Sechstes Kapitel.Statistik des Telegraphenwesens[27].

Sechstes Kapitel.Statistik des Telegraphenwesens[27].

1. Stand des Telegraphenverkehrs in Europa für das Jahr 1882.

Staatstelegraphen.

Nach dieser Tabelle besitzt in Europa die größteLänge der LinienRußlandmit 94057 km; ihm kommen zunächst Frankreich mit 75091 und Deutschland mit 74313 km. Die geringste Länge der Linien findet sich in Luxemburg (310 km) und Montenegro (338 km). — Wesentlich anders als bezüglich der Länge der Linien gruppieren sich die Staaten hinsichtlich derLänge der Drähte. Hier kommt in erster Linie dasDeutsche Reichmit 265058 km; daran reihen sich Frankreich mit 232451 und Großbritannien und Irland mit 213254 km. Rußland mit 173547 km erscheint hier erst an vierter Stelle. In letzter Reihe stehen auch nach diesem Gesichtspunkte Montenegro (338 km) und Luxemburg (536 km).

Die meisten Telegraphenstationenweist in Europa dasDeutsche Reichauf: 10803; in den beiden nachfolgenden Staaten, Frankreich und Großbritannien mit Irland, sinkt deren Zahl schon auf 6319, beziehungsweise 5747. Österreich-Ungarn besitzt 3869, Rußland 2824.

Die wenigsten Telegraphenanstalten zählen Bulgarien (44) und Montenegro (15)[28].

Im Besitze der meistenApparateist in EuropaGroßbritannienundIrland; es hat deren 15107. Ihm kommt ganz nahe Deutschland mit 14174. Frankreich verfügt über 9217, Österreich-Ungarn über 5504 und Rußland über 2962. Die wenigsten Apparate weisen aus: Montenegro (15) und Luxemburg (38).

Das meistgebräuchlicheSystemist dasMorsesche. Nach der Statistik, die nach offiziellen Dokumenten des internationalen Telegraphenbureaus zu Bern für das Jahr 1883 zusammengestellt worden ist, waren auf dem ganzen Erdenrunde (es fehlen nur die Privatgesellschaften Nordamerikas) 65543 Telegraphen-Apparate im Betriebe, darunter 42830 Morse-, 1665 Hughes-Apparate und 19048 verschiedener Systeme.

Die höchsteZahl der Depeschentrifft aufGroßbritannienundIrland: 30652277. Ihm zunächst stehen Frankreich mit 23987237 und Deutschland mit 15091576. Hieran reihen sich Rußland mit 9059470 und Österreich-Ungarn mit 7693579 Depeschen. Die geringste Zahl von Depeschen trifft auf Luxemburg (53036).

Wie überall, so sind auch im Telegraphenverkehr dierelativen Zahlenvon weit größerem Interesse als dieabsoluten. Erstere sind ja gewissermaßen einGradmesserder Verkehrsbewegung,ja der Kultur selbst. Die Tabelle (S. 47) giebt uns hierüber nähern Aufschluß.

Die hohe Entwicklung des Telegraphennetzes in den einzelnen Ländern Europas veranschaulicht uns in nachstehender Tabelle vor allem die Angabe,auf welchen Flächenraum eine Telegraphenanstalt entfällt. In dieser Beziehung zeichnen sich unter den Staaten Europas vor allemBelgienund dieSchweizaus. Es befindet sich nämlich in Belgien schon auf 34,5qkm und in der Schweiz auf 35,7qkm ein telegraphisches Bureau. Am weitesten sind in dieser Hinsicht zurück Rußland, Bulgarien und Norwegen, wo ein Bureau erst auf 1908,5, beziehungsweise 1409,6und 1060,6qkm entfällt.

Relativer Stand des Telegraphenverkehrs in den europäischen Staaten.

im Zusammenhange mit den maßgebenden Elementen.

Was dieDichtigkeitdes Telegraphennetzes betrifft, so befindet sich unter den Ländern EuropasBelgienmit 208,7und dieSchweizmit 162,9km Linien auf je 100 qkm in der günstigsten Lage. Die geringste Dichtigkeit des Netzes zeigen Norwegen mit 23,8, Schweden mit 19 und Rußland mit 17,4km Linien auf je 100 qkm.

In Bezug auf dieLeistungenim Telegraphendienst übertrifft in EuropaGroßbritannienundIrlandalle anderen Staaten. Es kommen dort jährlich 86,9Telegramme auf je 100 Einwohner. Demnächst ist der Verkehr am stärksten in der Schweiz mit 81,5. Am geringsten ist der telegraphische Verkehr in Europa in Portugal, Bulgarien und Rußland, wo 12, beziehungsweise 11,9und 10,8Depeschen auf je 100 Einwohner entfallen.

Der innere Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der telegraphischen Korrespondenz und dem allgemeinen Bildungsgrad der Bevölkerung tritt namentlich dann hervor, wenn man den in unserer Tabelle dargestellten Besuch der Volksschule mit der Relativzahl der Telegramme in Vergleich zieht. Freilich wirken hierbei auch specifische und lokale Umstände mit; die hohe Verhältnisziffer der Schweiz, 81 Depeschen auf 100 Einwohner, läßt sichz. B.auf die Lebhaftigkeit desFremdenverkehrsin diesem Versammlungsraum aller Nationen zurückführen; in England (87 Depeschen auf 100 Einwohner) ist es die Mächtigkeit der Handelsbewegung einzelner Centralplätze, welche trotz der Höhe des Tarifs die Verkehrsentwicklung beeinflußt.

Die nachfolgende Übersicht zeigt (nachVeredarius) den Bestand an Telegraphen-Linien und -Leitungen in den wichtigsten Ländern Europas nach dem Stand des Jahres 1884 (soweit nicht anders angegeben) nebst einigen Vergleichszahlen.

2. Ausdehnung des Telegraphenverkehrs außerhalb Europas.

Amerika.

Asien.

Australien.

Afrika.

Am besten sind hiernach von den außereuropäischen Gebieten mit Telegraphen ausgerüstet: die Vereinigten Staaten von Amerika, das Indo-britische Kaiserreich und der östliche Teil Australiens.

Fast ganz entbehren des Telegraphen noch Arabien, Sibirien und das Kaiserreich China, dann ganz Afrika (abgesehen von Ägypten, Senegambien, dem Kapland, Tunis und Algier), der größte Teil Südamerikas und nahezu ganz Britisch-Nordamerika.

Die Zusammenstellung der Angaben für die einzelnen Weltteile führt zu folgenden ungefähren Totalziffern für das

3. Telegraphennetz der Erde.

„So verfügt denn,“ sagtNeumann-Spallart, „die civilisierte Menschheit heute über ein großartiges und wohlgeordnetes Netz telegraphischer Verbindungen. Der Gebrauch, welcher davon mittels der nahezu 60000 Telegraphenämter der Welt für all die tausendfachen menschlichen Beziehungen gemacht wird, findet seinen Ausdruck in der Ziffer von jährlich nahezu 168 Millionen Depeschen, welche — unbehindert durch die brausenden Wogen des Oceans oder die Eisregionen des Hochgebirgs — von Ort zu Ort, von Land zu Land, von Erdteil zu Erdteil mit prometheischer Kraft den Gedanken tragen und ein sprechendes Zeugnis eines ergreifenden und mächtigen Kulturfortschritts der Menschheit liefern.“

NachVeredarius[30]repräsentierten 1884 die oberirdischenundversenkten Linienzusammeneine Länge von rund 1200000 km mit 3650000 km Leitungsdrähten. Letztere würden also hinreichen,neunzigmalden Gleichen zu umspannen.

DerGesamtaufwand an Kapitalfür Land- und Seetelegraphen betrug nachMulhallbis zum Dezember 1882 rund 88 Mill. Pfd. St. = 1760 Mill. Mk.

4. Gebührentarif für Telegramme von Stationen des Deutschen Reiches[31].

(Für den billigsten und gebräuchlichsten Weg berechnet.)


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