Onkel Jürgen blieb noch eine Zeit lang in Berlin. Er benahm sich recht merkwürdig. Er war still und gütig und richtete auf Metten immer ein paar ehrliche, angstvolle, blaue Augen und sprach zu ihr immer in einem leicht gerührten Ton. Von dem Geld und der Flucht war nie mehr die Rede.
Onkel Jürgen blieb noch eine Zeit lang in Berlin. Er benahm sich recht merkwürdig. Er war still und gütig und richtete auf Metten immer ein paar ehrliche, angstvolle, blaue Augen und sprach zu ihr immer in einem leicht gerührten Ton. Von dem Geld und der Flucht war nie mehr die Rede.
Wenn Mette zuweilen – oft geschah es ja nicht – über dieses Benehmen nachdachte, meinte sie, es nur aufeineWeise erklären zu können. Sie glaubtenicht, daß es Reue war, weil sein heftiger Brief ihres armen Vaters Tod verschuldet hatte. Sie kam auch nicht auf den Gedanken, daß er versuchte, sie durch Liebe und Güte zu gewinnen. Nein, wahrscheinlich tat sie ihm leid. Er hatte Olga Radó gesehen. Er hatte ihre Stimme gehört. Er hatte einen Hauch ihrer Macht gespürt. Wenn Mette das dachte, liebte sie ihn fast.
Und er hatte es gehört, wie Olga sie verleugnet und verraten und gedemütigt hatte. Nun hatte er Mitleid mit ihr. – Wenn Mette das dachte, so haßte sie ihn.
Auch Tante Emilie war von einer sonderbaren Sanftmut. Mette dachte später manchmal, daß es besser gewesen wäre, wenn die Leute in dieser Zeit sie gequält und gepeinigt hätten und sie stark gemacht hätten in stählendem Haß. – – –