V.

»Ihnen, Frau Baronin,« sagteDr.Zeunemann erstaunt, »ja, gehört sie denn Ihnen?«

»Natürlich,« sagte die Baronin, »ich bin bekanntlich die nächste Verwandte der Verstorbenen.«

Dr.Zeunemann war so betroffen, daß er sich unwillkürlich setzte, nicht ohne auch der Baronin durch eine Gebärde einen Stuhl anzubieten. »Aber die Nadel gehörte ja gar nicht Ihrer Kusine,« sagte er, »sie hatte für gut befunden, sie zu verschenken.«

»Leider,« sagte die Baronin, »aber hernach hat sie sich scheiden lassen, und in solcher Lage geben sich anständige Menschen ihre Geschenke zurück. Außerdem hat er sie doch umgebracht! Da kann man ihn doch nicht ihre Nadel tragen lassen.«

Die ratlosen Blicke, die der Oberlandesgerichtsrat mit dem Staatsanwalt wechselte, brachten sie durchaus nicht aus der Fassung. »Nun?«fragte sie mit einem energisch aufmunternden Nicken. »Sie sehen, daß Sie es sind, der die Sache in die Länge zieht.«

»Da Sie mir befehlen kurz zu sein,« sagteDr.Zeunemann, der sich inzwischen gesammelt hatte, »so sage ich Ihnen rund heraus, daß Ihr Wunsch unerfüllbar ist. Selbst wennDr.Deruga verurteilt würde, könnten wir ihm nicht nehmen, was ihm gehört; aber noch ist er nicht verurteilt und hat einstweilen Ihre verstorbene Frau Kusine so wenig umgebracht wie — verzeihen Sie — wie Sie und ich.«

»Herr Präsident,« rief die Dame mit einem vorwurfsvollen Blick ihrer graublauen Augen aus, »verlieren denn wirklich gerade die Rechtsgelehrten allen Sinn für das natürliche und menschliche Recht?«

»Ihr Recht wird Ihnen werden, Frau Baronin,« beeilte sich jetzt der Staatsanwalt zu versichern. »Ich bin überzeugt, daß, wenn es unserer Einsicht und Arbeit nicht gelingen sollte, die Vorsehung selbst die Wahrheit ans Licht bringen wird.«

»Und die Nadel?« fragte die Baronin. »Ich sammle solche Sachen, und das schönste Stück, auf das ich Erbansprüche habe, soll in den Händen eines solchen Menschen bleiben?«

»Dafür machen Sie Ihre Urgroßmutter, aber nicht uns verantwortlich,« sagteDr.Zeunemann lachend, indem er aufstand und wieder nach seinem Hute griff.

»Sie sind ein steinharter, gepanzerter, undurchdringlicher Jurist,« schmollte die Baronin.

»Aber ein weicher, für die Reize schöner Damen sehr empfänglicher Mensch,« fügteDr.Zeunemann versöhnlich hinzu.

Als sie alle zusammen aufbrachen, bat die Baronin, mit Peter Hase bekannt gemacht zu werden. »Sie sind mir kein Fremder,« sagte sie liebenswürdig zu ihm, »da ich Ihre Bücher kenne und bewundere. Es tröstet mich über den abscheulichen Prozeß, daß ich ihm eine so wertvolle Begegnung verdanke.«

Sie forderte ihn auf, sie und ihren Mann im Hotel zu besuchen, falls er noch einige Zeit hierbleibe, und als sie ihren Wagen warten sah,verabschiedete sie sich von den beiden anderen Herren, indem sie lächelnd sagte: »Ich bekomme die Nadel doch noch, das weissagt mir mein Gefühl.«

Die Herren gingen noch ein paar Schritte miteinander. »Wie reizend und anziehend,« sagteDr.Zeunemann, »ist doch der gänzliche Mangel an Logik und Objektivität an Frauen. Wenigstens für uns Männer.«

»Und ihre Grausamkeit!« setzte Herr Hase anerkennend hinzu.

»Ich halte sie mehr für gedankenlos,« sagteDr.Zeunemann. »Wie alt schätzen Sie übrigens diese Frau? Sie hat eine erwachsene Tochter, da muß sie doch schon zweiundvierzig Jahre alt sein.«

»Eher älter,« sagte Peter Hase, »sie ist sehr gepflegt und sehr geschickt angezogen.«

»Natürlich, natürlich,« sagteDr.Zeunemann, »keine Arbeit, keine Sorgen, das erhält jung.«

Auch den Kommerzienrat Winkler beschäftigte die Baronin Truschkowitz, und er suchte eine Gelegenheit,Dr.Bernburger ein wenig nach ihrauszufragen. »Sie hat Charme, Schick, Grazie,« sagte er zu ihm, »aber gefährlich viel Temperament.«

»Dazu bin ich ja da, um das zu kontrollieren,« sagteDr.Bernburger.

»Ich habe beobachtet,« fuhr der Kommerzienrat fort, »daß sie es vermeidet, Deruga anzusehen, obschon sie sonst scharf aufpaßt. Sie setzt sich so, daß er nicht in ihr Gesichtsfeld kommt. Haben früher irgendwelche Beziehungen zwischen ihnen stattgefunden?«

»Sie kennt ihn gar nicht,« sagteDr.Bernburger, »aber sie hat ihn von jeher gehaßt.«

»Also blinde Voreingenommenheit?« meinte Herr Winkler.

»Nun ja,« sagteDr.Bernburger, »aber das macht ihn nicht besser.«

Der Kommerzienrat lachte. »Wie verhält sich denn ihr Mann dazu?« fragte er.

»O, er gibt ihr den Arm und ist neben ihr,« sagteDr.Bernburger. »Übrigens ist er ein feiner Mensch. Selbst seine Dummheit hat etwas an sich, daß man unwillkürlich den Hut vor ihr abnimmt.«

»Dumm sein, mit der Frau!« sagte der Kommerzienrat, »na, ich gratuliere!«

»Da können Sie sich täuschen,« entgegnete der Anwalt. »Ob sie Respekt vor ihm oder Grundsätze hat, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie eine kalte Kokette.«

Der Kommerzienrat schüttelte sich. »Das wäre nichts für mich,« sagte er. »Ich glaube, da möchte ich noch lieber betrogen werden.«

Der Präsident eröffnete die Sitzung mit den Worten, daß die nächsten Zeugenverhöre sich mit der letzten Lebenszeit der verstorbenen Frau Swieter beschäftigen würden, und daß er hoffe, es würde von dieser Seite aus mehr Licht auf die noch nicht völlig aufgeklärten Vorgänge fallen. Man sei bis jetzt davon ausgegangen, daß der Angeklagte von dem Inhalt des Testaments keine Kenntnis gehabt habe. Die einzige Person, die darum gewußt habe, sei die nächste Freundin der Verstorbenen, Fräulein Kunigunde Schwertfeger. Es sei nicht unmöglich, daß durch deren Aussage, falls sie nämlich die bisher beobachtete Zurückhaltung aufgäbe, das Bild erheblich verändert würde.

Es war für jedermann sichtbar, daß es Fräulein Schwertfeger Selbstüberwindung kostete, den Saal zu betreten. Sie war einfach und nichtnach der Mode gekleidet, eine unauffällige Erscheinung, die nur, wenn man sie eingehend betrachtete, Besonderheit und Reiz verriet. Beides fand man dann reichlich in den fast zu großen, offenen, grauen Augen, in der zu kurzen Nase, in dem kleinen, stets etwas geöffneten Munde und in dem Mienenspiel, das das ohnehin unregelmäßige Gesicht beständig bewegte. Wahrscheinlich, weil sie sich einer kindlichen Unfähigkeit zur Verstellung und einer Neigung unbedacht herauszuplaudern bewußt war, wappnete sie sich unter Fremden gern mit Vorsicht und Verschwiegenheit, was ihr, verbunden mit der Scheu vor der Öffentlichkeit, den Ausdruck eines kleinen Tieres im Käfig gab, das gewohnt ist, geneckt zu werden und sich zur Wehr setzen zu müssen.

NachdemDr.Zeunemann ihr den Eid abgenommen hatte, forderte er sie auf, das zur Aufklärung des Falles Dienliche ohne Vorbehalt zu sagen. Es gebe Leute, fügte er hinzu, die sich für wahrheitsliebend hielten und doch unter Umständen ein Verschweigen, eine Lügefür erlaubt, ja sogar für verdienstlich ansähen. »Gehören Sie zu denen?« fragte er.

Sie zögerte einen Augenblick und sagte dann, indem sie die großen Augen fest auf ihn richtete: »Ja, das tue ich.«

Ihre kleinen, verarbeiteten und nicht schön geformten Hände schlangen sich dabei fest ineinander.

»Das sind ja gute Aussichten,« sagteDr.Zeunemann. »Haben Sie, wenn ich fragen darf, von vornherein die Absicht, uns die Wahrheit nur in Auszügen und Bearbeitungen zuzuteilen?«

Sie schüttelte den Kopf und lächelte, ein lustiges Lächeln, das im Nu ihr ganzes Gesicht überrieselte. »Nein, nein,« sagte sie treuherzig, »ich habe die Absicht, die Fragen, die Sie an mich richten werden, nach bestem Wissen und Vermögen wahrheitsgemäß zu beantworten. Es ist ja nicht gesagt, daß die vorhin erwähnten Umstände hier vorliegen.«

»Nun das ist brav,« sagte der Vorsitzende. »An die schweren Folgen eines Meineidesbrauche ich Sie wohl nicht zu erinnern. Nur das will ich sagen, daß wir kurzsichtigen Menschen allemal am besten tun, jede Lüge schlechthin für Lüge, im häßlichsten und abscheulichsten Sinne, anzusehen und uns an die Wahrheit zu halten. Die Folgen liegen in Gottes Hand. Jene Sophismen oder Trugschlüsse, die uns eine Lüge für geboten erscheinen lassen wollen, können gefährliche Irrlichter sein.«

Fräulein Schwertfeger nickte ernsthaft.

»Wollen Sie uns und den Herren Geschworenen zunächst ausführlich erzählen, was Sie von der Entstehung des Testamentes der verstorbenen Frau Swieter wissen! Da Sie von früher Jugend an miteinander befreundet waren, wird sie vor der Aufsetzung des Testamentes mit Ihnen davon gesprochen, vielleicht Sie um Ihren Rat gefragt haben?«

»O nein,« antwortete Fräulein Schwertfeger schnell, »sie sagte wohl immer: 'Was meinst du dazu, Gundel? Soll ich das tun, Gundel?' Aber das war nur eine Form der Höflichkeit oder Herzlichkeit. In wichtigen Dingenbeanspruchte sie nie Rat und hätte ihn nie angenommen.«

»Um Rat also hat sie nicht gefragt?« sagteDr.Zeunemann. »Aber die Beweggründe ihres Willens wird sie doch angegeben haben?«

»Ja, das hat sie getan,« antwortete Fräulein Schwertfeger.

»Die Verstorbene war schon seit acht Jahren krebsleidend,« sagteDr.Zeunemann. »Hat ihr das nicht schon früher, bevor sie das Testament aufsetzte, Anlaß gegeben, über ihre letztwilligen Verfügungen zu sprechen?«

»Mit mir nie,« sagte Fräulein Schwertfeger. »Und ich glaube, überhaupt nicht. Die Ärzte suchten sie doch immer über den wahren Charakter ihres Leidens zu täuschen, und sie kam ihnen darin entgegen, erstens, weil ihr überhaupt leicht etwas weiszumachen war, und dann, weil sie in diesem Falle das Bedürfnis hatte, getäuscht zu werden. Sie wollte leben und hoffen. Dazu kommt, daß sie sich nach einer Operation immer wieder vollkommen gesund fühlte.«

»Wie kam es denn,« sagteDr.Zeunemann, »daß sie doch zuletzt an das Testament dachte?«

»Nun, das ist klar,« sagte Fräulein Schwertfeger, »weil es damals wirklich dem Ende zuging und sie das fühlte. Als ihr vor einem Jahre der schreckliche Anfall kam, nach welchem sie nicht wieder aufgestanden ist, war sie sehr betroffen und wußte, daß sie nicht wieder gesund werden würde. Sie sprach es nicht aus, aber ich fühlte oft, daß sie es dachte.«

Aufgefordert, den Vorgang ausführlich zu schildern, erzählte Fräulein Schwertfeger:

»Eines Nachmittags, da ich sie wie gewöhnlich besuchte, empfing sie mich mit den Worten, ich käme im rechten Augenblick. Sie habe eben beschlossen, ihr Testament zu machen, und ich müsse ihr dabei behilflich sein. Wenn sie wieder gesund würde, so mache es ja nichts, aber sie müsse doch auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß sie diesmal nicht davonkäme, und ohnehin sei es leichtfertig von ihr, so alt wie sie sei, es noch nicht getan zu haben. Es wäre doch zu sinnlos, wenn die Verwandten ihr Geldbekämen, die ihr fast ganz fremd und die außerdem reich wären. Ich sagte, sterben würde sie noch lange nicht. Ich sähe sie schon im Geiste vor mir, frisch und stark und leichtfüßig wie früher. Darauf antwortete sie nichts, aber in ihren Augen sah ich, was sie dachte, und sie las wohl dasselbe in meinen.«

»War sie aufgeregt?« fragteDr.Zeunemann.

»Nein,« sagte Fräulein Schwertfeger, indem sie mit einer heldenmütigen Anstrengung die bei der Erinnerung aufsteigenden Tränen verschluckte, »nicht besonders, nur im Anfang zitterte die Stimme ein wenig. Dann sagte ich, daß ich nicht gern mit Testamenten und solchen Sachen zu tun hätte, besonders wenn es sie anginge. Aber sie hätte ganz recht. Wenn man Vermögen besäße, müsse man ein Testament machen, und sie hätte es schon längst tun sollen. Was sie denn mit ihrem Gelde vorhätte, wenn ihre Verwandten es nicht bekommen sollten? Sie wurde darauf sehr verlegen und machte eine lange Vorrede, ich würde gewiß erstaunt sein und sie auslachen und sie schelten, bis siemir endlich sagte, daß sieDr.Deruga zu ihrem Erben einsetzen wollte.«

»Bitte, einen Augenblick,« unterbrachDr.Zeunemann. »Ihre Freundin setzte voraus, daß der Entschluß Sie überraschen würde. Hatte sie früher einmal andere Pläne geäußert? Wenn man Sie vorher nach den Absichten Ihrer Freundin gefragt hätte, hätten Sie gar keine Ahnung oder Meinung gehabt?«

»Doch, das hätte ich,« sagte Fräulein Schwertfeger. »Ich hatte immer geglaubt, sie würde eine Stiftung für arme Kinder machen, zum Andenken an ihr eigenes verstorbenes Kind, und weil sie überhaupt Kinder so sehr liebte. Sie pflegte zu sagen, schlecht ernährte, traurige Kinder wären ein Schandfleck der Gesellschaft. Sie ging darin so weit, daß sie jedes Kind, das sie zufällig schreien hörte, für ein mißhandeltes hielt. Ich sagte oft zu ihr, um sie zu trösten: 'Weißt du, das ist wirklich ein eigensinniger Balg.' Aber im Grunde glaubte sie mir nicht. Wir hatten auch von Einrichtungen gesprochen, die man zugunsten armer Kinder machen könnte.«

»Erinnerten Sie sie denn nicht daran?« fragteDr.Zeunemann, »oder hielt sie es nicht von selbst für nötig, ihre Sinnesänderung zu erklären?«

»Sie sagte, sie hätte bei Stiftungen immer den Verdacht, das Geld käme gar nicht denen zugute, für die man es bestimmt hätte.«

Fräulein Schwertfeger stockte, nachdem sie dies erklärt hatte, und war augenscheinlich ungewiß, ob sie noch was hinzufügen müsse oder fortfahren dürfe.

»Und irgendeinen Weg, diese Gefahr zu vermeiden, hatte ihre Freundin nie ins Auge gefaßt?« ermunterte der Vorsitzende.

Das Fräulein faßte nach kurzem Kampfe augenscheinlich Mut und sagte:

»Sie hatte die Absicht gehabt, ihr Vermögen mir zu vermachen, sowohl, damit ich mein Leben bequemer einrichten könnte — meine Freundin stellte sich das Leben einer Zeichenlehrerin nämlich sehr mühsam vor — und dann, weil sie wußte, ich würde in ihrem Sinne damit für arme Kinder wirken.«

»Ja so!« sagteDr.Zeunemann, »Ihnen hatte sie ihr Vermögen vermachen wollen. Das ist doch aber keine Kleinigkeit, wenn man in einer solchen Sache plötzlich umschwenkt. Das muß sie Ihnen doch erklärt und entschuldigt haben?«

Fräulein Schwertfeger machte ein stolz abwehrendes Gesicht. »Das mußte sie gar nicht,« sagte sie, »wir waren doch befreundet. Allerdings bedrückte es sie, und sie wollte mir weitläufig auseinandersetzen, warum sie so handelte. Sie hätte einmal gehört, daß esDr.Deruga schlecht ginge, und daß er sehr heruntergekommen wäre, und daran müsse sie fortwährend denken. Er sei der Vater ihres geliebten Kindes und hätte sie liebgehabt, und sie könne sich noch immer nicht von dem Gedanken entwöhnen, daß, was ihr gehöre, eigentlich auch sein sei. Kurz, sie würde nicht ruhig sterben können, wenn sie ihn nicht durch ihr Vermögen vor Not geschützt wisse. Natürlich ließ ich sie gar nicht ausreden, sondern tröstete sie und versicherte sie, daß das Geld mich nur in Verlegenheit setzen würde, weil ich denken würde, ich müsse es irgendwie ausgeben undwisse nicht wie, und daß ich mein Leben nicht anders einrichten möchte, weil ich es einmal so gewöhnt wäre und ich mich wohl dabei fühlte. Das Geld würde mich nur an ihren Verlust erinnern und mir dadurch verhaßt werden.«

»Es ist doch aber sonderbar,« sagte der Vorsitzende, »daß Ihre Freundin Ihnen nicht wenigstens ein Legat ausgesetzt hat wie ihrem Dienstmädchen.«

»Das unterließ sie auf meinen Wunsch,« sagte Fräulein Schwertfeger kurz.

»Ich bitte einen Augenblick ums Wort,« schaltete plötzlich der Staatsanwalt ein. »Nach der Darstellung der Zeugin hatte ich den Eindruck, als habe die von ihr mitgeteilte Unterredung, der sich die Abfassung des Testamentes anschloß, gleich nach der letzten, schweren Erkrankung ihrer Freundin, also im März oder April, stattgefunden. Dagegen ist das vorliegende Testament vom 19. September, also vierzehn Tage vor dem Tode derselben, datiert.«

Fräulein Schwertfeger entgegnete nichts, sondern warf nur einen langen, feindseligen Blickauf den Fragesteller, wie auf einen unberufenerweise sich Einmischenden, und sah dann wieder den Vorsitzenden an.

»Wollen Sie uns darüber aufklären, mein Fräulein,« bat dieser freundlich.

»Meine Freundin schrieb das Testament zuerst im Frühling,« sagte Fräulein Schwertfeger, »und am 19. September schrieb sie es noch einmal ab.«

»Es blieb also unverändert?« fragte der Vorsitzende.

»Meine Freundin erhöhte die Summe, die sie der Ursula, ihrem Dienstmädchen, ausgesetzt hatte,« sagte Fräulein Schwertfeger.

»Vermutlich,« sagteDr.Zeunemann, »hatte das Mädchen sie während ihrer schweren Krankheit so gut verpflegt, daß sie ihre Dankbarkeit mehr zum Ausdruck bringen wollte.«

Fräulein Schwertfeger nickte und sah den Vorsitzenden herzlich an. »Dafür,« setzte sie hinzu, »fiel jetzt auf meinen Wunsch das Legat fort, das in der ersten Fassung mir ausgesetzt war.«

»Wenn es so weiter geht, wird unvermerkt noch ein ganz neues Testament aus der unveränderten Abschrift,« bemerkte der Staatsanwalt mit diabolischem Kichern.

»Sie hatten also anfänglich nichts gegen das Legat einzuwenden gehabt,« sagte der Vorsitzende. »Aus welchem Grunde lehnten Sie es jetzt ab? Es war doch nichts zwischen Sie und Ihre Freundin getreten?«

»O nein, nein,« beteuerte Fräulein Schwertfeger lebhaft. »Ich gab nur damals nach, um sie nicht aufzuregen; aber ich beschloß von Anfang an, das Legat gelegentlich rückgängig zu machen, weil es mir nicht paßte.« Da sie das spöttisch-ungläubige Lächeln des Staatsanwalts bemerkte, warf sie mit einer kleinen, trotzigen Gebärde den Kopf zurück und preßte die Lippen zusammen.

Nach einer Pause nahm der Vorsitzende das Verhör wieder auf, indem er fragte: »Ist die Verstorbene in der Folge, ich meine nach der ersten Abfassung, noch öfters auf das Testament zurückgekommen?«

»Nein,« sagte Fräulein Schwertfeger entschieden. »Es war kein angenehmer Gesprächsgegenstand für uns beide.«

Der Staatsanwalt lachte hörbar, als wolle er sagen, es scheine auch jetzt keiner für sie zu sein, worauf sie einen vernichtenden Blick nach der Richtung seines Platzes warf.

»Hat Frau Swieter Ihnen nie erzählt oder Andeutungen gemacht,« fragte der Vorsitzende mit freundlicher Dringlichkeit, »ob irgendein besonderer Anlaß vorlag, der sie bewog, ihr Testament zugunsten des Angeklagten zu machen? Sie sprach, wie Sie erzählten, davon, daß es ihm schlecht ginge, daß er heruntergekommen sei. Wie war ihr das zu Ohren gekommen? Hatten sich vielleicht Gläubiger von ihm an sie gewendet? Oder sollte er selbst sie um Geld angegangen haben?«

»Das weiß ich nicht,« sagte Fräulein Schwertfeger, »aber ich glaube es nicht, weil sie es mir gewiß erzählt haben würde. Sie hätte mir dadurch ihr Testament ja viel leichter erklären können. Daß es HerrnDr.Deruga nicht gutging, wußte sie schon lange; es gibt unzählige Wege, auf denen einem solche Gerüchte zu Ohren kommen.«

»Sprach Ihre Freundin zuweilen mit Ihnen über den Angeklagten?« fragteDr.Zeunemann.

»Nein, fast nie,« sagte Fräulein Schwertfeger. »Sie glaubte, daß ich kein Verständnis für ihn hätte.«

»Also,« fiel der Staatsanwalt ein, »konnten sehr wohl Beziehungen zwischen Ihrer Freundin und ihrem geschiedenen Gatten bestehen, ohne daß Sie Kenntnis davon hatten.«

Fräulein Schwertfeger warf den Kopf zurück und kräuselte verächtlich ihre kurze Oberlippe.

»Es soll selbstverständlich nichts Nachteiliges über Ihre Freundin geäußert werden,« sagte der Vorsitzende vermittelnd. »Immerhin könnte sie Ihnen etwas verschwiegen haben, um nicht ein tadelndes Urteil von Ihnen hören zu müssen.«

»Möglich wäre das,« sagte Fräulein Schwertfeger, »aber sehr unwahrscheinlich. Es liegt jedenfalls kein Grund vor, so etwas anzunehmen. Ihr Vermögen vermachte sie ihm einfach, weiler der Vater ihres Kindes war und sie, ihrer Meinung nach, geliebt hatte. Ich erinnere mich, daß sie früher einmal sagte, die Ehe wäre ihrem Wesen nach unauflöslich, wenn sie durch Kinder befestigt wäre, und als jemand widersprach, sagte sie, vielleicht wäre das nicht allgemein gültig, aber sie hätte die Erfahrung an sich gemacht. Meine Freundin war ihrer anschmiegenden Natur nach nicht geeignet, alleinzustehen, und vielleicht hatte sie sich unbewußt diese Theorie gebildet, um sich wenigstens seelisch noch gebunden zu fühlen.«

»Wenn ich Sie nicht schon über Gebühr angestrengt habe,« sagteDr.Zeunemann höflich, »möchte ich Sie bitten, uns zu erklären, wie es kommt, daß Sie und Frau Swieter, so vertraut sie miteinander waren, in der Beurteilung des Angeklagten so sehr voneinander abwichen.«

Fräulein Schwertfeger lachte ein wenig. »Warum ein Mensch einen anderen liebt, versteht der Dritte selten. Außerdem kann man wohl selbst einem Menschen das Unrecht verzeihen,das er einem getan hat; die Freunde aber werden am wenigsten dazu geneigt sein.«

»Danach sind Sie der Meinung,« sagte der Vorsitzende, »daß der Angeklagte an dem ehelichen Zerwürfnis schuld war?«

»Er quälte sie durch sein launisches, maßloses Wesen,« sagte Fräulein Schwertfeger mit Zurückhaltung.

»Trotzdem, und da Frau Swieter seinerzeit selbst auf der Scheidung bestand,« sagte der Vorsitzende, »scheint es, daß sie fortfuhr, an ihrem geschiedenen Manne zu hängen. Können Sie, als ihre Freundin, uns vielleicht zum Verstehen dieses Widerspruches helfen?«

Fräulein Schwertfeger dachte eine Weile nach und sagte dann:

»Widersprüche gibt es in jedem einzelnen Menschen und um so mehr in den Beziehungen zwischen zweien. Als meine Freundin noch verheiratet war, schenkte sie ihrem Manne einmal ein Buch zum Geburtstage; und als er eine Widmung darin haben wollte, schrieb sie auf das erste Blatt:

'Deruga, du bist ebenSo schön als wunderlich.Man kann nicht ohne dichUnd auch nicht mit dir leben.'

'Deruga, du bist ebenSo schön als wunderlich.Man kann nicht ohne dichUnd auch nicht mit dir leben.'

Es ist ein Epigramm, das Lessing auf eine gewisse Klothilde gemacht hat.«

Die Zuhörer lachten, aberDr.Zeunemann blieb ganz ernst. »Noch mit einer Frage möchte ich Sie belästigen,« sagte er. »Frau Swieter soll außerordentlich furchtsam gewesen sein. Die Furcht vor dem hitzigen Temperament ihres Gatten soll sie mit zur Scheidung bewogen haben. Glauben Sie, daß sie sich auch nach der Scheidung noch vor ihm gefürchtet hat?«

»O nein, vor Deruga nicht,« sagte Fräulein Schwertfeger mit Überzeugung. »Vor ein paar Jahren las sie einmal in der Zeitung, daß ein Mann seiner von ihm geschiedenen Frau aufgelauert und sie erstochen habe. Mit Bezug darauf sagte sie, das käme häufig vor, und Frauen, die sich von ihren Männern trennen wollten oder getrennt hätten, müßten eigentlich irgendwie geschützt werden. Ich sagte, sie solle dochdie dummen Zeitungen nicht lesen, die Hälfte von allem, was darin stünde, wäre erlogen. Da lachte sie und sagte, ich meinte wohl, sie fürchtete sich? Und dann erklärte sie mir, Deruga sei zwar bei den kleinen Reibungen, die im Zusammenleben unvermeidlich wären, maßlos heftig gewesen und auch nicht frei von Rachsucht, aber von langer Dauer sei das nie gewesen, und sie sei gewiß, daß er gegen sie keinen Groll hege. Daher weiß ich bestimmt, daß sie keinerlei Furcht vor ihm hatte. Im allgemeinen allerdings war sie sehr furchtsam und bevorzugte zum Beispiel zum Wohnen den dritten Stock, weil sie da vor Einbrechern am geschütztesten zu sein glaubte. Sie fürchtete sich auch sehr vor dem Tode, obwohl sie ihn andererseits als eine Wiedervereinigung mit ihrem Kinde ersehnte.«

»Vermutlich fürchtete sie nicht den Tod, sondern das Sterben,« sagte der Vorsitzende, »das sie sich als qualvoll vorstellte.«

»Ja,« stimmte Fräulein Schwertfeger zu, »sie hatte große Angst vor Schmerzen und mußte doch so schrecklich aushalten.«

Der Staatsanwalt fragte, ob die Kranke infolge der Schmerzen jemals Störungen oder Trübungen des Bewußtseins gehabt hätte.

»O nein,« sagte Fräulein Schwertfeger mit einem Lächeln, den Blick aufDr.Zeunemann gerichtet, »sie klagte im Gegenteil zuweilen darüber, daß ihr Kopf bei den größten Qualen stets klar bleibe. Einmal fragte sie mich, ob ich sie lieb genug hätte, um ihr ein Gift zu geben, das sie von ihrem Leiden erlöste. Ich war sehr erschrocken und sagte, ich hätte sie zu lieb dazu, ich könnte so etwas nicht denken, geschweige denn es tun. Dann erinnerte ich sie daran, wie sie sich doch des Lebens wieder freuen könne, sobald ihr besser sei, und daß sie vielleicht wieder ganz gesund würde, und wie bald dann die Schmerzen vergessen sein würden, so wie ich sie kennte. Da lachte sie und tröstete mich und sagte, ich hätte ganz recht, sie hoffe noch einmal zu prahlen mit dem, was sie so tapfer ausgehalten hätte. Es gab jedenfalls keinen Augenblick, in dem sie nicht genau gewußt hätte, was sie tat.«

»Es erübrigt nun noch eine Frage, deren Antwort im verneinenden Sinne mir zwar schon in Ihren übrigen Aussagen inbegriffen scheint, die ich aber doch ausdrücklich stellen muß: Hat Frau Swieter ihren geschiedenen Mann von dem Inhalt ihres Testamentes in Kenntnis gesetzt?«

»Das weiß ich nicht,« sagte Fräulein Schwertfeger. »Ich glaube es auch nicht. Wozu sollte sie es getan haben?«

»Das wollen wir zunächst dahingestellt sein lassen,« sagte der Vorsitzende. »Gesetzt den Fall, sie hätte es ihm mitteilen wollen, so hätte sie ihm schreiben müssen. Da sie in jener Zeit nicht mehr aufstand, geschweige denn ausging, mußte sie den Brief irgend jemandem zur Besorgung geben. Durch Sie hat sie es also nicht getan?«

»Nein,« sagte Fräulein Schwertfeger.

»Hat sie Ihnen überhaupt nie Briefe zur Besorgung mitgegeben?«

»Vielleicht,« sagte Fräulein Schwertfeger, »ich erinnere mich nicht; aber keinen anDr.Deruga.«

»Er konnte vielleicht anders adressiert sein, um Sie irrezuführen?«

»O nein,« sagte Fräulein Schwertfeger, die Stirn faltend, »das hätte sie vorher mit ihm verabreden müssen. Solche Schleichwege hätte sie nicht gewählt, dafür stehe ich ein.«

»Ich glaube Ihnen, Fräulein Schwertfeger,« sagte der Vorsitzende nach einer kleinen Pause. »Ich verlasse mich auf Ihre Wahrheitsliebe. Sie sind Lehrerin, die Jugend ist Ihrem Einfluß anvertraut, Sie genießen die Liebe und Verehrung Ihrer Schülerinnen sowohl wie der Eltern derselben und werden das nicht um eines Hirngespinstes willen verschweigen wollen. Sie haben also weder dem Angeklagten im Auftrage Ihrer Freundin von dem Inhalte ihres Testamentes Mitteilung gemacht, noch haben Sie einen Brief Ihrer Freundin besorgt, in welchem diese Mitteilung enthalten war oder allenfalls hätte enthalten sein können?«

»Nein,« sagte Fräulein Schwertfeger.

»Sie sind also überzeugt, daß der Angeklagte von dem Testamente keine Kenntnis hatte?«

»Ich bin überzeugt davon,« antwortete sie.

Dr.Zeunemann bedachte sich und sagte, erwolle das Verhör damit abschließen, sie würde ohnehin ermüdet sein. In der Tat sah sie sehr blaß aus, so daß ihre großen Augen beinah schwarz schienen.

»O ja, ich bin sehr müde,« sagte sie, »darf ich gehen?«

Dr.Zeunemann erklärte ihr, daß sie zwar jetzt, da Mittagspause sei, wie alle anderen gehen dürfe, daß er aber für die Dauer des Prozesses um ihre Anwesenheit bitten müsse, worauf sie sich durch eine kurze Neigung des Kopfes verabschiedete.

»Ein wackeres Altjüngferchen,« sagte Justizrat Fein zu Deruga, »obwohl sie nicht die beste Meinung von Ihnen hat.«

»Gute, dumme Gans,« antwortete dieser kurz. Er hatte mit aufgestütztem Kopf und verdecktem Gesicht dagesessen und richtete sich jetzt auf wie jemand, der in dem Labyrinth einer dunklen Musik versunken war, wenn sie plötzlich abreißt. Der stechende Blick, den er durch den Saal gleiten ließ, blieb zufällig an der Baronin Truschkowitz hängen, die, eben im Aufstehen begriffen,ihrem einige Plätze von ihr entfernt sitzenden Anwalt ein Zeichen mit den Augen gab, und er sagte: »Unausstehliche Person; paßt ganz zu der schmutzigen Sache, die sie vertritt.«

»Na, wissen Sie,« entgegnete der Justizrat. »Daß die Baronin sich ungern ein Vermögen entwinden läßt, auf das sie gerechnet hatte, ist menschlich, und daß sie Ihnen allerhand Böses zutraut, um so eher zu entschuldigen, als sie Sie nicht kennt.«

»Halten Sie das für eine Entschuldigung?« sagte Deruga scharf. »Weil sie selbst gierig ist, kann sie sich auch bei anderen kein anderes Motiv vorstellen; das ist ihre Menschenkenntnis. Ekelhaft!«

Die Besprochene war unterdessen auf die Freitreppe des Gerichtsgebäudes gelangt und blickte durch die Lorgnette ungeduldig um sich. »Ich bin ganz erregt«, sagte sie zuDr.Bernburger, »über die Art und Weise, wie man mit diesem Fräulein umgeht. Sie mag ja übrigens ein anständiges Mädchen sein. Aber es ist klar, daß sie nicht die Wahrheit sagt, und ich begreife nicht, daß man das so gehen läßt.«

»Ja, das ist eine heikle Sache, Gnädigste,« sagteDr.Bernburger, »die Folter ist längst abgeschafft.«

»Das war eben sehr voreilig,« sagte die Baronin. »Die Alten waren in vieler Hinsicht klüger als wir und wußten recht gut, warum sie sie anwendeten. Aber wir müssen doch auch Mittel haben, um die Wahrheit aus den Leuten herauszubringen. Ich würde ganz anders vorgehen, wenn ich der Präsident wäre. Aber Sie kommen mir zerstreut vor, Herr Doktor.«

»Im Gegenteil,« sagteDr.Bernburger, »ich bin vertieft in unser Problem.«

»Und haben Sie bemerkt,« fuhr die Baronin fort, »daß sie gerade das zugab, was sie bestreiten wollte, nämlich daß meine Kusine sich vor ihrem geschiedenen Mann fürchtete? Und wie interessant, daß die Männer eine Neigung haben, ihre geschiedene Frau umzubringen! Man muß es sich doch sehr überlegen, ehe man den Schritt tut.«

»Ich hoffe, Kind,« sagte der neben ihr stehende Baron gutmütig, »das ist nicht der einzige Grund, der dich abhält, dich scheiden zu lassen.«

Sie sah ihn mit einem Lächeln an, in dem ein leichter Spott lag, und sagte: »Nein, mein Teurer, du bist viel zu ritterlich, als daß ich mich vor dir fürchten könnte.«

Gleichzeitig winkte sie dem wartenden Schofför, das Auto näher heranzulenken, und entließ ihren Anwalt mit flüchtigem Gruß.

Der Staatsanwalt hatte sich beim Verlassen des Saales anDr.Zeunemann gehängt und begleitete ihn unter vorwurfsvollen Reden in sein Zimmer. Es sei klar, sonnenklar, sagte er, daß dies Muster — er meinte Fräulein Schwertfeger — den Brief besorgt habe. Das Muster habe keine Übung im Lügen. Er wolle gerecht sein, aber gelogen habe sie. Da müsse eingeschritten werden! Oder ob wieder einmal durch die Gunst der Frauen ein Elender der verdienten Strafe entzogen werden solle? Dieser Mensch besitze die Gunst der Frauen, und im Leben wie im Salon hänge ja heutzutage der Mann von der Gunst der Frauen ab. Ob es denn aber nicht zum Himmel schreie, wenn auch das Recht durch Weiberlaunen gemacht würde!

Der Staatsanwalt rang während dieser Reden die Hände und fuhr sich durch die langen, dünnen Haare, die verwildert nach allen Seiten hingen.

»Beruhigen Sie sich, Herr Kollege,« sagteDr.Zeunemann mißbilligend, »bei Fräulein Schwertfeger trifft Ihre Zwangsvorstellung von der Gunst der Frauen nicht zu, sie hat offenbar eine Abneigung gegen ihn.«

»Worte!« rief der Staatsanwalt verzweifelt. »Worte, Worte! In der Tat begünstigt sie ihn. Wahrscheinlich hat sie selbst an ihn geschrieben. Ist es nicht sonnenklar?« wendete er sich an die beiden Beisitzer.

Diese bestätigten, daß ihnen das Verhalten von Fräulein Schwertfeger auffallend vorgekommen sei; aber es ließe sich auch anders, zum Beispiel durch die den Frauen eigentümliche Scheu vor der Öffentlichkeit, erklären.

»Ach Gott,« jammerte der Staatsanwalt, »wohin soll das führen, wenn ein so schäbiges altes Muster schon den Scharfblick bewährter Juristen trüben kann!«

»Lieber Herr Kollege,« sagteDr.Zeunemann, nach der Uhr sehend, »Sie bedürfen ebenso wie wir des Mittagessens und der Mittagsruhe. Schlafen Sie ein Viertelstündchen! Und künftig bitte ich Sie die Fragen zu stellen, die Sie für zweckmäßig halten.«

»Was hilft es, Fragen zu stellen, wenn man mit Lügen abgespeist wird?« sagte der Staatsanwalt bitter. »Ich weiß jetzt, was ich wissen wollte, nämlich daß es sich so verhält, wie ich von Anfang sagte: es war kein Totschlag, sondern vorbedachter Mord. Als er erfuhr, daß sie ihm ihr Vermögen vermacht hatte, beschloß er sie zu töten, ehe sie etwa, durch ihre Verwandten beeinflußt, anderen Sinnes werden und das Testament umstoßen könnte.«

»Soll ich Ihnen Ihre Insinuationen zurückgeben,« sagteDr.Zeunemann, »und den Argwohn äußern, daß Sie die Dinge durch eine von der Baronin Truschkowitz aufgesetzte Brille ansehen? Vergleicht man ihre Reize mit denen des Fräuleins Schwertfeger, so erscheint dieser Verdacht beinahe begründet.«

Der Staatsanwalt, dem die Neckerei augenscheinlich schmeichelte, mußte lachen. Indessen, fügte er brummend hinzu, ein Prozeß, bei dem Weiber beteiligt wären, arte immer in Tratsch aus, es müßten ihm aber alle bezeugen, daß er von Anfang an der Überzeugung gewesen sei, es handele sich um Mord.

Ja, sagteDr.Zeunemann, und er bezeuge freiwillig noch dazu, daß der Staatsanwalt in seine ersten Überzeugungen verliebt zu sein pflege, wie eine Mutter in ihr Kind, bis das zweite käme und jenes verdrängte.

»Ursula Züger, achtunddreißig Jahre alt, seit neunzehn Jahren im Dienst der verstorbenen Frau Swieter,« begann der Präsident.

Ursula Züger blickte mit überlegenem Lächeln in die Runde. Ihr dampft vor Gier nach den Tatsachen, die nur ich berichten kann, schien ihre Miene zu sagen; fallt nur her über die Beute und sättigt euch, ich denke, sie soll euch schmecken.

»Sie müssen bei so langem Zusammenleben mit allen Verhältnissen der Frau Swieter sehr vertraut gewesen sein.«

»Das will ich meinen,« sagte Ursula, »was meine Gnädige angeht, das weiß ich von Anfang bis zu Ende, das gibt es nicht anders.«

»Hat die Verstorbene zuweilen von der Vergangenheit, ich meine, von der Zeit ihrer Ehe mit dem Angeklagten, mit Ihnen gesprochen?«

»Hui!« Ursula stieß einen pfeifenden Ton aus, welcher sagen zu wollen schien, daß dies unzählige Male der Fall gewesen sei. »Namentlich seit der Zeit, wo sie krank lag, das arme Wurm. Wenn ich dann abends bei ihr saß, ging das immer: 'Wissen Sie noch dies und das, Urschel? Wissen Sie noch die Geschichte mit dem Bettler?' Nämlich in der ersten Zeit, als unser Herr Doktor noch keine Patienten hatte, da kamen ausgerechnet alle Bettler, die es in der Stadt gab, und einmal ging der Herr Doktor selbst an die Tür und sagte: 'Sie, guter Freund, ich soll Ihnen was geben? Also, was haben Sie heute verdient? Na, sagen Sie die Wahrheit: mindestens eine Mark, mindestens! Sie gehen an der Krücke, haben nur ein Auge — schön, sagen wir eine Mark. Ich dagegen nichts. In vier Wochen habe ich nicht zehn Mark verdient! Aber wenn Sie eine Zigarette wollen und mir ein bißchen Gesellschaft leisten' — und da hat er wahrhaftig einmal einem mit eigener Hand eine Zigarette gedreht, der sah aus, als ob er geradeswegs aus dem Kehrichtkübel käme, abersonst ein verschmitzter, lustiger Kerl, der kam dann alle paar Tage und sagte gleich, wenn ich die Tür aufmachte, er wolle nichts haben, wolle nur dem Herrn Doktor ein bißchen Gesellschaft leisten.«

»So,« sagte der Vorsitzende, »Sie tischten der Kranken also lustige Erinnerungen auf, um sie zu erheitern.«

»Versteht sich,« sagte Ursula. »Schmerzen und Kummer hatte sie ohnehin genug.«

»Wenn Frau Swieter dem Herrn Doktor nichts nachtrug,« fuhr der Vorsitzende fort, »sich seiner sogar gern erinnerte, wechselte sie wohl auch zuweilen Briefe mit ihm?«

»Das dachte ich doch, daß Sie wieder davon anfingen,« sagte Ursula triumphierend. »Damit ist es aber ein für allemal nichts. Wo wird sie denn mit ihrem geschiedenen Mann Briefe gewechselt haben? Da hätten sie ja ebenso gut zusammenbleiben können.«

»Das ist doch ein Unterschied,« setzte der Präsident auseinander. »Es kann vorkommen, daß man sich entfernt sehr gut verträgt, währendman sich unter einem Dach beständig in den Haaren liegt.«

»Dazu war meine Gnädige eine viel zu feine Dame,« sagte Ursula streng. »Von In-den-Haaren-liegen war da gar keine Rede und auch nicht von heimlichen Tuscheleien, nachdem sie einmal auseinander waren. Wenn ich früher wohl einmal sagte, der Herr Doktor sei doch im Grunde gar kein schlechter Mensch gewesen, und es sei doch eigentlich schade, wenn er nun auf eine schiefe Bahn geriete, und auch für uns, weil immer etwas ging, solange er da war, dann schüttelte meine Gnädige den Kopf und sagte: 'Wenn wir uns auch heute versöhnten, würden wir doch übers Jahr wieder auseinandergehen.' Und recht hatte sie, so ein Mann wie der konnte einmal keine Ruhe geben.«

»Sie sind also der Meinung,« fragte der Vorsitzende, »daß Frau Swieter weder an den Angeklagten geschrieben, noch von ihm Briefe empfangen hat?«

»Der Meinung!« wiederholte Ursula mit blitzenden Augen. »Von Meinung brauchen Sieda gar nicht zu reden, Herr Präsident, denn das weiß ich. Deswegen bilde ich mir nicht zu viel ein, wenn ich sage, daß der liebe Gott es nicht besser wissen kann. Erstens kenne ich die Handschrift vom Herrn Doktor, und weil sie vor einem Jahre krank wurde, hat sie keinen Brief mehr bekommen, der nicht durch meine Hand ging, und geschrieben hat sie auch nicht mehr, außer was sie mir oder Fräulein Schwertfeger, aber meistens Fräulein Schwertfeger, diktierte. Wir haben auch ihre Briefe auf die Post gebracht.«

»Nun, mein liebes Kind,« sagteDr.Zeunemann. »Ihre Gnädige war doch nicht lahm! Wenn sie durchaus wollte, konnte sie auch aufstehen und sich Schreibzeug holen und schreiben, ohne daß Sie es wußten, und sie konnte auch zum Beispiel HerrnDr.Kirchner, ihren Arzt, um die Besorgung eines Briefes bitten.«

»Ja, das scheint Ihnen so, Herr Präsident,« sagte Ursula nachsichtig, »weil Sie es nicht besser wissen. Aber daß meine Gnädige hinter meinem Rücken Briefe schrieb und abschickte, das ist ausgeschlossen. Wenn Sie die Verhältnisse kennten,würde Ihnen so etwas gar nicht in den Sinn kommen. Nein, und wenn sie auch nicht lahm war, und das war sie allerdings nicht, so hätte sie doch solche Zeremonien nicht mit mir gemacht, wo gar keine Veranlassung dazu da war; denn sie hätte ja nur zu sagen brauchen: 'Ursula, von dem Brief soll niemand etwas wissen, und Sie sollen es auch nicht wissen.' Und dem HerrnDr.Kirchner einen Brief mitgeben, darüber muß man wirklich lachen, wenn man die Verhältnisse kennt. Da hätte sie ja nicht gewußt, ob er ihn nicht ein halbes Jahr in der Tasche behielte oder auf der Treppe schon verloren hätte. Und warum hätte sie denn ihre Geheimnisse fremden Leuten anvertrauen sollen, wo sie doch Fräulein Schwertfeger und mich hatte, auf die sie sich verlassen konnte? Also das schlagen Sie sich nur aus dem Kopfe, Herr Präsident, mit den heimlichen Briefen! Was in unserem Hause vorgegangen ist, das weiß ich, und da konnte nichts vorgehen, was ich nicht wußte.«

»Sie werden doch zuweilen Besorgungen gemacht haben, liebes Fräulein,« sagte der Präsident, der sich noch nicht für geschlagen erklären mochte. »Wissen Sie auch, was in der Wohnung vorfiel, wenn Sie nicht da waren?«

»Wenn Sie mich damit hereinzulegen denken, wie man so sagt, Herr Präsident,« antwortete Ursula unerschüttert, »dann sind Sie ausgerutscht, mit Erlaubnis zu sagen. Wenn ich fort war, konnte am allerwenigsten etwas vorfallen, weil ich dann nämlich die Wohnungstür hinter mir abschloß. Meine Gnädige hatte das selbst angeordnet und gesagt: 'Wissen Sie, Ursula, weil ich doch nicht aufstehen soll, nach dem, was der Herr Doktor sagt, so ist es am einfachsten, Sie schließen die Tür ab, damit ich sicher bin, daß niemand hinein kann. Kommt jemand, so mag er läuten und wiederkommen. Brennen wird es ja nicht gerade, während Sie fort sind.' Na, was das betrifft, darüber war ich ganz ruhig, denn wo sollte es brennen, wo ich immer nur in der Frühe oder nachmittags ausging, wenn kein Feuer im Hause war. Fräulein Schwertfeger hatte eigens den Wohnungsschlüssel, damit sie zu jeder Zeit hinein konnte. Also, Herr Präsident, dasmüssen Sie nun doch einsehen, daß in meiner Abwesenheit nichts vorfallen konnte.«

»Nur ist in Ihrer Abwesenheit Ihre Herrschaft ermordet worden,« erhob sich die kreischende Stimme des Staatsanwalts.

Ursula verstummte; aber, wie es schien, mehr erstarrt über die Dreistigkeit, diese Tatsache anzuführen, als von ihrer Beweiskraft überwunden. »So weit sind wir noch nicht,« sagte sie endlich, sich aufraffend. »Ich glaube überhaupt nicht an den Mord, weil es unmöglich ist, daß etwas in der Wohnung vorfiel, solange ich fort war.«

»Außer wenn Frau Swieter selbst wollte,« warf der Vorsitzende ein.

»Ja, das werden Sie doch aber selbst nicht glauben, Herr Präsident,« sagte Ursula, wieder in den früheren Gedankengang einlenkend, »daß die todkranke Frau aufstand und womöglich drei Treppen herunter auf die Straße lief, nur um unserem Herrn Doktor einen Brief zu schicken, den ich ihr jeden Augenblick mit dem größten Vergnügen besorgt hätte.«

Dr.Zeunemann seufzte. »Verreist sind Sie niemals,« begann er von neuem, »seit Frau Swieter im vorigen Jahre krank wurde und zu Bette lag?«

»Nein,« sagte Ursula, »obwohl sie es mir oft angeboten hat und ich ja auch wußte, daß Fräulein Schwertfeger gerne solange bei ihr gewohnt hätte, und daß sie ja auch eine Krankenschwester hätte nehmen können. Aber die hätte doch die Verhältnisse nicht so gekannt wie ich, und wenn es mir auch leid tat, meine Mutter so lange nicht zu sehen, so habe ich mir doch gesagt: die Frau hat dich seit neunzehn Jahren nicht verlassen, so verlasse ich sie auch nicht. Ruhe hätte ich zu Hause auch nicht gehabt, und ich glaube, ich fände im Grabe keine Ruhe, wenn ich das arme, kranke Wurm allein gelassen hätte.«

Ursulas laute Stimme wurde unsicher, und sie fuhr sich mit dem Taschentuch über das Gesicht.

Der Vorsitzende wartete ein wenig und forderte sie dann auf, den Todestag der FrauSwieter, soweit sie sich erinnern könne, vom Anfang bis zum Ende zu schildern.

»Gerade an dem Tage,« begann Ursula, »hatte ich gar nichts Böses vermutet. Die Nacht war nämlich sehr schlecht gewesen, ich hörte sie stöhnen, lief wohl fünfmal hin und fragte, ob ich den Doktor holen sollte, aber sie sagte: 'Nein, der hilft mir doch nicht,' und mich schickte sie auch fort, weil ich es ihr nur schwerer machte. Denn wenn ich da wäre, sagte sie, müßte sie sich beherrschen.

Gegen Morgen bin ich wirklich eingeschlafen, denn vier Uhr habe ich es schlagen hören, aber fünf nicht mehr, und um sieben weckte mich der Kaminkehrer, der anläutete. Ich war wütend, daß er so laut schellte, und lief an die Tür und sagte, das sei keine Art, so unversehens daherzukommen, er habe sich den Tag vorher anzumelden, und jetzt nähme ich ihn schon gar nicht an; ich mochte den unverschämten Kerl nämlich ohnehin nicht leiden. Ich dachte, meine Gnädige wäre vielleicht auch erst vor kurzem eingeschlafen und nun wieder geweckt, und da klingelte siemir auch schon und fragte, wer draußen wäre. Ich sagte, der Kaminfeger, und daß ich ihn geschimpft und wieder weggeschickt hätte, und da lachte sie und sagte, es habe nichts zu sagen, sie würde schon wieder einschlafen, es sei ihr jetzt ganz wohl. Aussehen tat sie freilich, als wenn sie Fieber hätte, aber es blieb ganz ruhig bei ihr, und da ich um zehn Uhr wieder hereinschaute, lag sie ganz still da, und die Haare fielen ihr halb übers Gesicht. Ich ging leise heraus und beeilte mich, so gut ich konnte, und wie ich wieder da war, guckte ich wieder leise herein, und da lag sie mit offenen Augen und lächelte so friedlich und sagte: 'Sind Sie da, Urselchen, mir ist ganz wohl, ich habe gar keine Schmerzen mehr.' Sie sah auch wirklich ganz gut aus, obgleich sie tiefe Schatten wie breite, schwarze Bänder unter den Augen hatte, und wie ich sie so betrachtete, kam sie mir sonderbar vor und ich sagte: 'Gnädige Frau sehen so geheimnisvoll aus.' Meine Seele dachte aber nicht daran, daß das Geheimnis der Tod war, denn sonst hätte ich es ja nicht gesagt.«

»Was antwortete sie darauf?« fragte der Vorsitzende.

»Sie lächelte noch glücklicher als vorher und sagte: 'Das Geheimnis ist, daß unser Mingo mich besucht hat.' Mingo hieß unser Kind, das gestorben ist, und wir nannten esderMingo, weil wir eigentlich bestimmt auf einen Buben gerechnet hatten.«

»Sie hatte also von ihrem verstorbenen Kinde geträumt,« sagte der Vorsitzende. »Erzählte sie Ihnen davon?«

»Natürlich,« sagte Ursula, »wenn sie von unserem Mingo geträumt hatte, sprach sie den ganzen Tag davon. Es war in einem offenen Wagen mit schönen schwarzen Pferden gekommen und hatte auf dem Rücksitz gesessen, so wie es sonst zwischen seinen Eltern saß. Ganz gerade und stolz hatte es dagesessen und ihr mit der kleinen Hand gewinkt, daß sie sich zu ihm setzen sollte, und plötzlich war es dann kein Wagen mehr gewesen, sondern eine Art Karussell oder Schaukel, und war nach einer wunderschönen Musik immer höher und höher geflogen. Eskam ihr so vor, als ob die Schaukel abgerissen wäre, und wie ihr bange wurde, sagte unser Mingo ganz ernsthaft: 'Halte dich nur an mir!' Darüber mußte sie lachen, daß das winzige Geschöpf seiner Mutter eine Stütze sein wollte, und wachte auf.

Zwischen dem Kochen ging ich immer wieder herein und schwatzte mit ihr von unserem Mingo, und dann brachte ich ihr das Mittagessen und setzte mich zu ihr und redete ihr zu, ordentlich zu essen, weil sie nämlich immer nur an allem nippte. 'Ach, Urselchen, lassen Sie mich nur, ich habe heute keinen Hunger,' sagte sie, 'gewiß kommt unser Bettler, der wird froh sein, wenn er so viel bekommt.' Es war nämlich Donnerstag, und am Donnerstag kam meistens ein alter Mann, der sagte, in der ganzen Straße gäbe es keine so gute Köchin, wie ich wäre, und so hatten wir immer allerlei Spaß miteinander. Indem sie das sagte, läutete es auch schon an der Tür, es war aber nicht unser Bettler, sondern ein anderer, so wie ein Slowak sah er aus, die Mausefallen verkaufen. Ich hatte ihm kaumaufgemacht, da klingelte meine Gnädige so stark, daß es mir ordentlich durch die Knochen fuhr, und wie ich hinlief, sagte sie, ob es der Doktor sei. 'Bewahre,' sagte ich, 'um die Zeit kommt der Doktor nicht, es ist ein Bettler.' 'Dann ist es gut,' sagte sie, 'ich wollte Ihnen nur sagen, daß Sie den Doktor heute nicht zu mir hereinlassen. Ich bin zu müde, um mich quälen zu lassen. Sie können ihm sagen, ich hätte eine schlechte Nacht gehabt und schliefe.'«

»Ist Ihnen das nicht aufgefallen?« fragte der Vorsitzende.

»Nein,« sagte Ursula erstaunt, »es ist auch gar nichts Auffallendes daran. Ich mußte manchmal den Doktor unter irgendeinem Vorwand fortschicken, zum Beispiel, wenn ich ihr gerade etwas Spannendes vorlas.«

»Haben Sie ihr auch an diesem Tage vorgelesen?« fragte der Vorsitzende.

Ursula schüttelte traurig den Kopf. »Dazu ist es nicht mehr gekommen,« sagte sie. »Nachdem ich meine Küche gemacht hatte wie alle Tage, fragte ich sie, ob ich ihr vorlesen sollte,oder ob sie möchte, daß Fräulein Schwertfeger käme. 'Nein,' sagte sie, 'Gundel kommt gewiß von selbst, wenn sie Zeit hat, und ich glaube auch, daß ich wieder einschlafen werde. Da können Sie zur Bank gehen und die Miete bezahlen, weil Sie gestern nicht dazu gekommen sind,' — es war ja der 2. Oktober — 'und auf dem Rückweg könnten Sie mir eine Flasche griechischen Wein mitbringen, ich habe solche Lust darauf, und der Doktor hat mir Wein erlaubt.' Dann trug sie mir noch auf, dem Hausmeister zu sagen, daß er auf den Abend heizte, damit ich nicht im Kalten säße, weil der Wind so stark auf meinem Fenster stand. Er hätte nämlich eigentlich schon am Ersten heizen müssen, aber der Mensch war ja so faul, daß er kaum die trockenen Blätter im Vorgarten zusammenfegte, und in den Keller gehen und heizen, das paßte ihm erst recht nicht. Wenn man ihn mahnte, hatte er immer einen Vorwand, weswegen er nicht dazu gekommen wäre. Er möchte lieber Heizer in der Hölle sein, als ein Hausmeister mit drei Häusern und achtzehn Parteien, von denen jedeverschieden warm haben wollte; das war eine beliebte Redensart von ihm. Ich sagte also zu meiner Gnädigen, lieber wolle ich frieren, als daß ich mich mit dem Mehlwurm von Hausmeister einließe. Da lachte sie und sagte, nein, ich solle es ihm nur recht gefährlich ausmalen, wie kalt ich es hätte und wie böse sie auf ihn wäre. Und das waren die letzten Worte, die ich von ihr gehört habe.«

»Als Sie nach Hause kamen,« sagte der Vorsitzende, »war sie tot. Sie hatten die Tür abgeschlossen und fanden sie geschlossen wieder vor?«

»Abgeschlossen war die Tür nicht, und das kam daher, weil, kurz bevor ich kam, Fräulein Schwertfeger dagewesen war, und die dachte gewöhnlich nicht ans Abschließen.«

Fräulein Schwertfeger wurde gefragt, ob sie die Tür verschlossen gefunden habe, und erklärte, daß sie nicht darauf geachtet habe und deshalb nichts darüber sagen könne. Sie sei auf dem Wege in die Abendschule und in Eile gewesen, habe eben nur fragen wollen, wie esginge. Da es totenstill in der Wohnung gewesen sei, habe sie angenommen, daß ihre Freundin schliefe, habe leise in das Schlafzimmer hineingeguckt und sei dann wieder gegangen. Die Tür, die vom Schlafzimmer ihrer Freundin ins Wohnzimmer geführt habe, sei wie immer weit offen gewesen. Sie habe beim Fortgehen die Wohnungstür keinesfalls abgeschlossen, denn sie habe das nie getan. Es sei etwa fünf Minuten vor sechs Uhr gewesen.

»Wieviel Uhr war es, als Sie nach Hause kamen?« wendete der Vorsitzende sich wieder an Ursula.

»Als ich um die Ecke von unserer Straße bog,« sagte Ursula, »hörte ich es von der Schloßkirche sechs Uhr schlagen, und von da sind es keine fünf Minuten mehr, besonders weil ich schnell ging. Ich hatte mich nämlich mit dem Warten auf der Bank, und weil ich nach dem Wein hatte laufen müssen, verspätet. Ich ging zuerst in die Küche und legte meine Pakete ab — ich hatte sonst noch einiges für den Haushalt eingekauft — und meinen Mantel. Dann ging ich leiseins Schlafzimmer; denn daß meine Gnädige schliefe, nahm ich an, weil sie mich sonst sofort rief, sowie ich die Tür aufmachte. 'Sind Sie's, Urselchen?' rief sie mit ihrer weichen Stimme. Sie hatte so eine helle, unschuldige Stimme wie ein Kind. Durch die offene Türe sah ich, wie sie ganz still dalag, den Kopf auf der Seite und die Arme über der Decke, und kehrte gleich wieder um, froh, daß sie so gut schlief. Aber als ich im Wohnzimmer war, fiel mir auf einmal ein, daß sie sonst ganz anders lag, wenn sie schlief, nämlich nie flach auf dem Rücken, sondern etwas zur Seite geneigt, und die eine Hand hatte sie unter dem Gesicht. Wie mir das plötzlich einfiel, wurde mir so sonderbar zumute, daß mir wahrhaftig die Knie zitterten, und ich mußte mir ordentlich Mut machen, eh ich wieder hineinging. Und wie ich ihr leise, leise die Haare vom Gesicht nahm, sah ich, daß sie tot war, denn so still liegt ja kein lebendiger Mensch.«

»Trug sie die Haare immer offen?« erkundigte sichDr.Zeunemann.

»O nein,« antwortete Ursula, mit einem kurzen, geringschätzigen Lächeln. »Ich frisierte sie jeden Morgen sehr schön und ordentlich, da fehlte gar nichts, aber in der letzten Nacht hatte es sich aufgelöst bei dem Herumwälzen wegen der Schmerzen, und weil sie so müde war, hatte ich sie nicht damit plagen wollen.«

»Wir wissen durch den Arzt, den das Mädchen sofort rufen ließ,« sagte der Vorsitzende, »daß der Tod eine bis zwei Stunden vorher eingetreten war, und zwar, wie der Arzt damals annahm, durch Herzlähmung. Der Zustand der Kranken hatte durchaus mit einer solchen rechnen lassen, weshalb von keiner Seite irgendein Argwohn geschöpft wurde.«

»Zählen Sie, Fräulein Züger, noch einmal im Zusammenhang auf, was für Personen im Laufe des Tages in der Wohnung gewesen waren!«

»In der Wohnung war überhaupt niemand,« sagte Ursula mit nachdrücklicher Mißbilligung. »Angeläutet hatte zuerst in der Frühe der Kaminfeger, den ich wieder fortschickte. Er kam dannnoch einmal wieder, der zudringliche Mensch, und da sagte ich ihm, in einem ordentlichen Haushalt ließe man um zehn Uhr keinen Herd mehr putzen, er solle sich das merken. Nachher war der Postbote da; der warf gewöhnlich die Briefe nur herein, aber diesmal läutete er an, weil er einen ungenügend frankierten Brief hatte.«

»Was für ein Brief war das?« fragte der Vorsitzende hastig.

»Der Brief war für mich,« antwortete Ursula schnippisch triumphierend, »von einer Freundin, die eine Stelle in Frankreich angenommen hatte.«

»Und weiter?« fragteDr.Zeunemann.

»Danach läutete noch einmal die Gemüsefrau, der ich aber nichts abnahm, weil der Spinat letztes Mal bitter gewesen war, und am Mittag der Slowak. Sonst war niemand da, und in der Wohnung ist überhaupt niemand gewesen.«

Der Staatsanwalt bat ums Wort.

»Ich möchte bemerken, daß die Wohnung doch nicht so festungsmäßig verwahrt war, wie das gute Mädchen es darstellen möchte. Sie hatselbst erzählt, daß sie, als sie dem sogenannten Slowaken die Tür aufgemacht hatte, von Frau Swieter durch die Klingel abgerufen wurde. Er hätte also die Gelegenheit benutzen und eindringen können.«

Ursula drehte sich ganz nach dem großen, mageren Angreifer um und stemmte den Arm in die Seite, während sie ihn mit sprühenden Augen von oben bis unten maß.

»Hätte er das?« fragte sie höhnend. »Ja, wenn ich ihm nicht die Tür vor der Nase zugeworfen hätte. Ich schlug die Tür fest zu, ehe ich zu meiner Gnädigen hineinlief, und sie war auch zu, als ich wiederkam. Den Slowaken hörte ich noch auf der untersten Treppe. Ich hatte ihm nämlich einen Teller Suppe gegeben und wollte den leeren Teller wieder hereinnehmen, aber er hatte sie nicht angerührt. Um Suppe ist es diesen Vagabunden ja gewöhnlich gar nicht zu tun. Übrigens war es ein ganz harmloser Mensch und sah auch gar nicht so zerrissen und schmutzig aus wie die richtigen Strolche.«

»Glauben Sie bestimmt,« fragte der Vorsitzende, »daß Sie den Angeklagten in irgendeiner Verkleidung erkannt hätten?«

Ursula brauchte einige Zeit, um den Sinn dieser Frage zu fassen.

»Unseren Herrn Doktor?« fragte sie endlich mit immer größer werdenden Augen. »Meinen Sie, ob unser Herr Doktor der Slowak gewesen sein könnte? Ja, wissen Sie, Herr Präsident, da könnten Sie mich ebensogut fragen, ob Sie unser Herr Doktor sein könnten! Unser Herr Doktor! Und der hätte nicht mit den Augen gezwinkert und gesagt: 'Ursula, kennen Sie mich nicht, dumme Person?' Überhaupt! Ja, so etwas meinen Sie, Herr Präsident, weil Sie die Verhältnisse nicht kennen!«

Dr.Zeunemann schnitt die immer schneller strömende Rede durch eine verzweifelte Handbewegung und einen Seufzer ab. »Bleiben wir bei der Sache,« sagte er. »Sie halten es für unmöglich, daß jemand in die Wohnung eindringen konnte?«

»Ausgeschlossen, einfach ausgeschlossen,« antwortete Ursula.

»Außer wenn Frau Swieter selbst es wollte,« sagteDr.Zeunemann.

»Ja, die wird gerade Räuber und Mörder eingelassen haben,« sagte Ursula mit zorniger Verachtung.

»Offensichtliche Räuber und Mörder nicht,« rief der Staatsanwalt dazwischen, »vielleicht aber ihren einstigen Gatten, für den sie leider noch immer, wie das Testament beweist, ein liebevolles Interesse hatte.«

»Und sie wird gerade nach siebzehn Jahren,« sagte Ursula fast schreiend, »am Läuten erkannt haben, daß er es war.«

»Wenn sie ihn erwartete, mein gutes Kind, war das nicht nötig,« sagte der Staatsanwalt mit dem beißenden Tone eines schadenfrohen Teufels.

Dr.Zeunemann machte eine warnende Handbewegung gegen Ursula, die aussah, als ob sie ihrem Gegner an die Kehle springen wollte. »Ich glaube,« sagte er, die Stimme erhebend,»wir fangen an, uns im Kreise zu drehen. Der Herr Staatsanwalt geht davon aus, daß eine Verständigung irgendwelcher Art zwischen den geschiedenen Eheleuten bestanden haben könnte, was aber noch ganz unbewiesen ist, ja wovon eher die Unmöglichkeit nachgewiesen ist. Nach meiner Meinung hat die Zeugin nichts Sachdienliches mehr vorzubringen, und wir könnten zur Vernehmung des Hausmeisters übergehen, wenn die Herren Kollegen und die Herren Geschworenen einverstanden sind.«

Den Kopf steif im Nacken und ein verächtliches Lächeln auf den Lippen, das dem angekündigten Hausmeister galt, begab sich Ursula auf ihren Platz neben Fräulein Schwertfeger.

Der Erwartete glich insofern einem Mehlwurm durchaus nicht, als er rot im Gesicht mit einem bläulichen Anflug über der Nase war. Er schlenderte in der bequemen Haltung eines Menschen herein, der dem Leben zu sehr als Liebhaber gegenübersteht, um jemals Eile zu haben, sah sich gemächlich um und unterzog zuletzt den langen, grünen Tisch, vor dem er zustehen hatte, samt allen darauf befindlichen Gegenständen einer beiläufigen Untersuchung. Der Vorsitzende vereidigte ihn und forderte ihn auf, die an ihn gerichteten Fragen nicht nur der Wahrheit gemäß, sondern auch ohne Zweideutigkeit und Weitschweifigkeit zu beantworten.

»I warum nicht,« sagte der Hausmeister, »da liegt ja gar nichts dran.«

»Wo pflegen Sie sich tagsüber aufzuhalten?« lautete die erste Frage.

»Ja,« sagte der Hausmeister lachend, »da läßt sich freilich nicht so eins, zwei, drei darauf antworten. Das ist nämlich je nachdem, was ich gerade zu tun habe. Aber wenn ich sage, daß ich entweder in einem von meinen drei Häusern bin, weil in einer Wohnung etwas zu richten ist, oder weil eine Partei mit mir dies oder das reden möchte, oder denn im Keller bei der Heizung oder im Garten, wo ich so auf und ab spaziere, so wird das schon ungefähr stimmen. In meiner eigenen Wohnung bin ich am wenigsten und habe da ja auch nichts zu tun, denn fürdie Familie interessiere ich mich nicht so wie für den Beruf.«

»Sind die Häuser untertags abgeschlossen?« fragte der Vorsitzende.

»Gott bewahre,« sagte der Hausmeister, »da kann jedermann aus und ein gehen, wie er will. Nichts Unrechtes kommt ja bei uns sowieso nicht vor, und für alle Fälle ist vor jeder Wohnung eine besondere Wohnungstür. Nein, von Abschließen ist bei uns keine Rede. Des Morgens um sechs schließe ich alle Türen auf, vielmehr meine Frau tut das, und abends um neun Uhr schließe ich zu, und bei der Methode haben wir uns immer gut gestanden.«

»Aber die Keller sind doch abgeschlossen?« fragteDr.Zeunemann.

»Ja, sehen Sie, Herr Präsident,« antwortete der Hausmeister, »das läßt sich wieder nicht so eins, zwei, drei beantworten. Bei Nacht sollten sie wohl eigentlich geschlossen sein, denn am Tage ginge das ja gar nicht an, schon wegen dem Heizen, und wo die Fräuleins so oft Kohlen und Kartoffeln und dergleichen heraufholen. Daswürde ja ein ewiges Auf- und Zuschließen. Es geht sowieso den ganzen Tag: 'Herr Hausmeister, ach helfen Sie mir doch!' 'Herr Hausmeister, bitte, nur einen Augenblick.' Ich sollte immer an hundert Orten zugleich sein. Nein, es ist für alle Teile am besten, wenn die Keller ein für allemal offen sind, und daran hat auch noch niemand etwas auszusetzen gehabt.«

»Sie sollen aber selbst einmal,« erinnerte der Vorsitzende, »einen Mann ertappt haben, der sich im Keller eingeschlichen hatte.«

»So,« sagte der Hausmeister nachdenkend. »Ach so, das hat wohl die Urschel erzählt?« rief er nach einer Pause belustigt aus. »Ja, vor dem brauchte niemand Angst zu haben, der sah so grün im Gesicht aus, als ob er die ganze Nacht unreife Äpfel gegessen hätte. Das war so ein Obdachloser, oder es kann ihn auch eins von den Mädels versteckt haben, denn die Jungfern haben doch alle ihre Liebhaber, wenn sie sich auch noch so zimperlich anstellen.«

Dr.Zeunemann machte ein ernstes Gesicht und fragte streng:

»Entsinnen Sie sich, wer am 2. Oktober des vergangenen Jahres aus und ein gegangen ist?«

»Du lieber Himmel,« seufzte der Hausmeister, »wie soll ich das behalten, was bei uns täglich ein und aus geht! Stellen Sie sich vor, Herr Präsident, drei Häuser mit achtzehn Parteien, wobei ich mich noch gar nicht mal gerechnet habe; in dem einen sind vier Parteien, in den beiden anderen je sieben. Und wie geht es vollends Anfang Oktober zu, wo die eine Partei auszieht und die andere einzieht, und die Handwerker, die das mit sich bringt!«

»Gerade weil es besondere Tage sind,« beharrte der Präsident, »haben Sie sie doch vielleicht im Gedächtnis behalten. Auch der plötzliche Tod der Frau Swieter, die das am meisten zurückliegende Haus bewohnte, hat den Tag unter den anderen hervorgehoben. Als später der Ihnen bekannte Verdacht entstand, haben Sie doch sicher in Ihrem Gedächtnis nachgeforscht, wen Sie an jenem Tag aus und ein gehen gesehen haben.«

»Ich will tun, was ich kann, um Ihnen gefällig zu sein, Herr Präsident,« sagte der Hausmeister. »Der Kaminkehrer, der in der Frühe da war, wird Sie ja wohl nicht interessieren, und der Postbote ebensowenig, und die Handwerker ging das Haus von der Frau Swieter nichts an, weil nämlich in dem Hause kein Umzug stattgefunden hatte. An Bettlern hat es auch nicht gefehlt, und was das betrifft, so war die Frau Swieter selbst schuld daran. Die anderen Parteien beklagten sich über sie, daß sie die Bettler herzöge, weil sie ihnen immer etwas gäbe. Übrigens, mir hat sie auch immer jede Kleinigkeit ordentlich bezahlt, sie gehörte nicht zu denen, die meinen, unsereiner wäre dazu da, allen alles umsonst zu machen. Also konnte sie es mit den Bettlern schließlich auch halten, wie sie wollte. Sie sind ja auch einmal da und müssen in Gottes Namen zu ihrer Sache kommen.«

»Denken Sie gut nach,« sagte der Vorsitzende, »ob Sie zwischen vier und sechs Uhr nachmittags einen Bettler gesehen haben, einen, der Ihnen unbekannt war, der Ihnen auffiel!«

»Zwischen vier und sechs Uhr?« sagte der Hausmeister tiefsinnig. »Da schickte ich gerade meinen Jungen um eine Maß Bier in die Wirtschaft an der Ecke und wartete an der Gartentür, bis er wiederkam, und dann stellte ich die Maß auf die Treppe, um ab und zu einen Schluck zu nehmen. Indem kam gerade die Frau Hofrat im Parterre vom zweiten Hause und schimpfte, was sie wußte, daß ich nicht geheizt hatte, und ich sagte: 'Aber Frau Hofrat, bei dem schönen Wetter! Solches Wetter haben wir ja den ganzen Sommer über nicht gehabt, und das bißchen Wind wird Ihnen doch nichts machen, es ist ja Südwind,' und so weiter, bis sie es denn wahrscheinlich einsah und wieder fortging. Ja, und dann kam einer, der hatte wohl etwas gebracht, einen Hut oder Mantille oder dergleichen, denn er hatte eine Schachtel, wahrscheinlich für die Pension, da war damals so eine Modesüchtige; und dann kam der Ulkige. Der hatte mich erst gar nicht gesehen und wollte an mir vorbeilaufen, als ob ich ein Laternenpfahl wäre, und ich wich ihm absichtlich nicht aus, weil ich dachte,ich wollte doch sehen, ob er gegen mich anrennte. Da blieb er plötzlich dicht vor mir stehen und sagte: 'Haben Sie Feuer, Euer Gnaden?' und hielt mir eine Zigarette hin. Ich mußte lachen und zog meine Schwedischen heraus und machte ihm Feuer, und zum Dank nickte er ein bißchen und faßte an die Mütze. Ein Bettler war das aber nicht, er hatte allerlei zu verkaufen, Löffel und Quirle, die trug er an einem Strick an der Hand. Wie er eben aus der Türe gegangen war, warf er die Zigarette in das Fliedergebüsch an der Pforte, ob sie nun nicht brannte oder sonst nicht schmeckte, das weiß ich ja nicht, und ich wollte sie erst auflesen, aber dann dachte ich: Ach laß sie liegen, eine feine wird es doch nicht sein.«

»Können Sie eine genaue, zuverlässige Beschreibung dieses Mannes geben?« fragte der Vorsitzende.


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