Der Schandfleck
Der Schandfleck
Zu beiden Seiten der Straße erhoben sich Hügel, dehnten sich mählich hinan und machten den Versuch, eine Gebirgskette aufzubauen, welche aber etwas nieder ausfiel. Es war eine vornehme Straße, sie erlaubte den Häusern nur rechts und links Spalier zu machen und bewilligte der Ortschaft nur eine einzige Gasse. Ab und zu verzweigte sich auch ein Fahrweg und wand sich zwischen den Hügeln hindurch. Wer sich dort angesiedelt hatte, in den vereinzelten, verstreuten Gehöften, der gehörte wohl zur Gemeinde, aber ein Ortskind war er nimmer, er wohnte — wie sollte man es heißen, in der Schlucht, im Hohlwege? Das hieße den sanftansteigenden Hügeln doch zu viel romantische Ehre antun, der Volksmund traf auch hier das Richtige und nannte diese Wegstrecken „Gräben“, und so wohnte ein und der andere Bauer im „mittleren“, im „Heu-“, „Wasser-“ oder sonst irgendeinem Graben.
Im „mittleren“ Graben, nahezu eine halbe Stunde vom Orte, befand sich ein Häuschen, über dem Hügel vor demselben stand die Sonne und spiegelte sich in den Fensterscheiben, diese gaben für diesmal das Bild in scharfen Umrissen wieder, denn sie waren dicht verhangen. Im ganzen Gehöfte ist alles still und ruhig, nur in der Küche, gerade vor der Stube mit den verhängten Fenstern, da brodelt manchmal vorlaut das Wasser in einem Topfe, oder es tropft von einemDeckel und verzischt auf der heißen Herdplatte; eine stämmige Dirne, die da herumhantiert, ruft dann immer ein strafendes „Pscht“, nach einer Weile aber beginnt sie einen Ländler vor sich hinzusummen, bis sie ein Schmerzenslaut aus der Stube vermahnt, daß sich das doch auch nicht recht schicken will, und dann läuft sie geschäftig nach der Tür derselben und guckt hinein und nickt den beiden Weibern zu, die da drinnen um die in Kindesnöten liegende Reindorferin geschäftig sind; geschäftig wohl nur die eine, die künftige Gevatterin, die andere, ein altes, zusammengeschrumpftes Mütterchen, blickt aus großen nichtssagenden Augen, als ob sie sich über alles höchlich verwundern würde, sitzt aber eigentlich ganz ruhig nebenbei und wartet, bis die Pflicht sie ruft.
Draußen im Hofe steht ein alter Mann, er mag sich immerhin auf seinen Taufschein berufen, der ausweist, daß er noch nicht die erste Hälfte der Fünfziger überschritten hat, er ist aber von der Zeit so übel mitgenommen, daß ihm diese Berufung wenig nützen wird, er denkt wohl auch nicht daran, und was den Taufschein anlangt, wäre ihm wohl lieber, der Pfarrer hätte nie die Mühe gehabt, einen Joseph Reindorfer in das Kirchenbuch einzutragen.
Also der Bauer war es, der Herr der Liegenschaft, der Joseph Reindorfer, der da draußen im Hofe vor einem Leiterwagen stand, dem ein magerer Braun vorgespannt war; auf dem Sitzbrette saßen ein vierschrötiger Bursche, etwa sechzehn Jahre alt, und ein Mädchen, das vierzehn zählen mochte, die Kinder des Bauers.
Reindorfer nahm die Peitsche, die an der Deichsel lehnte, und langte sie dem Jungen zu. „Nun macht, daß ihr fortkommt, grüßt mir meinen Bruder undfahrt fein gescheit, es hat keine Eile, ihr braucht mir“ — setzte er verlegen hüstelnd hinzu — „nicht vor Abend heimzukommen.“
Der Bursche lachte. „Tut doch der Vater gerade, als wüßte man von nichts!“
Das Mädchen wurde rot, blickte zur anderen Seite des Wagens nieder und stupfte den Bruder leise mit dem Ellbogen.
„Was wirst auch viel wissen,“ brummte der Bauer.
„Für seine alten Tage,“ sagte der Bursche keck, „hätte der Vater auch gescheiter sein können.“
Der Alte riß eine Mistgabel an sich und holte damit aus, aber er besann sich, sah den Buben giftig an und schlug nach dem Pferde, das erschreckt zum Hoftor hinausjagte und den Wagen hinter sich her riß.
Das Mädchen kreischte, der Junge fluchte und als er den Wagen in ruhigen Gang gebracht hatte, sagte er zur Schwester: „Der Hof ernährt ohnedem kaum eines, bist du schon zu viel, weil du ja auch ausgesteuert werden sollst, nun soll gar noch ein drittes davon fressen und zehren und beteilt werden.“
Er machte durch einen Peitschenhieb seinen Gefühlen Luft, und das Mädchen, das im übrigen seine Anschauungen zu teilen schien, vergalt die Anspielung auf sich nur durch einen nicht ernst gemeinten Puff.
Reindorfer hatte das Hoftor hinter den Davonfahrenden geschlossen, jetzt ging er langsam dem Garten zu; als er an der Küche vorüberkam, trat die Magd an die Schwelle und lächelte ihm zu, er sah sie groß an, dann wandte er sich ab und schritt kopfschüttelnd weiter. Im Garten war eine Laube, dicht mit Reben umrankte Latten, dort ließ er sich auf die Bank nieder, stemmte die Ellbogen auf den Tisch und starrte auf den feinen Kies der Wege.
Durch das breite Weinlaub spielte das Sonnenlicht, die Wiese, die hinter dem Garten hinanstieg, ließ es in hellem Grün erglänzen, bis hinauf zu dem Kamme des Hügels, den eine tiefdunkle Tannenwaldung umsäumte. Kroch, schwirrte und surrte es nicht durcheinander in Halmen, Büschen und Bäumen, flatterte, flirrte und sang es nicht in den Lüften? Das wirkt der Sonnenschein mit Licht und Farbe und Wärme — es ist doch sonst oft dem Bauer dort in der Laube das Herz im Leibe dabei aufgegangen, daß ihm das Grün so erfreulich, der Vogelsang so lustig schien, warum gerade heute nicht, wo man aus der linden, wohligen Luft mit jedem Atemzuge Lebensfreudigkeit und Lebensmut in sich sog, wo im lieben klaren Tageslichte jede Sorge verbleichen mußte; warum schlich er nicht über den Hof, und stahl sich leise durch die Küche, und lauschte an der Türe der Stube mit den verhängten Fenstern, die Magd hätte ihn sicher nicht verraten und wunder nähme sie es auch nicht, wenn er es täte, das wollte sie ihm nur zu verstehen geben, als sie ihn vorhin anlachte — warum hielt er sich ferne?
Ein paarmal rückte der alte Mann unentschlossen auf der Bank hin und her. „Solltest doch nachschauen geh’n, daß es nicht auffällt. Ja, wer es so weg hätte, sich zu verstellen, daß es ihm niemand anmerkt und jeder glaubt! Vielleicht verstellt sich die ganze Welt so, als wär’ alles gut und schön, und es ist der Sonn’ nicht ernst damit und dem Gefiederwerk, das da herumlärmt; und dem ganzen lichten Tag ist es anders um das Herz, als er glauben machen will, und ich trau’ ihm heut’ nicht.“
Ja, er hatte seinen guten Grund, fernzubleiben, aber er konnte ihn niemandem sagen, denn auch derBauer hält auf seine Ehr’ und Reputation in der Gemeinde und vor den Nachbarsleuten, und eben darum durfte er nicht auffällig tun, daß man nach keinem Grunde suchte, eben darum sollte er doch nachschauen geh’n, damit keines ahnen konnte, was ihm, dem Reindorfer, nur zu gewiß war.
Das Kind war nicht sein!
Ja, wer es weg hätte, sich so zu verstellen! Was heute kommen sollte, war schon lange vorher zu wissen, von dem Tage an, wo es sich nicht mehr verheimlichen ließ, daß die Bäuerin sich vergessen habe, und wo er sich mit Mühe zurückhielt, daß er sie nicht mißhandelte. Er wollte ihr erst ein volles Geständnis erpressen, aber die Bäuerin schwieg in hilf- und ratloser Scham, und als er ruhiger geworden, da dachte er, er brauche ihr nicht abzufragen, was er wohl wußte. Herbergte er nicht im vergangenen Herbste ein paar Tage den Bankert des Müllers im Wasser-Graben, den Urlauber, dem niemand Gutes zutraute, und der in der Stadt drinnen vor nicht lang auch wieder eine ins Unglück gebracht haben soll? —
Bisher meinte er, er würde es auch, wenn die schwere Stunde käme, erzwingen können, daß er den Leuten keinen Anlaß zum Nachdenken gäbe, aber jetzt stand sie vor der Türe und er konnte nicht wider das Gefühl, das ihm die Brust verschnürte.
So saß er denn da außen im Garten, sah nieder auf den Kies und traute dem leuchtenden Tage nicht, von Zeit zu Zeit seufzte er schwer auf, als wollte es ihm — volkstümlich gesprochen — das Herz abdrücken. Das machte ihn verwirrt, denn jeder Seufzer erinnerte ihn, daß er litt, körperlich litt, daran hatte er nicht gedacht und nun war ihm, als sei alles inseiner Brust zusammengeschrumpft, leer, und eine ungeheure Last drücke von außen nach, als wollte sie ihm den Brustkasten in die Höhlung pressen, und dieses Gefühl ließ sich nicht verwinden, darunter seufzte er auf.
„Man kommt nicht auf gegen das Blut, meint man’s noch so gescheit, man kommt ihm nicht auf! Sagt ja auch die Bäuerin aus, sie hätt’ niemal kein’ Gedanken an so was gehabt und weiß jetzt selber nicht, wie sie es hat tun mögen. Was taugt aber der Mensch, wenn er auf sich selber kein’ Verlaß hat? Dann sind Treu und Glauben auf der Welt Narrensachen! Wofür ist gar ein Sakrament auf der Ehe, wenn eines so ungerufen durch eine Hintertür ins Leben kommen kann? Wär’s nicht recht und ihm selber besser, ich brächt’ den Bankert gleich um?“ — Seine Hände zuckten krampfhaft ... und da sah er auch leibhaftig das Kind vor sich liegen, mit dem gleichmütigen Munde und den großen verwunderigen Augen, er zog die Arme an sich und dachte an den schuldigen Teil. „Zwanzig Jahr’ hat sie ausgehalten, hat sich jung nie was vergeben, auf ihr Alter hat sie sich’s versparen müssen. Ich weiß mich nicht aus, o du heiliger Gott, ich weiß mich nicht aus! Wir waren nie anders als gut aufeinander, sie hat es oft selber gesagt, sie könnt’ sich nicht beklagen; zwanzig Jahr’, zwanzig Jahr’ haben wir in Ehr’ und Einträchtigkeit verlebt, da vergißt sie ’n Mann und ihre eheleiblichen Kinder um einen hergelaufenen Lumpen und nicht lange von heut, so läuft — als müßt’ es sein und gehör’ es ihm — der lebendige Schandfleck im Hause und in der Familie herum! Sie hätt’ mir’s doch nicht antun sollen, sie hätt’ mir’s doch nicht antun sollen!“ Sein Blick wurde ungewiß und seine Mundwinkelzuckten. Da erhob er sich, strich mit der harten, schwieligen Handfläche über den Tisch. „All’ vorbei!“
Er ging zurück über den Hof.
„Treu und Glauben sind Narrensachen!“
Als er vorbeikam, wollte der Kettenhund an ihm hinaufspringen, er aber jagte ihn mit einem Fußtritte in die Hütte, dann tat er ihm wieder leid. „Sultan,“ rief er, „Sultan!“ Und klatschte sich auf das Knie.
Der Hund war verschüchtert und verkroch sich in das Stroh.
„Herein, da herein!“
Das Tier gehorchte und er tätschelte ihm mit der Hand auf den breiten Schädel. „Ja, ja, du bist mein guter Hund, ich weiß, ich weiß schon,“ sagte er, als der plumpe Köter vor Freude immer in wunderlichen halben Sprüngen aufhüpfte. „Auf dich ist schon Verlaß, dich kann freilich nicht verdrießen, daß du bleibst, wie du bist — ist dir ja gar keine Zeit gelassen — bringst es ja kaum auf zwanzig Jahr’! — Bist nur ein dummes Vieh und bleibst eines! — Ja, ja — bist ein braver Hund!“
Er bückte sich hinab und beschwichtigte das immer zudringlicher werdende Tier. Da kam jemand rasch heran und blieb neben ihm stehen und sagte: „Bauer, es ist da, ein Dirndl ist’s!“ Es war die Magd. Reindorfer erschrak, er blickte empor, kniff die Augen zusammen, verzog grinsend den Mund und nickte ein paarmal hastig mit dem Kopfe. Er dachte, er habe das recht hübsch gemacht und niemand könne es anders deuten, als er sei über die Botschaft erfreut, die Magd nahm es auch dafür und lief vor ihm her nach der Küche, öffnete die Stubentüre und lachte hinein: „Der Bauer kommt schon!“
Reindorfer trat in das Zimmer, nahte sich auf zweiSchritte dem Bette und sagte, ohne die Bäuerin anzusehen: „Ich bin froh, daß es vorüber ist!“
Das Kind wurde ihm in den Arm gelegt. Es schrie kräftig und schien stark und gesund.
Da war es, trug kein Mal und kein Zeichen, — war ein Kind wie ein anderes.
„Daß es leben mag!![1]“
Der Bauer schüttelte den Kopf, die Hände begannen ihm unter der winzigen Last zu zittern, und die Wöchnerin verlangte hastig das Kleine zurück.
Nachdem er mit einigen hervorgestotterten Worten den beiden Weibern gedankt hatte, „für ihre Freundschäftlichkeit und Gutheit und Hilfeleistung“, versah er sich mit Pfeife und Tabaksblase und verließ die Wochenstube. In der Küche brannte er mit einer Kohle den Tabak an, klappte den Pfeifendeckel zu, schritt dann über den Hof hinaus auf den Fahrweg und wandelte wie ein Träumender dahin.
In wirren, wechselnden Bildern drängten sich dem alten Manne die Erinnerungen seines Lebens auf und er sammelte und sichtete, wie es sich bot, ob es fern oder nah lag, was er genossen oder gelitten, gut gemacht oder übel getan, und suchte es gegeneinander abzuwägen; denn was eines erlebt, das muß doch einen Sinn haben, Freud’ und Leid, Rechttun und Verschulden mußte sich ja doch ausgleichen! Aber die Rechnung wollte ihm nicht stimmen.
Warum er den Hof verlassen hatte und jetzt beharrlich nach einer Richtung den Weg verfolgte, erwußte es nicht. Plötzlich blieb er stehen und horchte auf, er vernahm das Geräusch eines herankommenden Wagens, nun besann er sich, seinen Kindern war er entgegengegangen. Nun rief er sie an, sie mußten halten und ihn auf das Sitzbrett, in ihre Mitte nehmen. Da saß sich’s gut.
„Nun, wie geht’s daheim?“ fragte der Bursche.
„Eine Schwester habt ihr gekriegt.“
Mehr sagte der Bauer nicht und die beiden frugen nicht weiter und so fuhren sie denn schweigend dahin.
Abenddämmer lag über den Matten.
Als sie der Stelle zulenkten, wo der „Wasser-Graben“ in den ihren einmündet, da rasselte ein anderes Fuhrwerk daher und sie wurden angerufen: „Liebe Leuteln, haltet ein wenig auf, laßt mich vorfahren!“
„Ist’s nicht der Knecht aus der Mühl’?“ fragte Reindorfer, indem er die Zügel anzog. „Wohin noch in der Eil’?“
„Nach’m Pfarrhof. Der Müller macht’s nimmer lang! Gute Nacht!“
Damit polterte der Wagen ihnen voran, er war ihnen lange aus Gesicht und Gehör, als sie durch ihr Hoftor einfuhren.
Vom Hofe aus führt eine Stiege nach dem Dachboden, einige Pfeiler stützen sie, und der Raum zwischen ihnen und dem Treppengang heißt „die Lauben“, in derselben befand sich ein Tisch und dahin trug jetzt die Magd das Abendessen für den Bauer und das Gesinde. War ja ohnedies heut spät geworden.
Der junge Reindorfer trat nur unter die Türe, um seine Mutter zu grüßen, das Mädchen aber schlüpfte an ihm vorbei und eilte zur Wiege.
Die Bäuerin erwiderte den Gruß ihrer Kinder, dann kehrte sie sich hinüber zur Wand.
Als der Bursche die Türe hinter sich zuzog, sagte die Tochter, welche sich über den Säugling gebeugt hatte: „Ist ein klebers[2]Ding. War ich auch so?“
„Ist doch keines anders.“
Der Bescheid ward mit halb ungläubigem Lächeln aufgenommen.
„Gute Nacht, Mutter!“
Die Wöchnerin war allein — und sie sollte auch allein bleiben.
Nach dem Abendessen und geschehener Danksagung bedeutete Reindorfer die Magd, sie möge in der Küche schlafen, daß sie zur Hand sei, wenn etwa der Bäuerin nachts etwas zustoßen sollte, er meine aber, Ruhe sei ihr vor allem vonnöten, und darum geh’ er heute mit seinen Kindern auf den Dachboden schlafen.
Noch friedlicher als er im Tageslichte gelegen, lag nun der Hof im Mondenschimmer, denn auch seine Einwohner ruhten; der Schlaf hielt sie in seinem Banne, den Sinnen — durch die aller Reiz und alle Regung, all’ Lust und Leid ihren Einzug halten — räumte er schmeichelnd die Wirklichkeit hinweg, wie eine Mutter spielmüden Kindern das Spielzeug, und während wir oft, wenn wir über die arme Frist unseres Daseins erbangen, ihn kindisch anklagen, als ob er sie unterbräche und uns davon wegnähme, teilt er von Tag auf Tag die Last des Lebens; trage sie einer, sei Schmerz oder Wonne ihr Druck, in einem Stücke, wie gar zu bald erläge er.
Geräusch ist sonst ein ohnmächtiger Feind, aber wenn sich Unruhe im Innern des Schläfers mit ihm verbündet, dann verscheucht es den Schlaf.
Fuhr nicht ein Wagen eilig an dem Hause vorbei?die Leute darauf mußten eine Laterne mit sich haben, denn ein Lichtschein streifte die Tücher, womit die Fenster verhangen waren.
Die Reindorferin ermunterte sich, sie horchte auf — wie stille war alles — sie war gewohnt, dort von der Ecke her die regelmäßigen Atemzüge ihres Mannes zu hören, nun gewahrte sie in dunklen Umrissen das unberührte Lager, sie tastete neben sich, da stand die Wiege und in derselben lag das Kind, ohne Laut und Regung; war es Furcht oder Hoffnung, was sie mit zitternder Hand nach dem kleinen Körper langen machte? Sie fühlte Wärme und verspürte den leisen Atem. Sie zog hastig den Arm unter die Decke, war es Widerwille oder Freude, was sie empfand? Wußte sie es? — Und in ratlosem Unwillen über sich selbst und alles, wie es gekommen war und noch drohend ausstand, drückte sie heftig das Gesicht in die Polster, und ihre Augen wurden feucht. Weinte sie über sich oder über das Kind? Wie unschuldig das auch war, konnte sie je ein Herz zu ihm fassen? denn auch sie wird es, solange es lebte, vermahnen, denn auch für sie, die Mutter, verbleibt es, wie es der Bauer genannt, ein Schandfleck!