e.Die „petites maisons“.
Indem wir bezüglich der anderen grossen Pariser Bordelle des 18. Jahrhunderts auf das berühmte WerkvonRétif de la Bretonneverweisen[219], sowie auf die Schrift „Les bordels de Paris“ (1790), erwähnen wir nur noch das Freudenhaus im Faubourg Saint-Antoine, wo nachRétif’sErzählung der Herzog vonOrléans, der Graf vonArtoissich den wildesten Ausschweifungen und Grausamkeiten hingaben, wo man „Bestialitäten“ beging, die später der Marquisde Sadein seinem „exécrable roman“: Justine ou les Malheurs de la vertu beschrieben habe.[220]
Offenbar genügte diese grosse Zahl von Bordellen noch nicht dem Unsittlichkeitsbedürfnisse des ancien régime. Man musste die Wollust bei sich selbst einquartieren. So schufen sich die vornehmen Herren und reichen Wüstlinge jener Zeit in den sogenannten „petites maisons“ gewissermassen ihre eignen Privatbordelle, Freudenhäuser en miniature. Jeder hat sein „kleines Haus“ mit mehreren Maitressen. Das gehörte zum vornehmen Ton bei Jung und Alt.Casanovalernte in Paris den80jährigenChevalier d’Arzignykennen, den „Aeltesten der petits maîtres“, der sich rot schminkte, geblümte Kleider trug, die Perrücke pomadisierte, die Augenbrauen braun malte und ebenfalls parfümierte und ein Gebiss von Elfenbein trug. Selbst dieser alte Lebemann war „seiner Geliebten zärtlich zugetan, die ihm seinkleines Hausführte, in welchem er stets in Gesellschaft ihrer Freundinnen zu Abend ass,die sämtlich jung, sämtlich liebenswürdig waren und jede Gesellschaft für die seinige aufgaben“.[221]
Auch der Marquisde Sadebesass im Jahre 1772 auf der butte Saint-Roch sein „petite maison“.[222]