Das zehent Kapitel

Mein Hofmeister ward mir je länger, je holder und ich hingegen wieder ihm, doch hielten wir unsere Verträulichkeit sehr geheim. Ich agierte zwar den Narren, brachte aber keine grobe Zotten und Büffelpossen vor, so daß meine Gaben zwar vielfältig genug, aber jedoch mehr sinnreich als närrisch fielen.

So gab mir auch meines Herren Schreiber, ein arger Gast und durchtriebener Schalk, viel Materi an die Hand, dadurch ich auf dem Wege, den die Narren zu wandeln pflegen, unterhalten ward, indem mich der Speivogel zu Torheiten überredete, die ich dann nicht allein vor mich selbsten glaubte, sondern auch anderen mitteilte.

Als ich ihn einsmals fragte, was unseres Regiments Kaplan vor einer sei, sagte er:

»Er ist der HerrDicis-et-non-facis, das ist auf deutsch soviel als ein Kerl, der andern Leuten Weiber gibet und selbst keine nimmt. Er ist den Dieben spinnefeind, weil sie nicht sagen, was sie tun, er aber hingegen saget, was er nicht tut. Hingegen sein die Diebe ihm auch nicht gar so hold, weil sie gemeiniglich gehenkt werden, wann sie mit ihm in Umgang kommen.«

Da ich nachgehends den guten ehrlichen Pater so nannte, ward er ausgelacht, ich aber selber gebaumölt.

Ferner überredete er mich, es kämen von den Soldaten keine tapferen Helden in den Himmel, sondern bloß einfältige Tropfen, Bernheuter und dergleichen, die sich an ihrem Sold genügen ließen; auch keine politischen Alamode-Kavaliers und galante Dames, sondern nur geduldige Job, Siemänner, langweilige Mönche,melancholische Pfaffen, Betschwestern und allerhand Auswürflinge, die der Welt weder zu sieden noch zu braten taugen. Er überredete mich auch, daß man zu Zeiten mit göldenen Kugeln schieße und je kostbarer solche wären, je größeren Schaden pflegten sie zu tun. Ja, man führet wohl eh ganze Kriegsheere mitsamt der Artollerei, Munition und Bagage in göldenen Ketten gefangen daher. Weiters beschwatzete er mich von den Weibern, daß mehr als der halbe Teil Hosen trügen, obschon man sie nicht sähe, und daß vielen ihrer Männer Hörner auf den Köpfen gaukelten, als solche ehmals Aktäon getragen, obschon die Weiber keine Dianen wären. Welches ich ihm alles glaubte, so ein dummer Narr war ich.

Hingegen brachte mich mein Hofmeister in Kundschaft seines Sohns, der, wie hiebevor gemeldet, bei der kur-sächsischen Armee ein Musterschreiber war. Den mochte mein Obrister gern leiden und war bedacht, ihn von seinem Kapitän loszuhandeln und zu seinem Regimentssekretär zu machen. Mit ihm, welcher wie sein Vater Ulrich Herzbruder hieß, machte ich Freundschaft, so daß wir ewige Brüderschaft zusammen schwuren, kraft deren wir einander in Glück und Unglück, in Liebe und Leid nimmermehr verlassen wollten. Nichts lag uns härter an, als wie wir meines Narrenkleides mit Ehren loswerden und einander rechtschaffen dienen könnten. Allein der alte Herzbruder verwarnte uns: Wann ich in kurzer Zeit meinen Stand ändere, daß mir solches ein schweres Gefängnis und Leib- und Lebensgefahr gebären würde. Und gleicherweise prognostizierte er sich selbst und seinem Sohn einen großen bevorstehenden Spott.

Kurz nachher merkte ich, daß meines Obristen Schreibermeinen neuen Bruder schröcklich neidete, weil er vor ihm zu der Sekretariatsstelle erhoben werden wollte. Ich sahe, wie er zu Zeiten griesgramete, wie ihn die Mißgunst bedrängte und er in schweren Gedanken allezeit seufzete, wann der den alten oder den jungen Herzbruder ansahe. Ich kommunizierte meinem Bruder beides aus getreuer Affektion und tragender Schuldigkeit, damit er sich vor dem Judas vorsehe. —

Weil es nun Gebrauch im Krieg ist, daß man alte versuchte Soldaten zu Profosen machet, so hatten wir bei uns einen abgefeumten Erzvogel und Kernbösewicht, der mehr als vonnöten erfahren war. Ein rechter Schwarzkünstler, Siebdreher und Teufelsbanner, war er und von sich selbsten nicht allein so fest als Stahl, sondern ein solcher Geselle, der andere fest machen und noch darzu ganze Esquadronen Reuter ins Feld stellen konnte. So gab es Leute, die gern mit diesem Wendenschimpf umgingen, sonderlich Olivier unser Schreiber, um so mehr, als sich dessen Neid gegen den jungen Herzbruder vermehrete.

Eben damals ward meine Obristin mit einem jungen Sohn erfreuet und die Taufsuppe fast fürstlich dargereicht. Der junge Herzbruder war aufzuwarten ersuchet worden und weil er sich aus Höflichkeit einstellte, schiene solches dem Olivier die erwünschte Gelegenheit. Dann, als nun alles vorüber war, manglete meines Obristen großer vergöldter Becher, welcher noch vorhanden gewesen, da alle fremden Gäste schon hinweg waren. Hierauf ward der Profos geholt, in der Sache Rat zu schaffen und das Werk so einzurichten, daß nur dem Obristen kund wurde, wer der Dieb war, weil noch Offizierer von seinem Regiment vorhanden, die er nicht gern zu Schanden machen wollte, wann sich vielleicht einer davon versehen hätte.

Weil sich nun jeder unschuldig wußte, so kamen wir alle lustig in des Obristen Zelt. Als der Zauberer aber etliche Worte gemurmelt hatte, sprangen dem einen von uns hier, dem andern dort ein, zwei, drei, auch mehr Hündlein aus den Hosensäcken, Ärmeln, Stiefeln, Hosenschlitzen, diese wusselten behend im Zelt hin und wieder herum, daß es ein recht lustig Spektakul war. Mir aber wurden meine kroatischen Kälberhosen, so voller junge Hunde gegaukelt, daß ich solche ausziehen, und weil mein Hemd vorlängst im Walde am Leib verfaulet war, nackend dastehen mußte. Zuletzt sprang den jungen Herzbruder ein Hündlein mit göldenem Halsband aus dem Hosenschlitz und das verschlang alle andern Hündlein, ward aber selbsten je länger, je kleiner, das Halsband nur desto größer, bis es sich endlich gar in des Obristen Tischbecher verwandelte.

Da sagte der Obrist zu meinem Herzbruder:

»Siehe, du undankbarer Gast, ich habe dich zu meinemSecretariodes morgenden Tages machen wollen. Nun aber hast du mit diesen Diebsstücken verdient, daß ich dich noch heut aufhängen ließe. Das auch unfehlbar geschehen sollte, wann ich deinen ehrlichen, alten Vater nicht verschonete. Geschwind, pack dich aus meinem Läger!«

Mein junger Herzbruder ward nicht gehört. Indem er fortging, ward dem guten alten Herzbruder ganz ohnmächtig, daß man genug an ihm zu laben und der Obrist selbst an ihm zu trösten hatte.

Sobald des jungen Herzbruders Kapitän diese Geschichte erfuhr, nahm er ihm die Musterschreiberstelle und lud ihm eine Picke auf, von welcher Zeit an er bei männiglich so verachtet ward, daß er sich oft den Tod wünschete. Sein Vater aber bekümmerte sichdergestalt, daß er in eine schwere Krankheit fiel und sich auf das Sterben gefaßt machte. Demnach er sich ohndas prognostizieret, daß er den 26.JuliiLeib- und Lebensgefahr ausstehen müsse, verlangte er von dem Obristen, daß sein Sohn noch einmal zu ihm kommen dörfte. Ich ward der dritte Mitgesell ihres Leides. Da sahe ich, daß der Sohn keiner Entschuldigung bedörftig gegen seinen Vater, der als weiser, tiefsinniger Mann unschwer ermaß, daß Olivier seinem Sohn hatte das Bad durch den Profosen zurichten lassen. Aber was vermochte er gegen den Zauberer! Überdies versahe er sich des Todes und wußte doch nicht geruhiglich zu sterben, weil er seinen Sohn in solcher Schande hinter sich lassen sollte. Es war, versichert, dieser beiden Jammer so erbärmlich anzuschauen, daß ich vom Herzen weinen mußte. Zuletzt beschlossen sie, Gott ihre Sache in Geduld heimzustellen und auf Mittel zu gedenken, wie sich der junge Herzbruder von seiner Kompagnia loswürken und anderwärts sein Glück suchen könnte. Da mangelte es aber am Gelde und ich gedachte meiner gespickten Eselsohren, fragte derowegen, wieviel sie zu ihrer Notdurft haben mußten. Der junge Herzbruder meinte, mit hundert Talern aus seinen Nöten zu kommen. Ich rief: »Hab' ein gut Herz, Bruder, ich will dir hundert Dukaten geben!« — »Bist du ein rechter Narr und scherzest in unserer äußersten Trübseligkeit?«

Ich streifete mein Wams ab und melkete aus dem einen Eselsohr hundert Dukaten, das Übrige behielt ich und sagte: »Hiemit will ich deinem kranken Vater aufwarten.«

Da fielen sie mir um den Hals, küßten mich und wußten vor Freuden nicht, was sie taten, wollten mir auch eine Handschrift zustellen, daß sie mich um dieseSummamsamt dem Interesse hinwiederum mit großem Dank befriedigen wollten, so ich aber nicht annahm, sondern mich in ihre beständige Freundschaft befahl.

Hierauf wollte der junge Herzbruder verschwören, sich an dem Olivier zu rächen oder darum zu sterben. Aber sein Vater verbot ihm solches und versicherte ihn, daß derjenige, der den Olivier totschlüge, wiederum vomSimplicioden Rest kriegen werde. »Doch,« sagte er, »ich bin dessen wohl vergewissert, daß ihr beide einander nicht umbringen werdet, weil keiner von euch durch Waffen umkommen soll.«

Der junge Herzbruder entledigte sich mit dreißig Talern, daß ihm sein Kapitän einen ehrlichen Abschied gab, verfügte sich mit dem übrigen Geld und guter Gelegenheit nach Hamburg, montierte sich allda mit zwei Pferden und ließ sich unter der schwedischen Armee vor einen Freireuter gebrauchen.

Keiner schickte sich besser, dem alten Herzbruder abzuwarten, als ich, so ward mir auch solches Amt von dem Obristen aufgetragen. Es besserte sich von Tag zu Tag mit ihm, also daß er noch vor dem 26.Juliifast wieder überall zu völliger Gesundheit gelangte. Doch wollte er sich noch inhalten und krank stellen, bis vermeldter Tag, vor welchem er sich merklich entsatzte, vorbei wäre.

Indessen besuchten ihn allerhand Offizierer von beiden Armeen, die ihr künftig Glück von ihm wissen wollten, dann weil er ein guterMathematicusund Nativitätensteller, benebens auch ein vortrefflicherPhysiognomistundChiromanticuswar, ging seine Aussag selten fehl. Er nannte sogar den Tag, an welchem die Schlacht vor Wittstock nachgehends geschahe, sintemal ihm viel zukamen, denen um dieselbige Zeit, einen gewalttätigen Tod zu erleiden, angedroht war.

Dem falschen Olivier, der sich gar däppisch bei ihm zu machen wußte, sagte er ausdrücklich, daß er eines gewalttätigen Todes sterben müsse, und daß ich seinen Tod rächen werde, weswegen mich Olivier folgender Zeit hochhielt. Auch mein zukünftiges Leben erzählete er mir, welches ich aber wenig achtete.

Als nun der 26.Juliieingetreten war, vermahnete er mich und einen Fourierschützen, den mir der Obrist auf sein Begehren denselben Tag zugegeben hatte, ganz treulich, wir sollten niemand zu ihm ins Zelt lassen. Er lag allein darin und betete. Da es aber Nachmittag ward, kam ein Leutenant aus dem Reuterläger dahergeritten, welcher nach des Obristen Stallmeister fragte.Er ward zu uns und gleich darauf wieder von uns abgewiesen. Er wollte sich aber nicht abweisen lassen, sondern bat den Fourierschützen mit untergemischten Verheißungen, ihn vor den Stallmeister zu lassen, als mit welchem er noch diesen Abend notwendig reden müßte. Weil aber solches auch nicht helfen wollte, fing er an zu fluchen, mit Donner und Hagel dreinzukollern und zu sagen, er sei schon so vielmal dem Stallmeister zu Gefallen geritten und hätte ihn noch niemals daheim angetroffen, so er nun jetzt einmal vorhanden sei, so sollte er abermal die Ehre nicht haben, nur ein einzig Wort mit ihm zu reden? Stieg darauf ab, ließ sich nicht verwehren, das Zelt selbst aufzuknüpfen, worüber ich ihm in die Hand biß und eine dichte Maulschelle davor bekam.

Sobald er meinen Alten sahe, sagte er:

»Der Herr sei gebeten, mir zu verzeihen, daß ich die Frechheit gebrauche, ein Wort mit ihm zu reden.«

»Wohl,« antwortete der Stallmeister, »was beliebt dann dem Herrn?«

»Nichts anders,« sagte der Leutenant, »als daß ich den Herrn bitten wollte, ob er sich ließe belieben, mir meine Nativität zu stellen.«

Der Stallmeister entgegnete: »Ich will verhoffen, mein hochgeehrter Herr werde mir vergeben, daß ich demselben vor diesmal meiner Krankheit halber nicht willfahren kann. Weil diese Arbeit viel Rechnens brauchet, wirds mein blöder Kopf jetzo nicht verrichten können. Wann er sich aber bis morgen zu gedulden beliebet, will ich ihm verhoffentlich genugsameSatisfactiontun.«

»Herr,« sagte hierauf der Leutenant, »Er sage mir nur etwas dieweil aus der Hand.«

»Mein Herr,« antwortete der alte Herzbruder, »dieselbeKunst ist gar mißlich und betrüglich, derowegen bitte ich, der Herr wolle mich damit soweit verschonen, ich will morgen hergegen alles gern tun, was der Herr von mir begehret.«

Der Leutenant wollte sich doch nicht abweisen lassen, sondern trat meinem Vater vors Bette, streckte ihm die Hand dar und sagte:

»Herr, ich bitte nur um ein paar Worte, meines Lebens Ende betreffend mit Versicherung, wann solches etwas Böses sein sollte, daß ich des Herren Rede als eine Warnung von Gott annehmen will, um mich desto besser vorzusehen. Darum bitte ich um Gottes willen, der Herr wolle mir die Wahrheit nicht verschweigen!«

Der redliche Alte antwortete ihm hierauf kurz und sagte: »Nun wohlan, so sehe sich der Herr dann wohl vor, damit er nicht in dieser Stunde noch aufgehängt werde.«

»Was, du alter Schelm,« schrie der Leutenant, »solltest du einen Kavalier solche Worte vorhalten dörfen!« Zog damit vom Leder und stach meinen lieben alten Herzbruder im Bette zu Tode.

Ich und der Fourierschütz riefen alsbald Lärmen und Mordio, also daß alles dem Gewehr zulief. Der Leutenant aber machte sich unverweilet auf seinen Schnellfuß und wäre auch ohn Zweifel entritten, wann nicht eben persönlich der Kurfürst von Sachsen mit vielen Pferden vorbei gekommen wäre und ihn hätte einholen lassen. Als derselbe den Handel vernahm, wandte er sich zu dem von Hatzfeld, als unserm General, und sagte nichts andres als dieses:

»Das wäre eine schlechteDisciplinin einem kaiserlichen Läger, wann auch ein Kranker im Bette vor den Mördern seines Lebens nicht sicher sein sollte!«

Das war ein scharfer Sentenz und genugsam, den Leutenant um das Leben zu bringen, gestalt ihn unser General alsbald an seinem allerbesten Hals aufhängen ließ.

Aus dieser wahrhaftigen Histori ist zu sehen, daß nicht sogleich alle Wahrsagungen zu verwerfen sein, wie etliche Gecken tun, die gar nichts glauben können. Allein ich habe oft gewünscht und wünsche es noch, daß mein lieber alter Herzbruder zu mir geschwiegen hätte. Dann der Mensch kann sein vorausgesetztes Ziel schwerlich überschreiten, also auch ich die unglücklichen Fälle, so er mir angezeiget, habe niemals umgehen können. Was half mir, daß der alte Herzbruder hoch und teuer schwur, ich wäre von edlen Eltern geboren und erzogen worden, da ich doch von niemand anders wußte, als von meinen Knän und meiner Meuder!Itemwas halfs dem Wallenstein, Herzog von Friedland, daß ihm profezeit ward, er werde gleichsam mit Saitenspiel zum König gekrönt werden. Weiß man nicht, wie er zu Eger ist eingewieget worden?

Meine beiden Herzbrüder hatte ich verloren, das ganze Läger vor Magdeburg war mir verleidet, ich ward meines Standes so müd und satt, als wann ich's mit lauter eisernen Kochkesseln gefressen hätte.

Olivier, derSecretarius, welcher nach des alten Herzbruders Tod mein Hofmeister geworden war, erlaubte mir oft mit den Knechten auf Fourage zu reuten. Als wir nun einsmals in ein großes Dorf kamen, darin etliche den Reutern zuständige Bagage logierte, und jeder hin und wider in die Häuser ging, zu suchen, was etwan mitzunehmen wäre, stahl ich mich auch hinweg und suchte, ob ich nicht ein altes Baurenkleid finden möchte. Aber ich mußte mit einem Weiberkleid vorlieb nehmen, zog es an und warf den Narrenhabit in einSecret. In diesem Aufzuge ging ich über die Gasse etlichen Offiziersweibern entgegen und machte enge Schrittlein. Ich war aber kaum außer Dach, da mich etliche Fouragierer sahen und besser springen lehrten. Sie schrieen: Halt! Halt! — ich lief zu den obgemeldten Offiziererinnen, vor denselben fiel ich auf die Knie und bat, meine Jungfernschaft vor diesen geilen Buben zu schützen. Da ward ich von einer Rittmeisterin vor eine Magd angenommen, bei welcher ich mich auch beholfen, bis Magdeburg von den unseren eingenommen ward.

Die Rittmeisterin war kein Kind mehr, wiewohl sie noch jung war, und vernarrete sich dermaßen in meinen glatten Spiegel und geraden Leib, daß sie mir endlich nach lang gehabter Mühe und vergeblicher, umschweifender Weitläufigkeit nur allzu deutsch zu verstehen gab, wo sie der Schuh am meisten drucke. Ich aber, damalsnoch viel zu gewissenhaft, tät, als wann ichs nicht merkte und ließ keine anderen Anreizungen erscheinen, als solche daraus man eine fromme Jungfer urteilen mochte. Der Rittmeister und sein Knecht lagen an derselben Kränke wie die Rittmeisterin, dahero befahl er seinem Weibe, sie sollte mich besser kleiden, damit sie sich meines garstigen Baurenkittels nicht schämen dörfte. Sie tät mehr, als ihr befohlen war, und putzte mich heraus wie eine franzsche Poppe, welches das Feuer bei allen dreien noch mehr schürete. Ja, es ward endlich bei ihnen so groß, daß Herr und Knecht eifrigst von mir begehreten, was ich ihnen nit leisten konnte und der Frau selbst mit einer schönen Manier verweigerte. Und weil die Rittmeisterin mich noch endlich zu überwinden verhoffte, verlegte sie dem Manne alle Pässe und liefe ihm alle Ränke ab, also daß er vermeinete, er müsse toll und töricht darüber werden. Einsmals stund der Knecht vor dem Wagen, darin ich alle Nacht schlafen mußte, klagte mir seine Liebe mit heißen Tränen und bat andächtig um Gnade und Barmherzigkeit. Ich aber erzeigte mich härter als Stein und gab ihm zu verstehen, daß ich meine Keuschheit bis in Ehstand bewahren wollte. Da er mir die Ehe wohl tausendmal anbot, und ich ihm stets versicherte, daß es unmöglich sei, verzweifelte er endlich gar, dann er zog den Degen aus, satzte die Spitze an die Brust, den Knopf an den Wagen und tät nicht anders, als wann er sich jetzt erstechen wollte. Ich sprach ihm zu und gab ihm Vertröstung auf morgen frühe. So ward ercontentund ging schlafen, ich aber wachte desto länger. Und ich befand, daß meine Sache mit der Zeit nicht gut tun würde. Die Rittmeisterin ward je länger, jeimportunermit ihren Reizungen, der Rittmeister verwegenermit seinen Zumutungen, der Knecht verzweifelter in seiner Liebe. Ich mußte oft meiner Frau bei hellem Tage Flöhe fangen, nur darum, daß ich ihre Alabasterbrüstlein sehen und ihren zarten Leib genug betasten sollte, welches mir, weil ich auch Fleisch und Blut hatte, zu ertragen stets schwerer fallen wollte. Ließ mich die Frau zufrieden, so quälete mich der Rittmeister, und wann ich von diesen beiden Ruhe haben sollte, so peinigte mich der Knecht. Also kam mich das Weiberkleid zu tragen viel sauerer an, als meine Narrenkappe. Ich steckte würklich in derjenigen Gefängnus, auch Leib- und Lebensgefahr, als mein alter Herzbruder wahrgesaget hatte. Was sollte ich tun? Ich beschloß endlich, mich dem Knecht zu offenbaren, sobald es Tag würde, dann ich dachte, seine Liebesregungen werden sich alsdann legen.

Mein Hans ließ es gleich nach Mitternacht tagen, sein Jawort zu holen, und fing an am Wagen zu rappeln, als ich eben am allerstärksten schlief. Er rief etwas zu laut: »Sabina, Sabina, ah, mein Schatz, stehet auf und haltet mir Euer Versprechen!« Also weckte er den Rittmeister eher als mich, weil der sein Zelt am Wagen stehen hatte. Ihm ward vor Eifersucht grün und gelb vor den Augen, doch kam er nicht heraus, sondern stund nur auf zu sehen, wie der Handel liefe. Zuletzt weckte mich der Knecht. Ich schalt ihn, er aber nötigte mich mit seiner Importunität, aus dem Wagen zu kommen, oder ihn einzulassen. Wie ich nun mit meinen aufgestreiften Ärmeln herabstieg, ward mein Hans durch meine weißen Arme so heftiginflammieret, daß er mich mit Küssen anfiel. Solches vermochte der Rittmeister nicht zu erdulden, sondern sprang mit bloßem Degen aus dem Zelt, meinem armen Liebhaber den Fangzu geben, aber der ging durch und vergaß das Wiederkommen.

»Du Bluthur, ich will dich lernen ...« mehrers konnte der Rittmeister vor Zorn nicht sagen, sondern schlug auf mich zu, als wann er unsinnig wäre. Ich fing an zu schreien, darum mußte er aufhören, damit er keinen Alarm erregte, dann beide Armeen, die sächsische und die kaiserliche, lagen damals gegeneinander, weil sich die schwedische unter dem Panier näherte.

Als es nun Tag worden, gab mich mein Herr den Reuterjungen preis, eben als beide Armeen aufbrachen. Das war nun ein Schwarm von Lumpengesind, und dahero die Hatz desto größer und erschröcklicher. Sie eileten mit mir einem Busch zu, ihre viehischen Begierden zu sättigen, wie dann diese Teufelskinder im Brauch haben, wann ihnen ein Weibsbild dergestalt übergeben wird. So folgten ihnen auch sonst viel Bursche nach, die dem elenden Spaß zusahen, unter welchen auch mein Hans war. Der ließ mich nicht aus den Augen. Er wollte mich mit Gewalt erretten, und sollte es seinen Kopf kosten. Er bekam Beiständer, weil er sagte, ich sei seine versprochene Braut. Solches war den Reuterjungen, die ein besser Recht auf mich zu haben vermeineten, allerdings ungelegen. Da fing man an Stöße auszuteilen, der Zulauf ward je länger, je größer, ihr Geschrei lockte den Rumormeister herzu, welcher eben ankam, als sie mir die Kleider vom Leibe gerissen und gesehen hatten, daß ich kein Weibsbild war. Seine Gegenwart machte alles stockstill, weil er mehr geförchtet ward als der Teufel selbst. Er informierte sich der Sache kurz und nahm mich gefangen, weil es ein ungewöhnlich und fast argwöhnisch Ding war, daß sich ein Mannsbild in Weiberkleidern sollte finden lassen.

Ich ward zum General-Auditor geführt, der fing an mich zu examinieren. Da erzählete ich meine Händel, wie sie waren, es ward mir aber nicht geglaubt. Auch konnte der General-Auditor nicht wissen, ob er einen Narren oder einen ausgestochenen Bösewicht vor sich hatte. Frage und Antwort fiel so artlich und der Handel an sich selbst war seltsam.

Er hieß mich, eine Feder nehmen und schreiben, ob etwa meine Handschrift bekannt oder doch so beschaffen wäre, daß man etwas daraus abnehmen möchte. Ich ergriff Papier und Feder geschicklich und fragte, was ich schreiben sollte. Der General-Auditor, der vielleicht unwillig war, weil das Examen sich verzog, antwortete.

»Hei, schreib: deine Mutter, die Hur!«

Ich satzte ihm diese Worte hin, und sie machten meinen Handel nur desto schlimmer, dann der General-Auditor glaubte jetzt erst, daß ich ein rechter Vogel sei. Er fragte den Profosen, ob man mich visitiert, der Profos antwortete: nein, dann mich der Rumormeister gleichsam nackend eingebracht hätte. Aber ach, das half nichts, der Profos mußte mich besuchen und fand meine beiden Eselsohren mit den Dukaten.

Da hieß es: was bedörfen wir ferner Zeugnus; dieser Verräter hat ohn Zweifel ein groß Schelmstück zu verrichten. Warum sollte sich sonst ein Gescheiter in ein Narrenkleid oder ein Mannsbild in Weiberkittel verstellen, zu was End wäre er sonst mit einem so ansehnlichen Stück Geld versehen? Saget er nicht selbst, er habe bei dem Gubernator zu Hanau, dem allerverschlagensten Soldaten in der Welt, lernen auf der Lauten schlagen? Was mag er sonst bei denselben Spitzköpfen vor listige Praktiken gesehen haben! Der nächste Weg ist, daß man ihn auf die Folter bringe!

Wie mir damals zu Mut gewesen, kann sich ein jeder leicht einbilden.

Aber eh man diesen strengen Prozeß mit mir ins Werk satzte, gerieten die Schweden den Unsrigen in die Haare. Gleich anfänglich kämpften die Armeen um den Vortel und gleich darauf um das schwere Geschütz, dessen die Unsrigen stracks verlustig wurden.

Unser Profos hielt zwar ziemlich weit mit seinen Leuten und den Gefangenen hinter der Battaglia, gleichwohl waren wir unserer Brigade so nahe, daß wir jeden von hinterwärts an den Kleidern erkennen konnten. Und als eine schwedische Eskadron auf die unsrige traf, waren wir sowohl als die Fechtenden selbst in Todesgefahr, dann in einem Augenblick flog die Luft so häufig voller singender Kugeln über uns her, daß es das Ansehen hatte, als ob die Salve uns zu Gefallen wäre gegeben worden. Davon duckten sich die Forchtsamen, als ob sie sich in sich selbst hätten verbergen wollen, diejenigen aber, so Courage hatten und mehr bei dergleichen Scherz gewesen, ließen solche unverblichen über sich hinstreichen. Im Treffen selbst suchte jeder seinem Tode mit Niedermachung des Nächsten, der ihm aufstieß, vor zu kommen. Das gräuliche Schießen, das Gekläpper der Harnische, das Krachen der Piken, das Geschrei beider: der Verwundeten und Angreifenden machten neben den Trompeten, Trommeln und Pfeifen eine erschröckliche Musik. Da sahe man nichts als einen dicken Rauch und Staub, welcher schien, als wolle er die Abscheulichkeit der Verwundeten und Toten bedecken. In demselben hörete man ein jämmerliches Wehklagen der Sterbenden und ein lustiges Geschrei derjenigen, die noch voller Mut staken. Die Pferde selbst hatten das Ansehen, als wenn sie zur Verteidigungihrer Herren je länger, je frischer würden, so hitzig zeigten sie sich in dieser Schuldigkeit. Deren sahe man etliche unter ihren Herren tot darniederfallen, voller Wunden, die sie unverschuldet in getreuem Dienste empfangen hatten, andere fielen auf ihre Reuter und wurden so von ihnen getragen, die sie bei Lebzeiten hatten tragen müssen, wiederum andere, nachdem sie ihrer herzhaften Last, die sie kommandiert hatte, entladen worden, ließen die Menschen in ihrer Wut und Raserei, rissen aus und suchten im weiten Feld ihre einstige Freiheit.

Die Erde, die sonst alle Toten deckt, war damals selbst mit Toten überstreut. Köpfe und Leiber lagen getrennt, etlichen hing in grausamer und jämmerlicher Weise das Ingeweid heraus, andern war der Kopf zerschmettert und das Hirn zerspritzt. Da sahe man die entseelten Leiber ihres eigenen Geblüts beraubet und hingegen Lebendige mit fremdem Blute begossen. Da lagen abgeschossene Arme, an welchen sich die Finger noch regten, gleichsam als ob sie wieder in das Gedräng wollten, hingegen rissen Kerle aus, die noch keinen Tropfen Blut vergossen hatten. Dort lagen abgelöste Schenkel, die, obwohl der Bürde ihres Körpers entladen, dennoch viel schwerer geworden waren. Da sahe man verstümmelte Soldaten um Beförderung ihres Todes, hingegen andere um Quartier und Verschonung ihres Lebens bitten.Summa summarumda war nichts anderes als ein elender, jämmerlicher Anblick.

Die schwedischen Sieger trieben die Unsrigen, um sie mit ihrer schnellen Verfolgung vollends zu zerstreuen. Mein Herr Profos ergriff die Flucht und nötigte uns, samt ihm durchzugehen. Da jagte der junge Herzbruder daher mit noch fünf Pferden und grüßte ihn mit einer Pistole:

»Siehe da, du alter Hund, ist es noch Zeit junge Hündlein zu machen? Ich will dir deine Mühe bezahlen!«

Aber der Schuß beschädigte den Profosen so wenig wie einen stählernen Ambos.

»Oho, bist du der Haare,« rief mein Herzbruder, »ich will nicht vergeblich dir zu Gefallen herkommen sein. Du mußt sterben und wäre dir deine Seele angewachsen!«

Er befahl darauf einen Musketierer von des Profosen eigener Wacht, ihn mit der Axt niederzuschlagen.

Ich aber ward erkannt, meiner Ketten und Bande entlediget und auf ein Pferd gesatzt, das mein Herzbruder durch einen Knecht in Sicherheit führen ließ.

Demnach die sieghaften Überwinder ihre Beuten teilten und ihre Toten begruben, ermanglete mein Herzbruder, der durch Begierde der Ehre und Beute sich hatte so weit verhauen, daß er gefangen ward. So erbte mich sein Rittmeister, bei welchem ich mich vor einen Reuterjungen mußte gebrauchen lassen.

Gleich hernach ward er zum Obrist-Leutenant befördert, ich aber schlug ihm in den Quartieren die Lauten, im Marschieren mußte ich ihm den Küraß nachtragen, welches mir eine beschwerliche Sache war. Dann obzwar diese Waffen vor feindlichen Püffen schützen, so befand ich an ihnen ein Widerspiel, indem unter ihrem Schutz auf meinem Leibe eine Armada oder Heerhauf ausgebrütet ward, die ihren freien Paß und Tummelplatz behaupteten, sintemal ich mit meinen Händen nicht unter den Harnisch konnte, einen kleinen Streif unter sie zu tun. Ich hatte weder Zeit noch Gelegenheit, sie durch Feuer, Wasser oder Gift (maßen ich wohl wußte was Backöfen und Quecksilber vermöchten) auszurotten und mußte mich mit ihnen schleppen, meinen Leib und Blut zum besten geben. Endlich erfand ich eine Kunst, daß ich einen Pelzfleck um den Ladestecken der Pistole wickelte, wenn ich dann mit dieser Lausangel unter den Harnisch fuhr, fischte ich sie dutzendweis aus ihrem Vorteil, es mochte aber wenig erklecken.

Einsmals ward mein Obrist-Leutenant kommandiert eine Cavalcada mit einer starken Partei in Westfalen zu tun, und wäre er so stark an Reutern gewesen, als ich an Läusen, so hätte er die ganze Welt erschröckt,so aber mußte er behutsam gehen. Ich war damals mit meiner Einquartierung auf höchste kommen und ich getraute meine Pein nicht länger zu gedulden. Als teils die Reuter fütterten, teils schliefen und teils Schildwacht hielten, ging ich abseits unter einen Baum, meinen Feinden eine Schlacht zu liefern. Zu solchem End zog ich den Harnisch aus, unangesehen andre einen anziehen, wann sie fechten wollen, und fing ein solches Würgen und Morden an, daß mir gleich beide Schwerter an den Daumen vom Blut troffen. So oft mir diesesRencontrezu Gedächtnus kommt, beißt mich die Haut noch allenthalben. Ich dachte zwar, ich sollte nicht so wider mein Geblüt wüten, vornehmlich wider so getreue Diener, die sich mit einem hängen und radbrechen ließen, aber ich fuhr mit meiner Tyrannei unbarmherzig fort, daß ich nicht gewahrte, wie die Kaiserlichen meinen Obrist-Leutenantchargierten, bis sie endlich auch an mich kamen, meine Läus entsatzten und mich selbst gefangen nahmen. Sie scheueten meine Mannheit gar nicht, mit der ich kurz zuvor viel Tausend erlegt und den Titul des Schneiders »Sieben auf einen Streich« überstiegen hatte. Mich kriegte ein Dragoner, und ich mit ihm meinen sechsten Herrn, weil ich sein Jung sein mußte.

Unsere Wirtin wollte nicht, daß ich sie und ihr ganzes Haus mit meinen Völkern besetzte, so machte sie ihnen den Prozeß kurz und gut, steckte meine Lumpen in Backofen und brannte sie so sauber aus wie eine alte Tabakpfeife.

Hingegen bekam ich ein neues Kreuz auf den Hals, weil mein Herr einer von denjenigen war, die in Himmel zu kommen sich getrauen. Er ließ sich glatt am Sold genügen und betrübte im übrigen kein Kind. Seineganze Prosperität bestund in dem, was er mit Wachen verdienete und von seiner wochentlichen Löhnung erkargete. Ich und sein Pferd mußten ihm sparen helfen. Davon kams, daß ich den trockenen Pumpernickel gewaltig beißen und mich, wanns wohl ging, mit Dünnbier behelfen mußte. Wollte ich aber besser futtern, so mußte ich stehlen, aber mit ausdrücklicher Bescheidenheit, daß er nichts davon innewurde. Seinethalben hätte man weder Galgen, Esel, Henker, Steckenknechte noch Feldscherer bedörft, auch keinen Marketender noch Trommelschlager, die den Zapfenstreich tun müssen. Sein ganzes Tun war fern von Fressen, Saufen, Spielen und allen Duellen, ward er aber aufConvoi, Partei oder sonst einen Anschlag kommandiert, so schlenderte er mit dahin, wie ein alt Weib am Stecken.

Ich hatte mich keines Kleides bei ihm zu getrösten, weil er selbst zerflickt daherging. Sein Pferd war vor Hunger so hinfällig, daß sich weder Schwede noch Hesse vor seinem dauerhaften Nachjagen zu förchten hatten. Dieses alles bewegte seinen Hauptmann, ihn ins sogenannte Paradeis, einem Frauenkloster, aufSalvaguardizu legen. Dort sollte er sich begrasen und wieder montieren. Auch hatten die Nonnen um einen frommen und stillen Kerl gebeten.

»Potz Glück, Simprecht,« sagte er, dann er konnte meinen Namen nicht behalten, »kommen wir gar in das Paradeis! Wie wollen wir fressen!« Und wir fanden, was wir begehrten, daß ich in Kürze wieder einen glatten Balg bekam. Dann da satzte es das fetteste Bier, die besten westfälischen Schunken und Knackwürste, wohlgeschmack und sehr delikat Rindfleisch, das man aus dem Salzwasser kochte und kalt zu essen pflegte. Da lernte ich das schwarze Brot fingersdick mit gesalzenerButter schmieren und mit Käs belegen, damit es desto besser rutschte, und wann ich so über einen Hammelskolben kam, der mit Knoblauch gespickt war, und eine gute Kanne Bier darneben stehen hatte, so erquickte ich Leib und Seele und vergaß meines ausgestandenen Leides.

Das Glück wollte es wieder wettspielen, da mich ehebevor das Unglück haufenweis überfallen hatte: dann als mich mein Herr nach Soest schickte, seine Bagage vollends zu holen, fand ich unterwegs einen Pack mit etlichen Ellen Scharlach, samt einem Sammetfutter. Das vertauschte ich zu Soest bei einem Tuchhändler um gemein, grünwullen Tuch zu einem Kleid samt Ausstaffierung mit dem Geding, mir das Kleid machen zu lassen. Ich gab ihm auch die silbernen Knöpf und Galaunen vor ein Hemd und ein Paar neuer Schuhe. Also kehrete ich nagelneu herausgeputzt wieder ins Paradeis zu meinem Herrn zurück, der gewaltig kollerte, daß ich ihm den Fund nicht zugebracht, und der Filz schamet sich wohl auch, daß sein Junge besser gekleidet war als er selbst. Derowegen ritt er nach Soest, borgte Geld auf seinen wochentlichenSalvaguardi-Sold und montierte sich damit aufs beste.

Von dieser Zeit an hatten wir das allerfäulste Leben. Das Kloster war auch von den Hessen, unserm Gegenteil, mit einem Musketier salvaguadiert, derselb war seines Handwerks ein Kürschner und dahero nicht allein ein Meistersänger, sondern auch ein trefflicher Fechter. Damit er seine Kunst nicht vergäße, übte er sich täglich mit mir in allen Gewehren, wovon ich so fix ward, daß ich mich nicht scheuete ihm Bescheid zu tun, wann er wollte.

Das Stift vermochte eine eigene Wildbahn und hielteinen eigenen Jäger. Weil ich nun grün gekleidet war, gesellete ich mich zu ihm und lernete ihm denselben Herbst und Winter seine Künste ab. Solcher Ursachen halber nannte mich jedermann »dat Jäjerken«. Mir wurden alle Wege und Stege bekannt, was ich mir hernach trefflich zu nutz machte. Bei üblem Wetter las ich allerhand Bücher, die mir der Klosterverwalter liehe, und da die Klosterfrauen gewahr wurden, daß ich neben meiner guten Stimme auch auf der Laute und etwas wenigs auf dem Instrument schlagen konnte, weil ich zudem eine ziemliche Leibsproportion und schönes Gesicht hatte, hielten sie alle meine Sitten, Wesen, Tun und Lassen vor adelig und ich mußte unversehens ein sehr beliebter Junker sein.

Da ward mein Herr abgelöst, was ihn auf das gute Leben so übel bekam, daß er darüber erkrankte, und weil starkes Fieber darzu schlug, zumalen noch die alten Mucken, die er sein Lebtag im Kriege aufgefangen, hinzukamen, machte ers kurz und ward in drei Wochen hernach begraben. Ich machte ihm die Grabschrift:

Der Schmalhans lieget hier, ein tapferer Soldat,Der all sein Lebetag kein Blut vergossen hat.

Der Schmalhans lieget hier, ein tapferer Soldat,Der all sein Lebetag kein Blut vergossen hat.

Ich war damals ein frischer, aufgeschossener Jüngling, der seinen Mann stellen konnte, also ward mir von meinem Hauptmann das Erbe des Dragoners angeboten, wann ich mich an meines toten Herren Statt anwerben lassen wollte. Das nahm ich desto lieber an, weil mir bekannt, daß meines Herren alte Hosen mit ziemlichen Dukaten gespickt waren.

Allein dem Kommandanten zu Soest mangelte ein Kerl, wie ich ihm einer zu sein dünkte, so unterstund er sich, mich noch zu bekommen, maßen er meine Jugendvorwandte, und mich vor keinen Mann passieren lassen wollte. Er schickte nach mir und sagte:

»Hör, Jägerken, du sollt mein Diener sein und meine Pferde warten.«

»Herr, wir sind nicht vor einander. Ich hätte lieber einen Herrn, in dessen Diensten die Pferde auf mich warten. Ich will Soldat bleiben.«

»Dein Bart ist noch viel zu klein.«

»O nein, ich getraue einen Mann zu bestehen, der achtzig Jahre alt ist. Der Bart schlägt keinen Mann, sonst würden die Böcke hochaestimieretwerden.«

»Wann dieCourageso gut ist, als das Maulleder, so will ich dich passieren lassen.«

»Das kann in der nächstenOccasionprobiert werden,« gab ich zu verstehen. Und er ließ mich bleiben.

Hierauf anatomierte ich meines Dragoners Hosen, schaffte mir aus deren Eingeweid noch ein gut Pferd und das beste Gewehr und ließ mich von neuem grün kleiden, weil mir der Name Jäger beliebte. Also ritt ich mit meinem Jungen selbander daher wie ein Edelmann und dünkte mich fürwahr keine Sau zu sein. Ich war so kühn, meinen Hut mit einem tollen Federbusch zu zieren wie ein Offizier, daher bekam ich bald Neider und Mißgönner, und es satzte empfindliche Worte, endlich gar Ohrfeigen. Ich hatte aber kaum einem oder dreien gewiesen, was ich im Paradies von dem Kürschner gelernt hatte, da ließ mich nicht allein jedermann zufrieden, sondern suchte auch meine Freundschaft.

Auf Partei warf ich mich wohl herfür, daß ich in kurzer Zeit bei Freund und Feind bekannt und so berühmt ward, daß beide Teile viel von mir hielten. Allermaßen mir die gefährlichsten Anschläge zu verrichtenund ganze Parteien zu kommandieren anvertraut wurden, griff ich bald zu wie ein Böhme und, wann ich etwas namhaftes erschnappte, gab ich meinen Offizierern so reich Part davon, daß ich selbig Handwerk auch an verbotenen Orten treiben dorfte, weil mir überall durchgeholfen ward.

Der General Graf von Götz hatte in Westfalen drei feindliche Guarnisonen übriggelassen zu Dorsten, Lippstadt und Coesfeld, denen war ich gewaltig molest, dann ich lag ihnen bald hier, bald dort schier täglich vor den Toren, und weil ich überall glücklich durchkam, hielten die Leute von mir, ich könnte mich unsichtbar machen und wäre so fest wie Stahl. Davon ward ich geförchtet wie die Pestilenz.

Zuletzt kam es dahin: wo nur ein Ort in Kontribution zu setzen war, mußte ich solches verrichten, wodurch mein Beutel so groß ward als mein Name. Meine Offizierer und Kameraden liebten ihren Jäger, die vornehmsten Parteigänger vom Gegenteil entsatzten sich und den Landmann hielt ich durch Forcht und Liebe auf meiner Seiten, dann ich wußte meine Widerwärtigen zu strafen und die, so mir nur den geringsten Dienst täten, reichlich zu belohnen, allermaßen ich beinahe die Hälfte meiner Beuten verspendierte oder auf Kundschaft auslegte. Derhalben entging mir keine Partei, keinConvoi, noch eine Reis' aus des Gegenteils Posten, alsdann ich ihr Vorhaben durchkreuzte und allen Anschlägen mit Glück begegnete. Darneben erzeigte ich mich gegen meine Gefangenen überaus diskret, sodaß sie mich oft mehr kosteten als die Beute wert war, sonderlich unterließ ichs nicht, denen Offizierern, obschon ich sie nicht kannte, ohn Verletzung meiner Pflicht und Herrendienste eineCourtoisiezu tun.

Durch solch ein Verhalten wäre ich zeitlich zum Offizier befördert worden, wann meine Jugend es nicht verhindert hätte. Wer in solchem Alter ein Fähnlein wollte, mußte ein Guter von Adel sein, zudem mein Hauptmann an mir mehr als eine melkende Kuhe verloren hätte. Also brachte ichs allein zum Gefreiten. Ich spekulierte Tag und Nacht, wie ich etwas anstellen möchte, mich noch größer zu machen und konnte vor solchem närrischen Nachsinnen oft nicht schlafen.

Ich muß ein Stücklein noch erzählen, das mir begegnet, eh ich wieder von meinen Dragonern kam.

Mein Hauptmann ward mit etlichen fünfzig Mann zu Fuß nach Recklinghausen kommandiert, einen Anschlag auf eine reiche Karawane zu machen. Wir mußten uns in den Büschen heimlich halten, so nahm ein jeder auf acht Tag Proviant zu sich. Demnach aber die Kaufleut, denen wir aufpaßten, die bestimmte Zeit nicht ankamen, ging uns das Brot aus, dahero uns der Hunger gewaltig preßte, dann wir dorften nichts rauben, wir hätten uns damit selbst verraten.

Mein Kamerad, ein lateinischer Handwerksgesell, der erst kürzlich der Schule entloffen, seufzete vergeblich nach den Gerstensuppen, die ihm hiebevor seine Eltern zum besten verordnet, er aber verschmähet und verlassen hatte. Und als er solcher Speisen gedachte, erinnerte er sich auch seines Schulsacks: »Ach Bruder,« sagte er, »wärs nicht eine Schande, wann ich nicht so viel Künste erstudiert haben sollte, mich jetzund zu füttern? Wann ich nur zum Pfaffen in jenes Dorf gehen dürfte, es sollte ein trefflichesConviviumbei ihm setzen!«

Ich überlief die Worte ein wenig, ermaß unsern Zustand und machte einen Anschlag auf unsern Studenten hin. Der Hauptmann willigte ein.

So wechselte ich meine Kleider mit einem andern und zottelte mit meinem Studenten in weitem Umschweif, wiewohl das Dorf eine halbe Stunde vor uns lag, auf die Kirche zu. Das nächste Haus bei ihr erkannten wir vor des Pfarrers Wohnung, es stund an einer Mauer, die um den ganzen Pfarrhof ging. MeinKamerad hatte seine abgeschabten Studentenkleidlein noch an, ich gab mich vor einen Malergesellen aus, dann ich dachte diese Kunst im Dorf nicht üben zu müssen. Der geistliche Herr war höflich, als ihm mein Gesell eine tiefe lateinische Reverenz gemacht und einen Haufen dahergelogen hatte, was Gestalt ihn die Soldaten auf der Reise ausgeplündert. Er bot dem Studenten ein Stück Brot und Butter nebst einem Trunk Bier an, ich aber stellete mich, als ob ich im Wirtshaus essen wollte und ihn alsdann anrufen, damit wir noch ein Stück Weges hinter sich legen konnten. Also ging ich, mich im Dorf umzusehen und hatte auch Glück, daß ich einen Baur antraf, der seinen Backofen zukleibte, darin er große Pumpernickel hatte, die vier und zwanzig Stunden sitzen und ausbacken sollten. Demnach wußte ich genug und machte es beim Wirte kurz.

Da ich auf den Pfarrhof kam, hatte mein Kamerad schon gekröpft und dem Pfarrer gesagt, daß ich Maler sei, willens meine Kunst in Holland zu perfectionieren. Der Pfarrer hieße mich sehr willkommen und bat mich, mit ihm in die Kirche zu gehen, da er mir etliche schadhafte Stück weisen wolle. Ich mußte folgen, er führte mich durch die Küche, und während er das Nachtschloß an der starken Eichentür aufmachte, die auf den Kirchhof ging —ominorum! — da sahe ich, daß der schwarze Himmel seiner Kuchelesse voller Lauten, Flöten und Geigen hing in Gestalt von Schinken, Knackwürsten und Speckseiten. Trostmütig blicket ich sie an, weil mich bedünkte, als lachten sie mir und ich erwog, wie ich sie dem obgemeldten Ofen voll Brot zugesellen möchte. Allein der Pfarrhof war ummauret, alle Fenster mit Eisengittern genugsam verwahrt und so lagen auch zween ungeheure Hunde im Hof, welchebei Nacht gewißlich nicht schlafen würden, wenn man dasjenige stehlen wollte, daran auch ihnen zu nagen gebühret.

Wie wir nun in die Kirche kamen, von den Gemälden allerhand diskurierten und mir der Pfarrer etliches auszubessern verdingen wollte, ich aber Ausflüchte suchte, meinte der Meßner: »Du Kerl, ich sehe dich eher vor einen verloffenen Soldatenjungen an, als vor einen Malergesellen!« Ich antwortete: »O du Kerl, gib mir geschwind Pensel und Farben, so will ich dir im Hui einen Narren gemalet haben, als du einer bist.«

Der Pfarrer machte ein Gelächter daraus und meinete, es gezieme sich nicht an einem so heiligen Ort, einander wahr zu sagen. Er ließ uns beiden noch einen Trunk langen und also dahin ziehen. Ich aber vergaß mein Herz bei den Knackwürsten.

Um Mitternacht kamen wir wieder ins Dorf und ich hatte sechs gute Kerle ausgelesen, darunter meinen munteren Knecht Spring-ins-Feld. In aller Stille huben wir das Brot aus dem Ofen, weil wir einen mithatten, der Hunde bannen konnte. Da wir nun bei dem Pfarrhof vorüberwollten, konnte ichs nicht übers Herz bringen, ohne Speck weiter zu passieren. Ich wußte aber keinen andern Eingang als den Kamin, der sollte vor diesmal meine Tür sein. Wir brachten Leiter und Seil aus einer Scheuer zuwege, ich stieg selbander mit Spring-ins-Feld aufs Dach, welches von Hohlziegeln doppelt belegt und zu meinem Vorhaben sehr bequem gebauet war. Meine langen Haar wicklete ich zu einem Büschel über dem Kopf zusammen und ließ mich mit einem End des Seils hinunter zu meinem geliebten Speck. Band also einen Schinken nach dem andern und eine Speckseite nach der andern an das Seil, was alles derandere fein ordentlich zum Dach hinaus fischete und weitergab.

Aber, potz Unstern, da ich allerdings Feierabend gemachet hatte, brach eine Stange, sodaßSimpliciushart hinunterfiele und das Seil riß, ehe mich meine Kameraden vom Boden brachten. Ich dachte, Jäger, nun mußt du eine Hatze ausstehen, in welcher dir selbst das Fell gewaltig zerrissen wird werden, dann der Pfarrer war erwacht und befahl seiner Köchin alsbald ein Licht anzuzünden. Sie kam im Hemd zu mir in die Kuchen, hatte den Rock über der Achsel hangen und stund so nahe neben mir, daß sie mich damit rührete. Sie griff nach einem Brand und hielt das Licht daran und fing an zu blasen. Ich aber blies viel stärker zu, davon das gute Mensch erschrak, daß sie Feuer und Licht fallen ließ und sich zu ihrem Herrn retirierte.

Ich bedachte mich und wehrete meine Kameraden, die mir zu verstehen gaben, daß sie das Haus aufstoßen wollten. Allein Spring-ins-Feld sollte oben bleiben, die andern an das Gewehr. Inzwischen schlug der Geistliche sich selber ein Licht an, seine Köchin aber erzählete ihm, daß ein gräulich Gespenst mit zween Köpfen, davor sie meinen Haarbüschel angesehen, in der Kuchen wäre. Das hörete ich, rieb mir derowegen mein Angesicht mit Asche, Ruß und Kohlen, daß ich ohn Zweifel keinem Engel mehr — wie hiebevor die Klosterfrauen sagten — gleich sahe und der Meßner mich wohl vor einen geschwinden Maler hätte passieren lassen. Ich fing an in der Kuchen schröcklich zu poltern und das Geschirr untereinander zu werfen. Den Kesselring hing ich an den Hals, den Feuerhaken behielt ich auf den Notfall.

Solches ließ sich der fromme Pfaffe nicht irren, danner kam mit seiner Köchin prozessionsweis daher, welche zwei Wachslichter in den Händen und einen Weihwasserkessel am Arm trug, er selbsten war mit dem Chorrock bewaffnet samt den Stollen und hatte den Sprengel in der einen und ein Buch in der andern Hand. Aus demselben fing er an, mich zu exorcisieren, fragende: »Wer bist du und was willst du?« — »Ich bin der Teufel und will dir und deiner Köchin die Hälse umdrähen!«

Da fuhr er eifrig in seinemExorcismoweiter fort und hielt mir vor, daß ich weder mit ihm noch mit seiner Köchin nichts zu schaffen hätte, hieß mich auch mit der allerhöchsten Beschwörung wieder hinfahren, wo ich herkommen wäre. Ich aber antwortete mit ganz förchterlicher Stimme, daß solches unmöglich sei, wannschon ich gern wollte. Indessen hatte Spring-ins-Feld, der ein abgefäumter Erzvogel war und kein Latein verstund, seine seltsamen Tausendhändel auf dem Dach, dann er hörete, daß ich mich vor den Teufel ausgab, und mich auch der Geistliche also hielt. Er wixte wie eine Eule, bellte wie ein Hund, wieherte wie ein Pferd, blökte wie ein Geißbock, schrie wie ein Esel und ließ sich bald durch den Kamin hinunter hören wie ein Haufen Katzen, die im Hornung rammeln, bald wie eine Henne, die legen wollte, dann dieser Kerl konnte aller Tiere Stimmen nachmachen. Solches ängstigte den Pfarrer und die Köchin auf das Höchste, ich aber machte mir ein Gewissen, daß ich mich vor den Teufel beschwören ließe.

Mitten in solchen Ängsten, die uns beiderseits umgaben, ward ich gewahr, daß das Nachtschloß an der Tür, die auf den Kirchhof ging, nicht eingeschlagen, sonder der Riegel nur vorgeschoben war. Ich schob ihn geschwind zurück und wischte hinaus.

Wir liefen in den Busch, weil wir im Dorf nichts mehr zu verrichten hatten. Dort erquickte sich die ganze Partei an dem, was von uns gestohlen worden, und bekam kein einziger den Klucksen darvon, so gesegnete Leute waren wir.

Also lagen wir noch zween Tage an selbigem Ort und erwarteten diejenigen, denen wir schon so lange aufgepaßt hatten. Wir verloren keinen einzigen Mann und bekamen dreißig Gefangene. Ich erhielt doppelt Part, das waren drei schöne Frießländer Hengst mit Kaufmannswaren beladen, was sie in Eil forttragen mochten. Wir retirierten uns mehrer Sicherheit halber auf Rehnen.

Daselbst gedachte ich wieder an den Pfaffen, dem ich den Speck gestohlen hatte, nahm einen Saphir, in einen göldenen Ring gefaßt, aus meiner Beute und schickte ihn von Rehnen aus durch einen gewissen Boten mit einem Brieflein an den Geistlichen.

»Wohlehrwürdiger usw. Wann ich dieser Tagen im Wald noch etwas zu leben gehabt hätte, so wäre kein Ursache gewesen Euer Wohlehrwürden ihren Speck zu stehlen, wobei Sie vermutlich sehr erschröckt worden. Ich bezeuge beim Höchsten, daß Sie solche Angst wider meinen Willen eingenommen, hoffe derowegen um Vergebung. Was den Speck anbelangt, schicke ich derohalben gegenwärtigen Ring mit Bitte, Euer Wohlehrwürden belieben damit Vorlieb zu nehmen. Versichere darneben, daß Dieselbe im übrigen auf alle Begebenheit einen dienstfertigen und getreuen Diener hat an dem, den dero Meßner vor keinen Maler hält, welcher sonst genannt wird

derJäger.«

Dem Bauren aber schickte die Partei aus gemeiner Beute sechzehen Reichstaler.

Von Rehnen gingen wir auf Münster und von dar auf Ham und heim nach Soest in unser Quartier, allwo ich nach einigen Tagen eine Antwort von dem Pfarrer empfing.

»Edler Jäger usw. Wann derjenige, dem Ihr den Speck gestohlen, hätte gewußt, daß Ihr ihm in teuflischer Gestalt erscheinen würdet, hätte er sich nicht so oft gewünscht, den landberufenen Jäger auch zu sehen. Gleichwie aber das geborgte Fleisch und Brot viel zu teuer bezahlt worden, also ist auch der eingenommene Schröcken desto leichter zu verschmerzen, weil er von einer so berühmten Person ist wider ihren Willen verursachet worden, deren hiemit allerdings verziehen wird, mit Bitte, dieselbe wolle ein andermal ohne Scheu zusprechen bei dem, der sich nicht scheut, den Teufel zu beschwören.

Vale!«

Also machte ichs allerorten und überkam dadurch einen großen Ruf.


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