21.

21.

Früh am andern Morgen ging der Bauer mit Gesinde und Taglöhnern vom Hofe weg. Obwohl die Arbeiter sich in zwei Partien schieden, deren jede es von einem anderen Ende des weitläufigen Grasbodens angriff, so sah doch in der ersten halben Stunde jeder den Bauern mehrere Male; er hatte — wie die Leute meinten — „heut wieder einmal das große Umschießen“. Später sah man ihn längs des Waldsaumes dahinstreifen und bald darauf gar nicht mehr.

Hatte er es mit seinem Ab- und Zulaufen darauf abgesehen, die Leute bei Fleiß und Rührigkeit zu erhalten, so wirkte allerdings die Furcht, daß er mit einmal wieder mitten unter ihnen zur Stelle sein könnte, eine geraume Weile nach.

Er war, ein wenig zögernd, in den Wald getreten, dann eine gute Strecke unter den Bäumen dahingegangen, plötzlich besann er sich und kehrte zurück, hielt aber mitten auf dem Rückwege wieder inne und verfolgte nun gesenkten Kopfes und mit stark ausgreifenden Schritten den Pfad, der tiefer in den Wald führte. Als er, um auszuschnaufen, still hielt,befand er sich auf freier, sandiger Heide, fern im Rücken die dunklen Föhren.

„’s wär’ ein Unsinn,“ murmelte er. „Jetzt, wo ich so weit von Föhrndorf abkommen bin und so nah nach Hinterwalden hab’, müßt’ mer mich frei auslachen, wenn ich umkehret.“

Wieder begann er rasch auszuschreiten. Er hatte einen Weg zu nehmen, nicht kürzer, als der zurückgelegte war, um an das Dorf heranzukommen, und erst eine Strecke hinter demselben lag der Hof auf der weiten Hald’.

Als er Hinterwalden erreichte, bog er von der Straße, die ihn mitten durch den Ort geführt hätte, nach einem Fußsteige ab, der im Rücken der einen Häuserzeile an Gartenzäunen und Scheuern hinlief und sich mit dem Fahrwege erst angesichts der letzten Häuser wieder vereinigte, unmittelbar vor einer Brücke, unter welcher ein dünner Wasserfaden in einem zerklüfteten Bette rann, in welchem nur frühjahrs und nach Regenstürzen ein schäumender Wildbach toste. Jenseits der Brücke lag ein mit Buschwerk bestandener Hügel.

Als der Bauer über den Bach schritt, tat er einen flüchtigen Blick über die Achsel, sah aber niemand um die Wege; nur dort vor dem Laden des Krämers, der zugleich Posthalter war, stand, den Rücken herwärts, eine Dirne, die einen Brief in den Sammelkasten warf.

Als der Bauer den Hügel hinanstieg, horchte er auf und zog ein ärgerlich Gesicht; über die Brücke kam jemand in trappelnden, eiligen Schritten nach, dem mochte er nun vorauflaufen, oder hinter ihm zurückbleiben, nach fünfzig Schritten hatte der Busch ein Ende und begann die weite Hald’, wo man für jeden, ob er einem im Rücken herankam oder voranschritt, auf eine lange Strecke sichtbar blieb. DasKlügste war wohl ins Gesträuch zu brechen und den Weg eine gute Weile über ganz freizugeben.

Dazu wollte der Bauer eben Anstalt machen.

„Kaspar,“ rief eine Stimme hinter ihm, auf deren Klang er sich mit einem Ruck umwandte.

„Ja, bist du ’s denn?“ sagte Leni, die freudig aufschauend an ihn herantrat.

„Ei, freilich bin ich’s, wohl,“ lachte er, indem er sie an beiden Händen faßte. „Grüß dich Gott, du mein herztausendschöner Schatz! Und dann bist wohl auch du dieselbe dort bei’n Briefkastel g’west?“

„Ja, ich hab’ g’schrieb’n.“

„An wen denn?“

„Rat’ einmal.“

„Kann ich’s?“

„’s is kindleicht.“

„Kindleicht? Dann g’wiß nach Langendorf an dein’ Vater.“

Sie nickte. „Ihm mußt’ ich doch gleich all’s z’ wissen tun. Was er dazu sagen wird? Es wird ’n wohl recht g’freu’n! Und, Kaspar“ — sie legte beide Hände auf seine Schultern und rüttelte ihn —, „wie erst mich, wenn ihr zwei euch sehn und reden möchtet!“

„Ei, Lenerl,“ sagte er rasch, hielt aber plötzlich inne und wich ihrem fragenden Blick mit schlau zwinkernden Augen aus, dann setzte er überlegend hinzu: „das schickt sich wohl einmal, eher als nit.“

Sie senkte den Kopf.

„Aber grundmäßig g’freut mich,“ fuhr er fort, „und is ein merkwürdiger Zufall, daß ich dich da g’troffen hab’.“

„So nah’bei um ’n Weg, wo ich jetzt heim bin? Da is doch b’sonderer, wie du daher kommst, so weit ab, von wo d’ hing’hörst.“

„Herg’rennt bin ich wie a ledig Füllen und hitzt müd’ wie a g’hetzter Hund.“

„Ja, was hat dir denn gar so geeilt?“

„Dich z’ sehn, Lenerl, sonst nix, als dich z’ sehn.“

Er leitete sie an der Hand nach einem Rasenflecke, der auf dem Kamme des Hügels lag, und dort setzten sich beide unter dem Schatten eines Busches auf dem grasbewachsenen Rande einer Erdwelle nieder.

„Weißt, Lenerl, gar z’ schnell bist mer fort g’west und wie ich heut fruh nachdacht hab’, was gestern af einmal alles uns überkommen und sich zu’trag’n hat ... Jesses und Joseph, wir war’n doch kein klein’ bissel[27]dumm, das heißt, vor all’m ich, ich als Mann, ’s darf dich nit harb’n und braucht’s auch nit, in denselben Stucken und Sachen macht auch der Verstand nit g’scheiter ... wie ich also all dem Gestrigen nachsinn’, is mir frei g’west, als hätt’ ich ’träumt, ei, denk’ ich mir, rennst umi[28]und hilfst dir aus’m Traum. Vom Grasboden bin ich ihnen heimlich abg’fahr’n und hab’ glücklich bis daher g’troffen, ohne a menschliche Seel’ z’ begegnen; z’ Föhrndorf und Hinterwalden weiß niemand um mein Hiersein, denn wenn mich wer g’sehn hätt’, wie ich eil’ und wohinzu, ’s wär’ wieder was zun Lachen g’west und dazu hab’n wir eh’ schon mehr Anlaß geb’n, als uns lieb is. Nun war nur noch mein’ alleinige Sorg’, wie ich mich an’ weiten Haldhof h’ranschleich’ und dich z’ G’sicht krieg’, und schau, da hilft der Herrgott sein’ Leuten und führt uns mitten Weg’s z’samm’, wenn auch nur af a paar Minuten Alleinsein, aber grad die hab’n mir g’fehlt, von gestern her noch, wie wir einmal eins g’west sein.“

Er legte die Rechte um ihre Hüfte und faßte mit der Linken ihre Hand und ihr welliger Scheitel neigte sich gegen seine Wange.

Im Busche zwitscherten und flirrten Vögel, ein bunter Falter gaukelte über den Rasen, Ameisen liefen eilig zwischen Moos und Steinen dahin und kleine, grünschillernde Käfer schaukelten sich auf den Halmen, die gleich den Blättern, jetzt von der Sonne durchleuchtet, dann im sanften Winde fächelnd, ein wechselndes Farbenspiel trieben. Weithin sah man über die Halde, deren Grün mancher bunte Fleck unterbrach, an Stellen, wo zahllose Feldblumen emporgeschossen waren; gar klein lag dort der Haldhof mit seinem weißen Gemäuer und roten Dache, noch weiter ein lichter Streif, über den eine Nadel mit goldengleißender Spitze aufragte, der Kirchturm einer Ortschaft, dahinter blauten hohe Berge und über dem allen wölbte sich ein klarer Himmel, der mit erfreulichem Licht und belebender Wärme an das Nächste wie an das Fernste rührte und regte.

„O, du mein Herrgott, wie is doch d’ Welt schön!“ sagte Kaspar leise. Da fühlte er den kurzen, zustimmenden Druck der Hand, die in der seinen lag. So saßen sie eng aneinander geschmiegt, zu tiefst im Herzen befriedet, ohne einen Wunsch in der Seele und ohne einen Anspruch an diese prangende Welt.

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Sie wußten es nicht zu sagen, wie lange sie gesessen hatten, als sie sich plötzlich erhoben und zugleich sagten: „’s is Zeit, jetzt heißt’s wieder laufen.“

„B’hüt Gott, Kaspar,“ sagte sie.

Er aber hielt sie an der dargereichten Hand zurück, zog sie an sich und seine Lippen suchten die ihren.„B’hüt Gott, Lenerl, mein.“ Noch rief er ihr nach: „Wirst von mir hören, bald!“

Sie nickte ihm lächelnd zu und schritt dann, ohne sich umzusehen, eilig dem Hofe auf der Halde zu.

Eine ganz kurze Weile stand der Bauer und blickte ihr nach, dann kehrte er sich ab und nahm den entgegengesetzten Weg. Wieder umging er Hinterwalden. Als er auf dem Fußsteige einherschritt, pfiff er halblaut Ländlerweisen und lachte dazwischen ein über das andere Mal; das andere Mal geschah es immer, weil ihm das eine Mal das Lachen die zum Pfeifen gespitzten Lippen breit gezogen hatte. Das Dorf im Rücken und die freie offene Heide vor sich, begann er Tanzweisen und Schnadahüpfeln vor sich hin zu summen und unter den dunklen Föhren wagte er gar einen hellen Juchzer. Am Fuße der mächtigen Stämme hinstreichend, summte und pfiff, pfiff und summte er die Sangweise eines Vierzeiligen, dessen Worte ihm lange nicht beifallen wollten, und als er sie endlich hatte, platzte er lachend heraus:

Vernünftig und g’scheit,Und tun, was ein’ g’freut!So vernünftig, o mein,Möcht’ ich selber gleich sein!

Vernünftig und g’scheit,Und tun, was ein’ g’freut!So vernünftig, o mein,Möcht’ ich selber gleich sein!

Vernünftig und g’scheit,Und tun, was ein’ g’freut!So vernünftig, o mein,Möcht’ ich selber gleich sein!

Vernünftig und g’scheit,

Und tun, was ein’ g’freut!

So vernünftig, o mein,

Möcht’ ich selber gleich sein!

’s war ein Hauptspaß, daß er just dem nachsinnen mußte und nicht sofort darauf verfiel, aber das letztere nahm ihn nicht wunder, den ganzen Weg über horchte er kaum auf sein eigenes Gesinge, seine Gedanken hatte er ganz anderswo und über den letzten galt es sogar rasch schlüssig zu werden.

— — „Hätt’ sie sich nit g’scheut, g’wiß möcht’ s’ mich gebeten haben, daß ich ehestens ihr’n Vatern aufsuch’. Ich hab’ ihr’s wohl ang’merkt, am liebsten hätt’ s’ mich gleich gradweg’s von Hinterwalden nachLangendorf g’schickt. Sie kann’s nit erwarten, daß mich der Alte sieht und ich selber wär’ nit wenig neugierig auf ihn. Ja, mein’ liebe Leni, mit dein’ Brief karriolt wohl der Postbot’ schon die Straßen vorauf, den hol’ ich nimmer ein; aber hint’nach mag ich dort sein, eh’ d’ nur ein’ Gedanken davon hast. Was? das ging’ wohl? Han?“ — —

Es war hoch am Mittage, als er den Grasboden erreichte und mit einmal wieder, wie aus der Erde gewachsen, vor den Arbeitsleuten stand, deren verlegene Mienen ihn wohl merken ließen, daß sie sich seine Abwesenheit zunutz’ gemacht; aber er schalt nicht. „Lei, lei[29],“ sagte er, „tut nit lauleln[30], Leut’! Ich verlang’ von kein’ mehr, als sich ’n Tag über schaffen laßt, das aber wohl. Seid nur auch billig, wie ich’s bin.“

Er nahm den Großknecht beiseite. „Heiner, morgen mußt du dich da als Herrn aufspiel’n. Ich fahr’ zur Eisenbahn. Trag mir Sorg’, daß Roß und Wagen rechtzeitig bereit stehn. Der alte Sepp zählt wenig mehr bei der Feldarbeit und geht nit ab, mag er mitfahr’n und auf der Station warten, bis ich heimkehr’.“

Er rieb sich vergnügt die Hände.

Auf dem Reindorfer Hofe ging es recht lebhaft zu. Gegenüber auf der Anhöhe vor dem Tannenwäldchen krachten Pöller, Pistolen wurden im Hofe abgefeuert, es herrschte lauter Jubel, Hochzeitfeier war im Hause.

Nachdem die alte Reindorferin gestorben war, redete alles auf den Bauer ein und stellte ihm vor, wie er es nun doch nimmer allein werde richten und machen können. Schon damit die Wirtschaft nicht zurückginge,sollte er sie doch ja beizeiten seinem Leopold übergeben und den heiraten lassen, wenn es nicht anders wäre, in Gottesnamen die Melzer Sepherl, die werde sich ja auch anders anlassen, wenn man ein Einsehen mit ihr hat, und jung waren wir alle, mein Himmel, das gibt sich mit der Zeit! Allerdings, das Jungsein pflegt sich mit der Zeit zu geben. Der Alte wollte auch wieder etwas „Weiberhafts“ auf dem Hofe haben, es war recht kindisch, daß er dabei an die Magdalen’ dachte und sich die Melzer Sepherl aufreden ließ, aber es waren ihrer so viele, die da zuredeten und ihn ganz verwirrt machten, so daß er eines Tages ja sagte; die alte Hex’, der Sepherl ihre Mutter, war ja mittlerweile gestorben und die hatte er am meisten gefürchtet. So kriegten sich denn der Leopold und die Sepherl und heute hielten sie Hochzeit.

Nur war kein Verwandtes bei der Feier, der Onkel Schulmeister war gestorben, die Magdalen’ — schützte man vor —, wär’ zu weit weg, um sie einladen zu können, und die Schwester Elisabeth war weggeblieben; die war mit der neuen Verschwägerung gar nicht einverstanden und als ihr gegenüber der Alte entschuldigend meinte, daß ihm halt so viel zugeredet worden sei und daß er hoffe, es werde wohl alles zum Guten ausgehen, da hatte sie gesagt: „Erzwingen hätt’ man deine Einwilligung doch nie können, und daß du die hast in die Verwandtschaft lassen, das verzeiht dir mein Mann nimmer und ich auch nicht.“

Auch dem Grasbodenbauer kam diese Hochzeit verquer und er war nicht sonderlich erbaut, als er vom Wagen stieg, den er in der Kreisstadt gemietet hatte, und nun in dem Trubel und aus dem Menschengewirr den Mann herausfinden sollte, dem er sich in einer stillen Stunde und traulichen Ansprache gegenüberdachte, wobei ihnen beiden das Herz aufgehen mochte. Indes an Ort und Stelle war er einmal und diese lagen doch etwas zu weit ab, als daß man sich so leicht entschlösse, umzukehren und ein andermal wiederzukommen, so trat er denn in den Hofraum und bat einen der dort lärmenden Burschen, ihm den Reindorfer auf einen Augenblick abzurufen.

„Den Bräutigam?“ fragte der höchlich verwundert.

„Nein, den Vater!“

„Ah so, den Alten?“ Der Bursche zuckte geringschätzig die Achseln, man sah, daß ein neu Regiment auf dem Hofe begann. „Ah so, den Alten? der hat sich verzogen, er sitzt im Garten in der Lauben, mein’ ich. Sitzt der Alte nit in der Gartenlauben?“ wandte er sich an ein paar Nächststehende.

„Ja, der sitzt in der Gartenlauben.“

Der Grasbodenbauer begab sich in den Garten, er stand nach wenigen Schritten vor der Laube und hielt still inne. Im Schatten des überwuchernd dichten Blätterdaches saß ein silberhaariger Alter, der einen Brief in den zitternden Händen hielt und oft während des Lesens wie ungläubig lächelte und den Kopf schüttelte, immer danach brachte er das Schreiben dem Auge näher; jetzt war er, wohl auch nicht zum erstenmal, damit zu Ende gekommen und faltete es bedächtig zusammen. „’s Glück meinet ihr’s gut,“ murmelte er, „’s Glück wollt’ ihr schon, käm’ nur nix dazwischen, ’s g’schäh’ mir hart.“

„Kein’ Sorg’,“ sagte, hinzutretend, der Grasbodenbauer.

„Jesus, wer ist denn da?“ fragte, zusammenschreckend, der Alte.

„Einer, der’s ehrlich meint. Grüß Gott, Reindorfer.“

„Mein Je, wer der mich kennen will, und ich entsinn’ mich nit, aber gar nit.“

„Glaub’s wohl, wir sehn sich heut ’s erste Mal, aber die Schrift af’m Brief, den d’ zu dir gesteckt hast, is mir nit fremd.“

„Er is von meiner Jüngsten, von der Leni.“

„Ich weiß’s und mehr auch noch, ohne ein Hexenmeister z’sein; ich weiß gar, was dreinsteht.“

„No, dös doch nit.“

„Ei wohl. Schreibt s’ nit von Hinterwalden all’s Gute und Schöne? Daß s’ vom Grasbodenhof z’ Föhrndorf als Dirn’ weg is und als Bäu’rin draufkimmt?“

„Ja ja, schau einmal!“

„Und rat’ ich weit um, wenn ich sag’, daß s’ ’n selben Bauern ihr’n Kaspar nennt, und ’s Liebere und Schönere von ihm schreibt?“

„Ei freilich,“ lachte der Alte, „das tut sie halt ja, wird ihm wohl auch gebühr’n.“

„Ob’s ihm gebührt, dös streit’ ich nit, aber daß sie ’s guten Glaubens is, da drüber is niemand froher wie ich! Und nach all dem, was hitzt g’red’t is, gib ich dir wohl auch kein schwer Rätsel mehr auf, wenn ich dich frag’: Wer, meinst, wer ich bin?“

„Ei, du mein,“ sagte der alte Mann sich etwas mühevoll erhebend. „Wirst doch du nit etwa selber der Grasbodenbauer sein?“

„Selber,“ lachte der, „’s tut’s kein andrer für mich.“ Er bot dem alten Reindorfer die Hand, drückte ihn wieder auf den Sitz zurück und nahm an seiner Seite Platz. „Ich bin ’kommen, bei dir um Magdalen’ anz’halten.“

„So, so? Na, das g’freut mich, das g’freut mich schon gar nit zun sagen!“ Er streichelte mit beiden Händen die Rechte des jungen Bauers über dem Tische.

„Dann schlag’ nur gleich ein,“ sagte Kaspar.

Der Alte zog verlegen die Hand zurück. „Nein, nein, noch is ’s kein b’schloss’ner Handel,“ sagte er. „Eins könnt’ dich davon absteh’n machen. Mein’ Seg’n den gäb’ ich wohl z’tausend und tausendmal dazu, aber mit dem müßt’ d’ auch vorlieb nehmen, sonst nix! Morg’ngab’ kriegt die Dirn’ keine mit.“

Der Grasbodenbauer tat einen ärgerlichen Ruck mit dem Kopfe. „Hab’ ich der nachg’fragt? Ich mein’ nit!“

„Dann is ’s recht, dann is ja all’s recht, da sag’ ich nix mehr, als unser Herrgott lass’ euch lang’ glücklich und zufrieden miteinander hausen! Und a wahre Freud’ is mir auch, daß d’ mir d’ Ehr’ erweist und kommst, dich anschau’n lassen, von so weit her. Soll ein ornd’lich Stuck Weg sein von Föhrndorf, hab’ ich mir sagen lassen? Aber is ’s denn auch d’ Möglichkeit, daß d’ schon da vor mir stehst, wo ich kaum ’n Brief von dort in Händen hab’? Sag mir nur, wie kommst denn her in derer Schnell’n?“

„Mit der Eisenbahn. Mit’m Schnellzug bin ich bis zur Kreisstadt. Da flieg’n dir nur d’ Zäun’ und Bäum’ und Häuser vorbei, daß dir völlig schwindlig wird und kaum hast Zeit breit niederz’sitzen, so heißt’s schon wieder aussteig’n.“

„Schau, schau, so is dös mit der Bahn? Hab’ mir viel davon erzählen lassen, aber mein Lebtag noch keine probiert. Da is ja bald d’ G’schicht’ von dö Sieb’nmeil’nstiefeln kein’ Lug’ mehr! Ja, ja, wann sich der Mensch fürs erste auch nur vorfabelt, wonach er Begehr tragt, spater fangt er an dran herumz’sinnieren und ’s laßt ihm kein’ Ruh’, bis er ihm zun wenigsten nah’kommt. Schau einer, dö Bahn, ja, dö Bahn!“

Er nickte paarmal vor sich hin, dann hob er plötzlich den Kopf. „Je, was wollt’ ich denn noch Red’ haben? Worauf war’n wir z’letzt?“

„Auf der Eisenbahn.“

„Eh, Eisenbahn! Vorher?“

„Über d’ Leni sein wir einig word’n.“

„Ja, ja, bin schon drauf! Aber da siehst es, du hast es, wie man doch im Alter oft ganz verwirrt werden kann! Heut nimmt’s mich auch gar nit wunder, der Kopf tut mir schon weh; seit der Fruh schießen die Sackermenter Löcher in d’ Luft, zuvor haben sie’s auf eine Weil’ eing’stellt, jetzt heben sie wieder damit an, man kann kein gescheit Wort reden — — Jesus und Joseph!“ schrie er auf und fuhr mit beiden Händen nach den Ohren, denn von der Anhöhe donnerten zugleich beide Pöller und Schlag darauf krachten alle Pistolen im Hofe los.

Danach ward es stille, man sah auch, daß sich die Leute verloren. „Jetzt geht’s ans Fressen,“ sagte aufatmend der Alte, „nun geben s’ für eine Zeitlang Ruh’! — Ja, mein lieber Grasbodenbauer,daswollt’ ich bereden, daß dich wohl befremden mag, daß die Dirn’ nix mitkriegt, aber so leid mir g’schieht, ich kann nit! Mußt mich der’wegen für kein’ alten Scharrz’samm’ halten und mir auch nit bös sein, daß ich dir nit klarmachen kann, was mich da verpflicht’t und bind’t; aber es is ein’ G’wissenssach’, wohl ein G’wissenssach’, daß ich mein’ andern Kindern ihretwegen nix entziehen darf.“

„Müh’ dich nit, Reindorfer. Ich nähm’ ja die Sach’, wie sie liegt, aber aufrichtig, ich weiß eh’, wie sie steht und, als ehrlicher Mon, brauch’ ich wohl nit erst z’sagen, daß ich s’ auch bei mir b’halt’. D’ Leni hat mir nix verheimlicht, sie hat mir all’s anvertraut, was sie angeht.“

„So, so? Schau, schau! das hätt’ sie doch lieber auch bleiben lassen können! Nun halt, eigentlich hatsie wohl recht g’habt, zwischen Mann und Weib soll nit die geringste Heimlichkeit bestehn, da soll jed’ Herzfalterl offen liegen; aber ich steh’ halt jetzt schön sauber vor dir da!“

Der Grasbodenbauer schnitt ein einigermaßen verlegenes Gesicht, ehe er polternd herausfuhr: „Na, wie denn auch?! Mein Gott, du bist nit schlechter wie der heilig’ Joseph, der Nährvater.“

Der Alte blinzelte ihm einen lustigen Blick zu. „Du, du! Wirst dich schier mit mein’ Namenspatron zerkriegen, wann d’ so despektierlich von ihm red’st.“

„Nein, nein, mußt erst mein Meinen anhör’n! D’ Heiligen sind einmal auch nur menschliche Leut’ g’west, wovon jeder auf sein’ Art und Weis’ is heilig word’n und heut noch in seiner Art a Vorbild gibt und in seiner Weis’ Fürbitt’ leist’t; drum wissen wir gut — so viel ihrer sind —, nach welchen wir sich zu richten und an wen wir sich z’ halten haben und drum is auch nit jeder Heiliger ein’m jedem seiner! Wirst mich wohl verstehn?“

„Versteh’ dich schon. Wo aber keines Vorbild und Fürbitt’ mehr zureichen will, da kommt’s bei jedem auf der krumm’ Schusterin in unsern Ort ihr’ Red’ h’naus. All’n Heiligen sagt s’, bin ich umsonst ’kommen, jetzt muß einmal unser Herrgott dran!“

Der Grasbodenbauer lachte. „Ei, weißt, lassen wir die Heilig’n, ich werd’ dir’s unheilig sag’n.“

„Ist mir eh’ lieber.“

„Hör mich an, Reindorfer und nimm mir kein Wörtel für übel, bevor ich ausg’red’t hab’. Es is nit jedem geben, sich drein z’schicken, in was du dich, und in derselben Sach’ is auch der Leut’ Urteil gar verschieden, denn da schaut jeder mit selbeigene Augen. Es gibt ein’, die offen über so was lachen, und andere, die sich heimlich schadenfreuen, ich für mein’ Teil find’gar nix Spaßhaft’s dran, denn nur selten möcht’s, wie da g’schehn is, ein’m Kind zu nutz’ ausgehn, und viel eh’nder für alle häuslich Zucht und Ehr’ ein abträglich Beispiel geb’n, drum hüt’ ich mich wohl, daß ich dich ’n andern zun Vorbild aufweis’.“

„Davor hüt’ ich mich selber. Hast recht, wenn ich mich auch gleich kein bissel für mich z’ schämen brauch’, so was muß in der Ausnahm’ bleiben; so Beispiel’, worüber d’ Welt von alle geweisten Weg’ abbiegen möcht’, die taugen nit.“

„Ich weiß aber auch, die Menschen sein kein’ Gartenhecken und d’ allg’meine Schicksamkeit is kein’ Buchsscher’, mit der man alle z’samm’ fein sauber nach der Schnur zustutzen kann, und jeder gilt auch an seiner Stell’ und in seiner Art, und da sag’ ich dir, dich lieb z’ g’winnen, könnt’ mir völlig g’nüg’n, daß die Leni, die Dirn’, dein Kind sein will und kein’m andern sein’s! Du stehst aber auch als der hochachtbarige Mon vor mir, der über sie gewacht hat von klein auf und in schweren Stunden, allweil sorglich, daß sie Kopf und Herz af’m richtigen Fleck b’halt und das gedenk’ ich dir, Vater Reindorfer, solang mir unser Herrgott ’s Leben schenkt!“

Der Alte sah mit feuchten Augen freundlich auf, dann nickte er ernst. „Es ist nur der Dank, was mich freuen tut,“ sagte er, „blieb’ er weg, müßt ich’s auch zufrieden sein, es ist doch nur Pflicht gewesen.“

„Pflicht?“

„Ei, jawohl! Schickt man sich auch anfangs hart dazu an, später bleibt man darauf, es ist die einzige Weis’, wo man sich selber fühlt als zu Nutz und zu Recht auf der Welt. Wenn es bei Leuten, die am Wasser wohnen, ein Gut anschwemmt, da denkt vielleicht der eine des Gewinnes wegen: Ich nehm’ es!Und der andere der Schererei halber: Ich lass’ es liegen! Und das denken sie wie ein Dieb und ein Verderber; recht wird es wohl sein, wenn ich es vorsorglich aufbehalte bis auf den Tag, wo es mir wieder abgefordert wird.“

„Wer aber könnt’ dir über das Kind Rechenschaft abverlangen?“

„Gott, und wenn selber der nicht, meine eigene Ehr’ und mein Menschtum.“

Kaspar sah den Alten mit großen Augen an und verhielt den Atem, doch spielte ihm um die Mundwinkel ein verstohlenes Lächeln. Wenn Reindorfer sich auf einen Scherz was zugute tat, so brachte er ihn mit zusammengezogenen Brauen und zwinkernden Augen vor, und wenn er eine ernste Rede besonders bekräftigen wollte, so schlug er mit der Rechten, drei Finger offen und zwei eingeknickt, einen ganz kurzen Auftakt. Das beides hatte Kaspar auch manchmal an Leni bemerkt und das machte ihn nun schmunzeln, dann aber nickte er ernst und sagte: „Du denkst rechtschaffen, wie nit bald einer.“

Eine Magd kam erhitzt herbeigelaufen und schrie: „Bauer, kommen sollst, abgehst ihnen!“

„Gleich komm’ ich.“ Er erhob sich langsam und sagte zu Kaspar: „Willst vielleicht mit h’nein, die Brautleut’ anschau’n und dich ihnen zeigen?“

„Aufrichtig, Reindorfer, wann dir nit dran g’legen is, so unterließ’ ich’s lieber.“

„Mir liegt gar nit daran, es ist zwar mein leiblicher Sohn, von dem ich’s sag’, aber es ist nit gut mit ihm umz’gehen. Wenn die Mahlzeit vorüber sein wird, schreib’ ich ein’ Brief an die Leni und bring’ auch gleich meine Einwilligung zu Papier, ich möcht’ gerne, daß d’ allbeides mit dir nehmen und damit aufweisenkannst, du wärst hier gewesen und nit unverrichteter Sache weggegangen.“

„No, heut, an dein’m Sohn sein’ Ehrn’ntag, wirst wohl kaum Zeit und Ruh’ dazu finden.“

Der Alte schüttelte den Kopf. „Mir ist’s ein Tag wie ein anderer; gut, wenn ich mich seiner nit noch einmal übel erinnern muß! Daß ich’s dir nur sag’, die Leni, die ist mir das Liebste von meinen Kinder, die andern ... hebst nit viel Ehr’ mit der Verwandtschaft auf, Grasbodenbauer, besser, du halt’st s’ von dir fern.“

Kaspar faßte teilnehmend seine Hand. „Du red’st von dein’ eigenen Kindern!“

„Von meinen eigenen. Es mag am End’ doch leichter sein, fremde zu erziehen, an denen einem das Gute weniger Freud’ und das Schlimme mehr Unlust macht. Bei meinen eigenen Kindern hab’ ich’s verfehlt, soll noch was Rechtes aus ihnen werden, muß jetzt Schicksalshärte statt Vatershärte über sie; ich hab’ g’meint, die brauchten keine besondere Nachhilf’, um nach uns, nach den Eltern zu arten, nun zeigen sie ein trutziges, verstocktes Wesen, nehmen, was ich für sie tu’, nicht anders, als müßt’ es sein und haben kein Herz dafür, — kein Herz!“ Er sah eine Weile stumm zu Boden, einmal schnupfte er auf, dann hob er den Kopf und sprach in gleichem Tone wie zuvor weiter zu Kaspar: „Es ist mir recht unlieb, daß d’ gerade heut hast kommen müssen, mitten in den Wirrwarr hinein, wo man dir nit die geringste Ehr’ antun kann, wo d’ bei uns keine Unterkunft find’st, ja nit einmal Roß und Wagen einstellen kannst, da schon welche frei im Hofe herumstehen müssen. Ich denk’, das Gescheiteste muß sein, du laßt dich nach dem Gemeind’wirtshaus fahren und verhalt’st dich dort. Ich werd’schon hinkommen und dir das Versprochene bringen; so brauchst nimmer her in das Getös und Gesäus.“

„Was fallt dir ein, Reindorfer? Was d’ so freundlich warst, mir z’ versprechen, das werd’ ich mir abholen; ich werd’ doch dich alten Mann nit hinter mir jungen herlaufen lassen!“

„Ah, beileib’, es ist ja nit gar weit, nur ein Sprüngerl, und wenn ich mein’ Stock hab’, so bin ich noch recht gut zu Fuß.“

„Mir macht ’s aber gar keine Umständ’, ich hol’ mir’s gern.“

„Nein, ich komm’ hin, ich lass’ mir’s einmal nit nehmen, ich komm’ hin,“ sagte eigensinnig der Alte.

Da rief eine gellende Weiberstimme über den Hof: „Aber Vater!“

„Das ist die Schnur[31],“ sagte der alte Reindorfer. „Also behüt Gott! Sobald tunlich, komm’ ich! Behüt Gott!“ Er griff nach seinem Stocke und trippelte eilig davon.

Der Grasbodenbauer verließ rasch den Hof, bestieg seinen Wagen und fuhr nach dem Gemeindegasthause. Dort saß er in der von Fliegenschwärmen surrenden Gaststube, sah durch deren rückwärtige Tür nach einem Düngerhaufen, auf welchem Hühner scharrten, und durch die vordere auf die Straße, wo ab und zu ein Langendorfer vorbeistapfte und einen „guten Abend“ hereingab. Der Wirt, der beim Schanktische stand, wollte unterhalten sein. „Vetter, was wißt’s Neu’s?“ fragte er und ließ sich nicht so leicht abweisen. „Seid’s ja nit hiesig. Wo Ihr daheim seid, sind wir fremd. Wo seid’s denn her und wie geht’s dort zu?“ Die Wirtin dagegen war ein unterhaltliches Weib; sie saß, mit dem Strickzeug im Schoß, am andern Ende derStube und schrie herüber, was sie „Hierortiges“ wußte, es war wenig, aber sie hatte die Gabe, viel Worte darüber zu machen. Dem Grasbodenbauer, den das nicht zerstreuen konnte, aber auch nicht seinen Gedanken nachhängen ließ, ward die Zeit und Weile schrecklich lang. Er fühlte das Bedürfnis, etwas unter den Händen und vor Augen zu haben, das seine Aufmerksamkeit erforderte und wo es doch nicht viel verschlug, wenn er auch etwas dabei versah. Ein Spiel, am liebsten eines, das einem warm macht. Er ging nach dem Garten und kegelte mit dem Wirte.

Über all das war eine geraume Zeit verstrichen, als endlich der alte Reindorfer sich einfand. „Nit wahr,“ begann er außer Atem, „da erstaunst dich halt, daß ich so fruhzeitig schon da bin? Ich war aber auch fleißig.“ Er übergab dem Grasbodenbauer einen Brief und ein offenes Blatt. „Da is ’s Schreiben an d’ Leni — wann du so gut sein willst —, und ’s andere mein’ Einwilligung zur Eheschließung meiner Tochter Magdalena Reindorfer von hier, zu Langendorf, mit Kaspar Engert,vulgoGrasbodenbauer, zu Föhrndorf. Der Schulmeister — er is ja auch z’ Gast —, hat mir’s in der G’schwindigkeit aufg’setzt und sagt, es wär’ ganz nach der Vorschrift g’macht. Sei so gut und tu es durchlesen, ich weiß nit, ob ich dem Mann heut trauen darf, er hat allzeit Durst und der Wein is süffig. Nachschau’n schad’t nit.“

Er wartete, bis Kaspar das Papier wieder zusammenfaltete, dann fuhr er fort: „Das also wär’ für eure dortige Pfarr’, was für d’ hiesige nötig sein wird, das besorg’ ich alles; darfst nur schreiben, und ich will schon recht aufhorchen alle dreimal, die es der Pfarrer auf der Kanzel vorbringen wird. So denk’ ich, wär’ alles in Ordnung, und nun sei nit bös, wenn ich jetztwieder davonlauf’, heim muß ich auch dabei sein, wenn ich gleich nit viel danach frag’.“

Der Grasbodenbauer hielt ihn zurück. „Steig doch in mein’ Wagen, ich fahr’ ja gleich auf der Stell’. Was brauchst denn z’ gehn? Ich bring’ dich heim.“

„Bewahr’, wär’ nit übel! Aber mein’tweg’n, daß d’ siehst, ich gib dir nach; bis wo der Weg nach ’m ‚mittern Graben‘ einbiegt, nimm ich’s an, aber weiter nit, nit weiter!“

Als sie an der bezeichneten Stelle anlangten, verwahrte sich der Alte entschieden gegen das Weiterfahren. „Ich bin eh’ froh,“ sagte er, „daß unser erstes Zusammensein nit aufg’fall’n is, wann s’ mich aber heut ’s zweite Mal mit dir und jetzt gar anfahren kommen sehen, dann setzt’s an der Stell’ Verdrießlichkeiten; die bleib’n mir freilich nit erspart, wenn ich morgen mit der Farb’ h’rausrucken muß, denn der Schulmeister wird plauschen und die Wirtin wird klatschen, aber da streiten wir sich doch wenigstens nüchtern herum. Ja, so steht’s und drum nimm’s für keine Unhöflichkeit, wenn ich aussteig’.“

Kaspar half ihm aus dem Wagen. Sie schüttelten sich die Hände.

„B’hüt Gott, Grasbodenbauer,“ sagte der Alte, „tu mir d’ Leni schön grüßen und Gottes Segen über euch allzwei! Und dein’ klein’ Dirndel sag’, z’ Langendorf wär’ ein alt’ schneeweißes Manderl, das tät’ sich freuen, wenn es ihm gut sein möcht’! Nun, b’hüt euch Gott, z’ tausendmal, allsamt!“

„B’hüt Gott, Vater Reindorfer! Auf Wiedersehen!“

Er dachte an ein frohes, wo der Alte als Brautvater an der Hochzeitstafel sitzen würde. — —

Tages darauf, es war Sonnabend, langte der Grasbodenbauer daheim an und am folgenden Morgenverließ er das Gehöft und schritt breit, inmitten Weges, an den Gruppen der Kirchgänger vorüber, durch Föhrndorf auf Hinterwalden zu; denn diesmal sollten es ja die Leute beachten, daß er nach dem Hof’ auf der weiten Hald’ ging, und wer ihn befragte, erhielt trockenen Bescheid und jeder mochte es weiter sagen, der Lust dazu hatte.

Er brachte dem froh überraschten Mädchen Gruß und Segen, Brief und Einwilligung des Vaters und, was Magdalenen das Liebste, er hatte ihr von demselben zu erzählen und sie merkte wohl, daß sich beide gut waren.

Die Verheiratung ihres Bruders aber, von der in früheren Briefen noch keine Rede war und um die sie nun auch ohne diesen letzten durch Kaspar gewußt hätte, schien auch ihr bedenklich.


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