8. Das Zech- und Saufrecht.

Was kümmern mich die Rechte?Was scheert mich das Gesetz?Wenn ich die trockne Kehle,Mit edlem Bierstoff netz'?

Was kümmern mich die Rechte?Was scheert mich das Gesetz?Wenn ich die trockne Kehle,Mit edlem Bierstoff netz'?

Was kümmern mich die Rechte?Was scheert mich das Gesetz?Wenn ich die trockne Kehle,Mit edlem Bierstoff netz'?

Auf den Universitäten bildeten sich im sechzehnten Jahrhundert gewisse Trinkregeln, ein »Jus potandi«, das jeder an den Gelagen teilnehmende akademische Bürger innehaben mußte. Es waren Vorschriften über die Art des Trinkens, über die Gesänge, die den Kommers beleben sollten, Verhaltungsmaßregeln jeder Art, gegen die ein richtiger Bursch niemals verstoßen durfte.

Im Gegensatz zu den altdeutschen »Tischzuchten«, den antizipierten Knigges, die vom vierzehnten Jahrhundert an bis zu Hans Sachs Zeiten, »in keiner Bibliothek fehlen durften«, da sie den Anstand bei Tisch genau festlegten[314], sahen die Zech- und Saufrechte weniger auf den Anstand als auf Beobachtung der vorgeschriebenen Zeremonien.

Ein etwa sechzig Druckseiten starkes Büchlein, das aus dem Anfang des siebzehntenJahrhunderts stammen dürfte, befaßt sich mit diesen »wunderbarlichen Manieren, Ränken und Schwänken«, wie der Jesuit Franz Callenbach in der »Wurm-Logia vieler seltzamer Würmer« den Komment der »naßliebenden Brüderschaft« nennt, aus dem ich nun einen gedrängten Auszug geben will.

Der Titel der Flugschrift lautet:

»Neue artig und kurzweilige Disputation, in welcher dasZech-undSaufrecht, sammt allen desselben Solennitäten, Gebräuchen, auch darinnen vorlaufenden Controversien und Strittigkeiten aus dem weltlichen Recht gezogen, kürzlich entworfen und beschrieben wird etc.

von Blasio Kielsauff, beider Wein und Bier Candidaten. Gedruckt im Jahr: Guter Wein erfreut durstigen Menschen ihr Herz.«

Eingeleitet wird das Buch durch ein Vorwort in Versform, das ich ganz gut an die Spitze meiner Arbeit hätte stellen können, so erschöpft es die deutsche Methyologie.

Ihr lieben Landsleut wohlbekannt,Sehr trinken acht vor keine Schand,Wir Teutschen seyn darzu geborn,Daß wir als Saufer stehen vorn,Uns Tag und Nacht bemühen wohl,Wie wir Becher und Krausen vollAusleern solln bis auf den Grund,Mit Haufen schütten in den Schlund.Hierin gleichen wir in TeutschlandDen Persiern und Griechen ganz,Ja triumphirn deßhalben garDaß wir ihn's noch weit thun bevor.Was,wie,wo,warumund auchwannMan trinken soll? desgleichen dann,Ob viel daran läg oder nicht,Es trink der Herr oder der Knecht?Ja was des Trunkes Wirkung sey,Wird dich kürzlich berichten freiBacchus der stark und mächtig Herr,Aller Saufbrüder Meister.Hör fleißig auf die Lehre sein,Laß zu Mund, Aug und Ohren ein,Fehl nicht im Trinken, nimm gut acht,Wann man dir einen zu hat bracht,Thu B'scheid, trinke aus und laß nichts stan,So spricht man, d' seyst ein teutscher Mann.Germ. Weinschlauch.

Ihr lieben Landsleut wohlbekannt,Sehr trinken acht vor keine Schand,Wir Teutschen seyn darzu geborn,Daß wir als Saufer stehen vorn,Uns Tag und Nacht bemühen wohl,Wie wir Becher und Krausen vollAusleern solln bis auf den Grund,Mit Haufen schütten in den Schlund.Hierin gleichen wir in TeutschlandDen Persiern und Griechen ganz,Ja triumphirn deßhalben garDaß wir ihn's noch weit thun bevor.Was,wie,wo,warumund auchwannMan trinken soll? desgleichen dann,Ob viel daran läg oder nicht,Es trink der Herr oder der Knecht?Ja was des Trunkes Wirkung sey,Wird dich kürzlich berichten freiBacchus der stark und mächtig Herr,Aller Saufbrüder Meister.Hör fleißig auf die Lehre sein,Laß zu Mund, Aug und Ohren ein,Fehl nicht im Trinken, nimm gut acht,Wann man dir einen zu hat bracht,Thu B'scheid, trinke aus und laß nichts stan,So spricht man, d' seyst ein teutscher Mann.

Germ. Weinschlauch.

1) Es vermahnet der vortreffliche und hochberühmte Jurist Paulus, daß man dasjenige, was täglich, ja schier alle Stund pfleg vorzugehen, wohl fassen, lernen und begreifen solle. Wenn nun aber (so viel ich weiß und verstehe) heut zu Tage nichts gemeineres, üblicheres und vornehmeres ist, als das Baccifest celebrieren und halten, das ist, sich bei den bis oben angefüllten und gleichsam mit Streichhölzern abgestrichenen Pokalen, Bechern, Gläsern und Krausen, von einem Tag, ja von einer Mitternacht zu der andern finden lassen, und derhalben zu besorgen, daß man uns vorwerfe, als Mutius gethan, es seye nämlich schändlich und unlöblich, daß ein Teutscher die Gesatz, Rechten und Gebräuch der Banqueten, Gast- und Mahlzeiten, bei welchen er sich täglich finden und antreffen läßt, nicht sollte wissen,noch dieselben, wie es zwar billig sein sollte, verstehen. Als hab ich nicht ohne Nutz und Frucht zu seyn erachtet, wenn ich etliche Observations vor mich nehme und dieselben denen zu Dienst und Besten erklärete, so sich mit der Zeit zu dem Studio juridico begeben möchten, damit daß die Jungen und in diesen Sachen noch Unerfahrenen geübt und erfahren, den Alten aber und Geschicktern der Sachen etwas mehrer nachzudenken ein mehrere Gelegenheit und Anlaß gegeben würde.

2) Belangend nun den Ursprung dieses bacchische Freß- und Sauffeste, so ist männiglichen bewußt und offenbar, daß dasselbe ein sehr altes und von vielen Jahren hergebrachtes Fest sey; wie nicht weniger fast allen Völkern gemein und bräuchig. Wegen der Zeit aber, weil die Teutschen solches Fest mit gebührender und möglichster Andacht und Devotion dem Bacchus zu Ehren celebriret und sich demselben ganz ergeben erzeiget haben, ist ihnen vor allen andern der Primat und Vorzug im selbigen aufgetragen und angeboten worden. Welchen Primat, Vorzug und erlangtes Lob sie noch bis auf diese Zeit mit Trotz hochmütiglich defendiren, verfechten und vor den andern allen ihnen vorbehalten. Von diesen nun und derselben Gebräuchen, Sitten und Gewohnheiten wird gegenwärtige Dissertation und Gespräch handeln und tractiren, welches ichaber vornehmlich und sonderlich von der Praxi academica (denn da begibt sich's am meisten) verstanden haben will.

3) Die Ehr, der Dienst und die Ceremonien, so diesem Gott Baccho müssen praestiret und angethan werden, bestehen in Fressen und Saufen.Saufenist ein ernsthafter mit Bechern, Gläsern, Krausen und dergleichen weinfähigen Geschirren vorgenommener Streit.Zech-undSaufrechtwird genannt, welches vom Saufen entsprungen und daher seinen Namen bekommen hat, in sich haltend die Gebräuch und Solennitäten dieses Festes, auch was einer dem andern, solchem Recht und Gesatz nach zu halten oder nicht, schuldig und verbunden sey, erklärend und anzeigend.

4) Causam primam, das ist der Ursprung und das Aufkommen dieses Festes, schreibe ich der Antiquität und der vorlängst verlaufenen Zeit zu. Die andern Ursachen, daher dieses Fest rührt, ist zum Theil der Liberalität und Freigebigkeit desjenigen, durch welches Unkosten die Saufereien angestellet und verrichtet werden, theils erforderts die Ehrbarkeit und dann auch zu Zeiten die Noth oder das Gesatz …

Die folgenden Absätze handeln davon, warum das Wetter den Studenten zwingt, im heißen Sommer und im kalten, nebligen Herbst und Winter die Bücher bei Seite zu schieben und sich lieber mit Kommilitonen zueinem Trunk zusammenzutun, und welche andere Zwischenfälle sich ereignen können, das Studium zu lassen und zu trinken. Nach einer tiefsinnigen Betrachtung über die besten Bier- und Weinsorten, in der der Verfasser seine elf Lieblingsbiere und elf liebsten Weinarten verrät, geht er zum eigentlichen Komment über.

»Die Form, Manier und Weiß, zu trinken, wird erkannt und unterschieden aus dem Trinken selbst. Und seind vornehmlich zween Modi, oder zwo Manieren, als Totalis und Partialis.

Der erste als modus bibendi totalis wird genennet und ist derselbe, wenn man das contentum, das ist Wein, Bier und was dergleichen Getränk seyn mag, bis auf den Grund ler auszeuft und trinket, und solches geschieht entweder continue, das ist ohne einig wiederholten Athem auf einmal und auf einen Zug, oder aber discontinue, das ist mit wiederholtem Atem und nach und nach. Continue, das ist in einem Zug alles heraustrinken, wird entweder verrichtet Floricos oder Hausticos. Floricos trinken heißt und ist soviel, als nämlich den Rand des Gefäßes, in welchem das Getränk ist, mit den Lefzen des Mundes ringsherum umgeben und mit einem Sturm den zugebrachten Getrank in die Gurgel schütten, daher dann aus Widertrieb des Athems kleine Bläslein auffahren, welch die Unsern Flores, zu teutsch Blümlein oderRöslein, zu nennen pflegen. Hausticos wird aber getrunken, wenn man auf eine gemeine Weise alles ohne wiederholten Athem herausseuft.« Wer den Floricos-Trunk nicht ausführen kann, dem sei es verziehen, nicht aber dem, der Hausticos nicht zu trinken vermag, er »soll trinken, bis ihm die Augen übergehn.« Falls aber ein Tischgenosse einen Trunk, gleichviel ob Floricos oder Hausticos, beginnen sollte, dann hat er ihn auch zu Ende zu trinken.

»Dieser Trunk« nämlich Floricos und Hausticos, »gehet entweder nach der Ordnung und dem Reihen herum oder außer der Ordnung. In und nach der Ordnung gehet er herum, wenn man keine Person umgehet oder außen läßt, sondern den Trunk auf einen jeglichen, wie sie nach einander sitzen, auf der Reih läßt herumgehen. Ein solcher Rundtrunk ist, wie man ihn nennet, dieGesundheit, welcher um eines Gesundheit willen mit entblößtem Haupt stehend, von der ganzen Compagnia verrichtet und getrunken wird. Von diesem ist die Frag: ob es nämlich recht sey? Darauf antworten wir, daß zwar das Ende, dahin ein solcher Trunk vornehmlich gerichtet und angefangen wird, gut sey, die Mittel aber nicht so gar bequem; denn wem ist nicht bewußt und kundbar, wie viel derselben seyen, so mit dergleichen Gesundtrinken eines andern Gesundheit und Wohlstand procuriren und suchen wollen,ihre selbsteigene Kräften und Leibesgesundheit aber hiedurch schwächen und verlieren.

Unanständig ist es, auf seine eigene Gesundheit trinken zu lassen, hingegen darf es den »Veneris Knechten« hingehen, wenn sie ihrer Liebsten wohl aus Gefäßen »daß auch eine vierjährige Kuh nicht möchte oder könnte heraussaufen« trinken. Der Zutrank muß immer erwidert werden, auch wenn ein Gegner ihn ausbringt.

»Einen besonderen Verstand bringt mit sich der Trunk, welcher genannt wird dieBrüderschaftoder derDutstrunk, da einer oder der ander, gleich als bei einer Einweihung pflegt zu geschehen, mit herrlich- und stattlichen Worten zum Bruder, oder an Brudersstatt erwähllt, auf- und angenommen wird. Die Form und Weis, einem einen solchen Trunk zuzubringen, ist kürzlich diese: Vielgeliebter Herr, wann ich demselben nicht zu kindisch oder zu gering und schlecht wäre, möchte ich vom Herzen wünschen, mit dem Herren durch einen freundlichen Trunk durch ein gute Freund- und Bruderschaft auf- und anzurichten; darauf dann der ander (wofern er nit etwa längere Ohren zu haben sich bedünken läßt) antwortet: der Herr, der trinke in Gottes Namen, es soll und wird mir ein lieber und angenehmer Trunk seyn.«

Ein Bursche darf niemals mit einem »grobhörnigen Pennalen und Federmichel«Bruderschaft trinken, hingegen soll ein adeliger Student sich nicht sperren, einen bürgerlichen zu seinem Bruder zu erkiesen. –

Da sehr häufig Damen den Kommersen beizuwohnen pflegten, natürlich meist Studentenliebchen, die mit ihren Amanten »tranken also beyde aus dem Trinkgeschirr zugleich«[315], so bemerkt das »Saufrecht« hierüber:

»Was ist von einer Jungfrauen zu halten, die mit einem jungen Gesellen einen solchen Freundschaftsbund aufrichtet, mag ihr auch an ihrer Ehr und Jungfrauschaft hiedurch etwas abgehen oder benommen werden? Dieses, wie ich vermeine, ist sonderlich unter denen vom Adel sehr gemein und üblich: und wie ich verstehe und merke, ist dieser löbliche Gebrauch auch unter anderen ausgebrochen, da sie nämlich auf Schwesterschaft und herzliche Treu trinken. Hütet euch aber, hütet euch, und sehet euch wohl für, sage ich, ihr Jungfrauen, die ihr Zucht und Ehr liebet, damit ihr nicht etwan unter dem Schein der Brüder- und Schwesterschaft betrogen in das Netz gefället werden möget. Denn wie der Poet sagt:

Ein Vogelfänger in dem WaldMit seiner Pfeif gar süß erschallt,Bis er die sichern VögeleinGelockt hat in die Maschen fein usw.

Ein Vogelfänger in dem WaldMit seiner Pfeif gar süß erschallt,Bis er die sichern VögeleinGelockt hat in die Maschen fein usw.

Der Verfasser verurteilt rückhaltlos die Manier, Hausticos aus alten Schuhen und auseinem gewissen unnennbaren Gefäße zu trinken, was kein Student nachzutun gezwungen werden kann.

In § 29 und folgenden des Büchleins, das im ganzen 61 §§ und ein Nachwort über das Thema: »Ob das Löffeln (Liebeln), so bei dem Trunk geschieht, die rechte Lieb verursache?«, enthält, werden verschiedene Arten, den Trunk zu sich zu nehmen, erzählt.

»Es sind aber viel und mancherlei Manier zu trinken, will derowegen allhie etliche Umstände erzählen. Diese haben eine sonderliche Lust daran, wenn siedas Glas mit dem Mund aufheben; jenehängen den Kopf gegen der Erden zu; andrenehmen zwei Gläser zusammen und stürzen sie zugleich heraus; viele brauchengar keine Hand, sondern fassen das Glas zwischen beide Arme. So finden sich auch Künstler, welchedas Glas auf die Stirn stellen, daß ihnen also der Wein über die Nasen nit anders als über einen Canal allgemach in den Schlund herabfließe.«

Der Verfasser vergißt noch das Eintrichtern, das z. B. in Rostock üblich war.

»Es sind auch wegen allerhand seltsamen Gebärden und Zeremonien solchen Trünken eigene Namen gegeben worden; dergleichen ist der Trunk, den man nennetCurl, Murl, Puff, welcher viel seltsame Schnacken undPossen in seinem Umgang verursachet; derlateinische Trunk, welcher viermal muß getrunken werden; desgleichendas Rößlein verkaufen,den Unbekannten bringen; itemfine Tuck, fine Schmuck, fine Bartwisch.«

DenWillkommentrunkist jeder unweigerlich zu erwidern gezwungen, auch wenn er ihm aus einer »weitbäuchigen Ampel« vorgetrunken wird oder er »sich gleichsam darüber entsetzt und wegen der greulichen, ungeheueren Last des Guckucks (Becher) erblasset.«

Außer diesem Guckuck gab es noch andere Gefäße, von denen man gern wieder einmal den Staub abwischte, z. B. »das römische Reich, dessen Kraft und Gewalt so groß und mächtig ist, daß es wohl auch den allerstärkesten Herkulum oder Sauff-Ritter dürffte ein Bein stellen, und wider Gottes Boden darniederwerffen. Und auff solche Manier pflegen sonderlich in Niedersachsen auch wohl ihrer viere zu trinken aus einer Kanne, die da entweder mit Bier oder Wein gefüllt ist, auff folgende Weise, daß die ersten drey jeder einen Trunk thut, der vierte aber muß das andere alles, was noch hinterstellig, exsicuiren und austrocknen. Und diese liebliche Kurtzweil nennen sie ›den Fuchs schlepfen‹«[316].

Die angeführten Trünke müssen in einem Atem erledigt werden, mit Ausnahme des»Römischen Reich« und das »Fuchs schlepfen«, die halb und geteilt vorgenommen werden dürfen. –

Bei Rundgesängen braucht nur der mit zu singen, der die Lieder kennt. Stillschweigen ist keine Verletzung des Komments.

Am Biertisch sollen keine gelehrten Dispute angeregt werden; es darf nicht gezankt, keine Fenster und Ofen eingeschlagen, Möbel zertrümmert werden, hingegen ist dies alles gestattet, wenn Schoristen den Pennälen die »Ehre« ihres Besuches zu teil werden lassen, die nicht mucksen dürfen, auch wenn »einem Pennalen ein Aug ausgeschlagen würde.«

Den Überschuß von Getränk auf alle mögliche Art von sich zu geben, wird nur dann verurteilt, wenn Jungfrauen dem Gelage beiwohnen, sonst ist es nach dem Grundsatze: »naturalia non sunt turpia« nicht weiter rügenswert. Nachdem sich der Autor lang und breit in zum Teil recht pikanter Weise über das Verhältnis zwischen Studiosus und Jungfrau ergeht, kommt er zum Schluß. Er widerrät darin, trunkene Zechbrüder bei sich schlafen zu lassen, da sie am nächsten Morgen das Gelage wieder fortsetzen würden, was mindestens mit großen Unkosten verbunden sei.

Der Tenor des ganzen Elaborats geht dahin, daß Trinken recht gut, nicht Saufen aber besser sei, denn »ist gut Glück, wann man etwan den dritten Tag erst wiederum über dieBücher sitzt und studiret. Mag sich derhalben wohl keiner zu derartigen Saufgelagen verfügen oder zu denselben einberufen lassen, wann er nicht auf das wenigste ein paar Tag mit einhalten und zubringen will!« – – –

Damit schließt das ehrwürdige Zech- und Saufrecht« und auch mein Buch.

Es wäre zwar noch viel zu sagen, so über das Zechrecht gewisser Städte, wie z. B. des märkischen Lippehne, das der Gelehrte Oelrichs im »Jus Lippenense« tiefsinnig gehaltvoll bearbeitete, über die Trinkerpoesie, die von den »Carmina burana«,[317], jener feucht-fröhlichen Handschrift des dreizehnten Jahrhunderts an die deutsche Literaturgeschichte bis zur Gegenwart durchzieht, von schriftlichem Zutrinken[318], dann von Trinkgefäßen aus den köstlichsten Stoffen und kunstvollster Arbeit, wenn ich nicht fürchten müßte, die Geduld meiner Leser ohnehin schon erschöpft zu haben.

Darum will ich kurz und unvermittelt meinen Rückblick auf die Vergangenheit des deutschen Durstes schließen, der, Gott sei Dank oder leider?, neben dieser inhaltreichen Vergangenheit auch eine ganz schöne Gegenwart, vielleicht auch eine hoffnungsvolle Zukunft besitzt, denn:

Nur in einem gleicht's den Ahnen:Ewig gleich und ungeschwächtErbt der Durst sich der GermanenVon Geschlechte zu Geschlecht. –(R. Baumbach.)

Nur in einem gleicht's den Ahnen:Ewig gleich und ungeschwächtErbt der Durst sich der GermanenVon Geschlechte zu Geschlecht. –

(R. Baumbach.)


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