Der tolle Koffer

Der tolle Koffer

Bei Tafel saßen in bunter Reih'Damen und Herren; auch saß dabeiEin junger Mann von blassem Gesicht,In Haltung und Ausdruck ernst und schlicht,Durchaus bescheiden, zwar etwas gefräßig,Aber schweigsam verhältnismäßig.Und wie der Bach in der Sonne BlinkenGlitt das Gespräch zwischen Scherzen und Trinken.Man sprach über dieses, man sprach über jenes,Man sprach über Nützliches, über Schönes,Und kam über Unfälle und VerbrechenGlücklich aufReisekofferzu sprechen.Nun waren, wie das so geht hienieden,Urteil und Ansichten sehr verschieden;Die Damen lobten die großen, schweren,Bequem zu packen und rasch zu leeren,Ohne daß dabei die ToiletteJemals Schaden genommen hätte.Den Herren hingegen wollte es scheinen,Angenehmer wären die kleinen,Die leichten zusammengeklappten Dinger;Man könne sie heben mit einem Finger.Unser Jüngling in guter Ruh'Kaut seinen Bissen und schweigt dazu.Und wie im Schilfe der schaukelnde NachenGlitt das Gespräch zwischen Scherzen und LachenVon Reisekoffern auf ferne GefildeIm schönen Italien und KunstgebildeUnd auf das Glück und das Glücklicherscheinen,Sowie aufdie Liebeim allgemeinen.Unser Jüngling kaute wacker fort,Hört von dem allen kein Sterbenswort,Seine Gedanken, begreiflicherweiseDämmern so weiter im alten Gleise.Und wie er sich abmüht mit düstrer Stirn,Löst sich ein Etwas in seinem Hirn,Und klettert herab, und erreicht seine Zung',Und wird nun allmählich zur Aeußerung.Und er tut den Mund auf, er winkt mit der Hand,Die Damen im Kreise die lauschen gespannt,Die Herren verstummen von ReminiszenzenAus schwülen Garderoben mit welkenden Kränzen;Alles starrt in nervösem Grimme,Und er sagt mit flötend melodischer Stimme,Und dabei leuchtet sein Antlitz hell:„Ich habe einen von Seehundsfell.“

Bei Tafel saßen in bunter Reih'Damen und Herren; auch saß dabeiEin junger Mann von blassem Gesicht,In Haltung und Ausdruck ernst und schlicht,Durchaus bescheiden, zwar etwas gefräßig,Aber schweigsam verhältnismäßig.Und wie der Bach in der Sonne BlinkenGlitt das Gespräch zwischen Scherzen und Trinken.Man sprach über dieses, man sprach über jenes,Man sprach über Nützliches, über Schönes,Und kam über Unfälle und VerbrechenGlücklich aufReisekofferzu sprechen.Nun waren, wie das so geht hienieden,Urteil und Ansichten sehr verschieden;Die Damen lobten die großen, schweren,Bequem zu packen und rasch zu leeren,Ohne daß dabei die ToiletteJemals Schaden genommen hätte.Den Herren hingegen wollte es scheinen,Angenehmer wären die kleinen,Die leichten zusammengeklappten Dinger;Man könne sie heben mit einem Finger.Unser Jüngling in guter Ruh'Kaut seinen Bissen und schweigt dazu.Und wie im Schilfe der schaukelnde NachenGlitt das Gespräch zwischen Scherzen und LachenVon Reisekoffern auf ferne GefildeIm schönen Italien und KunstgebildeUnd auf das Glück und das Glücklicherscheinen,Sowie aufdie Liebeim allgemeinen.Unser Jüngling kaute wacker fort,Hört von dem allen kein Sterbenswort,Seine Gedanken, begreiflicherweiseDämmern so weiter im alten Gleise.Und wie er sich abmüht mit düstrer Stirn,Löst sich ein Etwas in seinem Hirn,Und klettert herab, und erreicht seine Zung',Und wird nun allmählich zur Aeußerung.Und er tut den Mund auf, er winkt mit der Hand,Die Damen im Kreise die lauschen gespannt,Die Herren verstummen von ReminiszenzenAus schwülen Garderoben mit welkenden Kränzen;Alles starrt in nervösem Grimme,Und er sagt mit flötend melodischer Stimme,Und dabei leuchtet sein Antlitz hell:„Ich habe einen von Seehundsfell.“

Bei Tafel saßen in bunter Reih'Damen und Herren; auch saß dabeiEin junger Mann von blassem Gesicht,In Haltung und Ausdruck ernst und schlicht,Durchaus bescheiden, zwar etwas gefräßig,Aber schweigsam verhältnismäßig.

Bei Tafel saßen in bunter Reih'

Damen und Herren; auch saß dabei

Ein junger Mann von blassem Gesicht,

In Haltung und Ausdruck ernst und schlicht,

Durchaus bescheiden, zwar etwas gefräßig,

Aber schweigsam verhältnismäßig.

Und wie der Bach in der Sonne BlinkenGlitt das Gespräch zwischen Scherzen und Trinken.Man sprach über dieses, man sprach über jenes,Man sprach über Nützliches, über Schönes,Und kam über Unfälle und VerbrechenGlücklich aufReisekofferzu sprechen.

Und wie der Bach in der Sonne Blinken

Glitt das Gespräch zwischen Scherzen und Trinken.

Man sprach über dieses, man sprach über jenes,

Man sprach über Nützliches, über Schönes,

Und kam über Unfälle und Verbrechen

Glücklich aufReisekofferzu sprechen.

Nun waren, wie das so geht hienieden,Urteil und Ansichten sehr verschieden;Die Damen lobten die großen, schweren,Bequem zu packen und rasch zu leeren,Ohne daß dabei die ToiletteJemals Schaden genommen hätte.

Nun waren, wie das so geht hienieden,

Urteil und Ansichten sehr verschieden;

Die Damen lobten die großen, schweren,

Bequem zu packen und rasch zu leeren,

Ohne daß dabei die Toilette

Jemals Schaden genommen hätte.

Den Herren hingegen wollte es scheinen,Angenehmer wären die kleinen,Die leichten zusammengeklappten Dinger;Man könne sie heben mit einem Finger.Unser Jüngling in guter Ruh'Kaut seinen Bissen und schweigt dazu.

Den Herren hingegen wollte es scheinen,

Angenehmer wären die kleinen,

Die leichten zusammengeklappten Dinger;

Man könne sie heben mit einem Finger.

Unser Jüngling in guter Ruh'

Kaut seinen Bissen und schweigt dazu.

Und wie im Schilfe der schaukelnde NachenGlitt das Gespräch zwischen Scherzen und LachenVon Reisekoffern auf ferne GefildeIm schönen Italien und KunstgebildeUnd auf das Glück und das Glücklicherscheinen,Sowie aufdie Liebeim allgemeinen.

Und wie im Schilfe der schaukelnde Nachen

Glitt das Gespräch zwischen Scherzen und Lachen

Von Reisekoffern auf ferne Gefilde

Im schönen Italien und Kunstgebilde

Und auf das Glück und das Glücklicherscheinen,

Sowie aufdie Liebeim allgemeinen.

Unser Jüngling kaute wacker fort,Hört von dem allen kein Sterbenswort,Seine Gedanken, begreiflicherweiseDämmern so weiter im alten Gleise.Und wie er sich abmüht mit düstrer Stirn,Löst sich ein Etwas in seinem Hirn,Und klettert herab, und erreicht seine Zung',Und wird nun allmählich zur Aeußerung.Und er tut den Mund auf, er winkt mit der Hand,Die Damen im Kreise die lauschen gespannt,Die Herren verstummen von ReminiszenzenAus schwülen Garderoben mit welkenden Kränzen;Alles starrt in nervösem Grimme,Und er sagt mit flötend melodischer Stimme,Und dabei leuchtet sein Antlitz hell:„Ich habe einen von Seehundsfell.“

Unser Jüngling kaute wacker fort,

Hört von dem allen kein Sterbenswort,

Seine Gedanken, begreiflicherweise

Dämmern so weiter im alten Gleise.

Und wie er sich abmüht mit düstrer Stirn,

Löst sich ein Etwas in seinem Hirn,

Und klettert herab, und erreicht seine Zung',

Und wird nun allmählich zur Aeußerung.

Und er tut den Mund auf, er winkt mit der Hand,

Die Damen im Kreise die lauschen gespannt,

Die Herren verstummen von Reminiszenzen

Aus schwülen Garderoben mit welkenden Kränzen;

Alles starrt in nervösem Grimme,

Und er sagt mit flötend melodischer Stimme,

Und dabei leuchtet sein Antlitz hell:

„Ich habe einen von Seehundsfell.“

Signature

Signale der Abfahrt

Zehn Uhr vormittag. Der Zug nach Nürnberg geht um zehn Uhr eins.

Frau Schneider, die sich verspätet hat, stürzt an die Kasse.

„Herr Kassier, haben Sie noch ein Billett zweiter Klasse nach Ingolstadt?“

Rosette

Ein Schnorrer wird im Coupé ohne Billett angetroffen und auf der nächsten Station rausgeworfen, nachdem man ihn tüchtig verprügelt hat. Es gelingt ihm aber, bei der Abfahrt wieder in ein anderes Coupé zu schlüpfen, doch wird er wieder vom Schaffner erwischt und nachdem man ihm sein Fell tüchtig gegerbt hat, an die Luft gesetzt. Jedoch abermals glückt es ihm, aufzuspringen und bis zur nächsten Station mitzufahren. Hier nimmt ihn aber der Bahnhofsinspektor in Empfang, und während er wieder tüchtig verhauen wird, fragt ihn der Inspektor: „Ja, Mensch, was soll denn das eigentlich heißen?! Wohin wollen Sie denn eigentlich fahren?“

„Herr Inspektorleben,“ antwortet er,„wenn's mei Körperche aushält, bis Krakau“!

Rosette

Der Führer eines Güterzuges rapportierte in seinem Fahrbericht:

„Eingeladen in den Wagen acht2070 Kilo schwere Eisenfracht.“

„Eingeladen in den Wagen acht2070 Kilo schwere Eisenfracht.“

„Eingeladen in den Wagen acht2070 Kilo schwere Eisenfracht.“

„Eingeladen in den Wagen acht

2070 Kilo schwere Eisenfracht.“

Zugverspätung meldet er:

„Versäumt ab München vor dem SperrsignalWegen hoher Tonnen- und Achsenzahl.“

„Versäumt ab München vor dem SperrsignalWegen hoher Tonnen- und Achsenzahl.“

„Versäumt ab München vor dem SperrsignalWegen hoher Tonnen- und Achsenzahl.“

„Versäumt ab München vor dem Sperrsignal

Wegen hoher Tonnen- und Achsenzahl.“

Ein schadhaftes Packwagendach besingt er:

„Voll Flecken sind Papier und der Fahrbericht,Weil das Wagendach nicht wasserdicht.“

„Voll Flecken sind Papier und der Fahrbericht,Weil das Wagendach nicht wasserdicht.“

„Voll Flecken sind Papier und der Fahrbericht,Weil das Wagendach nicht wasserdicht.“

„Voll Flecken sind Papier und der Fahrbericht,

Weil das Wagendach nicht wasserdicht.“

Eine Fahrkontrolle meldet er mit folgenden Worten:

„Es fuhr im Zuge zur Kontrolle mit:Ein Direktionsassessor namens Schmitt.“

„Es fuhr im Zuge zur Kontrolle mit:Ein Direktionsassessor namens Schmitt.“

„Es fuhr im Zuge zur Kontrolle mit:Ein Direktionsassessor namens Schmitt.“

„Es fuhr im Zuge zur Kontrolle mit:

Ein Direktionsassessor namens Schmitt.“

Von einem Leichentransport sagt er:

„Es fährt der Zug zum AschenreicheVon Reichenhall nach Gotha eine Leiche.“

„Es fährt der Zug zum AschenreicheVon Reichenhall nach Gotha eine Leiche.“

„Es fährt der Zug zum AschenreicheVon Reichenhall nach Gotha eine Leiche.“

„Es fährt der Zug zum Aschenreiche

Von Reichenhall nach Gotha eine Leiche.“

Beschädigung eines Coupés meldet er in dem Vierzeiler:

„Offiziere von Talent und Wissen,Glieder dieser Welt Nobleß —Zerschnitten zweier Rücken Kissen,Verübten Roheit mit Exzeß!“

„Offiziere von Talent und Wissen,Glieder dieser Welt Nobleß —Zerschnitten zweier Rücken Kissen,Verübten Roheit mit Exzeß!“

„Offiziere von Talent und Wissen,Glieder dieser Welt Nobleß —Zerschnitten zweier Rücken Kissen,Verübten Roheit mit Exzeß!“

„Offiziere von Talent und Wissen,

Glieder dieser Welt Nobleß —

Zerschnitten zweier Rücken Kissen,

Verübten Roheit mit Exzeß!“

Die Dichtkunst sollte dem Zugführer nicht gut bekommen. Die Direktion München verbot ihm, in Fahrberichten poetische Ergüsse zu liefern, und nahm ihn vorläufig in 1 Mark Ordnungsstrafe. — Armer Poet!

Rosette

Ein biederer Landmann, dem man es ansieht, daß er sich einen heftigen Schnupfen zugezogen hat, will mit der Kleinbahn fahren. Jedoch der Schaffner, ein umsichtiger Beamter, verweigert ihm die Mitfahrt:

„Dös därf i nit dulde, daß Sie mit Ihra Schnuppen sich 'nei'setze!“

Natürlich will der Bauer auch den Grund wissen, weswegen er mit seinem Schnupfen nicht mitfahren darf.

„'s isch halt wegen derSicherheit,“ erklärt wichtig der Beamte — „neulich hat jemand so starkgeniest, daß'Zügle entgleischt is!“

Rosette

Als der Zug gerade abfahren wollte, kommt in hellem Schweiße ein Bäuerlein angelaufen, springt schnell in ein Abteil und läßt sich völlig erschöpft auf eine Bank nieder, mit den Worten: „So, nu lat den Zug to'n Düwel fahren!“ Fortwährend fluchend wischt er sich die zahlreichen Schweißtropfen von der Stirn. Ein ihm gegenüber sitzender geistlicher Herr hat die Worte mit Mißfallen angehört. „Mein Lieber,“ redet er das Bäuerlein salbungsvoll an, „wenn wir zum Teufel fahren, so führt uns der Weg aber zur Hölle.“ — „Dat is mir ganz egal,“ erwidert der Angeredete,„ick hewwe jo'n Retourbillett!“

Rosette

Auf dem Bahnhof steht ein Zug zur Abfahrt bereit. Auf einmal stürzt ein Herr auf den Perron, läuft den ganzen Zug entlang und ruft immer: „Lehmann! Lehmann!“

Herr Cohn macht das Fenster auf und will sehen, was los ist. Wie er den Kopf raussteckt, haut ihm der Fremde eine kräftige Ohrfeige runter.

Herr Cohn schnappt Luft und ruft den Schaffner: „Herr Schaffnerleben, hier hat einer Lehmann gerufen, ich mache das Fenster auf und da gibt mir der Kerl eine Ohrfeige!“

„Ja,“ fragt der Schaffner, „heißen Sie denn Lehmann?“

„Keine Ahnung, Cohn!“

„Na, dann geht Sie die Sache ja auch garnix an!“

Rosette

Wir lösten zwei Perronkarten und wollten auf den Bahnsteig hinaus — Herr v. Kossow und ich. Am Schranken verlangte der Portier die Karten.

Da wurde Herr v. Kossow aber wild.

„Jestatten Sie, Kammerherr v. Kossow, Leutnant der Reserve. Vermuten Sie versuchten Betrug?“

Roda Roda

Roda Roda

Rosette

„Was ist schwerer, der Körper oder der Geist?“

„Der Körper natürlich!“

„Falsch, der Geist. Denn der Körper wird im Coupé befördert, aber den Geist muß man ‚aufgeben’!“

Rosette

Von einem Bankier verabschieden sich auf dem Bahnhof Verwandte und Bekannte. Kurz vor Abfahrt des Zuges reicht ihm seine Schwägerin noch eine Tafel Schokolade mit den Worten: „Damit du nicht verhungerst!“ — Darauf sagt sein Vetter, ihm ein Fläschchen mit Kognak übergebend: „Hier, damit du nicht verdurstest!“ — Seine vierjährige Nichte, die aufmerksam zugehört hat, soll ihm nun noch ein Veilchensträußchen reichen. Sie tut dies auch, ans Coupéfenster emporgehoben, mit den Worten: „Hier lieber Onkel, damit du nicht verduftest!“

Rosette

„Schaffner, ich möchte ein Coupé haben, in dem nicht geraucht und nicht gesprochen wird, und in dem die Passagiere nicht immer raus- und reinlaufen!“ — „Na dann bleibt nur's Hundecoupé!“

Rosette

Fahrgast (am Ende der Tour): „Hier, Kutscher, haben Sie drei Mark.“ — Kutscher: „Wat, drei Mark jeben Sie mir vor die lange Tour? Sie denken woll, ick habe den Schimmel jestohlen, Sie oller Nassauer, Sie!“ — Fahrgast: „Wenn Sie so mit mir reden, sollen Sie auch nur die Taxe bekommen; die macht zwei Mark fünfzig, geben Sie mir sofort fünfzig Pfennig retour!“ — Kutscher: „Na, die fufzig Pfennje Trinkgeld könnten Se mer doch wenigstens lassen, —wo ick mir schon davor bedankt habe!“

Rosette

Professor Hühnersteiß will seine Gattin, die einige Zeit bei ihren Verwandten zu Besuch war, von der Bahn abholen. Um ihr eine Freude zu bereiten, kauft er auf dem Wege zum Bahnhof eine Torte, die er in einem runden Karton verpackt unter den Arm nimmt. Auf dem Bahnhof muß er jedoch erst noch einem menschlichen Bedürfnis nachkommen und suchte die betreffende dunkle Oertlichkeit auf. Plötzlich hörte er den Zug einlaufen, nimmt im Dunkeln sein rundes Präsent, eilt hastig auf den Bahnsteig und überreicht seiner erstaunten Gattin —den Klosettdeckel.

Rosette

Horace Vernet, der berühmte französische Schlachtenmaler wohnte in Versailles, mußte von dort aus sich jeden Tag nach Paris begeben und hatte deshalb ein Abonnement für die Strecke genommen. Da er nach einigen Wochen sich zu der Annahme berechtigt glaubte, daß die Eisenbahnbeamten ihn kennen mußten, wollte er sich's ersparen, ihnen täglich seine Abonnementskarte zu zeigen. Aber der am Eingang des Bahnsteiges in Versailles aufgestellte Beamte, ein grämlicher alter Unteroffizier, bestand unweigerlich darauf, daß die Karte stets vorgezeigt wurde. Auf alle Vorhaltungen des Künstlers erwiderte er barsch: „Das Reglement schreibt das vor!“ Schließlich wurde Vernet die Sache zu bunt und er fand folgenden Ausweg: Er ließ sich seine Abonnementskarte am oberen Hinterteile des Beinkleides festnähen und jedesmal, wenn der alte Beamte sie zu sehen verlangte, hob er die Schöße seines Rockes empor und rief mit einer bezeichnenden Geste laut aus: „Da ist sie!“

Rosette

Eisenbahnbilleteur: „Belieben's a Billetten?“ — Fremder: „Freilich und zwar ein bißchen schnell, von Bodenbach bis Wien, zweiter Klasse!“ — Billeteur: „Belieben's mit der Kassen durchgebrannt zu sein?“

Rosette

Erster Reisender(neugierig): „Nun, Herr Kollege, wir haben uns nun schon so oft getroffen, in welchem Artikel, mit Erlaubnis, machen Sie denn eigentlich?“

Zweiter Reisender(spöttisch lächelnd): „Ich spreche darüber zwar nicht gerne, doch sollen Sie es wissen! — Ich, ich mache für die Firma Bohrer & Co.in Knopflöchern!“

Rosette

Ein Amerikaner sieht auf einem Bahnhof den Stationsvorsteher vor dem Thermometer stehen. Er tritt an ihn heran und fragt gemütlich: „Na, wieviel Fahrenheit?“ — Aergerlich dreht sich der Beamte um und erwidert: „Zählen Sie sie doch!“

Rosette

Schaffner: „Also Miß — schnell einsteigen, 's keine Sekunde Zeit mehr übrig.“ — Miß: „Ach — meiner Schwester muß ich noch einen Abschiedskuß geben!“ — Schaffner (eilig): „Nur hinein — hinein! — das will ich schon selbst besorgen!“

Rosette

In der Ecke des Bahnwirtshauses hockt der Gamsbart-Toni und stöhnt vor Zahnweh, daß die Fenster klirren. Alle möglichen Mittel hatte er schon vergeblich probiert, aber selbst des Baders Künste waren an der tiefsitzenden Wurzel gescheitert.

Kommt der Dalsten-Nazi herein, ein pfiffiger Kopf, der meint: „Ich wüßt dir schon ein Mittel — aber Kurasch braucht's. Ich hab' da in den „Fliegenden Blättern“ gelesen, wie einmal einer seinen Zahn hinten am Zug an den Puffer an'bunden hat — der Zug is in's Fahren 'kommen und im Nu war der Zahn heraus!“

Der Toni stutzte einen Augenblick. Da fing der Schmerz von neuem zu bohren an. Er sprang auf — just pfiff die Lokomotive draußen zum Abfahren — ein Strick war im Nu um den kranken Zahn gewunden und in der nächsten Minute hatte er ihn fest an den Puffer des letzten Wagens geknüpft.

Ein Schnauben, ein Brausen ... Anfangs lief Toni ein Stückchen mit; da rollten die Räder schneller, der Atem ging ihm aus — plötzlich ein Krach und Schlag: Toni lag auf der Erde und neben ihm der —Puffer.

Rosette

Eisenbahnbeamter (zum Passagier in der ersten Klasse mit einem Billett zweiter Klasse): „Sie haben ja nur ein Billett zweiter Klasse, Sie müssen die Differenz nachzahlen.“ — Passagier: „Die zweite Klasse war aber doch besetzt.“ — Beamter: „Ja, aber es war doch eine Menge Platz in der dritten Klasse.“ — Passagier: „Sehr richtig. Zahlen Sie mir die Differenz heraus, dann steige ich um.“

Rosette

Tritt da am Droschkenstand beim Kurhaus ein eleganter Herr auf ein Gefährt zu, das durch seine Neuheit angenehm in die Augen fiel: „Aeh, Kutscher, machen Sie mal den Affenkasten auf!“ Der Kutscher kommt dienstfertig der Aufforderung nach, öffnet den Wagenschlag und bemerkt in verbindlichem Tone: „Bitte, wollen der Herr Affe einsteigen!“

Rosette

„Kaufen Sie sich den Koffer da.“ — „Was brauch ich ä Koffer?“ — „Nu, für Ihre Kleider.“ — „Für meine Kleider? Nu, soll ich nackt herumlaufen?“

Rosette

Schaffner: „Hier dürfen Sie nicht bleiben, mein Herr, dies Coupé ist für Nichtraucher!“

Reisender: „Ich bin doch Nichtraucher.“

Schaffner: „Sie rauchen doch aber!“

Reisender: „Ja,aber nur ganz ausnahmsweise!“

Rosette

Herr (zum Kellner, am Bahnhof): „Jetzt habe ich, da ich solange aufs Essen warten mußte, den Zug versäumt!“ — Kellner: „Nun können Sie es wenigstens in Ruhe essen!“

Rosette

Dame: „Kommt denn der andere Zug noch nicht bald, damit ich weiter fahren kann?“ — Schaffner (der Sekundärbahn): „Das ist sehr unbestimmt, verehrtes Fräulein. So nette regelmäßige Züge, wie Sie sie besitzen, haben wir bei unserer Sekundärbahn natürlich nicht!“

Rosette

Herr(im Eisenbahnzuge): „Wie ist dies Unglück geschehen?“

Schaffner:„Jemand hat die Notleine gezogen und den Zug zum Halten gebracht, und da ist der Schnellzug in uns hineingefahren. Es wird fünf Stunden dauern, bis die Strecke soweit geräumt ist, daß wir weiterfahren können.“

Herr:„Fünf Stunden! Himmel! Ich wollte michheute verheiraten!“

Schaffner(ein verheirateter Mann, streng): „Hören Sie mal, sindSie etwa derjenige,der denZug zum Haltengebracht hat?“

Rosette

Eine fränkische Güterexpedition hat, nach der „Amberger Volksztg.“, dieser Tage folgenden Brief erhalten: „Liwe Giteräxbetütion! Warum schickst Du mir so lange meinen Kufer nicht. Ich habe Dir doch nikz gedan, das Du mir meinen Kufer nicht schickst. Sei so gud und schick mir doch meinen Kufer. Es grüßt Dich bestens Dein M. Sch.“

Rosette

Fremder: „Hält der Zug hier so lange, daß man ein Schnitzel verzehren kann?“ — Geschäftsreisender: „O, gewiß!“ — Fremder: „Sie kennen wohl den Fahrplan genau?“ — Geschäftsreisender: „Nee — aber die Schnitzel!“

Rosette

Auf dem Bahnhof in M. ist ein Assistent beschäftigt, der stets die Wagentüren eigenhändig zuschlägt. — Mein Freund Meier, mit dem zusammen ich neulich dort durchfuhr, schien das zu wissen, denn wie der Assistent an unsere Tür kommt, hat Meier den Riemen der Fensterscheibe zwischen die Türspalte geklemmt. Der Assistent ergreift die Klinke, holt aus und schlägt die Tür zu, wobei er „Vorsicht“ ruft. Aber: bumm ... fftt prallt die Tür zurück. Da steckt er seinen Kopf in den Wagen und schreit wütend:„Die Finger weg!“

Rosette

„Fatal! Wenn ich jetzt meine Reisetasche bei mir hätte, da könnte ich gleich abfahren!“

„Hatten Sie denn vor, zu verreisen?“

„Natürlich, aber ich dachte, den Zug versäumst du doch, da läßt du die schwere Reisetasche lieber einstweilen zu Hause!“

Rosette

In der Bahnhofshalle,Nicht für es gebaut,Läuft ein Huhn hin und her ...Wo, wo ist der Stationsvorsteh'r? —Wird dem HuhnMan nichts tun?Hoffen wir es —Sagen wir es laut:Daß ihm unsere Sympathie gehört,Selbst an dieser Stätte, wo es — „stört“.

In der Bahnhofshalle,Nicht für es gebaut,Läuft ein Huhn hin und her ...Wo, wo ist der Stationsvorsteh'r? —Wird dem HuhnMan nichts tun?Hoffen wir es —Sagen wir es laut:Daß ihm unsere Sympathie gehört,Selbst an dieser Stätte, wo es — „stört“.

In der Bahnhofshalle,Nicht für es gebaut,Läuft ein Huhn hin und her ...Wo, wo ist der Stationsvorsteh'r? —Wird dem HuhnMan nichts tun?Hoffen wir es —Sagen wir es laut:Daß ihm unsere Sympathie gehört,Selbst an dieser Stätte, wo es — „stört“.

In der Bahnhofshalle,

Nicht für es gebaut,

Läuft ein Huhn hin und her ...

Wo, wo ist der Stationsvorsteh'r? —

Wird dem Huhn

Man nichts tun?

Hoffen wir es —

Sagen wir es laut:

Daß ihm unsere Sympathie gehört,

Selbst an dieser Stätte, wo es — „stört“.

Rosette

Vor Abfahrt eines Zuges kommt Nathanael Tapetenmuster auf den Bahnhof gestürzt und fragt den Stationsvorsteher, wo er einem tiefgefühlten Bedürfnis entsprechen kann, und nachdem dieser ihm den Weg gesagt hat, zieht er sich zu geheimer Sitzung zurück. Der Zug ist nunmehr zur Abfahrt fertig und der Stationsvorsteher gibt das Zeichen zur Abfahrt, indem er mit Stentorstimme: „Fertig!“ ruft.

Da tönt Nathanaels Stimme aus dem bekannten Oertchen:„Nein — noch nicht!“

Rosette

Imbisse des Coupés

Durchlaucht sitzen im Eisenbahncoupé und versuchen nach Möglichkeit die Reize der Landschaft zu genießen, durch welche der Zug dahinsaust. Aber gerade auf der schönen Aussichtsseite verhüllt der dichte Rauch der Lokomotive das Gebirgsbild. Ungeduldig wendet sich Durchlaucht zu seinem Begleiter: „Kindermann, lassen Sie dem Maschinenführer sagen, er möge — äh — möge den Rauch auf die andere Seite auslassen! Hier verdeckt er ja die schönste Gegend!“ Kindermann erhebt sich verlegen und will die Sache mit der Windrichtung begründen; aber Durchlaucht wehrt entschieden ab. Kindermann geht in den Durchgang hinaus und bespricht die Sache scheinbar mit dem Schaffner — natürlich ohne Erfolg. Durchlaucht wartet in übelster Laune auf die Rückkehr seines Begleiters. Kindermann versichert, es werde das Möglichste geschehen. Aber nach wie vor verdeckt der Rauch die Landschaft auf der linken Seite. Durchlaucht wird immer erregter. Da beschreibt die Bahn eine Kurve — der Wind treibt den Rauch auf die andere Seite. Und Durchlaucht spricht mißmutig: „Na also — warum geht es jetzt? Daß die Leute so schwerfällig sein können!“

Rosette

Eine Dame ruft voll verhaltenem Aerger, weil in ihrem Coupé geraucht wird:

„Schaffner, darf hier geraucht werden?“

„Ja, stecken Sie sich nur eine an!“

Rosette

Rentier Bliemchendopp aus Dresden sitzt im Coupé, als ein Reisender einsteigt und über ihm ins Gepäcknetz seinen ziemlich gewichtigen Koffer stellt. Als der Zug eine Kurve macht, fällt der Koffer auf Bliemchendopps Kopf. Der Reisende entschuldigt sich vielmals und stellt den Koffer wieder hinauf. Ein zweites und drittes Mal fällt der Koffer auf Bliemchendopp herab und jedesmal überbietet sich der Reisende an höflichen Entschuldigungen. Als jedoch der Koffer das vierte Mal auf Bliemchendopp herunterpurzelt und der Reisende wieder seine Entschuldigungsphrasen loslassen will, sagt Bliemchendopp mit einer abwehrenden Handbewegung: „Jetzt brauchen Sie sich nich mehr zu endschuldchen, jetzt bin ich Se nämlich schondran gewöhnd!“

Rosette

A: (zu seinem Coupé-Genossen während seiner Geschäftsreise): „Und wie geht denn in Ihrer Branche das Geschäft — auch so miserabel, wie in der meinigen?“ B: „O vorzüglich! Das Rohmaterial oberfaul, im Kundenkreise nichts als Jammer, gewaltsame Eingriffe jeden Tag zu Dutzenden ...“ — A: „Und das nennen Sie vorzüglich?“ — B: „Gewiß — Sie müssen nämlich wissen, ich bin — Zahnarzt!“

Rosette

Herr(der soeben in einen Wagen der Berliner Ringbahn eingestiegen ist, zu einer sehr dicken Dame): „Warum weinen Sie denn, meine Gnädige?“

Dame: „Ach, lieber Herr, sehen Sie, durch diese Station bin ich nun schon dreimal gefahren — ich soll hier aussteigen, und ich kann nicht!“

Herr: „Warum denn nicht?“

Dame: „Ja, sehen Sie, ich bin etwas korpulent und muß deshalbrückwärtsaussteigen. Wenn nun der Zug hält, mach' ich die Tür auf und setze den einen Fuß auf das Trittbrett. Jedesmal kommt dann der Schaffner,denkt, ich will einsteigen, gibt mir einen kleinen Schubsund schlägt mit den Worten: „Madamken, wenn Sie noch mitwollen, dann müssen Sie sich beeilen!“ — die Waggontür zu!“

Rosette

Ein Oberlehrer wird in der Eisenbahn mit den Worten „Sie, geben Sie mal Streichhölzer“ um Feuer gebeten. Er erwidert: „Erstens habe ich keine Streichhölzer, zweitens würde ich Ihnen, selbst wenn ich solche hätte, keine geben,a) weil Sie mich in unhöflicher Weise darum angegangen haben,b) weil wir im Nichtrauchercoupé fahren.“

Rosette

Hanns Heinz Ewers erzählt:

„Auf einer Fahrt durch Estremadura (Spanien) befand sich in meinem Coupé eine englische Dame, welche sich genierte, die primitiven aus zwei durchlöcherten Brettern bestehenden W. C. der spanischen Bahnstationen zu benutzen und deshalb seelische wie körperliche Qualen litt.

Da war es, daß ich ein seltenes, ein aufopferndes Bild von Edelmut und Herzensgüte erlebte.

Ein im Coupé sitzender Handlungsreisender erhob sich und nahm aus der Schachtel seinen neuen, wundervollen Zylinderhut. Er reichte ihn der Dame hin und sagte würdevoll:

„Madam! Dies ist ein Zylinderhut. Man kann ihn auch zu anderen Zwecken benutzen. — Ich und die beiden Herren möchten jetzt schrecklich gern hier aus dem Fenster hinaus die Gegend betrachten. — Wenn in der Zwischenzeit der Zylinderhut aus dem anderen Fenster hinausgeworfen würde, würde ich mir das zur hohen Ehre anrechnen!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte er den Zylinderhut neben die Dame, faßte uns am Arm und drängte uns zum Fenster hin. Wir unterhielten uns laut über die schöne Gegend, die aus Sand, verbranntemGras und Telegraphenstangen bestand. Als wir sie genug bewundert zu haben glaubten, drehten wir uns wieder um. Der Zylinderhut war verschwunden, die Engländerin saß ruhig mit glücklichem Gesicht in ihrer Ecke. Sie warf dem Handlungsreisenden einen dankbaren Blick zu.

„Sie sind ein Gentleman!“ sagte sie einfach.

„Ja!“ sagte ich ergriffen und drückte ihm die Hand, „man sollte Ihnen ein Denkmal setzen!“

„O bitte!“ sagte der Herr vornehm. Und rasch brachte er ein anderes Gesprächsthema auf, erzählte höchst ergötzliche Geschichten von Leutnants und Schwiegermüttern.

„Welch ein Mensch!“ dachte ich.

Alles nimmt ein Ende. Und so gelang es schließlich auch unserer braven sechzigjährigen Lokomotive „Esmeralda“ uns nach Sevilla hineinzuschleppen. Sie schnarchte fürchterlich und war schrecklich müde — das arme Tierchen!

Wir stiegen aus, der Handlungsreisende reichte liebenswürdig der englischen Dame ihre Gepäckstücke und ich sah, wie er die Adresse auf ihrem Koffer las.

„Miß Maud Clifton, Park Road, Sheffield!“ murmelte er. — „Sheffield? — Das ist gut, da ist ja die Firma Winter Brothers!“

Er half der Dame beim Aussteigen. Dann kritzelte er ein paar Worte auf eine Karte und wandte sich an mich:

„Lieber Landsmann,“ sagte er, „ich muß unserer Reisegefährtinmit dem Gepäck behilflich sein. Wollen Sie mir wohl dies Telegramm hier aufgeben?“

Ich war froh, dem hochherzigen Mann einen kleinen Dienst erweisen zu können und sprang schnell zum Telegraphenbureau. Die Depesche lautete:

Winter Brothers, Sheffield!

„Hat Miß Maud Clifton, Sheffield, Park Road, eigenes Vermögen? Und wieviel? Drahtantwort. Lehmann in Firma Obermeier, Berlin, zur Zeit Sevilla, Hotel Cadiz.“

Nachdem ich das Telegramm aufgegeben hatte, suchte ich mein Handgepäck zusammen und lief zum Hotelwagen, der bis zum letzten Platz besetzt war.

„Sie müssen in ein anderes Hotel!“ rief mir Herr Lehmann aus dem Fenster zu, „in diesem ist alles besetzt.“ —

„Die Depesche ist besorgt, sie hat acht Pesetas vierzig gekostet!“ sagte ich.

„Schon gut,“ meinte Herr Lehmann. „Wenn nur die Antwort befriedigend ist!“ Er beugte sich hinaus und sagte vertraulich: — „Hübsch ist sie ja, die Miß, wenn sie nun auch noch Geld hat, können wir bald Verlobung feiern!“

„O!“ beteuerte ich. „Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Glück! — Sie edler Mensch, Sie! Sie Gentleman! — Ihr neuer Zylinderhut!“

„Reden Sie doch nicht!“ sagte Herr Lehmann, „meinen Sie denn ich würdeauf ein so schwaches Risiko hin meinen eigenenZylinderhut hergeben?!— Nicht mal die Telegrammkosten!“

Der Kutscher knallte. Der Hotelwagen knatterte über das Pflaster hin.

Eine schreckliche Ahnung stieg in mir auf. — Ich öffnete meine schöne lederne Hutschachtel — — sie war leer!

O dieser Gentleman — — dieser scheußliche Gentleman!

Wenn er aber Hochzeit macht — — ich werde ihm telegraphisch meine Rechnung schicken! —“

Rosette

Mayer und Kohn fahren zusammen mit der Bahn. Kohn hat keine Fahrkarte. Wie sie zur Endstation kommen, sagt Kohn zu Mayer: „Borg' mir e Moment deine Fahrkarte.“ Mayer gibt Kohn seine Karte. Kohn schreibt rückwärts seinen Namen darauf und gibt die Karte wieder dem Mayer zurück. Beide steigen aus. Mayer gibt beim Ausgang seine Karte ab und hinter ihm kommt Kohn. „Bitte, die Fahrkarte,“ sagt der Beamte. „Hab' ich Ihnen ja gerade gegeben.“ „Das ist nicht wahr,“ sagt der Beamte. „Wieso nicht wahr?“ sagt Kohn, „sehen Sie, bitte, nach, ich hab' mein' Nam' auf die Karten d'raufgeschrieben, ich heiße Kohn.“ Der Beamte schaut nach, findet richtig die Karte und sagt zu Kohn: „Gut, Sie können gehen.“ Kohn: „Wie haißt, Sie können geh'n, das Beschwerdebuch will ich haben!“

Rosette

Veitel Troddeles sitzt im Coupé neben einem Offizier und raucht eine hundsgemeine Stinkadores. Der Offizier murmelt indigniert etwas von „schreckliche Jesellschaft“ und bietet ihm seufzend eine von seinen teuren Zigarren an.

Veitel Troddeles akzeptiert diese dankend, steckt sie aber nicht an, sondern ein, und schmaucht seinen Stänker weiter. Der Offizier ruft wütend:

„Aber Mann Gottes, nun rauchen Se doch um Gottes willen dieandereZigarre!“

„Ach nein,“ sagt Veiteles, „die rauch' ich mal, wenn ich bin in äfeinere Gesellschaft!“

Rosette

Ein Brautpaar fährt mit der Eisenbahn und erhält auf seine Bitte vom Kondukteur in dem wenig besetzten Zug ein separates Coupé eingeräumt. Während der Fahrt erlaubt sich das Paar allerlei Zärtlichkeiten, als plötzlich ein Mann unter der Bank hervorkriecht. Erschreckt ruft der Bräutigam: „Was tun Sie hier — haben Sie uns beobachtet?“ — „Oh nein, seien Sie unbesorgt, ich habe nichts gesehen; ich bin ein‚blinder Passagier’.“

Rosette

Zwei Damen sitzen im Eisenbahncoupé, die eine macht das Waggonfenster auf, da sagt die andere: Das Fenster muß zubleiben, ich bin leidend, wenn ich einen Zug bekomme, kann ich momentan tot sein. Die andere sagt wieder: Ich halt's nicht aus beim geschlossenen Fenster, ich muß Luft haben, sonst trifft mich der Schlag. Es entsteht ein großer Streit, der Kondukteur kommt und sagt folgendes: „Also machen wir zuerst das Fenster auf, dann sterben Sie, dann machen wir's zu, dann trifft Ihnen der Schlag — dann haben wir Ruhe!“

Rosette

A: „Mir ist so schlecht, ich kann es gar nicht beschreiben.“

B: „Ja, von was denn?“

A: „Wissen Sie, ich bin von Pest nach Wien gefahren und immer im Coupé verkehrt gesessen.“

B: „Wieso verkehrt?“

A: „Na, gegen den Zug.“

B: „Da hätte ich doch meinvis-à-visersucht, es soll mit mir den Platz wechseln!“

A: „Ja, das hätte ich ja auch getan. Aber es ist niemandvis-à-visgesessen.“

Rosette

Ort der Handlung: Ein Eisenbahnzug „drüben“. In einer Ecke am Fenster ein junger, eben eingewanderter Fremdling — in der anderen gleichfalls am Fenster ein alter würdiger Yankeepur sang. Dieser, eifrig mit Tabakkauen beschäftigt, spuckt von Zeit zu Zeit mit großer Vehemenz und noch größerer Zielsicherheit nicht etwa aus seinem Fenster, sondern zum jenseitigen hinaus, dicht an des „foreigner“ Nase vorbei. Der Neuling, mit des Landes Sitten nicht vertraut, beschließt, dem Mitinsassen eine Lektion zu erteilen, und indem er sich den Anschein gibt, als beabsichtige er durch das neben dem Amerikaner befindliche Fenster zu spucken, trifft er den würdigen Herrn mitten ins Gesicht. Der jedoch schüttelt milde tadelnd sein Haupt und sagt gelassen:„Sie sind noch ein Anfänger, mein Herr!“

Rosette

Ein Eisenbahnzusammenstoß hat einige Waggons zertrümmert. Dabei sind dem Diener eines Lord beide Beine abgequetscht worden. Als man das dem Lord, der selbst unbeschädigt geblieben ist, mitteilt, sagt er:

„Well, bringen Sie mir das Bein, wo sind drin meine Kofferschlüssel!“

Rosette

In einem Coupé machten sich bei dem von einem opulenten Diner heimkehrenden Herrn Großkotz aus Klein-Pankow die Folgen der zu starken Nahrungsaufnahme in explosiver Weise bemerkbar und das Ungewitter entladet sich unglücklicherweise gerade auf den Anzug eines ihmvis-à-vissitzenden Herrn, der ebenfalls angesäuselt, eingeschlafen ist. Der Attentäter will sich durch einen Trick aus der Affäre ziehen, weckt den Herrn und sagt: „Na, guter Mann, ist Euch jetzt wieder besser?“

Der Herr sieht sich verdutzt um und sagt endlich: „Dunnerkeil, ich — habe — aber — doch seit Monaten keine Tomaten mehr gegessen!“

Rosette

Szene: Ueberfüllter Wagen der Ringbahn in Bremen. Eine Dame steigt ein und muß stehen; ein Arbeiter erhebt sich und nun entspinnt sich folgendes Gespräch:

Arbeiter: „Madame, nehmen S' minen Platz, ick kann ehder stahn.“

Dame (hochmütig): „Danke, ich setze mich auf keinen warmen Platz.“

Arbeiter: „Denn kann'k dett nicht helpen, Madamm, een Isbüdel kann'k mer nich in de Boxen hangen.“

Rosette


Back to IndexNext