Einer aber war in Salzburg, der verfolgte mit seinen mißtrauischen Augen nachdenklich das Tun Faustens und sah sich auch die Leute an, die zu ihm kamen und wie sie von ihm gingen. Auch rumorte ihm das Fragen Faustens nach der tiefen Kluft im Lande Tirol im Kopfe und immer fragte er sich: ‚Was kann der Satanus nur wollen und wälzen?‘So bemerkte der ganz erschreckend scharfe Blick des Arztes auch die Verstörung und das innerliche Winden und Kämpfen des jungen Stainer, der ja auch unter der Lehrkanzel des Paracelsus saß und einen glühenden Wissensdrang verspüren ließ. Er wußte, der Student war zweimal zu Faust geschlichen und er wußte auch von dem Zusammentreffen des Stainer und seiner schönen Base, der griechenblütigen Helena auf der spätsommerlich heiteren Festwiese.Vetter und Base staken mehr denn je zusammen und schienen gänzlich eines Herzens zu sein. Beide waren sie sichtlich auf den zigeunerhaften, verfehmenswerten Gaukler eingeschworen!Da kam vom Vater Chrysoloras Kunde nach Salzburg, sein Kind solle im Gefolge des Kirchenfürsten nächster Tage gegen Braunau am Inn abreisen, da beide Majestäten, von Innsbruck her, dorthin zu Schiffe erwartet würden und der Kaiser sowohl wie der römische König mit dem Erzbischof in der schmalkaldischen Angelegenheit zu reden hätten. Große Aufregung war damals in Salzburg und sogar Philipp von Hohenheim bewarb sich beim Erzbischof um die Gunst, denen Majestäten mit entgegenreisen und ihnen aufwarten zu dürfen. ‚Ja,‘ hatte ihm der Erzbischof gesagt. ‚Denn ich nehm’ auch den Doktor Faustus mit und ich will die Angelegenheit wegen des mächtigen Öles, das nur wir zu verwalten und zu handhaben gesonnen sein, gleich zur Rede und ins Reine bringen.‘So fuhren denn alle in kostbarer Ausstaffierung gegen Braunau und erwarteten dort das kaiserliche Schiff zu rechter Stunde, denn am Abende desselbigen Tages, da der Erzbischof ankam, landete es.Karl der Fünfte, blaß, klein, argwöhnisch und schwarz, und der römische König Ferdinand, blond, heiter, lebensfroh und offenherzig, saßen beide an einem Tische. Karl mit seinem Barett bedeckt,Ferdinand bloßen Hauptes, obwohl ihn der Kaiser wiederholt bat, sich seines Vorrechtes zu bedienen. „Mir ist halt heiß,“ sagte der natürliche Mann lachend, „und meine Ehrfurcht vor Euer Majestät bleibt, ob ich nun mein Hütel aufhab oder nit.“„Ah,“ sagte Karl, „da ist ja der berühmte und treffliche Herr der Geister, unser Doktor Faustus!“Und er erzählte dem Erzbischof, der die beiden Gelehrten vor den Kaiser gebracht, lebhaft und indem er mehrmals seine Hand auf den Arm des römischen Königs legte, wie um einen Bundesgenossen und Zeugen anzurufen, wie Faust vor längeren Jahren in Innsbruck dem Kaiser eine galante Ovation mit seiner Kunst gebracht hätte. Mitten im Winter wäre morgens im Schlafgemach des Kaisers, als der erwachte, ein reizvoller Lustgarten erstanden, wie er im Lande Italien nicht lenzlicher blühen hätte können! Veilchen, Narzissen und Orangen zugleich hätten geduftet und alle köstlichen Früchte des Südens wären zugleich, an beladen hängenden Ästen, gereift. Dazu war die feinste Musik, ganz leise und dezent, und immerzu jauchzten die Vöglein ihr Frühlingsglück von den Ästen. Der Kaiser verzögerte sich in seiner Verwunderung wohl über eine Stunde und sah denholden Zauber an; als er aber seinen Truchseß und andere Herrn vom Hofe heibeirief, auch Befehl gab, man sollte geschwind den römischen König holen, da fegte ein kühles Herbstwindlein durch den Saal, die Blätter gilbten, welkten, fielen; die kleinen Vögel flogen fort, das Staudenwerk zerdorrte, zerfiel in Staub, und alles war vorüber, ohne daß eine Spur im Saal verblieb.„Mir hat der Doktor das nit vergönnt,“ brummte der römische König mit lächelndem Vorwurf.„Weil ich für Eure königliche Majestät was anderes bewahrt hab,“ sagte Faust.„Ei, das muß man hören,“ riefen beide hohe Herrn. „Was denn?“„Gold,“ sagte Doktor Faust.Hochauf lauschten die Fürsten, auch der von Salzburg, bei dem Worte.„Gold zum Kriegführen, und dazu ein furchtbarliches Zerstörungsmittel, das alle Feinde Eurer Majestäten in Staub schmettern und zerreißen wird. Wegen letzterem wolleten die Majestäten nur den hier anwesenden berühmten Gelehrten und Alchymisten Theophrastum Paracelsum ab Hohenheim fragen.“„Es ist ein ganz erschreckliches und gräßliches Gewaltmittel,“ sagte Philipp von Hohenheim, „undich vermesse mich vorauszusagen, daß es dadurch noch Ende dieses Jahres keinen Feind auf Erden mehr wider die Majestäten geben könnt’. Aber was das Gold angeht, das setzt mich doch selber in Verwunderung. Ist doch der Doktor nicht einer von den Reichen und da wär mir der Manuel Chrysoloras schon lieber und sicherer.“„Das sagt der Goldmacher selber?“ rief belustigt der römische König.„Das sagt der Goldmacher selber,“ wiederholte Paracelsus sehr ernst. „Eben, weil ich weiß, daß die alchymistische Kunst das gelbe Metall zwar mit vieler Müh’ erzwingen und herstellen kann, daß aber die erhaltenen Bröcklein so gering sind in Ansehung der Kosten und Mittel und Zeit, und der Gefährdung, daß solches Gold zehnfach und noch viel teurer zu erstehen kommt, denn das von Gott geschaffene und in ehrlicher Menschenarbeit ergrabene.“„Wenn die hohen und höchsten Herrschaften mir hier unter ihrer kaiserlichen und königlichen Ehr’ versichern wollten, was es mit dem auf sich hätte, das ich zugesagt und versprochen hab’,“ sagte Faust, „so wollt’ ich vor dem von Hohenheim, der Meister in der alchymischen Kunst ist, wohl mein Geheimnis lüften.“„Das sagen wir dir bei unserem heiligen Amt und bei unserer Kronen zu,“ sagte der Kaiser und legte seine Hand in jene des Königs und des Erzbischofs.„Nun wohl denn, so will ich zuerst davon reden, was der Paracelsus recht gut weiß; daß das Geheimnis des Goldes eine ganz erschreckliche Glut und ein Druck ohnemaßen ist; —einesder Geheimnisse des Goldes,“ fügte er hinzu.Paracelsus nickte.„Ferner weiß sowohl der Paracelsus, als auch die höchsten Herrschaften, zumindest mein gnädiger Herr Salisburgensis, daß man das lauter und gediegen Gold zumeist am Quarzkiesel findet, an dem es hanget und aus dem es entstand.“„Das ist wieder wahr,“ sagte der Erzbischof.„Zum dritten ist bekannt, daß man solches Gold aus dem trächtigen Kiesel mit Zuhilfenahm’ der Glasmacherseifen, oder, wie man auch sagt, des Braunsteines scheidet.“„Ah,“ rief der Erzbischof erratend.„Nun weiß hier mein gnädiger Gönner, der hochwürdigste Fürst der Kirche, daß in dem Eurer römisch königlichen Majestät erb- und eigengehörigen Lande Tirol eine Kluft tief in die Erden gehet; da kömmt ein geringerer, goldhältiger Quarz nebendem Porphyr vor und ist zusamt vielem Braunsteine in diese so erschrecklich tiefe Kluft hinuntergestürzt, daß meines gnädigen Bischofs Hochwürdigkeit sogar Zweifel ausgesprochen hat, ob sie nicht gar bis ganz nahe ans ewige und höllische Feuer heranginge.“„Ich hab’ von dieser Kluft gehört,“ sagte König Ferdinand.„Nun haben wir das Gewaltöl; und können wir davon erzeugen so viel, daß diese Kluft unten gar ausgefüllt werden könnt’, da würde, wenn man es mit einem Fett oder Terpentin zurexplosiobrächte, in dem Porphyrgestein eine solche Gewalt der Pressung entstehen, daß der Quarz, der seit Anbeginn der Schöpfung dort noch nie unter ähnlichem Druck gestanden hat, sich verfinge und ummodulierte und das in ihm eingeheimnißte Gold ganz und gar herausgäb, unterstützt von dem schmelzenden Braunstein.“„Das könnt sein, das könnt ja sein!“ rief der von Salzburg, und sogar Paracelsus nickte verwundert: „Ich sag’ nicht nein.“„So kommet denn, beide Herrn Doktores, zu gelegener Zeit, die wir euch wissen lassen werden, gegen Innsbruck,“ sagte der Kaiser und erhob sich. „Zweisolche Köpfe, der heiße des Faustus und der kühle des Paracelsus, die werden’s vielleicht wohl zwingen.“„Ihr seid mit solcher Mitarbeiterschaft wohl zufrieden, Faust?“ fragte der Erzbischof, und Faust erwiderte mit tiefer Reverenz gegen den Paracelsus: „Es ist mir eine Erleichterung und eine freudige Hoffnung dazu! Denn mit solchem Collaboranten zur Seitemußes gelingen!“Jetzt lächelte sogar der schwermütige Paracelsus, der eitel und darum leicht geschmeichelt war, und mit Ehren, wie man sie sonst nur großen Herrn erwies, wurden die beiden Doktores entlassen. Draußen drückte der Paracelsus dem Faust die Hand.„Ich hab’ Euch in meinem Innern Unrecht getan,“ sagte er. „Aber jetzt bitt’ ich Euch das ab, dank Euch und vermein, es werd’ uns endlich Lohn und Segen werden; beiden, auf unsere alten Tag’. Wenn das Wunder gelingt. — Ich bin mancher Praktiken dazu kundig und will Euren Gedanken, nachdem wir die Stell’ besehen, verbessern und ausarbeiten, was und so gut ich’s vermag.“„Das wollt’ ich Euch gebeten haben, hochweiser Herr Kollega,“ sagte Faust und nahm Urlaub vom Arzte.
Einer aber war in Salzburg, der verfolgte mit seinen mißtrauischen Augen nachdenklich das Tun Faustens und sah sich auch die Leute an, die zu ihm kamen und wie sie von ihm gingen. Auch rumorte ihm das Fragen Faustens nach der tiefen Kluft im Lande Tirol im Kopfe und immer fragte er sich: ‚Was kann der Satanus nur wollen und wälzen?‘
So bemerkte der ganz erschreckend scharfe Blick des Arztes auch die Verstörung und das innerliche Winden und Kämpfen des jungen Stainer, der ja auch unter der Lehrkanzel des Paracelsus saß und einen glühenden Wissensdrang verspüren ließ. Er wußte, der Student war zweimal zu Faust geschlichen und er wußte auch von dem Zusammentreffen des Stainer und seiner schönen Base, der griechenblütigen Helena auf der spätsommerlich heiteren Festwiese.
Vetter und Base staken mehr denn je zusammen und schienen gänzlich eines Herzens zu sein. Beide waren sie sichtlich auf den zigeunerhaften, verfehmenswerten Gaukler eingeschworen!
Da kam vom Vater Chrysoloras Kunde nach Salzburg, sein Kind solle im Gefolge des Kirchenfürsten nächster Tage gegen Braunau am Inn abreisen, da beide Majestäten, von Innsbruck her, dorthin zu Schiffe erwartet würden und der Kaiser sowohl wie der römische König mit dem Erzbischof in der schmalkaldischen Angelegenheit zu reden hätten. Große Aufregung war damals in Salzburg und sogar Philipp von Hohenheim bewarb sich beim Erzbischof um die Gunst, denen Majestäten mit entgegenreisen und ihnen aufwarten zu dürfen. ‚Ja,‘ hatte ihm der Erzbischof gesagt. ‚Denn ich nehm’ auch den Doktor Faustus mit und ich will die Angelegenheit wegen des mächtigen Öles, das nur wir zu verwalten und zu handhaben gesonnen sein, gleich zur Rede und ins Reine bringen.‘
So fuhren denn alle in kostbarer Ausstaffierung gegen Braunau und erwarteten dort das kaiserliche Schiff zu rechter Stunde, denn am Abende desselbigen Tages, da der Erzbischof ankam, landete es.
Karl der Fünfte, blaß, klein, argwöhnisch und schwarz, und der römische König Ferdinand, blond, heiter, lebensfroh und offenherzig, saßen beide an einem Tische. Karl mit seinem Barett bedeckt,Ferdinand bloßen Hauptes, obwohl ihn der Kaiser wiederholt bat, sich seines Vorrechtes zu bedienen. „Mir ist halt heiß,“ sagte der natürliche Mann lachend, „und meine Ehrfurcht vor Euer Majestät bleibt, ob ich nun mein Hütel aufhab oder nit.“
„Ah,“ sagte Karl, „da ist ja der berühmte und treffliche Herr der Geister, unser Doktor Faustus!“
Und er erzählte dem Erzbischof, der die beiden Gelehrten vor den Kaiser gebracht, lebhaft und indem er mehrmals seine Hand auf den Arm des römischen Königs legte, wie um einen Bundesgenossen und Zeugen anzurufen, wie Faust vor längeren Jahren in Innsbruck dem Kaiser eine galante Ovation mit seiner Kunst gebracht hätte. Mitten im Winter wäre morgens im Schlafgemach des Kaisers, als der erwachte, ein reizvoller Lustgarten erstanden, wie er im Lande Italien nicht lenzlicher blühen hätte können! Veilchen, Narzissen und Orangen zugleich hätten geduftet und alle köstlichen Früchte des Südens wären zugleich, an beladen hängenden Ästen, gereift. Dazu war die feinste Musik, ganz leise und dezent, und immerzu jauchzten die Vöglein ihr Frühlingsglück von den Ästen. Der Kaiser verzögerte sich in seiner Verwunderung wohl über eine Stunde und sah denholden Zauber an; als er aber seinen Truchseß und andere Herrn vom Hofe heibeirief, auch Befehl gab, man sollte geschwind den römischen König holen, da fegte ein kühles Herbstwindlein durch den Saal, die Blätter gilbten, welkten, fielen; die kleinen Vögel flogen fort, das Staudenwerk zerdorrte, zerfiel in Staub, und alles war vorüber, ohne daß eine Spur im Saal verblieb.
„Mir hat der Doktor das nit vergönnt,“ brummte der römische König mit lächelndem Vorwurf.
„Weil ich für Eure königliche Majestät was anderes bewahrt hab,“ sagte Faust.
„Ei, das muß man hören,“ riefen beide hohe Herrn. „Was denn?“
„Gold,“ sagte Doktor Faust.
Hochauf lauschten die Fürsten, auch der von Salzburg, bei dem Worte.
„Gold zum Kriegführen, und dazu ein furchtbarliches Zerstörungsmittel, das alle Feinde Eurer Majestäten in Staub schmettern und zerreißen wird. Wegen letzterem wolleten die Majestäten nur den hier anwesenden berühmten Gelehrten und Alchymisten Theophrastum Paracelsum ab Hohenheim fragen.“
„Es ist ein ganz erschreckliches und gräßliches Gewaltmittel,“ sagte Philipp von Hohenheim, „undich vermesse mich vorauszusagen, daß es dadurch noch Ende dieses Jahres keinen Feind auf Erden mehr wider die Majestäten geben könnt’. Aber was das Gold angeht, das setzt mich doch selber in Verwunderung. Ist doch der Doktor nicht einer von den Reichen und da wär mir der Manuel Chrysoloras schon lieber und sicherer.“
„Das sagt der Goldmacher selber?“ rief belustigt der römische König.
„Das sagt der Goldmacher selber,“ wiederholte Paracelsus sehr ernst. „Eben, weil ich weiß, daß die alchymistische Kunst das gelbe Metall zwar mit vieler Müh’ erzwingen und herstellen kann, daß aber die erhaltenen Bröcklein so gering sind in Ansehung der Kosten und Mittel und Zeit, und der Gefährdung, daß solches Gold zehnfach und noch viel teurer zu erstehen kommt, denn das von Gott geschaffene und in ehrlicher Menschenarbeit ergrabene.“
„Wenn die hohen und höchsten Herrschaften mir hier unter ihrer kaiserlichen und königlichen Ehr’ versichern wollten, was es mit dem auf sich hätte, das ich zugesagt und versprochen hab’,“ sagte Faust, „so wollt’ ich vor dem von Hohenheim, der Meister in der alchymischen Kunst ist, wohl mein Geheimnis lüften.“
„Das sagen wir dir bei unserem heiligen Amt und bei unserer Kronen zu,“ sagte der Kaiser und legte seine Hand in jene des Königs und des Erzbischofs.
„Nun wohl denn, so will ich zuerst davon reden, was der Paracelsus recht gut weiß; daß das Geheimnis des Goldes eine ganz erschreckliche Glut und ein Druck ohnemaßen ist; —einesder Geheimnisse des Goldes,“ fügte er hinzu.
Paracelsus nickte.
„Ferner weiß sowohl der Paracelsus, als auch die höchsten Herrschaften, zumindest mein gnädiger Herr Salisburgensis, daß man das lauter und gediegen Gold zumeist am Quarzkiesel findet, an dem es hanget und aus dem es entstand.“
„Das ist wieder wahr,“ sagte der Erzbischof.
„Zum dritten ist bekannt, daß man solches Gold aus dem trächtigen Kiesel mit Zuhilfenahm’ der Glasmacherseifen, oder, wie man auch sagt, des Braunsteines scheidet.“
„Ah,“ rief der Erzbischof erratend.
„Nun weiß hier mein gnädiger Gönner, der hochwürdigste Fürst der Kirche, daß in dem Eurer römisch königlichen Majestät erb- und eigengehörigen Lande Tirol eine Kluft tief in die Erden gehet; da kömmt ein geringerer, goldhältiger Quarz nebendem Porphyr vor und ist zusamt vielem Braunsteine in diese so erschrecklich tiefe Kluft hinuntergestürzt, daß meines gnädigen Bischofs Hochwürdigkeit sogar Zweifel ausgesprochen hat, ob sie nicht gar bis ganz nahe ans ewige und höllische Feuer heranginge.“
„Ich hab’ von dieser Kluft gehört,“ sagte König Ferdinand.
„Nun haben wir das Gewaltöl; und können wir davon erzeugen so viel, daß diese Kluft unten gar ausgefüllt werden könnt’, da würde, wenn man es mit einem Fett oder Terpentin zurexplosiobrächte, in dem Porphyrgestein eine solche Gewalt der Pressung entstehen, daß der Quarz, der seit Anbeginn der Schöpfung dort noch nie unter ähnlichem Druck gestanden hat, sich verfinge und ummodulierte und das in ihm eingeheimnißte Gold ganz und gar herausgäb, unterstützt von dem schmelzenden Braunstein.“
„Das könnt sein, das könnt ja sein!“ rief der von Salzburg, und sogar Paracelsus nickte verwundert: „Ich sag’ nicht nein.“
„So kommet denn, beide Herrn Doktores, zu gelegener Zeit, die wir euch wissen lassen werden, gegen Innsbruck,“ sagte der Kaiser und erhob sich. „Zweisolche Köpfe, der heiße des Faustus und der kühle des Paracelsus, die werden’s vielleicht wohl zwingen.“
„Ihr seid mit solcher Mitarbeiterschaft wohl zufrieden, Faust?“ fragte der Erzbischof, und Faust erwiderte mit tiefer Reverenz gegen den Paracelsus: „Es ist mir eine Erleichterung und eine freudige Hoffnung dazu! Denn mit solchem Collaboranten zur Seitemußes gelingen!“
Jetzt lächelte sogar der schwermütige Paracelsus, der eitel und darum leicht geschmeichelt war, und mit Ehren, wie man sie sonst nur großen Herrn erwies, wurden die beiden Doktores entlassen. Draußen drückte der Paracelsus dem Faust die Hand.
„Ich hab’ Euch in meinem Innern Unrecht getan,“ sagte er. „Aber jetzt bitt’ ich Euch das ab, dank Euch und vermein, es werd’ uns endlich Lohn und Segen werden; beiden, auf unsere alten Tag’. Wenn das Wunder gelingt. — Ich bin mancher Praktiken dazu kundig und will Euren Gedanken, nachdem wir die Stell’ besehen, verbessern und ausarbeiten, was und so gut ich’s vermag.“
„Das wollt’ ich Euch gebeten haben, hochweiser Herr Kollega,“ sagte Faust und nahm Urlaub vom Arzte.