Die von der Obersten Heeresleitung erwarteten neuen Angriffe setzten am 16. August beiderseits Roye ein. Der Feind vermochte hier in mehrtägigen erbitterten Kämpfen keine nennenswerten Vorteile zu erzielen.
Den Erfolg, der ihm bei diesem Frontalangriff versagt blieb, erkämpfte er sich jedoch am 20. August in den zwischen der Oise und Aisne und tags darauf in der Gegend Bapaume—Arras einsetzenden Flügelangriffen. An beiden Stellen wurden wir in schweren Kämpfen zurückgedrückt. Der flache Frontbogen Bapaume—Chaulnes—Roye—Noyon kam dadurch in Gefahr. Unsere Heeresleitung entschloß sich, um dieser Gefahr vorzubeugen, diesen Frontteil zurückzunehmen. In den letzten Augusttagen wurden deshalbdie viel umkämpften Städte Roye, Noyon, Bapaume und Péronne dem nachdrängenden Feinde überlassen. Gleichzeitig wurde der in der Apriloffensive gewonnene, auf Hazebrouck vorspringende Keil zwischen Ypern und La Bassée, mit ihm auch der Kemmelberg, aufgegeben.
Während diese Rückwärtsbewegungen in leidlicher Ordnung vor sich gingen, gelang den Engländern am 2. September ein mit großer Wucht geführter Schlag gegen unsere Front an der Straße Arras—Cambrai. Sie drangen hier in das nördliche Schulterstück der alten Siegfriedstellung ein, um das sie im Jahre 1917 vergeblich mit dem stärksten Einsatz gekämpft hatten. Der Keil, den sie nördlich des Senséebaches vortrieben, war eine empfindliche Flankendrohung sowohl für die sich nördlich anschließende, zunächst unverändert gebliebene Front Arras—Lens—La Bassée als auch für die sich nach Süden erstreckende Siegfriedstellung, in die unsere Truppen im Begriff waren einzurücken.
Am 8. September meldete der Bericht der Obersten Heeresleitung, daß unsere Truppen an der Schlachtfront überall ihre neuen Stellungen bezogen hätten. Seit dem unheilvollen 8. August, der die Zurücknahme unserer Streitkräfte veranlaßt hatte, war also genau ein Monat vergangen. Engländer, Franzosen und Amerikaner hatten, trotz ihrer gewaltigen Überlegenheit an Menschen und Material, einen vollen Monat gebraucht, um uns über das Gelände zurückzudrängen, das wir im März im Lauf von sechs Tagen ihnen abgenommen hatten. Rückzugbleibt Rückzug, und die Notwendigkeit der Preisgabe des in den Märzoffensiven erstrittenen Gewinnes wurde in Heer und Heimat als ein großes Unglück empfunden. Der Rückzug vollzog sich auch nicht ohne große Verluste an Menschen und Material. Aber die Tatsache, daß es gelang, diesen Rückzug unter dem ständigen Druck eines weit überlegenen Feindes Schritt für Schritt und planmäßig durchzuführen, war ein glänzendes Zeugnis für Truppe und Führung.
Während aber unsere Feinde in den Amerikanern immer neuen und frischen Zuzug erhielten — im August kamen allein 335000 amerikanische Soldaten in Frankreich an —, wurde bei uns der Ersatz für die großen Lücken, die durch die schweren Angriffe in unsere Verbände gerissen wurden, immer spärlicher und immer schlechter. Die große zahlenmäßige Überlegenheit an Menschen und Material hatte dem Marschall Foch eine Möglichkeit in die Hand gegeben, die unseren Heerführern, die mit beschränkteren Mitteln rechnen mußten, nie gewährt worden ist: eine große Offensive gleichzeitig an mehreren Stellen anzusetzen. Die Ausnutzung dieser Möglichkeit — die gleichzeitige Offensive im Raume zwischen der Oise und der Aisne und im Raume Arras—Bapaume — hatte ihm den Erfolg unseres Rückzugs auf die Siegfriedlinie eingebracht. Jetzt gab ihm die Fülle seiner Reserven an Menschen und Material eine zweite Möglichkeit, die gleichfalls den deutschen Heerführern in ihrer Offensive auf dem westlichen Kriegsschauplatz nie zuteil geworden ist: dieMöglichkeit, einem kaum abgeschlossenen Angriff alsbald neue Schläge von nicht geringerer Wucht folgen zu lassen.
Schon wenige Tage, nachdem wir in die Siegfriedstellung eingerückt waren, ging der Engländer beiderseits der von Arras und Péronne nach Cambrai führenden Straßen mit neuen Angriffen schwerster Art vor und machte der Franzose einen neuen heftigen Vorstoß zwischen Ailette und Aisne in der Richtung auf Allemant, der einen Keil zwischen die Siegfriedstellung und unsere Linien am Chemin des Dames zu treiben drohte. Gleichzeitig führten — am 12. September — Amerikaner und Franzosen einen starken Angriff gegen unseren östlich der Maas auf St. Mihiel vorspringenden Frontteil aus. Die feindlichen Berichte sprachen hier zum erstenmal von einer Beteiligung einer „amerikanischen Armee“; nicht weniger als tausend Tanks sollen hier gegen uns eingesetzt worden sein. Die schon seit langer Zeit von unserer Heeresleitung ins Auge gefaßte Räumung der vorspringenden „Michelstellung“ erfolgte nun unter dem Druck dieses Angriffs, und wenn auch der feindliche Plan, die in dem Bogen von St. Mihiel stehenden Truppen durch den Angriff von beiden Seiten her in die Zange zu nehmen und abzukneifen, nicht gelang, so konnten die Feinde die Eroberung dieser seit dem September 1914 von uns gehaltenen Stellung als großen Sieg verkünden und sich einer großen Beute an Gefangenen und an Material rühmen.
Am 18. September begannen dann die entscheidendenKämpfe um die Siegfriedstellung in ihrer ganzen Ausdehnung zwischen Cambrai und La Fère. In immer wiederholtem Ansturm trieben Engländer und Franzosen, verstärkt durch amerikanische Truppenteile, ihre von ungezählten Tanks und Kampfflugzeugen begleiteten Massen gegen unsere Linien vor. In dem ununterbrochenen Ringen, bei dem der Feind immer wieder frische Reserven einsetzen konnte, erlahmte allmählich die Widerstandskraft der Verteidiger. In den letzten Tagen des September erzielte der Feind den entscheidenden Erfolg: es gelang ihm, unmittelbar südlich von Cambrai und nördlich von St. Quentin den Scheldekanal zu forcieren und damit schwere Breschen in unsere Stellung zu schlagen. St. Quentin wurde in der Nacht zum 1. Oktober geräumt. In den folgenden Tagen erweiterten die Engländer den Einbruch durch neue wuchtige Vorstöße in Richtung Le Cateau. Sie durchbrachen das ganze ausgebaute Stellungssystem und gewannen das freie Feld. So wurde in zwei Wochen der schwersten Kämpfe das Hauptstück unserer Westfront, die Siegfriedstellung, zerbrochen, die während des ganzen Jahres 1917 allen feindlichen Anstürmen getrotzt hatte.
Als dieses Ringen um unsere Zentralstellung seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hatte, holten unsere Feinde zu Flügelangriffen größten Stiles aus. Am 26. September kam die ganze Front zwischen Reims und der Mosel in Bewegung. Der Schwerpunkt des Angriffs lag an der alten Champagnefront in der Gegend Somme-Py bis Tahureund nordwestlich von Verdun zwischen Argonnen und Maas. Hier setzten die Amerikaner, dort die Franzosen die volle Wucht ihrer Massen und Kriegsmittel ein. Gleichzeitig erneuerten die Franzosen ihren Angriff zwischen Ailette und Aisne gegen die Westflanke des Chemin des Dames und begannen im Norden Engländer und Belgier einen neuen Ansturm gegen unsere flandrische Front. Von der Nordsee bis zu den Vogesen schüttelte jetzt ein einziger Orkan die in ihrem Mittel- und Hauptstück bereits wankenden deutschen Stellungen.
Unsere zum großen Teil übermüdeten, vielfach auch bereits in ihrem Geist erschütterten Truppen schlugen sich ungleichmäßig. Zwischen den Argonnen und der Maas gelang es, die Amerikaner nach einigen nicht unerheblichen Anfangserfolgen zum Stehen zu bringen; ebenso die Franzosen in der Champagne. Dagegen gelang es den Engländern und Belgiern in den letzten Septembertagen, unsere flandrische Front im Ypernbogen zu überrennen. Zwei Kampftage brachten ihnen hier den Erfolg, den sie während des Jahres 1917 in fünf Monaten des schwersten und opferreichsten Ringens nicht zu erreichen vermochten: den Durchbruch durch unsere Höhenstellungen um Ypern bis in die flandrische Ebene.
Wenn durch diese Einbrüche und Durchbrüche im Zentrum und auf den Flügeln unsere Front nicht in hilflose Teile auseinandergerissen und unser Heer nicht zersprengt und zertrümmert werden sollte, war jetzt eine energischeKonzentration nach rückwärts notwendig. Diese wurde in den ersten drei Oktoberwochen Schritt für Schritt durchgeführt.
Zunächst wurde der infolge des Einbruchs im Ypernbogen im Norden und in der Gegend Cambrai im Süden weit vorspringende Bogen Armentières—Lens in der Nacht zum 2. Oktober geräumt und unsere Front in jener Gegend hart an Lille herangelegt. Dann wurden vom 3. Oktober ab unsere Stellungen bei Reims, in der Champagne, am Damenwege, bei La Fère und Laon zurückgenommen. Um den 9. Oktober wurde das zur Deckung der Rückwärtsbewegung lange zäh verteidigte Cambrai geräumt und unsere Front auf Le Cateau zurückgelegt. Nachdem Engländer und Belgier um die Mitte des Oktober ihre Angriffe östlich Ypern erneut aufgenommen und über Roussellaere hinaus vorgestoßen waren, wurde in den folgenden Tagen die seit längerer Zeit vorbereitete Räumung sowohl des flandrischen Küstengebietes mit Ostende, Zeebrügge und Brügge, als auch des Gebietes von Lille und Douai durchgeführt. Um den 20. Oktober verlief unsere Front von Ecloo an der belgisch-holländischen Grenze in südlicher Richtung über Tournai, Valenciennes, Le Cateau, dann in flachem Bogen nach Rethel, von da östlich mit leichter Abbiegung nach Süden über Vouziers nach Sivry an der Maas, um schließlich nach Südosten an Verdun vorbei in der Gegend von Pont-à-Mousson Anschluß an unsere alte Vogesenlinie zu gewinnen.
In diesem gegenüber der alten Front stark verkürzten flachen Bogen kam die Bewegung zu einer Ruhepause.Auch dem Laien leuchtete ein, daß sie damit nicht abgeschlossen war, daß vielmehr eine weitere Zurücknahme — zunächst auf die Linie Antwerpen—Namur—Maas, später vielleicht auf die noch wesentlich kürzere Linie Lüttich—Metz — in der Konsequenz der strategischen Entwicklung lag, die uns die Verteidigung des vaterländischen Bodens auf einer möglichst kurzen Front zum Gebot machte. Daß die Durchführung einer solchen Verteidigung auf absehbare Zeit hinaus auch jetzt noch keineswegs aussichtslos war, uns vielmehr noch immer die Möglichkeit bot, das Schlimmste von unserm Vaterland abzuwenden, hatte die Tatsache gezeigt, daß es gelungen war, unsere Truppen, die um die Wende des September und Oktober auseinandergerissen und durcheinandergeworfen waren, auf einer einheitlichen Linie zu ordnen und zum Stehen zu bringen.
Die weitere Rückwärtsbewegung auf die Antwerpen-Maas-Linie wurde Anfang November eingeleitet, nachdem die Engländer und Belgier mit neuen Angriffen gegen unsere Scheldestellung zwischen Gent und Tournai einige Erfolge erzielt hatten und den Amerikanern und Franzosen am 31. Oktober ein Schlag gegen unsere Stellungen zwischen Aisne und Maas gelungen war. Als am 11. November der Waffenstillstand in Kraft trat, verlief unsere Front die Maas entlang von nördlich Verdun bis Charleville, dann weiter nordwestlich nach dem Gebiet von Mons, von dort nördlich über Gent nach der holländischen Grenze.
Um die Mitte des September, als im Westen die entscheidenden Kämpfe um die Siegfriedstellung neu einsetzten und sich zu unseren Ungunsten wandten, verließ das Kriegsglück auch unsere östlichen Bundesgenossen.
Die bulgarische Armee hatte nach der Niederwerfung Rumäniens und dem Abschluß des Bukarester Friedens nur noch einen Feind zu bekämpfen: die durch Serben und Griechen verstärkte Ententearmee, der sie seit langer Zeit in wenig veränderten Stellungen in der Linie Struma— Doiransee—nördlich Monastir—Ochridasee gegenüberstand. Die bulgarische Stellung war von Natur stark und in den wichtigsten Punkten gut ausgebaut. Dagegen war der Kampfwert und die Widerstandskraft des bulgarischen Heeres unterwühlt; die Zersetzung des Geistes der Truppen hatte seit der Übernahme der Regierung durch Malinoff zweifellos starke Fortschritte gemacht.
Am 15. September begannen die Alliierten einen wuchtigen Vorstoß gegen die starke Zentralstellung der Bulgaren auf den hohen Bergen zwischen dem Doiransee und Monastir in dem durch den Zusammenfluß der Tscherna und des Vardar gebildeten Dreieck. Die Bulgaren hielten dem überraschend geführten Schlage nicht stand. Die schwachen zwischen den bulgarischen Truppen noch eingesetzten deutschen Bataillone versuchten vergeblich,die Lage zu retten. In wenigen Tagen wurde der Einbruch zum Durchbruch. Unter Zurücklassung ihres Kriegsmaterials gaben die Bulgaren in ungeordnetem Rückzug den ganzen Tscherna-Vardar-Bogen preis. Die Ententetruppen rissen den östlichen und westlichen Teil der bulgarischen Front auseinander; sie durchschnitten talaufwärts der Vardar-Enge von Demirkapu die wichtigste rückwärtige Verbindung der östlich von Doiran stehenden Struma-Armee, desgleichen in der Gegend von Prilep die wichtigsten nach dem westlichen Frontteil führenden Straßen. Die bulgarische Armee, deren Oberbefehlshaber Schekow um jene Zeit krank in Wien lag, geriet in völlige Auflösung. Im Laufe einer Woche war, obwohl die deutsche Heeresleitung auf die ersten Nachrichten von der Niederlage sieben Divisionen nach der bedrohten Front auf den Weg brachte, der Zusammenbruch besiegelt. Die Ententetruppen drangen bis zu der mazedonischen Hauptstadt Ueskueb vor und brachen in altbulgarisches Gebiet ein. Im bulgarischen Hauptquartier selbst kam es zu revolutionären Ausbrüchen.
Die bulgarische Regierung sah sich durch diese Gestaltung der Dinge am 25. September, also zehn Tage nach Beginn der Offensive, veranlaßt, ein Gesuch um Waffenstillstand und Einleitung von Friedensverhandlungen an den Oberbefehlshaber der Entente-Streitkräfte in Saloniki zu richten, und zwar ohne sich über diesen Schritt mit ihren Verbündeten ins Benehmen zu setzen.
Eine kaum minder schwere Katastrophe als das bulgarische Heer traf die türkische Armee in Syrien.
Nach der Einnahme Jerusalems im Dezember 1917 waren die britischen Operationen im Laufe des Frühjahrs 1918 etwa in der Linie von Jaffa östlich nach dem Jordan zum Stehen gekommen. Die heiße Jahreszeit benutzten die Engländer zu Vorbereitungen eines neuen großen Schlages.
In der Nacht zum 19. September gingen die britischen Truppen auf der ganzen Linie zum Angriff vor. Während das türkische Zentrum und der sich an den Jordan anlehnende linke Flügel standhielten, brach der an der Küste stehende rechte Flügel zusammen. Britische Kavallerie drängte scharf nach und schwenkte südlich des Sees Tiberias nach Osten ein, um das Zentrum der türkischen Armee im Rücken zu fassen. Dazu wurde die Lage im Ostjordanland durch Aufstände der Araberstämme gefährdet. Ende September erzwangen die Engländer den Übergang über den oberen Jordan und vereinigten sich mit den Arabertruppen des von ihnen zum König von Hedschas ausgerufenen Scheiks Hussein. Die türkische Niederlage wurde zum Zusammenbruch. Während sich die deutschen Abteilungen zum großen Teil mit Aufgebot aller Kraft durchschlugen, ergab sich der größte Teil der türkischen Verbände in sein Schicksal und kapitulierte. Am 2. Oktober konnten die Engländer die Einnahme von Damaskus melden. Dem weiteren Vormarsch nach Norden stand kein Hindernis mehr entgegen. In der letzten Oktoberwochebesetzten die Engländer ohne Kampf Aleppo und durchschnitten damit die einzige Eisenbahnverbindung zwischen Kleinasien und Mesopotamien. Auch die in Mesopotamien stehenden türkischen Truppen erlitten gleichzeitig eine vernichtende Niederlage.
Unter der Wirkung der Katastrophe war schon am 9. Oktober der deutschfreundliche Großwesir Talaat Pascha mit seinem Kabinett zurückgetreten und hatte dadurch den Weg für Verhandlungen mit der Entente freigemacht.
Unser nächster und stärkster Bundesgenosse, Österreich-Ungarn, hatte in den schicksalsschweren Wochen des August und September an seiner einzigen Front, der venezianischen, keine Großkämpfe zu bestehen. Zwar griffen die Italiener immer wieder sowohl an der Gebirgsfront als am Piave an, ohne jedoch ihren Vorstößen einen besonderen Nachdruck zu geben. Die österreichisch-ungarische Armee stand seit ihrer verunglückten Piave-Offensive auf dem Ostufer des Flusses in guten Stellungen und konnte — ebenso wie dies seitens der Italiener geschah — einzelne Verbände für den westlichen Kriegsschauplatz abgeben. Dort haben sich österreichisch-ungarische Regimenter namentlich in den Kämpfen vom 12. September um den Stellungskeil bei St. Mihiel ausgezeichnet.
Trotz seiner verhältnismäßig gesicherten und günstigen militärischen Lage nahm Österreich-Ungarn mit einem aufsehenerregenden Schritt für sich allein und ohne Verbindung mit seinen Bundesgenossen die Initiative zu einer neuen Friedensaktion.
Am 14. September richtete der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, Graf Burian, an die Regierungen der sämtlichen Kriegführenden, Freund wie Feind, eine gleichlautende Note, in der er vorschlug, „zu einer vertraulichen und unverbindlichen Aussprache über die Grundprinzipien des Friedensschlusses an einem Ort des neutralen Auslandes und zu einem nahen Zeitpunkt, über den man noch Vereinbarungen zu treffen hätte, Delegierte zu entsenden, die beauftragt wären, die Auffassungen ihrer Regierungen über ihre Prinzipien bekanntzugeben, analoge Mitteilungen entgegenzunehmen, sowie offene und freimütige Aufklärungen über alle jene Punkte, die der Präzisierung bedürfen, zu erbitten und zu erteilen“. Mit einer besonderen Note wurde dieser Friedensschritt auch zur Kenntnis des Papstes gebracht; ebenso wurden die Regierungen der neutralen Staaten verständigt.
Die Note wurde am gleichen Tage von der Wiener Regierung veröffentlicht, zugleich mit einem umfangreichen Promemoria, dessen Gedankengang war:
Alle Völker ersehnten das baldige Ende des blutigen Kampfes. Trotzdem sei es bisher nicht gelungen, die Kluft, die die Kriegführenden noch trenne, zu überwinden.Der Friedensschritt der Mittelmächte vom Dezember 1916 habe nicht zu dem erhofften Erfolg geführt, habe aber wenigstens bewirkt, daß die Friedensfrage seither nicht mehr von der Tagesordnung verschwunden sei. Wenn auch die seither vor dem Tribunal der Öffentlichkeit geführte Diskussion die Gegensätzlichkeit bewiesen habe, die jetzt noch die Auffassung der kriegführenden Mächte von den Friedensbedingungen trenne, so habe sich doch eine Atmosphäre gebildet, welche die Erörterung des Friedensproblems nicht mehr ausschließe. Ohne übertriebenen Optimismus könne man aus den Äußerungen verantwortlicher Staatsmänner mindestens so viel konstatieren, daß der Wille, zu einer Verständigung zu gelangen und den Krieg nicht ausschließlich durch die Macht der Waffen zur Entscheidung zu bringen, auch bei den alliierten Staaten allmählich doch durchzudringen beginne.
Der Schritt des Grafen Burian wirkte als Sensation. Er wurde allgemein dahin gedeutet, daß Österreich-Ungarn nicht mehr in der Lage oder nicht mehr gewillt sei, weiterzukämpfen, und daß es sich, um zum Frieden zu kommen, entschlossen habe, ohne Rücksicht auf seine Bundesgenossen selbständig den Weg zum Frieden zu gehen.
Der Staatssekretär von Hintze war noch in der Woche zuvor zu Besprechungen mit dem Grafen Burian in Wien gewesen. Es war ihm weder gelungen, den Sonderschritt, den Graf Burian schon Mitte August in Spa angekündigt hatte, abermals zu verhindern, noch ihm eine für Deutschlanderträglichere Form zu geben. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß der von uns bei dem Abschluß der Zusatzverträge mit Rußland gezeigte Mangel an Rücksicht auf unsere österreichisch-ungarischen Bundesgenossen nicht ganz ohne Rückwirkung auf das Verhalten der Wiener Regierung uns gegenüber in dieser Frage geblieben ist. Am 6. September war der Austausch der Ratifikationen der Zusatzverträge über die Wiener Vorstellungen hinaus erfolgt; am 14. September ließ Graf Burian seine Note ergehen.
In Berlin hatten sich einige Tage vor der Veröffentlichung der Burianschen Note die Führer der Mehrheitsparteien erneut zu interfraktionellen Besprechungen zusammengefunden. Es wehte wieder einmal ausgesprochene Krisenluft. Außerhalb des Zentrums war die Empfindung, daß die Regierung des Grafen Hertling der schwierigen Lage des Reiches nicht gewachsen sei, wohl allgemein. Im Zentrum selbst hatte Graf Hertling nach wie vor einen starken Rückhalt; aber der Einfluß der Erzbergerschen Gegenarbeit war doch auch hier unverkennbar. In diese Krisenstimmung hinein fiel die Buriansche Note. Die Parteiführer wurden, noch ehe die Note in den deutschen Blättern zur Veröffentlichung freigegeben wurde, am Abend des 14. September nach dem Auswärtigen Amt eingeladen, wo der Staatssekretär von Hintze ihnen vom Text der Note Kenntnis gab und sie zu beruhigenversuchte. Die Beruhigung gelang nur mangelhaft. Die Tatsache, daß es in der schweren Lage, in die wir durch die militärischen Rückschläge versetzt waren, zu einem die Festigkeit unseres Bündnissystems diskreditierenden Sonderschritt hatte kommen können, gab dem wankenden Vertrauen in die Reichsleitung einen neuen Stoß.
Zunächst begnügte man sich mit dem Beschluß der alsbaldigen Einberufung des Hauptausschusses des Reichstags.
Noch ehe der Hauptausschuß zusammentrat, gab die Reichsregierung eine offizielle Antwort auf die Wiener Friedensnote; sie ging dahin, daß die Aufnahme früherer Friedensschritte bei unseren Gegnern nicht ermutigend sei, daß aber die Kaiserliche Regierung den neuen Versuch mit dem aufrichtigen Wunsch begleite, daß er dieses Mal den erhofften Erfolg finden möchte; Deutschland sei bereit, an dem vorgeschlagenen Gedankenaustausch teilzunehmen.
Sehr eilig mit seiner Stellungnahme hatte es der Präsident Wilson. Schon am 17. September ließ er durch den Staatssekretär Lansing die Antwort an die Wiener Regierung veröffentlichen. Sie lautete: Er habe wiederholt die Bedingungen bekanntgegeben, auf Grund deren die Vereinigten Staaten einen Frieden in Erwägung ziehen wollten. Die Unions-Regierung könne und wolle keinen Vorschlag zur Abhaltung einer Konferenz annehmen in einer Angelegenheit, in der sie ihre Haltung und ihre Absichten deutlich zu erkennen gegeben habe.
Auch Herr Clemenceau säumte nicht. Er hielt am 18. September im Senat eine Rede, in der er erklärte, es gebe keine Straffreiheit für die von den Mittelmächten begangenen Verbrechen; eine schreckliche Rechnung sei aufgelaufen und müsse bezahlt werden. Dem schweizerischen Gesandten in Paris stellte Herr Pichon eine Nummer des „Journal Officiel“, das diese Rede enthielt, mit dem Bemerken zu, das sei die Antwort der Republik auf die Note des Wiener Kabinetts.
In London hatte Herr Balfour schon am 17. September in öffentlicher Rede erklärt, die Buriansche Note sei nichts als ein Versuch, die Alliierten zu spalten und zu schwächen, sie bringe den Frieden um keinen Schritt näher.
Der gänzliche Mißerfolg des von dem Wiener Kabinett unternommenen Sonderschrittes stand also bereits fest, als sich der Hauptausschuß des Reichstags am 24. September versammelte.
Es war bezeichnend, daß der Ausschuß, der wegen der so bedrohlich gewordenen auswärtigen Lage des Reiches früher als geplant zusammengerufen worden war, nach den einleitenden Erklärungen und Mitteilungen des Reichskanzlers, des Vizekanzlers, des Staatssekretärs des Auswärtigen und eines Vertreters des Kriegsministers den Schwerpunkt seiner Erörterungen alsbald auf das Gebietder inneren Politik verlegte. Schon am Tage vor seinem Zusammentritt hatte die Fortschrittliche Volkspartei eine Fraktionssitzung abgehalten, deren wesentliches Ergebnis Übereinstimmung darüber war, daß der Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung, von dem seit einiger Zeit viel gesprochen wurde, zu begrüßen sei, daß eine weitere Verschleppung der preußischen Wahlreform nicht mehr geduldet werden dürfe und daß der Artikel 9 der Reichsverfassung, der verbot, daß jemand gleichzeitig Mitglied des Bundesrats und Mitglied des Reichstags sein dürfe, aufzuheben sei. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte am gleichen Tag beschlossen, den Eintritt von Sozialdemokraten in eine etwa neu zu bildende Regierung unter einer Reihe von Bedingungen zu billigen, die zu einem großen Teil gleichfalls auf dem Gebiet der inneren Politik lagen.
In diesem Rahmen bewegte sich auch, was die Fraktionsführer im Hauptausschuß vorbrachten. Die Reden der Wortführer der Mehrheitsparteien waren, bei aller Schonung der Person des Grafen Hertling, eine einzige Anklage gegen die Versäumnisse, namentlich die innerpolitischen Versäumnisse, der von ihnen selbst vor nicht ganz einem Jahr gekürten und mit ihren Vertrauensmännern durchsetzten Regierung. Der Einfluß der Militärs auf die Politik, die Handhabung der Zensur und des Vereinsrechts unter dem Belagerungszustand, die Verschleppung der preußischen Wahlreform waren die wichtigsten Beschwerdepunkte. Von derjenigen innerenFrage, die in Wirklichkeit alles Interesse in Anspruch nahm, von der Bildung einer neuen Regierung durch die Mehrheitsparteien, sprach man im Hauptausschuß auffallenderweise nicht, wohl deshalb, weil über das Los des Grafen Hertling zwischen dem Zentrum, das ihn halten wollte, und den anderen Mehrheitsparteien, die seinen Kopf verlangten, noch keine Übereinstimmung bestand.
Da traf am 26. September die Nachricht von dem Ersuchen Bulgariens an die Entente um Waffenstillstand und Einleitung von Friedensverhandlungen in Berlin ein. Die Bestürzung über diesen offenen Abfall des bulgarischen Verbündeten war groß. Herr von Hintze gab zwar im Hauptausschuß am 27. September Erklärungen ab, daß weder für Bulgarien noch für uns ein Anlaß vorliege, das Spiel bereits verlorenzugeben; die militärische Lage in Mazedonien lasse sich durch die alsbald entsandten deutschen und österreichisch-ungarischen Verstärkungen nach dem Urteil der militärischen Sachverständigen wiederherstellen; auch stehe noch nicht fest, ob Herr Malinoff den König, die bulgarische Heeresleitung und die Sobranje hinter sich habe, oder ob er auf eigene Faust vorgegangen sei; eine Gegenaktion der bundestreuen Elemente in Sofia scheine bevorzustehen. — Aber die Klarheit ließ nicht lange auf sich warten. König Ferdinand, der gewillt war, an dem Bündnis festzuhalten, sah sich gezwungen, zugunsten seines Sohnes abzudanken und den Dingen ihren Lauf zu lassen.
Der Abfall des bulgarischen Bundesgenossen gab der Kanzlerschaft des Grafen Hertling den Gnadenstoß. Auch das Zentrum gab ihn preis. Der Reichstagspräsident Fehrenbach gab dem Kanzler am 28. September, unmittelbar ehe dieser mit Herrn von Hintze zur Besprechung der Lage nach dem Großen Hauptquartier reiste, zu verstehen, daß auch im Zentrum die Auffassung an Boden gewonnen habe, daß die Lösung der Krisis durch seinen freiwilligen Rücktritt erleichtert werden könne.
Aber dieses Mal wollten die Mehrheitsparteien gründliche Arbeit machen. Ein Personenwechsel genügte ihnen nicht mehr, sie wollten einen Systemwechsel: die volle Verwirklichung des parlamentarischen Regimes.
Es ist eine Gewohnheit der Völker, daß sie für schwere Schicksale Sündenböcke brauchen. Zum Sündenbock machte man jetzt bei uns nicht nur Personen, nicht einmal in erster Linie Personen, sondern das „System“. Darin kam das große Maß der vom Persönlichen abstrahierenden Objektivität des Deutschen zum Ausdruck, und gleichzeitig auch das große Maß des dem Deutschen eigenen Doktrinarismus. Denn der Systemwechsel wurde jetzt als Allheilmittel und als Rettung aus der Not des Vaterlands von denselben Mehrheitsparteien — und ihnen folgend von ihren Anhängern im Lande — verlangt, die seit einem Jahr in der Reichsregierung durch ihre Vertrauensmänner vertreten waren und die Sünden der Reichsregierung im Begehen und Unterlassen mitgemacht,geduldet und gedeckt hatten. Der „Obrigkeitsstaat“ sollte jetzt durch den „Volksstaat“ ersetzt werden. Vom Volksstaat und seiner „Volksregierung“ erwartete der Idealismus der deutschen Demokratie das große Wunder. Ich setze, um diesen Gedankengang deutlich zu machen, eine bezeichnende Stelle aus einem Artikel der „Frankfurter Zeitung“ vom 27. September 1918 hierher:
„Die Lage Deutschlands, unseres Staates und unseres Volkes, ist heute so ernst und so schwer wie niemals zuvor. Niemand darf sich darüber täuschen, niemand auch die Pflicht verkennen, die ihm daraus erwächst. Spannen wir jetzt nicht alle Kräfte bis zum Äußersten, in stoischem Ertragen und in heroischer Leistung, dann kann es kommen, daß die Gegner doch noch ihr Ziel erreichen. Was bringt unser Volk jetzt zu so höchster Krafthergabe? — Nur das Volk selbst aus eigenem, innerstem Impulse kann sich dazu erheben! Nur indem es endgültig sein Schicksal in die eigene Hand nimmt, wird es das ungeheure Maß von Verantwortungsgefühl und Opferbereitschaft finden, das jetzt nottut. Der Masse, der eine Obrigkeit zuredet und befiehlt, wird das nicht abzuringen sein; dem Volke, das die Entscheidung über seine Gegenwart und seine ganze Zukunft sich selbst anvertraut fühlt, wird und muß es gelingen. Das ist der gewaltige Sinn der Demokratie und der ungeheure Kraftstrom, der aus ihr fließt. Und diesen Kraftstrom gilt es jetzt zu entfesseln.“
Von diesem Gedanken waren jetzt manche durchdrungen,die an sich der demokratischen Weltanschauung fernerstanden. Zu seinem Anwalt machten sich jetzt im Großen Hauptquartier nicht nur Graf Hertling selbst, der dem Kaiser seine Entlassung anbot, sondern auch der Staatssekretär des Auswärtigen von Hintze und der gleichfalls zu den Beratungen zugezogene Reichsschatzsekretär Graf Roedern. Auch die Generale der Obersten Heeresleitung schlossen sich diesem Gedanken an. Und in der Tat, wer wollte leugnen, daß jetzt, wo die schwersten Stunden des Vaterlandes nahten, alles darauf ankam, alle Kraft des deutschen Volkes aufzurufen und der einen großen Sache dienstbar zu machen? Nur genügt es in solchen Zeiten der höchsten Not nicht, Kräfte zu entfesseln; die Kräfte müssen auch geführt werden. Dazu gehören Persönlichkeiten. Persönlichkeiten aber haben die Parteien, die sich jetzt anschickten, als Mandatare des deutschen Volkes die Regierung in die Hand zu nehmen, weder hervorgebracht noch vertragen.
Im Großen Hauptquartier trafen die am Vormittag des 29. September aus Berlin ankommenden Herren eine überaus schwere Lage. Die Entwicklung der letzten Wochen hatte die Aussicht auf eine siegreiche Beendigung des Krieges zerstört. Eine neue Wendung des Kriegsglücks zu unseren Gunsten war nicht mehr zu erwarten.Das sich immer mehr verstärkende Übergewicht unserer Feinde war nicht mehr auszugleichen. Unter dem Druck dieser Erkenntnis, der auch der letzte Mann sich nicht verschließen konnte, und unter den üblen Einwirkungen aus der Heimat, die durch eine mit den raffiniertesten Mitteln betriebene Propaganda des Feindes in unseren Reihen verstärkt wurden, begann der Geist der Truppe sich greifbar zu verschlechtern. Die Fälle, daß unsere Leute auch gegenüber schwachen Angriffen nicht mehr hielten oder gar kampflos zum Feinde überliefen, hatten sich gemehrt; ja es kam vor, daß den neu eingesetzten Verbänden aus den Reihen der zurückflutenden Truppen das böse Wort „Streikbrecher“ zugerufen wurde.
Gerade in jenen letzten Septembertagen war die militärische Lage in einer akuten Krisis. Der Kampf um die Siegfriedstellung war auf seinem Höhepunkt: es ging um die Kanalstellungen, die wir vergeblich vor einem Durchbruch zu bewahren suchten. Außerdem hatte am 28. September die englisch-belgische Offensive in Flandern unsere Stellungen um Ypern durchbrochen und damit eine schwere Bedrohung für unsere Positionen an der flandrischen Küste und in der Gegend von Lille geschaffen. Schließlich nötigte uns die Offensive der Franzosen und Amerikaner, unsere Stellungen zwischen Reims und der Maas nicht unerheblich zurückzunehmen. Die ganze Front, die wir vom Herbst 1914 an bis zum Beginn unserer eigenen Offensive im Frühjahr 1918 gegen die stärksten Angriffe gehaltenhatten, war auf das schwerste erschüttert und drohte zusammenzubrechen. Dazu kam der Abfall Bulgariens, der den Zusammenbruch der Türkei beschleunigen mußte, und die zweifelhafte Haltung Österreich-Ungarns.
Die Heeresleitung stand vor den schwersten Entschlüssen. Sie stand gleichzeitig vor der Frage, ob die Fortsetzung eines nicht mehr zu gewinnenden Krieges noch zu verantworten sei und ob die Lage nicht dazu zwinge, die sofortige Herbeiführung des Friedens selbst unter großen Opfern zu versuchen.
Die ersten Hinweise der Obersten Heeresleitung auf die Notwendigkeit politischen Handelns zur Herbeiführung des Friedens gehen, wie ich oben dargestellt habe, auf den Monat Juni 1918 zurück. Sie hatten leider nur die Wirkung gehabt, daß Herr von Kühlmann von der Tribüne des Reichstags herab erklärte, der Krieg könne rein militärisch nicht zu Ende gebracht werden. Zum zweitenmal hatte die Oberste Heeresleitung bei den Besprechungen im Großen Hauptquartier Mitte August auf den Ernst der militärischen Lage hingewiesen und die Aussichtslosigkeit einer rein militärischen Beendigung des Krieges betont. Es ist mir nicht bekannt, was darauf unsere politische Leitung zur Herbeiführung eines Friedens getan hat, der allerdings auch damals schon, wie überhaupt während des ganzen Krieges, nur um den Preis empfindlicher Zugeständnisse unsererseits, namentlich in der elsaß-lothringischen Frage, zu haben gewesen wäre. Auch für den Nahestehenden tratsichtbar nur in Erscheinung die Forcierung der Zusatzverträge zum Brester Frieden, damit verbunden die Markierung unseres guten Verhältnisses zur Bolschewikiregierung und die Belastung unseres Bundesverhältnisses zu Österreich-Ungarn und der Türkei. Auch das Weißbuch über die Vorgeschichte des Waffenstillstands gibt keinen genauen Aufschluß. Unter dem österreichischen Druck und angesichts der immer bedenklicher werdenden militärischen Lage wurde am 11. September im Großen Hauptquartier die sofortige Einleitung einer Friedensdemarche bei einer neutralen Macht beschlossen. Es wurde der Versuch gemacht, Österreich-Ungarn und die anderen Bundesgenossen zum Anschluß an einen solchen Schritt zu gewinnen. Dieser Versuch wurde durch den österreichisch-ungarischen Sonderschritt vom 14. September erledigt.
Nun waren seit jener Besprechung am 13. und 14. August sechs schwere Wochen in die Welt gegangen; wir waren militärisch und politisch an den Rand des Abgrundes gedrängt. In dieser Lage trug General Ludendorff am 28. September dem Feldmarschall von Hindenburg vor, daß der Zeitpunkt gekommen sei, an die Reichsregierung die Forderung zu stellen, in sofortige Friedensverhandlungen einzutreten und zu diesem Zweck der Entente einen Waffenstillstand vorzuschlagen.
Als Graf Hertling und die Staatssekretäre Graf Roedern und von Hintze am 29. September im Großen Hauptquartiermit ihren Sorgen eintrafen, sahen sie sich vor den Antrag der Obersten Heeresleitung auf sofortige Herbeiführung eines Waffenstillstands und Einleitung von Friedensverhandlungen gestellt.
Graf Hertling, der mit dem Entschluß angekommen war, vom Kaiser seinen Abschied zu erbitten, trat bei den weiteren Besprechungen nicht mehr in Tätigkeit.
Die beiden Staatssekretäre, die den Reichskanzler begleitet hatten, um den Kaiser von der Notwendigkeit der Neubildung der Regierung auf breitester parlamentarischer Grundlage sowie der Reform der Reichsverfassung im Sinne der demokratischen Forderungen zu überzeugen, wurden in ihrer Auffassung und Absicht durch die Eröffnungen der Obersten Heeresleitung nur bestärkt. Sie erklärten, daß ein Friedensangebot, wie es die Oberste Heeresleitung verlangte, nur von einer neuen Regierung, die vom Vertrauen des ganzen Volkes und seiner Vertretung, des Reichstages, getragen sei, gemacht werden könne; der verhängnisvolle Rückschlag, den dies von niemand in Deutschland erwartete plötzliche Ersuchen um Waffenstillstand und Frieden in der Stimmung des deutschen Volkes hervorrufen werde, könne nur ausgeglichen werden durch weitgehende demokratische Reformen, die „Revolution von unten“ könne nur vermieden werden durch eine „Revolution von oben“.
Die Oberste Heeresleitung und der Kaiser schlossen sich dieser Auffassung an.
Am Montag, 30. September, wurde ein an Graf Hertling gerichteter Erlaß des Kaisers bekanntgegeben, in dem der Kaiser den Rücktritt des Grafen Hertling genehmigte und dann fortfuhr:
„Ich wünsche, daß das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlands mitarbeite. Es ist daher mein Wille, daß Männer, die von dem Vertrauen des Volkes getragen sind, in weiterem Umfang teilnehmen an den Rechten und Pflichten der Regierung.“
Graf Roedern, der am Abend des 29. September zusammen mit Herrn von Hintze und einem Vertreter der Obersten Heeresleitung nach Berlin zurückreiste, erhielt vom Kaiser den Auftrag, in Berlin die für die Bildung der neuen Regierung erforderlichen Schritte zu tun.
Die Initiative ging jedoch sofort in die Hände der „Mehrheitsparteien“ des Reichstags über. Die den Intentionen des Kaisers entsprechende Anregung des Grafen Roedern, in der äußersten Not des Vaterlands alle Parteigegensätze zurückzustellen und durch die Bildung eines die sämtlichen großen Parteien umfassenden Koalitionskabinetts die Einheit des deutschen Volkes zum Ausdruck zu bringen, wurde kurzerhand und schroff abgelehnt. Die Mehrheitsparteienmachten sich daran, ein Kabinett aus ihren Mitgliedern zu bilden.
Als neuer Kanzler wurde von ihnen zunächst der bisherige Vizekanzler von Payer in Aussicht genommen. Dieser lehnte jedoch ab, sei es, weil er sich der ungeheuren Aufgabe nicht gewachsen fühlte, sei es, weil aus den Reihen seiner eigenen Parteifreunde heraus Stimmung für einen anderen Kandidaten gemacht wurde: für den Prinzen Max von Baden. Dieser war mir schon in den letzten Tagen der Kanzlerschaft des Herrn Michaelis von dem Abgeordneten Conrad Haußmann als der gegebene Reichskanzler bezeichnet worden. Er war inzwischen durch einige Reden, die er als Präsident der Badischen Ersten Kammer gehalten hatte, in der politischen Welt als ein Anhänger eines Versöhnungsfriedens und als ein Mann von liberalen Anschauungen bekannt geworden. Schon im Dezember 1917 hatte er das Wort von dem „Weltgewissen“ gesprochen, das hinter unserer Kraft stehen müsse, um die Welt mit uns zu versöhnen. In einer seiner späteren Reden rief er das „Verantwortungsgefühl gegenüber der Menschheit“ an, das erfordert hätte, „daß man die Hölle dieses Krieges nicht noch einmal losließ, bevor der ehrliche Versuch gemacht wurde, ob nicht die Differenzen zwischen den Kriegführenden schon so weit geschwunden sind, daß Verhandlungen sie überbrücken könnten“. Und in seiner Rede aus Anlaß der Jahrhundertfeier der badischen Verfassung bezeichnete er die „Demokratisierung“ als das Ziel unsererpolitischen Entwicklung, mit dem Hinzufügen: „Heute enthält die Forderung nach äußerer Kraftentfaltung zugleich die Forderung nach innerer Freiheit.“
Solche Worte waren eine starke Empfehlung bei den Führern der Mehrheitsparteien, die hier Geist von ihrem Geist zu spüren glaubten. In den persönlichen Unterhaltungen, die der alsbald nach Berlin gerufene Prinz mit den Parteiführern hatte, verstärkte er diesen Eindruck durch seine gewinnende Liebenswürdigkeit. Sogar die Sozialdemokraten setzten sich über ihre anfänglichen Bedenken gegen die Inaugurierung der demokratischen Epoche durch einen Prinzen und Thronfolger hinweg. Ob der Prinz die Kraftnatur sei, der allein in dem schwersten Sturm das Steuerruder des Vaterlands anvertraut werden durfte, danach fragte niemand; im Gegenteil, die sich beim ersten Gespräch aufdrängende Wahrnehmung, daß der liebenswürdige und wohlmeinende Prinz alles eher sei als eine Kraftnatur, hat wohl nicht unwesentlich dazu beigetragen, die Begeisterung für seine Kandidatur bei gewissen Führern der Mehrheitsparteien zu erhöhen.
Am 3. Oktober wurde Prinz Max von Baden zum Reichskanzler und zum preußischen Minister der Auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Der Posten des preußischen Ministerpräsidenten blieb unbesetzt! Beigegeben wurden ihm als Staatssekretäre ohne Portefeuille die Zentrumsführer Gröber und Erzberger sowie der Sozialdemokrat Scheidemann, derselbe, der vor Jahren den Verrat alsdie Familientradition der Hohenzollern bezeichnet hatte. Einige Tage später wurde auch der fortschrittliche Abgeordnete Conrad Haußmann, nachdem er den Posten des Unterstaatssekretärs in der Reichskanzlei abgelehnt hatte, zum Staatssekretär ohne Portefeuille ernannt.
Die Staatssekretäre ohne Portefeuille, die kein bestimmtes Arbeitsbereich und damit um so mehr Zeit zum Reden und Raten hatten, bildeten zusammen mit dem Vizekanzler von Payer und dem Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums, Dr. Friedberg, die ihre Ämter beibehielten, unter dem Vorsitz des Reichskanzlers das „Kriegskabinett“, das jetzt in dunkler Stunde das Schicksal Deutschlands in seine Hand nahm.
Auch sonst gab es einigen Wechsel. Vor allem wurde in der Leitung des Auswärtigen Amtes Herr von Hintze, der auch durch die lebhafte Befürwortung der „Demokratisierung“ in den entscheidenden Besprechungen im Großen Hauptquartier das nun einmal gegen ihn bestehende Mißtrauen nicht hatte überwinden können, durch den bisherigen Staatssekretär des Reichskolonialamts, Dr. Solf, ersetzt, der für dieses Amt manche Qualität mitbrachte, nur die eine nicht, die zur Ergänzung des neuen Kanzlers für den deutschen Außenminister in dieser Zeit doppelt nötig gewesen wäre: harte Kraft. Herrn Dr. Solf wurde als Unterstaatssekretär der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. David beigegeben. Der Kriegsminister von Stein räumte seinen Platz dem GeneralScheüch. Das Reichsamt des Innern übernahm an Stelle des zurücktretenden Herrn Wallraf der Zentrumsführer Trimborn. An die Spitze des von dem Reichswirtschaftsamt abgetrennten Reichsarbeitsamts wurde ein Sozialdemokrat gestellt, der heutige Reichsministerpräsident Bauer. Zum Statthalter von Elsaß-Lothringen, dessen bundesstaatliche Autonomie einen der Punkte des zwischen dem Prinzen Max und den Mehrheitsparteien vereinbarten Programms bildete, wurde der altelsässische Bürgermeister von Straßburg, Dr. Schwander, zum Staatssekretär von Elsaß-Lothringen der elsässische Abgeordnete Hauß ernannt. Wo noch ein Nichtparlamentarier an der Spitze eines Reichsamts blieb, wurde ihm ein parlamentarischer Unterstaatssekretär zur Seite gestellt.
Zu dem Programm der neuen Regierung hatten die Sozialdemokraten vorausschauend schon am 23. September das Konzept gemacht, als sie die Bedingungen festlegten, unter denen sie den Eintritt ihrer Parteimitglieder in die Regierung billigen wollten. Das Programm, zu dem Prinz Max in seiner ersten Rede vor dem Reichstag sich Punkt für Punkt ausdrücklich bekannte, enthielt:
1. Das Festhalten an der Antwort der Reichsregierung auf die Papstnote vom 1. August 1917 und das uneingeschränkte Bekenntnis zur Friedensresolution des Reichstags vom 19. Juli 1917.
2. Erklärung der Bereitschaft, einem Völkerbund beizutreten, dessen Zweck die Sicherung eines dauerndenFriedens und der freien wirtschaftlichen Entfaltung der Völker sein sollte.
3. Einwandfreie Erklärung über die Wiederherstellung Belgiens und Verständigung über Entschädigung.
4. Die bisher geschlossenen Friedensverträge (Brest-Litowsk und Bukarest) dürfen kein Hindernis für den allgemeinen Friedensschluß bilden. Im Baltikum, in Litauen und Polen sind alsbald Volksvertretungen auf breitester Grundlage zu schaffen, die ihre Verfassung und ihre Beziehungen zu den Nachbarstaaten regeln.
5. Schaffung eines selbständigen Bundesstaates Elsaß-Lothringen.
6. Unverzügliche Durchführung der Wahlreform in Preußen; gleiches Anstreben solcher Reformen in denjenigen Bundesstaaten, die sie noch entbehren.
7. Einheitlichkeit der Reichsleitung, Berufung von Regierungsvertretern aus dem Parlament zur Durchführung einer einheitlichen Reichspolitik, strenge Einhaltung aller verfassungsmäßigen Verantwortlichkeiten, Beseitigung aller militärischen Einrichtungen, die der politischen Beeinflussung dienen.
8. Zum Schutze der persönlichen Freiheit, des Versammlungsrechts und der Pressefreiheit sofortige Änderung der Bestimmungen über den Belagerungszustand, Beschränkung der Zensur, Einrichtung einer politischen Kontrolle für alle Maßnahmen, welche auf Grund des Belagerungszustandes verhängt werden.
Diesem Programm trat auch die nationalliberale Reichstagsfraktion nachträglich bei und gewann damit wieder ihren zeitweilig unterbrochenen Anschluß an die „Mehrheitsparteien“. Abseits standen die Konservativen und die Deutsche Fraktion auf der Rechten, die Unabhängigen Sozialdemokraten auf der Linken und schließlich die polnische Fraktion, die sich in Erwartung der kommenden Dinge alles vorbehielt.
Die Bildung der neuen Regierung aus der Initiative und nach dem Willen der Reichstagsmehrheit und der Inhalt des zwischen Reichsregierung und Mehrheitsparteien festgelegten Programms sind als eine „unblutige Revolution“ bezeichnet worden. Der Umschwung war in der Tat gewaltig: die Krone hatte auf die Ausübung ihrer wichtigsten politischen Befugnisse zu Händen der Parlamentsmehrheit verzichtet. Eine „Revolution“ war der Umschwung zwar nicht; denn er hielt sich noch in den Bahnen des Gesetzes. Aber er war das unmittelbare Vorspiel zur wirklichen Revolution; denn er brachte Männer an die Spitze der Reichsgeschäfte, von denen ein ernstlicher Widerstand gegen den drohenden Aufruhr und Umsturz nicht zu erwarten war.
Für den deutschen Patrioten trat jedoch dieser gewaltige Umschwung im Innern, so bedeutungsvoll und folgenschwer er sich darstellte, noch zurück hinter der allesüberschattenden Schicksalsfrage: Wie sichern wir in der furchtbaren Zwangslage, in die wir durch die militärischen Ereignisse gebracht worden sind, annehmbare Bedingungen für Waffenstillstand und Frieden?
Ich kam am 1. Oktober von einer kurzen Reise nach Berlin zurück. Was ich am Vormittag im Auswärtigen Amt, am Nachmittag vom Grafen Roedern über die militärische und politische Lage und über die im Werden begriffenen Entschlüsse hörte, erschütterte mich auf das tiefste. Die Darstellung ging dahin, daß wir nach den Erklärungen der Obersten Heeresleitung auf dem westlichen Kriegsschauplatz vor einer Katastrophe stünden, daß jeder Augenblick den Durchbruch des Feindes und die völlige Zertrümmerung unseres Heeres bringen könne. Unter diesen Umständen bleibe nur das von Ludendorff ungestüm verlangte sofortige Ersuchen um Waffenstillstand. Der Zusammenbruch im Innern könne nur durch die sofortige und völlige Demokratisierung unserer staatlichen Einrichtungen verhindert werden. Um auf dem sichersten und raschesten Wege den Waffenstillstand herbeizuführen, sei ein Schritt bei dem Präsidenten Wilson geplant, der unter grundsätzlicher Annahme der 14 Programmpunkte seiner Rede vom 8. Januar 1918 um seine Vermittlung gebeten werden solle.
Alles in mir lehnte sich gegen den Gedanken auf, daß Hindenburg und Ludendorff mit ihrem Stab es dahin hätten kommen lassen können, daß wir jetzt unter dem Druck eines unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchszum Ersuchen um sofortigen Waffenstillstand, das unter diesen Verhältnissen nur die Einleitung zur schmählichsten Kapitulation sein konnte, gezwungen sein sollten. Ich verwies auf Ludendorffs heftiges Temperament, dem er starken und mitunter übertreibenden Ausdruck zu geben liebe. Ich beschwor meine Freunde, dahin zu wirken, daß nicht unter einem vielleicht falschen Eindruck, wie ihn Ludendorffs Art bei Leuten, die ihn nicht genau kannten, leicht hervorrufen könne, in einer Panikstimmung Entschlüsse gefaßt würden, die das Verderben unentrinnbar machten. Wenn aber Ludendorff es wirklich habe dahin kommen lassen, daß wir jetzt mit dem Rücken am Abgrund um sofortigen Waffenstillstand betteln müßten, dann habe er einen solchen Mangel an Augenmaß gezeigt, daß auch sein Urteil über die jetzige Situation nicht maßgebend sein könne für die schwersten Entschlüsse, die je von der Reichspolitik zu fassen waren; dann müßten sofort und vor allem weiteren die Armeeführer darüber gehört werden, wie sie die Möglichkeit einer weiteren schrittweisen Verteidigung während der für die Verhandlungen nötigen Zeit beurteilten.
Auch heute noch bin ich der Meinung, daß eine Politik, die uns vor dem Schlimmsten bewahrt hätte, damals noch möglich gewesen wäre. Der Feldmarschall von Hindenburg hat sich nach den Mitteilungen des Obersten Bauer — was das Weißbuch vom 31. Juli 1919 nicht erwähnt — bei den am 3. Oktober 1918 in Berlin stattgehabten Beratungendahin ausgesprochen: „Gegenwärtig steht das deutsche Heer fest. Gezwungen wird es von Abschnitt zu Abschnitt, sich zäh an den feindlichen Boden klammernd, ausweichen. Die Dauer solcher Rückwärtsbewegungen ist nicht genau vorher zu bestimmen. Man kann aber hoffen, daß sie bis zum nächsten Frühjahr deutsches Gebiet schützen werden.“ Gleichwohl blieb auch der Feldmarschall auf der Forderung der „sofortigen Herausgabe eines Friedensangebotes“ bestehen; es sei keine Aussicht mehr, den Feinden den Frieden aufzuzwingen; die Lage verschärfe sich täglich und könne die Oberste Heeresleitung zu schwerwiegenden Beschlüssen zwingen; unter diesen Umständen sei es geboten, den Kampf abzubrechen, um dem deutschen Volke nutzlose Opfer zu ersparen; jeder versäumte Tag koste Tausenden von tapferen Soldaten das Leben. —
Vor allem warnte ich vor der Anrufung der Vermittlung des Präsidenten Wilson. Ich konnte diesem Manne nach allen bisher mit ihm gemachten Erfahrungen nicht das für eine solche Rolle erforderliche Maß von Unvoreingenommenheit und gutem Willen zutrauen; die 14 Punkte bedeuteten zudem für uns die sofortige Opferung Elsaß-Lothringens und unserer Ostmarken, ohne daß diese Opfer wirksam zugunsten eines sofortigen Waffenstillstandes oder Friedensschlusses ins Spiel gesetzt wurden. Im Gegenteil, die geplante Form des Ersuchens an Wilson mußte notwendigerweise Rückfragen bei uns und Rückfragen bei den Ententestaaten veranlassen und so gerade das Ziel, das die ObersteHeeresleitung anscheinend in allererster Linie erstrebte, den Abschluß eines Waffenstillstandes in den allernächsten Tagen, vereiteln. Wenn die Lage tatsächlich so aussichtslos sei, daß sie schmerzliche Opfer von uns erfordere, z. B. Zugeständnisse in bezug auf Elsaß-Lothringen, so müsse ich es für den einzig richtigen Weg halten, diese Opfer unmittelbar gegenüber den an erster Stelle interessierten Kriegführenden möglichst wirksam ins Spiel zu setzen; das habe allerdings zur Voraussetzung, daß hinter das Angebot solcher Zugeständnisse von vornherein die unbeugsame Entschlossenheit gestellt werde, nötigenfalls auf jede Gefahr hin weiterzukämpfen und unsere Feinde für alles, was sie über unsere Zugeständnisse hinaus von uns erkämpfen wollten, einen Preis von Blut und Trümmern zahlen zu lassen, dessen Höhe ihren Völkern die Augen öffnen müsse.
In der Nacht zum 4. Oktober ließ der neue Reichskanzler an die Schweizer Regierung folgende Note zur Übermittlung an die Regierung der Vereinigten Staaten abgehen: