WalterTut Eure Schuldigkeit, sag ich, zum Henker!
AdamBeklagter trete vor.
RuprechtHier, Herr Dorfrichter.Ruprecht, Veits, des Kossäten, Sohn, aus Huisum.
AdamVernahm Er dort, was vor Gericht soebenFrau Marthe gegen Ihn hat angebracht?
RuprechtJa, Herr Dorfrichter, das hab ich.
AdamGetraut Er sichEtwas dagegen aufzubringen, was?Bekennt Er, oder unterfängt Er sich,Hier wie ein gottvergeßner Mensch zu leugnen?
RuprechtWas ich dagegen aufzubringen habe,Herr Richter? Ei! Mit Euerer Erlaubnis,Daß sie kein wahres Wort gesprochen hat.
AdamSo? Und das denkt Er zu beweisen?
RuprechtO ja.
AdamDie würdige Frau Marthe, die—Beruhige Sie sich. Es wird sich finden.
WalterWas geht Ihm die Frau Marthe an, Herr Richter?
AdamWas mir—? Bei Gott! Soll ich als Christ—?
WalterBericht'Er, was Er für sich anzuführen hat.—Herr Schreiber, wißt Ihr den Prozeß zu führen?
AdamAch, was!
LichtOb ich—ei nun, wenn Ew. Gnaden—
AdamWas glotzt Er da? Was hat Er aufzubringen?Steht nicht der Esel wie ein Ochse da?Was hat Er aufzubringen?
RuprechtWas ich aufzubringen?
WalterEr, ja, Er soll den Hergang jetzt erzählen.
RuprechtMein Seel, wenn man zu Wort mich kommen ließe.
Walter 's ist in der Tat, Herr Richter, nicht zu dulden.
RuprechtGlock zehn Uhr mocht es etwa sein zu Nacht,Und warm just diese Nacht des JanuarsWie Mai,—als ich zum Vater sage: Vater!Ich will ein bissel noch zur Eve gehn.Denn heuren wollt ich sie, das müßt Ihr wissen;Ein rüstig Mädel ists, ich habs beim Erntengesehn, wie alles von der Faust ihr ging,Und ihr das Heu man flog, als wie gemaust.Das sagt ich: Willst du? Und sie sagte: "Ach!Was du da gakelst." Und nachher sagt' sie: "Ja."
AdamBleib Er bei seiner Sache. Gakeln! Was!Ich sagte: Willst du? Und sie sagte: Ja.
RuprechtJa, meiner Treu, Herr Richter.
WalterWeiter! Weiter!
RuprechtNun—Da sagt ich: Vater, hört Er? Laß Er mich.Wir schwatzen noch am Fenster was zusammen."Na", sagt er, "lauf; bleibst du auch draußen?" sagt er.Ja, meiner Seel, sag ich, das ist geschworen."Na", sagt er, "lauf, um elfe bist du hier."
AdamNa, so sag du, und gakle, und kein Ende.Na, hat er bald sich ausgesagt?
RuprechtNa, sag ich,Das ist ein Wort, und setz die Mütze auf,Und geh; und übern Steig will ich, und mußDurchs Dorf zurückgehn, weil der Bach geschwollen.Ei, alle Wetter, denk ich, Ruprecht, Schlag!Nun ist die Gartentür bei Marthens zu:Denn bis um zehn läßts Mädel sie nur offen,Wenn ich um zehn nicht da bin, komm ich nicht.
AdamDie liederliche Wirtschaft, die.
WalterDrauf weiter?
RuprechtDrauf—wie ich übern Lindengang mich näh're,Bei Marthens, wo die Reihen dicht gewölbtUnd dunkel, wie der Dom zu Utrecht, sind,Hör ich die Gartentüre fernher knarren.Sieh da! Da ist die Eve noch! sag ich,Und schicke freudig Euch, von wo die OhrenMir Kundschaft brachten, meine Augen nach—Und schelte sie, da sie mir wiederkommen,Für blind, und schicke auf der Stelle sieZum zweitenmal, sich besser umzusehen,Und schimpfe sie nichtswürdige Verleumder,Aufhetzer, niederträcht'ge Ohrenbläser,Und schicke sie zum drittenmal, und denke,Sie werden, weil sie ihre Pflicht getan,Unwillig los sich aus dem Kopf mir reißen,Und sich in einen andern Dienst begeben:Die Eve ists, am Latz erkenn ich sie,Und einer ists noch obenein.
AdamSo? Einer noch? Und wer, Er Klugschwätzer?
RuprechtWer? Ja, mein Seel, da fragt Ihr mich—
AdamNun also!Und nicht gefangen, denk ich, nicht gehangen.
WalterFort! Weiter in der Rede! Laßt ihn doch!Was unterbracht Ihr ihn, Herr Dorfrichter?
RuprechtIch kann das Abendmahl darauf nicht nehmen,Stockfinster wars, und alle Katzen grau.Doch müßt Ihr wissen, daß der Flickschuster,Der Lebrecht, den man kürzlich losgesprochen,Dem Mädel längst mir auf die Fährte ging.Ich sagte vor'gen Herbst schon: Eve, höre,Der Schuft schleicht mir ums Haus, das mag ich nicht;Sag ihm, daß du kein Braten bist für ihn,Mein Seel, sonst werf ich ihn vom Hof herunter.Die spricht: "Ich glaub, du schierst mich", sagt ihm was,Das ist nicht hin, nicht her, nicht Fisch, nicht Fleisch:Drauf geh ich hin und werf den Schlingel herunter.
AdamSo? Lebrecht heißt der Kerl?
RuprechtJa, Lebrecht.
AdamGut.Das ist ein Nam. Es wird sich alles finden.—Habt Ihrs bemerkt im Protokoll, Herr Schreiber?
LichtO ja, und alles andere, Herr Richter.
AdamSprich weiter, Ruprecht, jetzt, mein Sohn.
RuprechtNun schießt,Da ich Glock elf das Pärchen hier begegne,—Glock zehn Uhr zog ich immer ab—das Blatt mir.Ich denke: halt, jetzt ists noch Zeit, o Ruprecht,Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht;Hier mußt du sorgsam dir die Stirn befühlen,Ob dir von fern hornartig etwas keimt.Und drücke sacht mich durch die Gartenpforte,Und berg in einem Strauch von Taxus mich,Und hör Euch ein Gefispre hier, ein Scherzen,Ein Zerren hin, Herr Richter, Zerren her,Mein Seel, ich denk, ich soll vor Lust—
EveDu Bösewicht!Was das, o, schändlich ist von dir!
Frau MartheHalunke!Dir weis ich noch einmal, wenn wir allein sind,Die Zähne! Wart! Du weißt noch nicht, wo mirDie Haare wachsen! Du sollsts erfahren!
RuprechtEin Viertelstündchen dauerts so; ich denke:Was wirds doch werden, ist doch heut nicht Hochzeit?Und eh ich den Gedanken ausgedacht,Husch! sind sie beid ins Haus schon, vor dem Pastor.
EveGeht, Mutter, mag es werden, wie es will—
AdamSchweig du mir dort, tat ich, das DonnerwetterSchlägt über dich ein, unberufne Schwätzerin!Wart, bis ich auf zur Red dich rufen werde.
WalterSehr sonderbar, bei Gott!
RuprechtJetzt hebt, Herr Richter Adam,Jetzt hebt sichs, wie ein Blutsturz, mir. Luft!Da mir der Knopf am Brustlatz springt: Luft jetzt!Und reiße mir den Latz auf: Luft jetzt, sag ich!Und geh, und drück, und tret und donnere,Da ich der Dirne Tür verriegelt finde,Gestemmt, mit Macht, auf einen Tritt, sie ein.
AdamBlitzjunge, du!
RuprechtJust da sie auf jetzt rasselt,Stürzt dort der Krug vom Sims ins Zimmer hin,Und husch! springt einer aus dem Fenster Euch:Ich seh die Schöße noch vom Rocke wehn.
AdamWar das der Leberecht?
RuprechtWer sonst, Herr Richter?Das Mädchen steht, die werf ich übern Haufen,Zum Fenster eil ich hin, und find den KerlNoch in den Pfählen hangen, am Spalier,Wo sich das Weinlaub aufrankt bis zum Dach.Und da die Klinke in der Hand mir blieb,Als ich die Tür eindonnerte, so reiß ichJetzt mit dem Stahl eins pfundschwer übern Detz ihm:Den just, Herr Richter, konnt ich noch erreichen.
AdamWars eine Klinke?
RuprechtWas?
AdamObs—
RuprechtJa, die Türklinke.
AdamDarum.
LichtIhr glaubtet wohl, es war ein Degen?
AdamEin Degen? Ich—wieso?
RuprechtEin Degen!
LichtJe nun!Man kann sich wohl verhören. Eine KlinkeHat sehr viel Ähnlichkeit mit einem Degen.
AdamIch glaub—!
LichtBei meiner Treu! Der Stiel, Herr Richter?
AdamDer Stiel!
RuprechtDer Stiel! Der wars nun aber nicht.Der Klinke umgekehrtes Ende wars.
AdamDas umgekehrte Ende wars der Klinke!
LichtSo! So!
RuprechtDoch auf dem Griffe lag ein KlumpenBlei, wie ein Degengriff, das muß ich sagen.
AdamJa, wie ein Griff.
LichtGut. Wie ein Degengriff.Doch irgendeine tück'sche Waffe mußt esGewesen sein. Das wußt ich wohl.
WalterZur Sache stets, Ihr Herren, doch! Zur Sache!
AdamNichts als Allotrien, Herr Schreiber!—Er, weiter!
RuprechtJetzt stürzt der Kerl, und ich schon will mich wenden,Als ichs im Dunkeln auf sich rappeln sehe.Ich denke: lebst du noch? und steig aufs FensterUnd will dem Kerl das Gehen unten legen:Als jetzt, Ihr Herrn, da ich zum Sprung just aushol,Mir eine Handvoll grobgekörnten Sandes—Und Kerl und Nacht und Welt und Fensterbrett,Worauf ich steh, denk ich nicht, straf mich Gott,Das alles fällt in einen Sack zusammen—Wie Hagel, stiebend, in die Augen fliegt.
AdamVerflucht! Sieh da! Wer tat das?
RuprechtWer? Der Lebrecht.
AdamHalunke!
RuprechtMeiner Treu! Wenn ers gewesen.
AdamWer sonst!
RuprechtAls stürzte mich ein SchloßenregenVon eines Bergs zehn Klaftern hohem Abhang,So schlag ich jetzt vom Fenster Euch ins Zimmer:Ich denk, ich schmettere den Boden ein.Nun brech ich mir den Hals doch nicht, auch nichtDas Kreuz mir, Hüften, oder sonst, inzwischenKonnt ich des Kerls doch nicht mehr habhaft werden,Und sitze auf, und wische mir die Augen.Die kommt, und: "Ach, Herr Gott!" ruft sie, und: "Ruprecht!Was ist dir auch?" Mein Seel, ich hob den Fuß,Gut wars, daß ich nicht sah, wohin ich stieß.
AdamKam das vom Sande noch?
RuprechtVom Sandwurf, ja.
AdamVerdammt! Der traf!
RuprechtDa ich jetzt aufersteh,—Was sollt ich auch die Fäuste hier mir schänden?—So schimpf ich sie, und sage: Liederliche Metze,Und denke, das ist gut genug für sie.Doch Tränen, seht, ersticken mir die Sprache.Denn da Frau Marthe jetzt ins Zimmer tritt,Die Lampe hebt, und ich das Mädchen dortJetzt schlotternd, zum Erbarmen, vor mir sehe,Sie, die so herzhaft sonst wohl um sich sah,So sag ich zu mir: blind ist auch nicht übel.Ich hätte meine Augen hingegeben,Knippkügelchen, wer will, damit zu spielen.
EveEr ist nicht wert, der Bösewicht—
AdamSie soll schweigen!
RuprechtDas Weitre wißt Ihr.
AdamWie, das Weitere?
RuprechtNun ja, Frau Marthe kam, und geiferte,Und Ralf, der Nachbar, kam, und Hinz, der Nachbar,Und Muhme Sus' und Muhme Liese kamen.Und Knecht' und Mägd' und Hund' und Katzen kamen,'s war ein Spektakel, und Frau Marthe fragteDie Jungfer dort, wer ihr den Krug zerschlagen,Und die, die sprach, Ihr wißts, daß ichs gewesen.Mein Seel, sie hat so unrecht nicht, Ihr Herren.Den Krug, den sie zu Wasser trug, zerschlug ich,Und der Flickschuster hat im Kopf ein Loch.
AdamFrau Marthe! Was entgegnet Ihr der Rede?Sagt an!
Frau MartheWas ich der Red entgegene?Daß sie, Herr Richter, wie der Marder einbricht,Und Wahrheit wie ein gakelnd Huhn erwürgt.Was Recht liebt, sollte zu den Keulen greifen,Um dieses Ungetüm der Nacht zu tilgen.
AdamDa wird Sie den Beweis uns führen müssen.
Frau MartheO ja, sehr gern. Hier ist mein Zeuge.—Rede!
AdamDie Tochter? Nein, Frau Marthe.
WalterNein? Warum nicht?
AdamAls Zeugin, gnädiger Herr? Steht im GesetzbuchNicht titulo, ists quarto?—oder quinto!Wenn Krüge oder sonst, was weiß ich?Von jungen Bengeln sind zerschlagen worden,So zeugen Töchter ihren Müttern nicht?
WalterIn Eurem Kopf liegt Wissenschaft und IrrtumGeknetet, innig, wie ein Teig, zusammen;Mit jedem Schnitte gebt Ihr mir von beidem.Die Jungfer zeugt noch nicht, sie deklariert jetzt;Ob, und für wen, sie zeugen will und kann,Wird erst aus der Erklärung sich ergeben.
AdamJa, deklarieren. Gut. Titulo sexto.Doch was sie sagt, das glaubt man nicht.
WalterTritt vor, mein junges Kind.
AdamHe! Lies'!—Erlaubt!Die Zunge wird sehr trocken mir—Margrete!
Achter Auftritt
Eine Magd tritt auf. Die Vorigen.
AdamEin Glas mit Wasser!—
Die MagdGleich!(Ab.)
AdamKann ich Euch gleichfalls—?
WalterIch danke.
AdamFranz? oder Mos'ler? Was Ihr wollt.
Walter verneigt sich; die Magd bringt Wasser und entfernt sich.
Neunter Auftritt
Walter. Adam. Frau Marthe usw. ohne die Magd.
Adam—Wenn ich freimütig reden darf, Ihr Gnaden,Die Sache eignet gut sich zum Vergleich.
WalterSich zum Vergleich? Das ist nicht klar, Herr Richter.Vernünft'ge Leute können sich vergleichen;Doch wie Ihr den Vergleich schon wollt bewirken,Da noch durchaus die Sache nicht entworren,Das hätt ich wohl von Euch zu hören Lust.Wie denkt Ihrs anzustellen, sagt mir an?Habt Ihr ein Urteil schon gefaßt?
AdamMein Seel!Wenn ich, da das Gesetz im Stich mich läßt,Philosophie zu Hilfe nehmen soll,So wars—der Leberecht—
WalterWer?
AdamOder Ruprecht—
WalterWer?
AdamOder Lebrecht, der den Krug zerschlug.
WalterWer also wars? Der Lebrecht oder Ruprecht?Ihr greift, ich seh, mit Eurem Urteil ein,Wie eine Hand in einen Sack voll Erbsen.
AdamErlaubt!
WalterSchweigt, schweigt, ich bitt Euch.
AdamWie Ihr wollt.Auf meine Ehr, mir wärs vollkommen recht,Wenn sie es alle beid gewesen wären.
WalterFragt dort, so werdet Ihrs erfahren.
AdamSehr gern.Doch wenn Ihrs herausbekommt, bin ich ein Schuft.—Habt Ihr das Protokoll da in Bereitschaft?
LichtVollkommen.
AdamGut.
LichtUnd brech ein eignes Blatt mir,Begierig, was darauf zu stehen kommt.
AdamEin eignes Blatt? Auch gut.
WalterSprich dort, mein Kind!
AdamSprich, Evchen, hörst du, sprich jetzt, Jungfer Evchen!Gib Gotte, hörst du, Herzchen, gib, mein Seel,Ihm und der Welt, gib ihm was von der Wahrheit.Denk, daß du hier vor Gottes Richtstuhl bist,Und daß du deinen Richter nicht mit Leugnen,Und Plappern, was zur Sache nicht gehört,Betrüben mußt. Ach, was! Du bist vernünftig.Ein Richter immer, weißt du, ist ein Richter,Und einer braucht ihn heut, und einer morgen.Sagst du, daß es der Lebrecht war: nun gut;Und sagst du, daß es Ruprecht war: auch gut!Sprich so, sprich so, ich bin kein ehrlicher Kerl,Es wird sich alles, wie du wünschest, finden.Willst du mir hier von einem andern trätschen,Und dritten etwa, dumme Namen nennen:Sieh, Kind, nimm dich in acht, ich sag nichts weiter.In Huisum, hols der Henker, glaubt dirs keiner,Und keiner, Evchen, in den Niederlanden;Du weißt, die weißen Wände zeugen nicht,Der auch wird zu verteidigen sich wissen:Und deinen Ruprecht holt die Schwerenot!
WalterWenn Ihr doch Eure Reden lassen wolltet.Geschwätz, gehauen nicht und nicht gestochen.
AdamVerstehens Ew. Gnaden nicht?
WalterMacht fort!Ihr habt zulängst hier auf dem Stuhl gesprochen.
AdamAuf Ehr! Ich habe nicht studiert, Ew. Gnaden.Bin ich Euch Herrn aus Utrecht nicht verständlich,Mit diesem Volk vielleicht verhält sichs anders:Die Jungfer weiß, ich wette, was ich will.
Frau MartheWas soll das? Dreist heraus jetzt mit der Sprache!
EveO liebste Mutter!
Frau MartheDu—! Ich rate dir!
RuprechtMein Seel, 's ist schwer, Frau Marthe, dreist zu sprechen,Wenn das Gewissen an der Kehl uns sitzt.
AdamSchweig Er jetzt, Nasweis, mucks Er nicht.
Frau MartheWer wars?
EveO Jesus.
Frau MartheMaulaffe, der! Der niederträchtige!O Jesus! Als ob sie eine Hure wäre.Wars der Herr Jesus?
AdamFrau Marthe! Unvernunft!Was das für—! Laß Sie die Jungfer doch gewähren!Das Kind einschrecken—Hure—Schafsgesicht!So wird uns nichts. Sie wird sich schon besinnen.
RuprechtO ja, besinnen.
AdamFlaps dort, schweig Er jetzt.
RuprechtDer Flickschuster wird ihr schon einfallen.
AdamDer Satan! Ruft den Büttel! He! Hanfriede!
RuprechtNun, nun! Ich schweig, Herr Richter, laßts nur sein.Sie wird Euch schon auf meinen Namen kommen.
Frau MartheHör du, mach mir hier kein Spektakel, sag ich.Hör, neunundvierzig bin ich alt gewordenIn Ehren: funfzig möcht ich gern erleben.Den dritten Februar ist mein Geburtstag;Heut ist der erste. Mach es kurz. Wer wars?
AdamGut, meinethalben! Gut, Frau Marthe Rull!
Frau MartheDer Vater sprach, als er verschied: "Hör, Marthe,Dem Mädel schaff mir einen wackern Mann;Und wird sie eine liederliche Metze,So gib dem Totengräber einen Groschen,Und laß mich wieder auf den Rücken legen:Mein Seel, ich glaub, ich kehr im Grab mich um.
AdamNun, das ist auch nicht übel.
Frau MartheWillst du VaterUnd Mutter jetzt, mein Evchen, nach dem viertenGebot hoch ehren, gut, so sprich: in meine KammerLieß ich den Schuster, oder einen dritten,Hörst du? Der Bräut'gam aber war es nicht.
RuprechtSie jammert mich. Laßt doch den Krug, ich bitt Euch;Ich will 'n nach Utrecht tragen. Solch ein Krug—Ich wollt, ich hätt ihn nur entzwei geschlagen.
EveUnedelmüt'ger, du! Pfui, schäme dich,Daß du nicht sagst: gut, ich zerschlug den Krug!Pfui, Ruprecht, pfui, o schäme dich, daß duMir nicht in meiner Tat vertrauen kannst.Gab ich die Hand dir nicht, und sagte: ja,Als du mich fragtest: "Eve, willst du mich?"Meinst du, daß du den Flickschuster nicht wert bist?Und hättest du durchs Schlüsselloch mich mitDem Lebrecht aus dem Kruge trinken sehen,Du hättest denken sollen: Ev ist brav,Es wird sich alles ihr zum Ruhme lösen,Und ists im Leben nicht, so ist es Jenseits,Und wenn wir auferstehn, ist auch ein Tag.
RuprechtMein Seel, das dauert mir zu lange, Evchen.Was ich mit Händen greife, glaub ich gern.
EveGesetzt, es wär der Leberecht gewesen,Warum—des Todes will ich ewig sterben,Hätt ichs dir Einzigen nicht gleich vertraut;Jedoch warum vor Nachbarn, Knecht' und Mägden—Gesetzt, ich hätte Gründ, es zu verbergen,Warum, o Ruprecht, sprich, warum nicht sollt ichAuf dein Vertraun hin sagen, daß du's warst?Warum nicht sollt ichs? Warum sollt ichs nicht?
RuprechtEi, so zum Henker, sags, es ist mir recht,Wenn du die Fiedel dir ersparen kannst.
EveO du Abscheulicher! Du Undankbarer!Wert, daß ich mir die Fiedel spare! Wert,Daß ich mit Einem Wort zu Ehren mich,Und dich in ewiges Verderben bringe.
WalterNun—? Und dies einz'ge Wort—? Halt uns nicht auf.Der Ruprecht also war es nicht?
EveNein, gnäd'ger Herr, weil ers denn selbst so will,Um seinetwillen nur verschwieg ich es:Den irdnen Krug zerschlug der Ruprecht nicht,Wenn ers Euch selber leugnet, könnt Ihrs glauben.
Frau MartheEve! Der Ruprecht nicht?
EveNein, Mutter, nein!Und wenn ichs gestern sagte, wars gelogen.
Frau MartheHör, dir zerschlag ich alle Knochen!
Sie setzt den Krug nieder.
EveTut, was Ihr wollt.
Walter drohend.Frau Marthe!
AdamHe! Der Büttel!—Schmeißt sie heraus dort, die verwünschte Vettel!Warum solls Ruprecht just gewesen sein?Hat Sie das Licht dabei gehalten, was?Die Jungfer, denk ich, wird es wissen müssen:Ich bin ein Schelm, wenns nicht der Lebrecht war.
Frau MartheWar es der Lebrecht etwa? Wars der Lebrecht?
Adam Sprich, Evchen, wars der Lebrecht nicht, mein Herzchen?
EveEr Unverschämter, Er! Er Niederträcht'ger!Wie kann Er sagen, daß es Lebrecht—
WalterJungfer!Was untersteht Sie sich? Ist das mir derRespekt, den Sie dem Richter schuldig ist?
EveEi, was! Der Richter dort! Wert, selbst vor demGericht, ein armer Sünder, dazustehn——Er, der wohl besser weiß, wer es gewesen!
Sich zum Dorfrichter wendend.
Hat Er den Lebrecht in die Stadt nicht gesternGeschickt nach Utrecht, vor die Kommission,Mit dem Attest, der die Rekruten aushebt?Wie kann Er sagen, daß es Lebrecht war,Wenn Er wohl weiß, daß der in Utrecht ist?
AdamNun, wer denn sonst? Wenns Lebrecht nicht, zum Henker—Nicht Ruprecht ist, nicht Lebrecht ist—Was machst du?
RuprechtMein Seel, Herr Richter Adam, laßt Euch sagen,Hierin mag doch die Jungfer just nicht lügen.Dem Lebrecht bin ich selbst begegnet gestern,Als er nach Utrecht ging, früh wars Glock acht,Und wenn er auf ein Fuhrwerk sich nicht lud,Hat sich der Kerl, krummbeinig wie er ist,Glock zehn Uhr nachts noch nicht zurückgehaspelt.Es kann ein dritter wohl gewesen sein.
AdamAch was! Krummbeinig! Schafsgesicht! Der KerlGeht seinen Stiefel, der, trotz einem.Ich will von ungespaltnem Leibe sein,Wenn nicht ein Schäferhund von mäß'ger GrößeMuß seinen Trab gehn, mit ihm fortzukommen.
WalterErzähl den Hergang uns.
AdamVerzeihn Ew. Gnaden!Hierauf wird Euch die Jungfer schwerlich dienen.
WalterNicht dienen? Mir nicht dienen? Und warum nicht?
AdamEin twatsches Kind. Ihr sehts. Gut, aber twatsch.Blutjung, gefirmelt kaum; das schämt sich noch,Wenns einen Bart von weitem sieht. So 'n Volk,Im Finstern leiden sie's, und wenn es Tag wird,So leugnen sie's vor ihrem Richter ab.
WalterIhr seid sehr nachsichtsvoll, Herr Richter Adam,Sehr mild, in allem, was die Jungfer angeht.
AdamDie Wahrheit Euch zu sagen, Herr Gerichtsrat,Ihr Vater war ein guter Freund von mir.Wollen Ew. Gnaden heute huldreich sein,So tun wir hier nicht mehr, als unsre Pflicht,Und lassen seine Tochter gehn.
WalterIch spüre große Lust in mir, Herr Richter,Der Sache völlig auf den Grund zu kommen.—Sei dreist, mein Kind; sag, wer den Krug zerschlagen.Vor niemand stehst du, in dem Augenblick,Der einen Fehltritt nicht verzeihen könnte.
EveMein lieber, würdiger und gnäd'ger Herr,Erlaßt mir, Euch den Hergang zu erzählen.Von dieser Weigrung denkt uneben nicht.Es ist des Himmels wunderbare Fügung,Die mir den Mund in dieser Sache schließt.Daß Ruprecht jenen Krug nicht traf, will ichMit einem Eid, wenn Ihrs verlangt,Auf heiligem Altar bekräftigen.Jedoch die gestrige Begebenheit,Mit jedem andern Zuge, ist mein eigen,Und nicht das ganze Garnstück kann die Mutter,Um eines einz'gen Fadens willen, fordern,Der, ihr gehörig, durchs Gewebe läuft.Ich kann hier, wer den Krug zerschlug, nicht melden,Geheimnisse, die nicht mein Eigentum,Müßt ich, dem Kruge völlig fremd, berühren.Früh oder spät will ichs ihr anvertrauen,Doch hier das Tribunal ist nicht der Ort,Wo sie das Recht hat, mich darnach zu fragen.
AdamNein, Rechtens nicht. Auf meine Ehre, nicht.Die Jungfer weiß, wo unsre Zäume hängen.Wenn sie den Eid hier vor Gericht will schwören,So fällt der Mutter Klage weg:Dagegen ist nichts weiter einzuwenden.
WalterWas sagt zu der Erklärung Sie, Frau Marthe?
Frau MartheWenn ich gleich was Erkleckliches nicht aufbringeGestrenger Herr, so glaubt, ich bitt Euch sehr,Daß mir der Schlag bloß jetzt die Zunge lähmte.Beispiele gibts, daß ein verlorner Mensch,Um vor der Welt zu Ehren sich zu bringen,Den Meineid vor dem Richtstuhl wagt; doch daßEin falscher Eid sich schwören kann, auf heil'gemAltar, um an den Pranger hinzukommen,Das heut erfährt die Welt zum erstenmal.Wär, daß ein andrer, als der Ruprecht, sichIn ihre Kammer gestern schlich, gegründet,Wärs überall nur möglich, gnäd'ger Herr,Versteht mich wohl,—so säumt ich hier nicht länger.Den Stuhl setzt ich, zur ersten Einrichtung,Ihr vor die Tür, und sagte: geh, mein Kind,Die Welt ist weit, da zahlst du keine Miete,Und lange Haare hast du auch geerbt,Woran du dich, kommt Zeit, kommt Rat, kannst hängen.
WalterRuhig, ruhig, Frau Marthe.
Frau MartheDa ich jedochHier den Beweis noch anders führen kann,Als bloß durch sie, die diesen Dienst mir weigert,Und überzeugt bin völlig, daß nur erMir, und kein anderer, den Krug zerschlug,So bringt die Lust, es kurzhin abzuschwören,Mich noch auf einen schändlichen Verdacht.Die Nacht von gestern birgt ein anderesVerbrechen noch, als bloß die Krugverwüstung.Ich muß Euch sagen, gnäd'ger Herr, daß RuprechtZur Konskription gehört, in wenig TagenSoll er den Eid zur Fahn in Utrecht schwören.Die jungen Landessöhne reißen aus.Gesetzt, er hätte gestern nacht gesagt:"Was meinst du, Evchen? Komm. Die Welt ist groß.Zu Kist und Kasten hast du ja die Schlüssel"Und sie, sie hätt ein wenig sich gesperrt:So hätte ohngefähr, da ich sie störte,—Bei ihm aus Rach, aus Liebe noch bei ihr—Der Rest, so wie geschehn, erfolgen können.
RuprechtDas Rabenaas! Was das für Reden sind!Zu Kist und Kasten—
WalterStill!
EveEr, austreten!
WalterZur Sache hier. Vom Krug ist hier die Rede.Beweis, Beweis, daß Ruprecht ihn zerbrach!
Frau MartheGut, gnäd'ger Herr. Erst will ich hier beweisen,Daß Ruprecht mir den Krug zerschlug,Und dann will ich im Hause untersuchen.—Seht, eine Zunge, die mir Zeugnis redet,Bring ich für jedes Wort auf, das er sagte,Und hätt in Reihen gleich sie aufgeführt,Wenn ich von fern geahndet nur, daß dieseDie ihrige für mich nicht brauchen würde.Doch wenn Ihr Frau Brigitte jetzo ruft,Die ihm die Muhm ist, so genügt mir die,Weil die den Hauptpunkt just bestreiten wird.Denn die, die hat Glock halb auf elf im Garten,Merkt wohl, bevor der Krug zertrümmert worden,Wortwechselnd mit der Ev ihn schon getroffen;Und wie die Fabel, die er aufgestellt,Vom Kopf zu Fuß dadurch gespalten wird,Durch diese einz'ge Zung, ihr hohen Richter:Das überlaß ich selbst euch einzusehn.
RuprechtWer hat mich
VeitSchwester Briggy?
RuprechtMich mit Ev? Im Garten?
Frau MartheIhn mit der Ev, im Garten, Glock halb elf,Bevor er noch, wie er geschwätzt, um elfDas Zimmer überrumpelnd eingesprengt:Im Wortgewechsel, kosend bald, bald zerrend,Als wollt er sie zu etwas überreden.
Adam für sich.Verflucht! Der Teufel ist mir gut.
WalterSchafft diese Frau herbei.
RuprechtIhr Herrn, ich bitt euch:Das ist kein wahres Wort, das ist nicht möglich.
AdamO wart, Halunke!—He! Der Büttel! Hanfried!—Denn auf der Flucht zerschlagen sich die Krüge——Herr Schreiber, geht, schafft Frau Brigitt herbei!
VeitHör, du verfluchter Schlingel, du, was machst du?Dir brech ich alle Knochen noch.
RuprechtWeshalb auch?
VeitWarum verschwiegst du, daß du mit der DirneGlock halb elf im Garten schon scharwenzt?Warum verschwiegst du's?
RuprechtWarum ichs verschwieg?Gotts Schlag und Donner, weils nicht wahr ist, Vater!Wenn das die Muhme Briggy zeugt, so hängt mich.Und bei den Beinen sie meinthalb dazu.
VeitWenn aber sie's bezeugt—nimm dich in acht!Du und die saubre Jungfer Eve dort,Wie ihr auch vor Gericht euch stellt, ihr stecktDoch unter einer Decke noch. 's ist irgendEin schändliches Geheimnis noch, von demSie weiß, und nur aus Schonung hier nichts sagt.
RuprechtGeheimnis? Welches?
VeitWarum hast du eingepackt?He? Warum hast du gestern abend eingepackt?
RuprechtDie Sachen?
VeitRöcke, Hosen, ja, und Wäsche;Ein Bündel, wie's ein Reisender just aufDie Schultern wirft?
RuprechtWeil ich nach Utrecht soll!Weil ich zum Regiment soll! Himmel-Donner—!Glaubt Er, daß ich—?
VeitNach Utrecht? Ja, nach Utrecht!Du hast geeilt, nach Utrecht hinzukommen!Vorgestern wußtest du noch nicht, ob duDen fünften oder sechsten Tag wirst reisen.
WalterWeiß Er zur Sache was zu melden, Vater?
Veit—Gestrenger Herr, ich will noch nichts behaupten.Ich war daheim, als sich der Krug zerschlug,Und auch von einer andern UnternehmungHab ich, die Wahrheit zu gestehn, noch nichts,Wenn ich jedweden Umstand wohl erwäge,Das meinen Sohn verdächtig macht, bemerkt.Von seiner Unschuld völlig überzeugt,Kam ich hierher, nach abgemachtem StreitSein ehelich Verlöbnis aufzulösen,Und ihm das Silberkettlein einzufordern,Zusamt dem Schaupfennig, den er der JungferBei dem Verlöbnis vor'gen Herbst verehrt.Wenn jetzt von Flucht was und VerrätereiAn meinem grauen Haar zu Tage kommt,So ist mir das so neu, Ihr Herrn, als Euch:Doch dann der Teufel soll den Hals ihm brechen.
WalterSchafft Frau Brigitt herbei, Herr Richter Adam.
Adam—Wird Ew. Gnaden diese Sache nichtErmüden? Sie zieht sich in die Länge.Ew. Gnaden haben meine Kassen noch,Und die Registratur—Was ist die Glocke?
LichtEs schlug soeben halb.
AdamAuf elf?
LichtVerzeiht, auf zwölfe.
WalterGleichviel.
AdamIch glaub, die Zeit ist, oder Ihr verrückt.
(Er sieht nach der Uhr.)
Ich bin kein ehrlicher Mann—Ja, was befehlt Ihr?
WalterIch bin der Meinung—
AdamAbzuschließen? Gut—!
WalterErlaubt! Ich bin der Meinung, fortzufahren.
AdamIhr seid der Meinung—Auch gut. Sonst würd ichAuf Ehre, morgen früh, Glock neun, die SacheZu Euerer Zufriedenheit beendigen.
WalterIhr wißt um meinen Willen.
AdamWie Ihr befehlt.Herr Schreiber, schickt die Büttel ab; sie sollenSogleich ins Amt die Frau Brigitte laden.
WalterUnd nehmt Euch—Zeit, die mir viel wert, zu sparen—Gefälligst selbst der Sach ein wenig an.
(Licht ab.)
Zehnter Auftritt
Die Vorigen ohne Licht. Späterhin einige Mägde.
Adam aufstehend.Inzwischen könnte man, wenns so gefällig,Vom Sitze sich ein wenig lüften—?
WalterHm! O ja.Was ich sagen wollt—
AdamErlaubt Ihr gleichfalls,Daß die Partein, bis Frau Brigitt erscheint—?
WalterWas? Die Partein?
AdamJa, vor die Tür, wenn Ihr—
Walter für sich.Verwünscht!
(Laut.)
Herr Richter Adam, wißt Ihr was?Gebt ein Glas Wein mir in der Zwischenzeit.
AdamVon ganzem Herzen gern. He! Margarete!Ihr macht mich glücklich, gnäd'ger Herr.—Margrete!
Die Magd tritt auf.
Die MagdHier.
AdamWas befehlt Ihr!—Tretet ab, ihr Leute.Franz?—Auf den Vorsaal draußen.—Oder Rhein?
WalterVon unserm Rhein.
AdamGut.—Bis ich rufe. Marsch!
WalterWohin?
AdamGeh, vom versiegelten, Margrete.—Was? Auf den Flur bloß draußen.—Hier. Der Schlüssel.
WalterHm! Bleibt.
AdamFort! Marsch, sag ich!—Geh, Margarete!Und Butter, frisch gestampft, Käs' auch aus Limburg,Und von der fetten pommerschen Räuchergans.
WalterHalt! Einen Augenblick! Macht nicht so vielUmständ, ich bitt Euch sehr, Herr Richter.
AdamSchertZum Teufel euch, sag ich! Tu, wie ich sagte.
WalterSchickt Ihr die Leute fort, Herr Richter?
AdamEw. Gnaden?
WalterOb Ihr—?
AdamSie treten ab, wenn Ihr erlaubt.Bloß ab, bis Frau Brigitt erscheint.Wie, oder solls nicht etwa—?
WalterHm! Wie Ihr wollt.Doch obs der Mühe sich verlohnen wird?Meint Ihr, daß es so lange Zeit wird währen,Bis man im Ort sie trifft?
Adam's ist heute Holztag,Gestrenger Herr. Die Weiber größtenteilsSind in den Fichten, Sträucher einzusammeln.Es könnte leicht—
RuprechtDie Muhme ist zu Hause.
WalterZu Haus. Laßt sein.
RuprechtDie wird sogleich erscheinen.
WalterDie wird uns gleich erscheinen. Schafft den Wein.
Adam für sich.Verflucht!
WalterMacht fort. Doch nichts zum Imbiß, bitt ich,Als ein Stück trocknen Brotes nur, und Salz.
Adam für sich.Zwei Augenblicke mit der Dirn allein—
(Laut.)
Ach, trocknes Brot! Was! Salz! Geht doch.
WalterGewiß.
AdamEi, ein Stück Käs' aus Limburg mindestens.—KäseMacht erst geschickt die Zunge, Wein, zu schmecken.
WalterGut. Ein Stück Käse denn, doch weiter nichts.
AdamSo geh. Und weiß, von Damast, aufgedeckt.Schlecht alles zwar, doch recht.
(Die Magd ab.)
Das ist der VorteilVon uns verrufnen hagestolzen Leuten,Daß wir, was andre, knapp und kummervoll,Mit Weib und Kindern täglich teilen müssen,Mit einem Freunde, zur gelegnen Stunde,Vollauf genießen.
WalterWas ich sagen wollte—Wie kamt Ihr doch zu Eurer Wund, Herr Richter?Das ist ein böses Loch, fürwahr, im Kopf, das!
Adam—Ich fiel.
WalterIhr fielt. Hm! So. Wann? Gestern abend?
AdamHeut, Glock halb sechs, verzeiht, am Morgen, früh,Da ich soeben aus dem Bette stieg.
WalterWorüber?
AdamÜber—gnäd'ger Herr Gerichtsrat,Die Wahrheit Euch zu sagen, über mich.Ich schlug Euch häuptlings an den Ofen nieder,Bis diese Stunde weiß ich nicht, warum?
WalterVon hinten?
AdamWie? Von hinten—
WalterOder vorn?Ihr habt zwo Wunden, vorne ein' und hinten.
AdamVon vorn und hinten.—Margarete!
(Die beiden Mägde mit Wein usw. Sie decken auf und gehen wieder ab.)
WalterWie?
AdamErst so, dann so. Erst auf die Ofenkante,Die vorn die Stirn mir einstieß, und sodannVom Ofen rückwärts auf den Boden wieder,Wo ich mir noch den Hinterkopf zerschlug.
(Er schenkt ein.)
Ists Euch gefällig?
Walter nimmt das Glas.Hättet Ihr ein Weib,So würd ich wunderliche Dinge glauben,Herr Richter.
AdamWieso?
WalterJa, bei meiner Treu,So rings seh ich zerkritzt Euch und zerkratzt.
Adam lacht.Nein, Gott sei Dank! Fraun-Nägel sind es nicht.
WalterGlaubs. Auch ein Vorteil noch der Hagestolzen.
Adam fortlachend.Strauchwerk, für Seidenwürmer, das man trocknendMir an dem Ofenwinkel aufgesetzt.—Auf Euer Wohlergehn!
(Sie trinken.)
WalterUnd grad auch heutNoch die Perücke seltsam einzubüßen!Die hätt Euch Eure Wunden noch bedeckt.
AdamJa, ja. Jedwedes Übel ist ein Zwilling.Hier—von dem fetten jetzt—kann ich—?
WalterEin Stückchen.Aus Limburg?
AdamRect' aus Limburg, gnäd'ger Herr.
Walter-Wie Teufel aber, sagt mir, ging das zu?
AdamWas?
WalterDaß Ihr die Perücke eingebüßt.
AdamJa, seht. Ich sitz und lese gestern abendEin Aktenstück, und weil ich mir die BrilleVerlegt, duck ich so tief mich in den Streit,Daß bei der Kerze Flamme lichterlohMir die Perücke angeht. Ich, ich denke,Feur fällt vom Himmel auf mein sündig Haupt,Und greife sie, und will sie von mir werfen;Doch eh ich noch das Nackenband gelöst,Brennt sie wie Sodom und Gomorrha schon.Kaum daß ich die drei Haare noch mir rette.
WalterVerwünscht! Und Eure andr ist in der Stadt?
AdamBei dem Perückenmacher.—Doch zur Sache.
WalterNicht allzu rasch, ich bitt, Herr Richter Adam.
AdamEi, was! Die Stunde rollt. Ein Gläschen. Hier.
(Er schenkt ein.)
WalterDer Lebrecht—wenn der Kauz dort wahr gesprochenEr auch hat einen bösen Fall getan.
AdamAuf meine Ehr.
(Er trinkt.)
WalterWenn hier die Sache,Wie ich fast fürchte, unentworren bleibt,So werdet Ihr, in Eurem Ort, den TäterLeicht noch aus seiner Wund entdecken können.
(Er trinkt.)
Niersteiner?
AdamWas?
WalterOder guter Oppenheimer?
AdamNierstein. Sieh da! Auf Ehre! Ihr verstehts.Aus Nierstein, gnäd'ger Herr, als hätt ich ihn geholt.
WalterIch prüft ihn, vor drei Jahren, an der Kelter.
(Adam schenkt wieder ein.)
—Wie hoch ist Euer Fenster?—Dort! Frau Marthe!
Frau MartheMein Fenster?
WalterDas Fenster jener Kammer, ja,Worin die Jungfer schläft?
Frau MartheDie Kammer zwarIst nur vom ersten Stock, ein Keller drunter,Mehr als neun Fuß das Fenster nicht vom Boden;Jedoch die ganze, wohlerwogeneGelegenheit sehr ungeschickt zum Springen.Denn auf zwei Fuß steht von der Wand ein Weinstock,Der seine knot'gen Äste rankend hinDurch ein Spalier treibt, längs der ganzen Wand:Das Fenster selbst ist noch davon umstrickt.Es würd ein Eber, ein gewaffneter,Müh mit den Fängern haben, durchzubrechen.
AdamEs hing auch keiner drin.
(Er schenkt sich ein.)
WalterMeint Ihr?
AdamAch, geht!
(Er trinkt.)
Walter zu Ruprecht.Wie traf Er denn den Sünder? Auf den Kopf,
AdamHier.
WalterLaßt.
AdamGebt her.
Walter 's ist halb noch voll.
AdamWills füllen.
WalterIhr hörts.
AdamEi, für die gute Zahl.
WalterIch bitt Euch.
AdamAch, was! Nach der Pythagoräeer-Regel.
(Er schenkt ihm ein.)
Walter wieder zu Ruprecht.Wie oft traf Er dem Sünder denn den Kopf?
AdamEins ist der Herr; Zwei ist das finstre Chaos;Drei ist die Welt. Drei Gläser lob ich mir.Im dritten trinkt man mit den Tropfen Sonnen,Und Firmamente mit den übrigen.
WalterWie oftmals auf den Kopf traf Er den Sünder?Er, Ruprecht, Ihn dort frag ich!
AdamWird mans hören?Wie oft trafst du den Sündenbock? Na, heraus!Gotts Blitz, seht, weiß der Kerl wohl selbst, ob er—Vergaßt du's?
RuprechtMit der Klinke?
AdamJa, was weiß ich.
WalterVom Fenster, als Er nach ihm herunter hieb?
RuprechtZweimal, Ihr Herrn.
AdamHalunke! Das behielt er!
(Er trinkt.)
WalterZweimal! Er konnt ihn mit zwei solchen HiebenErschlagen, weiß er—?
RuprechtHätt ich ihn erschlagen,So hätt ich ihn. Es wär mir grade recht.Läg er hier vor mir, tot, so könnt ich sagen,Der wars, Ihr Herrn, ich hab Euch nicht belogen.
AdamJa, tot! Das glaub ich. Aber so—
(Er schenkt ein.)
WalterKonnt Er ihn denn im Dunkeln nicht erkennen?
RuprechtNicht einen Stich, gestrenger Herr. Wie sollt ich?
AdamWarum sperrtst du nicht die Augen auf?—Stoßt an!
RuprechtDie Augen auf! Ich hatt sie aufgesperrt.Der Satan warf sie mir voll Sand.
Adam in den Bart.Voll Sand, ja!Warum sperrtst du deine großen Augen auf?—Hier. Was wir lieben, gnäd'ger Herr! Stoßt an!
Walter—Was recht und gut und treu ist, Richter Adam!
(Sie trinken.)
AdamNun denn, zum Schluß jetzt, wenns gefällig ist.
(Er schenkt ein.)
WalterIhr seid zuweilen bei Frau Marthe wohl,Herr Richter Adam. Sagt mir doch,Wer, außer Ruprecht, geht dort aus und ein?
AdamNicht allzu oft, gestrenger Herr, verzeiht.Wer aus und ein geht, kann ich Euch nicht sagen.
WalterWie? Solltet Ihr die Witwe nicht zuweilenVon Eurem sel'gen Freund besuchen?
AdamNein, in der Tat, sehr selten nur.
WalterFrau Marthe!Habt Ihrs mit Richter Adam hier verdorben?Er sagt, er spräche nicht mehr bei Euch ein?
Frau MartheHm! Gnäd'ger Herr, verdorben? Das just nicht.Ich denk, er nennt mein guter Freund sich noch.Doch daß ich oft in meinem Haus ihn sähe,Das vom Herrn Vetter kann ich just nicht rühmen.Neun Wochen sinds, daß ers zuletzt betrat,Und auch nur da noch im Vorübergehn.
WalterWie sagt Ihr?
Frau MartheWas?
WalterNeun Wochen wärens—?
Frau MartheNeun,Ja—Donnerstag sinds zehn. Er bat sich SamenBei mir, von Nelken und Aurikeln, aus.
WalterUnd—Sonntags—wenn er auf das Vorwerk geht—?
Frau MartheJa, da—da guckt er mir ins Fenster wohl,Und saget guten Tag zu mir und meiner Tochter;Doch dann so geht er wieder seiner Wege.
Walter für sich.Hm! Sollt ich auch dem Manne wohl—
(Er trinkt.)
Ich glaubte,Weil Ihr die Jungfer Muhme dort zuweilenIn Eurer Wirtschaft braucht, so würdet IhrZum Dank die Mutter dann und wann besuchen.
AdamWieso, gestrenger Herr?
WalterWieso? Ihr sagtet,Die Jungfer helfe Euren Hühnern auf,Die Euch im Hof erkranken. Hat sie nichtNoch heut in dieser Sach Euch Rat erteilt?
Frau MartheJa, allerdings, gestrenger Herr, das tut sie.Vorgestern schickt' er ihr ein krankes PerlhuhnIns Haus, das schon den Tod im Leibe hatte.Vorm Jahr rettete sie ihm eins vom Pips,Und dies auch wird sie mit der Nudel heilen:Jedoch zum Dank ist er noch nicht erschienen.
Walter verwirrt.—Schenkt ein, Herr Richter Adam, seid so gut.Schenkt gleich mir ein. Wir wollen eins noch trinken.
AdamZu Eurem Dienst. Ihr macht mich glücklich. Hier.
Er schenkt ein.
WalterAuf Euer Wohlergehn!—Der Richter Adam,Er wird früh oder spät schon kommen.
Frau MartheMeint Ihr? Ich zweifle.Könnt ich Niersteiner, solchen, wie Ihr trinkt,Und wie mein sel'ger Mann, der Kastellan,Wohl auch, von Zeit zu Zeit, im Keller hatte,Vorsetzen dem Herrn Vetter, wärs was anders:Doch so besitz ich nichts, ich arme Witwe,In meinem Hause, das ihn lockt.
WalterUm so viel besser.
Elfter Auftritt
Licht, Frau Brigitte mit einer Perücke in derHand, die Mägde treten auf. Die Vorigen.
LichtHier, Frau Brigitt, herein.
WalterIst das die Frau, Herr Schreiber Licht?
LichtDas ist die Frau Brigitte, Ew. Gnaden.
WalterNun denn, so laßt die Sach uns jetzt beschließen.Nehmt ab, ihr Mägde. Hier.
Die Mägde mit Gläsern usw. ab.
Adam währenddessen.Nun, Evchen, höre,Dreh du mir deine Pille ordentlich,Wie sichs gehört, so sprech ich heute abendAuf ein Gericht Karauschen bei euch ein.Dem Luder muß sie ganz jetzt durch die Gurgel,Ist sie zu groß, so mags den Tod dran fressen.
Walter erblickt die Perücke.Was bringt uns Frau Brigitte dort für einePerücke?
LichtGnäd'ger Herr?
WalterWas jene Frau uns dort für einePerücke bringt?
LichtHm!
WalterWas?
LichtVerzeiht—
WalterWerd ichs erfahren?
LichtWenn Ew. Gnaden gütigstDie Frau, durch den Herrn Richter, fragen wollen,So wird, wem die Perücke angehört,Sich, und das Weitre, zweifl ich nicht, ergeben.
Walter—Ich will nicht wissen, wem sie angehört.Wie kam die Frau dazu? Wo fand sie sie?
LichtDie Frau fand die Perücke im SpalierBei Frau Margrete Rull. Sie hing gespießt,Gleich einem Nest, im Kreuzgeflecht des Weinstocks,Dicht unterm Fenster, wo die Jungfer schläft.
Frau MartheWas? Bei mir? Im Spalier?
Walter heimlich.Herr Richter Adam,Habt Ihr mir etwas zu vertraun,So bitt ich, um die Ehre des Gerichtes,Ihr seid so gut, und sagt mirs an.
AdamIch Euch—?
WalterNicht? Habt Ihr nicht—?
AdamAuf meine Ehre—
Er ergreift die Perücke.
WalterHier die Perücke ist die Eure nicht?
AdamHier die Perück, ihr Herren, ist die meine!Das ist, Blitz-Element, die nämliche,Die ich dem Burschen vor acht Tagen gab,Nach Utrecht sie zum Meister Mehl zu bringen.
WalterWem? Was?
LichtDem Ruprecht?
RuprechtMir?
AdamHab ich Ihm, Schlingel,Als Er nach Utrecht vor acht Tagen ging,Nicht die Perück hier anvertraut, sie zumFriseur, daß er sie renoviere, hinzutragen?
RuprechtOb Er—? Nun ja. Er gab mir—
AdamWarum hat erNicht die Perück, Halunke, abgegeben?Warum nicht hat Er sie, wie ich befohlen,Beim Meister in der Werkstatt abgegeben?
RuprechtWarum ich sie—? Gotts Himmel-Donner-Schlag!Ich hab sie in der Werkstatt abgegeben.Der Meister Mehl nahm sie—
AdamSie abgegeben?Und jetzt hängt sie im Weinspalier bei Marthens?O wart, Canaille! So entkommst du nicht.Dahinter steckt mir von Verkappung was,Und Meuterei, was weiß ich?—Wollt Ihr erlauben,Daß ich sogleich die Frau nur inquiriere?
WalterIhr hättet die Perücke—?
AdamGnäd'ger Herr,Als jener Bursche dort, vergangnen Dienstag,Nach Utrecht fuhr mit seines Vaters Ochsen,Kam er ins Amt, und sprach: "Herr Richter Adam,Habt Ihr im Städtlein etwas zu bestellen?"Mein Sohn, sag ich, wenn du so gut willst sein,So laß mir die Perück hier auftoupieren—Nicht aber sagt ich ihm: geh und bewahreSie bei dir auf, verkappe dich darin,Und laß sie im Spalier bei Marthens hängen.
Frau BrigitteIhr Herrn, der Ruprecht, mein' ich, halt zu Gnaden,Der wars wohl nicht. Denn da ich gestern nachtHinaus aufs Vorwerk geh, zu meiner Muhme,Die schwer im Kindbett liegt, hört ich die JungferGedämpft, im Garten hinten, jemand schelten:Wut scheint und Furcht die Stimme ihr zu rauben."Pfui, schäm Er sich, Er Niederträchtiger,Was macht Er? Fort! Ich werd die Mutter rufen";Als ob die Spanier im Lande wären.Drauf: Eve! durch den Zaun hin: Eve! ruf ich.Was hast du? Was auch gibts?—Und still wird es:Nun? Wirst du antworten?—"Was wollt Ihr, Muhme?"Was hast du vor? frag ich.—"Was werd ich haben?"Ist es der Ruprecht?—"Ei so ja, der Ruprecht.Geht Euren Weg doch nur."—So koch dir Tee.Das liebt sich, denk ich, wie sich andre zanken.
Frau MartheMithin—?
RuprechtMithin—?
WalterSchweigt! Laßt die Frau vollenden.
Frau BrigitteDa ich vom Vorwerk nun zurückekehre,Zur Zeit der Mitternacht etwa, und just,Im Lindengang, bei Marthens Garten bin,Huscht Euch ein Kerl bei mir vorbei, kahlköpfig,Mit einem Pferdefuß, und hinter ihmErstinkts wie Dampf von Pech und Haar und Schwefel.Ich sprech ein Gottseibeiuns aus, und dreheEntsetzensvoll mich um, und seh, mein Seel,Die Glatz, Ihr Herren, im Verschwinden noch,Wie faules Holz, den Lindengang durchleuchten.
RuprechtWas! Himmel—Tausend
Frau MartheIst Sie toll, Frau Briggy?
RuprechtDer Teufel, meint Sie, wärs—?
LichtStill! Still!
Frau BrigitteMein Seel!Ich weiß, was ich gesehen und gerochen.
Walter ungeduldig.Frau, obs der Teufel war, will ich nicht untersuchen,Ihn aber, ihn denunziert man nicht.Kann Sie von einem andern melden, gut:Doch mit dem Sünder da verschont Sie uns.
LichtWollen Ew. Gnaden sie vollenden lassen.
WalterBlödsinnig Volk, das!
Frau BrigitteGut, wie Ihr befehlt.Doch der Herr Schreiber Licht sind mir ein Zeuge.
WalterWie? Ihr ein Zeuge?
LichtGewissermaßen, ja.
WalterFürwahr, ich weiß nicht—
LichtBitte ganz submiß,Die Frau in dem Berichte nicht zu stören.Daß es der Teufel war, behaupt ich nicht;Jedoch mit Pferdefuß, und kahler GlatzeUnd hinten Dampf, wenn ich nicht sehr mich irre,Hat seine völl'ge Richtigkeit!—Fahrt fort!
Frau BrigitteDa ich nun mit Erstaunen heut vernehme,Was bei Frau Marthe Rull geschehn, und ich,Den Krugzertrümmerer auszuspionieren,Der mir zu Nacht begegnet' am Spalier,Den Platz, wo er gesprungen, untersuche,Find ich im Schnee, Ihr Herrn, Euch eine Spur—Was find ich euch für eine Spur im Schnee?Rechts fein und scharf und nett gekantet immer,Ein ordentlicher Menschenfuß,Und links unförmig grobhin eingetölpeltEin ungeheurer klotz'ger Pferdefuß.
Walter ärgerlich.Geschwätz, wahnsinniges, verdammenswürd'ges
VeitEs ist nicht möglich, Frau!
Frau BrigitteBei meiner Treu!Erst am Spalier, da, wo der Sprung geschehen,Seht, einen weiten, schneezerwühlten Kreis,Als ob sich eine Sau darin gewälzt;Und Menschenfuß und Pferdefuß von hier,Und Menschenfuß und Pferdefuß, und Menschenfuß und Pferdefuß,Quer durch den Garten, bis in alle Welt.
AdamVerflucht!—Hat sich der Schelm vielleicht erlaubt,Verkappt des Teufels Art—?
RuprechtWas! Ich!
LichtSchweigt! Schweigt!
Frau BrigitteWer einen Dachs sucht und die Fährt entdeckt,Der Weidmann, triumphiert nicht so, als ich.Herr Schreiber Licht, sag ich, denn eben seh ich,Von Euch geschickt, den Würd'gen zu mir treten,Herr Schreiber Licht, spart Eure Session,Den Krugzertrümmrer judiziert Ihr nicht,Der sitzt nicht schlechter Euch, als in der Hölle:Hier ist die Spur, die er gegangen ist.
WalterSo habt Ihr selbst Euch überzeugt?
LichtEw. Gnaden,Mit dieser Spur hats völl'ge Richtigkeit.
WalterEin Pferdefuß?
LichtFuß eines Menschen, bitte,Doch praeter propter wie ein Pferdehuf.
AdamMein Seel, Ihr Herrn, die Sache scheint mir ernsthaft.Man hat viel beißend abgefaßte Schriften,Die, daß ein Gott sei, nicht gestehen wollen;Jedoch den Teufel hat, soviel ich weiß,Kein Atheist noch bündig wegbewiesen.Der Fall, der vorliegt, scheint besondererErörterung wert. Ich trage darauf an,Bevor wir ein Konklusum fassen,Im Haag bei der Synode anzufragen,Ob das Gericht befugt sei, anzunehmen,Daß Belzebub den Krug zerbrochen hat.
WalterEin Antrag, wie ich ihn von Euch erwartet.Was wohl meint Ihr, Herr Schreiber?
LichtEw. Gnaden werdenNicht die Synode brauchen, um zu urteiln.Vollendet—mit Erlaubnis!—den Bericht,Ihr, Frau Brigitte, dort; so wird der FallAus der Verbindung, hoff ich, klar konstieren.
Frau BrigitteHierauf: Herr Schreiber Licht, sag ich, laßt unsDie Spur ein wenig doch verfolgen, sehn,Wohin der Teufel wohl entwischt mag sein."Gut", sagt er, "Frau Brigitt, ein guter Einfall;Vielleicht gehn wir uns nicht weit um,Wenn wir zum Herrn Dorfrichter Adam gehn."
WalterNun? Und jetzt fand sich—?
Frau BrigitteZuerst jetzt finden wirJenseits des Gartens, in dem Lindengange,Den Platz, wo, Schwefeldämpfe von sich lassend,Der Teufel bei mir angeprellt: ein Kreis,Wie scheu ein Hund etwa zur Seite weicht,Wenn sich die Katze prustend vor ihm setzt.
WalterDrauf weiter?