Chapter 26

„Es ging so schnell“ – sagte sie – „mit dieser Abreise.“ Es widerstrebte ihr, davon zu sprechen, daß sie nichts gewußt, nichts geahnt hatte. Es widerstrebte ihr auch, direkte Fragen an ihn zu richten. Halb unbewußt sprach sie in Worten, die alles unentschieden ließen, so gleichsam erst sondierend.

„Es ging so schnell“ – sagte sie – „mit dieser Abreise.“ Es widerstrebte ihr, davon zu sprechen, daß sie nichts gewußt, nichts geahnt hatte. Es widerstrebte ihr auch, direkte Fragen an ihn zu richten. Halb unbewußt sprach sie in Worten, die alles unentschieden ließen, so gleichsam erst sondierend.

„Ja,“ sagte Peterchen, „ganz merkwürdig schnell. Am Dienstag waren wir doch noch da – richtig, da saßen wir ja noch zusammen. Am Dienstagabend kommt Olga zu mir herüber:

‚Gib mir dein Kursbuch!‘ Und immer in dem Kursbuch hin und her geblättert und mich gefragt: ‚Kennst du den Schwarzwald – ist es schön da? – Was meinst du – soll ich an die Nordsee fahren?‘ Und so, wie es gar nicht ihre Art war – so unentschlossen – ich möchte beinah sagen: so ratlos ... und am Mittwoch wurden die Koffer gepackt und Mittwoch abend fuhr sie ab – sagte keinem Menschen wohin – mir nicht und Frau Flesch nicht. Ihnen ja auch nicht, nicht wahr? – Ich hatte ja eigentlicherst den Verdacht – den Gedanken, wollt’ ich sagen, die Idee,“ – Peterchen zögerte, und sein blasses Gesicht überflog eine leichte Röte – „Sie beide wären zusammen weggefahren.“

Mette antwortete nicht. Sie dachte nicht einen Augenblick daran, ob ihr tiefes Stillschweigen vielleicht einen verwunderlichen Eindruck machen könnte.

Das Wort hatte wie ein erhellender Blitz in sie eingeschlagen, und nun stand sie in Flammen.

Reisen! Mit Olga reisen! Der Gedanke an diese Möglichkeit hatte etwas unwahrscheinlich Beglückendes. Einige Sekunden durchlebte sie in ihrer Vorstellung das, was hätte sein können. Wenn sie am Dienstag zusammen diesen Entschluß gefaßt hätten! Wenn sie auch am Mittwoch ihren Koffer gepackt hätte! Sie fühlte sich neben Olga im Zug sitzen und hinausfahren in den warmen, blauen Sommerabend, in dem hier und da die ersten Lichter aufflammten. Sie sah sich in einem dieser weißen Häuser, auf der Terrasse, an einem gedeckten, blumengeschmückten Tisch, Olga gegenüber. Sie wanderte mit Olga diesen Bergen entgegen, deren schön geschwungene Linien verlockend auf dem blauen Himmel sich zeichneten.

Jäh und schmerzlich kam es ihr zum Bewußtsein: Das war ein törichter, unerfüllter, vielleicht ewigunerfüllbarer Traum. Die Wirklichkeit war, daß sie hier war – allein – und daß Olga fort war – auch allein? Mit wem? Nichts in der Welt hatte ihr ein Recht gegeben, auch nur danach zu fragen. – – –


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