Dies „gern“ war keine leicht hingesprochene Redensart.
Dies „gern“ war keine leicht hingesprochene Redensart.
Mette dachte in der nächsten Zeit Tag und Nacht darüber nach, wie sie es anstellen sollte, dieser Aufforderung zu folgen und Olga Radó aufzusuchen.
Sie war manchmal schon auf dem Wege, hinzugehen. Dann kehrte sie um, weil sie sich lieber vorher telephonisch anmelden wollte. Wieder schien es ihr unpassend, einen Menschen durch telephonischen Anrufzu stören. Sie wollte ihr schreiben. Aber das gab der Sache einen solchen Anstrich von Wichtigkeit und Förmlichkeit, nahm ihr alles Zufällige, Gelegentliche. Und dann – wenn sie eine höfliche Absage bekam, war ihr jede Möglichkeit genommen, einen weiteren Versuch zu machen. Wenn sie dagegen einfach hinging und sie nicht antraf, konnte sie ihre Karte mit ein paar Worten dalassen – und auf eine Nachricht warten.
Sie ging – ging bis vors Haus und ging doch wieder nicht hinauf. Aber sie ging ein paarmal die Straße auf und ab und stand sehr lange und versunken vor einigen äußerst reizlosen Auslagen. Es hätte doch sein können, daß Olga Radó zufällig gerade um diese Zeit das Haus verließ, oder besser noch, heimkam, und sie aufforderte, mit hinaufzugehen.
Außerdem pflegte Mette den Verkehr mit Möbiussens mit rührendem Eifer. Sie lud sie ein, sooft es Tante Emilie erlaubte, sie ging hin, sooft sie aufgefordert wurde; sie hatte zwischendurch hundertmal zu telephonieren, um irgendeine Verabredung festzustellen. Sie lieh sich Bücher aus, die sie holen und wiederbringen mußte und bemühte sich bei alledem, so liebenswürdig zu sein, daß Frau Konsul ganz entzückt von ihr war und Tante Emilien gegenüber nicht oft genug betonen konnte, wie Mette sich zu ihrem Vorteil verändere – was Tante Emilie meist miteinem stummen und fast beleidigten Achselzucken erwiderte.
Das ging durch Wochen so. Aber Mette verlor die Geduld nicht. Es war genug, wenn von Zeit zu Zeit ein Wort fiel, „... wie Olga immer sagt“ oder „das hat Olga so gern“. Es war genug und fast zu viel, wenn Fanni sagte:
„Gestern abend war Olga auf einen Sprung oben, ich finde, sie sieht schlecht aus!“
Oder, wenn Emmi, die sich in dieser Zeit so etwas wie eine Schwärmerei für Mette zurechtlegte, sagte:
„Mette hat so wunderschöne Hände, beinah so schöne wie Olga ...“
Ach, es war genug, den kleinen schwarzen Hund auf den Knien zu halten und ihn lachend „Sophonisbe“ zu nennen.
All das gab Hoffnung und Spannung für Tage. Mette fing in dieser Zeit an, das Leben schön zu finden.
Aber sie wußte nicht, warum. – – –