8.
Diesmal jagten Wolken über den Nachthimmel und deckten von Zeit zu Zeit die Mondscheibe und dann lief jedesmal ein schwarzer Schatten über die Gegend.
Oben bei dem Tannenwäldchen saßen Hand in Hand Magdalena und Florian, und so oft es um sie dunkelte, lösten sie ihre Hände und hielten im Reden inne, bis es wieder licht geworden war.
Das Mädchen sagte: „Ich fürchte doch, was der Vater dazu sagen wird.“
Und der Bursche erwiderte: „Das hat es nicht not. Was kann er viel sagen und was kann er dagegen haben, wenn er sieht, daß wir uns leiden mögen. Dann muß er mir eben nachfragen und das ist recht; für blind halte ich ihn nicht, und so wird er einsehen, und auch von den Leuten wird er es zu hören bekommen, daß wir ganz zusammentaugen, sorgen kann er auch nicht, daß du es schlecht haben wirst als Müllerin im Wasser-Graben, weiter kann es für ihn doch kein Bedenken geben. Und so denke ich, unser Herrgott wird es mit uns nicht schlechter meinen als mit den andern, die in ehrsamer Verliebnis auf ihn bauen!“
Ein düsterer Schatten lief über die Wiese.
„Wir wollen auf ihn trauen,“ flüsterte das Mädchen und als es wieder rings freundlich hell war: „Und schau nur, wie er alles gescheit einrichtet, der liebe Gott, schon als Kind hätt’ ich die Mühl’ im Wasser-Graben gern gehabt, es ist was Eigenes um so eine liebe, klappernde Mühl’, jetzt kriege ich sie, weil ich mich aber doch nicht darauf versteh’, so gibt er mir gleich einen jungen Müller dazu.“
„Freilich,“ lachte Florian, „der muß dabei sein und ohne den kriegst du sie gar nicht, und hübsch freundlich mußt du mit ihm umgehen, sonst stellt er die Mühle und du verschuldest eine große Mehlnot im Lande.“
„Und du mußt nicht so einbilderisch daherreden, es gibt noch genug Mühlen, wegen der Leute wär’ mir nicht bang, die fänden schon andere Müller, aber wo nähm’ ich einen her?“
„Nun siehst, und darum darfst du nicht trutzig sein.“
„Ich meine nicht, daß ich es werde lassen können, jetzt nehme ich mich noch zusammen, aber bin ich einmal auf deinem Hof —“
„Ei wohl, darauf fürcht’ ich mich schon, wie eine arme Seel’ aufs Himmelreich.“
„Sag einmal im Ernst, was kann man deinen Leuten zulieb tun?“
„Wie du doch fragen magst, was willst du einem Lieberes tun, als wenn du tust, wie es dir gegeben ist, und bleibst, wie du bist? Da sorg’ nicht, man muß dich gern haben.“
„Tun, wie ich will, und bleiben, wie ich bin? Nun, ich meine schon, das werd’ ich kaum verfehlen und mich nicht besonders anstrengen dabei. Deine Mutter ist gar so eine ansehnlich schöne Frau, wenn mich die möcht’ liebgewinnen, das wär’ mir eine rechte Freud’.“
„O meine Mutter, so groß und breit sie ist, die hast du in der Tasche. So oft die Red’ auf dich kommt, tut sie völlig verliebt, wär’ sie ein Mannsbild, ich könnt’ rein eifersüchtig werden auf sie. Denk’, sie erinnert sich noch, wie du einmal als ganz kleines Ding mit mir nach unserer Mühle gelaufen bist, weißt du es denn selber noch?“
„Ei freilich.“
„Und damals schon hat sie gemeint, wir sähen einander gleich, und darauf hin schaut sie dich noch bis auf den heutigen Tag an.“
„Geh zu, wie kann sich ein Mannsbild und ein Weibsleut gleichschauen?“
„Nun, ich meine doch selber, das könnte wohl sein!“
„Und gar ich und du, das ist spaßig! Du bist schwarz und ich bin blond, du bist groß und ich bin mittel, du bist schlank und ich bin untersetzt, einen Bart wirst auch bald kriegen, und ich hoff’ doch, daß mir keiner wachsen wird.“
„Aber halt sonst.“
„Ja, sonst freilich! Schau, sonst fürcht’ ich wohl selber, daß uns die Leute oft verwechseln möchten!“
Beide lachten laut.
Ein Wolkenschatten machte sie wieder ernst.
„Wenn mich deine Mutter nur gut leiden kann,“ sagte das Mädchen, „dann mag sie glauben, wir sähen einander so gleich, wie ein Ei dem andern; denn weißt du, man faßt doch mehr Herz wieder zu einem Frauenzimmer.“
„Das versteh’ ich schon, übrigens ist mein Vater auch nicht uneben, kennt man ihn nur erst, brummig und nachdenklich ist er halt die Zeit her geworden, aber reden läßt er doch mit sich. Und wirst sehen, es kommt nur auf ein näheres Bekanntwerden an, so mögen sich alle auf dem Reindorferhof und von der Mühle im Wasser-Graben untereinander gar wohl leiden und auf dem Wege, der dazwischen liegt, wird immer eines auf den Füßen sein, das die andern heimsucht, oder just von ihnen kommt, und Sonntags finden wir uns alle, so viel wir unser sind, in der Kirche zusammen, und haben alle Ursach’ Gott zu danken, daß er solche rechtschaffene Eintracht gestiftet und alles wohl gemacht hat.“
„Das wär’ so viel schön!“
„Es wird so, verlaß dich darauf, und siehst, dann braucht sich auch keines mehr zu fürchten, es möcht’ in Widerwärtigkeit allein und verlassen dastehen, da wollen wir immer uns alle für das eine rühren, und die schwerste Prüfung fällt nimmer so hart, wenn man weiß, es nehmen andere teil. Ich denk’ nicht anders, als es muß ein Leben werden, wie wenn uns ein Stück vom Himmelreich auf die Erd’ gefallen wär’, und dasselbe vergönn’ ich allen miteinander, nur den Erzengel, der mit dabei ist, den behalt’ ich für mich alleinig.“
„Geh zu, du Schmeichelkatz, meinst du, ich weiß nicht, daß es dir selber zuwider sein möcht’, wenn ich ein Engel wär’, was könntest du auch mit einem solchen anfangen? Aber ich hoff’ schon, der liebe Gott läßt uns früher ein Stückl Himmelreich zukommen, bevor wir ins ganze hinauf müssen; ich bin mit ein’ ganz klein bißchen zufrieden, nur zum Verkosten.“
„Ich verlang’ just auch keinen ganzen Laib, aber doch einen ordentlichen Anschnitt, daß auf jeden ein Bröserl kommt, und so viel wird er sich schon abbetteln lassen! Ich sag’ dir, Leni, es kann ja gar nicht anders werden als schön!“
„Ich freu’ mich darauf,“ sagte leise das Mädchen, vor innerer Lust ballte sie fest die Hände, dann raufte sie die Halme, die sie dabei erfaßte, aus und ließ sie spielend durch die Finger gleiten.
Eine schwere, düstere Wolke deckte den Mond. Es raschelte auf dem Wege, der aus dem Tannenwäldchen führte, im Dunkel schritt jemand auf sie zu, und als das Licht wieder hervorbrach, stand der junge Reindorfer vor ihnen, und seitab die Josepha.
„So, du bist es,“ sagte Leopold. „Hinter den Tannen, wo wir uns verhalten haben, hör’ ich schon eine Weile da außen reden und denke, ich muß mir doch die ansehen, die sich da zusammenfinden. Auf dich aber hätt’ ich wohl zu allerletzt geraten. Schickst dich etwas früh dazu an, und ich meine, wenn andere bis in ihr Vierunddreißigstes zuwarten, wirst du auch dein Zwanzigstes erpassen können. Ich hätte gute Lust und jagte dich heim, daß dir alle derartigen Gedanken vergingen.“
Florian schnellte von seinem Sitze empor und trat auf ihn zu.
„Nun, was rührst denn du dich, Gelbschnabel?Willst du es vielleicht verhindern, wenn ich meine Schwester, auf die eine oder die andere Art, von wo sie nicht hingehört, nach Hause schicke?“
„Ich möchte dir nicht raten, nur die Hand wider sie zu rühren!“
„Weißt, Müllerbub’, es wird besser sein, du bindest nicht mit mir an, denn fürs erste zerschlüge ich dir die Knochen im Leibe und fürs zweite möchte ich es deinen Schatz dann auch verspüren lassen, wer eigentlich Herr ist.“
Statt aller Gegenrede warf Florian seine Jacke ab.
Magdalena eilte auf Josepha zu. „Ich bitt’ dich um Gottes willen, laß sie doch nicht miteinander raufen!“
„Komm nur,“ sagte Leopold, sich gleichfalls seines Rockes entledigend.
Da trat Josepha heran und legte die Hand auf seine Schulter und sagte: „Geh, sei nicht so neidisch auf die zwei Leut’, du gewinnst doch nichts dabei, wenn du ihnen die Freude verdirbst.“
„Er will ja raufen; das siehst ja, daß er raufen will!“
„Lieber mag er doch mit der Leni plaudern, das sag’ ich dir, auch hab’ ich keine Zeit, daß ich abwarte, wer von euch dem andern das erste Loch in den Kopf schlägt, ich muß nach Hause, willst mich allein gehen lassen?“
„Aber, Sepherl, glaub’ mir, das geht in einer Geschwindigkeit, wie du gar nicht denkst, ich verstehe mich darauf, gleich hab’ ich ihn auf der Erde, so lang er auch ist.“
„Prahlhans!“ schrie Florian.
„Ich bitt’ dich, sei doch still,“ bat Magdalena.
„Ihr dauert mich wirklich recht, wenn ihr euch nichts Gescheiteres wißt, als Mann gegen Mann daauf dem Rasen herumzukugeln!“ lachte Josepha. „Komm, Leopold, lassen wir die zwei allein, die sind noch heurig und kennen noch nichts Besseres, als im Mondschein sitzen und sich schöne Reden geben. Gönnen wir es ihnen! Komm!“
„Aber, wenn ich jetzt ginge, das schaute völlig aus, als ob ich mich fürchten tät’.“
„Was du denkst! Ich und die Leni haben schon gemerkt, daß ihr euch einer vor dem andern nicht fürchtet, auch habt ihr euch schon in Hemdärmeln sehen lassen und wir möchten nicht, daß ihr die Courage noch weiter treibt. Ich denk’, es ist recht, ihr zieht beide eure Jacken wieder an.“
Die beiden Mädchen nahmen die genannten Kleidungsstücke vom Boden auf und halfen den Burschen in die Ärmel.
Leopold hatte den linken Arm in der Jacke und suchte mit der freien Rechten noch ungewiß herum. „Aus ist es deswegen noch nicht, wenn es auch für heute gar ist!“ sagte er und fuhr mit geballter Faust in den rechten Ärmel, dessen Futter dabei fürchterlich litt.
Florian war eben mit beiden Armen in das Gewandstück eingegangen und rückte sich dasselbe zurecht. „Ich meine auch,“ sagte er, „geborgt ist nicht geschenkt.“ Und machte dazu eine Bewegung, als ob er auf seinen Widerpart zuflattern wollte.
„So seid doch gescheit,“ sagte Josepha, „und haltet Friede! Verschwägert werden wir ja doch alle zusammen, ob nun der Alte da unten auf dem Hofe will oder nicht. Gute Nacht, Müller Flori.“ Sie faßte ihn freundlich an der Hand.
Leopold drängte sich dazwischen. „Da laß das Händedrücken sein, Müllerbub’, und halte dich an die Schwester.“
„Tu nur nicht eifersüchtig in der Verwandtschaft,“ lachte Josepha. „Gute Nacht, Leni.“
„Gute Nacht! — Du Leopold, dich hätte ich etwas zu bitten. Es gilt nichts Unrechtes, aber weißt, ich möchte keinen Verdruß und brächte es ungern früher zur Sprache, bevor es richtig werden soll und man mich nur ja oder nein fragen kann, und das soll gar bald sein; nur heut tu mich daheim nicht verraten!“
„Brauchst gar nicht zu bitten, könntest ja auch sagen, du hast mich mit der Sepherl betroffen; obwohl ich mich derohalben nicht fürchten möcht’, so ist mir doch das unnötige Worteln und Zanken zuwider. Kennst mich überhaupt schlecht, wenn ich gleich zehnmal um deine Liebschaft wüßt’ und was ich auch davon halte, ob ich meine, es wär’ gut oder übel, sagen tät’ ich doch nichts davon; der Alte tut ja, als ob er auf’m Erdboden das Gras und auf der Leut’ Köpfe die Haare wachsen hörte, so mag er warten, bis er auch das von sich selber erfährt. Gute Nacht miteinander!“
„Gute Nacht!“
Leopold und Josepha gingen die Wiese hinab, nach der Straße zu.
Florian rückte verdrossen den Hut zur Seite und kraute sich in den Haaren. „Warum hast du dich auch hinter die leichtfertige Dirn’ stecken müssen? Die meint nun, daß wir ihr Wunder was für Dank schuldig wären, weil sie deinen Bruder vom Raufen abgehalten hat. Hättest du uns raufen lassen! Es wäre mir jetzt viel leichter. Das Innerste kehrt sich in mir herum, wenn solche, wie die zwei, das Maul breit ziehen und einem merken lassen, sie halten alle Welt für gleich unbedacht, spielerisch und unehrbar, wie sie selber sind. Für mein Leben gern hätte ichihn niedergeschlagen und sie dazu, die beiden haben uns heute ja doch alle Freude verdorben und zernichtet!“
„Sie ist gar so frech.“
„Und dein Bruder kriegt von ihr ab, darauf verlaß dich. Aber bin nur ich erst in der Verwandtschaft, dann halte ich zu deinem Vater, die darf mir nicht hinein, dein Bruder wird doch nicht gar so dumm sein, wenn ihm alles abredet! Und morgen schon vertrau’ ich mich der Mutter an, die muß anfragen bei deinen Leuten, damit wir wissen, woran wir sind, und sagen sie etwa, wir beide wären noch zu jung, das tut nichts, wenn ich dich nur kriege! Hat der Jakob, wovon in der Bibel steht, sieben Jahr’ Wartzeit auf sich genommen, damit er die Rechte bekommt, so werd’ ich doch auch eine Zeit ausdauern können, zweimal sieben Jahr’ kann es einen heuttags nimmer treffen, weil sie keinem zwei Weiber antrauen können, das ist nur zu Erzväterzeiten gegangen, und ich mag es ihnen nicht neiden; so recht, nach Herz und Seel’ eins werden, können doch gewiß nur zwei alleinige Leut’!“
„Nicht wahr? Ich hab’ just so denken müssen, wie du vom Jakob zu reden anhebst. Ich möcht’ wohl wissen, was ihrer zwei Weiber in einem Haus vorstellen sollen? Ist da heut eine die erste und muß morgen wieder gegen die gestrige zweite zurückstehen, oder hat jede abwechselnd die Woche? O, du lieber Himmel, ich muß lachen, wenn ich denk’, was das für ein Durcheinander wär’, wo keines wüßt’, wer eigentlich zu schaffen hat, darüber müßt’ ja auch jede Wirtschaft zugrund’ gehen!“
„Freilich, darum sorg’ nicht, ich nehme mir keine zweite.“
„Ich wollte dir’s auch nicht raten! Weißt, bei meinen Lebzeiten nicht,“ setzte sie plötzlich sehr ernsthafthinzu. „Sollt’ ich versterben, wirst du dir schon eine andere suchen müssen. Wer weiß, was bis dahin geschieht, dann such dir halt eine recht brave ins Haus, weißt, eine, wo du dir denken kannst, daß sie mir vom Himmel herunter gut gefallen könnt’!“
Florian lachte laut auf.
Das Mädchen schnitt ihm ein beleidigtes Gesicht und kehrte ihm den Rücken zu.
„Du närrische Mirl, hörst,“ sagte er und zupfte sie an den Schürzenbändern, „wirst du dich gleich umdrehen? Ich löse dir die Fürtuchbänder auf!“
„Untersteh dich,“ sie wandte sich gegen ihn. „Keck genug bist du dazu. Wie kannst du einem denn bei einer so heilig ernsthaften Red’ ins Gesicht lachen?“
„Weil es doch nur eine heilig ernsthafte Dummheit ist,“ sagte er zornig, „so daherreden, daß man meint, der Mond macht dich irr’! Verhüt’s Gott, daß mir einmal so geschäh’, aber dann such’ ich nach keiner zweiten, man kann ja doch keine anstückeln, wo die erste aufgehört hat.“
„So hat schon mancher zu seiner ersten gesagt —“
„Und doch wieder geheiratet, freilich, und hat es vielleicht sogar besser getroffen, wie das erstemal, denn die zweite will schon nimmer recht behalten, wenn sie von ihrem Versterben redet, weil sie doch meint, sie hat mehr Aussicht, daß sie überbleibt. Sollst recht behalten!“
„Ich hab’ recht, ob du es einsehen willst oder nicht.“
„Aber ich seh’ es ja auch ein. Du hast recht!
Mein Schatz b’halt gern recht,Und zum Streit bin ich z’faul,Und da häng’ ich mir lieberEin Schlösserl vors Maul!“
Mein Schatz b’halt gern recht,Und zum Streit bin ich z’faul,Und da häng’ ich mir lieberEin Schlösserl vors Maul!“
Mein Schatz b’halt gern recht,Und zum Streit bin ich z’faul,Und da häng’ ich mir lieberEin Schlösserl vors Maul!“
Mein Schatz b’halt gern recht,
Und zum Streit bin ich z’faul,
Und da häng’ ich mir lieber
Ein Schlösserl vors Maul!“
„Schön, jetzt sing noch gar ein Trutzliedel auf mich! Ich geh’ jetzt!“
„Mußt nicht bös’ sein, aber da muß einem ja der helleidige Übermut einschießen, wenn man dich so frischlebig da stehen sieht und vom Versterben reden hört, nur damit man wissen soll, daß ihr Weiberleut’ selbst noch übers Grab hinaus euch um ein Hauswesen annehmen tätet! Das sag’ ich dir aber nun gleich, bevor ich geheiratet habe, denke ich gar nicht daran, Witwer zu werden! Gelt, da lachst du selber? Gewinnen will ich dich, vom Verlieren will ich gar nichts hören, mit dem Tod tät’ ich um dich raufen, aber ich hoff’ schon, unser Herrgott hat ein Einsehen und läßt uns beieinander, so lang es angehen mag. Heut aber möcht’ es schier nicht länger angehen und wir müssen allzwei nach Haus denken und uns gute Nacht sagen. Wenn du morgen, oder nächster Tage meine Mutter bei euch auf dem Reindorferhofe siehst, so weißt du, was es zu bedeuten hat.“
Sie drückten sich die Hände.
„Gute Nacht, Leni!“
„Gute Nacht, Flori!“
Der tiefdunkle Schatten einer schweren Wolke, die unter dem Monde langsam dahinstrich, entzog das davoneilende Mädchen seinen Blicken, nach einer geraumen Weile ging unten das Tor auf und schlug wieder zu. Er schritt im Düster durch den Tannenwald, erst am jenseitigen Waldessaume wurde es wieder licht.
Mit Schritten rasch und kräftig, wie sein Herzschlag, ging er den Steig dahin, der hinab nach der Mühle führte.
Bald sollte ja alles werden!
Beschränkten nicht die Gedanken und Vorstellungen der Schläfer die Träume, wüßten diese mehr als jene, kämen und gingen sie, wie sie oft in ihren Täuschungenuns vorgaukeln, als wären sie leibhafte Wesen, in dieser Nacht mit den ziehenden Wolkenschatten hätten sich zwei freundliche Traumbilder auf dem Wege zwischen der Mühle und dem Gehöfte getroffen und sie hätten sich wehmütig lächelnd sagen können, daß sie gehen, ein Glück vorausnehmen, das die Wirklichkeit nie und nimmer gewähren konnte und durfte!