Chapter 14

Mette war leicht geneigt, sich zur Verantwortung zu ziehen. Sie ging am selben Abend noch scharf mit sich ins Gericht. Sie klagte sich an, dumm, faul, unwissend und ungewandt zu sein.

Mette war leicht geneigt, sich zur Verantwortung zu ziehen. Sie ging am selben Abend noch scharf mit sich ins Gericht. Sie klagte sich an, dumm, faul, unwissend und ungewandt zu sein.

Warum kannte sie die Bücher nicht, die Olga Radó in ihrem Besitz hatte und las und liebte? Vater hatte sie sicher alle vorn in seinem Studierzimmer, aber Mette war noch nie auf den Gedanken gekommen, sie zu lesen.

Warum war es ihr nicht möglich,einmaletwas Geistreiches zu sagen? Irgend etwas, das sie mit einem Schlage über das flache Gewimmel dieser Alltagsbackfische hinaushob.

Olga Radó merkte sicher an einem Wort, wesGeistes Kind einer war. Vielleicht hatte sie etwas von ihr erwartet, weil sie ein bißchen anders aussah als die anderen.

Mette stand prüfend vorm Spiegel. Sie war hochgewachsen, hatte eine kluge Stirn und ernste Augen. Und was war dahinter? Nichts, nichts, nichts!

Mette schnitt ihrem Spiegelbild zornige Fratzen.

Was hatte sie den ganzen Nachmittag geredet? „Ja,“ „nein“ und ein paar alberne Phrasen.

Aber das kam davon, wenn man blind und taub durchs Leben ging.

Dann wußte man selbst solche Dinge nicht, von denen die Möbius-Mädeln schwatzen konnten. Und an alledem war Tante Emilie schuld!

Das schlimmste aber war – Mette drehte das Licht aus und verkroch sich unter die Bettdecke, weil das Blut ihr brennendheiß in die Stirn stieg – das schlimmste war, daß sie, als die anderen vom „Kammersänger von Wedekind“ gesprochen hatten, allen Ernstes gedacht hatte, es wäre ein adliger Hofopernsänger und gefragt: „Wie heißt er denn mit Vornamen?“

Aber das hatte Olga Radó hoffentlich nicht gehört. – – –


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