Mette grübelte Tage und Nächte nach einem Ausweg. Sie fühlte, daß sie es nicht aushalten würde, sich an ihren Stolz zu klammern und zu sagen: Sie mag mich nicht, also existiert sie nicht mehr für mich. Sie sagte es sich, gewiß, nicht einmal, hundertmal. Aber ein viel stärkeres Gefühl sagte ihr: es sind Mißverständnisse, die uns trennen, es sind Hindernisse, die sich mit einem offenen Wort beseitigen lassen. Ichmußsie sprechen, ichmußsie fragen. Sie hat Mut genug und Härte genug, um mir die Wahrheit zu sagen. Ich will es ihr leicht machen. Ich will sie so fragen, daß sie es mir sagen kann, daß sie es mir sagen muß. Und wenn sie sagt: geh und komm nie wieder, dann will ich gehen und nie wiederkommen, dann will ich versuchen, mein Leben irgendwie ohne sie einzurichten, dann will ich stolz sein, aber dann erst! Erst dann!
Mette grübelte Tage und Nächte nach einem Ausweg. Sie fühlte, daß sie es nicht aushalten würde, sich an ihren Stolz zu klammern und zu sagen: Sie mag mich nicht, also existiert sie nicht mehr für mich. Sie sagte es sich, gewiß, nicht einmal, hundertmal. Aber ein viel stärkeres Gefühl sagte ihr: es sind Mißverständnisse, die uns trennen, es sind Hindernisse, die sich mit einem offenen Wort beseitigen lassen. Ichmußsie sprechen, ichmußsie fragen. Sie hat Mut genug und Härte genug, um mir die Wahrheit zu sagen. Ich will es ihr leicht machen. Ich will sie so fragen, daß sie es mir sagen kann, daß sie es mir sagen muß. Und wenn sie sagt: geh und komm nie wieder, dann will ich gehen und nie wiederkommen, dann will ich versuchen, mein Leben irgendwie ohne sie einzurichten, dann will ich stolz sein, aber dann erst! Erst dann!
Mette kaufte eine Handvoll weißer Rosen von eigentümlich steifer und schwermütiger Schönheit und ging hinauf zu Olga.
Das Mädchen, das ihr aufmachte, empfing sie mit strahlender Freude.
„Gnädiges Fräulein sind ja so lange nicht hier gewesen! Fräulein Radó ist hinten in ihrem Zimmer. Fräulein weiß ja Bescheid!“
Es erschien Metten unmöglich, sich durch dasMädchen melden zu lassen. Wenn Olga sich etwa verleugnen ließe, so konnte das eine unendlich peinvolle Situation herbeiführen. Wenn Olga nicht in der Laune war, sie zu sehen, so war es schon am besten, sich das ins Gesicht sagen zu lassen und nicht durch Vermittlung des Mädchens zu erfahren.
Sie schritt sehr rasch und fest den endlosen Türgang hinunter. Aber das Herz klopfte ihr doch ein wenig schneller dabei.
Sie pochte kurz an die Tür und drückte die Klinke nieder.
Olga saß am Schreibtisch, wie sie immer zu sitzen pflegte: die eine Hand auf dem aufgeschlagenen Buch, die Schläfe gegen den Ballen der anderen gestützt, zwischen deren Fingern sie die Zigarette hielt.
Als die Tür ging, wandte sie den Kopf ein wenig unwillig, mit zusammengezogenen Brauen. Das Erkennen lief wie ein heller Schein über ihr Gesicht.
„Mette!“ sagte sie. „Bist du wieder da? Wo kommst du her? Was willst du hier?“
Mette riß das Papier von den Blumen, warf es in den Papierkorb und legte die Rosen auf den Schreibtisch.
„Was ich will?“ sagte sie währenddessen, ohne die Augen von ihrer Beschäftigung aufzuheben. „Dichbesuchen. Sehen, wie es dir geht. Aber wenn es dir nicht paßt, kann ich ja wieder gehen.“
„Nein!“ Olga streckte mit einer raschen und fast heftigen Bewegung die Hand nach ihr aus. Mette legte ihre Finger hinein, die Olga fest umschloß. „Aber – gerufen habe ich dich nicht!“
Sie sah zu Metten auf, mit dem seltsam zwingenden und fast drohenden Ausdruck in Stirn und Augen.
„Ich weiß es,“ sagte Mette mit einem bitteren Lächeln. „Es wäre dir auch nicht eingefallen, mich zu rufen. Ich habe selber das Gefühl, daß ich aufdringlich bin. Du brauchst es mir gar nicht so deutlich zu sagen.“
Sie wollte ihre Hand zurückziehen, aber Olga hielt sie fest und lächelte.
„Kind,“ sagte sie, „Mädelchen! Ich freue mich doch! Mehr als du annimmst. Ich glaube, wenn du wüßtest, wie ich mich freue – dann würdest du ganz eingebildet werden. Aber gerufen habe ich dich doch nicht.“
„Ja,“ sagte Mette beinah ungeduldig, „ich weiß nicht, warum du solches Gewicht auf diese Feststellung legst.“
„Aber ich weiß es,“ sagte Olga ruhig. „Du sollst mir niemals vorwerfen können, ich wäre egoistisch gewesen.“
„So,“ sagte Mette, „das ist ja heiter. Damit dich nicht irgendwann ein Vorwurf treffen kann – ich wüßte nebenbei nicht wann – darum läßt du mich sterben und verderben und kümmerst dich nicht um mich! Oh, bist du egoistisch!“
Olga lachte. „Ich geb’ es auf. Es kommt ja doch alles auf mich. So oder so. Also tragen wir, was wir tragen können, solange wir aufrecht gehen. Es ist herbstlich heut’ draußen.“
Sie schloß die Augen und zog fröstelnd die Schultern zusammen.
„Es ist gut, daß du da bist. Steck den Samowar an und mach uns Tee, Mettulein. Und wir wollen Peterchen rufen, daß er kommt und uns was vorspielt.“ – – –