Der Streik
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Weil Rechtsanwalt Bernhard nun schon gewissermaßen mit dem Hafen beschäftigt ist, fährt er gleich zur Generaldirektion ins Stadtbureau, um noch eine andere Angelegenheit ins reine zu bringen. Er läßt sich bei Joachim Becker melden und geht sofort auf sein Ziel los.
»Nachdem nun mit Unterstützung der Stadt auf dem Pohlschen Grundstück die Brotfabrik errichtet wird, kann die Hafengesellschaft, an der die Stadt gleichfalls beteiligt ist, wohl nicht mehr gut den Prozeß weiterführen«, meint er einleitend.
»Richtig«, ruft Joachim Becker aus. »Sie kommen gerade zurecht. Ich habe mit dem Vorstand schon darüber gesprochen. Wir wollen den Prozeß beenden. Es hat sich inzwischen gezeigt, daß wir auch ohne dieses Stück arbeiten können. Wir dehnen uns nach Süden aus. Es wird da draußen ein neuer Güterbahnhof geplant, dann läßt es sich mit dem Gleisanschluß ganz gut machen.«
»Das ist ja sehr schön«, sagt der Rechtsanwalt erfreut. Wie gut es doch geht, denkt er, wenn man sich erst an einen anderen Gedanken gewöhnt hat. Man versäumt die Gelegenheit,eine unwürdige Feindschaft aus der Welt zu schaffen, nur weil man sich etwas in den Kopf gesetzt hat, das scheinbar nicht auszutreiben ist.
»Ja, wir wollen bis zum Herbst das dritte Hafenbecken fertigstellen. Inzwischen wird wohl auch das Gelände der Verhüttungsgesellschaft so weit im Preise gesunken sein, daß wir es zurückkaufen können. Im nächsten Frühjahr soll der Hafen unseren Plänen entsprechend vollendet sein. Dann wollen wir wieder ein Fest veranstalten.«
Joachim Becker lehnt sich in seinem Sessel zurück und sieht den Rechtsanwalt mit strahlenden Augen an. Nun, da er seinem Ziel so viel näher ist, sind seine Blicke steter, die Bewegungen ruhiger.
»Das wird wohl großartiger werden als die bescheidene Feier für den ersten Spatenstich«, wirft Rechtsanwalt Bernhard ein.
»Das will ich meinen!« Der Generaldirektor erhebt sich noch immer nicht, um seinem Besucher das Ende der Konferenz anzudeuten, nein, er spielt mit seinem Brieföffner und malt sich anscheinend die Feier aus.
»Übrigens«, meint er liebenswürdig, »hat meine Frau kürzlich festgestellt, daß Sie sich lange nicht bei uns sehen ließen. Wir wollen in der nächsten Woche einige Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter der Hafengesellschaft mit ihren Damen laden. Sie werden hoffentlich nicht fehlen?«
Gewiß nicht. Rechtsanwalt Bernhard hat noch nie eine Gelegenheit versäumt, um Frau Adelheid wiederzusehen.
Sie schütteln einander die Hände zum Abschied, da wird die Tür stürmisch geöffnet, undDr.Felix Friemann stürzt in heftiger Erregung herein.
»Die Arbeiter im Hafen wollen streiken,« bringt er unter großen Wortverlusten hervor, »die Arbeiter im Hafen —«, fügt er dafür noch einmal hinzu.
»Was sagst du da?« ruft Joachim Becker aus. »Sind die Kerle verrückt geworden? Da müßte man doch gleich mit Maschinengewehren dazwischenfahren!«
Rechtsanwalt Bernhard macht ein sehr verlegenes, bedauerndes Gesicht und verschwindet lautlos.
Joachim Becker bestellt sofort seinen Wagen; er will von seinem Schwager Näheres erfahren, denn die Nachricht trifft ihn ganz unerwartet.
»Wir sind mitten in der besten Arbeit. Das ist ja geradezu eine Gemeinheit, sich diesen Termin dafür auszusuchen«, sagt er, im höchsten Grade erregt.
Dr.Friemann kann ihm leider keine Erklärungen geben. Er ist sofort hierher geeilt, um die Nachricht als erster zu bringen, und brennt nun darauf, sie auch zu seinem Vater zu tragen. Solch eine aufregende Angelegenheit ist ihm eine angenehme Abwechslung, obgleich sie seine Sprache verwirrt.
Der Generaldirektor wendet sich verärgert ab. Er versucht immer wieder, seinem Schwager mit Nachsicht zu begegnen,aber es will ihm nie gelingen. Er fällt sogar in seine alte Unduldsamkeit zurück, wenn er geschäftlich mit ihm zusammentrifft. Im Familienkreis dagegen findet er einen liebenswürdig-ironischen Plauderton.
Er fährt in den Hafen und trifft eine Abordnung der Arbeiter im Zimmer des Kapitäns.
Die Tätigkeit ist noch nicht eingestellt, doch man will sich dem beabsichtigten Streik der Transportarbeiter anschließen.
»Was wollt ihr denn?« fragt der Generaldirektor. »Genügt euch die Bezahlung nicht?«
»Uns wohl«, sagt Karle Töndern, der zum Sprachführer ernannt wurde. »Wir sind mit allem sehr zufrieden. Aber unsere Arbeitskollegen in der Stadt nicht.«
»Ja, was geht das uns an! Deswegen könnt ihr doch eure Arbeit leisten und uns nicht in diese Verlegenheit bringen. Oder sind Sie nicht imstande, zu übersehen,« fragt er mit einem scharfen Blick auf Karle Töndern, »was ein Streik jetzt dem Hafen für einen Schaden bringt?«
»Das sehen wir wohl ein,« meint Karle Töndern ruhig und fast etwas traurig, »es tut uns auch allen sehr leid, da wir zufrieden sind und über Tarif bezahlt werden. Aber wir können unsere Kollegen nicht im Stich lassen.«
»Ihr seid doch im Grunde keine Transportarbeiter!«
»Nein, das stimmt. Doch wir haben uns dem Verband angeschlossen, damit wir allein nicht so schwach sind, und nun müssen wir zusammenhalten.«
Damit wir allein nicht so schwach sind! Mit diesen Worten ist Joachim Becker geschlagen. Er hat es an sich selbst erfahren, wie es auf den inneren Menschen wirkt, wenn er allein bleibt und sich an niemand anschließt. Man verliert den Mut oder man wird hart. Vielleicht gibt es noch eine dritte Möglichkeit, aber dazu muß man sehr stark sein. Diese Männer hier, in deren Beruf der einzelne nichts auszurichten vermag, sind nur stark in der Gesamtheit.
Joachim Becker bekommt plötzlich Respekt vor dieser Geschlossenheit. ›Das ist es, was uns fehlt, uns Neunmalklugen‹, denkt er. ›Wir haben nichteinZiel, wir haben tausend Ziele, jeder ein anderes, und dabei vergessen wir das Wesentliche und zersplittern uns. Hier isteineinender Gedanke: sich gegenseitig stützen und treu bleiben. Dafür bringen sie sogar persönliche Opfer.‹
Er hatte mit den alten Mitteln auffahren wollen: Entlassungen, Einstellung von Streikbrechern. Nun sagt er zum Kapitän:
»Was können wir da unternehmen?«
»Mit dem Arbeitgeberverband sprechen?« meint der Kapitän fragend.
»Wir dachten uns, daß es vielleicht nicht lange dauert,« wendet Karle Töndern ein, »denn was der Hafen bezahlen kann, dachten wir, warum sollen das die anderen nicht auch können?«
›Was sagst du da in deiner Einfalt?‹ denkt Joachim Becker. ›Du machst mir klar, daß ich der Ungetreueste bin, daß ich meinen Genossen in den Rücken fiel. Weil ich eingesehen habe, daß die Löhne zu niedrig sind, und mir mit unterernährten Arbeitern nicht gedient ist, habe ich fürmeinTeil gesorgt und die Löhne erhöht, anstatt zum Verband zu gehen und zu sagen: wir müssen esalleso machen, oder warum könnt ihr es nicht? Nun muß ich bei Gott noch von meinen geringsten Arbeitern lernen und ihnen nacheifern.‹
Hat er nicht vor einer halben Stunde erst gesagt: »Da müßte man mit Maschinengewehren dazwischenfahren?« Nun nimmt er demütig ihre Lehren entgegen und hat das eigenartige Gefühl, daß er trotzdem wieder ein Stück gewachsen sei.
Er reicht den Männern die Hand und sagt: »Wir wollen deswegen keine Feinde sein, ich will versuchen, ob ich etwas ausrichten kann.«
Da ziehen sie befriedigt ab und fürchten sich nicht einmal vor Lohnausfall und Sorgen.
Bis zum Abend hat Joachim Becker, der nicht eher ruht, bis er eine Sache zu Ende durchgeführt hat, verschiedene Versuche unternommen. Er langt erschöpft und entmutigt zu Hause an und muß sich noch einem Gast widmen: Direktor Haarland, dem Amateurboxer und jüngsten Aufsichtsratsmitglied der Hafengesellschaft.
Die zarte junge Frau Haarlands, die den größten Teil des Jahres in Davos leben muß, hat sich an Frau Adelheid angeschlossen. Dann setzen sich die beiden Männer in das Rauchzimmer und plaudern.
»Und wissen Sie, was man mir geantwortet hat?« sagt Joachim Becker zu Direktor Haarland, der sich in seinem Sessel wie auf einem Liegestuhl ausstreckt. »Als wäre das so ganz in der Ordnung, meinten sie: ›Selbstverständlich zahlen viele über Tarif. Das steht jedem frei, aber wir wollen niemand dazu zwingen. Für die Allgemeinheit muß der alte Tarif erhalten bleiben.‹ Sie gebrauchten sogar noch das Wort Allgemeinheit!«
Direktor Haarland lacht. »Haben Sie sich schon mal zur Allgemeinheit gezählt? Sehen Sie, das macht nämlich keiner. Für uns ist das bloß ein Wort. Im übrigen ist jeder ein ›Ich‹, eine Besonderheit, auf die er so recht stolz sein muß.«
»Natürlich will man die Individualität nicht ausgeschaltet wissen, aber der Zusammenhalt, die Geschlossenheit!« ruft Joachim Becker aus.
»Da muß ich Sie wieder was fragen: wenn einer Konkurs anmeldet, haben wir dann schon mal gesagt: Donnerwetter, eine betrübliche Lücke in unserer Phalanx, wieder einer weniger? Nee, wir sagen: Gott sei Dank, ein Konkurrent weg. Und wenn's nach uns ginge, so könnten 99 Prozent fallieren, dann bleibt eben die Chose für einenganz allein. Wissen Sie, ich kann das nur wieder mit meinem Boxsport vergleichen: man will dem Gegner nicht nur eine kleine Blessur beibringen wie etwa mit dem Florett, um seine Kunst zu zeigen, nein, man möchte ihn am liebsten für alle Zeiten kaputtschlagen. Dann ist man ihn los, den Kerl, und kann sich feiern lassen. Darin liegt nämlich der Witz: wir betreiben eine Sache nicht der Sache wegen, sondern um eines Endzwecks willen. Und der ist immer nur: Geld, Ruhm und alles, was sich damit kaufen läßt. Wir haben den Genuß am tätigen Leben verloren.«
»Den Genuß am tätigen Leben —«, wiederholt Joachim Becker langsam. »Ja, das klingt geradezu paradox.« — — —
Nun hat der Hafen also auch seinen Streik.
Eine Explosionskatastrophe, der Konkurs eines Mitläufers, vorübergehende Arbeitseinstellung, ein Streik — das sind Beigaben, die wie Kinderkrankheiten hingenommen werden müssen. Man kann sie in vielfacher Weise erleben, sie schmieden das Werk wie die Schicksalsschläge den Menschen: der eine wird mutlos, der andere hart, der dritte aber trägt alles als einen Gewinn fort.
Und wenn das Leben ihm so recht nach Herzenslust mitgespielt hat und wir begegnen ihm, so sagen wir: Siehe, ein Mensch!
Joachim Becker hat von diesem Streik gleichfalls manches gelernt. Er mußte schon viele Wandlungen erleben. Er ist zum Beispiel einmal mit einer Shagpfeife herumgelaufenund hat sich von den Engländern imponieren lassen, er bewunderte auch die Amerikaner und ließ in seinem Hafen ein Turmhaus bauen. Man kann nicht sagen, daß es gleich die Wolken kratzt, doch es hat so viel Räume, daß selbst die überorganisierteste Hafengesellschaft sie nicht auszufüllen vermöchte.
Aber ebenso wie man eine Shagpfeife wegwerfen darf, weil sie nicht schmeckt, so kann man ein Verwaltungsgebäude vermieten, wenn man selbst nur einen halben Seitenflügel braucht.
Joachim Becker hat es zwar einmal nicht erwarten können, ein Projekt in seiner vollen Größe sofort verwirklicht zu sehen, er ist nicht für langsame Entwicklungen, aber er findet letzten Endes doch noch einen gesunden Weg.
Und das Schicksal straft ihn für seine Ungeduld, indem es ihn ein langsames Wachstum seines inneren Menschen erleben läßt.
Hat er nicht seinen Arbeitern die Hände geschüttelt, obgleich sie ihm den Streik verkündeten? Jetzt rennt er wütend in seinem Hafen umher und möchte am liebsten jeden hinauswerfen oder verprügeln, der die Hände in den Taschen hält und sich müßig die vollen Kähne beguckt.
Karle Töndern steht bei Schiffer Jensen und sagt:
»Da liegst du nun fest mit deiner Ladung.«
»Ja,« sagt Schiffer Jensen, »da ist mal nichts zu machen.«
Sie nehmen es beide wie eine Schicksalsfügung geduldig hin. Der Tod holt sich eine blonde junge Frau und kümmert sich nicht darum, wie dem Manne mit seinem kleinen Jungen nun zumute ist. Aber auch dann hadert Schiffer Jensen noch nicht einmal mit seinem Gott.
Karle Töndern trottet zum Getreidespeicher hinüber. Da rattern die Maschinen ohne Unterbrechung. Bodenmeister Ulrich hält auf seinem Posten aus, er ist ungeheuer beschäftigt. Die Generaldirektion hat ihm zwar einige Helfer geschickt: Grünschnäbel aus dem Bureau, die ihm nur im Wege stehen, und ein paar Mechaniker, die vielleicht mit einer Wasserleitung fertig werden ... Doch mit einem Getreidespeicher...? Einen Getreidespeicher versteht nur er, Bodenmeister Ulrich.
Hier vermag also Karle Töndern mit seinen gebundenen Händen auch nichts auszurichten, er macht einen großen Bogen um den Generaldirektor und den Kapitän und schlängelt sich in die Hafenwirtschaft hinein. Vielleicht kann er bei Frau Reiche ein wenig von seiner vielen Zeit loswerden. Er hört ihr lautes Kreischen schon vor der Tür.
»Na, da kommt ja noch so ein Faulenzer!« ruft sie ihm entgegen. »Wenn es heute hier Alkohol gäbe, dann wärt ihr jetzt schon alle besoffen!«
Sie machen ihre Witze und sind scheinbar ebenso guter Laune wie Frau Reiche, die sich in ihrer Ausgelassenheitkeinen Rat mehr weiß. Und nun bringt sie wahrhaftig ihr Kirschwasser an und traktiert alle Gäste.
»Erstens ist das meine private Angelegenheit,« sagt sie zu ihrer Rechtfertigung, »und zweitens kann es mir ja jetzt schon ganz egal sein, da ich doch von hier weggehe.«
Was? Hat man recht gehört? Das ist doch wirklich eine Nachricht, nicht weniger wichtig, als wenn der Generaldirektor selber demissionierte.
»Ja,« sagt sie mit stolzem, breitem Lachen, »ich werde jetzt geschieden und tausche die Kantine gegen ein Zigarrengeschäft.«
Aha! Nun wissen sie Bescheid. Sie denken sich ihr Teil und sind nicht so engherzig, es für sich zu behalten.
Ob sie wohl schon einen Geschäftsführer für den Zigarrenladen hätte? Einen mit seidenen Strümpfen und feinen Krawatten? Haha, dann wäre ja alles in Ordnung.
»Wem es nicht paßt,« sagt Frau Reiche drohend, »dem kann ich auch nicht helfen!« Sie lachen, daß die Wände dröhnen. Ab und zu verschwindet einer von den Gästen ohne viel Aufhebens, aber dann ist gleich wieder ein anderer da, und die Unterhaltung bleibt weiter im Gange.
Karle Töndern schiebt sich zur Tür hinaus. Er bohrt die Hände fest in die Taschen und macht das gleichmütigste Gesicht von der Welt.
›Das allerschlimmste ist,‹ denkt er, ›daß man nicht weiß, wie man seine Zeit totschlagen soll.‹ Karle Töndern erlebtseinen ersten Streik. Er ist seit zehn Jahren in der Stadt und hat immer seine Tätigkeit gehabt. Manchmal dachte er, du möchtest doch auch einmal die Straßen am Vormittag sehen; besonders im Winter, wenn er in der Dunkelheit zur Arbeitsstelle ging und wiederum im Dunkel nach Hause kam. Da konnte man sich die ganze Woche Frau und Kinder nicht im Tageslicht begucken.
Aufrührerische Ideen hatte Karle Töndern noch nie gehabt, aber zuweilen meinte er doch: einen Werktag möchtest du mal für dich haben und dir die Welt zu jeder Stunde betrachten, besonders zwischen sieben und vier. Nun hat er diesen Tag.
Er könnte sich zum Beispiel auf jene Bank setzen, die zwischen ein paar grünen Bäumen aufgestellt ist und den Großstädter zur Ruhe auffordert. Da dürfte er die Natur genießen und vielleicht auch den spielenden Kindern zuschauen. Aber was sieht er? Seine Frau, die daheim an den Kochtöpfen hantiert und nicht wagt, ein Stück Fleisch hineinzulegen.
Sie glaubten gerade, eine schleppende Last, die durch Krankheiten der Kinder entstanden war, bald abschütteln zu können, da bringt der Streik neue Sorgen. Das zieht sich dann von Woche zu Woche hin, und wenn du denkst: ›den nächsten Lohn kannst du endlich einmal glatt einteilen, damit du für jeden Tag etwas hast,‹ da ist plötzlich der Winter eingezogen, und du brauchst Kohlen und warmes Zeug für die Kinder.
Nein, auf dieser Bank ist doch kein schönes Verweilen. Da geht Karle Töndern lieber zum Verbandslokal und hört, was die anderen sagen. Man kann sie schon von weitem sehen, denn sie stehen auf der Straße umher, reden über dieses und jenes und warten.
Von der Streiklage hat noch niemand Näheres gehört. Aber hier ist einer, der könnte heute seinen 25. Streik feiern.
»Da kannst du mit mir noch gar nicht mit«, sagt ein anderer, und er lacht, ohne das Gesicht zu verziehen.
Karle Töndern guckt einigen verstohlen auf die Beine und denkt: solche geflickten Hosen hast du in deinem ganzen Leben noch nicht gehabt. Und dann unterhält er sich mit mehreren, die auch ihren ersten Streik erleben.
Viele tragen dünne Rucksäcke auf dem Rücken, darin haben sie ihren Proviant für den ganzen Tag. Wenn jetzt die Parole erteilt wird »Arbeit aufnehmen«, dann können sie gleich hingehen, und für ihr Essen ist gesorgt.
Manche haben sich schon etwas »Mut« geholt. Ihre Augen schwimmen, und sie sagen auch mal was Lustiges, worüber keiner lacht.
Und da stehen sie alle und warten.