O schönste Königinn, bedecke dein Gesicht!Du könntest meine Tugend schwächen.Dann will ich weiter mit dir sprechen.
O schönste Königinn, bedecke dein Gesicht!
Du könntest meine Tugend schwächen.
Dann will ich weiter mit dir sprechen.
(Sophie verschleyert sich.)
Edu.
Dein Schmerz ist edel und gerecht.Ich bin ein Mensch, und ehre dein Geschlecht,Ich schätze dich, und zähle deine Thränen.Ich komme nicht hieher den Todten zu verhöhnen,Weil ich sein Sieger bin; Nein, Ehrfurcht führt mich her.Die Zähre, die ihn nezt, soll seine Thaten krönen!Ich fällte manchen Feind, der Würdigste war er!Ruh sanft du edle Leiche! ——Wie rühmlich floß dein Heldenlauf!Wenn ich dir einst am Ruhme gleiche,Und dir auch nicht an Tugend weiche;So bin ich stolz darauf.
Dein Schmerz ist edel und gerecht.
Ich bin ein Mensch, und ehre dein Geschlecht,
Ich schätze dich, und zähle deine Thränen.
Ich komme nicht hieher den Todten zu verhöhnen,
Weil ich sein Sieger bin; Nein, Ehrfurcht führt mich her.
Die Zähre, die ihn nezt, soll seine Thaten krönen!
Ich fällte manchen Feind, der Würdigste war er!
Ruh sanft du edle Leiche! ——
Wie rühmlich floß dein Heldenlauf!
Wenn ich dir einst am Ruhme gleiche,
Und dir auch nicht an Tugend weiche;
So bin ich stolz darauf.
(Zur Königinn.)
Arie.
Besteig den Thron als Königinn!Ich schenke deinem theuren SohneSein weites Reich, und seine Krone!Wiß, daß ich Feind der Stolzen bin;Doch die Demüthigen verschone.Nimm diesen goldnen Zepter hin!
Besteig den Thron als Königinn!
Ich schenke deinem theuren Sohne
Sein weites Reich, und seine Krone!
Wiß, daß ich Feind der Stolzen bin;
Doch die Demüthigen verschone.
Nimm diesen goldnen Zepter hin!
Chor.
Preiset, und ehret ihr rühmlichen Krieger,Den mächtigsten Helden, den tapfersten Sieger!
Preiset, und ehret ihr rühmlichen Krieger,
Den mächtigsten Helden, den tapfersten Sieger!
Soph.
Der gröste Fürst bist Du!Der Himmel schicket uns durch Dich den Segen zu!
Der gröste Fürst bist Du!
Der Himmel schicket uns durch Dich den Segen zu!
Edu.
Izt hab ich noch den schwersten aller Siege!
Izt hab ich noch den schwersten aller Siege!
(Er blickt sie an, wankt, und sagt entschlossen.)
Lebwohl —— Wir haben uns das letztemal gesehn!Indem ich rasch aus diesem Grabmaal fliege,Wird erst die gute Handlung schön.
Lebwohl —— Wir haben uns das letztemal gesehn!
Indem ich rasch aus diesem Grabmaal fliege,
Wird erst die gute Handlung schön.
(Er geht.)
Chor.
Preiset, und ehret ihr rühmlichen Krieger,Den mächtigsten Helden, den tapfersten Sieger.
Preiset, und ehret ihr rühmlichen Krieger,
Den mächtigsten Helden, den tapfersten Sieger.
Wie, mit Lorbern belastet, in Mitte der glänzendsten SiegeEduard, liebst du mich noch, und schreibst mir freundschaftliche Briefe?Wie kannst du bey soviel Geschäften die goldnen MinutenGütig verschenken, den Lehrer zu grüssen, der ewig dich liebet,Dich in blutige Schlachten mit Zittern begleitet, und seufzet,Dich mein erhabner Zögling, von Feinden umringet zu sehn?Wie oft wünsch ich dich in die Arme der Musen zurücke;Wie oft träum ich mich wieder in jene glückseligen Stunden,Da ich mit dir die Lichter der Erde mit Musse besuchte;Bald mit dem Honig der Dichtkunst, und bald mit dem Nectar der WeisheitDeine hungrige Seele durch grosse Gedanken erquickte.O schon damals reiften die Keime der edelsten Tugend!Welche Wonne durchströmte mich oft, wenn zärtliche Bilder,Sanfte Gemälde des Lebens die Thränen vom Auge dir lokten!Freudiger schlug mir das Herz, und Hofnungen labten den Busen.Dieser wird König! So sagt ich, wie wird Er die Erde beglücken!O weissagend ist dieses Gefühl, und heilig die Regung!Menschlichkeit ist die Zierde der Fürsten, die Stütze der Throne!Dank dir allmächtiger Himmel, du hast die Lehren gesegnet!Sieh, schon reifet mein Zögling, mein Liebling zum Fürsten der Fürsten!Nicht durch blutige Siege, — Durch ewige Thaten des Herzens!Thaten, die noch unsterblicher werden, wenn Er schon verweset.Indeß die fressende Zeit die goldnen Trophäen verschlinget,Die nur ein Denkmaal der harten Zerstörung der Menschen bereiten.König, du weintest, so schreibst du, nach jenem berufenen Treffen;Schick mir die Thränen, damit ich sie trinke, die göttlichen Thränen!Eine von ihnen verdient Obelisken; die Lorbeern verwelken!Du hast die Wunden der Feinde gesalbet. O könnt ich dich küssen!Wie ein Vater den Sohn mit brünstigen Armen umfassen,Dich mit Zähren des Dankes bethauen! Ich danke dir Zögling,Du hast den Saamen der Weisheit gesammelt, gepflegt, und genähret.Aber was soll ich vom Siege, vom herrlichsten Siege dir sagen?Selbst der herzenzerschmelzenden Schönheit der Weiber entfliehst du!Nimm die Krone! Sey König! Die reizende Tugend bekrönt dich!Eduard, liebe die rühmlichen Gleise, sey immer dir ähnlich;Sey stets ein Bruder der Menschen, ein zärtlicher Vater der Völker;Liebe dein Vaterland mehr als die verwelkenden Palmen!Schenk, sobald es die Staatskunst erlaubt, der Erde den Frieden;Sey mehr gütig als groß, mehr menschlich, als unüberwindlich!Nicht nur im Schlachtfeld ist Arbeit, der Friede hat edle Geschäfte.Einst beglükst du die blühenden Staaten mit weisen Gesetzen;Du verherrlichst die Städte mit Wissenschaft, steigenden Künsten,Schönen Pallästen, die deine ruhmwürdige Kenntniß bezeichnen.Da lebst du von Freunden gepriesen, von Bürgern verehret,Von den Bundesgenossen geliebt, von Nachbarn bewundert.O dieß reizende Bild verjünget mein silbernes Alter!Dann kriech ich mit segnender Lippe zur Stufe des Thrones,Bringe Dir lallend den Abschiedgruß, preise die selige Stunde,Die dich der Erde zum Trost, zum süssesten Labsal geschenkt hat.Aber zu weit verliert sich mein Geist in reizenden Träumen!Träumen? Nein! Lebende Bilder sind dieses, du wirst sie beseelen!Sey nur so thätig wie jener, der jede Minute beweinte,Die nicht sein göttliches Herz durch rühmliche Handlungen schmückte.Aber dein Anfang beweiset, daß du nicht Sekunden verlierest.Schenk dich uns bald, mit Sehnsucht erwarten dich schmachtende Freunde:Nicht mehr mit Briefen, mit jauchzendem Munde will ich dich begrüssen.
Wie, mit Lorbern belastet, in Mitte der glänzendsten Siege
Eduard, liebst du mich noch, und schreibst mir freundschaftliche Briefe?
Wie kannst du bey soviel Geschäften die goldnen Minuten
Gütig verschenken, den Lehrer zu grüssen, der ewig dich liebet,
Dich in blutige Schlachten mit Zittern begleitet, und seufzet,
Dich mein erhabner Zögling, von Feinden umringet zu sehn?
Wie oft wünsch ich dich in die Arme der Musen zurücke;
Wie oft träum ich mich wieder in jene glückseligen Stunden,
Da ich mit dir die Lichter der Erde mit Musse besuchte;
Bald mit dem Honig der Dichtkunst, und bald mit dem Nectar der Weisheit
Deine hungrige Seele durch grosse Gedanken erquickte.
O schon damals reiften die Keime der edelsten Tugend!
Welche Wonne durchströmte mich oft, wenn zärtliche Bilder,
Sanfte Gemälde des Lebens die Thränen vom Auge dir lokten!
Freudiger schlug mir das Herz, und Hofnungen labten den Busen.
Dieser wird König! So sagt ich, wie wird Er die Erde beglücken!
O weissagend ist dieses Gefühl, und heilig die Regung!
Menschlichkeit ist die Zierde der Fürsten, die Stütze der Throne!
Dank dir allmächtiger Himmel, du hast die Lehren gesegnet!
Sieh, schon reifet mein Zögling, mein Liebling zum Fürsten der Fürsten!
Nicht durch blutige Siege, — Durch ewige Thaten des Herzens!
Thaten, die noch unsterblicher werden, wenn Er schon verweset.
Indeß die fressende Zeit die goldnen Trophäen verschlinget,
Die nur ein Denkmaal der harten Zerstörung der Menschen bereiten.
König, du weintest, so schreibst du, nach jenem berufenen Treffen;
Schick mir die Thränen, damit ich sie trinke, die göttlichen Thränen!
Eine von ihnen verdient Obelisken; die Lorbeern verwelken!
Du hast die Wunden der Feinde gesalbet. O könnt ich dich küssen!
Wie ein Vater den Sohn mit brünstigen Armen umfassen,
Dich mit Zähren des Dankes bethauen! Ich danke dir Zögling,
Du hast den Saamen der Weisheit gesammelt, gepflegt, und genähret.
Aber was soll ich vom Siege, vom herrlichsten Siege dir sagen?
Selbst der herzenzerschmelzenden Schönheit der Weiber entfliehst du!
Nimm die Krone! Sey König! Die reizende Tugend bekrönt dich!
Eduard, liebe die rühmlichen Gleise, sey immer dir ähnlich;
Sey stets ein Bruder der Menschen, ein zärtlicher Vater der Völker;
Liebe dein Vaterland mehr als die verwelkenden Palmen!
Schenk, sobald es die Staatskunst erlaubt, der Erde den Frieden;
Sey mehr gütig als groß, mehr menschlich, als unüberwindlich!
Nicht nur im Schlachtfeld ist Arbeit, der Friede hat edle Geschäfte.
Einst beglükst du die blühenden Staaten mit weisen Gesetzen;
Du verherrlichst die Städte mit Wissenschaft, steigenden Künsten,
Schönen Pallästen, die deine ruhmwürdige Kenntniß bezeichnen.
Da lebst du von Freunden gepriesen, von Bürgern verehret,
Von den Bundesgenossen geliebt, von Nachbarn bewundert.
O dieß reizende Bild verjünget mein silbernes Alter!
Dann kriech ich mit segnender Lippe zur Stufe des Thrones,
Bringe Dir lallend den Abschiedgruß, preise die selige Stunde,
Die dich der Erde zum Trost, zum süssesten Labsal geschenkt hat.
Aber zu weit verliert sich mein Geist in reizenden Träumen!
Träumen? Nein! Lebende Bilder sind dieses, du wirst sie beseelen!
Sey nur so thätig wie jener, der jede Minute beweinte,
Die nicht sein göttliches Herz durch rühmliche Handlungen schmückte.
Aber dein Anfang beweiset, daß du nicht Sekunden verlierest.
Schenk dich uns bald, mit Sehnsucht erwarten dich schmachtende Freunde:
Nicht mehr mit Briefen, mit jauchzendem Munde will ich dich begrüssen.
Zu Pferde lese ich deinen Brief, und zu Pferde schreibe ich auf meine Schreibtafel zur Antwort: Meine Feinde sind gedemüthiget, und ich komme dich kindlich zu umarmen, und dir mündlich zu sagen, wie sehr ich dir für dein warmes Sendschreiben danke, und dich liebe u. s. w.
Ein Saal mit den Schlachtgemälden Eduards. Eduard, einige Höflinge hernach Beliam.
Edu.Der Maler versteht seine Kunst! —— Lasset ihm die Originalplane geben! ——(Er liest)Die unglaubliche Uebersetzung des Flusses —— Die wunderbare Schlacht bey —— Lasset diese schwülstigen Aufschriften weg! Sagt die Sache kurz: die Uebersetzung des Flusses, die Schlacht bey —— Grosse Aufschriften machen kleine Thaten! —— Albin, dir übergebe ich die Besorgung dieses Geschäftes; zieh meinen Freund Alsin in allem zu Rath. Ich kenne deinen guten Geschmack. —— Beliam, was bringst du so freudig?
Beliam.Alle gute Dinge sind drey! —— Das Erste ist mein Gruß! Das Zweyte ist ein wunderbares Ding, und das Dritte diese Rolle Papier.
Edu.Den Gruß nehme ich mit Dank. Das Zweyte mußt Du mir deutlicher erklären, und das Dritte will ich lesen.
Beliam.Salinia, das schönste Mädchen am ganzen Hofe, schickt mich zu dir mit diesem Briefe, und sie gab mir noch Etwas für dich. Weiser König, rathe selbsten was es ist. Ich will dirs sonnenklar beschreiben. ——
Bist du mein Held wie einst Oedip bescheiden;So löse mir das Räthsel mit Verstand!Ein Alexander mag den Knotten schneiden,Das zeigt nur Stolz, und eine kühne Hand.Sprich meinen Namen aus, der allen lieblich klingt,Von dem ein jeder Dichter singt.Nur Gleißner nennen mich mit Stocken und Erröthen.Bald darf ich frey in die Gesellschaft treten.Man sieht mich gern in grossen Häusern blühn.Bald muß ich scheu die Sonnenstralen fliehn.Einst lebt ich brüderlich mit Freunden und Verwandten,Bis mich die Schwesterchen verbannten.Seitdem bin ich den Liebenden getreu,Ich werde seltsam, aber neu.Sehr oft misbrauchen mich Verräther.Die Näscher machen mich gemein.Mich hassen gar zu strenge Väter.Den Brünstigen bin ich verächtlich, klein.In jenen edlen Heldenzeiten,War ich ein unschätzbarer Preis.Ich suche den, der mich oft nicht zu schätzen weiß.Ein andrer muß um meine Freundschaft streiten.Ich lohne den, der mich erringen muß.Ich lasse mir von Fürsten nicht befehlen.Oft schenkt man mich nur mit Verdruß.Die sind nicht thöricht, die mich stehlen.Doch der erkennt von mir den ganzen Werth,Der seine Liebe froh durch mich beschwört.
Bist du mein Held wie einst Oedip bescheiden;
So löse mir das Räthsel mit Verstand!
Ein Alexander mag den Knotten schneiden,
Das zeigt nur Stolz, und eine kühne Hand.
Sprich meinen Namen aus, der allen lieblich klingt,
Von dem ein jeder Dichter singt.
Nur Gleißner nennen mich mit Stocken und Erröthen.
Bald darf ich frey in die Gesellschaft treten.
Man sieht mich gern in grossen Häusern blühn.
Bald muß ich scheu die Sonnenstralen fliehn.
Einst lebt ich brüderlich mit Freunden und Verwandten,
Bis mich die Schwesterchen verbannten.
Seitdem bin ich den Liebenden getreu,
Ich werde seltsam, aber neu.
Sehr oft misbrauchen mich Verräther.
Die Näscher machen mich gemein.
Mich hassen gar zu strenge Väter.
Den Brünstigen bin ich verächtlich, klein.
In jenen edlen Heldenzeiten,
War ich ein unschätzbarer Preis.
Ich suche den, der mich oft nicht zu schätzen weiß.
Ein andrer muß um meine Freundschaft streiten.
Ich lohne den, der mich erringen muß.
Ich lasse mir von Fürsten nicht befehlen.
Oft schenkt man mich nur mit Verdruß.
Die sind nicht thöricht, die mich stehlen.
Doch der erkennt von mir den ganzen Werth,
Der seine Liebe froh durch mich beschwört.
* * ** *
Eduard.
Weil ich dir doch das Räthsel lösen muß;So sag ich dir geheim, es ist ein —— Kuß!
Weil ich dir doch das Räthsel lösen muß;
So sag ich dir geheim, es ist ein —— Kuß!
Arie.
Liebe, süß sind deine Freuden;Mich berauschet dein Genuß.Reiche mir den Abschiedskuß,Denn wir müssen ewig scheiden.Du bist flüchtig wie das Glück.Ich befürchte deine Ränke.Wenn ich deine List bedenke,Beb ich scheu vor dir zurück.
Liebe, süß sind deine Freuden;
Mich berauschet dein Genuß.
Reiche mir den Abschiedskuß,
Denn wir müssen ewig scheiden.
Du bist flüchtig wie das Glück.
Ich befürchte deine Ränke.
Wenn ich deine List bedenke,
Beb ich scheu vor dir zurück.
Recitativ.
Laß mich dem Donner rasch enteilen,Die du dem Vater Zevs oft hämisch stihlst.Ich weis, daß Du mit Herzen spielst,Oft Wunden schlägst, um sie nicht mehr zu heilen;Und dich am Menschenblute kühlst.Ich will dein frohes Lächeln nützen,Und fliehe scheu vor deinen Blitzen.
Laß mich dem Donner rasch enteilen,
Die du dem Vater Zevs oft hämisch stihlst.
Ich weis, daß Du mit Herzen spielst,
Oft Wunden schlägst, um sie nicht mehr zu heilen;
Und dich am Menschenblute kühlst.
Ich will dein frohes Lächeln nützen,
Und fliehe scheu vor deinen Blitzen.
Arie.
So lebe wohl, du süsses Götterkind!Wir trennen uns nicht ohne sanfte Zähren,Die nur zu sehr mein armes Herz belehren,Wie angenehm selbst deine Fässel sind.Izt, da ich dich aus meinem Busen reisse,Bleibt meine Seele noch von deinen Reizen voll.Indem ich Dir den wärmsten Dank verheisse,Wein ich Dir noch mein letztes Lebewohl.
So lebe wohl, du süsses Götterkind!
Wir trennen uns nicht ohne sanfte Zähren,
Die nur zu sehr mein armes Herz belehren,
Wie angenehm selbst deine Fässel sind.
Izt, da ich dich aus meinem Busen reisse,
Bleibt meine Seele noch von deinen Reizen voll.
Indem ich Dir den wärmsten Dank verheisse,
Wein ich Dir noch mein letztes Lebewohl.
Recitativ.
O wenn du holder Gott, auch so beständig wärest,Als du bezaubernd bist!Wie blühte dein Altar, den du zerstörest,Und der der schönste Preis von deinen Siegen ist!O Liebe, willst du mich mit fester Freundschaft küssen,So komm mein Leben zu versüssen!Ich schwöre dir die treusten Dienste zu.Mein angenehmster Gott bist du.
O wenn du holder Gott, auch so beständig wärest,
Als du bezaubernd bist!
Wie blühte dein Altar, den du zerstörest,
Und der der schönste Preis von deinen Siegen ist!
O Liebe, willst du mich mit fester Freundschaft küssen,
So komm mein Leben zu versüssen!
Ich schwöre dir die treusten Dienste zu.
Mein angenehmster Gott bist du.
Arie
Jauchze Geist, frohlocke Herz!Mich begeistern edle Triebe;Mich vergöttert izt die Liebe,Mir lacht jugendlicher Scherz.Amor, du bist meine Sonne,Die mein Mund am Morgen grüßt;Mich beseelet deine WonneWenn der Mond die Tage schließt.
Jauchze Geist, frohlocke Herz!
Mich begeistern edle Triebe;
Mich vergöttert izt die Liebe,
Mir lacht jugendlicher Scherz.
Amor, du bist meine Sonne,
Die mein Mund am Morgen grüßt;
Mich beseelet deine Wonne
Wenn der Mond die Tage schließt.
Der König, und sein Vertrauter Albin.
Edu.Und was wäre denn der sehnlichste Wunsch deines Herzens, und meines Volkes?
Alb.Daß der beste König seinem Vaterland eine Mutter und einen Erben ——
Edu.Ich verstehe dich! — Ich hasse politische Verbindungen.
Alb.Eure Majestät sind frey, und können wählen.
Edu.Die Wahl ist schwer. Die Sitten, die Charaktere des schönen Geschlechtes sind abgewürdiget ——
Alb.Tugenden sind allezeit selten; aber doch zu finden.
Edu.Kennst du ein vollkommenes Weib?
Alb.Ich bin so glücklich ——
Edu.Du?
Alb.Ich kann mir schmeicheln, einen solchen Schatz zu besitzen.
Edu.Du entlockst mir ein Lächeln. Mein Freund, ich wünsche dir Glück! Nähre deinen Wahn!
Alb.Auf die Treue meiner Geliebten setze ich mein Leben!
Edu.Viel gewagt! — Mann, du sprichst so dreist, daß ich Lust hätte, dich ein bischen zu demüthigen. Wir wetten ——
Alb.Meine Sidia ist die Krone der Mädchen! Sie liebt mich —
Edu.Bis einer kommt, der sie bezaubert. Ich will sie dir treulos machen.
Alb.Ohne königliche Gewalt gewiß nicht!
Edu.Wir wetten also! —— Dieser goldene Orden sey der Preis unserer Wette! —— Ich will dir dein getreues Mädchen mit süssen Schmeicheleyen entführen. Verlierst du; so soll mein gerechtes Hohngelächter deine Strafe seyn, und du sollst dich hüten, mir ferner von Weibern zu sprechen. Komm, ich will mit dir im Garten die kleine List verabreden.
Bleibt fern von mir ihr tragischen Erzähler,Weil euer Trauerton das Ohr erschreckt!Ihr Schönen, die man gern mit feinem Spotte neckt,Ich streife nur mit Lächeln eure Fehler.Befürchtet nicht, daß Euch die Muse häßlich macht,Wenn auch ihr kleiner Satyr lacht.Laßt nur den Witz sich an den Mängeln üben,Die Männer müssen Euch doch ewig lieben,Dafür hat selbst die Frau Natur gesorgt,Die ihren Kindern selten borgt.Sie fodert von den Herzen strenge Steuern,Und läßt den Pfeil der Liebe niemals feyern.Jedoch beginnen wir; mit Gunst!O Muse, steh mir bey, und male die Geschichte,Denn ich verstehe keine Kunst.Du giebst mir Stoff und Worte zum Gedichte.Albin verschwand bey Hof, und wählte sich das HausDer schönen Sidia zur Zuflucht aus.Er kömmt verstöhrt. Sein scheues WesenLäßt schon auf seiner Stirn ein grosses Unglück lesen.Sie dringt in ihn; er seufzt, und schweigt.Sie fleht so lang, bis sie ihn beugt.Zu siegreich sind die sanften Thränen,Besonders bey geliebten Schönen.Vergesset nicht, daß meine SidiaErst achtzehn Sommer zählet!Denn wenn ein Weib schon sechzig Winter sah,Wird ein Versuch mit Zähren ganz verfehlet.Albin eröfnet ihr, daß er beym König fiel,Daß seine stolzen Feinde siegen.Du kennst schon, sagt er ihr, der Schranzen Gaukelspiel!Du weißt, wie leicht sie allzeit Fürsten trügen.Mein Leben steht izt in Gefahr.Die Flucht allein kann mich erretten.Hier dräun mir Theureste, nur Schand und Ketten.Warum die Flucht, rief sie, die ganz versteinert war.Wer soll dich aus dem Arm der Liebe reissen?Hab ich dir nicht mein Herz verheissen?Zuerst erwürgt man mich!Warum willst du dich von mir trennen?Wer weiß den Aufenthalt, den nur wir beyde kennen?Hier wohne Freund, die Wächterinn bin ich!O dies Geheimniß soll mir nicht der Tod entlocken!Ich werde nicht bey Martern stocken.Du sollst durch mich gerettet seyn!Albin umarmet sie, und willigt ein.Er singt das Weiberlob aus froher Kehle,Indeß ertheilt der Fürst die dräuenden Befehle,Und will den flüchtigen Albin bestrafet sehn.Dem Finder werden selbst Belohnungen versprochen.Izt sollten wir nach Hofe gehn,Da sind für Höflinge die wichtigsten Epochen,Wenn gäh ein grosser Günstling fällt.Wie prächtig wird sein Lebenslauf erzählt!Schreyt nur ein Feind, so schreyen alle,Und jeder Höfling füllt den Mund mit Galle.Wer kann dem Geifer widerstehn?Doch weder Haß, noch glänzende VersprechenEntdecken unsern Schuldigen.Die Neider konnten sich nicht rächen,Die Scene blieb stäts ohne Blut.So stand die Sache, das war gut. ——Von ungefähr ergötzt sich Eduard mit Jagen.Ein Ungewitter kömmt, und überraschet ihn.Da steht mein Fürst getauft, mit leerem Magen;In welches Zufluchtort soll er in Eile fliehn?Er reutet durch Gebüsch und schwere Gleise;Doch gäh zeigt sich ein Waldpallast.Er nähert sich dem Thor, und pocht ganz leise.Der Pförtner fragt: Wer da? Die Antwort war: Ein Gast!Man läßt ihn ein. Der Ruf mit schnellen FlügelnVerbreitet sich. Der König wird begrüßt.Und Sidia, die Frau von dieser Wohnung ist,Eilt sich geschwind zu schmücken, und zu spiegeln,Und läßt das Schlafgemach Albins verriegeln.Der Leser denkt hier kritisch nach.Sie will, denkt er, ihr theures Pfand versiegeln;Ganz billig schließt sie das Gemach.Jedoch die Eitelkeit will ihm nicht recht behagen;Mir auch nicht, das will ich ganz im Vertrauen sagen.Jedoch das reizende Geschlecht liebt Ziererey,Vielleicht wars blosse Tändeley,Jedoch ich eile rasch zur Sache.Die schöne Wirthinn grüßt den Gast in seiner Sprache.Man speist, der edle RebensaftEntflammt allmählich ihre Busen. ——Verlaßt mich nicht beredten Musen,Gebt meiner Feder neue Kraft!Zwey Herzen fühlten sanfte Triebe,Und Eduard gestand ihr seine Liebe.Das Herz der Könige wird nie verschmäht.Wenn im Roman ein Held durch vierzehn Bücher geht,Eilt ein Monarch mit Riesenschritten.Genug die Sidia ließ sich erbitten.Jedoch als Sieger seufzt noch Eduard.Was nüzt ein Gut, ruft er, das man so schwer bewahrt?Kömmt dein Albin einst wieder;So wird mein Glück zerstört.Der kleine Zweifel schlägt den grösten König nieder?Ruft Sidia, die ihn mit sanftem Lächeln hört.Wie soll ich dir den Zweifel denn entreissen?Durch eine Probe, sprach der Gast.Ich gebe sie, lallt sie, jedoch es reut mich fast;Du must mir für Albin erst deine Huld verheissen.Sein Leben —— Nein! Brach hier der König ein,So wahr ich izt den goldnen Orden fasse;So wahr bleibt es, daß ich ihn hängen lasse!Ein König darf kein Lügner seyn.Die Sidia befiel ein banges Zittern.Das Mitleid wirkt bey weiblichen Gemüthern.O König, nimm dein Herz, und deine Grösse hin,Rief sie als Heldin auf, es lebe mein Albin!Ich würde Dich als seinen Mörder hassen.So müssen wir uns denn verlassen?Nahm ganz betrübt der Fürst das WortO Sidia leb wohl, ich eile fort!Es ist, ich fühl es schon, um meine Ruh geschehen.Ach! Hätt ich Dich doch nicht gesehen!Ich kenne Dich zu sehr, Du liebst;Das Herz ist schon verschenkt, das Herz, das Du mir giebst!Ich habe Dir ein freyes Herz gegeben.Ich dachte nur allein für Dich zu leben.Es war ein süsser Traum. Lebwohl! Er seufzt, und geht.Die Schöne hat bisher sehr hart gefochten.Sie ward in einem Streit verflochten,Bey dem kein Engel lang besteht.Oft fielen Mädchen, die am meisten pochten.Bleib doch zurück! Rief sie, nimm hinMein schwaches Herz, und den Albin!Izt führt sie ihn mit Zittern zum Gemache.Hier wohnt der Gegenstand von Deiner Rache!Doch wenn Du mich mit wahrer Treue liebst,So wirst Du mir die Zärtlichkeit beweisen,Wenn Du sein Blut mir zum Geschenke giebst,Laß ihn von hier in Frieden reisen!Albin, so rief der Fürst, Du hast verspielt!Du bist verkauft durch Deinen schönen Wächter.Sieh Freund, so sind die hübschen Erdetöchter.Gestehe mir, daß jede schielt!Doch ich will meinen Schwur nicht brechen,Und ich erfülle mein Versprechen.Empfange zum Geschenk dieß goldne OrdensbandAus deines Königs Hand!Er soll, so wie ich schwur, an Deinen Nacken hängen!Doch sey auch klug, und spiele nicht den Strengen.Reicht Euch die Hand, versöhnet Euch,Es war ein kleiner Liebesstreich!Ich will mich heut bey Euch recht lustig machen,Ihr müßt mit mir von Herzen lachen.Was thut Albin? — Er nimmt sein Mädchen an,Denn er war stäts ein guter Mann,Das sag ich ihm zu seinem Lobe.Doch setzt er sie nicht weiter auf die Probe,Und das ist gut gethan.Gesetzt er härmte sich, und würde mager,Es hälf ihm nicht.Ihn tröstet doch ein königlicher Schwager.O Leser, wenn vielleicht auch dein Gehirnchen sticht,Sey ohne Sorgen, küß, und laß dich küssen,So lang es dir beliebt!Doch hüte dich die Kleinigkeit zu wissen,Die dein geliebter Schatz dem Nebenbuhler giebt.
Bleibt fern von mir ihr tragischen Erzähler,
Weil euer Trauerton das Ohr erschreckt!
Ihr Schönen, die man gern mit feinem Spotte neckt,
Ich streife nur mit Lächeln eure Fehler.
Befürchtet nicht, daß Euch die Muse häßlich macht,
Wenn auch ihr kleiner Satyr lacht.
Laßt nur den Witz sich an den Mängeln üben,
Die Männer müssen Euch doch ewig lieben,
Dafür hat selbst die Frau Natur gesorgt,
Die ihren Kindern selten borgt.
Sie fodert von den Herzen strenge Steuern,
Und läßt den Pfeil der Liebe niemals feyern.
Jedoch beginnen wir; mit Gunst!
O Muse, steh mir bey, und male die Geschichte,
Denn ich verstehe keine Kunst.
Du giebst mir Stoff und Worte zum Gedichte.
Albin verschwand bey Hof, und wählte sich das Haus
Der schönen Sidia zur Zuflucht aus.
Er kömmt verstöhrt. Sein scheues Wesen
Läßt schon auf seiner Stirn ein grosses Unglück lesen.
Sie dringt in ihn; er seufzt, und schweigt.
Sie fleht so lang, bis sie ihn beugt.
Zu siegreich sind die sanften Thränen,
Besonders bey geliebten Schönen.
Vergesset nicht, daß meine Sidia
Erst achtzehn Sommer zählet!
Denn wenn ein Weib schon sechzig Winter sah,
Wird ein Versuch mit Zähren ganz verfehlet.
Albin eröfnet ihr, daß er beym König fiel,
Daß seine stolzen Feinde siegen.
Du kennst schon, sagt er ihr, der Schranzen Gaukelspiel!
Du weißt, wie leicht sie allzeit Fürsten trügen.
Mein Leben steht izt in Gefahr.
Die Flucht allein kann mich erretten.
Hier dräun mir Theureste, nur Schand und Ketten.
Warum die Flucht, rief sie, die ganz versteinert war.
Wer soll dich aus dem Arm der Liebe reissen?
Hab ich dir nicht mein Herz verheissen?
Zuerst erwürgt man mich!
Warum willst du dich von mir trennen?
Wer weiß den Aufenthalt, den nur wir beyde kennen?
Hier wohne Freund, die Wächterinn bin ich!
O dies Geheimniß soll mir nicht der Tod entlocken!
Ich werde nicht bey Martern stocken.
Du sollst durch mich gerettet seyn!
Albin umarmet sie, und willigt ein.
Er singt das Weiberlob aus froher Kehle,
Indeß ertheilt der Fürst die dräuenden Befehle,
Und will den flüchtigen Albin bestrafet sehn.
Dem Finder werden selbst Belohnungen versprochen.
Izt sollten wir nach Hofe gehn,
Da sind für Höflinge die wichtigsten Epochen,
Wenn gäh ein grosser Günstling fällt.
Wie prächtig wird sein Lebenslauf erzählt!
Schreyt nur ein Feind, so schreyen alle,
Und jeder Höfling füllt den Mund mit Galle.
Wer kann dem Geifer widerstehn?
Doch weder Haß, noch glänzende Versprechen
Entdecken unsern Schuldigen.
Die Neider konnten sich nicht rächen,
Die Scene blieb stäts ohne Blut.
So stand die Sache, das war gut. ——
Von ungefähr ergötzt sich Eduard mit Jagen.
Ein Ungewitter kömmt, und überraschet ihn.
Da steht mein Fürst getauft, mit leerem Magen;
In welches Zufluchtort soll er in Eile fliehn?
Er reutet durch Gebüsch und schwere Gleise;
Doch gäh zeigt sich ein Waldpallast.
Er nähert sich dem Thor, und pocht ganz leise.
Der Pförtner fragt: Wer da? Die Antwort war: Ein Gast!
Man läßt ihn ein. Der Ruf mit schnellen Flügeln
Verbreitet sich. Der König wird begrüßt.
Und Sidia, die Frau von dieser Wohnung ist,
Eilt sich geschwind zu schmücken, und zu spiegeln,
Und läßt das Schlafgemach Albins verriegeln.
Der Leser denkt hier kritisch nach.
Sie will, denkt er, ihr theures Pfand versiegeln;
Ganz billig schließt sie das Gemach.
Jedoch die Eitelkeit will ihm nicht recht behagen;
Mir auch nicht, das will ich ganz im Vertrauen sagen.
Jedoch das reizende Geschlecht liebt Ziererey,
Vielleicht wars blosse Tändeley,
Jedoch ich eile rasch zur Sache.
Die schöne Wirthinn grüßt den Gast in seiner Sprache.
Man speist, der edle Rebensaft
Entflammt allmählich ihre Busen. ——
Verlaßt mich nicht beredten Musen,
Gebt meiner Feder neue Kraft!
Zwey Herzen fühlten sanfte Triebe,
Und Eduard gestand ihr seine Liebe.
Das Herz der Könige wird nie verschmäht.
Wenn im Roman ein Held durch vierzehn Bücher geht,
Eilt ein Monarch mit Riesenschritten.
Genug die Sidia ließ sich erbitten.
Jedoch als Sieger seufzt noch Eduard.
Was nüzt ein Gut, ruft er, das man so schwer bewahrt?
Kömmt dein Albin einst wieder;
So wird mein Glück zerstört.
Der kleine Zweifel schlägt den grösten König nieder?
Ruft Sidia, die ihn mit sanftem Lächeln hört.
Wie soll ich dir den Zweifel denn entreissen?
Durch eine Probe, sprach der Gast.
Ich gebe sie, lallt sie, jedoch es reut mich fast;
Du must mir für Albin erst deine Huld verheissen.
Sein Leben —— Nein! Brach hier der König ein,
So wahr ich izt den goldnen Orden fasse;
So wahr bleibt es, daß ich ihn hängen lasse!
Ein König darf kein Lügner seyn.
Die Sidia befiel ein banges Zittern.
Das Mitleid wirkt bey weiblichen Gemüthern.
O König, nimm dein Herz, und deine Grösse hin,
Rief sie als Heldin auf, es lebe mein Albin!
Ich würde Dich als seinen Mörder hassen.
So müssen wir uns denn verlassen?
Nahm ganz betrübt der Fürst das Wort
O Sidia leb wohl, ich eile fort!
Es ist, ich fühl es schon, um meine Ruh geschehen.
Ach! Hätt ich Dich doch nicht gesehen!
Ich kenne Dich zu sehr, Du liebst;
Das Herz ist schon verschenkt, das Herz, das Du mir giebst!
Ich habe Dir ein freyes Herz gegeben.
Ich dachte nur allein für Dich zu leben.
Es war ein süsser Traum. Lebwohl! Er seufzt, und geht.
Die Schöne hat bisher sehr hart gefochten.
Sie ward in einem Streit verflochten,
Bey dem kein Engel lang besteht.
Oft fielen Mädchen, die am meisten pochten.
Bleib doch zurück! Rief sie, nimm hin
Mein schwaches Herz, und den Albin!
Izt führt sie ihn mit Zittern zum Gemache.
Hier wohnt der Gegenstand von Deiner Rache!
Doch wenn Du mich mit wahrer Treue liebst,
So wirst Du mir die Zärtlichkeit beweisen,
Wenn Du sein Blut mir zum Geschenke giebst,
Laß ihn von hier in Frieden reisen!
Albin, so rief der Fürst, Du hast verspielt!
Du bist verkauft durch Deinen schönen Wächter.
Sieh Freund, so sind die hübschen Erdetöchter.
Gestehe mir, daß jede schielt!
Doch ich will meinen Schwur nicht brechen,
Und ich erfülle mein Versprechen.
Empfange zum Geschenk dieß goldne Ordensband
Aus deines Königs Hand!
Er soll, so wie ich schwur, an Deinen Nacken hängen!
Doch sey auch klug, und spiele nicht den Strengen.
Reicht Euch die Hand, versöhnet Euch,
Es war ein kleiner Liebesstreich!
Ich will mich heut bey Euch recht lustig machen,
Ihr müßt mit mir von Herzen lachen.
Was thut Albin? — Er nimmt sein Mädchen an,
Denn er war stäts ein guter Mann,
Das sag ich ihm zu seinem Lobe.
Doch setzt er sie nicht weiter auf die Probe,
Und das ist gut gethan.
Gesetzt er härmte sich, und würde mager,
Es hälf ihm nicht.
Ihn tröstet doch ein königlicher Schwager.
O Leser, wenn vielleicht auch dein Gehirnchen sticht,
Sey ohne Sorgen, küß, und laß dich küssen,
So lang es dir beliebt!
Doch hüte dich die Kleinigkeit zu wissen,
Die dein geliebter Schatz dem Nebenbuhler giebt.
Isidor, Dornwald, Edmund, Rasian, andere Höflinge, hernach Albin.
Isid.Albin hat des Königs Gunst verloren, das ist schon Verbrechen genug.
Edm.Er ist dem Sturm glüklich ausgewichen.
Ras.Seine Flucht ist ein Meisterstreich.
Dornw.Unter uns, ich wünsche euch allen Glück, daß ihr von diesem feinen Schurken befreyt seyd.
Ras.Du hast in meinem Herzen gelesen. Ich kann Euch schwören, daß ich ihn aus ganzer Seele hasse.
Isid.Ich liebe ihn wie den Tod! Der Schleicher war stäts ein Eckstein, woran ich meinen Kopf stieß.
Dornw.Er war der erste Taugenichts, den ich kenne.
Isid.Ein Meister in allen Lastern.
Ras.Ein Erzschwelger.
Dornw.Ein Betrüger! Wie viel Gläubiger werden durch ihn zu Bettlern!
Edm.Ich will mein Leben verwetten, er war auch ein falscher Spieler ——
Isid.O das war er allezeit! Ich kenne auch keinen grössern Verschwender.
Ras.Er ist ein Wollüstling. Wie viel Schlachtopfer verkauften ihm die Mädchenhändler!
Dornw.Er verdient Verachtung! Laßt ihn vergessen!
Isid.Der König sollte ihn zum Exempel bestrafen ——
Dornw.Wer weis, was noch geschieht? Ich will alles beytragen.
Isid.Ich goß überall Oel in die Flammen.
Edm.Man sollte nur sein Zufluchtort ausspüren.
Ras.Er wagt sich sobald nicht an das Licht. —— Aber sehe ich recht? —— Da kömmt er! —— Ich irre nicht ——
Isid.O Bravo! Das wird ein feines Spiel bey Hofe werden.
Dornw.Das ist unverschämt, dreist, bis zur Tollheit dumm!
Isid.Der Stier eilt selbst zur Schlachtbank. Hahaha!
Alle.Hahaha!
Alb.Willkommen meine Freunde!
(Die Höflinge, als wenn sie ihn nicht sähen, theilen sich in kleine Haufen, sprechen leise mit einander.)
Alb.Isidor, ist der König schon zu sprechen?
Isid.Das weis ich nicht. Ich trete eben ein. Was giebt es Neues? —— Eben recht, Dornwald, auf ein Wort!
(Er verläßt den Albin, und eilt zu Dornwald.)
Alb.Mein lieber Rasian, wie geht es Dir?
Ras.So so! —— Edmund, sind deine neuen Gestütpferde noch käuflich?
Alb.Die Herren sind zu sehr beschäftiget, ich will eintreten.
(Er geht ab.)
Alle.Hahaha!
Isid.Der Geck! Er wird beym König kriechen, und betteln.
Ras.Laßt uns horchen! —— Ein Seufzerkoncert!
Dornw.Er wird eine zürnende Gottheit finden. Der Fürst ist heut in wilder Laune.
Eduard.Meine Freunde, da führ ich Euch meinen lieben Albin auf! Wir sind versöhnt. Es war ein blosser abgeredeter Scherz. Wünscht ihm Glück zu neuen Würden, und Zeichen meiner Gnade. Albin, wir sehn uns heut bey der Tafel!(Er geht.)
(Alle Höflinge drängen sich zu, den Albin zu umarmen.)
Isid.Seht, unser Albin ist uns endlich wiedergeschenkt! —— Meinen herzlichen Glückwunsch!
Edm.Ich nehme den lebhaftesten Antheil.
Ras.Ich bin entzückt!
Dornw.Ich bin hingerissen!
Isid.Ich habe für Dich wie ein Bruder gearbeitet ——
Edm.Du bist mein Zeuge Isidor, wir beyde ——
Ras.Auch ich war dabey!
Dornw.Der König wollte mich lang nicht hören ——
Isid.Endlich wich er unsern dringenden Bitten.
Alb.Welch ein glücklicher Mann bin ich! Wie viel Freunde!
Final. Chor von Allen.
Seht die Freuden uns umschweben;Lasset uns in Freundschaft leben,Sie erquicket meine Brust.Ihren zärtlichen BefehlenFolgen die erhabnen Seelen,Freundschaft ist der Menschen Lust!
Seht die Freuden uns umschweben;
Lasset uns in Freundschaft leben,
Sie erquicket meine Brust.
Ihren zärtlichen Befehlen
Folgen die erhabnen Seelen,
Freundschaft ist der Menschen Lust!
(Alle lispeln leise für sich.)
So verstellt man seine Triebe,Und man zeiget warme Liebe,Wenn man tödtlich haßt.
So verstellt man seine Triebe,
Und man zeiget warme Liebe,
Wenn man tödtlich haßt.
Isidor.
Ich bin meiner Züge Meister!
Ich bin meiner Züge Meister!
Rasian.
Von mir lernen kleine Geister!
Von mir lernen kleine Geister!
Edmund.
Solche Freunde sind zur Last!
Solche Freunde sind zur Last!
Albin.
Ich umarme, küsse, preise,Doch die Worte bleiben Dunst.
Ich umarme, küsse, preise,
Doch die Worte bleiben Dunst.
Alle sehr still.
Wie die Schlangen gehn wir leise,Und die zärtlichsten BeweiseLehrt uns die Verstellungskunst.
Wie die Schlangen gehn wir leise,
Und die zärtlichsten Beweise
Lehrt uns die Verstellungskunst.
Chor von allen.
Eilt euch liebreich zu umfassen!Busen, die die Falschheit hassen,Fässelt heut ein Liebesband.Schwöret itzt mit sanfter Freude,Schwört die angenehmsten Eyde;Schenkt die Herzen mit der Hand!
Eilt euch liebreich zu umfassen!
Busen, die die Falschheit hassen,
Fässelt heut ein Liebesband.
Schwöret itzt mit sanfter Freude,
Schwört die angenehmsten Eyde;
Schenkt die Herzen mit der Hand!
(Sie schlagen die Hände mit Geräusche einander.)
Ende der zweyten Kaprizze.
Eine Studierstube. Eduard, und der Weise.
Edu.Mein Besuch ist mir reichlich vergolten! Ich bewundere deine tiefen Einsichten. Die Philosophen sprechen von vielen Welten. Was denkst du davon?
Der Weise.Für den Weisen sind viele Welten; aber für die Eroberer ist nur eine. Der Weltweise kann seine gelehrten Eroberungen unendlich ausdehnen. Sein Adlerblick übersieht wirkliche und mögliche Schöpfungen.
Edu.Eine Welt ist dem Ehrgeiz zu klein.
Der Weise.Die Sonne ist neunmahlhunderttausendmal grösser, unser Ehrgeiz ist also minder beschränkt.
Edu.Ehe ich dich verlasse, sollst du eine Gnade von mir fodern.
Der Weise.Ich befinde mich jetzt in der Lage eines Diogenes; Der cynische Weltweise hat dem grossen Alexander, wie mir däucht,als ein stolzer Narr geantwortet. Ich sage Eurer Majestät für ihre Gnade Dank. Ich habe meine wenigen Bedürfnisse so nach der Natur beschränkt, daß ich in der That nicht geschwind wüste, was ich wünschen sollte. Alles was mir Könige geben können, ist mir entbehrlich; und alles, was ich wünsche, haben die Könige nicht. Doch in Eurer Majestät Staaten leben viele meiner bedürftigen Brüder; giessen Sie ihre Wohlthaten auf die Armuth aus, und vergrössern Sie meine Glückseligkeit, indem ich höre, daß die Armen erquickt sind.
Edu.Deine Bitte ist schön! —— Du bist menschlicher als Diogenes.
Der Weise.Und du gütiger als Alexander!
Es war Friede, und Eduard überließ sich den Freuden der Liebe. Sein Hof war der Sammelplatz des schönen Geschlechtes, und die artigsten Liebesgeschichten waren täglich der Gegenstand der lächelnden Kreise. Der König wurde von den Gunstbezeugungen der wohlthätigen Grazien zu sehr überhäufet, und wünschte einmal das seltne Vergnügen zu fühlen, nicht als König, sondern bloß als Liebhaber zärtlich geliebt zu seyn. Ein Zufall gab ihm, was er lange vergebens wünschte, eine Geliebte, die ihn selbst, und nicht seinen Stand liebte.
Eduard hatte einer seiner Freundinnen ein niedliches Landhaus gekauft, das er oft verkleidet besuchte. Es stand in einer Gegend, wo auf malerischen Hügeln einige Lusthäuser zerstreut lagen. Eines Tags spazierte er ganz allein, und beschaute alle benachbarten Gärten. Er sah einen, dessen angenehme Aussicht ihn entzückte. Er fand eine kleine Thüre offen. Er schlich durch das Gegitter, trat in die Ebne, und weidete sein Auge an den zierlichen Blumenbeeten. Er durcheilte den ganzen Garten, ohne jemand zu finden. Plötzlich trat er in eine duftende Laube; freundschaftliche Aeste neigten ihre fruchtbaren Wipfel einander entgegen, und umschatteten ein artiges Rebengeländer. Hier fand er ein schlummerndes Mädchen, das alle Schönheiten übertraf, die er jemals gesehn hatte. Sie fuhr beym Geräusche vom Schlummer auf. Erwich bescheiden zurück, machte ihr die höflichste Entschuldigung, erzählte ihr seine gereizte Neugier, und mischte so artige Schmäucheleyen in sein Gespräch, die sie immer sehr geistreich beantwortete, daß sie einander bezauberten. Die Liebe wirkt rasch. Sie bedarf nur weniger Augenblicke zum Siege, Elisie, so hies die Schöne, führte ihren Liebhaber durch die kleinen Stuffen der Zärtlichkeit, und Eduard liebte, ohne den König blicken zu lassen. Er gab sich für einen Höfling aus, und erfuhr, daß seine Schöne die Tochter Alsanders eines bemittelten Edelmannes war. Izt begann eine geheimnißvolle Liebesgeschichte. Man wechselte Herzen, man bestellte sich zärtlich, und dieses mystische Gepräng hatte für einen siegreichen König besondere Reize.
Eines Tages findet Eduard seine Elisie in Thränen. Er dringt in sie; er späht die Ursache; mit Schluchzen erklärt sie ihm, daß ihr Vater sie an einen Nachbar seinen alten Freund vermählen wollte. Das soll er nicht! Ich befehle, rief Eduard, der den Liebhaber vergaß, und den König zur Unzeit spielte. Er faßte sich plötzlich, er ersann ein Rettungsmittel; keines gefiel. Er schlug ihr die Flucht vor; aber Elisie war tugendhaft. Eine seltsame Lage für einen verliebten König!
Der Vater hatte von der heimlichen Liebe seiner Tochter einige Spur, doch ohne zu wissen, daß dieser Anbeter sein König seyn sollte. Er wollte dem Liebesverständnisse, das seinen Absichten zuwider war, Schranken setzen, und hielt seine Tochter sehr eingeschränkt, ließ sie selten allein, und der durchlauchtige Verehrer mußte sich mit kleinen zärtlichen Briefchen begnügen. Eduard war in Verzweiflung, er wollte seine Geliebte besitzen, und entschloß sich seinen gefährlichen Nebenbuhler zu entfernen. Er berief ihn unter einem Vorwande nach Hof, und verheurathete ihn an ein reiches Fräulein. Der Vater Elisiens als ein Mann von Entschlüssung tröstete sich damit, daß er einen andern Eidam wählte, und Eduard hatte einen neuen Nebenbuhler. Noch niemals fand sich ein verliebter König in solcher Verlegenheit. Er entwarf tausend Plane. Bald spielte er den Monarchen, und riß gewaltthätig die Entwürfe seiner Gegner über den Haufen; gleich nahm er wieder Zuflucht zur Sanftmuth um seinen königlichen Stand nicht zu verrathen.
Endlich näherte der traurige Zeitpunkt, in welchem er alle seine Hofnungen verschwinden sah. Ein Prozeß zwang den Alsander in der Stadt zu erscheinen. Er nahm aus Vorsicht seine Tochter mit sich. Er besuchte gelegentlich alle Palläste, zeigte ihr alle Seltenheiten, und ließ sie auch den König bey der Tafel sehen, um ihr die Pracht eines königlichen Mahles begreiflich zu machen. Sie traten in den Speisesaal, viele Fremde waren zugegen. Alle bewunderten den fürstlichen Aufwand, den Geschmack und die Kunst der goldnen Geschirre; aber der König zog alle Augen auf sich.
Alsander zeigt seiner Tochter den König, sie erblickt in ihm ihren Geliebten, und sinkt ihrem Vater ohnmächtig in die Arme. Der Zufall war neu. Alle Hofdiener, und Schranzen eilten herzu. Ein Fräulein, das mehr ein Engel, als ein Mensch war, in Ohnmacht zu sehen, war für galante Höflinge ein zu wichtiger Gegenstand. Alles war beschäftiget. Hundert Hände mit Balsamgerüchen waren gerüstet. Jeder machte sich ein Verdienst daraus, der erste zu seyn. Eduard selbst sprang von der Tafel auf, und drängte sich durch; aber welche Erstaunung befiel ihn, seine geliebte Elisie an seinem Hofe in Gefahr zu sehen. Er ließ sie eilends in seinen Gemächern zur Ruhe bringen. Der königliche Leibarzt ward gerufen, und alle Höflinge machten tausend Muthmassungen, und bestimmten das gute Fräulein entweder für sich selbst, oder für den König zur Geliebten.
Den ganzen Tag ward nur von der unbekannten Schönen und ihrer wunderbaren Ohnmacht gesprochen. Diese Begebenheit war eine wichtige Beschäftigung für müßige Hofleute. Elisie befand sich in einer kritischen Lage. Eduard verließ nicht das Vorgemach seiner Gebieterinn, spähte immer auf alle Zufälle, und empfahl dem Arzte seine Geliebte wie sein eignes Leben. Er rufte Alsandern zu sich, und entdeckte ihm seine ganze Liebesgeschichte. Der Vater staunte, und sah wohl ein, daß er in einem schweren Handel verflochten wäre; er sagte dem König mit der Entschlossenheit eines rechtschaffenen Mannes: Eure Majestät, nach den gewöhnlichen Sitten der Welt sollte ich sagen, daß ich mir die gröste Ehre daraus mache, meine Tochter von einemKönige geliebt zu sehen; aber ich bin von den ausserordentlichen Menschen, die nach eignen Begriffen handeln, und ich gestehe Eurer Majestät, daß ich zu ihrer eignen Ruhe und zum Wohl meiner Tochter wünschte, daß sie von einem Manne ihres Standes, nicht aber von einem durchlauchtigen Anbeter geliebt würde. Ich bin Unterthan, Eure Majestät sind mein Gebieter. Ihre Gewalt ist grösser als die Meinige; alles, was ich als Vater thun kann, ist, meiner Tochter wie ein wahrer Freund zu rathen, und ihrem Herzen die Entscheidung zu überlassen. Die Folge wird zeigen, ob sie mehr ihren Liebhaber, oder ihre Ehre und die Tugend liebt. Da ich sie mit schwachen Händen als Vater wider einen mächtigen Monarchen schützen würde; so soll der Himmel und ihre Rechtschaffenheit sie wider die Versuchungen der Liebe, der Gunst, der Grösse, und der Gewalt schützen!
Sie sprachen noch, als Elisie sich dem König, und ihrem Vater zu Füssen warf, und beide um eine Gnade flehte. Jeder bewilligte die Bitte; aber wie erstaunten sie, als sie hörten, daß sie um die Freyheit bat, in eine geistliche Freystäte sich zu begeben. Ich liebe Eure Majestät; rief sie, ich erröthe nicht über dis Geständniß, ich habe bey meiner Wahl ihre persönlichen Eigenschaften nicht ihren erhabnen Stand gekannt. Als König hört Eduard auf mein Liebhaber zu seyn; aber kein Mann ist würdig sein Nebenbuhler zu werden. Ich verlasse Sie auf ewig, weil ich meine Tugend mehr liebe, und fliehe alle Menschen, weil ich sie allein liebe. So sprach sie entschlossen, troknete ihre Thränen ab, faßte liebreich die Hand ihres Vaters, und eilte zur Pforte. Umsonst beschwur sie Eduard, ihren Entschluß zu ändern; nichts machte sie wanken, und sie flog in die Einsamkeit. Eduard wollte seine gegebene Verheissung aus Großmuth nicht brechen, und überließ sich lang einer schwermüthigen Laune, bis nach und nach neue wichtige Zufälle die zärtlichen Regungen aus seinem Herzen verbannten. Doch blieb die reizende und tugendhafte Elisie ewig der Gegenstand seiner Bewunderung, und wenn er das schöne Geschlecht preisen wollte, pflegte er zu sagen, schön und tugendhaft wie meine Elisie!
Die Meinungen der Höflinge waren getheilt. Einige bewunderten die ausserordentliche Entschliessung der schönen Elisie; andere tadeltendie romantischen und strengen Begriffe; die meisten wünschten, daß ihre Töchter, Schwestern und Muhmen in einer so vortheilhaften Lage sich befänden, die sie und ihre Familie besser benutzt hätten. Aber die Ohnmachten waren sehr selten bey Hofe. Alsander pries seine würdige Tochter, und Elisie fand in der stillen Einsamkeit und in der sanften Beruhigung eines reinen Gewissens die Belohnung, welche der schönste Preis der Tugend ist.
Ein königliches Gemach. Eduard, Lusian.
Lus.Ich lege Eurer Majestät meine Würde unterthänig zu Füssen. ——
Edu.Warum willst du mich verlassen?
Lus.Ich liebe mein Vaterland, und werde nie als ein undankbarer Sohn wieder meine landesmütterliche Erde streiten.
Edu.Mein liebster Lusian, hör die Vernunft! Dein Vaterland zwingt mich zum Kriege. War nicht die dreiste Antwort des Senats eine neue Beleidigung? —— Ich muß die Ehre meiner Krone rächen.
Lus.Schenken mir Eure Majestät wenige Tage, lassen Sie indeß ihre Waffen ruhn, und ich übergebe Ihnen ohne Schwertstreich friedsame Städte, die um ihren Schutz flehen sollen. ——
Edu.Da ist meine Hand! Ich kenne deine Treue!
Lus.Ich will mein Vaterland dem schändlichen Joch entreissen, unter dem es so lange seufzt. Stolze, grausame Senatoren haben die Gesetze vertilget, und ihren Eigensinn zum Orakel gemacht. Verflucht sey das Gesetzbuch der Despoten! —— Unter Eurer Majestät gütigen Zepter soll die glückliche Heerde ruhen! — Ich weis gewiß, daß der großmüthige Eduard nicht ein Land unterdrücken wird, das sich ihm freywillig ergiebt.
Edu.Es soll mein Vaterland werden! — Landsmann Lusian grüsse deine Mitbürger in meinem Namen!
(Ein Platz der Stadt. Lusian, viele Senatoren, bewaffnete Bürger, Krieger, und ein unzähliges Volk, das von allen Seiten zudränget. Auf dem Platz ist ein feuriges Gefecht. Hin und wieder werden einige Haufen zu Boden geschleudert: In der Ferne hört man Schüsse, und einen schrecklichen Lermen. Die Krieger reissen die Senatoren aus den Häusern. Lusian fliegt daher mit blutigem Schwert. Die Fackeln verschwinden, und es wird Tag.)
Lus.Schonet das Blut! —— Meine Brüder, besänftiget Euch! —— Schützet die Freyheit! —— Führt die Senatoren in das Gefängniß! —— Ihr Tyrannen fort!
Einige Senatoren.Hülfe! —— Freunde! —— Bürger! Hülfe!
Lus.Hört diese Tyger nicht! —— Ihre Klauen triefen von Wittwenthränen und Waisenblut! —— Fort die Zerstörer der Gesetze! —— Friede meine Mitbürger! —— Freyheit! —— Die Republik ist frey! —— Die Gesetze leben auf!(Zu den Hauptleuten)Stillet den Aufruhr! —— Lasset Güte und Sanftmuth zurückkehren! —— Sammelt das Volk! —— Ich will meine Brüder grüssen! Kommet hieher meine Geliebten! —— Meine Freunde höret mich! Ihr sollt mein Vorhaben einsehen! Ich liebe Euch, kommet hieher!
(Er steigt auf eine Bühne, und das Volk umringet ihn.)
Ich sehe alle Augen auf mich gerichtet; ich, der ich unter dem Geräusche der Waffen graute, trete unbereitet, unerfahren in den bezaubernden Künsten der edlen Wohlredenheit, mit einer freyen und offenen Stirne, mit einem zärtlichen, brüderlichen Herzen, ohne Schminke, vor das ehrwürdige Antlitz meiner theuersten Mitbürger, Euch als meinen Brüdern meine ganze Seele zu eröfnen, mit Euch mich zu erfreuen, und mit Euch über das gemeinschaftliche Wohl michzu berathschlagen. Erlaubet mir geliebte Brüder, daß ich zuerst diese herrliche, grosse, freye, volkreiche Stadt grüsse, und dankbar segne wo ich das erste Licht des Lebens erblickte. Hier war meine Wiege! Diese Mauern empfiengen mein erstes kindliches Lächeln! Früh hat das Schicksal mich meinem geliebten Vaterland entrissen. Ich irrte lang an fremden Gestaden; zärtliche Liebe, warme Sehnsucht meine Brüder zu umarmen, meine edle Vaterstadt vor meinem Ende noch einmal zu sehen, zu segnen, und ihr meine Asche zu schenken, führt mich hieher. Aber gerechter Himmel, der Du die Begebenheiten der ganzen Schöpfung ordnest, in welchem betrübten Zustande muß ich diese theuren Wohnungen finden! Darf ich es wagen meine Mitbürger, Euch nach meinem Gefühle, nach dem natürlichen Eindruck auf mein empfindsames Herz das häßliche grauenvolle Bild dieser Schreckenscenen zu schildern, und Euch das lächelnde Gemälde der künftigen Tage entgegen zu setzen?
Ich trage meine Blicke forschend auf diese ehrwürdige Versammlung und spähe mit einer bangen Erwartung, ob einer ist, dessen Auge mir ein finsteres Mißvergnügen weissaget. Gepriesen sey der Allmächtige! Mein Herz jauchzt, da ich auf euren heitern und brüderlichen Mienen jene Zufriedenheit wahrnehme, welche die Seele heilsamer Rathschläge, die Säule der Eintracht, und die Stütze des Staates ist.
Selbst der verruchteste Bösewicht thut oft zum Scheine gute Handlungen; seine Absicht ist, durch gleissende Tugenden die Herzen einzuschläfern, zu gewinnen, die Augen des Pöbels zu blenden, und seine Laster desto sicherer und ungestörter auszuüben; aber eure berufenen Tyrannen legten auch den Schein der Tugend von sich, und rühmten sich schon mit einer ähernen Unverschämtheit ihrer Schandthaten. Nur wenige ihrer schwärzesten Ränke begrub die Nacht; aber izt brechen plötzlich alle ihre Laster an das Licht, sie stehen wider sie auf, sie werden von der hellsten Sonne beleuchtet, allgemeiner Fluch trift sie; vereinigter Haß stürzt auf sie, und ewige Schande brandmarkt ihr Gedächtniß!
Wie der blutbegierige Löwe auf seinen Beuten entschlummert; rings um seine Höhle stinken die Aeser, und überall faulen die Knochen der erwürgten Wanderer; so waren die stolzen Palläste eurer Tyrannen, was sag ich? Palläste, Mördergruben waren es, wo die verfolgte Unschuld ihr Grab fand; wo die Thränen der vertilgten Wittwen, und der gedrückten Waisen schallten! Hier wohnten die Räuber des Staats, die Feinde des Vaterlands, die Verderber der heiligen Gesetze! Durch sie liegen die Künste und Wissenschaften darnieder. Der gehemmte Handel seufzt, der Fremdling wird verscheucht, und flieht diese blutigen Gestade; er sieht die traurigen Spuren seiner Mitbrüder, und entweicht mit Schauer den Mißhandlungen. Ein despotischer, eiserner Zepter beugt alles nieder. Das edle Verdienst ist unterdrückt, hindangesetzt, ausgestossen, vergessen! Die Würden sind den Meistbietenden oder feilen Dienern der Wollust angeboten! Die armen Bürger sind mit schwerem Joche belastet; sie wagen es nicht laut zu seufzen; nur ihre schwermüthigen Blicke sind Zeugen ihres innerlichen Schmerzens; brüderliche Eintracht, öffentliche Sicherheit, häusliche Ruhe sind zerstöhrt! Ist dies der Staat, wo die Brüder mit liebreicher Eintracht leben sollten? O meine Freunde, Thränen treten mir in die Augen, sehet, da zittert ein Vater für seine Kinder; er fährt hastig vom Schlummer auf, und horcht ängstlich, ob man nicht seine Söhne durch Henker ergreifen läßt, ob nicht ein geiler Rathsherr seine Töchter gewaltsam schändet, oder seine Gattinn, die theure Gefährtinn seines Lebens listig beschleichet, entführet, entehret! Welchen Richter soll der Mißhandelte zu Hülfe rufen? Die Richter, die Handhaber der heiligen Gesetze sind Meuchelmörder, Räuber, Weiberschänder, Lasterhafte, die mit allen Verbrechen sich belasten! —— Die Gesetze schlummern, das Schwert der Gerechtigkeit ist in der Scheide verrostet! O ihr Hefen, die ihr die Menschlichkeit schändet, tretet aus von diesen Gränzen, eilet mit euren Mordgesellen, mit euren Lastergenossen, und reiniget diese edlen Mauren von der Schande, von der ansteckenden Pest, welche die reinen Sitten der aufkeimenden Jugend beflecket.
Diese abgehärteten Unmenschen, die alles Gefühl mißkannten, sind es auch, welche dreiste genug sind, die Nachbarn zu mißhandeln, und das Völkerrecht zu beleidigen. Sie reitzen große Könige zum Zorn, sie fodern sie gleichsam auf, Euch zu bekriegen, Euch zu vertilgen! Dort steht Eduard, ein mächtiger Sieger, seine belorbeerte Stirne ist gerunzelt, seine unüberwindlichen Heere, wenden ihre Schritte an eure Gränzen. Was werdet Ihr ihnen entgegensetzen? Wo sind eure Bundesgenossen? Die Wuth der Tyrannen hat sie verscheucht! Wo sind eure Freunde? Die Frevler haben sie in ewige Feinde verwandelt! Wo sind eure rühmlichen tapfern Mitbürger? Die Tyger haben sie verbannt, getödtet, und ihrem schwärzesten Neide aufgeopfert! Da steht Ihr wie eine verlassene Heerde, den Nachbarn preißgegeben, ohne Hirten, ohne Schaafhunde!
Zittert nicht meine geliebten Mitbürger; trauret nicht ihr guten Väter; weinet nicht trostlos ihr Mütter; richtet eure gesunkenen Herzen empor ihr edlen Bürger! Die göttliche Vorsicht wachet; mit schutzreichen Flügeln bedeckt sie diese rühmlichen Mauern; Diese Vertilger des Staates sind zu Boden geschleudert! Alles lebt auf; alles wird beseelt; alles lächelt um mich! —— Ich bin wie ein müder Wanderer, der lange durch die Schreckenscenen des Winters taumelte, Schneegebürge keuchend überstieg, oder breite Flüsse übersetzte; dessen Ohren noch von den heulenden Nordwinden betäubt, und dessen Augen vom schneidenden Gestöber geblendet sind; aber plötzlich tritt er in ein reizendes Eden, wo grüne einladende Fluren seinem Auge gastfreundlich winken, wo die balsamischen Gerüche der Blumen ihn erquicken; er vergißt die vorigen Scenen. So bin ich, der aus dem Schauplatz des Schreckens und des Verderbens in die heitern Auftritte des wiederauflebenden Staats blicke. Die zärtliche Stimme des Bräutigams schallt mir hochzeitlich entgegen; sicher umarmet liebreich der Gatte die keusche Gattinn; sicher küsset die Mutter die unentweihten Töchter; der freudige Handelsmann eilet auf reichbeladenen Fichten, suchet die Nachbarn, und lädt sie freundschaftlich ein; das Weberschif ist thätig; der Meissel wird geübt; die Künste und Wissenschaftenblühen auf; die Musen besuchen mit schwesterlicher Eintracht die majestätischen Lehrsäle, und verbreiten Weisheit, und Glückseligkeit in alle Gemüther, der Priester räuchert mit frommer Andacht den heiligen Altar, und der ruhmbegierige Krieger rüstet sein patriotisches Schwert zum Schutz des geliebten Vaterlands! Seliggepriesene Mauern, wie viel freudige Bürger erblick ich in eurem Schooße!
Unsterbliche Gottheit, sollte jemals wieder, verzeiht mir theure Mitbürger, diesen verwägnen, schmählichen Gedanken; aber sollte jemals der Geist der Eintracht unter euch verlöschen; sollte wieder das Laster triumphiren, und Tugend und Freyheit unterliegen, O meine Brüder, so tödtet mich erst; lasset mich eure Schande nicht erleben; begrabet meine morschen Knochen in den Trümmern eurer Ehre! —— Euer gerechter Unwille kocht auf bey diesem abwürdigenden Bilde. Dank Euch, ihr edlen, ihr erhabnen Patrioten! Vaterlandsliebe beseelt Euch, diese rühmlichen Triebfedern zeichnen eure Handlungen aus, und machen sie unsterblich. Aber lasset uns nicht unthätig entschlummern; lasset uns unermüdet arbeiten; thuet nichts ohne weisen Endzweck; unternehmet nichts, was eure Kräfte übersteiget; laßt uns nicht sicher entschlummern, damit nicht heimliche Feinde uns überraschen, und das schöne Gebäude unserer Glückseligkeit heimlich untergraben, erschüttern, zerstören! Verwandelt durch sanfte Vorschläge eure Feinde in Freunde; macht aus ihnen Schützer und Bundesgenossen! Eduard ist schneller als ein Blitz, und mehr gefürchtet als ein Donner; aber dieser königliche Löwe verschonet die Demüthigen, und umarmt den tugendhaften Patrioten. Er ist kein geiziger Eroberer, der auf Beute lauert; der nur Länder verschlinget; nein, er verbessert die Staaten seiner Feinde, und gießt Frieden auf die Besiegten aus! Lasset uns versuchen, seinen gereizten Zorn zu besänftigen, und statt blutige Schlachten friedliche Palmen wählen! Ich will hingehen, ich will für euch sprechen, wie für meine Brüder, O erlaubet mir zu sagen, wie für meine geliebte Familie, Ihr seyd es, ich bin kinderlos, ich liebe nur euch!
Ich erstaune meine Freunde über die rasche Veränderung, über diese glückliche Epochen, über den seligen Frieden, der wie ein Zephyr um mich hauchet, über alle glückliche Fügungen, mit so wenigen Kräften, so ohne Blutvergiessen, so ohne Zubereitung, so hastig seh ich mein theures Vaterland aus den Klauen blutgieriger Tyger, und aus dem Rachen des Verderbens gerissen! Ich begreife kaum diesen plözlichen Sturz der Tyrannen; ist es nicht ein sichtbares Wunder der weisen Vorsicht? fühlet Ihr nicht selbst mit innerlicher Ueberzeugung die mitwirkende Hand der Gottheit, welche diese fromme Stadt vorzüglich beschützet? —— Es geht mit reifen Verbrechern, wie bey verzweifelnden Kranken. Alles ist verwirrt; die Aerzte selbsten werden mit Blindheit gestraft; so entschliefen die sichern Despoten, sie hörten die Donner über ihren Häuptern rollen; sie sahen die Blitze, und sie wurden ohne Rettung wie zerbrochene Geisseln des bedrängten Volkes in die Flamme geschleudert! —— Diese herrliche Stadt, euer Leben, eure Güter, eure Weiber, eure Töchter, eure Söhne sind durch den allmächtigen Beystand des Himmels, durch die weisen Anschläge wahrer Patrioten, und durch die thätige Mitwirkung edler Bürger dem nahen Verderben entrissen, und in den blühendsten Zustand versetzt, das ist der Tag unserer Wiedergeburt! Ihr Freygebohrnen lebet auf; theuer und heilig sey Euch ewig der Tag eurer Erhaltung.
Aber wenn etwa in einem dunklen Winkel hämische Feinde über den Verlust ihrer Ketten seufzten, oder es wagten mit giftiger Zunge mich niederer Absichten anzuklagen; es würde mich schmerzen, mein Herz würde bluten; aber ich würde sie nicht hassen, sondern ihre Blindheit beweinen. Kommt her ihr Zweifler, würde ich ihnen sagen, betrachtet dieses graue Haupt! Es sehnet sich nach Ruhe; sehet diese Brust voll Narben! Sie hat sich oft den gerüsteten Dolchen eurer Feinde entgegengestemmet; der müde lebenssatte Greis seufzt nach seinem Grabe, und wünscht nichts in die kühle Erde mit sich zu tragen als den süssen Trost, meine Brüder beglückt zu sehen, und mein Vaterland zu befreyen! — Ja, meine ewiggeliebten Brüder, ich bin ehrgeizig, ich fodre vonEuch einen Dank, eine schöne Erkenntlichkeit! —— Wenn ihr einst meinem Grabhügel begegnet, wenn Euch die Ringelblume zuwinkt; so zaudert, und ruft euren Söhnen: Hier ruht Lusian unser Bruder, der uns und sein Vaterland liebte —— Und dann schenkt mir eine brüderliche Thräne ——
(Das Schluchzen hemmt die Worte des Redners; er trocknet seine Augen. Indeß weinen die Mütter, und die Bürger jauchzen.)
Alle.Es lebe der Patriot! Freyheit! Das Vaterland ist frey!
(Eine gebirgichte Waldgegend. Eine Zigeunerbande bereitet ihr Lager. Die ältern Weiber und Männer sind mit verschiedenen häuslichen Verrichtungen beschäftiget. Einige bereiten die Zelter; andre kochen und braten. Die jungen Burschen und Mädchen singen und tanzen; andere spielen mit ihren Instrumenten. Eduard mit seinem Jagdgefolge erscheint. Die Zigeuner begrüssen ihn. Didia ein artiges Zigeunermächen erscheinet an der Spitze.)
Edu.Welche Fröhlichkeit herrscht unter diesem armen Volke! —— Wie heissest du junges Mädchen?
Didia.Mein Vater gab mir den Namen Didia. Ich will Dir weissagen aus deinen Gesichtszügen, aus deiner Hand, und aus deinen Träumen.
Edu.Verstehst du auch den Sinn der Träume? —— Du erinnerst mich auf einen seltnen Morgentraum, er ist wunderbar. Hör: