VI. Postanstalten.
DieGesamtzahlder zur Wahrnehmung des eigentlichen Postbetriebes bestimmten Postanstalten im Bereiche des Weltpostvereins belief sich nach der Berner Statistik von 1884 auf 133799. Die meisten hiervon, 50017, entfallen auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Deutschland ist mit 15428 vertreten, England mit 16434, Frankreich mit 6587 und BritischIndien mit 6721. Dabei ist übrigens nicht zu vergessen, daß der Begriff „Postanstalt“ diesseits und jenseits des Oceans etwas verschieden aufzufassen ist.
DiehöchstePoststation der Erde ist Rumihuasi (4966 m) in den Anden, und dieeinfachstenPostbureaus befinden sich an der Südspitze von Amerika und auf Booby-Island in der Torresstraße. Was das erstere Postamt betrifft, so hängt dort an einem Felsen des äußersten Vorgebirges der Magellanstraße, gegenüber Feuerland, ein Fäßchen, das durch eine eiserne Kette befestigt ist. Dasselbe wird von jedem vorüberfahrenden Schiffe geöffnet, um entweder Briefschaften hineinzulegen oder demselben Briefe zu entnehmen. Diese Postablage verwaltet sich sonach von selbst, sie ist dem Schutze der Seefahrer anheimgestellt, und man hat kein Beispiel, daß jemals ein Mißbrauch des öffentlichen Vertrauens stattgefunden hätte. Jedes Schiff übernimmt die freiwillige Expedition der Einlagen, deren Bestimmungsort in der Richtung seiner Fahrt liegt.
Fig. 43. Das Centralpostgebäude in Berlin.
Fig. 43. Das Centralpostgebäude in Berlin.
Auf Booby-Island liegt in einer durch einen hohen Flaggenstock bezeichneten Höhle eine Tonne mit der Aufschrift: „Post office“. In dieser Tonne befindet sich Schreibmaterial und ein Buch zum Eintragen von Bemerkungen. Neben der Tonne liegen Vorräte von allerlei Lebensmitteln für etwaige Schiffbrüchige. Jedes Schiff, welches die Insel passiert und reichliche Vorräte an Bord hat, ergänzt den Bestand des Magazins und nimmt gleichzeitig die in dem Tonnenpostamt befindlichen Briefe zur Weiterbeförderung mit.
Fig. 44. Das Postamt auf der Booby-Insel.
Fig. 44. Das Postamt auf der Booby-Insel.