Zeitungsblatt.

Dieß wird getauft:Etwas zum Lachen,In Ehesachen,Menschen zu machen,In allen Sprachen,Heysa! Wer kauft?

Dieß wird getauft:

Etwas zum Lachen,

In Ehesachen,

Menschen zu machen,

In allen Sprachen,

Heysa! Wer kauft?

(Der Narr hat ein Kleid, welches wie eine Landcharte mit allen Ländern bemahlt ist. Eduard betrachtet ihn.)

Beliam.Sieh! Ich bin ein neuer Atlas! Ich trage die ganze Welt. Wenn du mich siehst, hast du alle Königreiche vor Augen. Ander Brust trage ich deine Erbländer, und am Rücken die Staaten deiner Nachbarn.

Hoffeyerlichkeiten. Den zehnten April gab der König ein Universalfeuerwerk, wobey sieben Städte abgebrannt wurden.

Man warf sechshundertpfündige Raketen nach der neuesten Erfindung, und ist nie ein Schauspiel von der Gattung mit mehr Pracht und Aufwand erschienen. Der Herr Feldzeugmeister Attika entzündete dieses künstliche Feuerwerk. Bey der Verzierung erschien in vollem Feuer das Emblema:Et lux perpetua luceat eis!Seine Majestät geruhten über diese sinnreiche Erfindung Seiner hochfürstlichen Durchlaucht des Herrn Feldmarschall Murrat den allerhöchsten Beyfall zu äussern.

Den zwanzigsten erlustigten sich Seine Majestät mit einer wohlgeordneten Menschenjagd. Hunderttausend Kuppelhunde jagten das Wild auf. Es ward auf beiden Seiten viel Blut vergossen. Nach dieser kleinen Leibesbewegung hat Seine Majestät einen besondern Hunger zu verspüren geruht, und Allerhöchstdieselbe würdigten sich beym Nachtmahle ein allerunterthänigstes Rebhuhn zur Freude aller anwesenden hohen Gäste allergnädigst zu verdauen.

Da der Herr Erzbischof in diesen kriegerischen Zeitläuften den König allerehrerbietigst befragte, ob nicht Betstunden anzuordnen wären, weil die Unterthanen kein Brod haben; so hat unser allergnädigster Landesvater das allerhöchste Placet ertheilet: Beten und Fasten ——

Man will wissen, daß wichtige Plane im Kabinet entworfen werden. Laut sichern Nachrichten wird am Frieden thätig gearbeitet.

An der Pforte des königlichen Pallastes erschien ein Gemälde. Eduard trug auf seinem Rücken die Weltkugel, und eilte mithastigen Schritten. Dieses Sinnbild führte diese satyrische Aufschrift.

O Weiber, schwächet doch den kühnen Riesensohn,Sonst trägt er uns und Euch in seiner Welt davon!

O Weiber, schwächet doch den kühnen Riesensohn,

Sonst trägt er uns und Euch in seiner Welt davon!

(Kabinet.) Eduard, hernach Albin.

Eduard.(indem er ein Buch zur Seite legt.)Wie klein sind noch meine Thaten, wenn ich sie mit den Riesenplanen Alexanders des Grossen messe! Was habe ich bisher Merkwürdiges gethan, und wie viel hätte ich thun können! Ich bin auf dem schönsten Gleise zum unsterblichen Ruhme! Alles zittert vor meinen siegreichen Waffen, laß uns ewige Palmen erringen! —— Eine Universalmonarchie lächelt mich an —— Was hält mich hier zurück? —— Weiberliebe —— Eduard, steh auf, erobere eine Welt! Trit die kleinen Könige mit Füssen, bring deine durchlauchtigen Plane zu Stande —— und dann ruhe wie Alexander unter dem Schatten unsterblicher Lorbeern aus! —— Cäsar, Pompejus, solche Männer beherrschten eine Welt, und ich begnüge mich mit einigen Kronen? Ist mein Herz kleiner, mein Geist geringer, mein Arm schwächer? —— Fort! Laß uns alle Liebesfeste verschieben! —— Zur Ehre! —— Albin, was sagen die Berichte unserer Gesandten?

Alb.König Rudolph droht mit grossen Zurüstungen —

Edu.Droht? Rudolph droht? —— Wem droht der kleine Rudolph? Das Königlein droht! Droht mir! —— Sonst nichts von mehr Wichtigkeit als diese Kleinigkeit?

Alb.Die Republiken machen Vertheidigungsbündnisse ——

Edu.Ich will ihre Verträge wie Spinnengewebe zerreissen! Heißt das nicht mir trotzen? —— Ich will diese Nester in Königreiche umschmelzen! —— Zur Arbeit! —— Man muß seine Feinde mit Ungewittern überraschen!

Wir Eduard von Gottes Gnaden Mehrer des Reichs und Herr aller möglichen und unmöglichen Welten u. s. w. Geben unsern lieben getreuen und dummen Sklaven u. s. w.

Wir sind mit allen klugen Staatsmännern gänzlich überzeugt, daß der Krieg ein nothwendiges Uebel ist; da uns also unser königlicher Leibarzt mit Zuziehung unsers geistlichen Gewissenraths eine kleine Leibesbewegung zur Verdünnung unsers Bluts dringend angerathen hat; so sind Wir aus landesväterlicher Liebe allergnädigst entschlossen, gelegentlich auch die dicken Säfte des Staatskörpers zu reinigen, und ein Paar benachbarte Königreiche, die uns sehr bequem liegen, zum nützlichen Zeitvertreibe zu erobern. Vermuthlich wird diese gesunde Heldenjagd unsern ungefälligen Nachbarn nicht wie uns behagen, und wir sehen voraus, daß die leidige Kriegsflamme sich ausdehnen kann. Unsere gerechten Waffen sollen also mit Beystand des Himmels unser angeerbtes Recht vor Gott und der Welt vertheidigen. Wir versprechen uns von Euch allen unterthänigsten Beystand durch Aufopferung eures Bluts und eurer Güter u. s. w.[17]

Ein Wald. Eduard, ein Anführer einer Räuberbande, hernach seine Gefährten.

Edu.Ich habe mich auf der Jagd von meinem Gefolge getrennt. Guter Freund, wo ist die Heerstrasse?

Anfüh.Für eine gütige Ritterzehrung will ich Ihnen den Weg zeigen mein Herr.

Edu.Hier hast du meinen Beutel!

Anfüh.Da ist noch ein hübscher Ring, eine Uhr, vermuthlich auch eine Dose. —— Ich bitte haben sie die Güte! —— Ich bin ein Mann von Lebensart, und übe nicht gern Gewalt ——

Edu.Kerl fort! Du bist ein Strassenräuber! Ich hielt dich für einen Wanderer.

(Er stellt sich zur Gegenwehr.)

Anfüh.Keine Gewalt! Ich bitte sehr, oder auf einen Wink erscheinen meine dienstbaren Geister, und lehren Sie, was es ist, rechtschaffene Männer zu beleidigen.

Edu.Kerl, ich lasse dich hängen! Ich bin Eduard, dein König!

Anfüh.Ach! Herr Bruder willkommen! Izt ändert sich freilich die ganze Sache. Die Hand her! Meinen warmen Brudergruß! Mir war gleich das Gesicht bekannt. — Es freut mich ungemein, näher mit dir in Freundschaft zu treten! — Hier ist dein Beutel wieder! Wir Helden haben ein geschenktes Handwerk.

(Er pfeift)

Brüder, bringt Erfrischungen, wir haben ein lieben Gast! Nähert Euch meine Freunde, hier führ ich Euch unsern Bruder und Kollega Eduard auf, den Gott noch lange erhalten wolle! Izt bin ich entwürdet, hier heißt esCede Majori!

(Alle Räuber reichen dem Eduard die Hände)

Willkommen Bruder!

Edu.(heimlich.)In welcher edlen Gesellschaft bin ich! —— Meine Herrn, es ist mir eine besondere Ehre in ihre Bekanntschaft zu kommen!

Anfüh.Setz dich Brüderchen, auf diesen schönen Rasen, und trink ein Glas Wein! —— Er ist aus deinem Keller. Wir holen alle Bedürfnisse aus deiner Burg, denn wir theilen brüderlich.

Edu.Es freut mich, wenn meine Kleinigkeiten so wackern Leuten behagen. Aber seht, der Abend nähert, ich wünschte aus dem Walde zu seyn.

Anfüh.Ich werde dich sicher bis an die Stadtthore führen. Du bist in den besten Händen.

Edu.Nimm zur Erkenntlichkeit wenigstens diesen Ring, und für deine Untergebenen diese Börse ——

Anfüh.Schönen Dank! Wir nehmen nichts; denn wir sind Ehrenmänner, und lieben gute Sitten. Wir weichen nie von unsern strengen Gesetzen; wir nehmen dem Wanderer nur den Ueberfluß aus Güte ab, um ihnen die Reise zu erleichtern. Kein Armer wird beraubt, und niemand, der bescheiden ist, wird mißhandelt. Was däucht Dir ——

Edu.Du setzest mich in Erstaunung.

Anfüh.Freyheit ist unser System!

Edu.Wollt Ihr dem Vaterland dienen? Werdet freye Krieger! Wollt Ihr?

(Der Anführer spricht heimlich mit seinen Brüdern.)

Alle.Wir wollen!

Anfüh.Gieb uns dein Ehrenwort, unsere treuen Dienste königlich zu belohnen!

Edu.So wahr ich König bin, will ich Euch nach Verdiensten belohnen! Folgt mir.

Wir zogen aus, und suchten den Feind auf. Wir überfielen Rudolphs Lager unvermuthet. Der Sieg war entscheidend. Wir eilten gegen die Hauptstadt, nahmen auf dem Wege zehen Festungen ein. Wenige hielten die Belagerung aus. Rudolph hatte die Ueberbleibsel seiner Völker mit den Geschwadern der Bundesgenossen vereiniget, und es kam zum blutigen Treffen. Rudolph entwich aus seinem Königreich, und sein Heer wurde gänzlich zerstreut. Nicht glücklicher gieng es seinen Bundesgenossen. Die benachbarten Staaten hatten indeß zu ihrer Sicherheit ihre Städte befestiget, und ihre Grenzen in Vertheidigungsstand gesetzt. Eduard betrachtete dieß als eine stille Kriegserklärung, überraschte sie, und unterwarf seinem Zepter Länder und Städte. Er flößte durch seinen Ruf so viel Schrecken in alle Gemüther,daß sich alles ergab. Unter diesen beständigen Kriegen entkräftete er seine eignen Staaten; die Gesetze entschliefen, die Städte und Dörfer wurden entvölkert; die Künste und Wissenschaften verfielen, und die Ackerpflege ward vergessen. Seine weitschichtigen Länder schmachteten im Elend. Er eilte zurück. Er hatte überall gefährliche Aufruhren zu dämpfen, geizigeStatthalter zu demüthigen, und es wurden endlich seine eignen Krieger seines unersättlichen Ehrgeizes müde.

Ich schreibe dir, denn eine Unpäßlichkeit verzögert meine Reise. Ich will hingehen, so sagte ich, ich will vor meiner Auflösung eilen, Ihn das letztemahl zu sehen, zu segnen, und durch die Rechte der Menschlichkeit um den Frieden beschwören. Ich werde meine grauen Haare über Ihn streuen, und ihn mit Thränen bethauen. O Fürst, O mein Eduard, will ich sagen, gieb deinem armen Volke den Vater zurück! —— In diesen süssen Gedanken begann ich meine Reise, welche Reise war das! —— Ueberall sah ich das Bild der Zerstörung; jeden Schritt netzte ich mit meinen Zähren. ——

O kühles Grab, du Trost der Sterblichen!Wann labst du mich? so rief ich oft mit Thränen.Die schwarze Nacht lag über meinem Haupte;Nur selten schlich der Mond aus düstern Nebeln;Die ganze Schöpfung lag im tiefsten Schlummer.Nur Eulen heulten wild ihr Abendlied;Als ein Gestank von Aesern mich erstikte.Ein Schlachtfeld lag vor mir; die Sohlen tratenAuf Menschenblut, ein Denkmaal deiner ThatenO Eduard war das! Ich stand betäubt,Und übersah beym blassen SternenlichteDies Mordgefild. O welche SchreckensceneFür so ein weiches Herz, wie meines ist!Da lag ein Rumpf, und dort zerstückte Glieder;Ein kalter Schauer fuhr durch meine Seele.Die Leichen schienen mir noch halbbelebt;Ich hörte noch ein leises Sterberöcheln!Mein graues Haar stieg hochgesträubt empor;Mein kaltes Blut vergaß den trägen Lauf.Nur Geyer freuten sich, und hielten Mahl.O Menschlichkeit, wein mit mir eine Thräne,Und fluch dem Ehrgeiz zu, der Menschen würgt,Um einen Lorbeer mehr für Blut zu kaufen.Ich hörte gleichsam hier zehntausend WittwenUm Rache flehn, um Rache für die Söhne!Der Waisen Klaggeschrey schien mir zu tönen,Und die Einbildungskraft riß meinen GeistZum Richterstuhl, vor dem die Fürsten zittern.Die Seelen kamen dort als Kläger an,Und häuften Fluch auf die Eroberer.Weh ihnen, wenn einst Gott von ihren HändenDie Menschen heischt, und Blut aus Lorbeern preßt.O Eduard, was ist dein Wunsch, dein Glück;Ein schwarzer Traum, noch schwärzer dein Erwachen!Einst, wenn der Wurm, der deine Feinde frißt,Dein hungriges und hartes Herz zernagt,Was sagst du dem, der dich geschaffen hat?Geschaffen hat, die Brüder stäts zu lieben,Gekrönet hat, die Völker zu beglücken!Ist denn dein Plan für diese Welt allein,Und trennt ein grosser Geist die Welten?O wie begnügsam bist Du doch geworden!Mir eckelt vor der Welt, die dich so reizt.Wenn dieß die Schöpfung ist, die wir hier sehn;Wenn dieß ihr Endzweck ist, den du dir wünschest;So ist die Schöpfung nichts, der Endzweck nichts!Nichts für ein Herz, das Ewigkeiten suchet!Die Welt ist Staub; mein Ziel ist groß wie Gott!Fürst, wärst du Herr der künftigen Minute;Und wäre das, was Du durch Mord ersiegst,Unsterblich dein, dann könntest du den Kloß,Der Dich begnügt, um einen Himmel kaufen;Doch Du bist auch ein Bettler von der Zeit;So sey ein Adler, flieg zur Sonne hoch!Laß kleinen Geisterchen die kleine Welt,Und such ein Reich, wo man unsterblich lebt!Flieg auf verherrlichet durch grosse ThatenDer Menschlichkeit, wobey die Schöpfung jauchzt;Flieg auf mit Lorbeern, die kein Blut beflecket,Die fern vom Fluch, durch Segen heilig sind.

O kühles Grab, du Trost der Sterblichen!

Wann labst du mich? so rief ich oft mit Thränen.

Die schwarze Nacht lag über meinem Haupte;

Nur selten schlich der Mond aus düstern Nebeln;

Die ganze Schöpfung lag im tiefsten Schlummer.

Nur Eulen heulten wild ihr Abendlied;

Als ein Gestank von Aesern mich erstikte.

Ein Schlachtfeld lag vor mir; die Sohlen traten

Auf Menschenblut, ein Denkmaal deiner Thaten

O Eduard war das! Ich stand betäubt,

Und übersah beym blassen Sternenlichte

Dies Mordgefild. O welche Schreckenscene

Für so ein weiches Herz, wie meines ist!

Da lag ein Rumpf, und dort zerstückte Glieder;

Ein kalter Schauer fuhr durch meine Seele.

Die Leichen schienen mir noch halbbelebt;

Ich hörte noch ein leises Sterberöcheln!

Mein graues Haar stieg hochgesträubt empor;

Mein kaltes Blut vergaß den trägen Lauf.

Nur Geyer freuten sich, und hielten Mahl.

O Menschlichkeit, wein mit mir eine Thräne,

Und fluch dem Ehrgeiz zu, der Menschen würgt,

Um einen Lorbeer mehr für Blut zu kaufen.

Ich hörte gleichsam hier zehntausend Wittwen

Um Rache flehn, um Rache für die Söhne!

Der Waisen Klaggeschrey schien mir zu tönen,

Und die Einbildungskraft riß meinen Geist

Zum Richterstuhl, vor dem die Fürsten zittern.

Die Seelen kamen dort als Kläger an,

Und häuften Fluch auf die Eroberer.

Weh ihnen, wenn einst Gott von ihren Händen

Die Menschen heischt, und Blut aus Lorbeern preßt.

O Eduard, was ist dein Wunsch, dein Glück;

Ein schwarzer Traum, noch schwärzer dein Erwachen!

Einst, wenn der Wurm, der deine Feinde frißt,

Dein hungriges und hartes Herz zernagt,

Was sagst du dem, der dich geschaffen hat?

Geschaffen hat, die Brüder stäts zu lieben,

Gekrönet hat, die Völker zu beglücken!

Ist denn dein Plan für diese Welt allein,

Und trennt ein grosser Geist die Welten?

O wie begnügsam bist Du doch geworden!

Mir eckelt vor der Welt, die dich so reizt.

Wenn dieß die Schöpfung ist, die wir hier sehn;

Wenn dieß ihr Endzweck ist, den du dir wünschest;

So ist die Schöpfung nichts, der Endzweck nichts!

Nichts für ein Herz, das Ewigkeiten suchet!

Die Welt ist Staub; mein Ziel ist groß wie Gott!

Fürst, wärst du Herr der künftigen Minute;

Und wäre das, was Du durch Mord ersiegst,

Unsterblich dein, dann könntest du den Kloß,

Der Dich begnügt, um einen Himmel kaufen;

Doch Du bist auch ein Bettler von der Zeit;

So sey ein Adler, flieg zur Sonne hoch!

Laß kleinen Geisterchen die kleine Welt,

Und such ein Reich, wo man unsterblich lebt!

Flieg auf verherrlichet durch grosse Thaten

Der Menschlichkeit, wobey die Schöpfung jauchzt;

Flieg auf mit Lorbeern, die kein Blut beflecket,

Die fern vom Fluch, durch Segen heilig sind.

Ende der dritten Kaprizze.

Schwarze nächtliche Wolken hiengen über den schlummernden Horizont, und nur blasse Stralen des Mondes brachen durch die duftenden Lauben des königlichen Gartens, als die reizende Alidia lustwandelte, und so zu den Sternen seufzte: Wie lang unerbittliches Schicksal bin ich noch der Gegenstand deiner Rache? Und du allesbeherrschende Liebe, wie lange soll noch mein Herz das Spiel deiner muthwilligen Ränke seyn? Alle diejenigen, die ich hasse, lieben mich, und der einzige, den ich anbete, verschmäht mein Herz. Was soll ich in meiner traurigen Lage beginnen? Soll ich den Ehrgeiz hören? Er räth mir die Liebe Eduards und mit ihr seine Krone zu erobern; aber Ach! Wie theuer sind diese Kronen erkauft! O Sigismund, nur Du bist der Abgott meiner Seele, du bist würdig meine Zärtlichkeit ganz zu besitzen! Eil, erobere den Thron, den du allein verdienst! Doch du hörst nicht meine Wünsche; du verachtest meine Seufzer, und begegnest nie mit zärtlichem Auge meinen schmachtenden Blicken. Aber welch ein Geräusch unterbricht meine einsamen Klagen?

Ich bin es göttliche Alidia, rief Prinz Friedrich, indem er sich ihr zu Füssen warf. Hier liegt der Unglückliche, der ohne dich nicht länger leben kann, der dich anbetet, und von dir die Entscheidung seines Schicksals hören will. Leben und Tod hängt izt auf deinen Lippen. Meine Verzweiflung führt mich hieher. O Alidia, Du bist mir entrissen! Eduard, der Mörder deines Bruders, der Zerstörer deines Vaterlands, den Feind meiner Hofnungen, der dich mir raubt, soll Dich als eine kostbare Beute besitzen? Da ich durch die gütigen Verheissungen deines Bruders schon die süsse Hofnung nährte, deine Hand zu erhalten, soll dieser ruhmsüchtige König mir den unschätzbaren Preis, dein Herz entreissen? Zuerst muß er mich tödten! —— Ich komme hieher, dich durch meine zärtliche Liebe durch den theuren Schatten deines Bruders zu beschwören, folge mir schönste Alidia! Alles ist zu deiner Freyheit gerüstet, laß uns eilen! —— Du zögerst? Du entweichest? Du bebst zurück bey meiner Bitte? Ich bin gehaßt, du liebst meinen Feind! —— Aber er soll dich nicht besitzen!

Zurück kühner Prinz! Rief Alidia, fürchte meine Rache! Ich liebte Dich nie, und fühle, daß ich Dich nie lieben werde. Geh, dank es meiner Güte, daß ich deinen Frevel nicht bestrafe! Du bist hier im Pallast deines Feindes! —— Friedrich umfaßte Alidien; ihr Geschrey ertönte, und Sigismund stürzte herzu. Mit blitzendem Schwerte begrüßte er den Entführer. Wohin du Räuber? Rief er, hieher zu mir! Ich vertheidige die Schwachen, die du dreist genug bist, zu beleidigen. Es kam zum blutigen Gefechte, indeß Alidia vor Schrecken in Ohnmacht sank. Friedrich ward entwafnet, und bat seinen Sieger um den Tod. Laß mich sterben, tapferer Krieger, wer du immer bist! Solltest du mein Nebenbuhler seyn, so räche dich, und tödte mich! Ich bete Alidien an; ich habe gerechte Ansprüche auf ihr Herz, auf ihre Hand; aber die Grausame opfert mich treulos ihrem Ehrgeize auf. Ich will mein Unglück nicht überleben!

Sigismund ward durch die Klagen dieses unglücklichen Prinzen zum Mitleid gerührt. Er tröstete ihn, und bat ihn zu seiner Sicherheit eilends den königlichen Pallast zu verlassen. Er legte durch vieleTrostgründe heilenden Balsam auf seine Wunden, und beredete ihn liebreich, daß er endlich entwich. Indeß erholte sich die schmachtende Alidia, und sie dankte ihrem großmüthigen Befreyer mit Worten, die mehr Liebe als Dankbarkeit verriethen. Ach! Seufzte sie, wärest Du mein Entführer gewesen, ich würde weniger Widerwillen gezeigt haben; aber Sigismund hört nur das Jauchzen der wilden Krieger, und sieht nur die blutigen Lorbeern mit Entzücken. Art vergißt nicht ihre Art. Wie deinen Onkel reizt dich nur die Kriegstrompete. Du bist unempfindlich für die sanfte Liebe, und bleibst kalt für Herzen, die für dich brennen ——

Reizende Alidia, rief mit Erstaunung Sigismund, Du legest mir Fehler bey, die mein Herz mißkennet. Ich ehre dein Geschlecht! aber nie hat mich der stolze Eigendünkel so bethöret, daß ich vergessen sollte, wer ich bin. Ich bin Sigismund, ein kleiner Auswürfling des Glückes; Sigismund, der keine Kronen anzubieten hat! Dieser Degen ist mein Reichthum; dieses Herz ist meine väterliche Erbe! Nackt stieß mich das stiefmütterliche Glück in die Fremde. Die Erde ist mein Vaterland geworden. Du aber göttliche Alidia bist zu Kronen gebohren, und gereifet. Ich wünsche dir Glück zu deinem schönsten Siege. Eroberer liegen in deinen reizenden Fässeln. Ich werde mich nie so vergessen, meinen Blick zu Dir zu erheben. Du bist der Schatz meines königlichen Onkels, der Dir Zepter zu Füssen legt, die Du verdienest!

Was hindert Dich Kronen zu erobern, edler Sigismund, unterbrach ihn sanftlächelnd Alidia. Ich kenne deine Tapferkeit, und dein durchlauchtiges Blut. Liebe mich, und ich öffne Dir die Bahn zum Throne! —— Ich kenne nur rechte Gleise, nahm Sigismund das Wort, und diese führen mich zur Pflicht, zum Gehorsam, und zur Unterwürflichkeit. Der Himmel giebt Kronen! —— Ich liebe die Tugend, und wünsche, daß sie stets die schönste Perle deiner Krone sey! —— So sprach er mit Nachdruck, verneigte sich, und entwich.

Alidia stand lang versteinert. Sie sah sich verlassen, verschmäht. Ihr weiblicher Stolz war beleidiget, und sie beschloß sich blutig zu rächen. Ich will dich stürzen, hochmüthiger Jüngling, rief sie, ja du sollst kriechen kleiner Wurm, du sollst dich schmiegen Sklave! Du bist unwürdig einer Krone, unwürdig meines Herzens! Ich hasse dich und deinen Kronensüchtigen Onkel; aber ich will der alten Schlange schmäucheln um die junge Natter zu verderben! Süsse Rache kocht in meinem Busen! So donnerte sie, und eilte in den Pallast alle Triebfedern in Bewegung zu setzen, um ihre beleidigte Liebe zu rächen.

Die Gelegenheit ereignete sich bald. Theodor ein kriegerischer Prinz wollte den Tod seines Bruders Willhelm rächen, und sammelte in Eile ein mächtiges Heer. Er überraschte seine Feinde in einer Sicherheit, welche meistens die Frucht eines guten Erfolges ist. Eduard eilte seinem Feinde entgegen, und es kam zur Schlacht. Theodor hatte als ein Meister der Kriegeskunst seinem Heere eine so glückliche Stellung gegeben, welche alle gewaltsamen Versuche Eduards vereitelte. Die Vereinigung der Glieder war so unzertrennlich, daß alle Angriffe der tapfersten Geschwader vernichtet wurden. Reuter und Fußknechte fielen. Eduard war in äusserster Verlegenheit. Er sah seine schönste Mannschaft und den Kern seines Heeres zu Schanden gehauen, und das feindliche Heer stand siegreich und unerschüttert auf der blutigen Wahlstatt. Die Lage des Ortes, und der feste Bau des ganzen Körpers war seinen Feinden vortheilhaft. In diesen verzweifelten Umständen näherte sich ihm ehrerbietig Sigismund. Es ist noch ein Mittel, sprach er, die Schlacht zu gewinnen, lassen Eure Majestät eilends das schwere Geschütze gegen diesen unzertrennlichen Kloß des feindlichen Heeres richten, und von allen Seiten zugleich mit neuen Geschwadern die Feinde muthig bestürmen. Der König erkannte die Wahrheit. Sigismund flog, und in wenigen Minuten scheiterte die feindliche Maschine. Sie fielen zu tausenden. Alles wurde getrennt, getödtet und in die Flucht geschlagen. Alles pries die tiefe Einsicht des jungen Helden.

Dieser günstigen Gelegenheit bemeisterte sich die listige Alidia; der junge Adler, rief sie, überholet bereits den alten Löwen! War nicht so der weissagende Traum meines geliebten Eduards? In der That das Zigeunermädchen ist eine Prophetinn! Ich irre nicht, die Zeit reifet. Du staunest mein edler König? Ich eröfne dir mein ganzes Herz. Es ist meine Pflicht für die Sicherheit deiner Tage zu wachen. Sigismund strebt nach der Krone. Bemerke wohl sein Betragen; sieh, wie er den Kriegern schmäuchelt; wie er den Bürgern liebkoset; sich vor Knechten liebreich verneiget, alle Herzen gewinnet, und durch seine glänzenden Thaten alle Augen erschüttert! Alles spricht nur von ihm; von dir schweigt alles! Schläfst du mein Eduard? Ueberlässest du so ruhig deine Kronen, deine theuererkauften Lorbeern dem dreisten Jüngling?

Das Gift wirkte in dem Herzen des ehrgeizigen Königs. Er hatte schon oft einige Regungen der Eifersucht gefühlt. Der Ehrgeiz verträgt keinen Nebenbuhler. Sigismund ward gehaßt. Er fiel plötzlich in Ungnade, ward kalt am Hofe empfangen, des Vertrauens und aller Würden allmählich beraubt, und der Dank für seine rühmlich geleisteten Dienste war, daß er vergessen wurde. So untergrub ein rachsüchtiges Weib sein aufblühendes Glück.

Wir sehen uns! Ja Herzensbruder, wir sehen uns bald! Ich verlasse den Hof, denn was soll ich hier machen mit meinen strengen Begriffen von Tugend, Ehre, Redlichkeit? Eduards neue Politik verträgt sich mit meinen alten Grundsätzen nicht. Wir sind keine Krieger mehr, die das Vaterland beschützen, wir sind Menschenmetzger geworden. Wir gehn alle Gemeinplätze der grausamen Eroberer. Wir rauben, morden, brennen, machen Wittwen und Waisen, verwüsten Städte und Länder, und sind am Ende so hungrig, als wenn wir keine Königreiche verschlungen hätten.L’appetit vient en mangeant!Meiner Seele! Der Franzos hat ein weises Sprichwort. Ich will dir unsere traurige Lage schildern.

Wie viel Narren von Aufgang und Narren von Niedergang seh ich;Wie soll ich Myriaden berechnen? Ich bleibe bey Hofe.Nur ein Häufchen der glänzendsten Thoren will ich bemerken,Thoren, die sich zum Vorbild der Kleinen mit Schweisse bereiten.Kaum erscheinet der hüpfende Zögling im Schauplatz des Hofes;So beginnt er das wichtigste Werk des rühmlichen AdelsSeine Tage mit thätigemMüßiggang prächtig zu tödten.Dann lernt er die mystische Sprache dem Fürsten zu schmäucheln;Seinen Bewunderern viel zu versprechen, und nichts zu erfüllen;Seine Gedanken mit gleissendem Firniß politisch zu schmücken;Nebenbuhler mit Lob zu erheben, und heimlich zu drücken;Endlich wird er durch Uebung gebildet, und spielet den Meister.Er spricht alles mit künstlichem Lächeln, er kürzet die Worte,Sagt die Rede nur halb, bedient sich studirter Geberden;Jede Grille des Hofes wird ein Geheimniß des Staates.Er eilt bedeutend zum horchenden Ohre neugieriger Freunde,Lallt zwey Silben, und stammelt, das Uebrige winkt er mit Blicken,Fliegt geschäftig davon; macht Anspruch auf schimmernde Würden;Jede Belohnung erwartet nur er, und er preist die Verdienste;Er überholet die fähigsten Männer, und steigt durch Empfehlung.Immer seufzt er, wie wenig der König die Treue belohnet,Die er mit seinen preiswürdigsten Ahnen dem Staate geweiht hat.Er stürzt hastig durch alle Gemächer des staunenden Hofes,Unterscheidet mit komischen Grüssen die Stände der Menschen.Ihr Moralisten, die Ihr bey Grossen die Tugend vermisset,Höret, ich will Euch mit seltenen Wundern erschüttern, betäuben.Wie viel Selbstverläugnung bedarf ein listiger Höfling!Wie viel Geduld die Narren zu preisen, die er zwar erkennet,Und im Herzen verachtet; wie viel gelassene Kälte,Thörichte Lügen zu hören, und doch aus Absicht zu glauben;Wie viel Langmuth, die kochende Galle durch Jahre zu zähmen,Sich nicht an mächtigen Feinden zu rächen, sie liebreich zu küssen,Bis die goldne Gelegenheit sichere Dolche bereitet.Wie viel Beredsamkeit, immer zu reden, und doch nichts zu sagen!Zeigt mir ein Beyspiel, wo lebt wohl der Weise, der Kühnheit besitzet,Wie ein Schranze sich selbsten zu loben, und andre zu tadeln;Ueber die Künste despotisch zu herrschen, und alles zu richten,In zwey Worten den Werth der Dinge mit Kühnheit zu sagen?Seht dort den Günstling des Königs, er lebt nur vom Hauch des Gebieters,Wie ein Schooßhund geschmeidig verläugnet er seine Gesinnung,Aeft den Charakter des Fürsten, und stralt wie ein Spiegel das AntlitzLächelnd zurück, er schmäuchelt, er kriechet, und lecket den Speichel.Kaum hüpft der Frosch vom Throne des Königs, so bläht er sich selbsten,Sieht als Beschützer auf Kleine herab, und dräut den Verwägnen,Die sich bey seiner Erscheinung nicht bücken, die dreist ihn verachten,Die das Ungefähr seiner erhabnen Geburt nicht empfinden,Und den Günstling des Glückes mit stoischer Kälte beschauen.Sind sie denn blind, wenn er in goldenen Kutschen daherfliegt,Und die Buhlerinn mit der Ausbeute des Volkes bereichert?Wie entschlossen enterbt er den schnellüberraschenden Winter!Er verschlingt schon in blühender Jugend die Früchte des Alters,Ueberläßt sich der Wollust, der Pracht, dem schwelgenden Taumel,Und entschließt sich das Spielwerk der geizigen Aerzte zu werden.Aber verlassen wir diese Vorsäle des Hofes, und eilenIn das goldne Schlafgemach seines beglückten Monarchen!Du hast diesen Beherrscher O Himmel, mit Kronen belastet,Und doch hör ich ihn seufzen; gewähr ihm den Letzten der Wünsche!Nur ein Hafen des Nachbars macht ihm noch unruhige Nächte.Schicksal, du hörest mein Flehn. Ich seh ihn am frohen Gestade!Wie wird er jauchzend Dich segnen! Was hör ich? Er schmiedet Entwürfe,Jene Republik zu tilgen, die seine Länder zertrennet.Sättige Fürst auch dieses Verlangen, doch laß dich begnügen!Wie, du hungerst noch immer? Wer füllt den politischen Magen!Geh du Nimmersatt! Friß Nationen, verschlinge Provinzen,Die Politik ist gleichsam erfunden, dich ewig zu quälen,Wie ein gepeinigter Höllengeist bist du der Henker der Menschen!Weise Gesetze vertilgen den Mörder, der einen erwürget,Was verdienest denn Du, der du Millionen ermordest,Eine Spanne von Erde zu mächtigen Ländern zu fügen,Die du nicht übersiehst, auch niemals zu sehen verlangest?O ihr Großen, ein Seufzer entfuhr mir bey euren Begierden!Ihr seyd die Väter des Vaterlands, Ihr seyd Gebieter der Erde,Ihr seyd von Völkern erwählet die Güter den Söhnen zu theilen;Izt nehm ich den Tadel zurück, und preise die Räuber.Es ist Mäßigkeit, daß Ihr so wenig von allem geniesset;Ihr bewerbt Euch um goldene Schätze, sie wiederzugeben;Ihr erobert Kronen auf Kronen, sie Erben zu lassen,Und Ihr begnügt Euch mit Arbeit, mit Schweiß, mit Thränen und Flüchen!So viel Größe des Herzens verdient gewiß Pyramiden!O seyd dankbar ihr Völker, und baut den Eroberern Tempel!Diesen gefürchteten König bescheinet die Sonne wie Bettler;Seinen durchlauchtigen Magen ersättigen Aeser und Kräuter;Eben der Wurm und das Schaaf, das Bürger bekleidet, bedeckt ihn;Schlaf und Ruhe mißkennt er, und endlich stirbt er wie Sklaven,Und läßt, was er den Weinenden raubte, den lachenden Erben.Wie viel Güte! Freygebiger König, ich will dich vergöttern!Lebet ihr Helden und Sieger von meiner Apotheosis!

Wie viel Narren von Aufgang und Narren von Niedergang seh ich;

Wie soll ich Myriaden berechnen? Ich bleibe bey Hofe.

Nur ein Häufchen der glänzendsten Thoren will ich bemerken,

Thoren, die sich zum Vorbild der Kleinen mit Schweisse bereiten.

Kaum erscheinet der hüpfende Zögling im Schauplatz des Hofes;

So beginnt er das wichtigste Werk des rühmlichen Adels

Seine Tage mit thätigemMüßiggang prächtig zu tödten.

Dann lernt er die mystische Sprache dem Fürsten zu schmäucheln;

Seinen Bewunderern viel zu versprechen, und nichts zu erfüllen;

Seine Gedanken mit gleissendem Firniß politisch zu schmücken;

Nebenbuhler mit Lob zu erheben, und heimlich zu drücken;

Endlich wird er durch Uebung gebildet, und spielet den Meister.

Er spricht alles mit künstlichem Lächeln, er kürzet die Worte,

Sagt die Rede nur halb, bedient sich studirter Geberden;

Jede Grille des Hofes wird ein Geheimniß des Staates.

Er eilt bedeutend zum horchenden Ohre neugieriger Freunde,

Lallt zwey Silben, und stammelt, das Uebrige winkt er mit Blicken,

Fliegt geschäftig davon; macht Anspruch auf schimmernde Würden;

Jede Belohnung erwartet nur er, und er preist die Verdienste;

Er überholet die fähigsten Männer, und steigt durch Empfehlung.

Immer seufzt er, wie wenig der König die Treue belohnet,

Die er mit seinen preiswürdigsten Ahnen dem Staate geweiht hat.

Er stürzt hastig durch alle Gemächer des staunenden Hofes,

Unterscheidet mit komischen Grüssen die Stände der Menschen.

Ihr Moralisten, die Ihr bey Grossen die Tugend vermisset,

Höret, ich will Euch mit seltenen Wundern erschüttern, betäuben.

Wie viel Selbstverläugnung bedarf ein listiger Höfling!

Wie viel Geduld die Narren zu preisen, die er zwar erkennet,

Und im Herzen verachtet; wie viel gelassene Kälte,

Thörichte Lügen zu hören, und doch aus Absicht zu glauben;

Wie viel Langmuth, die kochende Galle durch Jahre zu zähmen,

Sich nicht an mächtigen Feinden zu rächen, sie liebreich zu küssen,

Bis die goldne Gelegenheit sichere Dolche bereitet.

Wie viel Beredsamkeit, immer zu reden, und doch nichts zu sagen!

Zeigt mir ein Beyspiel, wo lebt wohl der Weise, der Kühnheit besitzet,

Wie ein Schranze sich selbsten zu loben, und andre zu tadeln;

Ueber die Künste despotisch zu herrschen, und alles zu richten,

In zwey Worten den Werth der Dinge mit Kühnheit zu sagen?

Seht dort den Günstling des Königs, er lebt nur vom Hauch des Gebieters,

Wie ein Schooßhund geschmeidig verläugnet er seine Gesinnung,

Aeft den Charakter des Fürsten, und stralt wie ein Spiegel das Antlitz

Lächelnd zurück, er schmäuchelt, er kriechet, und lecket den Speichel.

Kaum hüpft der Frosch vom Throne des Königs, so bläht er sich selbsten,

Sieht als Beschützer auf Kleine herab, und dräut den Verwägnen,

Die sich bey seiner Erscheinung nicht bücken, die dreist ihn verachten,

Die das Ungefähr seiner erhabnen Geburt nicht empfinden,

Und den Günstling des Glückes mit stoischer Kälte beschauen.

Sind sie denn blind, wenn er in goldenen Kutschen daherfliegt,

Und die Buhlerinn mit der Ausbeute des Volkes bereichert?

Wie entschlossen enterbt er den schnellüberraschenden Winter!

Er verschlingt schon in blühender Jugend die Früchte des Alters,

Ueberläßt sich der Wollust, der Pracht, dem schwelgenden Taumel,

Und entschließt sich das Spielwerk der geizigen Aerzte zu werden.

Aber verlassen wir diese Vorsäle des Hofes, und eilen

In das goldne Schlafgemach seines beglückten Monarchen!

Du hast diesen Beherrscher O Himmel, mit Kronen belastet,

Und doch hör ich ihn seufzen; gewähr ihm den Letzten der Wünsche!

Nur ein Hafen des Nachbars macht ihm noch unruhige Nächte.

Schicksal, du hörest mein Flehn. Ich seh ihn am frohen Gestade!

Wie wird er jauchzend Dich segnen! Was hör ich? Er schmiedet Entwürfe,

Jene Republik zu tilgen, die seine Länder zertrennet.

Sättige Fürst auch dieses Verlangen, doch laß dich begnügen!

Wie, du hungerst noch immer? Wer füllt den politischen Magen!

Geh du Nimmersatt! Friß Nationen, verschlinge Provinzen,

Die Politik ist gleichsam erfunden, dich ewig zu quälen,

Wie ein gepeinigter Höllengeist bist du der Henker der Menschen!

Weise Gesetze vertilgen den Mörder, der einen erwürget,

Was verdienest denn Du, der du Millionen ermordest,

Eine Spanne von Erde zu mächtigen Ländern zu fügen,

Die du nicht übersiehst, auch niemals zu sehen verlangest?

O ihr Großen, ein Seufzer entfuhr mir bey euren Begierden!

Ihr seyd die Väter des Vaterlands, Ihr seyd Gebieter der Erde,

Ihr seyd von Völkern erwählet die Güter den Söhnen zu theilen;

Izt nehm ich den Tadel zurück, und preise die Räuber.

Es ist Mäßigkeit, daß Ihr so wenig von allem geniesset;

Ihr bewerbt Euch um goldene Schätze, sie wiederzugeben;

Ihr erobert Kronen auf Kronen, sie Erben zu lassen,

Und Ihr begnügt Euch mit Arbeit, mit Schweiß, mit Thränen und Flüchen!

So viel Größe des Herzens verdient gewiß Pyramiden!

O seyd dankbar ihr Völker, und baut den Eroberern Tempel!

Diesen gefürchteten König bescheinet die Sonne wie Bettler;

Seinen durchlauchtigen Magen ersättigen Aeser und Kräuter;

Eben der Wurm und das Schaaf, das Bürger bekleidet, bedeckt ihn;

Schlaf und Ruhe mißkennt er, und endlich stirbt er wie Sklaven,

Und läßt, was er den Weinenden raubte, den lachenden Erben.

Wie viel Güte! Freygebiger König, ich will dich vergöttern!

Lebet ihr Helden und Sieger von meiner Apotheosis!

Aesop, der Staatskörper, und ein Gefolge von Weibern und Kindern.

Aes.Welch ein Ungeheuer nähert sich mir! — Wer bist Du?

Der Staatsk.Ich bin der kranke Staat ——

Aes.Wie siehst du aus! Ich kenne dich nicht mehr. Einst warst du ein blühender Jüngling; ich sah den May deiner lächelnden Tage. Dein majestätischer zierlicher Gang gab deiner reizenden Miene eine edle Grösse; dein wohlgestalteter Wuchs reizte die Augen. Deine jugendlich blühende Wange war ein beredter Zeuge von dem glücklichen Umlauf deines gesunden Bluts. Du warest von allen Menschen geliebt, bewundert, hochgeschäzt. Königinnen buhlten um deine Liebe, ein freundlicher Blick, ein Druck der Hand, ein sanftes Wort von deiner Lippe war ein Geschenk, eine Belohnung, um welche deine Günstlinge buhlten. Aber Ach! Wo sind izt deine Bewunderer, deine Freunde? Wie bist du von Alter und Krankheit entstaltet, mißhandelt! Faule morsche Knochen hängen nur durch eine welke Haut zusammen. Dein Athem stinkt, deine triefenden Augen liegen tief in dem kahlen Hirnschedel. Deine Kleider sind zerrissen, ein jammerndes Leichengefolge von Wittwen und Waisen schleichet dir nach, und zerfliesset in Thränen ——

Der Staatsk.Ach! Ich bin das traurige Schlachtopfer des Ehrgeizes! So haben mich die unsterblichen Väter des Vaterlands mißhandelt. Hungrige Geyer verschlangen mein Fleisch, Ottern nagten mein Mark, und Tyger saugten mein Blut. Ich bin meinem Tode nahe. Vergebens suchten einige patriotische Aerzte meine Tage zu verlängern. Ich welke hin, meine Säfte sind vertrocknet.

Aes.Wo schleichst du denn hin?

Der Staatsk.Ein schwindelnder Projektant hat mir die Bäder verordnet. Ein anderer schlägt mir die Eselsmilch vor; aber ich denke auf mein Testament, die Esel und Eselinnen werden mir schwerlich helfen. Ich fühle meine Auflösung. Meine Wunden sind unheilbar. Leb wohl! Wir sehn uns nicht mehr!

Aes.Gute Nacht Vaterland!

Der Bruder der berufenen Gräfin Emilie, einer Exsängerinn, die der König vorzüglich wegen schnellen Füssen bewunderte, verließ die kleine Klasse des Pöbels, und wuchs vom kleinen Schmiedjungen bis zum Aufseher der königlichen Palläste, und Freyherrn von Altberg an. Da sich in zwey Monaten sein wunderbares Genie, und sein Originalgeschmack in den Künsten und Wissenschaften durch Wunder entwickelten, sah sich der König genöthiget, ihn in den Grafenstand zu erheben, und ihm den Vorsitz im Tempel der Musen anzuweisen. Er ließ sich malen, und der Maler sezte seinen Helden auf einen Wolkenwagen.

Auch der Hof hat seine Verschwindungsmaschinen. Graf Tannenwald sprach zu dreist von der Menschlichkeit in Gegenwart des Königs. Die Höflinge entdeckten kleine Runzeln auf der majestätischen Stirne. Dieß war ein weissagender Wink für ihre Adleraugen. Sie eilten wie Füchse mit brennenden Schweifen zu den Neidern des Grafen. Man verfertigte in Eile unterirdische Fallen.Tannenwald gleitete aus, und verschwand.

Die Höflinge sind die ersten Erfinder der Theatermalerey. Sie vergrössern mit dreister Hand ihre Pinsel; ihre Geduld ist bald erschöpft, sie eilen hastig zum Zweck, und werfen ihre flüchtigen Gemälde nur verwägen hin. Doch in der Ferne halten die Augen ihre Malerey für Miniaturgemälde.

Losin hatte dem König lange und treue Dienste geleistet. Er stand am Gipfel des Glückes, und der Ehren, als endlich seine mächtigen Feinde am Hofe seinen plözlichen Sturz bereiteten. Er wardvom König zu einer wichtigen Unternehmung versandt; aber seine Gegner wusten die Sache so hämisch einzuleiten, daß er weder die nöthigen Kriegsleute, noch genug Geld und andere Bedürfnisse zur bestimmten Zeit erhielt. Alles gieng natürlich unglücklich. Das Glück selbst schien sich gleichsam mit seinen Widersachern zu vereinigen. Man schrieb alle Fehler dem Obersten Losin zu. Der Kriegsrath beurtheilte die Handlungen so streng, daß Losin zum Tode verurtheilt wurde. Seine Seele war zu groß, er würdigte sich nicht sich zu vertheidigen. Der König kennt mein Herz, und meine Dienste. Das war alles, was er dem erkauften Kriegsrath zur Antwort gab, und es näherte sich der Tag seines Todes. Niemals war unter dem Volk eine grössere Gährung. Losin war von edlen Bürgern geliebt, von allen Kriegern als ein Held bewundert. Man schloß die Kaufmannsgewölber. Die Handwerker verliessen ihr Gewerbe. Das Volk eilte zur Gerichtstäte. Die Biedermänner zerflossen in Thränen; die Väter erzählten den Söhnen mit Schluchzen seine Thaten, und die Mütter wuschen ihre Säuglinge mit Zähren, indem sie den Patrioten segneten. Selbst der Stab zögerte, und erwartete mit ängstlicher Ungeduld vom König ein gewünschtes Zeichen der Begnadigung; aber vergebens waren alle frommen Wünsche. Unter dem lauten Zuruf, und von Millionen Segen des zuschauenden Volkes begleitet stieg Losin auf das Blutgerüst; sein ruhiges Antlitz war nach seinem edlen Herzen gestimmt. Er grüßte liebreich seine Kriegsgefährten, und dankte der Versammlung des Volkes für die großmüthigen Zähren. Er erwartete mit offenen Augen den Tod, den er so oft in blutigen Schlachten für das Vaterland, und für seinen König verachtete. Schon rüsteten sich die Vollzieher der strengen Gerechtigkeit, als ——[18]

Ein Hain am Gestade eines Stromes.

Fritz, Lieschen, zu ihnen Amor.

Fritz.Lieschen, setzen wir uns in das Gras ——

Liesch.Aber sey nicht schlimm ——

Fritz.Zu Zeiten einen Blick, und einen Kuß —— Ich will fromm wie ein Turteltäubchen seyn ——

Liesch.Geh, du bist ein loser Schurke! Der Ort ist einsam —— Mein Herz —— Ach mein Herz ——

Fritz.Wann wird es ganz mein Eigenthum? —— Wär ich reich! —— O Liebe gieb mir eine Heerde!

Liesch.Fritz, sieh, es ziehen dort Wetterwolken über die blauen Gebirge. O diesem Winkel trau ich nie! Alle Stürme kommen daher!

Fritz.Es blitzt wirklich; auch der Donner schleicht schon ferne. Die Winde heulen. Sieh dort schwellen die Wogen empor ——

Liesch.Wenn etwa unsere Fischer Schaden leiden. Sieh, was ringt dort mit den Wellen?

Fritz.Ein Kind!

Liesch.O das arme Kind! Hülfe! Geschwind Hülfe! —— Nimm lieber Fritz ein Schiffchen! —— O mein Fritz hundert Küsse!

Fritz.Nur hundert? —— Willst du zweyhundert geben; so schwimme ich um den Knaben —— weniger nicht ——

Liesch.Geh, du bist ein Nimmersatt! —— So geh nur —

(Fritz springt munter in die Fluten, und haschet den Knaben.)

Am.Hab Dank für die Hülfe! Begehrt eine Gnade!

Fritz.Wer bist du?

Am.Ich bin ein Geigenmacher, und reise auf meine Kunst.

Liesch.Ich muß für dich dreyhundert —— nein zweyhundert will ich sagen —— ja richtig zweyhundert Küsse zahlen, schenk mir aus Erkenntlichkeit eine Geige von deiner Arbeit, denn du bist so artig, daß deine Geigen viel Harmonie versprechen.

Am.Ich will Euch die Liebesgeige schenken. Singt mir indeßeuer Lieblingslied. Ich beginne die Arbeit. Seht das Meisterstück. Wenn man sie spielt; so macht ihre Wunderkraft alle Zuhörer tanzen. Sammelt Geld, das sey euer Hochzeitgeschenk.

Amor verschwindet. Fritz und Lieschen erscheinen in der Stadt mit der wunderbaren Liebesgeige. Sie sehen viel Volk auf dem Markte, und hoffen Gewinn. Fritz geigt, alles tanzt. Sie eilen bis zum Gerichtsplatze. Das Volk, die Krieger beginnen zu tanzen. Die Freunde Losins spähen von ferne, nützen den glücklichen Augenblick, und bringen den Verurtheilten in Sicherheit. Der Pöbel tanzt fort. Fritz und Lieschen bereichern sich, feyern ihre Hochzeit, und kehren in das Dorf, wo noch jährlich alle gesunden Beine den Einfluß der magischen Liebesgeige fühlen.

Lusian. Marsis.

Lus.Edler Marsis meinen Abschiedskuß!

Mars.Auch Lusian verläßt uns, da uns alle Patrioten fliehen ——

Lus.Ich will als ein rechtschafner Mann zu Grabe gehen. Eduard mag seine chimärische Universalmonarchie selbst ausfechten. Ich bin ein Kerl, der sein Vaterland liebt, nie soll mich der Ehrgeiz zum Unmenschen machen! Wir fallen wie hungrige Tyger über unschuldige Nationen her; was sich nicht knechtisch beugt, wird mit Füssen getreten. Gott im Himmel, wir stinken von Menschenblut! —— Leb wohl!

Mars.Warte noch, ich will dem Könige Vorstellungen machen ——

Lus.Er hört niemand, als seine Speichellecker, seine Weiber, und seinen unersättlichen Ehrgeiz! —— O die verdammte Eroberungssucht!

Wenn lauter schlaue Spieler wären,Wer würde der Gewinner seyn?Wenn alle Mächtige die Welt zerstöhren,Wer zieht den Vortheil ein?Gewiß ist eine Welt zu wenig,Weil alle Fürsten Helden sind.Izt weht ein kriegerischer Wind.Es kleidet sich ein jeder KönigSo furchtbar wie ein Herkules.Die Großen sind izt lauterKrieger.Ein jedes Königlein spielt einen Sieger,Als wär er Alcibiades.Die Fürsten grüßen auch mit Lächeln nur Soldaten,Die dort im Feld die Aernde kühn zertraten.Gar selten wird für den ein kalter Gruß beliebt,Der seinen Staat beglückt, und Völkern Nahrung giebt.Das eiserne Jahrhundert ist erschienen;Die Erde scheinet mir ein Waffenhaus.Man brüttet überall erwürgende Maschinen;Werkzeuge, die nur zur Verheerung dienen,Denkt izt der Witz der harten Menschen aus,Die Erdensöhne zu zerstöhren,Als wenn sie nur Insekten wären.Wie wird die Menschlichkeit verhört,Und die Vernunft geschändet und entehrt!Sind denn die Großen ewig Narren,Und bleibt ihr altes SteckenpferdDer Lorbeer und ein Siegeskarren?Dort hängt ein Räuber. Gute Nacht!Du hast die Sache schlecht gemacht,Muß man in Wäldern Solo fangen?Du könntest izt am Hofe prangen,Wärst du nur ein Politiker,Und stünd um dich ein großes Heer.Wer gab die höllischen Gesetze,Daß jeder rauben kann, was ihm gefällt,Wenn sich sein Nachbar nicht mit Macht entgegen stellt?Das riecht nicht bloß nach Schulgeschwätze,Es stinkt nach einem Höflingsbart.Das bleibt so ein Geschmeis von Tygerart.Sie zischen stäts den Fürsten in die Ohren,Die ganze Schöpfung sey zu ihrer Lust gebohren.O Himmel schmücke jeden Thron,Mit einem weisen Salomon!Und strafe nie die Welt mit herrschenden Genien,Vor denen Myriaden Sklaven knien.Ihr Nachbarn hört den feinen Fürsten nicht,Der schmäuchelnd von Verträgen spricht,Denn seine Majestät beliebt mit Euch zu scherzen,Er hat das Gift in seinem Herzen.Glaubt sicher, wenn er Euch nur Hochzeitlieder singt,Daß er aus Neid schon euer Land verschlingt.Große Lichter, kleine Kerzen!Große Männer, harte Herzen!War Attila des Adams ächter Sohn?Wie, ehren Henker auch den Thron,Die stäts nach Beute schielen?Du Weib, bleib lieber ohne Frucht,Die einen Helden trägt, den man gerecht verflucht.Die Fürsten lieben sehr im Felde sich zu kühlen,Und daraus folgert sich,Daß sie wie Kinder gern Soldaten spielen;So jagt man königlich!Ein kleiner Edelmann hetzt seinen Haasen.Seht, wie die Krieger froh auf unsern Weiden grasen!Wir säen stäts, und kauen unsre Noth.Die halbe Million der MenschenfeindeBeraubet uns der Kinder und der Freunde,Und frißt in Müßiggang recht trotzig unser Brod.Wird denn der Pöbel ewig rasen?Wie man die Thoren jauchzen hört!Wenn der Monarch die armen Menschen tödtet,Und manche Stadt wie ein Barbar zerstöhrt;Indeß der Philosoph still seufzet und erröthet.Wird wohl die Welt dadurch beglückt,Wenn man auf einen Kopf zehn Kronen drückt?Verewiget die Wahrheit mit dem Meissel;Die Helden sind der Erde schwerste Geissel!Das Bild des Titus und AureliusVerdient von Weisen einen Kuß.Auf Alexander laßt uns speyen!Stäupt Schmeichler, die dem Ehrgeiz Weihrauch streuen,Den man verfluchen muß!

Wenn lauter schlaue Spieler wären,

Wer würde der Gewinner seyn?

Wenn alle Mächtige die Welt zerstöhren,

Wer zieht den Vortheil ein?

Gewiß ist eine Welt zu wenig,

Weil alle Fürsten Helden sind.

Izt weht ein kriegerischer Wind.

Es kleidet sich ein jeder König

So furchtbar wie ein Herkules.

Die Großen sind izt lauterKrieger.

Ein jedes Königlein spielt einen Sieger,

Als wär er Alcibiades.

Die Fürsten grüßen auch mit Lächeln nur Soldaten,

Die dort im Feld die Aernde kühn zertraten.

Gar selten wird für den ein kalter Gruß beliebt,

Der seinen Staat beglückt, und Völkern Nahrung giebt.

Das eiserne Jahrhundert ist erschienen;

Die Erde scheinet mir ein Waffenhaus.

Man brüttet überall erwürgende Maschinen;

Werkzeuge, die nur zur Verheerung dienen,

Denkt izt der Witz der harten Menschen aus,

Die Erdensöhne zu zerstöhren,

Als wenn sie nur Insekten wären.

Wie wird die Menschlichkeit verhört,

Und die Vernunft geschändet und entehrt!

Sind denn die Großen ewig Narren,

Und bleibt ihr altes Steckenpferd

Der Lorbeer und ein Siegeskarren?

Dort hängt ein Räuber. Gute Nacht!

Du hast die Sache schlecht gemacht,

Muß man in Wäldern Solo fangen?

Du könntest izt am Hofe prangen,

Wärst du nur ein Politiker,

Und stünd um dich ein großes Heer.

Wer gab die höllischen Gesetze,

Daß jeder rauben kann, was ihm gefällt,

Wenn sich sein Nachbar nicht mit Macht entgegen stellt?

Das riecht nicht bloß nach Schulgeschwätze,

Es stinkt nach einem Höflingsbart.

Das bleibt so ein Geschmeis von Tygerart.

Sie zischen stäts den Fürsten in die Ohren,

Die ganze Schöpfung sey zu ihrer Lust gebohren.

O Himmel schmücke jeden Thron,

Mit einem weisen Salomon!

Und strafe nie die Welt mit herrschenden Genien,

Vor denen Myriaden Sklaven knien.

Ihr Nachbarn hört den feinen Fürsten nicht,

Der schmäuchelnd von Verträgen spricht,

Denn seine Majestät beliebt mit Euch zu scherzen,

Er hat das Gift in seinem Herzen.

Glaubt sicher, wenn er Euch nur Hochzeitlieder singt,

Daß er aus Neid schon euer Land verschlingt.

Große Lichter, kleine Kerzen!

Große Männer, harte Herzen!

War Attila des Adams ächter Sohn?

Wie, ehren Henker auch den Thron,

Die stäts nach Beute schielen?

Du Weib, bleib lieber ohne Frucht,

Die einen Helden trägt, den man gerecht verflucht.

Die Fürsten lieben sehr im Felde sich zu kühlen,

Und daraus folgert sich,

Daß sie wie Kinder gern Soldaten spielen;

So jagt man königlich!

Ein kleiner Edelmann hetzt seinen Haasen.

Seht, wie die Krieger froh auf unsern Weiden grasen!

Wir säen stäts, und kauen unsre Noth.

Die halbe Million der Menschenfeinde

Beraubet uns der Kinder und der Freunde,

Und frißt in Müßiggang recht trotzig unser Brod.

Wird denn der Pöbel ewig rasen?

Wie man die Thoren jauchzen hört!

Wenn der Monarch die armen Menschen tödtet,

Und manche Stadt wie ein Barbar zerstöhrt;

Indeß der Philosoph still seufzet und erröthet.

Wird wohl die Welt dadurch beglückt,

Wenn man auf einen Kopf zehn Kronen drückt?

Verewiget die Wahrheit mit dem Meissel;

Die Helden sind der Erde schwerste Geissel!

Das Bild des Titus und Aurelius

Verdient von Weisen einen Kuß.

Auf Alexander laßt uns speyen!

Stäupt Schmeichler, die dem Ehrgeiz Weihrauch streuen,

Den man verfluchen muß!

Eduard, ein Kämmerling, hernach Marsis.

Edu.Lasset ihn nicht vor! Ich hasse seine Strenge; er ist ein harter unbeugsamer Mann! Fort! —— Wer trit wider meinen Willen ein?

Mars.Ich habe oft den Zutrit begehrt; aber deine Diener verweigerten ——

Edu.So war mein Befehl!

Mars.Das wollte ich aus deinem Munde wissen. Ich gehe wieder. Ich habe die Freystäte des Friedens verlassen, und bin hieher geeilt, dich zu sehen, denn du nanntest mich einst deinen Freund. Nur zwey Worte mein König, und dann mein Lebewohl, meinen Abschiedsgruß! —— Ich bin hieher gekommen meinen königlichen Freund zu sehen; aber ich finde ihn nicht mehr. Jenen grossen Eduard kannte ich, dessen Herz der Thron der Menschlichkeit war; dessen Ohrbeym Geschrey des Elendes sich herabneigte; dessen Augen von edlen Thränen sanft überflossen, wenn er seine Bürger leiden sah; Fürst, das war ein Mann! So einer kömmt nicht wieder! Er war die Zierde des Thrones, die Säule des Vaterlandes, und die Wollust seiner Völker! —— Aber Ach! Er ist todt! —— Du kennst denjenigen, der an seine Stelle trat ——

Edu.Das ist dein Lieblingston, du veränderst dich nie —

Mars.Ich habe diese standhafte Denkungsart meinem Unglücke zu danken. Wär ich in Weichlichkeit erzogen, vielleicht würde mein Herz verzagt, und meine Seele weibisch. Ich weiß, daß niemand ohne Zittern sich dir nähert; doch ich bin ganz ruhig hieher gekommen, denn ich fürchte nichts, weil ich nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren habe. Dieses Leben widmete ich tausendmal deinem Dienste, fast reut es mich ——

Edu.Ich dulde deine Kühnheit. Ich will dich hören. Ich will bis zu dir herabsteigen. Was verweisest du deinem König? Denn ein Verweis drückt deine Zunge ——

Mars.Wollte Gott, ich könnte itzt dein Lob absingen! Aber zum Schmäuchler bin ich nicht gebohren. Herr, ich verlasse ein kleines Landhäuschen, ich höre rings um mich das Gewinsel der Elenden. Da rufen die Waisen um Brod; dort ringen die Wittwen die Hände; die gedruckte Armuth seufzet in allen Winkeln; ich schleiche bestürzt in deine Burg; ich finde sie entvölkert; die treuen Diener sind vom Dienste geworfen; deine Freunde hast du verscheucht; weise thätige Bürger des Staats hast du des Landes verwiesen; der Patriot segnet weinend sein Vaterland, schüttelt den Staub von den Füssen, und eilet zur Gränze. Alles haßt dich; du hast die Liebe deiner Unterthanen verloren; du bist ein Tyrann einer gekränkten Familie, deren Thränen dich überall anklagen. Hörst du die Klagen deiner Kinder; weist du den Jammer ——

Edu.Du sagst mir keine Neuigkeit. Ich habe meine Ausspäher ——

Mars.Ausspäher? —— Ich weiß nicht, ob die Ausspäher Despoten, oder die Despoten Ausspäher machen! —— Im Kriege mögen sie gelten; aber im Frieden —— Ein König muß wie ein Vater unter seinen Söhnen leben, sie müssen seinen Segen wie den Thau des Himmels fühlen —

Edu.Wer kann den Pöbel begnügen? Ich giesse meine Wohlthaten willkürlich aus; ich bin wie ein Gott; Er beglücket, wen Er will.

Mars.Alle haben gleiche Ansprüche, gleiches Recht! Du sagst Wohlthaten? —— Wohlthaten! Das sind ja die Güter deiner Völker, die dir nur anvertraut sind, um sie mit Billigkeit zu vertheilen.

Edu.Ich bin Herr über meine Eroberungen ——

Mars.Die Beute des Glücks, willst du sagen, aber mit wessen Kräften erwarbst du sie? Dein Arm allein? —— O fürchte den Eigensinn des Glücks! Sieh, mitten unter deinen Siegesgeprängen geht das Vaterland zu Grunde!

Edu.Geh aus meinen Augen! Ich will dich vergessen ——

Mars.Ich vertheidige das Recht der Menschlichkeit ——

Edu.Deine Pflicht ist zu schweigen!

Mars.Ich eifre für deine Ehre ——

Edu.Es ist schön den Donner, den man schleudern könnte, zurückzuhalten; aber geh meinem Jähzorne aus dem Wege! Eil! Entweich! Mein Bogen ist gespannt! Meine Pfeile ——

Mars.Schrecken mich nicht! Denn ich bettle hier nicht um Gnaden. Durchbohr diese Brust, die sich so oft dem Feinde bloßstellte, um dein Leben zu beschützen; es reut mich keine That; aber dein Undank schmerzt mich. Du hast alles vergessen, du bist izt ein liebloser Egoist. Du lebst dir! Die ganze Welt soll dein Fußschemmel werden. Du tritst alles mit Füssen; verachtest alle Menschen, und liebst nur dich selbst! Du vergiessest Menschenblut wie Wasser, um deinen unersättlichen Ehrgeitz zu befriedigen. Du verwandelst die Welt in eine Brandstäte, um deinen Groll an jedem Nachbar zu weiden; aber zittere, es wacht eine Vorsicht, sie wird dich herabstürzen und demüthigen!

(Eduard zieht wüthend den Degen, und ersticht den Marsis. Die Wachen eilen herzu, und unterstützen den Sterbenden. Eduard sieht kaum seinen Freund bluten; so schleudert er den Degen weg, und steht versteinert. Plötzlich stürzt er sich in die Arme des Marsis)

Mars.


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