ich will dir sagen, was sie beglücket, erhöhet, vergöttert.Hier ist Kodrus die unüberwindliche Säule des Staates!Er hat sein edelstes Blut dem Vaterland würdig geopfert,Und das grazienliebende Griechenland hat ihn verewigt.Dort kömmt der gütige Titus, sein antlitzverschönerndes LächelnTrägt die heiligen Spuren von seinem wohlthätigen Herzen.Er hielt die Stunde verloren, in der er nicht Menschen beglückte.Sieh dort den weisen Aurel; die reichthumverschmähende SeeleBlikt aus den göttlichen Augen. Er liebte nur Tugend und Weisheit.Dort trabt der Riesenbekämpfer Alcid mit siegender Keule.Seine herkulischen Thaten verzeichnet die Nachwelt den Enkeln.Niemand schlummert sich groß, nur Arbeit und Sorge verherrlicht;Glänzende Lorbeern sind Preise des Sieges, des rühmlichsten Schweisses.Dort ruht Belisar in dem Haine von Palmen, er siegteUeber die Ränke der Neider; die ihn mit Geifer vertilgten.Sieh die ehrwürdigbeschneyten Häupter der thätigsten Fürsten,Unter den Kränzen fächelt der Zephir die silbernen Locken.Dieser verließ noch in blühenden Jahren die mächtigsten Throne,Wie viel grösser ist er als jener, der Kronen erobert!Dieser hat Menschen aus Thieren gebildet, durch gute GesetzeGleichsam die unwirthliche Sandbank mit Bürgern bevölkert.Jener schmückte sein Reich durch länderbeglückenden Frieden;Er schloß in süssester Ruhe sein neidmißkennendes Leben.Niemals betrat er aus Ehrgeiz das menschenvertilgende Schlachtfeld.Dieser unsterbliche Kronenverfechter verdient auch ein Denkmaal.Er ist einer der ehreverfolgenden Kämpfer der Vorwelt,Welche die Staaten wie rühmliche Säulen durch Tapferkeit stützen,Und nicht wie jene ruhmsüchtigen Erdenerschütterer wüten.Dieser schönlockichte Jüngling fiel für das Vaterland edel.Diesen Greisen erhebt die gütigerlassene Rache.Er hat die darbenden Staaten gerettet, und Undank geärndet.Sein Blut hat die goldene Krone des Oelzweigs gebrandmarkt.Diese Könige siegten mit edeldenkenden Bürgern.Ihre Herzen entbrannten beym Rufe der Vaterlandsliebe;Aber sie ist verächtlich geworden. Izt fechten nur Sklaven,Oder nur feile Söldlinge, die der Ehrgeiz befeuert.Mächtige Staaten haben wie Menschen auch Jugend und Alter.Glückliche Tage beschleunigen oft den eilenden Winter.So sprach der honigträchtige Mund des weisesten Redners,Und Erstaunung bemächtigte sich des gierigen Hörers;Eduard lebte mit ihm in ununterbrochener Freundschaft.

Alexanders erhabener Schatten umfaßt ihn der Erste.

Sey mir willkommen! So rief er entzückt, du Liebling der Ehre!

Du hast mit wärmesten Eifer die Lorbeern des Sieges erfochten.

Sieh mich gekrönt! Die Güte der Götter belohnt hier die Thaten,

Welche durchlauchtige Geister zu Lichtern der Menschen erheben.

Kleinere Herzen mißkennen die feurigen Triebe des Ruhmes.

Andere Fürsten drängten sich zu den Neuling zu küssen,

Und der weise Lykurg belehrte den staunenden König.

Mir sind Elisiums alte Bewohner seit Jahren vertrauter;

Ich will Dir die glänzendsten Thaten von ihnen erzählen.

Ich will dir sagen, was sie beglücket, erhöhet, vergöttert.

Hier ist Kodrus die unüberwindliche Säule des Staates!

Er hat sein edelstes Blut dem Vaterland würdig geopfert,

Und das grazienliebende Griechenland hat ihn verewigt.

Dort kömmt der gütige Titus, sein antlitzverschönerndes Lächeln

Trägt die heiligen Spuren von seinem wohlthätigen Herzen.

Er hielt die Stunde verloren, in der er nicht Menschen beglückte.

Sieh dort den weisen Aurel; die reichthumverschmähende Seele

Blikt aus den göttlichen Augen. Er liebte nur Tugend und Weisheit.

Dort trabt der Riesenbekämpfer Alcid mit siegender Keule.

Seine herkulischen Thaten verzeichnet die Nachwelt den Enkeln.

Niemand schlummert sich groß, nur Arbeit und Sorge verherrlicht;

Glänzende Lorbeern sind Preise des Sieges, des rühmlichsten Schweisses.

Dort ruht Belisar in dem Haine von Palmen, er siegte

Ueber die Ränke der Neider; die ihn mit Geifer vertilgten.

Sieh die ehrwürdigbeschneyten Häupter der thätigsten Fürsten,

Unter den Kränzen fächelt der Zephir die silbernen Locken.

Dieser verließ noch in blühenden Jahren die mächtigsten Throne,

Wie viel grösser ist er als jener, der Kronen erobert!

Dieser hat Menschen aus Thieren gebildet, durch gute Gesetze

Gleichsam die unwirthliche Sandbank mit Bürgern bevölkert.

Jener schmückte sein Reich durch länderbeglückenden Frieden;

Er schloß in süssester Ruhe sein neidmißkennendes Leben.

Niemals betrat er aus Ehrgeiz das menschenvertilgende Schlachtfeld.

Dieser unsterbliche Kronenverfechter verdient auch ein Denkmaal.

Er ist einer der ehreverfolgenden Kämpfer der Vorwelt,

Welche die Staaten wie rühmliche Säulen durch Tapferkeit stützen,

Und nicht wie jene ruhmsüchtigen Erdenerschütterer wüten.

Dieser schönlockichte Jüngling fiel für das Vaterland edel.

Diesen Greisen erhebt die gütigerlassene Rache.

Er hat die darbenden Staaten gerettet, und Undank geärndet.

Sein Blut hat die goldene Krone des Oelzweigs gebrandmarkt.

Diese Könige siegten mit edeldenkenden Bürgern.

Ihre Herzen entbrannten beym Rufe der Vaterlandsliebe;

Aber sie ist verächtlich geworden. Izt fechten nur Sklaven,

Oder nur feile Söldlinge, die der Ehrgeiz befeuert.

Mächtige Staaten haben wie Menschen auch Jugend und Alter.

Glückliche Tage beschleunigen oft den eilenden Winter.

So sprach der honigträchtige Mund des weisesten Redners,

Und Erstaunung bemächtigte sich des gierigen Hörers;

Eduard lebte mit ihm in ununterbrochener Freundschaft.

Platz der Stadt. Lusian, das ganze königliche Leichengefolge, und eine unendliche Menge Volks, hernach Beliam.

(Lusian sprenget mit verhängtem Zügel daher, stürzt hastig von seinem Pferde, und eilt zur Leiche Eduards.)

Lus.Ich muß meinen König sehen —— Haltet! —— Ich muß meinen Eduard mit Thränen waschen! ——(Er küßt die Leiche und weint)Du bist todt! —— Auf der Reise fiel mir der Stiefel in die Augen, den ich als ein Denkmaal deiner Grösse bewahre —— Diesen Stiefel, sagt ich zu mir selbst, hat er von meinen Füssen als König gezogen, und du Lusian verlässest ihn? —— Ich zog zurück von Liebe und Dankbarkeit beflügelt —— Ich komme zu spät! —— Ich finde Dich nicht mehr! —— Da liegst Du in einem schmalen Häuschen! —— Welch ein durchlauchtiges Gehirn veredelte Dich! Was für ein grosses Herz schlug in deinem Busen! —— O meine Freunde, weinet, weinet mit mir um unsern Freund, um unsern Vater! —— Unser Eduard ist todt! —— Erinnert Euch aller seiner Thaten! Wie viel Güte, wie viel Großmuth, wie viel Standhaftigkeit! Wo ist ein Geist von seinem Umfang, von diesem erhabnen Schwunge? wo ähnliche Kräften, seine Riesenarbeiten auszuführen? —— Wie hat er uns geliebt! O! unsterblichhättest du seyn sollen mein Eduard! Verflucht sey die Hand, die dich getödtet hat! Weiber! O Weiber! —— Gute Nacht mein lieber König! Schlummre sanft, ruh aus von deinen Heldenarbeiten! Die Nachwelt soll bey deinem Gedächtnisse staunen, und weinen! —— Das ist mein Abschiedskuß, eine Leichenrede von warmen Herzen! —— Sezt nur den Stiefel auf sein Grabmaal, und alle aufgedunsenen Könige sollen erröthen; die stolzen Riesen sollen zusammenschrumpfen, wenn man ihnen den Namen Eduard entgegen ruft. —— Meine Thränen hemmen die Worte —— Gute Nacht lieber Eduard?

(Das Volk weinet; eine traurige Stille herrscht überall. Beliam schleicht traurig daher, zieht sein Kleid aus, und hängt es an die Pforte des Grabmaals.)

Bel.Das Lustspiel ist aus; laßt den Aufzug herab! —— Morgen werden wir die Ehre haben aufzuführen die Krönung Sigismund, ein Originallustspiel in fünf Aufzügen; wir bitten um einen zahlreichen Zuspruch.

(Das Volk lacht und zerstreut sich.)

Bel.So sind die Menschen, bald weinen, bald lachen sie! —— Ich als ein Narr thue, was ich kann. Ein treuer Diener überlebt seinen Herrn nicht.(Er pocht an die Trödlerbude.)He Mann! Bring mir einen Domino! Da ist Geld! Geschwind! Das soll mein Leichengewand seyn!(Er zieht den Domino an.)Felices illi, qui moriuntur in Domino, pflegte mein Vater zu sagen, der ein Narr war, wie ich. Izt gute Nacht! Ich will meinen Arzt besuchen, bringt er mich nicht um; so sollen die Weiber, die mit Riesen selbsten nur spielen, mich kleinen Zwergen übermeistern, und der langsamen Natur die Arbeit meiner Zerstöhrung erleichtern. —— Eduard gute Nacht! —— Du warst ein guter Kerl, ich habe dich sehr lieb gehabt, also gute Nacht! —— Beliam fühlt sich, und stirbt bald; zum letztenmal allerseits gute Nacht!

(Er geht traurig ab.)

Stehet mir bey unsterbliche Götter bey meinem Gesange!Ich will eure Verwandlungen singen; womit ihr die MenschenBald bestrafet, bald belohnet, und eure Gerechtigkeit zeiget.Salinia genoß noch der Wollust der süssesten Rache.Ich bin gerächet, so rief sie, am schwärzesten Frevler gerächet!Mag er doch sterbend die Buhlerinn krönen! Die Siege verschwindenWie ein Traumgesicht. Doch wer nähert? Was bringt mir Amanda?Göttliches Blatt, du zeugest von Liebe, wie war ich geblendet!Eduard liebt mich, und stirbt durch meine voreilige Rache.Sie schlug den Busen, und eilte mit fliegenden Haaren zur Pforte.Sie stürzt zur Leiche des Königs, und nezt sie mit zärtlichen Thränen.O mein Eduard, ewiggeliebter, eröffne die Lippe!Ich hab aus Liebe gefehlt, aus Eifersucht thöricht gehandelt;Theurer vergieb; ich eile dein Blut durch Meines zu rächen!So sprach sie wütend, und faßte den Dolch mit hastigen Händen;Amor entwaffnete sie, und gab ihr die schmäuchelnde Hofnung.Wie einst den Orpheus will ich zur Pforte der Hölle dich leitenDeine bezaubernden Thränen sollen die Geister besiegen.So sprach Amor, und führte die Schöne zum schwarzen Gestade.Cerberus brüllte, die Schatten erstaunten beym Anblick der Fremden.Pluto vergaß sein trotziges Wesen, und forschte die Ursach.König der Schatten, aus dessen Gebiete nie Sterbliche kehren,Vor dir kniet die Unglücklichste, die dein Mitleid erflehet.Gieb mir den theuren Geliebten zurück, wo nicht so vertilgeMeine Gebeine, damit ich den seligen Schatten begrüsse.Ich bin die Mörderinn Eduards! Ach unseliger Irrthum!Tausendmal tödtet mich schon der Schreckengedanke des Lasters.Laß durch die heissesten Thränen dich rühren, und hör mein Begehren!Und der Höllenfürst gab ihr zu Antwort; Ich will dich belohnen!Deine Reue vertilgt das Verbrechen; du sollst ihn besitzen.Doch solang Ihr beym finstern Gestade der Hölle verweilet,Soll ein heiliges Schweigen Euch beiden die Lippen verschliessen!Eine neugierige Sylbe wird eure Gelübde zerbrechen;Eduard wird dir wieder entrissen! Geh, fürchte die Götter!So rief der Schattenbeherrscher, und gab ihr den Eduard wieder.Sie umarmte mit Innbrunst den wiederbelebten Geliebten;Und sie eilte von Liebe berauscht zur schrecklichen Pforte.Aber grinsende Haufen der Furien standen im Wege,Schreckten sie zehnmal vom Gleise zurücke; sie dräuten vergebens,Denn die Liebenden eilten entschlossen durch tausend Gefahren.Grosse Geschwader der Geister erregten ein lautes Gelächter,Und die Neugier begrüßte die Wandrer mit spöttischen Worten.Welch ein Phantom entführst du der Hölle betrogene Schöne?Eine Larve betrügt dich! Die Stimme beweiset das Leben.Kann den ungütigen Pluto die weibliche Thräne bewegen?Siehst du denn nicht den schlauen Betrug aus seinen Befehlen?Ihr sollt schweigen, damit nicht ein Wörtchen den Irrthum zerstöhret.Zweifel und Angst bemächtigten sich der zitternden Wandrer,Da sie die listige Rede der prüfenden Neugier verschlangen.Sprich nur ein Sylbchen, so sprach Salinia zu dem Geliebten,Nur ein Athem ist Trost für mein Herz, und Labsal dem Busen.Laß die Thräne, die selbsten die höllische Gottheit besiegte,Dich mein Eduard rühren, und flüstre mir labende Worte!Eduard ließ sich erweichen, er sprach, und fiel in die ArmeSeiner getäuschten Salinia. Sie sah ihn plötzlich erstarren,Und sie sank leblos zur Erde. Da lagen die schönen Ruinen.Amor vom Mitleid durchdrungen begrüßte den Vater der Götter,Und Zeus wandelt den Helden in einen berühmten Kometen.Noch in seiner veränderten Miene bedräut er die Menschen,Und weissaget der Erde Verderben, und blutige Kriege.Alle Geschöpfe bewundern sein Antlitz; so lebt er verewigt.Aber Salinia wandelte Zeus in Rosengebüsche.Und noch tragen sie deutliche Spuren von ihrem Charakter;Sie verwunden mit Dörnern, sie laben mit süssen Gerüchen,Und sie bleiben das ewige Sinnbild der zärtlichen Liebe.

Stehet mir bey unsterbliche Götter bey meinem Gesange!

Ich will eure Verwandlungen singen; womit ihr die Menschen

Bald bestrafet, bald belohnet, und eure Gerechtigkeit zeiget.

Salinia genoß noch der Wollust der süssesten Rache.

Ich bin gerächet, so rief sie, am schwärzesten Frevler gerächet!

Mag er doch sterbend die Buhlerinn krönen! Die Siege verschwinden

Wie ein Traumgesicht. Doch wer nähert? Was bringt mir Amanda?

Göttliches Blatt, du zeugest von Liebe, wie war ich geblendet!

Eduard liebt mich, und stirbt durch meine voreilige Rache.

Sie schlug den Busen, und eilte mit fliegenden Haaren zur Pforte.

Sie stürzt zur Leiche des Königs, und nezt sie mit zärtlichen Thränen.

O mein Eduard, ewiggeliebter, eröffne die Lippe!

Ich hab aus Liebe gefehlt, aus Eifersucht thöricht gehandelt;

Theurer vergieb; ich eile dein Blut durch Meines zu rächen!

So sprach sie wütend, und faßte den Dolch mit hastigen Händen;

Amor entwaffnete sie, und gab ihr die schmäuchelnde Hofnung.

Wie einst den Orpheus will ich zur Pforte der Hölle dich leiten

Deine bezaubernden Thränen sollen die Geister besiegen.

So sprach Amor, und führte die Schöne zum schwarzen Gestade.

Cerberus brüllte, die Schatten erstaunten beym Anblick der Fremden.

Pluto vergaß sein trotziges Wesen, und forschte die Ursach.

König der Schatten, aus dessen Gebiete nie Sterbliche kehren,

Vor dir kniet die Unglücklichste, die dein Mitleid erflehet.

Gieb mir den theuren Geliebten zurück, wo nicht so vertilge

Meine Gebeine, damit ich den seligen Schatten begrüsse.

Ich bin die Mörderinn Eduards! Ach unseliger Irrthum!

Tausendmal tödtet mich schon der Schreckengedanke des Lasters.

Laß durch die heissesten Thränen dich rühren, und hör mein Begehren!

Und der Höllenfürst gab ihr zu Antwort; Ich will dich belohnen!

Deine Reue vertilgt das Verbrechen; du sollst ihn besitzen.

Doch solang Ihr beym finstern Gestade der Hölle verweilet,

Soll ein heiliges Schweigen Euch beiden die Lippen verschliessen!

Eine neugierige Sylbe wird eure Gelübde zerbrechen;

Eduard wird dir wieder entrissen! Geh, fürchte die Götter!

So rief der Schattenbeherrscher, und gab ihr den Eduard wieder.

Sie umarmte mit Innbrunst den wiederbelebten Geliebten;

Und sie eilte von Liebe berauscht zur schrecklichen Pforte.

Aber grinsende Haufen der Furien standen im Wege,

Schreckten sie zehnmal vom Gleise zurücke; sie dräuten vergebens,

Denn die Liebenden eilten entschlossen durch tausend Gefahren.

Grosse Geschwader der Geister erregten ein lautes Gelächter,

Und die Neugier begrüßte die Wandrer mit spöttischen Worten.

Welch ein Phantom entführst du der Hölle betrogene Schöne?

Eine Larve betrügt dich! Die Stimme beweiset das Leben.

Kann den ungütigen Pluto die weibliche Thräne bewegen?

Siehst du denn nicht den schlauen Betrug aus seinen Befehlen?

Ihr sollt schweigen, damit nicht ein Wörtchen den Irrthum zerstöhret.

Zweifel und Angst bemächtigten sich der zitternden Wandrer,

Da sie die listige Rede der prüfenden Neugier verschlangen.

Sprich nur ein Sylbchen, so sprach Salinia zu dem Geliebten,

Nur ein Athem ist Trost für mein Herz, und Labsal dem Busen.

Laß die Thräne, die selbsten die höllische Gottheit besiegte,

Dich mein Eduard rühren, und flüstre mir labende Worte!

Eduard ließ sich erweichen, er sprach, und fiel in die Arme

Seiner getäuschten Salinia. Sie sah ihn plötzlich erstarren,

Und sie sank leblos zur Erde. Da lagen die schönen Ruinen.

Amor vom Mitleid durchdrungen begrüßte den Vater der Götter,

Und Zeus wandelt den Helden in einen berühmten Kometen.

Noch in seiner veränderten Miene bedräut er die Menschen,

Und weissaget der Erde Verderben, und blutige Kriege.

Alle Geschöpfe bewundern sein Antlitz; so lebt er verewigt.

Aber Salinia wandelte Zeus in Rosengebüsche.

Und noch tragen sie deutliche Spuren von ihrem Charakter;

Sie verwunden mit Dörnern, sie laben mit süssen Gerüchen,

Und sie bleiben das ewige Sinnbild der zärtlichen Liebe.

Euphrosine wein, streue die goldenenLocken hin auf das Grab dieses Eroberers!Jede Tugend posaunt seinen unsterblichenRuhm den spätesten Enkeln zu.

Euphrosine wein, streue die goldenen

Locken hin auf das Grab dieses Eroberers!

Jede Tugend posaunt seinen unsterblichen

Ruhm den spätesten Enkeln zu.

Zepterwürdiger Fürst, Lorbeern verewigenDeine Tapferkeit nicht; Musengesänge sindDie Herolde der Zeit; sie nur verherrlichenUnd entreissen dem Tode Dich.

Zepterwürdiger Fürst, Lorbeern verewigen

Deine Tapferkeit nicht; Musengesänge sind

Die Herolde der Zeit; sie nur verherrlichen

Und entreissen dem Tode Dich.

Schön war dein Aufgang O Stern! Minder dein Niedergang!Deinen Frühling erhöhn Thaten der Menschlichkeit.Zärtliche Thränen, und Dank glücklicher SterblichenPreisen dein gütiges Vaterherz.

Schön war dein Aufgang O Stern! Minder dein Niedergang!

Deinen Frühling erhöhn Thaten der Menschlichkeit.

Zärtliche Thränen, und Dank glücklicher Sterblichen

Preisen dein gütiges Vaterherz.

Wenn das blutige Feld Mörder bevölkerten,Häufiges Bruderblut floß, und der vertilgendeDonner die Schedel zerschlug; gossest Du Thränen hin,Und warst Mensch und Bruder noch.

Wenn das blutige Feld Mörder bevölkerten,

Häufiges Bruderblut floß, und der vertilgende

Donner die Schedel zerschlug; gossest Du Thränen hin,

Und warst Mensch und Bruder noch.

Wollte die Schönheit durch Reiz dein Herz abwürdigen;Schloß dein Auge sich zu. Grösser als Scipio,Weiser als jener Ulyß höhnst du die Weichlichkeit,Und bekrönest die Tugenden.

Wollte die Schönheit durch Reiz dein Herz abwürdigen;

Schloß dein Auge sich zu. Grösser als Scipio,

Weiser als jener Ulyß höhnst du die Weichlichkeit,

Und bekrönest die Tugenden.


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