Drittes Kapitel.Statistik des Eisenbahnwesens.

Drittes Kapitel.Statistik des Eisenbahnwesens.

1. Europa.

Europäische Staatenzusammen 189487 km.

An erster Stelle steht hiernach unter den europäischen Staaten bezüglich derLänge des EisenbahnnetzesDeutschland mit 36720 km, an letzter Griechenland mit 175 km.

2. Amerika.

Amerikazusammen 239468 km.

Weitaus das größte Eisenbahnnetz in Amerika haben somit die Vereinigten Staaten; dasselbe ist sogar größer als das von Europa. Ihnen folgen Britisch-Nordamerika, Brasilien, Mejico und Argentinien.

3. Asien.

Asienzusammen 20539 km.

4. Afrika.

Afrikazusammen 6561 km.

5. Australien.

Australienzusammen 12053 km.

Die Zusammenstellung der Angaben für die einzelnen Weltteile ergiebt folgende Totalziffern für das

Eisenbahnnetz der Erde (1884).

(Ende des Jahres 1884[141])

Hiernach nimmt bezüglich derDichtigkeitdes Eisenbahnnetzes den ersten PlatzBelgienein (mit 14,7km auf 100 qkm); Deutschland steht hier erst in vierter Linie, und Rußland, das hinsichtlich derLängeder Eisenbahnen nur von drei anderen Staaten übertroffen wird, rückt bezüglich derDichtigkeitunter den oben angeführten Staaten (mit Norwegen) sogar auf die letzte Stelle.

Mit Rücksicht auf das Verhältnis derLinienlängezurBevölkerungszahlbehauptet den ersten RangSchweden(mit14,5km auf 10000 Einwohner).

In denVereinigten Staaten von Amerikaentfielen 1884 2,2km auf 100 qkm Flächeninhalt und 38,8km auf 10000 Einwohner.

Hierüber geben folgende Tabellen Aufschluß:

1. Gesamtlänge am Ende der Jahre:

2. Jährlicher Zuwachs.

Die letztere Tabelle ist von besonderem Interesse, da aus ihr die Pulsschläge der Weltwirtschaft deutlich zu erkennen sind.

InEuropastanden 1882 auf den Eisenbahnen in Verwendung:

DieTransportleistungeninEuropastellen sich für das Jahr 1882 wie folgt: es wurden 1371 Mill. Personen und circa 715 Mill. metrische Tonnen Güter befördert.

Betriebsmittel und Betriebsleistungen der europäischen Staaten.

Die ZahlallerLokomotiven der Erde betrug 1882 circa 83000, jene der Personenwagen circa 144000 und die der Lastwagen 2100000.

AnPersonenwurden auf der ganzen Erde im Jahre 1882 befördert 2300–2400 Mill. und an Frachten 1150–1200 Mill. Tonnen.

Im Durchschnitt verkehren jetzt täglich nahezu 7 Mill. Personen auf allen Schienenstraßen der Erde und werden täglich 3,3Mill. Tonnen Güter an ihren Bestimmungsort gebracht.

Die Zahl derKilometer, welche von den sämtlichen Lokomotiven der Erde jährlich durchlaufen werden, dürfte auf circa 10500 Mill. zu schätzen sein, so daß diese Maschinen im Jahre einen 70mal größern Weg zurücklegen, als die Entfernung der Erde von der Sonne beträgt.

Es treffen auf einen Einwohner:

NachNeumann-Spallartbeläuft sich dergesamte Betrag der bis 1882 im Eisenbahnnetze der ganzen Erde angelegten Kapitalien auf die kolossale Summe von rund 91500 Millionen Mark[144], und zwar entfallen davon auf

„Nichts,“ ruftNeumann-Spallartmit Recht aus, „vermag das Zeitalter des Dampfes prägnanter zu bezeichnen, als diese drei Zahlen: 91½ Milliarden Mark Eisenbahnkapital, jährlich 2400 Millionen Reisende und 1200 Millionen Frachten-Tonnen!“

Diese sind in den einzelnen Ländern sehr verschieden. In Europa sind sie am niedrigsten in Belgien, am höchsten in der Türkei. Nachstehende Tabelle giebt eine diesbezügliche Übersicht betreffs der europäischen Länder (Preise in Pfennigen pro Kilometer bei den gewöhnlichen Personenzügen und für die einfache Fahrt).

Der Zuschlag für Expreß-, Kurier- und Schnellzüge differiert zwischen 10 und 30% der vorstehenden Sätze.

Die schnellsten Züge auf längeren Strecken (von mehr als 500 km) verkehren auf den Routen London-Edinburg mit 0,91Minute per Kilometer und Berlin-Köln mit 1,01Minute per Kilometer. Die raschesten Züge aufStrecken von mittlerer Länge (300–500 km) laufen zwischen Berlin-Jüterbogk-Dresden mit 0,98, London-Salisbury-Plymouth mit 1 und Paris-Boulogne-Calais mit 1,01Minute per Kilometer. Die am geschwindesten durchlaufenen kleineren Strecken (200–300 km) sind London-Sittingburne-Dover mit 0,837und Stendal-Lehrte mit 0,838Minute per Kilometer. Bei allen diesen Angaben sind die Aufenthalte auf den Stationen mitgerechnet.

InDeutschlandwerden durchschnittlich von Personenzügen 35 km, von Kurierzügen 45–50 km, von Expreßzügen 60 km per Stunde zurückgelegt.

Sonstige bedeutende Reiserouten sind:

Der zwischenParisundKonstantinopelverkehrende Expreßzug führt gewöhnlich den NamenOrient-Expreßzug[148]. Er steht hinsichtlich derBequemlichkeitund desKomfortsden amerikanischen Schnellzügen gleich, wenn er sie nicht noch übertrifft.

Der Orient-Expreß ist stets von einigen Dolmetschern begleitet, hat Betten der vortrefflichsten Art für 50–60 Reisende, ferner einen Speisesalon für 24 Gedecke, eine Küche, ein Rauchzimmer, ein Damenzimmer und ein Toilettenzimmer mit kalter und warmer Douche; überdies sind alle Räumedes Zuges telegraphisch miteinander verbunden. Was er freilich nicht hat, ist die auf dem Hauptzuge der Central- und Union-Pacific-Bahn befindliche Zeitungsdruckerei, die den „Transkontinental“ druckt, zu welchem Zweck auf allen Stationen Nachrichten in Bereitschaft gehalten werden. Eines solchen Mittels bedarf aber der Orient-Expreß nicht; denn an jedem Haltpunkt werden den Reisenden Zeitungen angeboten.


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