26.

Bald nach dem Ostertag war im Berchtesgadener Klosterland ein neues Sprichwort aufgetaucht. Wenn Sturm und Regen sich über Nacht in einen sonnigen Tag verwandelten, dann hieß es: „Das Wetter hat sich gewendet wie der Klostervogt.“ Und in der Tat, Herr Schluttemann war kaum mehr zu erkennen; die Leute wußten es nicht genug zu rühmen, wie gut und freundlich der Vogt sie jetzt behandle. Mit rechten Dingen könne das nicht zugegangen sein; darüber waren sie alle einig. Und es verbreitete sichdie Märe: Herr Schluttemann hätte an der Wand seiner Amtsstube einen ‚Zauber wider die Galle‘ hängen; wenn immer nur ein Fünklein Zorn in ihm aufstiege, dann täte er schnell einen Blick nach dem unheimlichen Ding an der Wand und wäre plötzlich verwandelt in die leibhaftige Sanftmut.

Der ‚Zauber‘ hing unter dem Bilde, das den heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen darstellte, und sah einem zierlich beschriebenen, unter geschnitztem Rahmen verwahrten Pergamentblatt zum Verwechseln ähnlich.

Als Herr Schluttemann in der Woche nach Ostern eines Morgens seine Amtsstube betrat, gewahrte er den ‚Zauber‘ an der Wand. Er trat mit verblüfften Augen näher, fuhr mit glühender Nase zurück und rannte wutschnaubend in das Gemach des Propstes.

„Reverendissime!Alles kocht in mir.“

„Weshalb?“ fragte Herr Heinrich lächelnd.

„Man hat mich beschimpft. Man hat mir einen schmählichen Possen angetan. Das Urteil,Reverendissime, das Urteil wider meine Hausfrau —“

„Das sie Euch an den Kopf gehauen?“

„Ja! Das hat man in meiner Amtsstub aufgehangen. Aber ich will nimmer schlafen, bis ich den gefunden, der mir das angetan hat.“

„Da braucht Ihr nicht lang zu suchen. Das hab ich selbst getan.“

„Re… Re…“ Herr Schluttemann wollte sagen: „Reverendissime!“ Der Schreck lähmte seine Zunge.

„Eurer Klugheit mag es überlassen bleiben, herauszufinden, weshalb es geschah. Wenn Euch das aber nicht gelingen sollte —“ Herr Heinrich machte eine bedenkliche Pause. „Ihr wißt, mein Vogt im Pongau ist gestorben. Ich muß einen anderen an seine Stelle setzen. Es ist ein böser, mühsamer Posten. Aber — wenn Ihr drüben im Pongau mit den Leuten umschreiet, dann hör ich es nicht.“ Herr Heinrich trat zu seinem Pult und begann in einem aufgeschlagenen Buch zu lesen.

Wie ein begossener Pudel ging Herr Schluttemann davon. Draußen in der Amtsstube stand er lange mit gespreizten Beinen und verschränkten Armen vor dem ‚Zauber‘. Dann plötzlich stülpte er den Hut über das borstige Haar und rannte nach Hause, wie ein angeschossener Dachs in seinen Bau. Da ging nun ein Spektakel los, daß die Leute auf der Straße zusammenliefen und lauschend stehen blieben. Eine geraume Weile hörte manzweiStimmen; dann nur nocheine: die donnernde Stimme des Vogtes. Frau Cäcilia hatte zum erstenmal in ihrem Leben den kürzeren gezogen.

Herr Schluttemann ließ sich den Vorteil dieses ermutigenden Sieges nicht wieder entschlüpfen. Das merkte man ihm deutlich an, wenn er am Morgen behäbigen Ganges zur Amtsstube wanderte, gründlich ausgeschlafen, mit lachendem Gesicht. Frau Cäcilia versenkte sich in stummen Groll; da sie aber schließlich merkte, wie wenig ihr das Grollen eintrug, spielte sie die Klügere und gab nach. Am Morgen des Fronleichnamstages wurde die Versöhnung geschlossen, und bei der feierlichen Prozession schritt Herr Schluttemann Hand in Hand mit seiner ‚getreuenHausehre‘ — wie erjetztzu sagen pflegte — hinter dem Baldachin einher.

Als er anderen Tages seine Amtsstube betrat, war der ‚Zauber‘ verschwunden. Er stürzte in das Gemach des Propstes.

„Reverendissime! Das Ding ist weg von der Wand.“

„So?“ lächelte Herr Heinrich. „Da mag es wohl einer weggenommen haben, der gefunden hat, daß es nimmer nötig wäre.“

Herr Schluttemann wollte zu einer langen Rede ausholen; aber da kam Frater Severin atemlos über die Schwelle gestolpert. „Herr! Herr! Pater Desertus ist heimgekehrt!“

„Wo ist er?“ rief der Propst in Freude.

„Da kommt er schon!“

Von Staub bedeckt, wie er vom Pferd gesprungen, erschien Desertus unter der Türe. Sein Haupthaar, auch der lange, schwarze Bart, war leicht ergraut, aber seine Augen blickten hell und frei, und frische Lebensfarbe lag auf seinem sonnverbrannten Antlitz.

„Dietwald!“ Herr Heinrich umschloß mit beiden Armen den Heimgekehrten.

Frater Severin und der Vogt verließen das Gemach.

„Rede, Dietwald! Wie ist es dir ergangen? Aber ich frage noch! Und die Antwort steht in deinen Augen, auf jedem Zug deines Gesichtes.“

„Wie hätt es mir übel ergehen können? Trost und Freude zogen mit mir. Sagt, Herr, wie geht es dem holden Kind?“

„Ich meine, gut. Die Kleine ist wohl aufgehoben bei den Domfrauen. Aber mir scheint, das neue Kleid will ihr noch immer nicht sitzen.“ Herr Heinrich lächelte. „Die Berichte der Oberin laufen von Jammer über wie heiße Milch. Bis heute hat das Mädchen im Kloster nichtmehrgewonnen, als alle Herzen.“

Die Augen des Chorherren leuchteten. Dann faßte er die Hände des Propstes. „Ihr habt mich knapp gehalten mit Botschaft.“

„Ich schrieb dir, was ich schreiben konnte. DerSudmann weiß weder Ort noch Namen. Aber du selbst magst alles von ihm hören.“

„Er lebt?“ fragte Desertus mit ungläubigem Staunen.

„Zwei Monate lag er in schwerem Siechtum. Als ich ihn das letztemal besuchte, schien es mir, als begänne Eusebius zu hoffen. Wir wollen morgen zu ihm.“

„Nein, Herr, heute noch, ich bitte!“

„Kann ich dir die erste Bitte versagen? Aber nun rede, erzähle! Wie hat dich der Kaiser aufgenommen?“

„Wie einen Sohn!“

„Und konntest du ihm diese Liebe vergelten? Wie ist deine Sendung ausgefallen?“

Das Gesicht des Chorherren verdüsterte sich. „Wir wurden abgewiesen.“

Herr Heinrich nickte vor sich hin, als hätte er diese Antwort erwartet. „Wer zog mit dir?“

„Heinrich von Virneburg, der Mainzer. Einundzwanzig Tage währte unser Ritt. Wie staunte ich, als wir Avignon erreichten!“

„Du fandest einen weltlichen Hof, schwelgend in allen Freuden des Lebens?“

„Und inmitten dieses Taumels sitzt der Papst, ein williger Höfling Frankreichs, das den Streitzwischen Ludwig und der Kirche schürt und sich dabei durch Länderraub auf Kosten Deutschlands zu bereichern sucht. Wenn der Papst auch den Frieden mit Deutschland wollte, erdarfihn nicht wollen. Frankreich erlaubt es nicht.“ Mit zornigem Lachen hatte Desertus die letzten Worte begleitet.

„Laß nur gut sein, Dietwald! Für alles kommt eine zahlende Zeit.“ Herr Heinrich erhob sich. „Du wirst müde sein. Erhole dich einige Stunden! Dann magst du mir alles erzählen, während wir dem See entgegenreiten.“

Desertus wollte nichts wissen von Ruhe. Er ging nur, um das Kleid zu wechseln. Dann ritten sie zum Klosterhof hinaus. Vor Mittag erreichten sie Bartholomä.

„Nun? Wie geht es deinem Kranken?“ fragte Herr Heinrich.

Eusebius lächelte. „Sagt, Herr, habt Ihr schon einmal einen Stein in die Höhe fallen sehen und ein Wasser bergauf laufen? Nein? Dann passet nur auf, Ihr seht es gewiß noch! Denn der Mann wird gesund. Freilich, den lahmen Arm muß er sich gefallen lassen.“

Herr Heinrich und Desertus traten in die Klause. Auf reinlichem Lager ruhte Wolfrat, abgemagert bis auf Haut und Knochen. Brust und Arme lagen nochim Verband; die Rißwunden im Gesicht waren geheilt und hatten kaum merkliche Narben zurückgelassen.

Wolfrats Augen leuchteten auf, als er den Propst in der Tür erscheinen sah. „Grüß Gott, Herr! Gelt, ich darf schon gleich fragen: wie geht’s meiner Seph?“

„Ein paar Wochen noch, Wolfrat, und dein Weib ist wieder kerngesund.“

„Vergeltsgott, lieber Herr! Und mein Bub?“

„Der ist kugelrund geworden. Freilich,“ Herr Heinrich lachte, „er war in Klosterkost.“

Desertus trat in mühsam verhehlter Erregung an das Lager des Sudmanns.

„Jetzt kenn ich Euch erst, Herr Pater!“ sagte Wolfrat mit schwankender Stimme. „Euch muß ich ein festes Vergeltsgott sagen. Hättet Ihr selbigsmal nur ein kleines Weil später zugestoßen, dann wär’s aus gewesen mit mir.“

„Sieh, Wolfrat,“ fiel Herr Heinrich ein, „da kannst du deinem Retter gleich ein Liebes erweisen! Pater Desertus möchte hören, wie es kam, daß Gittli deine Schwester wurde. Erzähl es ihm!“

„Wohl! Setzet Euch nur her!“

Desertus ließ sich neben dem Lager auf einen Sessel nieder, und Wolfrat begann: „Wisset, Herr, ich bin im zweiundzwanziger Jahr bei dem Salzburger Erzbischof als Reisiger gestanden und hab denAmpfinger Tag mitgemacht. Auf der feindlichen Seit. Gewurmt hat es mich freilich, daß ich hauen und stechen soll gegen meine eigenen Landsleut. Aber was hab ich machen können? Ein Eid ist allweil ein Eid. Ich hab meine Pflicht getan als richtiger Soldat. Aber ungern hab ich’s nit gesehen, wie der Kaiser obenauf gekommen ist, und wie die Unsrigen auf den Abend das Laufen angefangen haben. Da hat keiner mehr stehen können, einen jeden hat’s mitgerissen. Wer nit laufen hat wollen, hat laufen müssen. Vier, fünf Tag ist es allweil hergegangen um unser Leben, keiner hat die Gegend gekannt, und die bayrischen Reiter sind hinter uns her gewesen wie die ledigen Teufel. Ich hab mich mit ein Stücker vierzig von den Unsrigen zusammengehalten. Und da war’s in einer stürmischen Nacht. Da sind wir in einen Markt gekommen.“

„Wie hieß der Markt?“

„Ich weiß es nit. Aber ich besinn mich noch, daß gleich bei der Tafern eine Kirch gestanden ist. Die hat hint und vorn einen Turm gehabt und ein ebenes Dach.“

„Pfarrkirchen war es!“ sagte Desertus in lateinischer Sprache zu Herrn Heinrich. „Zwei Wegstunden von meiner Burg.“

„Die Tafern war gesteckt voll mit flüchtigemVolk. An die dreihundert sind da beisamm gewesen. Es war ein fürchtiges Gejammer, was man jetzt anfangen soll, und wo man Zehrung hernimmt? Und da war einer unter uns, ein Salzburger Rottführer, Klees hat er geheißen —“

„Klees?“ stammelte Desertus; und lateinisch sagte er zu Herrn Heinrich: „Der Mann hat einen Monat in meiner Schar gedient. Ich hab ihn fortjagen müssen, weil er mich bestahl.“

„Der Klees ist auf den Tisch gesprungen und hat geschrien: er wüßt ein Mittel, daß man die Säck vollstopfen könnt. Nit weit vom Markt wär ein reicher Herrensitz. Der tät einem Ritter gehören, der in der Ampfinger Schlacht mit dem Flamberg unter uns herumgehauen hätt wie der Mähder mit der Seges[32]im Traidfeld. Die Handvoll Leut auf der Burg könnt man leicht überrumpeln. Wie er das gesagt hat, da hat’s einen Höllenlärm gegeben, und die meisten sind gleich dabei gewesen, daß man den Handstreich wagen sollt. Ein paar haben freilich dawider geredt. Ich selber auch. Aber da hat’s geheißen: man wär in Feindsland, und Krieg wär Krieg. Wer sich noch lang gewehrt hätt, ich glaub, den hätten die anderen niedergeschlagen. Der Klees hat Wein anfahren lassen, und wie wir heiße Köpf gehabt haben,da ist der Klees zum Hauptmann ausgeschrien worden. Und da hat er auch gleich die richtige Stund ausgenutzt. Noch in der Nacht sind wir fort aus der Tafern, und allweil durch Wald ist der Weg gegangen, den der Klees uns geführt hat. Ich muß schon sagen, die Sach hat mir nit gepaßt. Aber wie der Mensch ist! Wo hundert laufen, da lauft man mit. Und der Wein hat uns allen die Köpf dumper gemacht. Ich glaub, der Klees ist der einzig gewesen, der gewußt hat, was es gilt. So um die zweite Morgenstund muß es gewesen sein, da sind wir aus dem Holz ins Feld gekommen, und ganz schwarz sind die Burgmauern vor uns aufgestiegen in der Nacht.“

Desertus drückte die Fäuste auf seine Brust.

„Beherrsche dich, Dietwald!“ mahnte Herr Heinrich in lateinischer Sprache. „Der Mann soll nicht wissen, wie nahe dich berührt, was er erzählt.“ Und zu Wolfrat sich wendend, sagte er: „Sprich nur weiter!“

„Der Klees hat uns halten lassen. Keinen Laut und keinen Tritt hat man gehört. Dann ist der Klees bis an den Burgwall hingegangen und hat den Torwart angeschrien. Ich hab’s nit recht hören können, ich bin einer von den letzten gewesen. Aber ich mein’, er hat dem Torwart zugeschrien, daß er eine Botschaft brächt vom Burgherrn, und die Sach hätt Eil.Hat der Klees die Losung gewußt, oder war der Torwart so ein guter Hascher, der gleich das erste Wörtl geglaubt hat? Ich hab noch kaum gemerkt, was los ist, da war die Zugbrück schon herunt, eine Hauerei und ein fürchtiges Geschrei ist losgegangen, und bis ich nach einer Weil mit den letzten hineingekommen bin in den Burghof, sind die paar Herrenknecht schon im Blut herumgelegen, die unsrigen haben schon alle Türen eingedrückt, und die brennenden Pechkränz sind in alle Fenster geflogen. Da bin ich nüchtern geworden. Wie ein steiniges Manndl bin ich gestanden und hab mir an den Kopf gegriffen. Und gegraust hat mir in der tiefsten Seel. Hätt mich einer am Ampfinger Tag niedergeschlagen, mir wär wohler gewesen. Ich hab freilich keinen Finger gerührt und keine Hand gestreckt. Aber dabei gewesen bin ich halt doch! Und die ganzen Jahr her, so oft was Unguts über mich und meine Heimleut gekommen ist, allweil hab ich an dieselbige Nacht denken und mir sagen müssen: Jetzt mußt du zahlen dafür!“

Wolfrat schwieg, und Stille herrschte in der Klause. Das Gesicht des Chorherren war bleich, seine Augen irrten ins Leere.

„Wie die Flammen herausgeschlagen sind aus jedem Dach, da haben sie’s drunten im Dorf gemerkt, was vorgeht, und haben die Sturmglock geläutet.Haufenweis sind die hörigen Leut aus dem ganzen Burgbann herbeigelaufen, die einen mit Schwert und Spieß, die andern mit Dreschflegeln und Segesen. Da ist die Hauerei aufs neu wieder angegangen. Ich hab mir gedacht, ich will mit einer so schiechen Sach nichts mehr zu schaffen haben. Aber wie ich beim Tor hinausschleichen und abschieben will, hör ich ein Gejammer von einer Weiberstimm. Und wie ich aufschau, steht auf dem Turmaltan, mitten im Feuer, eine junge, schöne Frau. Ein kleines Bübl ist bei ihr gestanden, und auf dem Arm hat sie ein Kind im Wickel gehalten. ‚Jesus Maria!‘ hab ich geschrien und bin zugesprungen und hab gemeint, ich könnt noch hinauf in den Turm und helfen. Derweil tut’s schon einen fürchtigen Krach. Das ganze Sparrenwerk ist eingefallen, und als wär die Höll zersprungen, so fliegt der Turm auseinander in lauter Feuer.“

Am ganzen Körper erzitternd, schlug Desertus die Fäuste vor die Augen.

„Gelt, Herr? Das greift einem ans Herz!“ murmelte Wolfrat. „Ich bin gestanden, als wär in mir drin alles ein Eisbrocken worden. Und wie mich das Grausen wieder aufschauen laßt — von dem armen Weiberleut und dem Bübl hat kein Aug mehr was zu sehen gekriegt — aber auf einem spitzigen Balken, der aus dem Gluthaufen herausgestanden ist, hab ichdas Kindl hängen sehen, das sich am Wickel verfangen hat. Da hab ich keine Glut und kein Feuer gescheut und bin hineingesprungen und hab das schreiende Würml gepackt. Und das Glück hat’s wollen: ich bin herausgekommen. Da springt der Klees auf mich zu. ‚Gib her,‘ schreit er, ‚hörst ja, das Kindl weinet nach seiner Mutter.‘ Er will mir’s wegreißen, aber ich hab ihm mit der Faust eins übers Gesicht gewischt, daß er hingeschlagen ist wie ein Ochs. Derweil hat’s schon geschienen, als täten die hörigen Leut Herr werden über die unsrigen. Der Klees ist wieder aufgesprungen und auf mich zu mit der blanken Wehr. Und wie’s der Zufall will, springt ein scheues Roß gegen mich her. Ich erwisch es bei der Mähn, komm in einem Schwung hinauf, und zum Tor hinaus geht’s in einem Sauser, gleich über zwanzig Köpf weg!“

„Kein Zweifel mehr!“ rief Desertus mit bebender Stimme. Mühsam seine Erregung beherrschend, stammelte er in lateinischer Sprache: „Das war mein Weib! Das ist mein Kind! Mein Kind!“

Erschrocken sah der Sudmann zu ihm auf und warf einen fragenden Blick auf den Propst.

„Sprich weiter, Wolfrat!“ sagte Herr Heinrich.

„Ich bin auf dem scheuen Roß gehangen wie der Frosch auf dem Mühlrad und hab nur allweil dasKind an mich hingedruckt. Und das Roß ist fortgesaust, fort und fort, bis weit hinter mir das brennende Schloß untergesunken ist in der finsteren Nacht. Wie der Tag gegrauet hat, sind dem Roß die Kräft ausgegangen. Eine Weil ist es stehen geblieben und hat den Grind hängen lassen. Dann ist es wieder fortgetrabt. Das Kind hat geschlafen, und ich hab’s auf dem Arm gehalten und hab nit gewußt, was ich anfangen soll. Ich hab die Gegend nit gekannt, und in ein Dorf hab ich mich nit hineingetraut. Ich hab gemeint, es müßt alle Welt schon wissen, was in der Nacht geschehen ist. So bin ich allweil zu und zu geritten, weil ich nichts anderes gedacht hab, als grad das einzig: schau nur, daß du weit, weit fort kommst von dem Fleck! Auf Mittag hab ich einen Einödhof gefunden mitten drin im Holz. Einer Dirn hab ich ein Reindl Milch abgebettelt für das Kind. Und so bin ich weiter geritten, allweil zu, bis ich auf die Nacht an ein Wasser gekommen bin und bald darauf in einen Markt. Da hab ich mich ausgekannt: das Wasser ist die Vils gewesen, und der Markt hat Velden geheißen. Und von da sind’s keine drei ganzen Stund mehr in mein Heimatl gewesen. Wie hätt mir ein anderer Weg einfallen sollen! Ich bin geritten und geritten, bis ich daheim war. Meiner Mutter hab ich das Kind auf den Arm gelegt. Aber wie ichdazu gekommen bin, das hab ich verhehlt. Ich hab mich gescheut vor Mutter und Vaters Aug. Dabei gewesen bin ich halt doch!“

Wolfrat vermochte kaum mehr zu sprechen, seine Stimme zitterte vor Schwäche.

„Die Nacht drauf bin ich wieder fort. Aber das Kriegshandwerk hab ich satt gehabt bis an den Hals. In Landshut hab ich mich eingedingt als Flößer. Es hat lang gedauert, bis ich die schieche Sach in mir hab geschweigen können. Ich hab mir freilich allweil fürgesagt, daß ich ein Unrecht tu, wenn ich das Kindl um Recht und Namen bring. Aber ich hab mir nit getraut, daß ich umfrag und red. Da hätt’s mir leicht an den Kragen gehen können, wenn ich mich verschnappt hätt. Sein Bröckl Leben hat jeder gern. Und wie ich wieder heimgekommen bin nach Dorfen und gesehen hab, daß meine Mutter mit ganzer Seel an dem lieben Kindl hängt, da hab ich erst recht nimmer reden können und hab mir gedacht: laß halt alles gehn, wie’s geht, in Gottesnam!“

„Und niemals,“ fragte Desertus, „niemals wieder hast du von jener furchtbaren Nacht gehört? Nie den Namen jener Burg erfahren?“

Wolfrat schüttelte den Kopf.

„Aber es muß doch ein Bild jener Burg in deiner Erinnerung haften?“

Wolfrat schien sich zu besinnen. „Mein, es hat halt ausgeschaut, wie es ausschaut in einer Burg. Türm und Mauern, ein weiter Hof und ein großmächtiges Haus!“ sagte er mit matter, kaum noch verständlicher Stimme. „Aber — wohl, Herr, auf eins besinn ich mich noch. Über dem Tor und über der Turmtür hab ich im Feuerschein ein gemaltes Wappen gesehen.“

„Sprich, Wolfrat, sprich!“ klang es mit erstickten Lauten.

Wolfrat bewegte lallend die Zunge; man verstand nicht mehr, was er sprach: die Erregung hatte seine schwachen Kräfte völlig erschöpft, er schien einer Ohnmacht nahe.

„Sprich, Wolfrat, sprich!“

Mit erlöschenden Sinnen rang Wolfrat nach Sprache: „Das Wappen — war — ein weißer Falk — im blauen Feld.“

„Das Wappen meines Hauses!“ schrie Desertus. Sich erhebend schlug er die Hände vor das Gesicht, wankte hinaus, als erdrücke ihn der enge Raum, und ließ sich niedersinken auf die Hausbank.

Herr Heinrich eilte ihm nach. Im gleichen Augenblick legte ein Boot mit zwei Schiffern und einem Reisigen am Ufer an.

„Dietwald, ermanne dich!“ flüsterte der Propst. „Es kommen Leute!“ Er ging dem fremden Kriegsknechtentgegen. „Wen suchst du?“

„Herrn Heinrich von Inzing, den Propst.“

„Wer bist du?“

„Ein Salzburger Fronbot. Die Oberin der Domfrauen schickt Euch diese Botschaft.“ Er reichte dem Propst ein versiegeltes Pergament.

Herr Heinrich las; er erschrak nicht; nur ein Lächeln glitt um seinen Mund. „Du kannst heimkehren!“ sagte er zu dem Boten. „Man soll dir im Kloster den Botenlohn reichen und dich köstigen.“ Der Knecht ging zum Ufer zurück. Herr Heinrich wartete, bis das Boot abgestoßen war, dann wandte er sich zu Desertus. „Willst du lesen, Dietwald? Eine Botschaft von deinem Kind!“

Mit hastigen Händen griff der Chorherr zu und entfaltete das Pergament. Er erblaßte. „Mein Kind? Aus dem Kloster entflohen?“

„Entflohen? Weshalb das hohe Wort?“ meinte Herr Heinrich lächelnd. „Sag lieber: davongelaufen!“

Desertus faßte die Hand des Propstes. „Herr! Ich bitt Euch! Lasset uns gleich zurückkehren! Im Seedorf stehen unsere Pferde. Wir wollen nach Salzburg reiten.“

„Nach Salzburg? Nein, Dietwald, ich weiß einen näheren Weg, um dein Kind zu finden. Wir wollen hinaufsteigen in die Röt.“

Desertus erschrak. „So meint Ihr — nein, nein! Es ist unmöglich! In dieser einen Nacht sollte das zarte Kind einen Weg bezwungen haben, der die Kräfte eines rüstigen Mannes erschöpfen würde?“

„Omnia vincit amor!“ lächelte Herr Heinrich. „Komm, Dietwald!“

Schweigend folgte Desertus dem Propst an das Ufer. Ein Knecht holte zwei Bergstöcke, der Einbaum wurde ins Wasser geschoben, rasch war die schmale Wasserzunge übersetzt, und die beiden stiegen empor durch den sonnigen Bergwald.

Ungeduldig eilte Pater Desertus voran.

Herr Heinrich rief ihm lachend zu: „Dietwald, willst du nicht hinter mir gehen? Weißt du, ich möchte mit ganzer Lunge droben ankommen.“

[32]Sense.

Am Morgen, noch vor Tag, hatte Haymo die Jagdhütte verlassen, um die Grenzen seines Bergreviers zu umwandern. Nahe den Funtensee-Tauern traf er mit dem Jäger Renot zusammen, der am Grünsee hauste. Unter den steilen Wänden saßen sie eine Stunde lang beisammen: das jubelnde Glück neben der Schwermut.

„Hast du meine Gundi nie gesehen?“ fragte Renot.

Haymo schüttelte den Kopf.

„Zwei Jahr lang bin ich ihr schon um den Weggegangen. Und da war’s in der letzten Mondzeit, da komm ich einmal hinauf zum Funtensee und hör auf den Halden das Almvieh läuten. Denk ich mir: jetzt muß ich doch schauen, was für eine Sennerin der Bauer geschickt hat. Ich geh auf das Hüttl zu, und wie ich hineinschau, steht die Gundi vor mir. Vor lauter Seligkeit hab ich einen Luftsprung getan, daß ich mir an der Tür das Hirnkastl angeschlagen hab. Und, du — ein Sommer ist das jetzt! Jeder Tag eine Freud, die vom Himmel fallt. Gelt, das hast du doch auch schon gespürt: es gibt nichts Lieberes auf der Welt, als wenn zwei junge Leut zusammenhalten mit Herz und Hand. Und auslassen tu ich nimmer. Bis der Frühling kommt, wird Hochzeit gehalten. Und Kindstauf gleich dazu! Juhuuu!“

Von allen Wänden klang das Echo des hallenden Jauchzers.

Lachend schaute Renot in Haymos Gesicht. Da verstummte sein Lachen, und erschrocken fragte er: „Bub, was ist dir denn?“

Haymo sprang auf und schüttelte den Kopf; er konnte nicht sprechen.

„So red doch, Bub, was hast du?“

Wortlos nickte Haymo einen Gruß und ging seiner Wege.

Renot sah ihm betroffen nach. „Mir scheint,dem ist die Lieb überzwerch gelaufen.“

Als Haymo zum Saum des Lärchenwaldes kam, hörte er den am Fuß der Felswand hinsteigenden Jäger singen:

„Der Winter ist zergangen,In Bluh steht alle Heid,Da kam zu mir gegangenGar süße Augenweid,Mir war das Herzl froh,Zum Schätzl sprach ich so:Gelt, du bist mein? Nein, ich bin dein:Der Streit, der muß wohl allweil sein!Jo ho!Jo ho!So blank allsam ein Härmelein[33]Sind ihre nackten Ärmelein.Mein Schätzl, das ist fein und schmal,Gar wohl geschaffen überall.Jo ho!Jo ho!Mein Herzl, das ist froh!“

„Der Winter ist zergangen,In Bluh steht alle Heid,Da kam zu mir gegangenGar süße Augenweid,Mir war das Herzl froh,Zum Schätzl sprach ich so:Gelt, du bist mein? Nein, ich bin dein:Der Streit, der muß wohl allweil sein!Jo ho!Jo ho!So blank allsam ein Härmelein[33]Sind ihre nackten Ärmelein.Mein Schätzl, das ist fein und schmal,Gar wohl geschaffen überall.Jo ho!Jo ho!Mein Herzl, das ist froh!“

„Der Winter ist zergangen,In Bluh steht alle Heid,Da kam zu mir gegangenGar süße Augenweid,Mir war das Herzl froh,Zum Schätzl sprach ich so:Gelt, du bist mein? Nein, ich bin dein:Der Streit, der muß wohl allweil sein!Jo ho!Jo ho!So blank allsam ein Härmelein[33]Sind ihre nackten Ärmelein.Mein Schätzl, das ist fein und schmal,Gar wohl geschaffen überall.Jo ho!Jo ho!Mein Herzl, das ist froh!“

„Der Winter ist zergangen,

In Bluh steht alle Heid,

Da kam zu mir gegangen

Gar süße Augenweid,

Mir war das Herzl froh,

Zum Schätzl sprach ich so:

Gelt, du bist mein? Nein, ich bin dein:

Der Streit, der muß wohl allweil sein!

Jo ho!

Jo ho!

So blank allsam ein Härmelein[33]

Sind ihre nackten Ärmelein.

Mein Schätzl, das ist fein und schmal,

Gar wohl geschaffen überall.

Jo ho!

Jo ho!

Mein Herzl, das ist froh!“

Lang war die jubelnde Stimme schon verhallt, und immer noch klang es wie quälender Spott an Haymos Ohr: „Jo ho, jo ho! Mein Herzl, das ist froh!“

Er hatte die Landtaler Wand erreicht, über deren schroff bis zum See abfallende Felsen ein schmaler Wildsteig hinwegführte. Einzelne Steine lösten sich unter den Schuhen des Jägers und stürzten prasselnd in die Tiefe; mit heißen Augen sah Haymo ihnen nach; er konnte ihre sausenden Sprünge mit dem Blick verfolgen, bis sie nahe dem See auf dem schräg verlaufenden Griesbett liegen blieben.

„Da drunten findet jeder seine Ruh! Ein jeder!“

Nun löste er absichtlich Stein um Stein und lauschte, wie ihr Fall, der mit lautem Lärm begann, immer leiser und leiser wurde. Und jeder fallende Stein redete zu ihm: „So könntest du dein schreiendes Herzleid auch geschweigen. Wirf’s hinunter! Es tut keinen Laut nimmer, wenn es drunten liegt.“

Mit der Hand an einem Felszacken sich anhaltend, beugte er sich vor, daß sein ganzer Körper über dem Abhang schwebte. Die verwitterten Schrofen, die aus dem steilen Gewände ragten, waren anzusehen wie tausend steinerne Arme, die sich streckten nach ihm. Und in der gähnenden Tiefe lag der Obersee wie ein großes, rundes Auge; es blickte herauf zu ihm, und dieser Blick hatte Sprache: „Ich seh dich. Komm nur! Schau, ich warte.“

Immer weiter beugte Haymo sich vor, ein Frösteln überlief seine Glieder, seine Knie begannen zu zittern,an der Hand, die den Felszacken umklammert hielt, zuckten schon die Finger, als wollten sie sich öffnen.

Da tönten linde, schwebende Klänge durch die Luft empor. In der Bartholomäer Klause läutete die Glocke zur Frühmesse.

Haymo richtete sich erblassend auf und fuhr sich mit der Hand über die Stirn, wie um einen bösen Traum zu verscheuchen. Aufatmend bekreuzte er sich und stieg mit ungestümer Eile über die Wand hinweg. Es schien ihm erst wieder wohl zu sein, als er den Bergwald erreichte, um dessen Wipfel der erste Glanz der steigenden Sonne schimmerte.

Schon aus weiter Ferne hörte er das Gebrüll des Almviehs.

„Was die Rinder nur haben mögen?“ fragte er sich. Vielleicht missen sie die Sennerin, meinte er. Sie wird wohl tags zuvor hinuntergegangen sein in das Klosterdorf, um dem heiligen Umgang beizuwohnen. Aber das hätte sie doch dem Hüter sagen müssen. Wohl an die hundert mal hatte Haymo am vergangenen Tag, bald im Gewänd, bald auf den Almen, bald im Bergwald den Hüter schreien hören: „Zenzaaah! Hoidoooh!“

Als Haymo die Alm erreichte, sah er die Kühe unruhig um die stille Hütte traben, brüllend und mit den Schweifen schlagend. Ihre Euter strotzten. Unddie Tiere litten Schmerzen; sie hatten das Milchbrennen. Langsam kamen dem Jäger, da er sich der Hütte näherte, die Kühe entgegen, streckten keuchend die Köpfe, und eine Blessin fuhr ihm mit der rauhen Zunge über die Hand. Er kraute ihr die Stirn, und mit läutender Glocke lief sie ihm nach bis zur Hütte. Er trat in die Tür. Die Hütte war leer. „Zenza!“ rief er. Keine Antwort kam. Er lehnte das Griesbeil an die Wand, legte die Armbrust ab und setzte sich auf den Herdrand. In der Asche lagen noch glimmende Kohlen; er stöberte sie zu einem Häuflein zusammen, legte Späne darüber und blies in die Glut. Eine Flamme züngelte über das Holz, die Späne knisterten und krachten, und als das Feuer wuchs, legte Haymo, in träumende Gedanken versunken, Scheit um Scheit in die Flammen.

Er hörte nicht mehr das Brüllen und Läuten der Kühe — Immer summte es in seinen Ohren: „Jo ho, jo ho! Mein Herzl, das ist froh!“

Weit drüben, in der Sennhütte am Funtensee, flammte jetzt wohl auch ein Feuer auf dem Herd, und Renot saß bei seiner Gundi und hielt sie umschlungen und zog sie an seine Brust und lachte: „So blank allsam ein Härmelein, sind deine weißen Ärmelein —“

Haymo schlug die Hände vor die Augen, alsmöchte er das Bild verscheuchen, das mit seinem jauchzenden Glück ihn quälte und verhöhnte, ihn und sein brennendes Leid, seine dürstende Sehnsucht.

Ganz in sich verloren saß er und hörte nicht, wie draußen die Kühe läutend zusammendrängten nach einer Stelle; er merkte nicht, daß ihr lautes Brüllen jäh verstummte; er hörte die raschen Schritte nicht, die sich der Hütte näherten; es war ihm nur, als hätte sich plötzlich die Tür verfinstert. Mit müden Augen blickte er auf. Und da traf es ihn wie ein Blitz. Er schnellte in die Höhe, streckte mit ersticktem Laut die Arme und stand wieder wie versteinert. War es Wirklichkeit oder nur ein Traum? War sie es wahrhaftig, die vor ihm unter der Türe stand, über und über mit Staub bedeckt, im weißen Rock, dessen zerfetzter Saum über die Knöchel der nackten, vom Gestrüpp zerkratzten Füße hing, ein weißes Mäntelchen um die schmalen Schultern, die gelösten Haare um den Hals geknotet, mit erschöpften Zügen, aber mit lachendem Mund und leuchtenden Augen?

Jetzt rührte sie die Lippen. „Haymo!“ stammelte sie.

„Gittli!“ schrie er. Und sie flogen einander entgegen, hingen Mund an Mund und hielten sich mit zitternden Armen umschlungen, fest, als wollten sie sich nimmer lassen.

„Haymo!“

„Gittli!“

Das war alles, was sie sprachen zwischen Küssen und Küssen.

Und als wäre das Glück über sie hergefallen, so groß und so erdrückend, daß sie es nicht mehr zu tragen vermochten auf ihren schwachen Schultern, so sanken sie auf den Herdrand nieder. Und da streichelte Gittli Haymos Gesicht mit beiden Händen und lispelte: „Gelt? Jetzt tust du mir nimmer sterben?“

„Sterben? Vor Freud!“ Was er weiter noch stammeln wollte, erstickte wieder in einem heißen dürstenden Kuß.

Zenza stand in der Tür, mit geballten Fäusten und kalkweißem Gesicht. Sie konnte den Anblick dieses taumelnden Glückes nicht ertragen. Heiser auflachend wandte sie sich ab, rannte wie eine Wahnsinnige hinaus über das Almfeld, schlug die Fäuste an ihre Stirn und schrie: „Gibt’s auf der Welt noch einen Narren, wie ich einer bin! Erschlagen hätt ich sie sollen heut in der Nacht! Ins Wasser werfen! Und ich selber hab sie hergeholt. So ein Narr! So ein Narr, wie ich einer bin!“

Unter einer einsam stehenden Fichte warf sie sich auf die Erde nieder, grub die Nägel in den Rasen und schluchzte.

Dann sprang sie wieder auf. „Da heroben bleib ich keine Stund nimmer!“ Ihr heißer Blick spähte über das Almfeld, während sie mit gellender Stimme schrie: „Jörgi! Jörgi!“ Der Ruf verhallte, keine Antwort ließ sich hören. Eine Weile wartete sie. Und wiederholte den Ruf. Alles blieb still. Nur die Kühe trabten ihr brüllend entgegen. „Meinthalben! Mag alles hin sein, das Vieh und alles! Ich bleib und ich bleib nimmer.“

Sie ging dem Steige zu. Die Kühe zogen ihr nach. Mit Steinwürfen trieb sie das Vieh zurück. An der Stelle, wo der Pfad sich in den Wald verlor, blieb sie stehen und blickte, zornig auflachend, noch einmal zurück nach der Hütte. „So ein Narr, wie ich einer bin!“ Immer wieder lachte sie, während sie dem talwärts ziehenden Pfade folgte.

Über eine Stunde war sie schon gewandert, als sie, schwer ermüdet, auf einen Steinblock sank. Die zwei durchwachten und durchwanderten Nächte hatten ihre Kraft erschöpft. Sie schluchzte und lachte, immer eins ums andere. Lang ertrug sie das ruhige Sitzen nicht. Während sie weiterlief, raffte sie einen dürren Stecken auf und zerschlug mit zornigem Hieb jeden grünen Zweig, der über den Pfad hereinhing.

Schon hatte sie den tieferen Bergwald erreicht. Da hörte sie eine rufende Stimme, halb erstickt vomdumpfen Rauschen des nahen Wildbachs.

„Zenza! Zenza! Hoidoooh!“

Es war ein wild kreischender, angstvoller Ruf.

Lauschend blieb sie stehen. Da klang es wieder, ein wenig näher schon:

„Zenza! Zenza! Hoidoooh!“

„Mir scheint, er sucht mich? Der Täpp!“ knirschte sie zwischen den Zähnen. Und weil der Ruf nun abermals erklang, flammte eine dunkle Röte über Zenzas Gesicht, und ihre Fäuste ballten sich. „Der! Der ist schuld an allem! Hätt er den Jäger in Fried gelassen, so wär der Haymo nit zu mir gekommen, ich hätt mich nit scheuen und schämen müssen vor ihm, er hätt nit geredet mit mir, sein Herzleid hätt mir nit die Seel umgedreht im Leib, ich wär nit hinein auf Salzburg und müßt jetzt nit einen Zorn in mir haben, daß ich mich selber zerreißen könnt. Der! Der ist schuld an allem!“ So schrie es in ihr; alles, was Jörgi verbrochen hatte, stand ihr vor Augen, wie mit Geißelschlägen ihren Zorn schürend; nur an eines dachte sie nicht: an jene Stunde, in der sie beim Ostertanz den von allen Verachteten, ihn und sich selbst verhöhnend, hervorgezerrt hatte aus seinem dunklen Winkel.

Nun sah sie ihn um die Wendung des Pfades biegen, in keuchendem Lauf, mit brennendem Gesicht,mit verstört umherspähenden Augen. Und zwischen ihr und ihm lag das breite Bett des mit reißenden Wassern steil abstürzenden Wildbaches.

„Zenzaaah —“ Der Laut erstickte. Jörgi hatte die Sennerin erblickt. Mit jauchzendem Geschrei, mit Stammeln und Schluchzen kam er gerannt, stieß das lange Griesbeil in das Wasserbett, warf sich hinüber mit hohem Schwung, brach in die Knie, raffte sich auf, und den Stock beiseite schleudernd, umschlang er Zenza mit beiden Armen.

Zornig aufkreischend, schlug sie ihm die Fäuste in das von Schweiß überronnene Gesicht. Und als er die Hände sinken ließ, gab sie ihm einen Stoß vor die Brust, daß er rückwärts taumelte und niedersank, mit dem halben Körper in das Wasser klatschend. Er wollte sich aufraffen. Eine Sturzwelle packte ihn, er drehte und überschlug sich, verschwand im Wasser und tauchte halb wieder auf.

„Jesus, Maria! Jörgi!“ schrie Zenza. Sie stürzte dem steilen Ufer zu; es gelang ihr, die eine Hand des Versinkenden zu erfassen, mit der anderen haschte er nach ihrem Rock und klammerte sich an. Brausend schlugen die Wellen über ihn her und drückten ihn nieder. In schreiender Todesangst wollte Zenza von seinen Händen sich losreißen. Während sie kämpfte mit dem ganzen Aufgebot ihrer müden Kraft, wichder brüchige Grund unter ihren Füßen, und sie stürzte vornüber mit dem Gesicht in den Wildbach.

Welle rauschte über Welle, eine warf sich auf die andere, mit drängender Eile und zorniger Wucht. Aus allem Rauschen hörte man das Rollen der Steine, die der Wildbach auf seinem Grunde trieb. Über steile Gehänge warf er sich hinunter, tobte zwischen verwaschenem Gestein hindurch, hinweg über gebrochene Bäume, und verschwand in einer Schlucht, so eng und tief, daß der Himmel in der Höhe nur noch schimmerte als ein dünner, blauer Streif, während auf dem Grunde der Schlucht alles grau war, ohne Farbe, einzig weiß nur das schäumende Wasser. Dünne Quellen rieselten in die Schlucht hinunter, und die frei fallenden Tropfen leuchteten ein wenig, als möchte jeder von ihnen ein Stäubchen Sonne aus dem hellen Tag mit hinunterstehlen in die Finsternis.

Brausend schoß der Wildbach aus der dunklen Schlucht wieder hervor in ein breites Bett, umschleiert von Wasserstaub, jede Welle bedeckt mit flockigem Schaum. Die Uferwände senkten und erweiterten sich. Blühende Büsche neigten sich über den Rand der Felsen und griffen wie mit hundert kleinen Fingern in den blauen Himmel. Buntfarbiges Moos und üppiges Flechtwerk spann sich um alles Gestein, an dem der Wildbach vorüberrauschte, unddie tanzenden Wellen spielten mit dem niederhängenden Gezweig, bis sie breit und ruhig hinausflossen in den stillen, sonnigen See.

Von Bartholomä einher kam langsam ein plumper Nachen geschwommen, beladen mit kleinen Blöcken von Ahorn- und Zirbenholz. Ein alter Mann führte das Ruder. Im Bug des Schiffes saß Ulei, der Bildschnitzer. Er hatte sich neuen Vorrat für seine Werkstätte geholt. In der Hand hielt er ein Klötzchen Holz und bosselte daran mit einem kurzen Messer. Gewandt und sicher führte er jeden Schnitt, und immer deutlicher trat aus dem Holz ein weiblicher Kopf hervor.

Da sagte der Alte: „Ulei? Was liegt denn da drüben im Wasser?“

„Wo, Vater?“

„Wo der Wildbach auslauft.“

Ulei deckte die Hand über die Augen.

„Wohl, jetzt seh ich es auch.“

„Es schaut sich an, als tät ein Gewand im Wasser liegen.“

„Vielleicht hat einer was verloren. Geh, Vater, fahr hinüber!“ Ulei steckte das halb vollendete Schnitzwerk mit dem Messer in die Tasche und erhob sich.

Der Alte drehte den Kahn und steuerte dem Ufer zu.

„Mein Gott, Vater,“ stammelte Ulei, „da hat’sein Unglück gegeben! Das ist ein Weiberleut. Du lieber Herrgott! Was muß da geschehen sein?“

Sie kamen näher. Von den Wellen des Wildbaches seitwärts getrieben, lag die Leiche auf seichtem Grund, überdeckt von durchsichtigem Wasser, auf dem das Kleid und die bleichen Hände schwammen.

Uleis Augen wurden starr und sein Gesicht erblaßte; er sprang aus dem Nachen und riß den leblosen Körper empor. „Vater, schau nur, schau! Die Zenza!“ Die Worte erstarben ihm. Wie versteinert blickte er auf die Entseelte nieder, deren Haupt mit triefendem Haar, mit geschlossenen Augen und blutlosen Lippen in den Nacken hing. Aus dem Mieder und unter den zerrissenen Zöpfen sickerte Blut in dünnen Tropfen hervor. Das Gesicht war unentstellt; jeden Zug von Trotz und Wildheit hatte der Tod verwandelt in stillen Frieden.

Taumelnd watete Ulei an das Ufer, bei jedem Schritte keuchend unter seiner Last.

„So ein Unglück!“ jammerte der Alte. „Das arme Ding! So ein junges, lebfreudiges Mädel! Ulei, bleib bei ihr! Ich fahr davon und lauf ins Ort hinein.“ Er hatte schon den Kahn gewendet und trieb ihn mit hastigen Ruderschlägen über den See.

Ulei war auf einen Steinblock niedergesunken. Mit beiden Armen preßte er den entseelten Körperan seine Brust, als könnte er die Kälte des Todes noch verscheuchen durch die Wärme seines eigenen Lebens.

Von Kind auf war sie ihm lieb gewesen. Immer gingen ihre Wege an ihm vorüber. Sein Herz geduldete sich und hoffte. Wenn er in seiner Werkstatt bei der Arbeit saß, stand es immer vor ihm wie ein Traum, der sich einst noch erfüllen müßte: daß er sie umschlungen hielte und dürfte sie herzen und küssen.

Jetzt hatte sein Traum sich erfüllt. Nun lag sie in seinen Armen. Scheu neigte er das Gesicht und drückte seine Lippen auf ihren kalten Mund. Sie duldete seinen Kuß und wehrte sich nicht.

„Du mein Schatzl!“ Seine Hand zitterte, als er das blutige Haar von dieser blassen Stirne strich. „Und wenn ich hundert Jahr alt werd, ich bleib dein treuer Bub! Gelt ja!“

Auf blumigem Rasen legte er sie nieder, ordnete ihr Haar und schob ihr seine Joppe als Kissen unter den Kopf. Einen Zweig mit blühenden Alpenrosen, den er von der nahen Felswand holte, legte er in ihre Hände.

Auf den Knien sprach er ein Gebet. Dann setzte er sich neben der Toten auf die Erde und zog aus seiner Tasche das hölzerne Köpfchen und das Messerhervor. Vor jedem Schnitt, den er führte, hing er mit langem Blick an dem stillen, weißen Gesicht.

Zwei Stunden vergingen. Dann kam ein Schiff mit Leuten; unter ihnen der Eggebauer. Als er mit schlotternden Knien an das Ufer stieg, mußten ihn zwei Männer stützen.

[33]Wie ein Wiesel.

„Wo nur die Zenza bleibt?“

So fragten sie immer wieder, wenn sie für kurze Weile aus ihrem wortlos träumenden Glück erwachten.

„Wo nur die Zenza bleibt?“

Sie traten vor die Hütte und riefen Zenzas Namen über das Almfeld und gegen den Bergwald. Alles blieb still.

„Wirst sehen, sie kommt nit. Und ich mein’, ich weiß warum!“ flüsterte Haymo.

Gittli sah ihn fragend an; dann schüttelte sie denKopf. „Sie wird halt müd gewesen sein und hat sich an einem stillen Platzl schlafen gelegt.“

„Meinst du?“ sagte er. „Aber gelt, du wirst auch selber müd sein?“

„Nit ein lützel! Ich mein’ völlig, ich hätt tausend Jahr lang geschlafen und wär mit einmal aufgewacht, und derweil ist alles anders geworden, und ich selber bin eine andere!“

„Was? Eine andere bist du? So, schön, jetzt hab ich gar zwei Schätzlen. Ich weiß nur nit, welches ich lieber hab: dasselbig, das du gewesen, oder dasselbig, das du geworden bist.“ So scherzte Haymo und wollte sie umfangen. Sie schlüpfte in die Hütte und wehrte ihn ab, als er folgen wollte. Er mußte sich auf die Bank setzen und warten. Und bevor sie ihn nicht riefe, dürfe er beileib nicht kommen.

Er saß kein Vaterunser lang, da fragte er schon: „Darf ich noch allweil nit hinein?“

„Jesus! Untersteh dich!“ hörte er sie erschrocken stammeln.

Nun wartete er geduldig, sah mit leuchtenden Augen hinauf ins Blau und lauschte jedem leisen Geräusch, das sich in der Hütte vernehmen ließ.

Jetzt trat sie kichernd aus der Tür. Er machte zuerst große Augen, dann schlug er mit glückseligem Lachen die Hände ineinander. Gittli stimmte in seinLachen ein. „Ich hab ein lützel in der Zenza ihrer Truh gekramt. Meinst, sie wird harb sein? Gelt nein? Sie hat ja selber allweil über das dumme Häs gescholten. Was sagst du, wie ich ausschau!“ Sie hob die Arme und drehte sich. Er wollte kaum aus dem Lachen kommen. Gittli sah aber auch gar zu drollig aus. Das weiße, bis an den Hals geschlossene Hemd und der kurze Rock hätten ihr leidlich gepaßt. In dem schwarzen Mieder aber hätte ihr schlankes Persönchen noch ein zweites mal Platz gefunden, und jeder Fuß stak in dem plumpen Schuh wie ein Spatz im Hühnerkorb. „Was sagst du, wie ich ausschau?“

„Aber lieb! So lieb!“ Er haschte sie mit beiden Armen und zog sie auf die Bank. „Da hast du einen gescheiten Einfall gehabt. Ich hab mich ehnder schier nit getraut, daß ich dich anrühr.“

Wie sehr ihm jetzt der Mut gewachsen war, das fühlte sie aus dem ungestümen Kuß, mit dem er ihre stammelnden Lippen schloß.

So saßen sie in der Sonne, bald still versunken in ihr zärtliches Glück, bald wieder in heiterem Geplauder. Kein Wort, das sie sprachen, kein Gedanke, den sie dachten, ging über den Augenblick hinaus. Sie fragten nicht, wasvordiesem Tag gewesen, fragten nicht, wasnachdiesem Tage kommen sollte.Eine selige Stunde war ihnen vom Himmel gefallen, wie Sonnenschein nach Ungewitter, und sie freuten sich ihrer als zwei Glückliche, die zusammengehören, weil der liebe Herrgott sie füreinander geschaffen hat. Ihr Glück war so still zufrieden wie eine Blume, die in dem Augenblick, da ihr Kelch sich dem warmen Licht erschließt, doch auch nicht fragt, wer ihren Samen in die Erde legte, oder wer sie brechen wird in der nächsten Stunde. Sie blüht und freut sich.

Endlich löste Gittli sich aus den Armen des Jägers. Ihre Wangen glühten wie zwei Rosen. Mit zitternden Händen strich sie das Haar von den Schläfen zurück.

„Schau, Haymo, die Sonn steht über Mittag. Hast du denn keinen Hunger?“

Er schüttelte lachend den Kopf.

„Aber ich!“ sagte sie kleinlaut.

Erschrocken sprang er auf. „So komm doch, Schatzl, komm! Es wird in der Hütt wohl ein lützel was zu finden sein. Und die Zenza wird’s schon verlauben.“

„Was die aber lang ausbleibt! Völlig bangen tut’s mich, daß ich ihr ein Vergeltsgott sagen möcht. Aber gelt, wenn sie kommt, da müssen wir gut sein mit ihr. Sie hat’s verdient um uns.“

Haymo nickte. Dann traten sie in die Hütte. Mehl, Salz und Butter fand sich im Überfluß.Als aber Gittli auf dem Herd das Feuer schüren wollte, faßte Haymo ihre Hände. „Nein, Schatzl, heut darfst du nit schaffen, heut mußt du schon mir die Sorg lassen. Da wirst du schauen, was ich dir aufkoch! Und du,“ er hob sie mit beiden Armen empor und legte sie sanft auf das Heubett nieder, „du tust derweil ein lützel rasten! So, Schatzl! Gelt, da liegst du gut?“

Erst war sie ein wenig erschrocken, dann aber ließ sie ihn lächelnd gewähren, und als sie in das weiche, duftende Heu versank, schlang sie die Arme um seinen Hals und zog sein Gesicht an ihre heiße Wange. „Gelt, Haymo, wir zwei tun nimmer voneinander lassen?“

„Nimmer, Gittli, nimmer, nimmer!“

Eine Weile saß er auf dem Rand des Bettes. Schweigend hielten sie sich bei den Händen. Plötzlich sprang er auf. „Jetzt muß ich aber schaffen, sonst tust du mir am End noch verhungern, du Hascherl, du arms!“

Sie schob die gefalteten Hände unter die Wange, schmiegte sich tief in das duftende Heu, und während Haymo auf dem Herd das Feuer schürte, blickte sie unter halb gesunkenen Lidern hervor, mit dankbar zärtlichen Augen jede seiner Bewegungen verfolgend. Flüsternd strömten ihre tiefen Atemzüge über dieleicht geöffneten Lippen. Ihr war so wohl! Sie hätte sich für das ganze Leben nichts anderes mehr gewünscht, als nur immer so liegen zu dürfen, so weich zu ruhen, mit dieser sanften Wärme im Herzen, mit diesem süßen Gefühl: daß treue Liebe ihre Ruh behüte, treue Liebe für sie sorge und schaffe.

Immer wieder nickte Haymo ihr lächelnd zu. Er ging auf den Zehen und suchte jedes Geräusch zu vermeiden, während er alles herbeitrug, was er zur Bereitung der Mahlzeit nötig hatte. Auf dem Herde knisterten die brennenden Späne, leis rauschten die züngelnden Flammen, durch die Lücken des Schindeldaches fielen einzelne Sonnenstrahlen gleich goldig schimmernden Fäden, und der dünne Rauch, der sich langsam zwischen dem berußten Sparrenwerk verzog, umspann alle Balken mit bläulichem Duft.

Immer tiefer sanken über Gittlis Augen die schwarzen Wimpern, und sacht, unmerklich flossen ihre Träume aus dem Wachen hinüber in einen tiefen Schlaf.

Haymo ließ die Arbeit ruhen; er wäre mit seinem Werk in einer Viertelstunde zu Ende gewesen, und dann hätte er Gittli wecken müssen. Doch er sah, wie wohl ihr der Schlummer tat. Leise trug er einen Holzpflock neben das Heubett, ließ sich nieder, schlang die Hände um die Knie, lehnte den Kopf an die Kante des Lagers und betrachtete das Gesichtder Schlummernden.

Sie lag und regte sich nicht; nur manchmal bewegte sie ein wenig die Lippen, als spräche sie im Traum; dann zuckten auch die Wimpern, die gleich dunklen Sicheln auf den sanft geröteten Wangen lagen; und bei jedem tieferen Atemzuge hob sich die junge Brust unter dem weißen Leinen. Haymo streckte die Arme — es war, als möchte er aufspringen, als möchte er sie aus dem Schlaf empor reißen an sein Herz. Doch scheu und leise duckte er sich wieder auf den Holzpflock nieder, um die Schlummernde nicht zu wecken.

Stille Stunden verrannen.

Als Haymo meinte, daß Gittli nun doch bald erwachen würde, ging er zum Herd. Sie sollte nicht warten müssen auf die Mahlzeit. Als die heiße Butter in der Pfanne zu zischen begann, bewegte sich Gittli, schlug die Augen auf, lächelte — und schlief wieder ein.

Haymo übte sein Küchenamt mit peinlichster Sorgfalt. Vor Aufregung, ob die Speise auch wohl geraten würde, zitterten ihm die Hände. Doch als er einmal kostete, schien er nicht unzufrieden mit seinem Werk. Und während er die Pfanne wieder über das Feuer setzte, begann er mit halblauter Stimme zu singen:


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