Chapter 39

Es ging nicht ganz so glatt, wie Mette es sich gedacht hatte. Tante Emilie suchte die Sprachlehrer selber aus – ein paar sehr würdevolle ältere Damen – ein vierundsechzigjähriger Professor schien ihr schon bedenklich, weil er unverheiratet war, und sie ging selber mit Metten hin und meldete ihre Nichte an.

Es ging nicht ganz so glatt, wie Mette es sich gedacht hatte. Tante Emilie suchte die Sprachlehrer selber aus – ein paar sehr würdevolle ältere Damen – ein vierundsechzigjähriger Professor schien ihr schon bedenklich, weil er unverheiratet war, und sie ging selber mit Metten hin und meldete ihre Nichte an.

Dadurch hatte Mette nachher die peinliche Aufgabe, den Unterricht wieder abzusagen.

Wenigstens hatte sie es erreicht, daß der Vater ihr das Stundengeld übergab und nicht – wie er wollte – es per Postscheck zahlte oder durch die Bank überweisen ließ.

Olga nahm es sehr genau mit den Stunden. Sie hielt sie mit gewissenhaftester Pünktlichkeit ein und gab sich streng und pedantisch als Lehrerin. Mette lernte mit Feuereifer, um ihre Ansprüche zu erfüllen.

Soweit ging alles wie geplant, nur daß Olga nicht daran dachte, sich einzurichten und von dem Stundengeld zu leben.

Es kamen so wundervolle, durchsonnte Oktobertage.Und es machte so unbändiges Vergnügen, im offenen Auto durch den flammenden Wald zu jagen, nach Wannsee oder die Heerstraße hinunter, irgendwo an die breite blaue Havel.

Natürlich sahen sie ein, daß sie sich das eigentlich nicht leisten durften, das heißt, Olga sah es ein, und wenn sie wieder Waldsehnsucht hatten, fuhren sie mit dem Vorortzug dritter Klasse, um zu sparen, und ließen sich in der denkbar schlechtesten Luft geduldig schieben und drücken.

Aber am anderen Tag hatten sie einen unbezwinglichen Hunger nach Musik, und in der Oper gab es „Tristan“ und natürlich nur noch die teuersten Plätze. Auf solche Weise ließen sich nicht gut Ersparnisse machen. – – –


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