Diese letzte Äußerung sah übrigens dem Kaiser sehr ähnlich, der aus dem Morgenland, wohin er einen Kreuzzug unternehmen musste, sehr freie Ansichten über die Religion mitgebracht hatte. Einst äußerte er: Wenn der Gott der Juden Neapel gesehen hätte, würde er gewiss nicht Palästina auserwählt haben; und beim Anblick einer Hostie rief er: "Wie lange wird dieser Betrug noch dauern!?" Als er einst an ein Weizenfeld kam, hielt er sein Gefolge vor demselben zurück und sagte: "Achtung, hier wachsen unsere Götter." Die Hostie wird nämlich aus Weizenmehl gebacken.
Gregor hatte den deutschen Ritterorden so sehr lieb gewonnen, und da ihm ja die ganze Erde gehörte, so schenkte er demselben Preußen. Die Ritter zeigten sich aber nicht besonders dankbar gegen den Päpstlichen Stuhl und gegen die Pfaffheit. Einer ihrer Großmeister, Reuß von Plauen, sagte: "Man muss den Geistlichen keine Güter geben, sondern nur Besoldung, wie anderen Staatsdienern auch; sie sollen sich an den schlichten Text des Evangeliums halten." Der Hochmeister Wallenrode äußerte: "Ein Pfaff in jedem Land ist genug, und den muss man einsperren und nur herauslassen, wenn er sein Amt verrichten soll."
Innozenz IV. (1243-1255) setzte den Kampf mit Friedrich II. fort. Er war ein Graf Fiesko und genauer Freund des Kaisers gewesen. Als man diesen wegen der Wahl seines Freundes beglückwünschte, antwortete Friedrich: "Fiesko war mein Freund, Innozenz IV. wird mein Feind sein; kein Papst ist Ghibelline" nämlich (liberal).
Es war so, wie der Kaiser sagte, der bald in den Bann getan wurde, den Friedrich anfing, als seinen natürlichen Zustand zu betrachten. Er war keineswegs zerknirscht, sondern rückte dem Papst zu Leibe, und der Heilige Vater machte, als Soldat verkleidet, einen Angstritt von 54 italienischen Meilen in einer kurzen Sommernacht, um der Gefangenschaft zu entgehen.
Der Papst floh nach Lyon, wo er 1245 eine Synode zusammenberief, auf der Friedrich abermals gebannt und abgesetzt wurde. Friedrich kämpfte wie ein Mann; aber die Menschen waren noch dumm, und man band ihm überall die Hände. Besonders die deutschen Fürsten zeigten sich dem edlen großen Kaiser gegenüber so niedrig, so unendlich klein! Elende Pfaffenknechte. Nur in der Schweiz schlugen ihm treue Herzen trotz Bann und Interdikt. Mehrere Kantone sandten ihm Hilfstruppen, und Luzern und Zürich hielten zu ihm bis zuletzt.
Kaiser Friedrich starb an päpstlichem Gift. Innozenz jubelte; nun stand ihm der Weg nach Rom wieder offen. Er zog ab und bedankte sich bei den Lyonesern für die gute Aufnahme. Diese hatten aber keine Ursache, sich beim Papst zu bedanken, denn Kardinal Hugo sagt in seinem Abschiedsschreiben mit echt päffischer, zynischer Unverschämtheit: "Wir haben Euch, Freunde, seit unserer Anwesenheit in dieser Stadt einen wohltätigen Beitrag gestiftet. Bei unserer Ankunft trafen wir kaum drei bis vier Huren; bei unserem Abzug hingegen überlassen wir Euch ein einziges Hurenhaus, welches sich vom östlichen bis zum westlichen Tor durch die ganze Stadt verbreitet." Lyon hatte demnach Ähnlichkeit mit einer deutschen, katholischen Hauptstadt, von welcher ihr König dasselbe sagte und welche Papst Pius VI. "Deutsch Rom" nannte.
Innozenz IV. verlieh den Kardinälen als Auszeichnung rote Hüte. Auf ihn folgte eine Reihe unbedeutender Päpste. Urban IV., der Sohn eines Schuhflickers, stiftete das Fronleichnamsfest zu Ehren der Hostie oder vielmehr des Abendmahls. Eine verrückte Nonne hatte ein Loch im Mond gesehen, und das flickte der päpstliche Schuhflicker mit einem neuen Kirchenfest aus.
Martin V., ein Franzose, war ein erbitterter Feind der Deutschen. Er wünschte, "dass Deutschland ein großer Teich, die Deutschen lauter Fische und er ein Hecht sein möchte, der sie auffresse wie der Storch die Frösche".
Die Hohenstaufen erlagen im Kampf mit dem Papsttum. Die Habsburger nahmen sich ein warnendes Exempel daran; sie spielten daher lieber mit ihm unter einer Decke und zogen nun dem armen Volk vereinigt das Fell über die Ohren. Aus diesem Grund werden auch beide gleiche Dauer haben.
Innozenz V. war der erste Papst, der im Konklave gewählt wurde. Sein Vorgänger Gregor X. hatte nämlich befohlen, dass nach seinem Tod sämtliche Kardinäle in ein Zimmer geschlossen werden sollten, welches für jeden eine besondere Zelle und keinen anderen Ausgang hatte als zum Abtritt. Jeder Kardinal hatte nur einen Diener bei sich. Das Zimmer durfte nicht verlassen werden, bis ein neuer Papst gewählt war. War dies nach drei Tagen nicht geschehen, so erhielt jeder der Kardinäle in den folgenden vierzehn Tagen nur ein Gericht und nach dieser Zeit nur Brot, Wein und Wasser. Diese Hungerkur beförderte merklich den Verkehr mit dem Heiligen Geist!
Unter der Kirchenherrschaft von Nikolaus IV. (1288-1292) regierte über Tirol der wackere Graf Meinhard. Dieser hielt die liederlichen Pfaffen gehörig im Zaum und zog sich dadurch den Zorn des Papstes zu, der ihn in den Bann tat. Meinhard verteidigte sich wacker; er sagte: "Ich bin nicht der Angreifer, sondern meine Bischöfe, die keine Hirten, sondern Wölfe sind. Statt zu lehren, suchen sie sich nur zu bereichern, Bastarde in die Welt zu setzen, zu tafeln und zu zechen. Weidet man so die Schafe Christi? Sie nehmen gerade umgekehrt das Wort: 'Gebet ihnen den Rock'; sie nehmen auch noch den Mantel und sind schlimmer als Juden, Türken und Tataren. Sie blenden das Volk durch Zeremonien, und es genügt ihnen nicht, die Schafe zu melken und zu scheren; sie schlachten sie."
Coelestin V. wurde aus einem einfältigen Eremiten ein noch einfältigerer Papst, und als Kardinal Caetani eines Nachts durch ein versteckt angebrachtes Sprachrohr in sein Schlafzimmer schrie: "Coelestin, Coelestin, Coelestin! - lege dein Amt nieder, denn diese Last ist dir zu schwer", glaubte der Dummkopf, der liebe Gott würdige ihn einer persönlichen Unterredung, und dankte ab.
Kardinal Caetani trat als Bonifazius VIII. (1295-1303) an seine Stelle. Auf einem kostbar aufgezäumten Schimmel, der von den Königen von Apulien und von Ungarn geführt wurde, ritt er zur Krönung. Nach der Rückkehr aus der Kirche, bei welcher Gelegenheit vierzig Menschen im Gedränge selig gedrückt wurden, tafelte er öffentlich, und die beiden Könige standen als Bediente hinter seinem Stuhl und warteten ihm auf.
Den neuen Papst verdross es sehr, dass viele die Abdankung Coelestins als ungültig betrachteten, der überall als Heiliger angestaunt wurde. Um der Sache ein Ende zu machen, ließ ihn Bonifaz einfangen. Der arme heilige Waldesel bat fußfällig, ihn doch wieder in seine Höhle zurückkehren zu lassen; aber all sein Flehen war umsonst. Er wurde auf dem festen Schloss Fumone in ein enges Behältnis eingesperrt, wo er so wenig zu essen bekam, wie er nur immer wollte, so dass er kläglich verhungerte.
Dieser Bonifazius war ebenso stolz wie Gregor VII. und Innozenz III. In einer Bulle von 1294 sagte er: "Wir erklären, sagen, bestimmen und entscheiden hiermit, dass alle menschliche Kreatur dem Papst unterworfen sei und dass man nicht selig werden könne, ohne dies zu glauben."
Dieser ungemessene Stolz musste ihn sehr bald in feindselige Berührung mit stolzen weltlichen Monarchen bringen. Philipp IV. der Schöne, von Frankreich geriet mit Bonifaz auf das heftigste zusammen. Aber der König war kein Heinrich IV., seine Großen keine Deutschen und der Papst kein Hildebrand. Er schrieb zwar an Philipp: "Bischof Bonifaz an Philipp, König von Frankreich. Fürchte Gott und halte seine Gebote! Du sollst hiermit wissen, dass du uns im Geistlichen und Weltlichen unterworfen bist. - Wer anders glaubt, den halten wir für einen Ketzer."
Hierauf antwortete ihm der von seinem Parlament wacker unterstützte Philipp: "Philipp, von Gottes Gnaden, König von Frankreich an Bonifaz, der sich für den Papst ausgibt, wenig oder gar keinen Gruß! Du sollst wissen, Erzpinsel (maxima Tua Fatuitas), dass wir in weltlichen Dingen niemandem unterworfen sind. Andersdenkende halten wir für Pinsel und Wahnwitzige."
Wie jämmerlich erscheint dagegen König Erich von Dänemark, welcher, mit Bann und Interdikt bedroht, schreibt: "Erbarmen, Erbarmen! Was haben meine Schafe getan? Alles was Ew. Heiligkeit mir auferlegen, will ich tragen. - Rede, dein Knecht höret."
Der stolze "Erzpinsel" wurde aber bitter gedemütigt. Philipps Abgesandter, Nogaret, verbunden mit Sciarra Colonna, gegen dessen Familie der Papst die unerhörtesten Grausamkeiten begangen hatte, überfielen ihn in seinem Schloss Anagni und nahmen ihn gefangen. "Willst du die Tiara abtreten, die du gestohlen hast?" schnob ihn der wütende Colonna an. Bonifaz antwortete hochmütig. Da loderte der Zorn des schwer misshandelten römischen Edelmannes hoch auf, er schlug den Papst ins Gesicht und schrie: "Willst du das Maul halten, Höllensohn! alter Sünder!" Mit Mühe hielt Nogaret den Wütenden zurück, dass er seine Rache nicht vollends befriedigte und dem sechsundachtzig jährigen Bösewicht, der Seelenstärke genug hatte, Colonna zuzurufen: "Hier ist der Hals und hier das Haupt!"
Darauf setzte man den Vizegott auf ein Pferd ohne Sattel und Zaum, das Gesicht dem Schwanz zugekehrt, und brachte ihn in ein elendes Gefängnis, wo er, aus Furcht vergiftet zu werden, drei Tage und drei Nächte lang nichts genoss, als ein wenig Brot und drei Eier, welche ihm ein altes Mütterchen zusteckte. - Man möchte Mitleid haben mit dem alten Manne; aber er war ein alter Bösewicht, und man denke an den armen Coelestin, den er verhungern ließ.
Das Volk zu Anagni befreite Bonifaz und brachte ihn im Triumph nach Rom. Aber die erlittene Demütigung hatte den stolzen alten Mann wahnsinnig gemacht. Er befahl seinen Dienern, sich zu entfernen, und schloss sich in seinem Zimmer ein. Am Morgen fand man ihn tot. Sein weißes Haar war mit Blut befleckt; vor seinem Mund stand Schaum, und der Stock, den er in der Hand hielt, war von seinen Zähnen zernagt.
So endet Bonifaz VIII., wie man vorhergesagt hatte: "Er wird sich einschleichen wie ein Fuchs, regieren wie ein Löwe und sterben wie ein Hund."
Er starb wie ein Hund und lebte wie ein Schwein. Er erklärte öffentlich, dass Hurerei, Ehebruch und Unzucht gar keine Sünde sei, weil Gott Weiber und Männer dazu gemacht habe. Er lebte mit einer verheirateten Frau und mit ihrer Tochter zu gleicher Zeit und missbrauchte seine Pagen zu unnatürlicher Wollust, so dass sich diese untereinander die "Huren des Papstes" nannten.
Was von seinem Glauben zu halten ist, ergibt sich aus folgenden Äußerungen, deren ihn Philipp gegen Clemens V. beschuldigt: Gott lasse es mir wohlgehen auf dieser Welt, nach der anderen frage ich nicht so viel, als nach einer Bohne. - Die Tiere haben so gut Seelen wie die Menschen. - Es ist abgeschmackt, an einen und an einen dreifachen Gott zu glauben. An Maria glaube ich so wenig als an eine Eselin und an den Sohn so wenig als an ein Eselsfüllen. Maria war eine Jungfrau, wie meine Mutter eine war. - Sakramente sind Possen usw.
Philosophen und andere Freigeister haben dergleichen Gedanken wohl schon öfters ausgesprochen; allein im Mund eines Papstes klingen sie umso seltsamer, als die Inquisition Tausende wegen weit unbedeutenderer Ausdrücke verbrennen ließ. - Clemens V. erklärte Bonifaz jedoch für einen frommen, katholischen Christen und nun wissen wir doch, wie ein solcher beschaffen sein muss, um den Päpsten zu gefallen.
Bonifaz VIII. ist derjenige Papst, welcher das Jubeljahr erfand. Er war auch der erste Papst, der ein Wappen führte und der auf die Tiara oder päpstliche Mütze eine zweite Krone setzte. Früher trugen die römischen Bischöfe die sogenannte phrygische Mütze der Priester der Kybele, Mitra genannt. Ein Bischof, Hormidas, setzte die von König Chlodwig erhaltene Krone hinzu. Die dritte Krone kam erst mit Johann XXII. oder mit Benedikt XII. auf die päpstliche Narrenkappe.
Mit Clemens V. begann die sogenannte babylonische Gefangenschaft der Päpste (von 1305-1374). König Philipp der Schöne fand es nämlich vorteilhaft, die Päpste für seine Zwecke bei der Hand zu haben, und verleitete sie durch allerlei Lockungen, ihren Sitz in Avignon zu nehmen, wo sie siebzig Jahre lang residierten. Sie waren hier völlig abhängig von den französischen Königen, lebten aber unter dem Schutz derselben dafür auch weit sicherer als in Rom. Sie beschäftigten sich in ihrem Exil damit, neue Geldprellereien zu ersinnen und das umliegende Land durch ihre eigene und die Sittenlosigkeit ihres Hofes zu demoralisieren.
Nach dem Zeugnis der geachtetsten Geschichtsschreiber stammt die spätere große Sittenlosigkeit in Frankreich hauptsächlich von dem siebzigjährigen Aufenthalt der Päpste in Avignon her.
Clemens V. trat ebenso fest wie Bonifazius, nur nicht so heftig und deshalb klüger auf, wodurch er auch mehr gewann. In dem deutschen Kaiser Heinrich VII., dem Luxemburger, würde wahrscheinlich ein Feind des Papsttums gleich Friedrich II. erwachsen sein, wenn er nicht, wie man es in Russland nennt, gestorben worden wäre. Der Dominikaner Bernard von Montepulciano, so erzählt man, reichte ihm eine vergiftete Hostie und der Kaiser war zu religiös, um dem Rat seines Arztes zu folgen und ein Brechmittel zu nehmen. So starb er denn an seiner Frömmigkeit.
Das größte Schanddenkmal hat sich Clemens V. durch den nichtswürdigen Prozess gegen den Ritterorden der Tempelherren und den Justizmord der unglücklichen Ritter gesetzt. Er war freilich nur die Katze, welche ihre heiligen Pfoten Philipp dem Schönen lieh, um für ihn die Kastanien aus dem Feuer zu langen. Die Sittenverderbnis unter den Tempelherren war allerdings groß; allein waren etwa die anderen geistlichen Herren und die Päpste selbst reiner?
Übrigens würde ihre Sittenlosigkeit den Tempelherren schwerlich den Hals gebrochen haben; ihr Verbrechen war es, vernünftigere und freiere Religionsansichten zu haben als der andere Kuttenpöbel, und dann - waren sie ungeheuer reich. Indem man ihnen den Prozess machte, schlug man, wie man zu sagen pflegt, "zwei Fliegen mit einer Klappe".
Johann XXII., eines Schuhflickers Sohn, war schon ein Schuft und Betrüger, ehe er den Päpstlichen Stuhl bestieg, und auf demselben vervollkommnete er sich noch in seinen Spitzbubentugenden. Ich habe schon im vorigen Kapitel Erbauliches von ihm berichtet und füge nur noch weniges hinzu.
Er lag in beständigem Streit mit dem deutschen Kaiser Ludwig dem Bayern und dem König von Frankreich. Ersterer wehrte sich zwar tüchtig, "kuschte" aber doch zuletzt, denn "er hatte zwei Seelen, eine kaiserliche und eine bayerische".
Philipp der Schöne aber ließ dem übermütigen Papst sagen, "er werde ihn als Ketzer verbrennen lassen". Leider ist das nicht geschehen; er starb 90 Jahre alt. Er hinterließ außer seinen 33 Millionen, welche die Kirche verdaute, die bekannte schöne Hymne: "Stabat mater dolorosa".
Sein Nachfolger Benedikt XII. war ein herzensguter Mann und man kann ihm weiter nichts zur Last legen, als dass er Papst war. Aber selbst diesen Fehler suchte er nach besten Kräften zu mildern, indem er wenigstens erklärte, "ein Papst habe keine Verwandte", wodurch er seine Vorgänger und Nachfolger beschämte, welche ihre "Neffen" usw. nicht reich genug beschenken konnten. Hohe Personen hielten um seine Nichte an; aber er sagte: "Für ein solches Ross schickt sich nicht solch ein Sattel", und gab sie einem Kaufmann aus Toulouse.
Clemens VI., der Benedikt XII. folgte, war nach dem Ausdruck eines gleichzeitigen Geschichtsschreibers "höchst ritterlich und nicht sehr fromm", welches Letztere man wohl von mehreren "Heiligen Vätern" sagen konnte. Er benahm sich sehr hochmütig gegen Kaiser Ludwig und hatte leichtes Spiel mit dessen Gegner, dem "Pfaffenkönig" Karl IV. Obwohl er selber sehr locker lebte, so hielt er es doch für nötig, die höhere Geistlichkeit wegen ihres liederlichen Lebenswandels abzukanzeln und sagte den Herren unter anderem in seiner Strafpredigt: "Ihr wütet wie eine Herde Stiere gegen die Kühe des Volkes!"
Clemens war sehr prachtliebend, und mit unerhörtem Pomp krönte er Don Sanchez, den zweiten Sohn des Königs von Kastilien, zum König der glücklichen Inseln, wie damals die kanarischen hießen. Beim Krönungszug kam als üble Vorbedeutung ein Platzregen, welcher Papst und König bis auf die Haut durchnässte; und in der Tat wurde auch das Königreich zu Wasser, denn die kühnen Normannen hatten es in Besitz genommen und hielten es fest.
Mit diesem Sanchez hatte Clemens große Absichten. Er versprach ihn an die Spitze eines Kreuzzuges zu stellen und ihm den Titel "König von Ägypten" zu geben. Der Prinz war außer sich vor Dankbarkeit und rief: "Nun, so mache ich Ew. Heiligkeit zum Kalifen von Bagdad!" - So erzählt uns der berühmte Dichter Petrarca.
Philipps des Schönen Beispiel hatte den Päpsten böse Früchte getragen, denn die Kraft des Banns fing an zu erlahmen. Das fühlte Urban V. Ein Erzbischof weigerte sich, einen Mönch zu ordinieren, der ihm von seinem Landesherrn, Bernabò Visconti von Mailand, empfohlen war. Dieser gottlose Mensch ließ den Erzbischof zitieren und sagte zu ihm: "Weißt du nicht, du alter Hurer, dass ich König, Papst und Kaiser in meinem eigenen Reich bin!" Für dieses ungeheure Verbrechen tat ihn Urban in den Bann und belegte sein Land mit dem Interdikt!
Als die Legaten des Papstes die Bannbulle nach Mailand brachten, führte sie Visconti samt ihrem Wisch auf die Navigliobrücke und fragte sie sehr ernsthaft: "Wollt Ihr essen oder trinken?" Die Legaten sahen mit sehr langen Gesichtern auf den Fluss und verlangten höchst kleinmütig zu essen. "Nun, so fresst den Wisch da!" - Die Herren Legaten fraßen.
Gregor XI. verlegte die Statthalterei Gottes wieder nach Rom. Ich habe schon früher bemerkt, welche demoralisierenden Folgen die Residenz der Päpste für Avignon und Frankreich überhaupt hatte. Geschichtsschreiber jener Zeit können von der dort herrschenden Unzucht nicht genug erzählen, und die meisten Dinge verschweigen sie aus Schamgefühl.
Ein schönes Papstexemplar war Urban VI. (1378-1389), doch war er mehr Tiger als Affe. Seine Grausamkeit war empörend. Fünf Kardinäle, die nicht für ihn gestimmt hatten, und mehrere Prälaten ließ er fürchterlich foltern und dann teils in Säcke stecken und ins Meer werfen, teils lebendig verbrennen, erdrosseln oder enthaupten. Einen sechsten Kardinal, der von der Tortur so elend war, dass er nicht fortkonnte, ließ er unterwegs erwürgen. Als die Kardinäle zur Tortur abgeführt wurden, sagte der Statthalter Gottes zum Henker: "Martere so, dass ich Geschrei höre." Dabei ging er in seinem Garten spazieren und las in seinem Brevier.
Die Leichen von zwei Kardinälen ließ dieser Henkerpapst in Öfenaustrocknen und dann zu Staub zerstoßen. Dieser Staub wurde auf seinenBefehl in Säcke getan und nebst den roten Hüten der Kardinäle auf seinenReisen auf Maulesel vor ihm hergeführt, anderen als schrecklichesExempel!
Zu Ende des 14. und am Anfang des 15. Jahrhunderts finden wir immer wenigstens zwei, meistens drei Päpste zugleich, die jeder von den verschiedenen Parteien als die echten Statthalter Gottes betrachtet wurden.
Ich habe es herzlich satt, die scheußlichen Handlungen der Menschen zu berichten, welche den Namen "Statthalter Gottes" zum schändlichsten Hohn machten; allein ich müsste vollends ermüden, wenn ich die Schandtaten und Verbrechen dieser verschiedenen Gegenpäpste berichten sollte. Man durchwandere einen Bagno oder irgendein Zuchthaus und lasse sich von jedem der Sträflinge erzählen, welche Verbrechen er begangen hat, so wird man doch ein nur unvollkommenes Verzeichnis der Verbrechen haben, welche von den Päpsten dieser Periode begangen wurden.
Das böse Beispiel der Päpste und überhaupt der Geistlichkeit hatte die übelsten Folgen. Von der Zügellosigkeit, welche damals unter dem Volk, namentlich aber unter den höheren Ständen herrschte, hat man heutzutage kaum einen Begriff, so sehr man auch über die Sittenverderbnis der jetzigen Zeit klagt. Alle Gesetze der Moral und der Sitte waren durch die Liederlichkeit der Pfaffen aufgelöst. Die Notwendigkeit einer Beendigung dieses Zustandes wurde von allen gefühlt, in denen noch das Gefühl für das Gute lebte, und man kam dahin überein, auf einem großen Konzil vorerst die Ordnung in der Kirche wiederherzustellen.
Dies Konzil wurde 1414 zu Konstanz gehalten und ist eines der glänzendsten, die jemals stattgefunden haben. Man sah auf demselben nächst einem Papst und dem Kaiser alle Kurfürsten, 153 Fürsten, 132 Grafen, über 700 Freiherrn und Ritter, 4 Patriarchen, 29 Kardinäle, 47 Erzbischöfe, 160 Bischöfe, über 200 Äbte, ein Heer von Mönchen, Geistlichen jeder Art und Rechtsgelehrten und - die gewöhnliche Begleitung des päpstlichen Hofes, gegen 1000 öffentliche Dirnen, die privatim unterhaltenen und heimlichen gar nicht mitgerechnet.
Drei Päpste stritten sich um die Tiara: Johann XXIII., ein Gregor und ein Benedikt. Johann war dreist genug, auf dem Konzil zu erscheinen, allein als man ernstlich daran ging, seinen Lebenslauf zu mustern, hielt der Heilige Vater es für geratener, als Postknecht verkleidet, mit Hilfe des Herzogs Friedrich von Tirol zu entfliehen.
Man hatte seine Verbrechen in 70 Artikeln zusammengefasst und gab sie dem Heiligen Vater zur Durchsicht. Er äußerte aber kein Verlangen, sein Sündenregister zu lesen und versuchte lieber das Konzil durch seine Flucht zu sprengen, was aber misslang. Johanns Taten wurden öffentlich verlesen, das heißt nur 54 Artikel davon, da man sich schämte, die anderen vor aller Welt auszusprechen. 37 Zeugen bewiesen, dass Johann nicht nur Hurerei, Ehebruch, Blutschande, Sodomiterei, Simonie, Freigeisterei, Räuberei und Mord verschuldet, sondern auch 300 Nonnen verführt oder genotzüchtigt und sie dann zum Lohn zu Äbtissinnen und Priorinnen gemacht habe.
Sein eigener Sekretär, Niem, erzählt, dass der Papst zu Bologna einen Harem von 200 Mädchen unterhalten habe. Auch beschuldigt man Johann, seinen Vorgänger Clemens V. vergiftet zu haben.
Johann wurde abgesetzt. Gregor dankte freiwillig ab; aber der alte Benedikt spielte in einem Winkel Spaniens, wohin er geflohen war, den Vizegott; allein niemand kehrte sich an seine Bannflüche. Endlich ließ der neuerwählte Papst, Martin V., den neunzigjährigen Benedikt vermittelst Gift aus dem Weg räumen.
Unbegreiflich ist es, wie dieser in Wollust aller Art sich wälzende Heilige Vater ein so hohes Alter erreichen konnte. Berühmte Kanzelprediger predigten öffentlich gegen sein abscheuliches Leben, und einer derselben sagte: "J'aime mieux baiser le derrière d'une vielle maquerelle, qui aurait les hemmoroîdes, que la bouche de ce Pape là!"
Das Konzil von Konstanz verurteilte Jan Hus und Hieronymus von Prag alsKetzer zum Feuertod und verursachte dadurch blutige Kriege; aber derZweck des Konzils, eine Reformation an Haupt und Gliedern der Kirche,wurde nicht erreicht.
Im Jahr 1418 gingen die Herren Reformatoren auseinander. Die Stadt Konstanz hatte vier Jahre lang einen schönen Verdienst durch die 100.000 Fremden mit 40.000 Pferden, die sie so lange beherbergen musste. Für ihr gutes Verhalten erhielt die Bürgerschaft vom Kaiser unschätzbare Belohnungen, die ihn nichts kosteten, nämlich das Recht, eine vierzehntägige Messe zu halten, mit rotem Wachs zu siegeln, im Felde eigene Trompeter zu halten und auf ihr Banner - einen roten Schwanz zu setzen, der sie vielleicht an die vielen Kardinäle erinnern sollte; ich bin nicht bewandert genug in der Heraldik, um die Bedeutung dieses seltsamen Wappenvogels zu erklären. Der Bürgermeister wurde zum Ritter geschlagen, da das kleine Geld der Fürstengunst, die Orden, noch nicht üblich waren.
Von Eugen VI., Calixt III. und Pius II., der sich schminkte und eine Krone trug, die 200.000 Dukaten wert war; ebenso von dem schändlichen Meuchelmörder Sixtus IV., der in Rom die ersten öffentlichen Bordelle anlegte und jeden seiner Kardinäle auf die Erwerbnisse von 20-30 Huren anwies; der für Geld die Erlaubnis erteilte, bei der Frau eines Abwesenden die Stelle des Mannes zu vertreten; der mit seiner Schwester einen Sohn zeugte, seine beiden Söhne zu unnatürlicher Wollust missbrauchte und unendlich viele andere Schandtaten beging: von allen diesen Päpsten schweige ich, obgleich ihre Geschichte gewiss sehr lehrreich und erbaulich sein würde.
Innozenz VIII. (1484-1492) sorgte mit väterlicher Zärtlichkeit für seine Kinder und scharrte unendlich viel Geld zusammen. Doch das taten alle Päpste. Er zeichnete sich nur noch durch seine Sündentaxordnung aus, die in 42 Kapiteln 500 Taxansätze enthielt. Ich habe schon früher davon gesprochen; hier nur noch einige Beispiele aus diesem Schanddokument: Begeht ein Geistlicher vorsätzlich einen Mord, so zahlt er nach Reichswährung zwei Goldgulden acht Groschen. Vater-, Mutter-, Bruder- und Schwestermord ist taxiert zu ein Gulden zwölf Groschen! Wollte aber ein Ketzer absolviert werden, so hatte er vierzehn Gulden acht Groschen zu bezahlen. Eine Hausmesse in einer exkommunizierten Stadt kostete vierzig Gulden.
Dieser Papst Innozenz VIII. widmete dem Hexenwesen ganz besondere Aufmerksamkeit und kann als der Begründer der Hexenprozesse betrachtet werden, welche so vielen armen alten und jungen Weibern das Leben kosteten. In der abgeschmackten Bulle, die er hierüber erließ, faselt er von bösen Geistern, die sich auf den Menschen, und solchen, die sich unter ihn legen!
Alexander VI. (1492-1502) war der Nachfolger von Innozenz, und obwohl er nicht schlechter und lasterhafter war als viele seiner Vorgänger, so sind doch seine Handlungen mehr bekannt geworden als die anderer Päpste, und er gilt gewöhnlich als die Quintessenz päpstlicher Schlechtigkeit.
Er war in Valencia geboren und hieß ursprünglich Rodrigo Langolo; aber sein Vater veränderte seinen Namen in Borgia. Rodrigo studierte, wurde dann aber Soldat und verführte eine Witwe namens Vanozza und ihre beiden Töchter. Von einer derselben hatte er vier Söhne: Juan, Cesare, Pedro Luis und Jofré, und eine Tochter Lucrezia.
Sein Oheim, Alfons Borgia, wurde unter dem Namen Calixtus III. Papst, und Rodrigo begab sich schleunigst nach Rom. Der Papst überschüttete seinen Neffen mit Würden und Geschenken und machte ihn endlich zum Kardinal. Nun richtete derselbe seine Augen auf die päpstliche Krone. Als Innozenz VIII. starb, bestach er von 27 Kardinälen 22 durch Versprechungen und wurde Papst. Als er sein Ziel erreicht hatte, ermahnte er die bestechlichen Kardinäle zur Besserung und räumte sie als ihm unbequem allmählich durch päpstliche Hausmittelchen aus dem Wege.
Für das Schicksal seiner Kinder war Alexander VI. auf das zärtlichstebedacht. Er verheiratete sie alle vortrefflich und sorgte für ihrFortkommen. Cesare Borgia wurde zum Kardinal gemacht und hatte dieFreude, seinen Bruder Jofré mit Sancha, der Tochter des Königs KarlVIII. von Frankreich zu verheiraten, der noch weit größere Opfer bringenmusste, um den Papst zu bewegen, seine Absichten auf das KönigreichNeapel zu unterstützen. Karl musste unendlich viele Dukaten opfern, dennGeld war bei Alexander VI. die Losung.
Um Geld zu erlangen, verschmähte dieser Papst kein Mittel. Einen Beweis für seine Handlungsweise liefert sein Betragen gegen den unglücklichen Prinzen Cem. Dieser hatte sich gegen seinen Bruder, den Sultan Bayezit, empört, war gefangen und dem Papst Innozenz gegen ein Jahrgeld von 40.000 Dukaten zur Aufbewahrung anvertraut worden. Um Geld zu gewinnen, ließ Alexander VI. dem Sultan weismachen, dass Karl VIII., wenn er Neapel erobert habe, gegen ihn ziehen wolle und sich bereits seinen Bruder Cem erbeten habe, um ihn an die Spitze des Unternehmens zu stellen. Zugleich erbat sich Alexander die fälligen 40.000 Dukaten.
Der wirklich besorgte Sultan schickte gleich 50.000 und schrieb an den "ehrwürdigen Vater aller Christen", so nannte er Alexander, einen sehr freundschaftlichen Brief, in welchem er ihn aufmuntert, "seinen Bruder sobald als möglich von dem Elend dieser Welt zu befreien und ihm zu einem glücklichen Leben zu verhelfen". Wenn der Papst diese seine Bitte erfüllen wolle, so verspreche er ihm feierlich und eidlich 300.000 Dukaten, die kostbare Reliquie des Leibrocks Christi und ewige Freundschaft.
Alexander wollte aber noch mehr Nutzen aus dem Heiden ziehen, der in seinem Gewahrsam war; er lieferte ihn Karl VIII. für 20.000 Dukaten aus, aber bereits mit einem Trank im Leib, der ihn in Mohammeds Paradies beförderte. Einer der Geschichtsschreiber sagt: "Er starb an einer Speise oder einem Trank, die ihm nicht gut bekam." - Bayezit war ebenso ehrlich wie der Papst und zahlte mit Freuden das Blutgeld.
Alexander erhob seinen ältesten Sohn Juan, Herzog von Gandia, den er am liebsten hatte, zum Herzog von Benevent. Dies war dessen Tod, denn sein eifersüchtiger Bruder Cesare ließ ihn ermorden. Man zog den von neun Dolchstichen durchbohrten Leichnam aus dem Tiber, und die Römer sagten spottend: "Alexander ist der würdigste Nachfolger Petri, denn er fischt aus dem Tiber sogar Kinder." - Alexander war über den Tod seines Lieblings außer sich; aber er vergab Cesare den kleinen Mord sehr bald und übertrug auf diesen würdigsten Sprössling all seine väterliche Zärtlichkeit.
Um nicht daran gehindert zu sein, durch Heirat zur Macht zu gelangen, verließ der Kardinal Cesare Borgia den geistlichen Stand - ein bis dahin nie vorgekommener Fall, - wurde von dem Könige von Frankreich zum Herzog von Valence in der Dauphiné ernannt und heiratete bald darauf eine Tochter der Königin von Navarra.
Seine anderen Kinder vergaß der zärtliche Vater aber auch nicht.Lucrezia hatte schon viel herumgeheiratet, als sie an Alfons, Herzog vonBisceglia, gelangte, der aber ermordet wurde und einem Prinzen vonFerrara Platz machen musste.
Die päpstliche Familie führte ein äußerst gemütliches Familienstilleben. Die Brüder und der Vater schliefen abwechselnd bei der schönen Lucrezia, und der Letztere hatte die Freude, ihr einen Sohn zu erzeugen, der Rodrigo genannt wurde und welcher demnach der Bruder seiner Mutter und der Sohn und Enkel seines glücklichen Vaters war, der das Wunderkind zum Herzog von Sermonata machte.
Die italienischen Fürsten, welche von dem Heiligen Vater und seinem Sohn Cesare auf das schamloseste geplündert wurden, vereinigten sich gegen diese Ungerechtigkeiten, allein sie wurden fast sämtlich gegen ihre bessere Überzeugung zur Seligkeit befördert. Ein halbes Dutzend von ihnen besorgte Cesare zur Ruhe und einen andern der Herr Papa.
Cesare würde sich wahrscheinlich unter dem Schutze seines HeiligenVaters ein ganz artiges Reich zusammengeraubt haben, wenn dieserMusterpapst nicht aus Versehen gestorben wäre. Das ging auf folgendeWeise zu.
Alexander hatte die Gewohnheit, solche reiche Leute, die er gern beerben wollte, in die bessere Welt zu befördern, und eins seiner Lieblingsmittel dazu war Gift, welches er höchst gemütlich "Requiescat in pace" nannte. - Der Kardinal Corneto, ein unchristlich reicher Mann, sollte so beruhigt werden und wurde zu diesem Zweck vom Papst zum Abendessen geladen. Durch ein Versehen reichte ein Diener dem Papst den "in der Hölle gewürzten" für den Kardinal bestimmten Wein, und dieser endete am andern Tag sein heiliges Leben im 72. Lebensjahre. Cesare, der auch von dem vergifteten Wein getrunken, hatte ein volles Jahr daran zu verdauen.
Mit den Schandtaten dieses Papstes könnte man ein ganzes Buch füllen, aber ich will den Lesern nur einige mitteilen.
Von der Macht und der Stellung der Päpste hatte Alexander die höchsten Begriffe, denn er sagte: "Der Papst steht so hoch über dem König wie der Mensch über dem Vieh", und mit der Religion, welche damals die christliche hieß, war er vollkommen zufrieden, denn er äußerte: "Jede Religion ist gut, die beste aber - die dümmste", und es würde schwer geworden sein, etwas Dümmeres als das Christentum der römischen Kirche jener Zeit aufzufinden. Alexander selbst hatte gar keine Religion.
Höchst originell ist eine Unterredung, welche der gelehrte Prinz Piko di Mirandola mit dem Papst nach der Niederkunft der Lucrezia mit Rodrigo hatte. Alexander fragte ihn: "Kleiner Piko, wen hältst du für den Vater meines Enkels?"
"Nun, Ihren Schwiegersohn!", nämlich den für impotent bekannten Alfons.
"Wie kannst du das glauben?"
"Der Glaube, Ew. Heiligkeit, besteht ja darin, Unmögliches zu glauben", und nun kramte der Prinz eine solche Menge geglaubter Unmöglichkeiten aus, dass der Heilige Vater sich beinahe vor Lachen ausschüttete.
"Ja, ja", sagte der Papst, "ich fühle wohl, dass ich nur durch Glauben, nicht aber durch meine Werke selig werden kann."
"Ew. Heiligkeit", antwortete der Prinz, "haben ja die Schlüssel desHimmelreichs; aber ich, - wie ginge es mir dort, wenn ich bei meinerTochter geschlafen, mich des Dolchs und der Cantarella (Gift) so oftbedient hätte!"
"Ernsthaft, sage mir", fuhr der Papst fort, "wie kann Gott am Glauben Vergnügen finden? Nennen wir nicht den, der da sagt, er glaube was er unmöglich glauben kann, einen Lügner?"
"Großer Gott!" rief der Prinz und schlug ein Kreuz, "ich glaube, Ew.Heiligkeit sind kein Christ!"
"Nun, ehrlich gesprochen, ich bin's auch nicht."
"Dacht' ich's doch!" sagte der Prinz, und damit endete die seltsamste Unterredung, die wohl je zwischen einem Papst und einem Laien stattgefunden hat.
Die Liederlichkeit Alexanders lässt sich in unserer keuschen Sprache nicht wohl beschreiben; sie kommt nur der Cesare Borgias und seiner Schwester Lucrezia gleich. Alle Abarten der Wollust, welche wir Deutschen meistens nicht einmal dem Namen nach kennen und welche von den früheren Päpsten einzeln getrieben wurden, dienten diesem Papst gewordenen Priap zur Unterhaltung.
Burckard, der Zeremonienmeister Alexanders VI., hat in seinem Diarium das Leben am päpstlichen Hofe geschildert, und die üppigste Phantasie kann nichts erdenken, was hier nicht getrieben wurde. Burckard sagt: "Aus dem apostolischen Palast wurde ein Bordell, und ein weit schandvolleres Bordell, als je ein öffentliches Haus sein kann."
"Einst wurde", so erzählt Burckard, "auf dem Zimmer des Herzogs von Valence (Cesare Borgia) im apostolischen Palast eine Abendmahlzeit gegeben, bei welcher auch fünfzig vornehme Kurtisanen gegenwärtig waren, die nach Tische mit den Dienern und anderen Anwesenden tanzen mussten, zuerst in ihren Kleidern, dann nackend. Darauf wurden Leuchter mit brennenden Lichtern auf die Erde gesetzt und zwischen denselben Kastanien hingeworfen, welche die nackten Weibsbilder, auf allen Vieren zwischen den Leuchtern durchkriechend, auflasen, während Seine Heiligkeit, Cesare und Lucrezia zusahen. Endlich wurden viele Kleidungsstücke für diejenigen hingelegt, die mit mehreren dieser Lustdirnen ohne Scheu Unzucht treiben würden, und sodann diese Preise ausgeteilt. Diese schöne Szene fiel vor an der Allerheiligen-Viglie 1501."
Einst ließ Alexander rossige Stuten und Hengste vor sein Fenster führen und ergötzte sich mit Lucrezia an dem Schauspiel. - Dieses Weib war über alle Beschreibung liederlich, ob sie aber nach dem Papstrecht das Prädikat Hure verdient, weiß ich nicht, denn einige Glossatoren desselben haben aufgestellt, dass man nur diejenige eine wahre Hure nennen könne, die 23.000 Mal gesündigt habe!
Lucrezia genoss das unbeschränkte Vertrauen ihres Vaters. In dessen Abwesenheit erbrach sie alle Briefe, beantwortete sie nötigenfalls und versammelte die Kardinäle nach Gefallen. Man schrieb ihr folgende Grabschrift: "Hier liegt, die Lucrezia hieß und eine Thais war, Alexanders Weib, Tochter und Schwiegertochter"; Letzteres, weil einer ihrer vielen Männer ein anderer Sohn des Papstes, also ihr Halbbruder war.
Die zu jener Zeit auflebenden Wissenschaften und die immer weiter um sich greifende Anwendung der höllischen Erfindung der Buchdruckerkunst machte den Papst sehr besorgt. Er fürchtete, dass eine freie Presse dem Schandleben der Päpste ein Ende machen möchte, und hatte daher nicht Unrecht zu fürchten. Er führte daher die Bücherzensur ein, die bis auf die neueste Zeit geblieben ist und wo sie endlich vor der öffentlichen Meinung weichen musste, in die fast noch schlimmere Phase der Pressprozesse übergegangen ist, die sehr häufig im Sinne Richelieus geführt werden, der behauptete, kein Schriftsteller könne fünf Worte schreiben, ohne sich eines Verbrechens schuldig zu machen, welches ihn in die Bastille bringt. Derjenige, zu dem er dies sagte, schrieb: "Zwei und eins macht drei!" - "Unglücklicher!" rief der Kardinal, "Sie leugnen die Dreieinigkeit!" Seitenstücke dazu liefern manche moderne Pressprozesse.
Julius II. (1502-1513) gelangte ebenfalls durch List und Bestechung auf den Päpstlichen Stuhl. Er war ein tüchtiger Soldat; das ist das einzige, seltsame Lob, welches man diesem Statthalter Gottes geben kann. Er hetzte alle Fürsten gegeneinander, ließ Armeen marschieren, kommandierte sie selbst und belagerte und eroberte Städte.
Seine Gegner beriefen eine Synode nach Pisa, um dem martialischen Sohn der Kirche sein unberufenes Handwerk zu legen. Von dieser Kirchenversammlung wurde er "als Störer des öffentlichen Friedens, als ein Stifter der Zwietracht unter dem Volk Gottes, als ein Rebell und blutdurstiger Tyrann und als ein in seiner Bosheit verhärteter Mensch" aller geistlichen und weltlichen Verwaltung entsetzt.
Julius kehrte sich natürlich nicht an dieses Urteil; es erbitterte ihn nur noch mehr gegen seine Feinde und besonders gegen den vortrefflichen König von Frankreich, Ludwig XII., den er absetzte. Ganz Frankreich wurde ebenfalls mit dem Interdikt belegt; aber die aus dem Vatikan geschleuderten Blitze zündeten nicht mehr.
Julius II. handelte nach dem Ausdrucke des berühmten Geschichtsschreibers Mezeray "wie ein türkischer Sultan und nicht wie ein Statthalter des Friedensfürsten und wie ein Vater aller Christen". In den Kriegen, die er aus Rachbegierde und Blutdurst führte, verloren zweihunderttausend Menschen ihr Leben. Er starb mitten unter Vorbereitungen zu neuen Kriegen.
Er war so liederlich wie Alexander VI., und vor diesem hatte er noch voraus, dass er ein Trunkenbold war. Kaiser Maximilian I. sagte einst: "Ewiger Gott, wie würde es der Welt gehen, wenn du nicht eine besondere Aufsicht über sie hättest, unter einem Kaiser wie ich, der ich nur ein elender Jäger bin, und unter einem so lasterhaften und versoffenen Papst, als Julius ist!"
Der Zeremonienmeister dieses Papstes, de Grassis, erzählt, dass der Heilige Vater einmal so heftig von der Krankheit angesteckt war, welche der Ritter Bayard le mal de celui qui l'a nennt, dass er am Karfreitag niemand zum Fußkuss lassen konnte.
Ein ebenso liederlicher Mensch war sein Nachfolger Leo X. (1513-1521), welcher seine Erhebung zum Papst derselben Krankheit verdankte, die Julius am Fußkuss verhinderte. Als er zur neuen Papstwahl ins Konklave kam, litt er an einem venerischen Geschwür am Hintern, welches einen pestilenzialischen Geruch verbreitete. Die anderen Kardinäle, welche angesteckt zu werden fürchteten, befragten die Ärzte des Konklaves, und diese erklärten einstimmig, dass Leo gewiss bald sterben würde. Um nur baldigst von dem Gestank befreit zu werden, wählten ihn die Kardinäle zum Papst.
Leo X., ein Sprössling der berühmten Fürstenfamilie der Medicis, war ein gescheiter Mann, welcher Künste und Wissenschaften liebte und manch andere Eigenschaft hatte, die wir an einem weltlichen Fürsten recht hoch schätzen würden. Er lebte "vergnügt wie ein Papst" und kümmerte sich ebenso wenig um die Christenheit wie um Geschäfte, wenn er nicht durch seine ungeheuren Geldbedürfnisse dazu gezwungen war.
Er soll während der acht Jahre seiner Herrschaft 14 Millionen Dukaten verbraucht haben, was sehr glaublich ist, da er das so leicht erworbene Geld ebenso leicht ausgab. Bei seiner Krönung verschenkte er 100.000 Dukaten. Dichter und Maler erhielten von ihm sehr bedeutende Summen; aber die guten Christen deckten das alles. Einst sagte Leo zum Kardinal Bambus: "Wie viel uns und den unsrigen die Fabel von Christo eingebracht hat, ist aller Welt bekannt."
Sein Hof war der prächtigste, den es gab, und das Geld wurde mit vollen Händen weggeworfen, wie an denen der altrömischen Kaiser. So war es denn kein Wunder, dass er trotz seines Ablasskrams noch bedeutende Schulden hinterließ.
Leo verkaufte alles, was nur Käufer fand, und sein FinanzministerArmellino war der unverschämteste Blutsauger. Einst sagte Colonna vonLetzterem. "Man ziehe diesem Schinder das Fell über die Ohren und lasseihn für Geld sehen, was mehr einbringen wird, als wir brauchen."
Leo wurde durch einen plötzlichen Tod aus seinem üppigen Leben hinweggerissen und hatte nicht einmal Zeit, die kirchlichen Sakramente zu empfangen. Dieses gab einem Dichter Veranlassung zu einem Epigramm, welches in der Übersetzung lautet: "Ihr fragt, warum Leo in der Sterbestunde die Sakramente nicht nehmen konnte? - Er hatte sie verkauft."
Leos Ablasskram, von dem ich bereits geredet habe, gab die nächste Veranlassung zur Reformation. Die Geschichte derselben ist unendlich oft geschrieben worden und befindet sich in den Händen des Volks; ich darf sie also als bekannt voraussetzen.
Die gefährliche Lage des Päpstlichen Stuhls hätte einen recht kräftigen Papst erfordert; aber Leos Nachfolger, Hadrian VI. (1521-1523), war dies durchaus nicht. Er war ein bornierter Gelehrter, mehr geeignet, "sich und die Jungens zu ennuyieren", als das lecke Schifflein Petri über Wasser zu erhalten, obwohl sein Vater Schiffszimmermann in Utrecht war.
Seiner Gelehrsamkeit wegen hatte man ihn zum Lehrer Karls V. gewählt, und als sein Zögling Kaiser war, machte man ihn zum Rektor der Universität Löwen. Luther sagt von ihm: "Der Papst ist ein Magister noster aus Löwen, da krönt man solche Esel." Man möchte geneigt sein, dies summarische Urteil zu bestätigen, wenn man liest, dass Hadrian bei den herrlichsten Kunstwerken Roms, wie Laokoon, Apoll von Belvedere usw., mit einem flüchtigen Seitenblick vorüberging, indem er sagte: "Es sind alte Götzenbilder."
Als dieser "deutsche Barbar" zu Fuß nach Rom kam, als er zu seinem Unterhalt täglich nicht mehr als zwölf Taler brauchte und - horribile dictu - Bier dem Wein vorzog, - da machten die Kardinäle sehr lange Gesichter und kamen zu der Einsicht, "dass der Heilige Geist keinen als einen Italiener verstehe".
Hadrian war ein hölzerner Pedant und viel zu ehrlich, als dass man ihn lange auf dem Päpstlichen Stuhl hätte dulden können. Die Satiriker nahmen ihn scharf mit. Der Dichter Berni charakterisierte dieses Papstes Regierung sehr ergötzlich. Die bezügliche Stelle heißt in der Übersetzung: "Eine Regierung voll Bedacht, Rücksicht und Gerede, voll Wenn und Aber, Jedennoch und Vielleicht, und Worten in Menge ohne Saft und Kraft, voll Glauben, Liebe, Hoffnung, das heißt voll Einfalt, - wird Hadrian allgemach zum Heiligen machen."
Hadrian beging ein in den Augen aller Kardinäle und Geistlichen grässliches Verbrechen; er gestand nämlich ein, dass Luther mit seinem Verlangen nach einer Reformation gar nicht so unrecht habe, indem er ehrlich genug war zu schreiben: "Gott gestattete die Verfolgung um der Sünde willen; die Sünde des Volks stammt von den Priestern, die daher Jesus auch zuerst im Tempel aufsuchte, und dann erst in die Stadt ging. Selbst von diesem unserem Heiligen Stuhl ist so viel Unheiliges ausgegangen, dass es kein Wunder ist, wenn sich die Krankheit vom Haupt in die Glieder, von Päpsten in die Prälaten gezogen hat. Wir wollen allen Fleiß anwenden, damit zuerst dieser Hof, von dem vielleicht alles Unheil ausging, reformiert werde, je begieriger die Welt solche Reformen erwartet."
So etwas war unerträglich, und Hadrian "wurde gestorben". Der Jubel derRömer bei seinem Tode war sehr groß, und sie begingen dieUnschicklichkeit, die Tür seines Leibarztes zu bekränzen und mit derInschrift zu versehen: Liberatori Patriae S.P.Q.R. (Der Senat und dasVolk Roms dem Befreier des Vaterlandes).
Damit man nicht in Versuchung kommt, das Schicksal dieses ehrlichen, gelehrten Dummkopfes gar zu sehr zu beklagen, bemerke ich, dass er fünf Jahre lang Großinquisitor in Spanien war und dort 1620 Menschen lebendig und 560 im Bildnis verbrennen ließ und 21.845 andere zu Vermögenskonfiskation, Ehrlosigkeit usw. verurteilte.
Clemens VII. (1523-1534), wieder ein Medici, folgte dem "Magister noster Esel" und verstand es besser als dieser, den Kirchenmonarchen zu spielen; aber die Reformation konnte er ebenso wenig unterdrücken. - Er hatte große Not auszustehen, denn der Konnetable Karl von Bourbon stürmte mit seinem unbezahlten Heer Rom. Der Feldherr wurde zwar bei dem Sturm erschossen, allein dies diente nur dazu, die Wut der beutelustigen Soldaten mehr anzufachen. Unter ihnen befanden sich 14.000 Deutsche unter Georg von Frondsberg, der es besonders auf den Papst abgesehen hatte und einen goldenen Strick bei sich trug, um Se. Heiligkeit damit eigenhändig in den Himmel zu befördern.
Der Papst floh in die Engelsburg, und mit Rom wurde unbarmherzig umgegangen. Die Kardinäle hatten schlimme Zeit, denn selbst die katholischen Spanier gingen hart mit ihnen um. Die Damen nahmen die Sache von der besten Seite; sie waren neugierig auf die stämmigen deutschen Landsknechte, und Geschichtsschreiber erzählen boshafterweise, dass sie es gar nicht erwarten konnten, bis das Notzüchtigen losging.
Die Soldaten raubten, wo sie etwas fanden; denn wenn die Krieger der damaligen Zeit Geld witterten, dann suspendierten sie alle Religion, stahlen und mordeten nach Herzenslust und ließen sich dann absolvieren. Die Beute belief sich an Gold, Silber und Edelsteinen auf mehr als zehn Millionen Gold, und an barem Geld, womit sich die Vornehmen ranzionieren mussten, auf eine noch größere Summe.
Ich habe da ein altes Buch von 1569 vor mir, in welchem Adam Reißner, der in Diensten Frondsbergs mit in Rom war, die tolle Wirtschaft, welche die Soldaten dort neun Monate lang trieben, sehr einfach und treuherzig beschreibt. Ich will eine Stelle daraus wörtlich hersetzen:
"Die Landsknecht haben die Cardinäls Hüt auffgesetzt, die roten langen Röck angetan, vnd sind auff den Eseln in der Statt vmbgeritten, haben also jr Kurzweil vnd Affenspiel gehalten. Wilhelm von Sandizell ist oftermals mit seiner Rott, als ein römischer Bapst, mit dreyen Kronen für die Engelburg kommen, da haben die andern Knecht in den Cardinäls Rökken irem Bapst Reverentz gethan, ire lange Röck vornen mit den Händen auffgehebt, den hindern Schwantz hinden auff der Erd lassen nachschleyffen, sich mit Haupt und Schultern tief gebogen, niederkniet, Fuß vnd Händ geküßt. Alsdann hat der vermeynt Bapst Clementen einen Trunk gebracht, die angelegte Cardinäl sind auff jren Knien gelegen, haben ein jeder ein Glaßvoll Wein außtrunken, vnd dem Bapst bescheyd gethan, darbey geschrien, Sie wollen jetzt recht fromme Bäpst vnd Cardinäl machen, die dem Keyser gehorsam, vnd nicht wie die vorige widerspenstig, Krieg vnd Blutvergiessen anrichten."
"Zuletzt haben sie laut vor der Engelsburg geschrien: Wir wöllen den Luther zum Bapst machen! welchen solchs gefallen, der soll ein Hand aufheben, haben darauff all jre Händ auffgehebt, vnd geschrien, Luther Bapst, und viel dergleichen schimpffliche lächerliche Spottreden gethan."
"Grünenwald, ein Landsknecht schrey vor der Engelsburg mit lauter stimm. Er hett lust, dass er den Bapst ein stück auß seinem Leib solt reissen, weil er Gottes, deß Keysers, vnd aller Welt Feind sey" usw.
Nachdem Papst Clemens an die Truppen noch gegen 400.000 Dukaten bezahlt hatte, ließ man ihn, als Diener verkleidet, aus der Engelsburg entwischen.
Clemens hatte kein Glück, aber auch kein Geschick. So viel hätte er mit seinem Verstand erkennen können, dass die Zeit der Innozenze vorüber war; allein er war unpolitisch genug, es mit dem despotischen Heinrich VIII. von England zu verderben, den er exkommunizierte und der sich dafür mit seinem ganze Land von Rom lossagte. Dadurch verlor der Päpstliche Stuhl den Petersgroschen, eine Abgabe, welche seit 740 von jedem englischen Hause nach Rom bezahlt wurde und die bis dahin gegen 38 Millionen Gulden eingebracht hatte.
Die Reformation machte unter diesen beiden letzten Päpsten immer weitere Fortschritte, und die 1522 auf dem Reichstage, zu Nürnberg versammelten Reichsstände erklärten: "dass sie die päpstlichen und kaiserlichen Verordnungen nicht vollstrecken lassen könnten, weil das Volk, welches den Lehren Luthers in großer Menge zugetan sei, dadurch leicht auf den Argwohn geraten könnte, als wolle man die evangelische Wahrheit unterdrücken und die bisherigen Missbräuche unterstützen, und dies könnte leicht zu Aufruhr und Empörung Anlass geben".
Die deutschen Fürsten auf dem Reichstage nahmen diesmal kein Blatt vor den Mund, und in den "hundert Beschwerden der deutschen Nation" sprachen sie geradezu von den Betrügereien der Päpste, was sie nicht einmal heutzutage wagen würden. Überhaupt sagten die Verteidiger der Reformation damals vieles sogar mit dem Beifall der Fürsten, was selbst heute in anständiger Sprache nicht gewagt werden dürfte, aus Furcht vor endlosen Pressprozessen. Man ließ Luthers "Satyren" ungehindert passieren, obwohl sie eigentlich nichts als unflätige Schimpfereien waren.
Der "Gottesmann Lutherus" zeigte wenig Respekt vor Päpsten oder Fürsten, wenn es die Verteidigung seiner Sache galt. Er ging mit ihnen um, als ob sie Bettelbuben gewesen wären, und sagte sowohl dem König von England als dem Herzog Georg von Sachsen auf das allerderbste Bescheid. Den Herzog von Braunschweig nannte er nur den "Hansworst"; aber am schlimmsten kam der Papst weg.
In seinem Buch: "Das Papsttum, vom Teufel gestiftet" nennt er die Kirche "die Lerche" und den Papst "den Kuckuck, der die Eier fresse und dafür Kardinäle hineinscheiße". Er nennt Se. Heiligkeit "einen Gaukler, das Leckerlein von Rom, päpstliche Höllischkeit und Spitzbube, ein epikurisch Schwein, das vom Teufel hintenaus geboren, und will, dass man ihm den Hintern küsse, einen beschissenen und furzenden Papstesel, vor dessen Fürzen sich der Kaiser fürchtet und der alle Fürze der Esel binden und die selbsteigenen angebetet haben will, und dass man ihm dabei noch den Hintern lecke".
Wenn es heutzutage ein Schriftsteller wagen würde, so gegen den Papst zuschreiben oder gegen den Kaiser Napoleon, dann fiele halb Europa inOhnmacht und dem Verfasser winkte ein Pressprozess mit darauf folgendemGefängnis, so lang wie das Fegefeuer.
Seine Gegner blieben Luther indes nichts schuldig, und Dr. Eck, den der Reformator stets Dreck nannte, zahlte ihm mit gleicher Münze. Die gewöhnlichen Titel, die man ihm gab, waren Doktor Dreck-Märte, Doktor Sauhund von Wittenberg und dergleichen. Der Jesuit Weislinger sagt von ihm in Bezug auf die Tischreden: "Luther ist Zeremonienmeister bei Hofe, wo man Mist ladet, Advokat zu Sauheim, wo nicht gar Stadtrichter zu Schweinfurt; - gäbe es ein Mistingen, Schmeisau oder Dreckberg, so gehöre der Sauluther dahin." Das war, wie bemerkt, im sechzehnten Jahrhundert "Satyre".
Clemens VII. war ein großer Freund der Mönche. Unter ihm entstanden die Kapuziner, eine Abart der Franziskaner, welche sich von den Letzteren nur durch ihre größere Dummheit und Schweinerei auszeichneten. Die spitzen Kapuzen, die sie tragen und einem Lichtauslöscher sehr ähnlich sehen, können zugleich als ihr Feldzeichen dienen, denn Clemens hoffte durch sie das Licht auszulöschen, welches durch Luther angezündet war.
Paul III. (1539-1549), der nach Clemens Papst wurde, war schon im 26. Jahr Kardinal geworden und zwar, weil er seine schöne Schwester Julia Farnese an Alexander VI. verkuppelt hatte. Er war einer der liederlichsten Päpste. Blutschande, Mord und ähnliche Verbrechen waren ihm geläufig. Er vergiftete sowohl seine eigene Mutter wie seine Schwester!
Doch das sind eigentlich Familienangelegenheiten, die uns weniger angehen. Weit wichtiger war es für die Welt, dass Paul am 27. September 1540 den Orden der Jesuiten bestätigte. Wir werden diese Fledermäuse noch näher kennen lernen und wollen ihnen dann sagen, was sie waren und was sie sind; denn sie selbst wollten und konnten darüber keine Auskunft geben und sagten, sie wären tales quales; das heißt: diejenigen, welche - - -
Julius III. war ein Papst, der noch weniger taugte als seine Vorgänger. Er hielt sich mit dem Kardinal Creszentius gemeinschaftlich Beischläferinnen, und die Kinder, welche dieselben bekamen, erzogen sie gemeinschaftlich, da keiner von beiden wusste, wer der Vater sei. Seinen Affenwärter, einen hässlichen Jungen von sechzehn Jahren, machte er zum Kardinal, und als ihm die andern Kardinäle deshalb Vorwürfe machten, rief er: "Potta di Dio! was habt Ihr denn an mir gefunden, dass Ihr mich zum Papst machtet?"
Der Heilige Vater ließ einst in Rom Musterung über alle Freudenmädchen halten und es fanden sich nicht weniger als 40.000 in der Stadt. Unter einem so liederlichen Papst wie Julius musste ihr Handwerk natürlich gedeihen. Sein Nuntius Johann a Casa, Erzbischof von Benevent, schrieb ein Buch über die Sodomiterei, worin er diese lebhaft in Schutz nimmt. Dies Buch ist 1552 in Venedig gedruckt und - dem Papst dediziert!
Paul IV. war ein vor Stolz halb wahnsinniger, achtzigjähriger Narr und nebenbei ein mordlustiger Pfaffe. Unter ihm konnte die Inquisition nicht genug Opfer erwürgen. Hören wir, was Pasquino über ihn sagte. Aber vorher noch einige Worte über Pasquino.
Nach der Sage war dieser ein lustiger Schneider in Rom, dessen Schwänke viele Leute nach seiner Bude lockten. Dieser gegenüber stand eine verstümmelte Statue, an welcher man häufig Satiren angeklebt fand, die man dem Schneider Pasquino zuschrieb. Daher das Wort Pasquill. Es gibt indessen noch andere Traditionen darüber. Bald wurde nun eine andere Statue am Kapitol dazu ausersehen, Antworten auf die Fragen aufzunehmen, die man an der ersten Statue fand, und so entstand das Frage- und Antwortspiel, welches nicht nur sehr ergötzlich, sondern auch von großem Nutzen war. Es war der römische Kladderadatsch in primitiver Gestalt.
Als Paul IV. 1559 gestorben war, schlug Pasquino folgende Grabschrift vor.- "Hier liegt Caraffa (aus dieser Familie stammte der Papst), verflucht im Himmel und auf Erden, dessen Seele in der Hölle, dessen Aas im Boden ist. Der Erde missgönnte er den Frieden, dem Himmel Gebet und Gelübde; ruchlos richtete er Klerus und Volk zu Grunde; vor den Feinden kroch er, gegen Freunde war er treulos; wollt Ihr alles auf einmal wissen? - er war Papst!"
Der Name Papst war damals in Rom zum Schimpfwort herabgesunken. Pasquino erwiderte einem Fragenden: "Warum jammerst du?" - "Ach, der Schimpf bricht mir das Herz!" - "Nun, was ist's?" - "Du errätst es nicht? - Sie haben mich", ruft er unter Schluchzen, "sie haben mich - einen Papst genannt."
Paul war Kaiser Karls V. erbitterter Feind gewesen und wollte nach dessen Abdankung Kaiser Ferdinands Wahl nicht anerkennen, weil dessen Sohn und Thronfolger, Maximilian, meist unter Lutheranern aufgewachsen sei.
Der Kaiser kehrte sich wenig an den Papst, dazu angeregt durch den Reichs- Vizekanzler Dr. Seld, den Beust Ferdinands I. Dieser Minister sagte in einem Gutachten: "Man lacht jetzt über den Bann, vor dem man sonst zitterte; man hielt sonst alles, was von Rom kam, für heilig und göttlich, jetzt speiet männiglich, er sei alter oder neuer Religion, darüber aus. Die alten Kaiser haben die Päpste beim Kopfe genommen, gestöcket, gepflöcket und abgesetzt; wir haben selbst erlebt, wie Karl mit Clemens umgegangen; solchen Ernstes sind Ew. Majestät nicht einmal benötigt. Übrigens weiß man, dass Se. Heiligkeit die Kardinäle, welche Wahrheiten sagen, Bestien und Narren gescholten, solche mit Stecken geschlagen, woraus anzunehmen, dass dieselben Alters oder anderer Zufälle wegen nicht wohl bei Vernunft und Sinnen seien."
Unter Pius IV. wurde das berühmte Trientiner Konzil geschlossen (imDezember 1563), welches achtzehn Jahre versammelt gewesen war, um dieschon längst als notwendig erkannte Reformation der Kirche an "Haupt undGliedern" vorzunehmen.
Das Konzilium stand unter der unmittelbaren Beaufsichtigung des Papstes. Kardinal del Monte stand mit ihm durch eine ununterbrochene Kurierlinie zwischen Trient und Rom in fortwährender Verbindung und des Papstes Instruktionen hatten auf alle Beschlüsse den entschiedensten Einfluss. Alle Welt schrie, das Konzil sei nicht bei Trost, aber niemand konnte das ändern.
Der Bischof Dudith von Tina in Dalmatien und mehrere andere sagten: "Der Heilige Geist, der die versammelten Väter in Trient belehrte, kam im römischen Felleisen."
Die Heiligen Väter strengten sich nicht übermäßig an. Alle Monate einmal eine Sitzung, wenn nicht Ferien oder Festlichkeiten die Zeit wegnahmen, und hielt man einmal eine Sitzung, so verging dieselbe meistens mit sehr viel unnützen Redereien.
Man disputierte mit allem Ernst, der so wichtigen Dingen gebührt, über den Rang der Abgeordneten, über Kleidung, Siegel und dergleichen. Dann fragte man, ob man vom Glauben oder von der Reformation anfangen wolle? Endlich entschied man sich dann für den Glauben, da einige Vorwitzige unverschämt genug waren, die Meinung zu äußern, dass die Reformation bei den Häuptern beginnen müsse!
Die Franzosen und selbst die so geduldigen Deutschen verloren dieGeduld. Ein kaiserlicher Gesandter behauptet gar, der Papst und seineLegaten "hätten die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen, um sich den Scheinzu geben, vorwärts zu gehen, während sie doch rückwärts gingen".
Wenn das Volk, welches sich nach all den schönen Versprechungen auf dieKonziliumsbeschlüsse wie Kinder auf den Heiligen Christ freute, durchseine Vertreter deshalb anfragen ließ, dann erhielt es immer zurAntwort, dass der Bericht noch nicht fertig sei".
Als aber der Bericht endlich fertig war, da machte alle Welt ein langes Gesicht und "entsatzete" sich. Beim Schluss der Synode stand der Kardinal von Guise auf und rief: "Verflucht seien alle Ketzer!" "Verflucht! verflucht! verflucht!" brüllten die Herren Gesandten im Chor und der "Heilige Geist" in Rom lachte ins Fäustchen. Dies war freilich nicht der Weg, die Protestanten in den Schoß der Kirche zurückzuführen, welches eigentlich der Hauptzweck der langen Synode war.
Es bedarf in der Tat keiner großen Prophetengabe, um vorhersagen zu können, dass das in diesem Jahr abzuhaltende Konzil ganz denselben römischen Stuhlgang haben wird wie das Trienter. Der alte Mann, der jetzt die wurmstichige Tiara trägt, leidet an der Einbildung, dass wir 1368 schreiben, und handelt demgemäß. Es ist ein Glück, dass es ziemlich gleichgültig ist, was das Konzil beschließt, da sich niemand daran kehren wird, und dass die Tage des Landvogtes Gottes gezählt sind:
Mach' deine Rechnung mit dem Himmel, Landvogt,Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen.
Das Trienter Konzil war das letzte, welches gehalten wurde, und seine Beschlüsse sind bis auf den heutigen Tag das Gesetz für die römische Kirche. Hume sagt bei der Geschichte der Königin Elisabeth von England: "Das Trienter Konzil ist das einzige, das in einem Jahrhundert beginnender Aufklärung und Forschung gehalten wurde; die Wissenschaften müssten tief sinken, wenn das Menschengeschlecht aufs neue zu einem solchen groben Betrug geschickt würde."
Der protestantische Schriftsteller Heidegger verglich das Papsttum mit einer Hure, die immer unverschämter wird, je länger sie mitmacht. Dieser Vergleich ist zwar nicht sehr höflich; aber wenn man die Beschlüsse des Trientiner Konzils durchliest, - muss man ihm beistimmen. Aller Unsinn, welcher sich allmählich in die christliche Kirche eingeschlichen hatte, wurde dadurch feierlich sanktioniert, und was von der Trientinischen Glaubensformel abwich, hatte "den Verlust der Seligkeit zu erwarten".
Dass aus der Synode nicht viel werden konnte, lag auf der Hand, denn dieJesuiten nahmen sich ihrer an und soufflierten dem Heiligen Geist.
Dieses Konzil hatte große Folgen, und die allerschlimmste war wohl die, dass die Päpste, welche bisher beständig gegen die weltliche Macht Opposition gebildet hatten, von nun an gemeinschaftliche Sache mit ihr machten, um das sichtbare Streben nach einem besseren Zustande und nach politischer Freiheit zu lähmen.
Pius IV. "gab seine Seele durch den Teil des Leibes von sich, durch welchen er sie empfangen hatte". Ihm folgte Pius V., ein ehemaliger Großinquisitor. Bei seiner Wahl soll er geäußert haben - "Als Mönch hoffe ich selig zu werden; als Kardinal zweifle ich daran, und als Papst halte ich die Sache für unmöglich."
Dieser Pius V., der als Großinquisitor eine geeignete Vorschule gehabt hatte, war der grausamste unter allen Päpsten. Ihn belebte nur eine Idee: Ausrottung der Ketzer. Er ist der Urheber der Pariser Bluthochzeit, der schrecklichen Verfolgungen in den Niederlanden unter Herzog Alba, der sich rühmte, dass er in sechs Jahren 18.000 Personen hinrichten ließ, und aller Verschwörungen in Schottland und England.
Das Motiv der Grausamkeit dieses Papstes war nicht allein religiöserFanatismus. Er ließ zum Beispiel Nik. Franko wegen eines unschuldigenDistichons hängen, welches er auf dem im Lateran (päpstlichen Palast)neuerbauten Abtritt machte!
Papst Pius V., der beladenen Bäuche sich erbarmend,Errichtete diesen Abtritt, ein edles Werk.
Das ist die Übersetzung der Zeilen, die den Poeten an den Galgen brachten. Der arme Mensch rief mit Recht: "Das ist zu arg!", und noch auf der Leiter wollte er nicht glauben, dass die Sache ernst sei, und fragte: "Wie, Nikolaus an den Galgen?"
Als Pius unter grässlichen Steinschmerzen seine Henkerseele ausgehaucht hatte, herrschte allgemeine Freude. Die während seiner Regierung beinahe in den Ruhestand versetzten öffentlichen Mädchen versammelten sich jubelnd um seine Leiche, und sogar der türkische Sultan ließ Freudenfeste wegen dieses Todes anstellen.
Doch ich darf nicht das Gute unerwähnt lassen, was von diesem Papst zu melden ist, und umso weniger, als es auf dem "Apostolischen Stuhl" eine Seltenheit ist. Er führte ein sehr strenges Leben, wie ein Einsiedler, trug einen handbreiten, stachligen Drahtgürtel (Cilicium genannt) auf dem bloßen Leib und kein Hemd. Seine Speise bestand aus Gemüse und sein Getränk aus Wasser.
Gregor XIII. war seinem Vorgänger an fanatischem Ketzerhass gleich, wenn auch nicht an Sittenstrenge. Er eröffnete dem spitzbübischen Jesuitengeneral Aquaviva, dass es Protestanten, besonders Gelehrten, Fürsten, höheren Beamten und anderen einflussreichen Personen, wenn sie zur römischen Kirche übergingen, aus besonderer päpstlicher Gnade gestattet sein sollte, ihren neuangenommenen Glauben verleugnen und noch alle protestantischen Kirchengebräuche mitmachen, kurz, nach wie vor sich als Protestanten benehmen zu dürfen.
Nach Gregor kam Sixtus V. (1585-1590) auf den Päpstlichen Stuhl. Sein Vater war Weingärtner, seine Mutter eine Magd, und er selbst hütete in seiner Jugend die Schweine. Deshalb scherzte er oftmals: "Ich bin aus einem durchlauchtigen Hause; Sonne, Wind und Regen hatten freien Zugang in die Hütte meiner Eltern."
Sein Name war Felice Peretti, und er wurde 1521 zu Grotta a Mare, nicht weit von Montalto in der Mark Ankona geboren. Ein Franziskaner, dem der Junge gefiel, nahm ihn von den Schweinen weg und brachte ihn in ein Kloster und somit auf die Leiter, die ihn zum Apostolischen Stuhl führte. - Er stieg schnell. Papst Pius V. war ihm gewogen und machte ihn zum Kardinal Montalto; aber Gregor konnte ihn nicht leiden, und so hielt er es denn für zweckmäßig, sich ganz zurückzuziehen und dem Anschein nach ein völliger Franziskaner zu werden. Er spielte seine Rolle so gut, dass sämtliche Kardinäle angeführt wurden. Er stellte sich äußerst demütig, einfältig und körperlich hinfällig, ließ sich geduldig "der Esel aus der Mark" nennen und dachte, wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Die Kardinäle waren bei der Papstwahl in sechs Parteien geteilt und da keine der andern den Willen tun wollte, rief die größte Zahl der Kardinäle, "dass der Esel aus der Mark Papst sein solle". Kaum wurde der an seiner Krücke einherschleichende Montalto gewahr, dass er die meisten Stimmen für sich habe, als er sogleich seine Krücke wegwarf, sich kerzengerade in die Höhe richtete, bis an die Decke der Kapelle spuckte und mit einer Stentorstimme ein Te Deum anstimmte, dass die Fenster zitterten.
Man kann sich den Schrecken der überlisteten Kardinäle denken. Als der Zeremonienmeister den neuen Papst dem Gebrauch gemäß fragte, ob er die Würde annehme? antwortete er: "Ich hätte noch Kraft zu einer zweiten", und als ihm einer der stolzesten Kardinäle wegen seines guten Aussehens Komplimente machte, sagte er lachend: "Ja, ja, als Kardinal suchten wir gebückt die Schlüssel des Himmelreichs; wir fanden sie und sehen nun aufrecht gen Himmel, da wir auf Erden nichts mehr zu suchen haben."
Einer der Kardinäle, der sich immer für ihn interessiert hatte, wollte seine verschobene Kapuze in Ordnung bringen, aber Montalto wies ihn zurück und sagte: "Tut nicht so vertraut mit dem Papst."
Kardinal Farnese, der dem nunmehrigen Papst niemals recht getraut und ihn stets den Paternosterfresser genannt hatte, äußerte nun zu seinen Kollegen: "Ihr meintet, einen Gimpel zum Papst zu machen; Ihr habt einen dazu gemacht, der mit uns allen wie mit Gimpeln umgehen wird!" - Pasquino erschien mit einem Teller voll Zahnstocher.
Sixtus V. blieb auch als Papst ein strenger Mönch und griff nun mitEnergie in die bisher so jämmerlich schlaff gehandhabten Zügel derRegierung. Zuerst war er darauf bedacht, das Land von den unzähligenRäuberbanden zu reinigen, die unter Gregor XIII. so überhand genommenhatten, dass kein Mensch seines Lebens sicher war. FünfhundertVerbrecher erwarteten, wie es bei einem Regierungsantritte gewöhnlichwar, ihre Befreiung; allein Sixtus ließ ihnen den Prozess machen und dieGalgen wurden nicht leer. "Ich sehe lieber die Galgen voll als dieGefängnisse", pflegte er zu sagen.
Ganz Rom geriet in Entsetzen, denn seine Strenge traf Reiche und Arme,was man bisher gar nicht gewohnt gewesen war. Graf Pepoli, welcher dieBanditen beschützt hatte, wurde zu Bologna enthauptet, und die Villa desPrälaten Cesarino ließ der Papst niederreißen, weil sie ein bekannterBanditenschlupfwinkel war.
"Ich verzeihe", sagte er, "was unter Montalto geschehen ist; aber als Sixtus muss ich dieses Haus niederreißen und einen Galgen an die Stelle setzen." Cesarino wurde vor Angst Karthäuser.
Einer der Bargellos (Landhäscher), die nur zu oft mit den Banditen gemeinschaftliche Sache machten, wollte sich verbergen, als er Sixtus gewahr wurde. Dieser ließ ihn in Ketten legen und gab ihn nur unter der Bedingung frei, dass er ihm innerhalb acht Tagen eine bestimmte Anzahl Banditenköpfe einliefere.
Ja, der Papst ging in seiner grausamen Gerechtigkeitsliebe zu weit, dass er, um Verbrecher zu entdecken, die alten Kriminalakten durchstöbern ließ. Einen gewissen Blaschi, der schon vor 36 Jahren wegen eines Mordes nach Florenz entwischt war, ließ er requirieren und enthaupten.
Diese Strenge gab Pasquino hinlänglich Stoff. Einst sah man an der Bildsäule die Engelsbrücke abgebildet, mit den sich gegenüberstehenden Statuen der Apostel Petrus und Paulus. Petrus war in Stiefeln und Reisemantel. Paulus äußerte sein Erstaunen und fragte nach der Ursache des Reisekostüms, und Petrus antwortete: "Ich will mich fortmachen, denn ich habe vor 1500 Jahren Malchus das Ohr abgehauen."
Sixtus trieb seine Justiz mit förmlicher Leidenschaft, und einst nach einer großen Hinrichtung äußerte er bei Tische: "Mir schmeckt es nie besser als nach einem solchen Akt der Gerechtigkeit." - Pasquino erschien wieder mit einem Becken voll kleiner Galgen, Räder, Beile usw. und sagte: "Diese Brühe wird dem Heiligen Vater Esslust geben."
Die Mütter schreckten jetzt ihre Kinder mit dem Papst, und wenn dieser sich auf der Straße blicken ließ, so drückte sich jeder beiseite. Ein Zeichen, dass es in Rom viele Spitzbuben und andere Leute gab, welche die Strenge des Papstes zu fürchten hatten. Er verfolgte nicht allein Banditen, sondern auch die Menschenfleischhändler oder die Kuppler, welche den Kardinälen und liederlichen Reichen ihre Weiber und Töchter zu verhandeln pflegten. Eine berühmte Buhlerin, Pignaccia, welche man nur die Prinzessin nannte, ließ er hinrichten und von ihrem Vermögen ein schönes Hospital erbauen.
Für die Armen sorgte er in bedrängter Zeit väterlich und ließ nicht allein Lebensmittel austeilen oder die Preise derselben herabsetzen, sondern auch Seiden- und Tuchfabriken anlegen; den Adel nötigte er, seine Schulden zu bezahlen, was demselben hart genug ankam.
Ein schöner Zug von Sixtus war es, dass er sich früher erhaltener Wohltaten erinnerte. Einem Schuster hatte er einst für ein Paar Schuhe nur sechs Paoli bezahlt und gesagt: "Das übrige werde ich bezahlen, wenn ich Papst bin." Nun bezahlte er seine Schuld mit Interessen und gab dem Sohne des Schusters - ein Bistum. Ebenso belohnte er einen Prior, der ihm vor vierzig Jahren vier Scudi geborgt hatte.
Seine Verwandten vergaß er übrigens auch nicht, aber trotz dieserAusgaben und der nun bedeutend geringer gewordenen Einnahmen desPäpstlichen Stuhles legte er doch drei Millionen Scudi im päpstlichenSchatz nieder, während andere Päpste Schulden machten.
Sixtus besaß Verstand und selbst Witz, aber gegen den anderer war er sehr empfindlich. Pasquino trocknete einst sein Hemd am Sonntag. - "Warum wartest du nicht bis Montag?" - "Ich trockne es, bevor die Sonne verkauft wird", und sein ungewaschenes Hemd entschuldigte er: "Der Papst hat mir meine Wäscherin (seine Schwester Camilla) zur Prinzessin gemacht."
Dieser Spott beleidigte Sixtus sehr. Er versprach dem Entdecker des Verfassers tausend Dukaten, indem er dem Letzteren das Leben zusicherte. Der Spötter dachte die Belohnung selbst zu verdienen und war dumm genug, sich zu melden. Sixtus ließ ihn am Leben, wie er versprochen, allein er ließ ihm die Zunge ausreißen und die Hände abhauen, dann tausend Dukaten auszahlen.
Trotz seiner mancherlei guten Eigenschaften und seines Hasses gegen die Jesuiten und gegen den spanischen Tyrannen Philipp II. blieb er doch immer ein fanatischer Mönch und fand es ganz in der Ordnung, dass die Ketzer brennen müssten. Die Ermordung Heinrichs III. von Frankreich billigte er, und als die rachsüchtige Elisabeth von England Maria Stuart hatte hinrichten lassen, rief er aus: "Glückliche Königin! Ein gekröntes Haupt zu ihren Füßen!"
König Heinrich IV. und Elisabeth wusste er übrigens zu würdigen und äußerte einst: "Ich kenne nur einen Mann und nur eine Frau, würdig der Krone." Elisabeth erfuhr es und scherzte: "Wenn ich je heirate, muss es Sixtus sein." Dieser rief, als man ihm die Äußerung hinterbrachte: "Wir brächten einen Alexander zustande!"