„Bestellen Sie augenblicklich einen Extrazug!“ sagte Allan.
Der Manager sah Mr. C. Connor an, überrascht von Allans Stimme und Ton. Was hatte diesen Menschen seit heute mittag so verändert? Ein ganz neuer Mensch schien vor ihm zu stehen.
„Gerne,“ erwiderte er. „Allerdings muß ich Mr. Connor um bestimmte Garantien bitten ...“
Allan trat an den Lift. „Wozu? Sagen Sie, Mac Allan aus New York bestellt den Zug!“
Da erkannte ihn der Manager und trat verblüfft zurück und verbarg sein Erstaunen in einer Verbeugung.
Allan war wie umgewandelt. Er sauste dahin in einem vorwärtsstürmenden Zug, der alle Stationen in einem Tempo passierte, daß die Luft klirrte, und die Schnelligkeit der Bewegung allein brachte ihn wieder auf sich selbst zurück. Er schlief vorzüglich in dieser Nacht. Zum erstenmal seit langer Zeit. Nur einmal wachte er auf. Als der Zug durch den Kanaltunnel donnerte. ‚Sie haben die Stollen viel zu klein gebaut,‘ dachte er und schlief weiter. Am Morgen fühlte er sich frisch und gesund, voller Entschlossenheit. Er sprach vom Zug aus telephonisch mit dem Kapitän des Dampfers und der Direktion der Gesellschaft. Um zehn Uhr erreichte er den Cunardliner, der, fiebernd vor Ungeduld, pfeifende Wolken von Wasserdampf durch die Kamine ausstoßend, auf ihn wartete. Er stand erst mit einem Fuß auf dem Schiff, als die Schrauben schon das Wasser zu flüssigem Marmor peitschten.
Nach einer halben Stunde wußte das ganze Schiff, daß der verspätete Passagier kein anderer als Mac Allan war.
Auf hoher See begann Allan fieberhaft zu depeschieren.Über Biskaya, Azora, Bermuda, New York und Mac City ging ein Regen von Depeschen nieder. Durch die finsteren Stollen unterm Meer zuckte ein belebender Strom: Allan hatte das Steuer wieder in die Hand genommen.
Allans erster Besuch galt Hobby.
Hobbys Landhaus lag etwas abseits von Mac City. Es bestand in der Hauptsache aus Loggien, Balkonen und Veranden und stieß an ein Wäldchen junger Eichen.
Niemand öffnete, als Allan klingelte. Die Klingel schien nicht zu funktionieren. Das Haus machte den Eindruck, als sei es schon seit langer Zeit verlassen. Aber alle Fenster standen weit offen. Auch die Gartentüre war verschlossen, so daß Allan sich kurz entschlossen über den Zaun schwang. Er stand kaum im Garten, als ein Schäferhund angestürzt kam und ihn wütend kläffend stellte. Allan sprach auf den Hund ein, und der Hund gab schließlich den Weg frei, wenn er ihn auch nicht aus den Augen ließ. Der Garten war voll welker Eichenblätter und verwahrlost wie das Haus. Hobby schien ausgegangen zu sein.
Um so größer war Allans Freude und Überraschung, als er Hobby plötzlich vor sich sah. Er saß auf den Stufen, die in den Garten führten, das Kinn in die Hand gestützt, in Gedanken versunken. Er schien nicht einmal gehört zu haben, daß der Hund anschlug.
Hobby war elegant wie immer gekleidet, aber die Kleidung wirkte stutzerhaft, denn es war die Kleidung eines jungen Mannes, und der sie trug, war ein Greis. Hobby trug teure Wäsche mit farbigen Streifen, Lackschuhe mit breiten Sohlenund koketten Seidenschleifen, gelbseidene Strümpfe und eine hechtgraue Hose mit Bügelfalten und Hüftenschnitt. Eine Jacke hatte er nicht an, obschon es empfindlich kühl war.
Er saß in der Haltung eines gesunden, intelligenten Menschen und Allans Freude wallte schon auf. Aber als Hobby den Blick zu ihm emporhob und er seine entstellten kranken Augen sah und sein runzeliges fahles Greisengesicht, wußte er, daß es mit Hobbys Gesundheit noch nicht zum besten stand.
„Da bist du ja wieder, Mac,“ sagte Hobby, ohne Allan die Hand zu geben und ohne sich zu regen. „Wo warst du?“ Und um seine Augen und seinen Mund ordneten sich die Falten zu kleinen Fächern. Er lächelte. Seine Stimme klang immer noch fremd und unrein, wenn auch Allan deutlich Hobbys alte Stimme heraushörte.
„Ich war in Europa, Hobby. Und wie geht’s, mein Junge?“
Hobby sah wieder vor sich hin wie vorhin. „Es geht besser, Mac. Auch mein verfluchter Kopf arbeitet schon wieder!“
„Wohnst du denn ganz allein, Hobby?“
„Ja, ich habe die Dienstboten hinausgeworfen. Sie machten zu viel Lärm.“
Nun aber schien Hobby plötzlich zu begreifen, daß Allan da war. Er stand auf und drückte ihm die Hand und sah erfreut aus. „Komm herein, Mac! Ja, so geht es, siehst du!“
„Was sagt der Arzt?“
„Der Arzt ist zufrieden. Geduld, sagt er, Geduld.“
„Weshalb sind alle Fenster offen? Es zieht ja schauderhaft, Hobby.“
„Ich liebe den Luftzug, Mac!“ entgegnete Hobby mit einem fremden Lachen.
Er flatterte am ganzen Körper und seine weißen Haare flogen, als sie in sein Arbeitszimmer hinaufstiegen.
„Ich arbeite schon wieder, Mac. Du wirst sehen. Es ist etwas ganz Ausgezeichnetes!“ Und Hobby blinzelte mit dem rechten Auge, ganz als ob er den alten Hobby nachahme.
Er zeigte Mac einige Blätter, die mit zitternden wirren Strichen bedeckt waren. Die Zeichnungen sollten alle seinen neuen Hund darstellen. Aber sie waren kaum besser als Zeichnungen von Kindern — und ringsum an den Wänden hingen Hobbys großartige Entwürfe von Bahnhöfen, Museen, Warenhäusern, die alle die Hand des Genies zeigten.
Allan machte ihm die Freude, die Skizzen zu loben.
„Ja, sie sind wirklich gut,“ sagte Hobby stolz und goß mit bebenden Händen zwei Gläserblack and whitezusammen. „Es beginnt wieder, Mac. Nur werde ich rasch müde. Bald wirst du Vögel zu sehen bekommen. Vögel! Wenn ich so dasitze, so sehe ich häufig die sonderbarsten Vögel in meinem Kopf — Millionen, und alle bewegen sich. Trink, mein Junge! Trink, trink, trink.“
Hobby ließ sich in einen abgeschabten Ledersessel fallen und gähnte.
„War Maud mit in Europa?“ fragte er plötzlich.
Allan schrak zusammen und erbleichte. Ein leichtes Schwindelgefühl überkam ihn.
„Maud?“ sagte er halblaut, und der Name klang merkwürdig in seinen Ohren, als sei es ein Unrecht, ihn auszusprechen.
Hobby blinzelte und dachte angestrengt nach. Dann stand er auf und sagte: „Willst du noch Whisky haben?“
Allan schüttelte den Kopf. „Danke, Hobby! Ich trinke nichts am Tage.“ Mit trüben Blicken sah er durch die herbstlichenBäume hindurch hinaus aufs Meer. Ein kleiner schwarzer Dampfer zog langsam südwärts. Er beobachtete ganz mechanisch, daß der Dampfer plötzlich zwischen einer Astgabel stehen blieb und sich nicht mehr rührte.
Hobby setzte sich wieder und eine lange Zeit waren sie ganz still. Der Wind blies durch das Zimmer und schüttelte das Laub von den Bäumen. Über die Dünen und das Meer liefen rasche Wolkenschatten hintereinander und erweckten ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und ewig neuer Qual.
Dann begann Hobby wieder zu sprechen.
„So ist es zuweilen mit meinem Kopf,“ sagte er, „siehst du? Ich weiß natürlich alles, was geschehen ist. Aber manchmal verwirren sich meine Gedanken. Maud, die arme Maud! Hast du übrigens gehört, daß Doktor Herz in die Luft geflogen ist? Mit seinem ganzen Laboratorium. Er hat ein großes Loch in die Straße gerissen und dreizehn Menschen mitgenommen.“
Doktor Herz war ein Chemiker, der an Sprengstoffen für den Tunnel arbeitete. Allan hatte die Nachricht schon auf dem Dampfer erhalten.
„Es ist zu schade,“ fügte Hobby hinzu, „diese neue Sache, die er da hatte, muß sicher gut gewesen sein!“ Und er lächelte grausam. „Zu schade!“
Allan brachte hierauf das Gespräch auf Hobbys Schäferhund und eine Zeitlang folgte Hobby. Dann sprang er wieder ab.
„Was für ein süßes Mädchen Maud doch war!“ sagte er unvermittelt. „Ein Kind! Und doch tat sie immer, als sei sie klüger als alle Menschen. Sie war in den letzten Jahren nicht sehr zufrieden mit dir.“
Allan streichelte, in Gedanken versunken, Hobbys Hund.
„Ich weiß es, Hobby,“ sagte er.
„Ja, sie klagte zuweilen, daß du sie so allein hier sitzenließest. Nun, ich sagte ihr: sieh, Maud, es geht nicht anders. Einmal haben wir uns auch geküßt. Ich weiß es wie heute. Zuerst spielten wir Tennis und dann fragte Maud alle möglichen Dinge. Gott, wie deutlich ich ihre Stimme jetzt höre! Sie sagte ‚Frank‘ zu mir ...“
Allan starrte Hobby an. Aber er fragte nichts. Hobby sah in die Ferne und sein Blick war erschreckend glänzend.
Nach einer Weile erhob sich Allan, um zu gehen. Hobby begleitete ihn bis zur Gartentür.
„Nun, Hobby,“ sagte Allan, „willst du nicht mit mir kommen?“
„Wohin?“
„In den Tunnel.“ Da verfärbte sich Hobby und seine Wangen zitterten.
„Nein — nein ...“ erwiderte er mit einem scheuen, unsicheren Blick. Und Allan, der seine Frage bereute, sah, daß Hobby am ganzen Körper zitterte.
„Adieu, Hobby, morgen komme ich wieder!“
Hobby stand unter der Gartentür, den Kopf leicht geneigt, fahl, mit kranken Augen, und der Wind spielte mit seinen weißen Haaren. Gelbe, dürre Eichenblätter wirbelten um seine Füße. Als der Hund Allan wütend nachbellte, lachte Hobby — ein krankes, kindisches Lachen, das Allan noch am Abend in den Ohren klingen hörte.
Schon in den nächsten Tagen trat Allan wieder mit der Arbeiter-Union in Verbindung. Er hatte das Empfinden, als ob man jetzt zu einer Verständigung geneigter sei. In Wirklichkeit konnte die Union die Sperre über den Tunnel nicht länger aufrecht erhalten. Die „Farmhands“ kamen mit dem Eintritt des Winters zu Tausenden vom Westen und suchten Beschäftigung. Die Union hatte im vorigen Winter ungeheure Summen für Arbeitslose ausgeschüttet und dieser Winter würde sie noch teurer zu stehen kommen.Seit die Arbeit im Tunnel still stand, war auch die Beschäftigung in den Bergwerken, Eisenhütten und Maschinenfabriken unerhört zurückgegangen und ein Heer von Menschen war auf die Straße geworfen worden. Die Löhne sanken infolge des großen Angebots von Arbeitskräften, so daß selbst die Beschäftigten nur ein karges Auskommen fanden.
Die Union berief Meetings und Versammlungen ein, und Allan sprach in New York, Cincinnati, Chicago, Pittsburg und Buffalo. Er war zäh und unermüdlich. Seine Stimme rauschte wie ehedem durch den Brustkorb und seine Faust sauste gewaltig durch die Luft, während er sprach. Nun, da sich seine elastische Natur wieder aufgerichtet hatte, schien auch jene alte Macht wieder von ihm auszuströmen wie früher. Die Presse hallte wider von seinem Namen.
Seine Sache stand günstig. Allan hoffte die Arbeit im November, spätestens Dezember wieder aufnehmen zu können.
Da aber zog sich — für Allan ganz unerwartet — ein zweites Ungewitter über dem Syndikat zusammen. Ein Ungewitter, das weitaus verheerendere Folgen haben sollte als die Oktober-Katastrophe.
Durch den finanziellen Riesenbau des Syndikats ging ein böses Knistern ...
S. Woolf fuhr mit der gleichen Würde wie früher in seinem 50HP.-Car den Broadway entlang. Er erschien wie sonst Punkt elf Uhr im Klub zum Poker und trank seine Tasse Kaffee. Er wußte recht wohl, daß nichts dieWelt argwöhnischer macht als eine Änderung der Lebensführung, und so spielte er nach außen hin seine Rolle in allen Einzelheiten weiter.
Aber er war nicht mehr der alte. S. Woolf hatte seine Sorgen, die er ganz allein tragen mußte. Das war nicht leicht! Es genügte ihm nicht mehr, zur Erholung mit einer seiner Nichten und Göttinnen zu Abend zu speisen. Seine überreizten Nerven brauchten Orgien, Exzesse, Zigeunermusik und Tänzerinnen zur Betäubung. Nachts, wenn er zuckend vor Übermüdung auf dem Bett lag, brannte sein Hirn lichterloh. Es kam dahin, daß er sich Abend für Abend an schwerem Wein berauschte, um Schlaf zu finden.
S. Woolf war ein guter Haushalter. Sein enormes Einkommen genügte vollkommen zur Deckung seiner Extravaganzen. Das war es nicht. Aber er war vor zwei Jahren in einen Mahlstrom ganz anderer Art geraten und trotz seinen gewaltigen Schwimmstößen, mit denen er wieder das glatte Wasser zu erreichen suchte, trieb er Monat für Monat dem kreisenden Strudel näher.
S. Woolfs zottiger Büffelschädel hatte einen napoleonischen Gedanken ausgebrütet. Er hatte mit diesem Gedanken gespielt, er war verliebt um ihn herumgeschlichen. Er hatte ihn gepflegt und großgefüttert. Zu seinem Vergnügen, in seinen Mußestunden. Der Gedanke war gewachsen wie der Dschinn aus der Flasche, die der arabische Fischer fand, ein Phantom aus Rauch. S. Woolf konnte ihm befehlen, wieder in die Flasche zurückzukriechen und ihn in der Westentasche mit sich tragen. Aber eines Tages sagte der Dschinn: „Stop!“ Der Dschinn hatte sich ausgewachsen zur normalen Größe, er stand da wie ein Wolkenkratzer, blitzte mit den Augen und donnerte und wollte nicht mehr in die Flasche zurück.
S. Woolf mußte sich entscheiden!
S. Woolf pfiff auf Geld. Die kläglichen Zeiten waren längst vorüber, da ihm das Geld an sich etwas bedeutete. Er konnte es aus dem Schmutz der Straße schöpfen, aus der Luft, es lag in seinem Hirn zu Millionen angehäuft und er brauchte es nur herauszuschlagen. Ohne Namen, ohne einen Pfennig in der Tasche, verpflichtete er sich, in einem Jahr ein Vermögen zu schaffen. Das Geld war nichts! Nur Mittel zum Zweck. S. Woolf war ein Trabant, der um Allan kreiste. Er wollte ein Mittelpunkt werden, um den die andern kreisten! Das Ziel war erhaben, würdig, und S. Woolf entschied sich.
Weshalb sollte er nicht dasselbe tun, was all die andern getan hatten, diese Lloyds und Großmächte ringsum? Es war nichts anderes, es war genau das gleiche, was der junge Wolfsohn vor zwanzig Jahren getan hatte, als er alles auf eine Karte setzte, sich elegant kleidete, dreißig Mark in sein Gebiß steckte und nach England abdampfte. Es war sein Gesetz, das ihm eingeborene Gesetz, das ihn zwang, in bestimmten Perioden gleich zu handeln.
S. Woolf wuchs in diesem Moment über sich hinaus, sein Dämonium streckte ihn ins Überlebensgroße.
Sein Plan war fertig, eingraviert in seinen Schädel, haarscharf, unsichtbar für andere Menschen. In zehn Jahren würde es eine neue Großmacht geben, die Großmacht S. Woolf. In zehn Jahren würde die Großmacht S. Woolf den Tunnel annektieren.
Und S. Woolf machte sich ans Werk.
Er tat, was Tausende vor ihm taten, niemals aber tat es jemand in seinem ungeheuren Maßstab! Er ging nicht auf ein Vermögen. Er hatte berechnet, daß er 50 Millionen Dollar für seinen Plan nötig hatte. Und so ging er auf 50 Millionen Dollar. Er handelte kühn, kalt, von Gewissensbissen und Vorurteilen verschont.
Er spekulierte auf eigene Rechnung, obgleich sein Vertrag ihm das ausdrücklich untersagte. Nun, sein Vertrag war ein Stück Papier, tot und nichtig, und diese Bedingung war gerade von jenen andern Großmächten eingefügt worden, um ihm die Hände zu binden. Er kümmerte sich nicht darum. Er kaufte die gesamte Baumwolle Südfloridas und verkaufte sie eine Woche später und verdiente zwei Millionen Dollar. Mit dem Syndikat im Rücken machte S. Woolf seine Geschäfte, ohne daß er einen Dollar des Syndikats dazu benötigte. In einem Jahre brachte er fünf Millionen Dollar auf seine Seite. Mit diesen fünf Millionen ging er in geschlossener Reihe auf den westindischen Tabak los. Aber ein Zyklon zerstörte die Tabakkulturen und die fünf Millionen waren bis auf ein Bataillon von Krüppeln aufgerieben. S. Woolf gab den Kampf nicht auf. Er versuchte es wieder mit der Baumwolle und siehe da, die Baumwolle blieb ihm treu. Er gewann. Er geriet in eine Gewinnserie, gewann immerzu und lieferte erstklassige Schlachten. Dann aber fiel er unerwartet in einen Hinterhalt. Das Kupfer schlug ihn, das er umzingelt hatte. Es waren unbekannte Kupfervorräte da, die ihm in den Rücken fielen und ihn total aufrieben. Er verlor viel Blut und war gezwungen, eine Anleihe bei den Reserven des Syndikats zu machen. Der Strudel hatte ihn erfaßt. S. Woolf pumpte sich die Brust voller Luft und stach in See — aber der Strudel saugte. S. Woolf schwamm großartig, aber er kam nicht von der Stelle. Blickte er zurück, so mußte er konstatieren, daß er Terrain zugesetzt hatte. S. Woolf schwamm verzweifelt und schwor sich, wenn er wieder ins glatte Wasser käme, vorläufig Luft schöpfen und sich von weiteren Abenteuern fernhalten zu wollen.
Das waren S. Woolfs Sorgen, die ihm niemand abnehmen konnte.
Im vorigen Jahre war es ihm noch gelungen, eine befriedigende Bilanz hinzuzaubern. Noch genoß er das volle Vertrauen des Syndikats.
Die Zeiten waren schlecht, die Oktober-Katastrophe hatte den Markt verwüstet, und S. Woolf ergraute, wenn er an den kommenden Januar dachte.
Es ging auf Leben und Tod.
Geld! Geld! Geld!
Es fehlten ihm drei bis vier Millionen Dollar. Eine Kleinigkeit verhältnismäßig. Zwei, drei gelungene Coups und er hatte wieder Boden unter den Füßen.
Es galt, und S. Woolf verteidigte sich heroisch.
Er stürzte sich vorerst in einen weniger gefährlichen Kleinkrieg, aber als der Sommer kam und er nur schrittweise Boden gewonnen hatte, war er gezwungen, ein großes Treffen anzunehmen. S. Woolf zögerte nicht, ins Feuer zu gehen. Er versuchte es nochmals mit der Baumwolle und legte seine Hand gleichzeitig auf das Zinn. Wenn diese Riesenspekulationen nur einigermaßen gelangen, so war er gerettet.
Monatelang lebte er in Schlafwagen und Schiffskabinen.
Er bereiste Europa und Rußland, um nach Stellungen auszuspähen, die einen Sturm lohnten. Seine persönlichen Ausgaben schränkte er nach Möglichkeit ein. Weder Extrazüge noch Salonwagen mehr, S. Woolf begnügte sich mit einem regulären Kupee erster Klasse. In London und Paris kündigte er seinen Königinnen, die große Summen verschlangen. Sie verteidigten ihre Festungen mit Schaum vor den bleichen Lippen. Allein sie hatten nicht daran gedacht, daß sie mit S. Woolf kämpften, der mit der Möglichkeit einer plötzlichen Auflösung seines Hofstaates seit einem Jahr gerechnet hatte und die Göttinnen schon seit Monatendurch Detektive beobachten ließ. Er wies ihnen mit vorzüglich gespielter Empörung nach, daß sie am 10. Mai, 15. Mai, 16. Mai — an dem und jenem Datum — mit Herrn X. und Z. da und da gewesen seien — auf kleinen „Erholungsreisen“ — er ließ aus Sprechmaschinen alle Gespräche, die geführt worden waren, vor den Entsetzten wiederholen, er zeigte ihnen, daß Böden und Decken angebohrt waren und an jeder Öffnung Tag und Nacht ein Auge und ein Ohr gelauert hatte — bis die Königinnen Herzkrämpfe bekamen. Dann setzte er sie auf die Straße.
Er fuhr wie ein Rachegott über Europa hin und entließ eine Schar seiner Befehlshaber und Agenten.
Er verkaufte die Zechen in Westfalen und die Eisenhütten in Belgien, er zog sein Geld von der schweren Industrie zurück, wo immer es anging und warf es auf andere Werte, die momentan mehr Aussichten hatten. Mit brutaler Rücksichtslosigkeit stellte er die Grundstückspekulanten in London, Paris und Berlin, die Bodenwerte in Biskaya und Azora besaßen und infolge der Krise mit den Zahlungen in Rückstand gekommen waren. Sie mußten den tiefen Sturz machen. Eine Menge kleiner Banken ging in Splitter. S. Woolf kannte keine Gnade, er kämpfte um sein Leben. In Petersburg hatte er gegen das hübsche Trinkgeld von drei Millionen Rubel eine hundert Millionen Rubel Holzkonzession in Nordsibirien erhalten, die sich mit zwanzig Prozent rentierte. Er verwandelte das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft und zog die Hälfte des Syndikatkapitals zurück. Aber unter solch gerissenen Bedingungen, daß das Syndikat in Zukunft nahezu das gleiche Einkommen hatte. Die Manipulationen streiften das Gesetzbuch — aber für den äußersten Fall hatte er seine Trinkgelder bei der Hand. Er schuf Geld, wo immer er konnte.
Ein Mann wie S. Woolf kann sich — bei einer ununterbrochenenschärfsten Einstellung auf alle Erfahrungen, alles Wissen — nur auf seinen Instinkt verlassen. Wie ein Mathematiker in dem Wald komplizierter Formeln verloren wäre, wenn er den Gedanken Herr über sich werden ließe, daß am Anfang ein Fehler sei, so wurde ein Mann wie S. Woolf nur durch die Überzeugung aufrecht erhalten, daß alles, was er getan hatte, das einzig Richtige gewesen war. S. Woolf folgte seinem Instinkt. Ermußtesiegen, er glaubte es.
Die europäische Hetzjagd ließ ihm zu nichts anderem Zeit. Aber er konnte es nicht übers Herz bringen, nach Amerika zurückzukehren, ohne seinen Vater besucht zu haben. Er gab ein dreitägiges Fest, an dem ganz Szentes teilnahm. Hier in seiner Heimat, in dem gleichen ungarischen Nest, in dem ihn eine arme Frau zur Welt gebracht hatte, sollten ihn die ersten beunruhigenden Telegramme einholen.
Einige seiner kleineren Spekulationen waren mißglückt, die Vorposten seiner Armee geschlagen. Das erste Telegramm schob er gleichmütig in seine weite amerikanische Hosentasche. Beim zweiten hörte er plötzlich die Sänger nicht mehr, als sei er für Momente taub geworden, und beim dritten ließ er anspannen und fuhr zur Station. Er hatte kein Auge für die in der Sonne röstende, wohlbekannte Landschaft, sein Auge sah in die Ferne, bis New York, in Mac Allans Gesicht!
In Budapest erwartete ihn eine neue Hiobsbotschaft: der Baumwollen-Corner war nicht länger ohne Riesenverluste zu halten und der Agent wollte wissen, ob er verkaufen solle. S. Woolf zögerte. Er schwankte, aber nicht aus Überlegung, sondern aus Unsicherheit. Vor drei Tagen noch hätte er Millionen an der Baumwolle gewonnen und doch hatte er keinen Ballen unter seinem Preis abgegeben. Warum? Er kannte die Baumwolle, denn erhatte drei Jahre nur in Baumwolle gearbeitet. Er kannte den Markt, Liverpool, Chikago, New York, Rotterdam, New Orleans — jeden einzelnen Broker — er kannte das Gesetz der Kurse, tauchte täglich in die Zahlenwälder der Börsen unter, er lauschte mit seinem feinen Ohr über die Welt und empfing täglich ungezählte drahtlose Telegramme, die durch die Luft gehen und die nur jene aufnehmen und entziffern können, die mit den Chiffern vertraut sind. Er war wie ein Seismograph, das die feinsten Erschütterungen und Beben aufzeichnet, und registrierte jede Schwankung des Marktes.
In Budapest nahm er den Expreß nach Paris und erst in Wien gab er dem Agenten in Liverpool Order zu verkaufen. Er verlor Blut dabei — es war eine aufgeflogene Festung! — aber er hatte plötzlich nicht mehr den Mut, alles zu riskieren.
Eine Stunde später schon bereute er diese Order, aber er konnte sich nicht entschließen, sie zu widerrufen. Zum erstenmal in seiner Tätigkeitmißtrauteer seinem Instinkt.
Er fühlte sich matt, schlaff wie nach einer Orgie, ohne Entschluß und wartete auf etwas. Es kam ihm vor, als sei schwächendes Gift in sein Blut gekommen. Böse Ahnungen durchschauerten ihn und zuweilen hatte er leichtes Fieber. Er fiel in Halbschlaf, aber bald wachte er wieder auf. Er träumte, er spreche durch seinen Officeapparat mit den Vertretern der großen Städte und alle — einer nach dem andern — riefen ihm durch das Telephon zu, daß alles verloren sei. Er erwachte, als die Stimmen sich zu einem lamentierenden Unglückschor vereinigten. Aber was er gehört hatte, war nichts als das Schleifen des Zuges, der bei einer Kurve die Bremsen angeschlagen hatte. Er saß und starrte in die kalte Lampe an der Decke des Abteils.Dann nahm er sein Notizbuch zur Hand und begann zu rechnen. Während er rechnete, schlich sich eine Lähmung durch seine Füße und Arme und kroch auf das Herz zu: er wagte nicht, die Verluste in Liverpool mit nackten Zahlen hinzuschreiben.
‚Ich darf nicht verkaufen!‘ sagte er zu sich. ‚Ich will telegraphieren, sobald der Zug hält. Warum haben sie kein Telephon im Zug, diese Hinterwäldler? Wenn ich jetzt verkaufe, so bin ich tot, im Fall das Zinn nicht vierzig Prozent bringt und das ist unmöglich! Ich muß alles riskieren, das ist die letzte Möglichkeit!‘
Er sprach Ungarisch! Auch das war merkwürdig, denn gewöhnlich machte er seine Geschäfte in Englisch, die einzige Sprache, in der man über Geld richtig reden kann.
Als aber der Zug plötzlich stillstand, hielt ihn eine Lähmung auf dem Polster zurück. Er dachte daran, daß seine ganze Armee mit allen Reserven jetzt im Feuer stand. Und er glaubte nicht an diese Schlacht, nein! Sein Kopf war voller Zahlen. Wo er hinblickte standen Posten, sieben-, achtstellige. Zahlenstaffeln, Summen von enormer Länge. Diese Zahlen waren alle akkurat gedruckt, kalt, aus Eisen geschnitten. Diese Zahlen erschienen ganz von selbst, sie veränderten sich willkürlich, sie schwenkten eigenwillig von der Debet- zur Kreditseite über, oder sie verschwanden plötzlich, als seien sie erloschen. Ein verwirrendes Kaleidoskop, in dem Zahlen rasselten. Wie Schuppenpanzer klirrten sie nieder, winzig klein, oder sie glommen in gigantischer Größe einsam und düster drohend im öden schwarzen Raum. Sie setzten ihn in kalten Schweiß und er befürchtete, irrsinnig zu werden. So groß und grausam war ihre Wut, daß er in seiner Hilflosigkeit weinte.
Totgehetzt von Zahlen kam er in Paris an. Nach einigen Tagen erst fand er seine Ruhe einigermaßen zurück. Esging ihm wie einem Mann, der ohne jedes Anzeichen von Krankheit plötzlich auf der Straße umsinkt und, obwohl nach einigen Stunden wieder hergestellt, doch nur mit Bangen an dieses Symptom von Verfall denkt.
Eine Woche später erfuhr er, daß sein Instinkt ihn nicht betrogen hatte.
Der Baumwollen-Corner war, sobald er verkaufte, in andere Hände übergegangen. Ein Konsortium hatte ihn an sich gebracht, eine Woche gehalten und mit einem Millionengewinn verkauft.
S. Woolf schäumte vor Wut! Wenn er seinem Instinkt gefolgt wäre, so wäre er jetzt auf solidem Grund!
Das war sein erster großer Fehler. Aber in den nächsten Tagen beging er den zweiten. Er hielt das Zinn zu lange. Drei Tage zu lange und verkaufte dann. Er gewann noch immer, aber vor drei Tagen hätte er das Doppelte gewonnen. Er gewann zwölf Prozent, vor drei Tagen hätte er fünfundzwanzig gewonnen. Fünfundzwanzig! und er wäre in Sicht des Festlandes gewesen! S. Woolf wurde grau im Gesicht.
Was war es, daß er nun Fehler über Fehler machte? Die Baumwolle verkaufte er eine Woche zu früh, das Zinn drei Tage zu spät! Er war unsicher geworden, nichts sonst. S. Woolfs Hände waren fortwährend mit Schweiß bedeckt und zitterten. Er taumelte zuweilen auf der Straße, von einer plötzlichen Schwäche überfallen, und häufig fehlte ihm der Mut, über einen Platz zu gehen.
Es war Oktober. Es war genau der zehnte Oktober, der Jahrestag der Katastrophe. Er hatte noch drei Monate Zeit und es gab noch immer eine geringe Möglichkeit, daß er sich rettete. Aber er mußte ein paar Tage ruhen und sich erholen.
Er reiste nach San Sebastian.
Aber gerade als er drei Tage da war und sich sein Zustand schon soweit gebessert hatte, daß ihn die Damen zu interessieren anfingen, erreichte ihn ein Telegramm Allans: seine persönliche Anwesenheit in New York sei unbedingt erforderlich. Allan erwarte ihn mit dem nächsten Dampfer.
S. Woolf nahm den nächsten Zug.
Eines Tages im Oktober hatte sich zu Allans großer Verwunderung Ethel Lloyd bei ihm anmelden lassen.
Sie trat ein und warf einen raschen Blick durchs Zimmer. „Sind Sie allein, Allan?“ fragte sie lächelnd.
„Ja, Fräulein Lloyd, ganz allein.“
„Das ist gut!“ Ethel lachte leise. „Haben Sie keine Angst, ich bin kein Erpresser. Pa schickt mich zu Ihnen. Ich soll einen Brief an Sie abgeben, aber nur, wenn Sie allein sind.“
Sie zog einen Brief aus dem Mantel.
„Danke,“ sagte Allan und nahm den Brief in Empfang.
„Es ist gewiß etwas merkwürdig,“ fuhr Ethel lebhaft fort, „aber Pa ist so sonderbar in manchen Dingen.“ Und Ethel begann frisch und ungeniert, wie es ihre Art war, zu plaudern und hatte Allan, der mit den Worten sparsam umging, bald in ein Gespräch gezogen, dessen Kosten sie größtenteils bestritt. „Sie sind in Europa gewesen?“ fragte sie. „Ja, wir haben eine wunderbare Sache diesen Sommer gemacht, zu fünft, zwei Herren, drei Damen. Wir fuhren in einem Zigeunerwagen bis nach Kanada hinauf. Immer in frischer Luft. Schliefen im Freien, kochten selbst, es war wunderbar! Wir hatten ein Zelt mit uns und ein kleinesRuderboot auf dem Dach des Wagens. — Das sind wohl Pläne?“
Mit der ihr eignen Freimut ließ Ethel den Blick durch den Raum gehen, ein nachdenkliches Lächeln auf den schöngeschwungenen, lebhaft rot gefärbten Lippen. (Das war momentan Mode.) Sie trug einen seidenen Mantel von der Farbe angereifter Pflaumen, einen kleinen runden Hut, der eine Nuance heller war und von dem eine graublaue Straußenfeder bis zur Schulter herabhing. Das matte, verwischte Graublau ihres Kostüms ließ ihre Augen viel blauer erscheinen, als sie wirklich waren. Wie dunkeln Stahl.
Allans Arbeitsraum war erschreckend nüchtern. Ein abgetretener Teppich, ein paar Ledersessel, ohne die es nicht geht, ein Tresor. Ein halbes Dutzend Arbeitstische mit Stößen von Schriftstücken, die mit Bruchproben von Stahl beschwert waren. Regale mit Rollen und Mappen. Ein Wust von Papieren, scheinbar willkürlich durch den Raum gefegt. Die Wände des großen Raumes waren vollkommen mit riesigen Plänen bedeckt, die die einzelnen Baustrecken darstellten. Mit den fein eingezeichneten Meerestiefenmaßen und der angetuschten Tunnelkurve sahen sie aus wie Zeichnungen von Hängebrücken.
Ethel lächelte. „Wie hübsch Sie Ordnung halten!“ sagte sie.
Die Nüchternheit des Raumes enttäuschte sie nicht. Sie dachte an „Pa’s“ Bureau, dessen ganze Ausstattung aus einem Schreibtisch, einem Sessel, Telephon und Spucknapf bestand.
Dann sah sie Allan in die Augen. „Ich glaube, Allan, Ihre Arbeit ist die interessanteste, die je ein Mensch ausführte!“ sagte sie mit einem Blick voll aufrichtiger Bewunderung. Plötzlich aber sprang sie entzückt auf und klatschte in die Hände.
„Ja, Gott, was ist das!“ rief sie begeistert aus. Ihr Blick war durchs Fenster gefallen und sie sah New York liegen.
Aus tausend flachen Dächern stiegen dünne weiße Dampfsäulen empor in die Sonne, schnurgerade. New York arbeitete, New York stand unter Dampf wie eine Maschine, die aus allen Ventilen pfeift. Die Fensterfronten der zusammengerückten Turmhäuser blitzten. Tief unten im Schatten der Broadwayschlucht krochen Ameisen, Punkte und winzige Kärrchen. Von oben gesehen sahen Häuserblöcke, Straßen und Höfe wie Zellen aus, Waben eines Bienenstockes, und man wurde unwillkürlich zu dem Gedanken gedrängt, daß die Menschen diese Zellen aus einem ähnlichen animalischen Instinkt erbauten, wie die Bienen die Waben. Zwischen zwei Gruppen von weißen Wolkenkratzern sah man den Hudson und darauf zog ein winziger Dampfer, ein Spielzeug mit vier Kaminen, ein Ozeangigant von 50000 Tonnen.
„Ist es nicht herrlich!“ rief Ethel wieder und wieder aus.
„Haben Sie New York noch nie von der Höhe aus gesehen?“
Ethel nickte. „Doch,“ sagte sie, „ich bin zuweilen mit Vanderstyfft darüber geflogen. Aber in der Maschine zieht es so, daß man immer den Schleier festhalten muß und nichts sieht.“
Ethel sprach natürlich und schlicht und ihr ganzes Wesen strömte Einfachheit und Herzlichkeit aus. Und Allan fragte sich, weshalb er sich in ihrer Nähe nie ganz behaglich fühlte. Er vermochte es nicht, ohne Rückhalt mit ihr zu plaudern. Vielleicht irritierte ihn nur ihre Stimme. Im großen und ganzen gibt es in Amerika zwei Arten weiblicher Stimmen: eine weiche, die ganz tief im Kehlkopf klingt (so sprach Maud), und eine scharfe, etwas nasale, die sich keck und aufdringlich anhört. So war Ethels Stimme.
Dann ging Ethel. Unter der Türe fragte sie Allan noch, ob er nicht gelegentlich auf ihrer Jacht einen kurzen Ausflug mitmachen wolle.
„Ich habe gegenwärtig viele Verhandlungen, die meine ganze Zeit beanspruchen,“ lehnte Allan ab und riß Lloyds Brief auf.
„Nun, dann ein andermal!Good bye!“ rief Ethel fröhlich und ging.
Der Brief Lloyds enthielt nur ein paar Worte. Er war ohne Unterschrift: „Haben Sie ein Auge auf S. W.“
S. W. war S. Woolf. Allan hörte plötzlich das Blut in den Ohren sieden.
Wenn Lloyd ihn warnte, so geschah es nicht ohne Grund! War es Lloyds Instinkt, der Verdacht schöpfte? Lloyds Spione? Schlimme Ahnungen erfüllten ihn. Geldgeschäfte waren nicht seine Sache und er hatte sich nie um S. Woolfs Ressort gekümmert. Das war Sache des Verwaltungsrates und es war all die Jahre ausgezeichnet gegangen.
Er rief sofort Rasmussen, den Vertreter S. Woolfs, zu sich. Ganz unauffällig bat er ihn, eine Kommission vorzuschlagen, die zusammen mit ihm, Rasmussen, den gegenwärtigen finanziellen Stand des Syndikats genau festsetzen sollte. Er wolle die Arbeit bald aufnehmen und wissen, welche Summen sich in nächster Zeit flüssig machen ließen.
Rasmussen war ein distinguierter Schwede, der seine europäischen Höflichkeitsformen während eines zwanzigjährigen Aufenthaltes in Amerika bewahrt hatte.
Er verbeugte sich und fragte: „Wünschen Sie die Kommission noch heute vorgeschlagen zu erhalten, Herr Allan?“
Allan schüttelte den Kopf. „So eilig ist es durchaus nicht, Rasmussen. Aber morgen vormittag. Werden Sie bis dahin Ihre Wahl treffen können?“
Rasmussen lächelte. „Gewiß!“
An diesem Abend sprach Allan mit Erfolg in der Versammlung der Gewerkschafts-Delegierten.
An diesem Abend erschoß sich Rasmussen.
Allan erbleichte, als er es erfuhr. Er rief augenblicklich S. Woolf zurück und ordnete sofort eine geheime Revision an. Der Telegraph spielte Tag und Nacht. Die Revision stieß auf ein unentwirrbares Chaos. Es zeigte sich, daß Veruntreuungen, deren Höhe sich im Moment nicht feststellen ließ, durch falsche Buchungen und raffinierte Manipulationen vertuscht worden waren. Ob Rasmussen oder S. Woolf oder andere dafür verantwortlich waren, ließ sich nicht sofort erkennen. Ferner fand es sich, daß S. Woolfs letztjährige Bilanz eine Verschleierung war und der Reservefonds ein Minus von sechs bis sieben Millionen Dollar aufwies.
S. Woolf fuhr über den Ozean, ohne den leisesten Verdacht zu haben, daß ihn zwei Detektive begleiteten.
Er war zur Überzeugung gekommen, daß es das beste war, Allan von den Verlusten in Kenntnis zu setzen. Allein er fügte hinzu, daß sich diese Verluste durch andere gewinnverheißende Transaktionen bis auf eine Lappalie ausgleichen dürften. Danach fühlte er sich freier. Als er funkentelegraphisch von Rasmussens Selbstmord hörte, überkam ihn das Grauen. Er jagte eine Depesche hinter der anderen nach New York. Er erklärte, daß er für Rasmussen einstehe und sofort eine Revision anbahnen werde. Allan antwortete, er solle nicht weiter telegraphieren, sondernihn augenblicklich nach seiner Ankunft in New York aufsuchen.
S. Woolf ahnte nicht, daß das Messer für ihn schon bereit lag. Er hoffte immer noch, die Revision persönlich leiten zu können und einen Ausweg zu finden. Vielleicht war der tote Rasmussen sogar seine Rettung! Er war, um sich aufs Trockene zu schwingen, zu allem entschlossen — wenn es sein müßte, zu einer Schurkerei. Und was er an dem toten Rasmussen sündigte, das konnte er ja an der hinterbliebenen Familie wieder gutmachen.
Der Dampfer hatte in Hoboken kaum festgemacht, als Woolf schon in seinem Car saß und nach Wallstreet fuhr. Er ließ sich sofort bei Allan anmelden.
Allan ließ ihn warten, fünf Minuten, zehn Minuten, eine Viertelstunde. Woolf war befremdet. Und mit jeder Minute sank sein Mut, mit dem er sich bis zum Hals vollgepumpt hatte. Als ihn Allan endlich eintreten ließ, verbarg er seine erschütterte Sicherheit hinter einem asthmatischen Schnaufen, das sich bei ihm ganz natürlich anhörte.
Den steifen Hut im Nacken, die Zigarre im Mund, trat er ein und begann schon unter der Tür zu reden. „Sie lassen Ihre Leute warten, Herr Allan, das muß ich sagen!“ rasselte er vorwurfsvoll, mit einem fetten Lachen, und nahm den Hut ab, um sich die Stirn zu trocknen. „Wie geht es Ihnen?“
Allan erhob sich. „Da sind Sie ja, Woolf!“ sagte er ruhig, ohne einen verräterischen Klang in der Stimme, und suchte mit den Blicken etwas auf seinem Arbeitstisch.
Der Ton Allans ermutigte Woolf wieder, er sah wieder Licht, aber es fuhr ihm plötzlich wie ein eiskaltes Messer am Rücken entlang, daß Allan ihn nur „Woolf“ und nicht „Mr. Woolf“ nannte. Diese Vertraulichkeit war einst einerseiner intimen Wünsche gewesen, nun aber schien sie ihm kein gutes Anzeichen zu sein.
Er warf sich ächzend in einen Sessel, biß eine neue Zigarre ab, daß seine Zähne klappten, und setzte sie in Brand.
„Was sagen Sie zu Rasmussen, Herr Allan?“ begann er, nach Atem ringend und schwenkte das Streichholz, bis es erlosch, und warf es auf den Boden. „Ein solch außerordentlich begabter Mensch! Schade um ihn! Er hätte uns eine hübsche Sache zusammenmischen können, bei Gott! Wie ich schon telegraphierte, ich stehe für Rasmussen ein!“
Er brach ab, denn Allans Blick hatte ihn getroffen. Dieser Blick war kühl, nichts sonst. Er war so bar aller menschlichen Anteilnahme, alles menschlichen Interesses, daß er beleidigend wirkte und S. Woolf augenblicklich den Mund verschloß.
„Rasmussen ist ein Kapitel für sich,“ entgegnete Allan in geschäftsmäßigem Ton und nahm einen Stoß Telegramme vom Tisch, „wir wollen keine Umwege machen und von Ihnen reden, Woolf!“
Um Woolfs Ohren pfiff ein eisiger Wind.
Er beugte sich vor, plusterte mit den Lippen und nickte, wie ein Mensch, der einen Tadel entgegennimmt und seine Blamage zugibt. Dann holte er einen tiefen Atemzug aus der Brust hervor und sagte mit einem ernsten, glühenden Blick: „Ich habe Ihnen schon telegraphiert, Herr Allan, daß ich diesmal keine glückliche Hand hatte. Die Baumwolle verkaufte ich eine Woche zu früh, weil ich mich von meinem Liverpooler Agenten, diesem Idioten, ins Bockshorn jagen ließ. Das Zinn zu spät. Ich bedaure die Verluste, aber sie lassen sich wieder gutmachen. Es ist kein Vergnügen, zugeben zu müssen, daß man Dreck im Kopfe hatte, glauben Sie mir das!“ schloß er und richtete sich ächzend im Sessel auf und lachte leise. Aber das Lachen, das selbstanklagend und nachsichtheischend klingen sollte, gelang ihm nicht recht.
Allan machte eine ungeduldige Bewegung mit dem Kopfe. Er kochte innerlich vor Wut und Empörung. Vielleicht hatte er nie einen Menschen mehr gehaßt als diesen haarigen, fremdrassigen Asthmatiker in diesem Augenblick. Nun, nach einem Jahre — einem elendiglich verlorenen Jahre — da er mit äußerster Anstrengung alles wieder auf solide Geleise gesetzt hatte, mußte dieser verbrecherische Börsenjobber ihm von neuem alles über den Haufen werfen! Er hatte keinen Grund, ihn sanft anzupacken, und so machte er seinen Mann schonungslos und rasch nieder. „Darum handelt es sich nicht,“ entgegnete er ruhig wie vorhin und nur seine Nasenflügel blähten sich auf. „Das Syndikat wird keine Minute zögern, Sie zu decken, wenn Sie im Dienste der Gesellschaft Verluste erleiden. Aber —“ und Allan ließ den Arbeitstisch los, an dem er lehnte und stand aufrecht und sah Woolf mit Augen an, die nichts waren als Pupille und beherrschte Mordgier — „Ihre vorjährige Bilanz war Humbug, mein Herr! Humbug! Sie haben auf eigene Rechnung spekuliert und sieben Millionen Dollar unterschlagen!“
S. Woolf sank wie ein Baum. Er wurde grau wie Erde. Seine Züge vermoderten. Er griff mit der fleischigen Hand an sein Herz und fiel, nach Luft schnappend, zurück. Sein Mund stand fassungslos und läppisch offen und seine blutunterlaufenen Augen quollen aus dem Kopf.
Allan wechselte die Farbe; er wurde blaß und rot vor Anstrengung, sich zu beherrschen. Dann fügte er mit der gleichen Ruhe und Kälte hinzu: „Sie können ja selbst nachsehen!“ Und er warf den Stoß von Telegrammen nachlässig vor Woolfs Füße, daß sie über den Boden flatterten.
S. Woolf lag noch immer nach Luft ringend im Sessel. Der Boden sank unter ihm, seine Füße wurden zu Wolken, sein rasselnder Atem klang ihm in den eigenen Ohren wiedas Brausen eines Wasserfalls. Er war so überrumpelt, so betäubt von diesem turmhohen Sturze, daß er für die Beleidigung, die in dem nachlässigen Hinwerfen der Telegramme lag, gar keine Empfindung hatte. Die grauen Lider senkten sich wie Deckel über seine Augen. Er sah nichts. Er sah Nacht, kreisende Nacht, dachte, er würde sterben, flehte den Tod herbei ... und dann erwachte er wieder und fing an zu begreifen, daß es keine Lüge mehr gab, die ihn aufs Trockene trug.
„Allan —?“ stammelte er.
Allan schwieg.
S. Woolf tauchte wieder in den Strudel hinab, keuchte wieder empor und schlug endlich die Augen auf, eingesunkene Augen, verfault wie bei Fischen, die lange liegen. Dann setzte er sich keuchend aufrecht. „Unsere Lage war verzweifelt, Allan,“ stammelte er und seine Brust warf sich stoßweise vor Luftmangel, „ich wollte Geld schaffen — Geld um jeden Preis —!“
Allan fuhr empört auf. Das Recht der Lüge hat jeder Verzweifelnde. Aber er hatte kein Mitleid mit diesem Mann, er empfand nichts für ihn,nichts, nichts als Haß und Wut. Er wollte kurzen Prozeß mit ihm machen und dann fort mit ihm! Seine Lippen waren schneeweiß vor Erregung, als er entgegnete: „Sie hatten bei der Budapester Bank eineinhalb Millionen auf den Namen Wolfsohn deponiert, in Petersburg eine Million und vorübergehend in London und an belgischen Banken zwei bis drei Millionen. Sie haben Geschäfte auf eigene Rechnung gemacht und sich zuletzt das Genick gebrochen. Ich gebe Ihnen Zeit bis morgen abend um sechs Uhr. Keine Minute früher und keine Minute später lasse ich Sie verhaften.“
Woolf erhob sich taumelnd, leichengelb, um in einem instinktiven Verteidigungsdrang auf Allan einzuschlagen.Aber er konnte keine Hand heben. Er war am ganzen Körper lahm und zitterte schrecklich. Plötzlich kehrte ihm für Sekunden ganz klar das Bewußtsein zurück. Er stand schwer atmend, das fahle Gesicht mit Schweißtropfen punktiert, und starrte zu Boden. Sein Auge nahm mechanisch die Namen einer Anzahl europäischer Banken auf, die auf den Depeschen da unten standen. Sollte er Allan sagen, weshalb er sich auf diese Spekulationen einließ? Sollte er ihm seine Motive auseinandersetzen? Daß es ihm keineswegs umGeldzu tun gewesen war? Aber Allan war zu einfältig, zu simpel, um zu begreifen, wieso ein Mensch nachMachtverlangen konnte — er, der die Macht besaß, ohne je nach ihr gestrebt zu haben, ohne es zu wissen, ohne es zu wollen, der sie ganz einfach hatte! Dieser Maschinenkonstrukteur hatte nur drei Gedanken im Kopf und nie über die Welt nachgedacht und verstand nichts. Ja, und selbst wenn er ihn verstand, selbst wenn, so würde er gegen eine Granitmauer rennen, gegen die Mauer des bürgerlichen, hanebüchenen Ehrlichkeitsbegriffes, der im kleinen berechtigt ist, aber im großen Dummheit, gegen diesen Begriff würde er rennen und nicht durchkommen. Allan würde ihn nicht weniger verachten und verdammen. Allan! Ja, wirklich derselbe Allan, der fünftausend Menschen auf dem Gewissen hatte, Allan, der dem Volk Milliarden aus der Tasche nahm, ohne sicher zu sein, ob er je seine Versprechungen einlösen konnte. Auch Allans Stunde würde noch kommen, er prophezeite sie ihm! Dieser Mann aber richtete ihn heute und glaubte ein Recht dazu zu haben! S. Woolfs Kopf arbeitete verzweifelt. Einen Ausweg! Rettung! Eine Möglichkeit! Er erinnerte sich an Allans bekannte Gutmütigkeit. Warum packte er ihn mit Haifischzähnen an? Gutmütigkeit und Barmherzigkeit waren verschiedene Dinge.
So tief dachte dieser verzweifelte Mensch, daß er sekundenlang alles ringsum vergaß. Er hörte nicht, daß Allan seinen Diener rief und ihm befahl, ein Glas Wasser zu bringen, da Herr Woolf sich nicht wohl fühle. Und je länger er dachte, desto leichenfarbener und fahler wurde er.
Er erwachte erst, als ihn jemand am Arm zupfte und eine Stimme sagte: „Sir?“ Da sah er, daß Allans Diener, Lion, ihm ein Glas Wasser reichte.
Er trank das ganze Glas aus, dann schöpfte er Atem und sah Allan an. Es schien ihm plötzlich alles weniger schlimm zu sein. Wenn es ihm gelänge, Allans Herz zu packen? Und er sagte, ganz gefaßt und beherrscht, mit tiefer Stimme: „Hören Sie, Allan, das kann nicht Ihr Ernst sein. Wir arbeiten nun seit sieben, acht Jahren zusammen, ich habe dem Syndikat Millionen verdient ...“
„Das war Ihre Arbeit.“
„Gewiß! Hören Sie, Allan, ich gebe zu, es war eine Entgleisung. Es war mir nicht um Geld zu tun. Ich will es Ihnen erklären. Sie sollen meine Motive erfahren ... Aber es kann doch nicht Ihr Ernst sein, Allan! Die Sache läßt sich ordnen! Und ich bin dereinzigeMensch, der sie ordnen kann ... Wenn Sie mich fallen lassen, so fällt das Syndikat ...“
Allan wußte, daß S. Woolf die Wahrheit sprach. Die sieben Millionen konnte seinetwegen der Teufel holen, derSkandalaber war eine Katastrophe. Trotzdem blieb er unerbittlich.
„Das ist meine Sache!“ entgegnete er.
Woolf schüttelte den zottigen Büffelkopf. Er konnte es nicht begreifen, daß Allan ihn tatsächlich aufgeben, stürzen wollte. Es war unmöglich. Und er wagte es nochmals, sich in Allans Augen zu erkundigen. Aber diese Augen schrien ihm in ihrer stillen Sprache entgegen, daß von diesemManne keine Nachsicht und Gnade zu erwarten war. Nichts! Gar nichts! Plötzlich erkannte er, daß Allan ein Amerikaner war, eingeborenerund er nur eingewordener, und Allan war stärker.
Die leise Hoffnung, die er sich vorgelogen hatte, war eitel. Er war verloren. Und von neuem überfiel ihn sein Elend.
„Allan!“ schrie er plötzlich, von Verzweiflung gepackt, „das können Sie nicht wollen. Nein! Sie treiben mich in den Tod! Das können Sie nicht wollen!“
Er kämpfte jetzt nicht mehr mit Allan, er kämpfte mit dem Schicksal. Aber das Schicksal hatte Allan vor die Front geschickt, einen kalten Fechter, der nicht wich.
„Das können Sie nicht wollen, Allan!“ wiederholte er wieder und wieder. „Sie treiben mich in den Tod!“ Und er schüttelte seine Fäuste unter Allans Gesicht.
„Ich habe Ihnen alles gesagt.“ Allan wandte sich zur Türe.
S. Woolfs Gesicht war von kaltem Schweiß wie mit Schleim überzogen, sein Bart klebte.
„Ich werde das Geld ersetzen, Allan —!“ schrie er wild und seine Arme fuhren durch die Luft.
„Tommy rot!“ rief Allan und ging.
Da schlug Woolf die Hände vors Gesicht und sank mit dumpfem Aufschlag in die Knie, wie ein geschlagener Stier.
Eine Türe krachte ins Schloß.
Allan war gegangen.
S. Woolfs fetter Rücken zuckte. Er erhob sich halb betäubt. Seine Brust wurde von einem tränenlosen Schluchzen erschüttert. Er nahm den Hut, strich mit der Hand über den Filz und ging langsam zur Türe.
An der Türe blieb er nochmals stehen. Allan war im Nebenzimmer und mußte ihn hören, wenn er rief. Eröffnete den Mund, aber er brachte keinen Laut hervor. Es war auch einerlei. Denn es hatte keinen Wert!
Er ging. Er knirschte mit den Zähnen vor Zorn, Erniedrigung und Elend. Tränen der Wut traten ihm in die Augen. Oh, wie er Allan jetzt haßte! Er haßte ihn so sehr, daß er Blut auf der Zunge spürte ... Auch Allans Stunde würde noch kommen ...!
Als toter Mann fuhr er im Lift ab.
Er stieg in den Car. „Riverside-Drive!“
Der Chauffeur, der kaum das Gesicht seines Herrn mit einem Blick gestreift hatte, dachte: ‚S. Woolf ist fertig!‘
Zusammengeduckt, grau, mit eingesunkenen Augen saß Woolf im Wagen, ohne etwas zu hören, zu sehen. Er fror vor kaltem Schweiß und kroch in seinen Mantel zurück, wie ein Tier in die Muschel. Dann und wann dachte er, bittern Ekel auf dem Mund: „Er hat mich kalt niedergemacht. Er hat michgeschächtet!“ Etwas anderes vermochte er nicht zu denken.
Es wurde Nacht und der Chauffeur hielt an und fragte, ob er nicht nach Hause fahren solle.
S. Woolf dachte angestrengt nach. Dann sagte er mit tonloser Stimme: „Hundertzehnte!“
Das war die Adresse Renées, seiner momentanen Mätresse. Er hatte niemand, mit dem er reden konnte, keinen Freund, keinen Bekannten, und so fuhr er zu ihr.
Woolf befürchtete, sich vor dem Chauffeur verraten zu haben und riß sich zusammen. Vor Renées Haus stieg er aus und sagte gleichmütig und etwas herrisch wie immer: „Sie warten!“
Der Chauffeur aber dachte: ‚Trotzdem bist du fertig!‘
Renée zeigte mit keiner Miene Freude darüber, daß er zurückgekehrt war. Sie schmollte. Sie tat tödlich gelangweilt, sie tat unglücklich. So sehr war sie mit ihrem hochmütigen,verzogenen und eigensinnigen Persönchen beschäftigt, daß ihr seine Verstörtheit gar nicht auffiel.
Über diesen Grad von weiblichem Egoismus mußte Woolf laut auflachen. Und dieses Lachen, das mit sehr viel Verzweiflung gemischt war, brachte ihn auf den Ton zurück, in dem er mit Renée zu verkehren pflegte. Er sprach Französisch mit ihr. Die Sprache schien einen andern Menschen aus ihm zu machen. Auf Sekunden — auf ganz kurze Sekunden — vergaß er zuweilen ganz, daß er ein toter Mann war. Er scherzte mit Renée, nannte sie sein kleines verzogenes Kind, sein böses Püppchen, sein Kleinod und Spielzeug und gab ihr mit seinen feuchten kalten Lippen einen Kuß auf den schönen, schwellenden Mund. Renée war eine außerordentliche Schönheit, eine rotblonde Nordfranzösin aus Lille, die er im vorigen Jahr aus Paris importiert hatte. Er log ihr vor, daß er ihr ein Wunder von einem Schal und die prächtigsten Federn aus Paris mitgebracht habe, und ein Lichtschein glitt über Renées Mienen. Sie befahl den Tisch zu decken und schwatzte von all ihren Sorgen und Launen.
Oh, sie haßte dieses New York, sie haßte dieses Volk von Amerikanern, die eine Dame mit äußerster Rücksicht und äußerster Gleichgültigkeit behandelten. Sie haßte es, auf „ihrer Etage zu sitzen“ und zu warten.Oh, mon dieu, oui, sie wäre viel lieber eine kleine Modistin in Paris geblieben ...
„Vielleicht kannst du bald zurückkehren, Renée,“ sagte Woolf mit einem Lächeln, das unter Renées niedriger Stirn weiterarbeitete.
Bei Tisch vermochte er keinen Bissen über die Lippen zu bringen, aber er trank große Mengen Burgunder. Er trank und trank, wurde heiß im Kopf, aber nicht betrunken.
„Wir wollen Musik und Tänzer bestellen, Renée,“ sagte er. Renée telephonierte an ein ungarisches Restaurant imJudenviertel und nach einer halben Stunde waren die Tänzer und Musiker da.
Der Primas der Kapelle kannte Woolfs Geschmack und hatte ein junges schönes Mädchen, das direkt aus der ungarischen Provinz kam, mitgebracht. Das Mädchen hieß Juliska und sang ein kleines Volkslied, so leise, daß man sie kaum hörte.
Woolf versprach der Truppe hundert Dollar unter der Bedingung, daß auch keine Sekunde Pause entstehe. Ohne Unterbrechung wechselten Musik, Gesänge und Tänze ab. Woolf lag wie eine Leiche im Sessel, nur seine Augen glänzten. Er schlürfte immerzu Rotwein und wurde doch nicht trunken. Renée kauerte mit angezogenen Beinen in einem Fauteuil, in einen prächtigen zinnoberroten Schal eingewickelt, die grünen Augen halb geschlossen, wie ein roter Panther. Sie sah immer noch gelangweilt aus. Gerade ihre beispiellose Indolenz hatte ihn gereizt. Kam man ihr nahe, so wurde sie bösartig wie eine Idiotin, bis endlich die Hölle aus ihr loderte.
Die schöne junge Ungarin, die der smarte Primas mitgebracht hatte, gefiel S. Woolf. Er richtete häufig seinen Blick auf sie, aber sie wich scheu mit den Augen aus. Darauf winkte er den Primas heran und flüsterte mit ihm. Eine Weile später verschwand Juliska.
Punkt elf Uhr verließ er Renée. Er schenkte ihr einen seiner Brillantringe. Renée liebkoste mit ihren Lippen sein Ohr und fragte ihn flüsternd, weshalb er nicht bleibe. Er gebrauchte seine alte Ausrede, er habe zu arbeiten, und Renée runzelte die Stirn und verzog das Mündchen.
Juliska wartete bereits in Woolfs Wohnung. Sie zitterte, als er sie berührte. Ihr Haar war braun und weich. Er goß ihr ein Glas Wein ein und sie nippte gehorsam daran und sagte sklavisch: „Auf Ihre Gesundheit, Herr!“ Dannsang sie auf seinen Wunsch ihr kleines melancholisches Volkslied, wiederum so leise, daß man sie kaum hörte.
Két lánya volt a falunak— sang sie —két virága; mind a kettö úgy vágyott a boldogsagra...
Zwei Mädchen hatte das Dorf, zwei Blumen. Beide sehnten sich nach dem Glück; die eine führte man zum Traualtar, die andere brachte man zum Friedhof.
Hundertmal in seiner Jugend hatte S. Woolf das Lied gehört. Aber heute drückte es ihn nieder. Seine ganze Hoffnungslosigkeit hörte er daraus. Er saß da und trank und bekam Tränen in die Augen. Er weinte aus Mitleid mit sich selbst und die Tränen liefen langsam über seine wächsernen, schwammigen Wangen.
Nach einer Weile schnaubte er sich die Nase und sagte weich und leise: „Das hast du gut gemacht. Was kannst du sonst, Juliska?“
Sie sah ihn mit traurigen, braunen Augen an, die an die Augen eines Lamas erinnerten. Sie schüttelte den Kopf. „Nichts, Herr,“ flüsterte sie verzagt.
Woolf lachte nervös. „Das ist nicht viel!“ sagte er. „Höre, Juliska, ich will dir tausend Dollar geben, aber du mußt tun, was ich dir sage?“
„Ja, Herr,“ antwortete Juliska ergeben und ängstlich.
„So kleide dich aus. Geh ins Zimmer nebenan.“
Juliska neigte den Kopf: „Ja, Herr.“
Während sie die Kleider ablegte, saß S. Woolf regungslos im Sessel und starrte vor sich hin. „Wenn Maud Allan noch am Leben wäre, so hätte ich eine Hoffnung!“ dachte er. Und er saß und sein Unglück brütete dunkel über ihm. Als er nach einiger Zeit aufblickte, sah er Juliska ausgekleidet, halb in die Portiere gewickelt, unter der Türe stehen. Er hatte sie ganz vergessen gehabt.
„Komm näher, Juliska.“ Juliska trat einen Schritt vor.Die rechte Hand hielt noch immer die Portiere fest, als wolle sie die letzte Hülle nicht aufgeben.
S. Woolf betrachtete sie mit Kennerblicken und der nackte Mädchenkörper brachte ihn auf andere Gedanken. Obwohl noch nicht siebzehn Jahre alt, war Juliska doch schon ein Weibchen. Ihr Becken war breiter, als die Kleider ahnen ließen, ihre Schenkel runde Säulen, ihre Brüste klein und fest. Ihre Haut war dunkel. Wie aus Erde gebacken und in der Sonne getrocknet war sie.
„Kannst du tanzen?“ fragte S. Woolf.
Juliska schüttelte den Kopf. Sie sah nicht auf. „Nein, Herr!“
„Hast du nie bei der Weinlese getanzt?“
„Doch, Herr!“
„Hast du Tschardas getanzt?“
„Ja, Herr!“
„So tanze Tschardas!“
Juliska sah sich hilflos um. Dann tanzte sie, mehr aus Angst als um des hohen Lohnes willen. Sie machte ungeschickt die Bewegungen der Arme und Beine. Unbekleidet wußte sie mit ihrem Körper nichts anzufangen. Sie trippelte, als ginge sie auf Scherben. Ihre Augen standen voll Wasser und ihre Wangen brannten vor Scham. Ach, ihre Füße, ihre Füße, die nicht ganz rein waren, wo sollte sie sie denn hin tun?
Sie war herrlich. Viele Jahre lang hatte S. Woolf diese rührende Schamhaftigkeit nicht mehr gesehen. Er konnte sich nicht sättigen an ihrem Anblick. „Tanze, Juliska!“
Und Juliska hob ungeschickt Beine und Hände und die Tränen tropften aus dem zurückgeworfenen Kopf auf ihre Brust herab. Dann stand sie still und zitterte.
„Wovor hast du Angst, Juliska?“
„Ich habe keine Angst, Herr!“
„So komm näher!“
Juliska kroch näher. ‚Jetzt wird er es tun!‘ dachte sie und sie dachte an das Geld.
Aber S. Woolf tat es nicht. Er zog sie auf seine Knie. „Habe keine Angst und sieh mich an.“ Sie tat es, ihr Blick flackerte und brannte. S. Woolf küßte sie auf die Wange. Er preßte sie an sich in einer Aufwallung von väterlichem Gefühl und Tränen traten in seine Augen. „Was willst du hier in New York tun?“
„Ich weiß es nicht.“
„Wer hat dich hergebracht?“
„Mein Bruder. Aber er ist jetzt nach dem Westen gegangen.“
„Was tust du jetzt?“
„Ich singe mit Gyula.“
„Lasse Gyula fahren und singe nicht mehr mit ihm. Er ist ein Lump. Du kannst auch gar nicht singen.“
„Nein, Herr.“
„Ich will dir Geld geben und du wirst tun, was ich sage?“
„Gewiß, Herr!“
„Gut. Lerne Englisch. Kaufe dir hübsche einfache Kleider und suche dir eine Stellung als Verkäuferin. Gib hübsch acht, was ich dir sage. Ich will dir zweitausend Dollar geben, weil du soschöntanztest. Davon kannst du drei Jahre leben. Besuche einen Abendkursus. Lerne Buchführung, Stenographie und Maschinenschreiben. Das andere findet sich dann von selbst. Willst du das tun?“
„Ja, Herr!“ antwortete Juliska ängstlich, denn Woolf kam ihr unheimlich vor. Sie hatte gehört, daß in New York viele junge Mädchen ermordet würden.
„Kleide dich wieder an.“ Und S. Woolf streckte Juliska eine Hand voller Scheine hin. Aber sie wagte sie nicht zu nehmen. Sobald ich danach greife, wird er mich niederschlagen, dachte sie.
„Nimm doch!“ sagte S. Woolf lächelnd. „Ich brauche das Geld nicht mehr, denn morgen abend Punkt sechs Uhr bin ich tot.“
Juliska erschauerte.
S. Woolf lachte nervös. „Hier hast du noch zwei Dollar. Nimm das erste Auto, das du siehst und fahre nach Hause. Gib Gyula hundert Dollar und sage ihm, mehr hätte ich nicht gegeben. Sage niemand, daß du Geld hast! Die Hauptsache in der Welt ist, Geld zu haben — aber die andern dürfen nichts davon wissen! Nimm doch!“ Er stopfte ihr die Scheine in die Hand.
Juliska ging, ohne Dank zu sagen.
S. Woolf war allein und seine Züge erschlafften sofort. „Ein blödes Frauenzimmer,“ murmelte er. „Sie wird ja doch untergehen.“ Das Geld reute ihn. Er rauchte eine Zigarre, trank einen Kognak und ging in seinen Zimmern auf und ab. Er hatte sämtliche Lampen eingeschaltet, weil er nicht das geringste Halbdunkel ertrug. Vor einem japanischen Lackschränkchen blieb er stehen und öffnete es. Es war voller Locken, blonder, goldener, roter Mädchenlocken. Jede Locke trug einen Zettel wie eine Arzneiflasche. Ein Datum stand darauf. Und Woolf sah diese Flut von Haaren und lachte voller Verachtung. Denn er verachtete und verabscheute die Frauen, wie alle Männer, die sich viel mit käuflichen Frauen abgegeben haben.
Aber das Lachen machte ihn stutzig. Es erinnerte ihn an ein Lachen, das er einmal irgendwo gehört hatte. Da fiel ihm ein, daß sein Onkel so gelacht hatte, genau so, und diesen Onkel hatte er am meisten gehaßt. Das war merkwürdig.
Und wieder ging er auf und ab. Aber die Wände und Möbel erblaßten immer mehr. Die Zimmer wurden größer, öder. Er ertrug das Alleinsein nicht mehr und fuhr in den Klub.
Es war drei Uhr nachts. Die Straße lag verödet. Aber drei Häuser weit entfernt stand ein Auto, das eine Panne hatte. Der Chauffeur kroch unter dem Motor herum. Sobald aber Woolf abfuhr, rollte das Auto hinter ihm her. Woolf lächelte bitter. Allans Spione? Beim Klub angelangt gab er dem Chauffeur zwei Dollar Trinkgeld und schickte ihn nach Hause.
‚Wie fertig er ist,Lord!‘ dachte der Chauffeur.
Im Klub waren noch drei Pokertische in voller Arbeit und Woolf setzte sich zu Bekannten. Es war merkwürdig, was für Karten er heute in die Hand bekam! Karten, wie man sie sonst nie sah! ‚Da sind Juliskas zweitausend Dollar wieder!‘ dachte er und steckte das Geld in die Hosentasche. Um sechs Uhr wurde das Spiel abgebrochen und Woolf ging den ganzen weiten Weg zu Fuß nach Hause. Hinter ihm her trotteten plaudernd zwei Männer mit Schaufeln auf den Schultern. An seinem Hause traf er einen angeheiterten Arbeitsmann, der an den Häusern entlang rollte und leise und falsch wie ein Betrunkener sang.
„Have a drink?“ redete ihn Woolf an.
Aber der Betrunkene reagierte nicht. Er hatte den Mund voll unverständlicher Worte und torkelte vorbei.
„Allans Verwandlungen!“
Zu Hause trank er einen Whisky, der so stark war, daß es ihn schüttelte. Er war nicht betrunken, aber er war in einen bewußtlosen Zustand geraten. Er nahm ein Bad und schlief im Bad ein und erwachte erst, als der Diener besorgt klopfte. Er kleidete sich vom Kopf bis zum Fuß neu an und verließ das Haus. Nun war es lichter Tag geworden. Gegenüber stand ein Auto und Woolf trat heran und fragte, ob der Wagen frei sei.
„Ich bin bestellt!“ sagte der Chauffeur und Woolf lächelte verächtlich. Allan umgab ihn, Allan hatte ihn umzingelt.Aus einer Haustüre trat ein Gentleman mit einer kleinen schwarzen Mappe unter dem Arm und folgte ihm auf der andern Seite der Straße. Da sprang Woolf plötzlich auf eine Tram und glaubte damit den Detektiven Allans entkommen zu sein.
Er trank Kaffee in einem Saloon und wanderte den ganzen Vormittag in den Straßen hin und her.
New York hatte das Zwölfstundenrennen aufgenommen. New Yorklagim Rennen, von seinem Schrittmacher, derTat, geführt. Autos, Cars, Geschäftswagen, Menschen, alles schwirrte. Die Hochbahnen donnerten. Die Menschen stürzten aus Häusern, Wagen, Tramcars, sie stürzten aus Löchern in der Erde hervor, aus den zweihundertundfünfzig Kilometer langen Stollen der Subway. Sie waren alle rascher als Woolf. ‚Ich bleibe zurück,‘ dachte er. Er ging schneller, aber trotzdem überholten ihn alle. Wie in Hypnose zappelten sie dahin. Manhattan, das große Herz der Stadt, saugte sie an, Manhattan schleuderte sie durch tausend Adern von sich. Sie waren Splitter, Atome, glühend durch gegenseitige Reibung, und besaßen nicht mehr Eigenbewegung als die Moleküle aller Dinge. Und die Stadt ging ihren donnernden Gang. Von fünf zu fünf Minuten passierte ihn ein grauer elektrischer Riesenomnibus, der den Broadway hinabfegte wie ein Elefant, der brennenden Zunder unter dem Schwanz hat. Das waren die Frühstücksomnibusse, in denen ein Mensch eine Tasse Kaffee und ein Sandwich hinunterschlingen konnte auf seinem Weg ins Büro. Zwischen den kleinen dahinfliegenden Menschen aber gingen große, freche Gespenster umher und schrien: Verdopple dein Einkommen! — Warum sollst du fett sein? — Wir machen dich reich, schreibe Postkarte! —Easy Walker!—Make your own terms—Stop having fits!—Drunkards saved secretly— Doppelte Kraft! —: Plakate! — Daswaren die großen Dompteure, die diese zappelnde Menge beherrschten. Woolf lächelte ein sattes, befriedigtes Lächeln. Er, der die Reklame zur Kunst erhoben hatte!
Von der Battery aus sah er drei zitronengelbe Reklameaeroplane, die hintereinander über der Bai kreuzten, um die Kunden abzufangen, die auf dem Weg nach New York waren. Auf ihren gelben Flügeln stand: „Wannamaker — Restetag!“
Wer von all den Tausenden von wimmelnden Menschen um ihn her würde auf den Gedanken kommen, daß er vor zwölf Jahren „das fliegende Plakat“ gründete?
Er klebte an New York, angesaugt von der Zentripetalkraft des mahlenden Ungetüms. Den ganzen Tag. Er aß zu Mittag, trank Kaffee, nahm ein Gläschen Kognak da und dort. Sobald er stehen blieb, überkam ihn ein Schwindelgefühl und so ging er immer vorwärts. Um vier Uhr kam er in den Centralpark, halb betäubt, ohne zu denken. Er passierte die Luftschiffhallen der Chicago-Boston-New York Airship-Co. und ließ sich von den Wegen ziehen. Es begann zu regnen und der Park war ganz verlassen. Er schlief während des Gehens halb ein, aber plötzlich weckte ihn ein heftiger Schreck: er war über seinen Gang erschrocken. Er ging gebückt, schlürfend, mit eingebogenen Knien, ganz wie der alte Wolfsohn dahinschlürfte, den das Schicksal zur Demut zugeritten hatte. Und eine Stimme hatte in ihm geflüstert — so deutlich: der Sohn des Leichenwäschers!
Der Schreck weckte ihn auf. Wo war er? Centralpark. Weshalb war er hier? Weshalb war er nicht fort, ja, zum Teufel — weshalb war er nicht über alle Berge? Weshalb klebte er den ganzen Tag an New York? Wer hatte es ihm befohlen? Er sah auf die Uhr. Es war einige Minuten nach fünf Uhr. Eine Stunde also hatte er noch Zeit, denn Allan hielt Wort.
Sein Kopf begann rasch zu denken. Er hatte fünftausend Dollar in der Tasche. Damit konnte er weit kommen! Er wollte fliehen. Allan sollte ihn nicht bekommen. Er blickte sich um — niemand weit und breit! Es war ihm also gelungen, Allans Detektive abzuschütteln. Dieser Triumph belebte ihn und er begann blitzschnell zu handeln. In einem Barber-shop ließ er sich seinen Bart abnehmen und während der Barbier arbeitete, überlegte er seinen Fluchtplan. Er befand sich am Columbussquare. Er wollte mit der Subway bis zur Zweihundertsten Straße fahren, etwas gehen und dann irgendeinen Zug besteigen.
Zehn Minuten vor sechs Uhr verließ er den Barbierladen. Er kaufte noch Zigarren und sieben Minuten vor sechs Uhr stieg er zur Subway hinunter.