Chapter 48

Während der Bahnfahrt kämpfte sie manchmal mit einer qualvollen Bangigkeit. Sie sah sich verfolgt, gefesselt – der Zug schien unerträglich langsam zu fahren, auf allen Stationen über Gebühr zu halten.

Während der Bahnfahrt kämpfte sie manchmal mit einer qualvollen Bangigkeit. Sie sah sich verfolgt, gefesselt – der Zug schien unerträglich langsam zu fahren, auf allen Stationen über Gebühr zu halten.

Sie hatte mitunter das Gefühl, daß es besser wäre, auszusteigen und zu laufen, vorwärtszujagen, bis Atem und Muskelkraft versagten, als so in untätiger Unrast gefangen zu sein und zu warten, bis die träge Maschine sie ans Ziel brachte.

Mit einem plötzlichen Erschrecken dachte sie an die Möglichkeit, daß ihr Telegramm nicht zur Zeit angekommen sein könne oder Olga nicht zu Hause getroffen habe.

Was sollte sie nur um Gottes willen anfangen, wenn Olga nicht an der Bahn war!

Nach Hause zu fahren, war eine Unmöglichkeit. Sie glaubte schon Zwangsjacke und Handschellen zu spüren.

In der Nacht zu Olga? An einem fremden Hausklingeln, die Leute in der Pension wecken? Mit welchem Recht?

Ihr blieb nichts übrig, als sich für die Nacht in einem Hotel einzumieten. Aber wo war sie sicher? Morgen früh würde man überall nach ihr suchen. Ihr graute vor dem, was ihr dann bevorstand.

Und ihr graute vor der einsamen Nacht in einem fremden Zimmer.

Es kamen Augenblicke, wo sie verwundert ihrem eigenen Tun gegenübersaß und erschrak vor ihrer eigenen Kühnheit. Wo sie bei einer Bewegung plötzlich das Knittern der Scheine in ihrer Bluse fühlte und voll Staunen und fast voll Bewunderung sich fragte: „Herrgott, wie hab’ ich das eigentlich fertiggebracht?“ – – –


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