Chapter 45

1.Papst Pius VI.

Dieser Papst war nachSade(Juliette IV, 268) ein grosser Lüstling, dem Juliette eine lange Rede über die Zuchtlosigkeit der Päpste aller Zeiten hält (IV, 270 ff.), wobei sie ihn mit „alter Affe“ anredet (IV, 285). Nachher muss dann auch Seine Heiligkeit eine ebenso lange Rede halten an deren Schlusse dieser Wahrheitsapostel den Mord für die „einfachste und legitimste Handlung auf der Welt“ erklärt (IV, 370) und in seinen nunmehr geschilderten Orgien hinter dieser Versicherung nicht zurückbleibt (V, 1 ff.).

WarPiusVI. ein solcher Mensch? Dies kann nur zum Teil bejaht werden.

PiusVI. (1775–1798), vorherGiovanni Angelo, Graf Braschi, war einer der schönsten Männer seiner Zeit, „hochgewachsen, von edlem Aussehen, blühender Gesichtsfarbe“. Er trug sein päpstliches Gewand mit einer Art von Koketterie und trug vor allem seine schönen — Beine zur Schau, indem erstets sein langes Gewand an der einen Seite etwas aufhob, so dass wenigstens ein Bein sichtbar war, auch legte er grosses Gewicht auf eine schöne Frisur. Diese Eitelkeit geisselte das folgende Distichon:

Aspice, Roma, Pium. Pius! haud est: aspice mimum.Luxuriante coma, luxuriante pede.

Aspice, Roma, Pium. Pius! haud est: aspice mimum.Luxuriante coma, luxuriante pede.

Aspice, Roma, Pium. Pius! haud est: aspice mimum.Luxuriante coma, luxuriante pede.

Aspice, Roma, Pium. Pius! haud est: aspice mimum.

Luxuriante coma, luxuriante pede.

Er liess sich denn auch von der Geistlichkeit und den Gläubigen gehörig anbeten, mit einer „vénération stupide“, der aber manchmal ein ironischer Beigeschmack nicht fehlte. Seine Ausfahrten geschahen mit ungeheuerem Gepränge. Draussen warPiusein Gott, im Vatican ein vielfach verspotteter Mensch. Zeigte er sich auf der Strasse, so riefen die Frauen: Quanto è bello, quanto è bello! Und man behauptete, dassPiussich dadurch mehr geschmeichelt gefühlt habe als durch die Huldigung der Kardinäle. Der KardinalBernisnannte ihn ein lebhaftes Kind, das man immer bewachen müsse.[464]AuchColettaschildert diesen Papst als einen „bildschönen Mann“, von grosser Liebe zum Putze und weibischen Eigenschaften.[465]Er war im Gegensatz zu seinem VorgängerClemensXIV. den Jesuiten zugeneigt.[466]Was sein Verhalten in geschlechtlicher Beziehung betrifft, so begünstigte er nachCasanova(Bd. XVII, S. 169) die Prostitution, hielt nachGoraniselbst viele Maitressen und trieb sogar Incest mit einer natürlichen Tochter.[467]Bourgoing dagegen findet ihn in sexueller Hinsicht ganz rein und sagt, dassPiusVI. seine Zeit zwischen den religiösen Pflichten, seinem Cabinet, Museum und der vatikanischen Bibliothek teilte.[468]


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