In der Nacht erwachte er; Stimmen, die sich vielfältig im nahen Holze zuriefen, dann der Jagdlaut von Bracken weckten ihn. Sie waren auf seiner Fährte; Himmel, sie suchten ihn mit Jagdhunden! Er hörte deutlich, wie einer der Kerle seinen Hund anfeuerte. »Pazek, pridi! Rako, pravdo!« Und das Jaffen und Schnaufen der gierigen Kreatur zerriß seine Nerven, wie es immer näher kam.
Tikosch riß seinen Browning hervor, repetierte eine Patrone in den Lauf und ersetzte sie im Magazin; das andere Magazin nahm er in die Linke. Er konnte jetzt in wenigenSekunden fünfzehnmal schießen — dann aber war es aus. Das schwur er sich aber: jeder von den fünfzehn Schüssen muß im hellroten Leben sitzen. »Hund oder Mensch, ich schieße nur auf zehn Schritt!« Dann war sein Blut wie Eis, und er wartete, Todesgrimm in allen Adern, auf das kurze, furchtbare Halali! Mit Spannung zählte er die Stimmen, die zwischen dem Geläute der Hunde im Walde umherschwirrten; es konnten zehn Männer sein, wenn sie alle schrien, und drei oder vier Hunde. Wenn er die alle niederschießen könnte? Bloß einen Schuß braucht er für sich selber.
Da: es bricht in der Nähe und schnauft; einer der Hunde ist es. Das Mondlicht ist karg, und das ist gut so; denn da muß er auf drei Schritt schießen und braucht sich nicht zu verraten, ehe nicht alles verloren ist. Der Hund faselt am Bächlein hin und her, überfälltes — eisig sinkt alle Hoffnung in dem Bedrohten herab. Aber die Bestie planscht ins Wasser zurück und sucht bergab weiter; die eine Gefahr ist fürs erste vorbei. Der Leutnant wartet und wartet auf sein Ende, den Browning in einer Hand, die bisher noch nie bebte, die aber jetzt, wo Schrecken und Hoffnung zehnmal in der Minute wechseln, vor Aufregung zu zittern beginnt. Wieder und wieder hallt die Ball der Meute näher, kommen die Stimmen wie ein Fiebertraum über ihn, neben ihn; das wechselnde Aufleuchten der Fackeln dringt bis in seine Dickung. Dann, endlich, endlich geht die Hatz abseits in den Wald hinein und weiter bergauf.
Wenn sie oben die vergrabene Maschine finden, dann ist er ja doch verloren! Und so horcht er und horcht immer noch, auch wie das flüsternde Geheimtuen der südlichen Spätsommernacht allein um ihn raunt. Er hört dieHunde nicht mehr, er sieht die Fackeln nicht mehr ihre Feuerstreifen zwischen die Stämme schießen, aber sein Hirn gibt aus Eigenem fernes Rüdengeläute her, seine Augen blitzen Truglichter, bis er nicht mehr weiß, was wirklich ist und was Sinnensport! Er zerbricht sich den Kopf mit der Berechnung, wie weit es bis zu dem vergrabenen Aeroplan sein könne, und ob der vereinigte Standlaut der Hunde und das Jauchzen der Finder bis zu ihm herdringen könnte! Dann horcht er wieder. Die Siebenschläfer klettern in den Zweigen, die Nachtschwalbe klagt in der Luft, und zwei Eulen schreien so fürchterlich und unirdisch auf, daß ihm das Blut erstarrt, weil er nicht weiß, wer in der Nähe so gellend jammert. Wieder reißt er den Browning in die Höhe, aber nichts kommt. Glücklich, wer die Stimmen des Waldes alle kennt und der Natur Bruder geblieben ist; er darf schlafen,wo andere ringsum das Grauen und den Tod ahnen müssen.
Endlich löst sich die wahnwitzige Anspannung in ein dumpfes Brüten, aus dem ein todgleichgültiger, unwiderstehlicher Schlaf wird. Mit einem derben: »Sollen sie machen, was sie wollen,« wirft er sich hin und weiß auch schon nichts mehr.