Eine Handvoll Tage verlebte Mette in stumpfer Qual.
Eine Handvoll Tage verlebte Mette in stumpfer Qual.
Im dämmernden Erwachen fiel ihr ein, daß sieheute nicht den Weg nach der Motzstraße nehmen dürfe. Heute nicht, morgen nicht, vielleicht nie mehr. Sie war verbannt, verstoßen, ausgeschlossen von allen Freuden des Lebens.
Lang, grau und öde dehnte sich der Tag vor ihr. Bleischwere Müdigkeit lag ihr in allen Gliedern. Wenn die Telephonklingel schrillte, fuhr sie mit rasendem Herzschlagen auf, wie aus tiefer Lethargie. Aber niemals galt es ihr.
Es war schlechtes Wetter in diesen Tagen, kühl und regnerisch.
In einer Sonntagnacht fegte der Wind den Himmel blank von Wolken und die Straßen trocken.
Am Morgen funkelte ein blauer Sommerhimmel über der Stadt.
Die Sonnenstrahlen, die auf einer Kante des Schrankspiegels tanzten, weckten Mette.
Sie fühlte sich beim Erwachen so befreit, so voll unbändiger Lebenskraft, als sei mit einem Schlage alles Trübe hell, alles Schwere leicht geworden.
Sie fühlte sich fähig, den Kampf mit allen Hemmungen und Hindernissen aufzunehmen. Ja, es schienen ihr gar keine Hemmungen und Hindernisse mehr vorhanden.
Sie würde heut’ die Bücher hintragen, die sie von Olga Radó geliehen hatte.
Und dann würde sie sie zur Rede stellen. Sie ganz frank und heiter fragen, was ihr eigentlich eingefallen wäre. Und ob sie die Absicht hätte, sie wieder hinauszuwerfen – dann solle sie diese Absicht nur ruhig aussprechen ...
Aber sie würde es nicht tun. Es war eine Laune gewesen, eine Gereiztheit – aber im Grunde doch gar keine ernstliche Verstimmung, kein Streit zwischen ihnen.
Und wenn sie irgend etwas begangen hatte in Olgas Augen, so wollte sie Aufklärung haben, und dann wollte sie – ach was, ihretwegen ja! – dann wollte sie sogar um Verzeihung bitten.
Mette pfiff und summte vor sich hin, während sie sich anzog und ihr Haar aufsteckte. – – –