Chapter 42

Die Tischunterhaltung quälte sich mühsam hin.

Die Tischunterhaltung quälte sich mühsam hin.

Als Mette mit Essen fertig war, sagte sie (sie hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, sich mit allen Sachen ausdrücklich an ihren Vater zu wenden):

„Du erlaubst doch, Papa, daß ich noch eine Stunde zu meiner Freundin gehe? Ich bin um zehn wieder hier.“

Da geschah etwas Seltsames. Franz Rudloff legte eine zur Faust geballte Hand auf den Tisch, richtete den Oberkörper ein wenig aus seiner zusammengesunkenen Haltung auf und sagte:

„Mette!“ ... so, als wenn er zu einer längeren Rede ansetzen wollte.

Da traf ihn ein Blick von Tante Emilie. Mette fühlte diesen Blick die Luft durchschneiden und fing ihn noch auf. Es war ein kurzer und scharfer Blick, befehlend und fast erschrocken, ein Blick, der unzweideutig hieß: „Schweig!“

Franz Rudloff fiel wieder in sich zusammen, schlug die Augen nieder, rollte seinen silbernen Serviettenring hin und her und sagte:

„Gewiß, ... also ja ... wenn du meinst ... schön!“

Mette fühlte, daß auch hier irgendwas vorging, wovon sie nichts wußte. Das verursachte ihr weder Angst noch Schmerz – aber ein peinvolles Unbehagen.

Die Welt war heute fremd und rätselhaft. Sie spürte plötzlich Moorboden unter den Füßen und wußte nicht, wie sie die Schritte setzen sollte. Olga hätte sie heute nicht verlassen dürfen, nicht heute, nicht an diesem Tage.

Eine heiße, schmerzhafte Sehnsucht quoll in ihr auf, wie schon sooft, stark wie ein mühsam unterdrückter Schrei:

„Mutter!“ – – –


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