Im Speisewagen

Wenn einer eine Reise tut, so kann er — totgeschlagen werden. Leider Gottes ist das eine Binsenwahrheit für deutsche Verhältnisse geworden.Da ist es denn überaus erfreulich, zu erfahren, daß die Bahnverwaltung auf alle möglichen Mittel sinnt, um den Prozentsatz der Morde in den D- und Schnellzügen auf das normale Maß zu reduzieren.Der Vorschlag, alle Reisenden vor Antritt der Fahrt der Untersuchung durch das Bertillonsche Meß-System zu unterwerfen, um berüchtigte Raubmörder von vornherein zu fassen, hat manches Mißliche, da er eine unerhörte Belästigung des Publikums darstellt.Auch die Versuche, den einzelnen Zügen Berliner Kriminal-Schutzleute mitzugeben, sind total mißglückt, da die braven Beamten von dem Raubgesindel in der frechsten Weise bestohlen und ausgeplündert wurden.Aussichtsvoller wäre schon der Plan die so hochintelligentenPolizeihundeder Eisenbahnbehörde zur Verfügung zu stellen. Aengstliche Reisende, die größere Geldsummen mit sich führen, könnten dann eine „Fahrkarte mit Hund“ lösen, müßten aber, da die Bahnverwaltung diese Vierfüßler, selbst wenn sie als „königliche Staatsbeamte“ fungieren, nur in gesonderten Abteilen transportieren läßt, im —Polizeihunde-Coupé, Platz nehmen, ein Umstand, der der Durchführung genannter Idee einige Hindernisse bereitet. Immerhin dürfte selbst derbesonders furchtsamveranlagte Reisende einzig und allein imPolizeihunde-Coupéein unbedingtes Gefühl der Sicherheit auf den deutschen Staatsbahnen erhalten.Gegen das Verbot,unter keinen UmständennurzweiPassagiere in einem Abteil fahren zu lassen, protestieren wieder energisch die Hochzeitsreisenden, die sich sogar scharf gegen die Beleuchtung der Tunnelpassagen ausgesprochen haben. —Ernsthafter ist schon die Idee zu betrachten, die Passagiere vor Antritt der Fahrt sorgfältig nach demZweck ihrer Reise zu befragen.Hierwäre für intelligente Bahnbeamte ein weites Gebiet der Tätigkeit.Wenn z. B. ein gewisser Klamotten-Ede erklärt, er wollenach Norderney, um zur Stärkung seiner Gesundheit einige Dutzend Fußbäder zu nehmen, so wäre dies durchaus auffällig, und weitere Recherchen würden vielleicht die Unrichtigkeit seiner Angaben bestätigen.Auch die Aussage der berüchtigten „Troddel-Bertha“, sie fahre nach Bernau, um Untersuchungen über die Säuglingssterblichkeit in Kellerwohnungen anzuregen, könnte allzu berechtigten Zweifeln begegnen.Ebensogut wäre Mißtrauen am Platze, wenn ein Berliner Geldschrankknacker den Nachtzug Berlin-Köln angeblichdazubenutzt, um der Frühmesse im Dom beizuwohnen oder vielleicht Kölnisches Wasser für seine „Braut“ zu kaufen!Hiernun muß die Bahnschutz-Kontrolle einsetzen. Sobald sich daher ein derartigverdächtigesIndividuum einem Passagier gegenübersetzt, wird diesersofort davon verständigt. Dann wird dieHosenschnalle des Gefährdetendurch eine Zuckerschnur mit derNotleineverbunden, die rechte Hand desVerdächtigenanderseits mit derBremsvorrichtung, so daß jedes Zerren daran den Zug auf der Stelle zum Stehen bringt.Da weiterhin „Raubmörder“ gewöhnlich das Opfer während derLektüreüberfallen, so werden dem Gefährdetendurch den Zugführer sämtliche eventuell in seinem Besitz befindlichenZeitungenundBroschürenabgenommen.Bevor ein Tunnel passiert wird, tritt der diensttuende Schaffner in das Coupee hinein und versorgt den gefährdeten Passagier mit Beschwerdebuch, schwedischen Streichhölzern und einer kurzen gedruckten Anweisung zum Jiu-Jitsu.Diese Vorbereitungen werden den Raubmörder derartig beunruhigen, daß er sich meistens auf der nächsten Station in unauffälliger Weise — drückt!Sehrzu empfehlen ist ängstlichen Passagieren auch der von der Bahnbehörde geliefertekünstliche Oberkopf, in dem sich ein elektrisches Läutewerk befindet. Es erregt erfahrungsgemäß regelmäßig bei dem „Opfer“ große Heiterkeit, wenn der „Verdächtige“ mit seinem Hammer wie verrückt darauf losschlägt und das gesamte Schaffnerpersonal alarmiert, während der Passagier —in aller Ruhe seine Zeitung liest!Max Brinkmann.

Wenn einer eine Reise tut, so kann er — totgeschlagen werden. Leider Gottes ist das eine Binsenwahrheit für deutsche Verhältnisse geworden.

Da ist es denn überaus erfreulich, zu erfahren, daß die Bahnverwaltung auf alle möglichen Mittel sinnt, um den Prozentsatz der Morde in den D- und Schnellzügen auf das normale Maß zu reduzieren.

Der Vorschlag, alle Reisenden vor Antritt der Fahrt der Untersuchung durch das Bertillonsche Meß-System zu unterwerfen, um berüchtigte Raubmörder von vornherein zu fassen, hat manches Mißliche, da er eine unerhörte Belästigung des Publikums darstellt.

Auch die Versuche, den einzelnen Zügen Berliner Kriminal-Schutzleute mitzugeben, sind total mißglückt, da die braven Beamten von dem Raubgesindel in der frechsten Weise bestohlen und ausgeplündert wurden.

Aussichtsvoller wäre schon der Plan die so hochintelligentenPolizeihundeder Eisenbahnbehörde zur Verfügung zu stellen. Aengstliche Reisende, die größere Geldsummen mit sich führen, könnten dann eine „Fahrkarte mit Hund“ lösen, müßten aber, da die Bahnverwaltung diese Vierfüßler, selbst wenn sie als „königliche Staatsbeamte“ fungieren, nur in gesonderten Abteilen transportieren läßt, im —Polizeihunde-Coupé, Platz nehmen, ein Umstand, der der Durchführung genannter Idee einige Hindernisse bereitet. Immerhin dürfte selbst derbesonders furchtsamveranlagte Reisende einzig und allein imPolizeihunde-Coupéein unbedingtes Gefühl der Sicherheit auf den deutschen Staatsbahnen erhalten.

Gegen das Verbot,unter keinen UmständennurzweiPassagiere in einem Abteil fahren zu lassen, protestieren wieder energisch die Hochzeitsreisenden, die sich sogar scharf gegen die Beleuchtung der Tunnelpassagen ausgesprochen haben. —

Ernsthafter ist schon die Idee zu betrachten, die Passagiere vor Antritt der Fahrt sorgfältig nach demZweck ihrer Reise zu befragen.Hierwäre für intelligente Bahnbeamte ein weites Gebiet der Tätigkeit.

Wenn z. B. ein gewisser Klamotten-Ede erklärt, er wollenach Norderney, um zur Stärkung seiner Gesundheit einige Dutzend Fußbäder zu nehmen, so wäre dies durchaus auffällig, und weitere Recherchen würden vielleicht die Unrichtigkeit seiner Angaben bestätigen.

Auch die Aussage der berüchtigten „Troddel-Bertha“, sie fahre nach Bernau, um Untersuchungen über die Säuglingssterblichkeit in Kellerwohnungen anzuregen, könnte allzu berechtigten Zweifeln begegnen.

Ebensogut wäre Mißtrauen am Platze, wenn ein Berliner Geldschrankknacker den Nachtzug Berlin-Köln angeblichdazubenutzt, um der Frühmesse im Dom beizuwohnen oder vielleicht Kölnisches Wasser für seine „Braut“ zu kaufen!

Hiernun muß die Bahnschutz-Kontrolle einsetzen. Sobald sich daher ein derartigverdächtigesIndividuum einem Passagier gegenübersetzt, wird diesersofort davon verständigt. Dann wird dieHosenschnalle des Gefährdetendurch eine Zuckerschnur mit derNotleineverbunden, die rechte Hand desVerdächtigenanderseits mit derBremsvorrichtung, so daß jedes Zerren daran den Zug auf der Stelle zum Stehen bringt.

Da weiterhin „Raubmörder“ gewöhnlich das Opfer während derLektüreüberfallen, so werden dem Gefährdetendurch den Zugführer sämtliche eventuell in seinem Besitz befindlichenZeitungenundBroschürenabgenommen.

Bevor ein Tunnel passiert wird, tritt der diensttuende Schaffner in das Coupee hinein und versorgt den gefährdeten Passagier mit Beschwerdebuch, schwedischen Streichhölzern und einer kurzen gedruckten Anweisung zum Jiu-Jitsu.

Diese Vorbereitungen werden den Raubmörder derartig beunruhigen, daß er sich meistens auf der nächsten Station in unauffälliger Weise — drückt!

Sehrzu empfehlen ist ängstlichen Passagieren auch der von der Bahnbehörde geliefertekünstliche Oberkopf, in dem sich ein elektrisches Läutewerk befindet. Es erregt erfahrungsgemäß regelmäßig bei dem „Opfer“ große Heiterkeit, wenn der „Verdächtige“ mit seinem Hammer wie verrückt darauf losschlägt und das gesamte Schaffnerpersonal alarmiert, während der Passagier —in aller Ruhe seine Zeitung liest!

Max Brinkmann.

Max Brinkmann.

Rosette

„Ich hab' vier Passionen, wissen Sie: Pferde, Hunde, Damen und Weiber.“

„Und in was reisen Sie?“

„InBarchent.“

Rosette

Flohbisse des Hotels

Zimmerkellner(zum Passagier): „Also hier ist Ihr Zimmer!“

Passagier: „Ist das Zimmer auch rein?“

Zimmerkellner: „Selbstredend!“

Passagier: „Sindim BettFlöhe?“

Zimmerkellner: „Wo sollen siedennsein?“

Rosette

Auf dem Weg nach Rügen kamen wir in Berlin an, dort gedachten wir, eine Nacht zu bleiben.

Ich wollte unser Gepäck beheben, da zeigte es sich, daß meine Frau den Aufgabeschein verloren hatte. Wir hielten uns nicht weiter auf und fuhren ohne Gepäck ins Hotel.

„Nee,“ sagte der Portier, „Paare ohne Jepäck dürfen wa nich uffnehmen.“

Ich schlug Lärm und verlangte nach dem Wirt.

Er kam, ließ sich den Fall vortragen und zuckte die Achseln.

„Ick muß den juten Ruf von meenem Etablissemang wahren“ sprach er. „So spät am Abend könn wa keen Zimmer jeben — an Paare, die wo nich wenichstens ennen Hutkarton mithaben.“

Roda Roda.

Roda Roda.

Rosette

Rentier Striese aus Leipzig kommt von einer Reise zurück und erzählt an seinem Stammtisch:

„Wissen Se, da is mer in Götschenbrode ä närrsches Ding bassiert. Also, wie ich nachts eene Weile im Hodelbette liege, beißt mich uff eemal e Floh. Nu, ich schnell Licht gemacht und das Luderchen gefangen. Aber das arme Dierchen zu deeden hatt 'ch doch nich ibersch Herz bring genn un so sperrt 'ch den Floh in meine Daschenuhr untersch Uhrglas. — Was soll 'eh Ihnen sagen, als 'ch am nächsten Morchen nachsehe, hat sich das freche Viehuff'n Sekundenzeiger gesetzt un läßt sich Karussel fahren!“

Rosette

Zwei Geschäftsreisende haben eine kleine Bierreise gemacht und kommen bezecht in ihr Hotel zurück. Im Dusel öffnen sie statt der Tür zu ihrem Schlafzimmer die Tür zum Nebenzimmer, woeine Damelogiert. Erschreckt springt diese aus dem Bett und ruft, da sie die beiden für Raubmörder hält: „Ach Gott, lassen Siemich doch leben!“ — „Karle,“ sagt darauf der eine, „warum sollen wir sienicht leben lassen?“—Beide: Sie lebe hoch! Sie lebe hoch! Dreimal hoch!

Rosette

In einem Hotel, wo ein Reisender wohnt, steigt neben sein Zimmer ein junges Ehepaar, welches sich auf der Hochzeitsreise befindet, ab. Der Reisende wird fortwährend aus seinem Schlafe gestört, weil die junge Frau immer zu ihrem Manne sagt: „Ach, Felix, du bist so süß. Dich soll man vergolden!“ Endlich wird dem Reisenden die Sache zu dumm, er klopft heftig an die Tür, das Ehepaar erschrickt und fragt: „Wer ist's?“ Drauf sagt der Reisende: „Der Vergolder, damit amal a Ruh' is!“

Rosette

... bildet oft das stille Vergnügen seiner Tischnachbarn. Von einem solchen Original, und zwar einem solchen aus Wildwest, wird folgende Leistung erzählt. Seine Geschäfte führten ihn wieder einmal unter die Menschen, und er stieg in einem Gasthofe ab. Als er zum Essen ging, sprach er tapfer zu, aber er aß sein ganzes Mahl mit dem Messer und merkte erst zum Schluß der Tafel, daß er keine Gabel hatte. So sagte er denn zu seinem Geschäftsfreunde: „Denken Sie sich, der Kellner hat mir gar keine Gabel gegeben.“ „Das schadet ja auch nichts,“ erwiderte der Freund, „Sie brauchen sie ja doch nicht.“ „Die brauch' ich nicht?“ kam es von den Lippen des Mannes aus Wildwest. „Womit soll ich denn sonst zum Teufel den Kopf kratzen?“

Rosette

Ein Engländer hat in einem kleinen Ort in der Nähe des Rheins ein paar Tage gewohnt und läßt sich bei seiner Abreise die Rechnung bringen. Hier findet er alles der Ordnung gemäß. Als letzter Posten war aufgeführt: „Wenn's geht ... 3,50 M.“ Erstaunt fragte er den Gasthalter: „Uas ist das: „Wenn's geht“?“ „No,“ sagt der Gasthalter, „wenn's net geht, do streiche mer's widder dorch!“

Rosette

Der Pikkolo eines Hotels will der Köchin einen Schabernack spielen und streut ihr vorm Schlafengehen Juckpulver ins Bett.

„Komisch,“ sagt er am nächsten Morgen zu seinem Kollegen, dem er von seinem Streich erzählte, „komisch, die Köchin kratzt sich ja gar nicht und das Merkwürdigste, guck bloß malden Oberkellner, der kratzt sich ja fortwährend!“

Rosette

„Bedaure, wir sind vollständig besetzt! ... Wir haben nur mehr ein Zimmer mit zwei Betten frei!“

„Das genügt uns ja aber auch!“

„Pardon! ... Ich dachte, die Herrschaften seien verheiratet!“

Rosette

„Wirklich, Schatz — wir steigen im Hotel Greif ab? Das ist gescheit. In dem Hotelhab ich mich auch voriges Jahr einmal verlobt.“

Rosette

Ein sehr nervöser Hotelgast wendet sich an den Portier des Hotels mit der Bitte, dieser möge doch die Bewohner der angrenzenden Zimmer um möglichste Ruhe beim Schlafengehen ersuchen, da ihn das geringste Geräusch foltere. — Einer seiner Zimmernachbarn kommt nachts nach Hause, denkt nicht an den nervösen Herrn, und während er sich auskleidet, wirft er geräuschvoll seinen einen Stiefel in die Ecke. Da fällt ihm das Ersuchen des Portiers ein, und er beendet das Auskleiden möglichst geräuschlos. Nach drei Stunden weckt ihn sein nervöser Nachbar aus dem Schlaf: „Ja, um Gottes willen, Mensch, wann werden Sie endlich den anderen Stiefel in die Ecke werfen, ich warte schon drei Stunden darauf?“

Rosette

Ein Kellner steht, rückwärts sich kratzend, bei einem Gast, der soeben eine Auswahl unter den Speisen trifft; der Gast beobachtet den Kellner und fragt ihn: „Haben Sie Hämorrhoiden?“ „Werde gleich in der Küche nachfragen!“ antwortet derselbe und eilt geschäftig weg.

Rosette

Auch dieGeschäftsreisenden— dieses Faktum dürfte manchem noch unbekannt sein! — haben eine Art der geheimen Verständigung durch Zeichen, die, ähnlich der Zeichensprache der„Stromer von der Landstraße“, den einzelnen quartiersuchenden Individuen eine klare und präzise Auskunft über die Güte und charakteristische Besonderheit des gekennzeichneten Hotels gibt. Die Hieroglyphen werden meistens unterhalb der Nachtklingel des Gasthauses mit Bleistift auf den Mauerkalk gekratzt.Hier folgen die wesentlichen Bestandteile der Sprache:Zeichen_01Kleiner Strich in Hufeisenform: Es wird Fleisch, das hinreichend verdächtig erscheint, von der Peitsche eines Droschkenkutschers mürbe geschlagen zu sein, zu Beefsteaks und Klopsen verarbeitet.Zeichen_02Großer Strich in derselben Form, mit Apfel in der Mitte:Der Wirt ist ein absolutes Pferd.Zeichen_03Ein lateinisches K, über dem die bekannte Zeichnung des nützlichsten Haustieres prangt:Der Kaffee ist unter der Sau!Zeichen_04Der dreifach geschriebene Buchstabe W:Achtung! Wanzen!Zeichen_05Ein kleines v vor der gleichen Buchstabenreihe: Achtung,vielWanzen!Zeichen_06Eine Wiege und ein Hundeschwanz:Die Betten sind hundsmiserabel!Zeichen_07Ein bekanntes und sehr zweckmäßiges Inventarstück des Schlafzimmers:BittenieBouillon bestellen! Eventuell vor dem Genuß durch ein Sieb filtrieren! —Zeichen_08Ein Stiefelknecht mit Ohren:Vorsicht! Der Hausdiener und die Zimmermädchen lauschen an den Türen!Zeichen_09Nichts zu machen! Weibliche Bedienung gegen Liebenswürdigkeit sehr unempfänglich!Zeichen_10Ein Besen:Weibliche Bedienung reagiert auf Zärtlichkeitensehrunangenehm!Zeichen_11Rasierpinsel zum Einseifen:Aufpassen beim Begleichen der Zeche! Zahlkellner ist ein gewitztes Luder! Doppelte Buchführung!Max Brinkmann.

Auch dieGeschäftsreisenden— dieses Faktum dürfte manchem noch unbekannt sein! — haben eine Art der geheimen Verständigung durch Zeichen, die, ähnlich der Zeichensprache der„Stromer von der Landstraße“, den einzelnen quartiersuchenden Individuen eine klare und präzise Auskunft über die Güte und charakteristische Besonderheit des gekennzeichneten Hotels gibt. Die Hieroglyphen werden meistens unterhalb der Nachtklingel des Gasthauses mit Bleistift auf den Mauerkalk gekratzt.

Hier folgen die wesentlichen Bestandteile der Sprache:

Zeichen_01Kleiner Strich in Hufeisenform: Es wird Fleisch, das hinreichend verdächtig erscheint, von der Peitsche eines Droschkenkutschers mürbe geschlagen zu sein, zu Beefsteaks und Klopsen verarbeitet.

Zeichen_01

Kleiner Strich in Hufeisenform: Es wird Fleisch, das hinreichend verdächtig erscheint, von der Peitsche eines Droschkenkutschers mürbe geschlagen zu sein, zu Beefsteaks und Klopsen verarbeitet.

Zeichen_02Großer Strich in derselben Form, mit Apfel in der Mitte:Der Wirt ist ein absolutes Pferd.

Zeichen_02

Großer Strich in derselben Form, mit Apfel in der Mitte:Der Wirt ist ein absolutes Pferd.

Zeichen_03Ein lateinisches K, über dem die bekannte Zeichnung des nützlichsten Haustieres prangt:Der Kaffee ist unter der Sau!

Zeichen_03

Ein lateinisches K, über dem die bekannte Zeichnung des nützlichsten Haustieres prangt:Der Kaffee ist unter der Sau!

Zeichen_04Der dreifach geschriebene Buchstabe W:Achtung! Wanzen!

Zeichen_04

Der dreifach geschriebene Buchstabe W:Achtung! Wanzen!

Zeichen_05Ein kleines v vor der gleichen Buchstabenreihe: Achtung,vielWanzen!

Zeichen_05

Ein kleines v vor der gleichen Buchstabenreihe: Achtung,vielWanzen!

Zeichen_06Eine Wiege und ein Hundeschwanz:Die Betten sind hundsmiserabel!

Zeichen_06

Eine Wiege und ein Hundeschwanz:Die Betten sind hundsmiserabel!

Zeichen_07Ein bekanntes und sehr zweckmäßiges Inventarstück des Schlafzimmers:BittenieBouillon bestellen! Eventuell vor dem Genuß durch ein Sieb filtrieren! —

Zeichen_07

Ein bekanntes und sehr zweckmäßiges Inventarstück des Schlafzimmers:BittenieBouillon bestellen! Eventuell vor dem Genuß durch ein Sieb filtrieren! —

Zeichen_08Ein Stiefelknecht mit Ohren:Vorsicht! Der Hausdiener und die Zimmermädchen lauschen an den Türen!

Zeichen_08

Ein Stiefelknecht mit Ohren:Vorsicht! Der Hausdiener und die Zimmermädchen lauschen an den Türen!

Zeichen_09Nichts zu machen! Weibliche Bedienung gegen Liebenswürdigkeit sehr unempfänglich!

Zeichen_09

Nichts zu machen! Weibliche Bedienung gegen Liebenswürdigkeit sehr unempfänglich!

Zeichen_10Ein Besen:Weibliche Bedienung reagiert auf Zärtlichkeitensehrunangenehm!

Zeichen_10

Ein Besen:Weibliche Bedienung reagiert auf Zärtlichkeitensehrunangenehm!

Zeichen_11Rasierpinsel zum Einseifen:Aufpassen beim Begleichen der Zeche! Zahlkellner ist ein gewitztes Luder! Doppelte Buchführung!

Zeichen_11

Rasierpinsel zum Einseifen:Aufpassen beim Begleichen der Zeche! Zahlkellner ist ein gewitztes Luder! Doppelte Buchführung!

Max Brinkmann.

Max Brinkmann.

Rosette

Das Stubenmädchen eines bekannten Leipziger Hotels, das wegen seiner guten Verpflegung von Reisenden viel besucht wird, kommt zum Rechtsanwalt, um eine Alimentenklage anhängig zu machen. Auf die Frage, gegen wen die Klage gerichtet werden soll, tiefes Schweigen und schließlich das Bekenntnis, daß sie ihre Gunst mehreren zugewendet habe und den Vater nicht angeben könne. Darauf aufmerksam gemacht, daß unter diesen Umständen die Klage unmöglich sei, erfolgt die schüchterne Frage, „Herr Notar, könnte man sie denn nicht gegen den ‚Verband reisender Kaufleute’ richten?“

Rosette

An den Türen des Speisesaals eines Alpenhotels prangt: „On parle français.“ „English spoken.“ „Si parla italiano.“

Mendel Auerhahn der Jüngere, sehr gebildet, aber noch nicht ganz fertig, tritt ein, nimmt Platz und ruft, den Kellner: „Give me a menu card!“

Der Kellner bleibt lächelnd stehen.

„Donnez-moi la carte de menu!“

Der Kellner bleibt lächelnd stehen.

„Prego di darmi la carta di menu!“

Der Kellner sagt leise: „Wissen Se was. Ich werd' Ihnen bringen Gansbiegel mit Ritscherl.“

Rosette

Ein Reisender kam in ein Hotel und wollte seinen Namen in das Fremdenbuch eintragen, als er einen Floh in dem Buch herumkriechen sah. Die Feder wegwerfen, sein Gepäck nehmen und fortgehen, war bei ihm das Werk eines Augenblicks, wobei er ausrief: „Ich habe in bezug auf Ungeziefer schon einiges mitgemacht, daß aber dieses Vieh schon gleich im Fremdenbuch nachsieht, in welchem Zimmer man untergebracht ist, das ist mir zu stark!“

Rosette

Zwei Reisende, beide in feuerfesten Geldschränken machend, sitzen abends zusammen im Hotel. Nach kurzer Zeit entbrennt natürlich ein lebhafter Disput über die Prävalenz der vertretenen Firmen.

„Ich sage Ihnen,“ renommierte der Eine, „wir haben neulich in einen unserer Schränke einen lebendigen Hahn gesetzt, ihn dann 24 Stunden ununterbrochen der stärksten Glühhitze ausgesetzt, nachher wieder abgekühlt und geöffnet. Wir sehen nach dem Hahn und denken Sie — das Tier lebte noch!“

„Das ist noch gar nichts. Wir haben genau denselben Versuch gemacht, aber als wir den Schrank öffneten, da war der Hahn —erfroren!“

Rosette

Erster Hotelkellner: „Nein, was bei uns fürvergeßliche Leuteverkehren. Hat da neulich eine junge Dame ihre ganzen Schmucksachen liegen lassen!“

Zweiter Hotelkellner: „Das ist noch gar nichts! Bei uns steigt da neulich ein Hochzeitspärchen ab und nimmt ein Zimmer. Am nächsten Morgen muß die junge Frau mal aus dem Zimmer. Aber als sie wieder zurück will, hat sie die Zimmernummer vergessen. Sie stürzt auf mich zu und fragt mich, welches Zimmer sie habe. „Ganz einfach,“ sage ich, „da sagen Sie mir nurIhren werten Namen, ich gehe runter und sehe im Fremdenbuch nach, welche Nummer Sie haben!“ Was soll ich dir sagen,den Namen von ihrem Manne hatte sie sogar vergessen. Nee, so was von Vergeßlichkeit!“ —

Rosette

Hotelier: „Mein Herr, ich muß Sie im Interesse meines Hotels und beziehungsweise meiner sonstigen Gäste dringend ersuchen, sich untersuchen zu lassen, denn Sie waren in dieser Nacht achtmal am Abort!“

Handlungsreisender: „Ganz richtig! Aber beruhigen Sie sich nur, mein Lieber! Es war ebensiebenmal besetzt!“

Rosette

Ein Hotelgast, welcher sich nicht den ganzen Tag mit seinem Schirm abschleppen will, läßt denselben im Lesezimmer stehen, nachdem er folgende Karte daran befestigt: „Dieser Schirm gehört dem Champion-Preisboxer Knuffer. Bin in zehn Minuten zurück.“ — Als er abends zurückkommt, ist der Schirm fort, an seiner Stelle aber findet Knuffer folgende Karte: „Diese Karte gehört dem Champion-Schnelläufer Eilemann. Kann nicht sagen, ob ich je zurückkomme.“

Rosette

Im „Oklahoma-Hotel“ ist folgende Hausordnung im Fremdenzimmer vorgeschrieben: „Gentlemen, welche mit ihren Stiefeln zu Bette gehen, bezahlen einen Extrazuschlag. — Drei Schläge an der Tür bedeuten, daß ein Mord im Hause geschehen ist und daß Sie aufstehen müssen. — Das Abschießen einer Pistole ist kein genügendes Alarmzeichen. — Es ist verboten, die Tapeten abzureißen, um damit die Pfeife anzuzünden. — Die Ratten werden Sie nicht fressen, wenn sie Ihnen auch einmal übers Gesicht fahren. — Im Falle es durch die Decke zu stark hineinregnen sollte, finden Sie unter Ihrem Bett einen Regenschirm.“

Rosette

In Venedig lernten wir ein nettes Ehepaar aus Deutschland kennen — aber die Frau war vom Reisen keineswegs entzückt. Sie wollte bald wieder heimkehren.

„Es is so peinlich,“ sagte sie, „mit meinem Mann. Er war doch ehemalsmaitre d'hôtel— un wenn nu jemand an't Jlas kloppt, springt er unwillkürlich uff un rennt hin.“

Rosette

„O, bei uns steigt lauter hocharistokratisches Publikum ab. Das dort ist der Graf Plein — hier Baron Königshaus, und der Alte in der Ecke, das ist der Herr von Nr. 59.“

Roda Roda

Roda Roda

Rosette

In Metz war's, in einem ausschließlich von Geschäftsreisenden frequentierten Hotel, wo einer dieser ruhelosen Jünger Merkurs an der Tafelrunde die Zusammensetzung seines Artikels — Wichse — erklärte. Nachdem er die einzelnen Substanzen, als Elfenbeinschwarz, Schwefelsäure, Oel usw., aufgezählt hat, fragt ein Berliner: „Nu sagen Sie mal, Kolleje, was jibt denn da nu'n Jlanz?“ — „De Berschte!“ platzt ein Herr raus.

Rosette

In einem ehrbaren Gasthof des bayerischen Hochlandes findet sich in den Fremdenzimmern folgender Anschlag:

„In den Preis des Zimmers ist das Zimmermädchen nicht mit einbegriffen!“

Rosette

Ich stellte ärgerlich meinen Wirt zur Rede: „Ich muß seit Monaten zehn Lire Pension zahlen und mein Nachbar, der Berliner, der heute gekommen ist, zahlt für das gleiche Zimmer, die gleiche Küche nur sieben.“

Der Wirt zuckte die Achseln.

„Was wollen Sie,“ sagte er, „—e fortunato. Er hat Glück.“

Roda Roda

Roda Roda

Rosette

Frau Goldstein(im Hotel): „Sie Portier, wo steckt denn wieder derLiftgoy?!“

Rosette

In Galizien in einem kleinen Orte, wo kein Hotel existiert, steigt ein Reisender in einem Gasthofe ab. Um 12 Uhr mittags weckt ihn der Wirt und sagt: „Steh'n Sie auf, es ist Zeit zum Essen.“ Der Reisende sagt: „Ich dank' schön. Ich hab' kan Appetit.“ Der Wirt erwidert: „Ich brauch aber doch das Bettlaken zum Tischdecken.“

Rosette

Herr Klepper war um 5 Uhr des Morgens aufgewacht, schnell zog er sich an und eilte nach dem Bahnhofe. Als das Zimmer aufgeräumt wurde, fand man seine drei falschen Zähne mit mächtiger Goldplatte. — Die Sängerin Jolanda war um 10 Uhr des Morgens abgereist, was hatte sie liegen lassen? Ein Strumpfband mit silbernem Schloß, Wappen A. von M. — Der Geschäftsreisende Schirmer war um 7½ Uhr morgens aufgestanden, unbekannt wohin gereist, was fand man in seinem Bette? Eine kleine goldene Uhr. — Herr Eberlein reiste in der Frühe ab, was fand man in seinem Bette? Ein kostbares Juchten-Zigarrenetui mit geheimem Verschluß. — Ein Brillantenhändler aus Brüssel hatte im Schlafzimmer eine Zahnbürste liegen lassen. Er holte sie nach einigen Tagen ab, da fand man auch noch einige Perlen dabei liegen, worauf er sagte, „die gehören nicht mir.“ — Mit einem großen Paket war ein Ehepaar angekommen. Sie zahlten im Voraus und gingen morgens in aller Frühe. Was ließen sie liegen? Ihr Paket. Es wurde geöffnet, und was fand man darin? Vier große Zigarrenkästen ohne Zigarren, aber mit Eierschalen. — Frau Professor hatte einige Tage im Hotel gewohnt, sie reist ab, da vergißt sie ihren Photographenapparat, den sie täglich spazieren führt, mitzunehmen. Ein Telegramm trifft ein; da fällt der Apparat auf den Boden und mit ihm Seife, Waschlappen, Puder, Schminke usw. Es war nur ein Renommierapparat gewesen; recht praktisch für die Frau Professor.

Herr Klepper war um 5 Uhr des Morgens aufgewacht, schnell zog er sich an und eilte nach dem Bahnhofe. Als das Zimmer aufgeräumt wurde, fand man seine drei falschen Zähne mit mächtiger Goldplatte. — Die Sängerin Jolanda war um 10 Uhr des Morgens abgereist, was hatte sie liegen lassen? Ein Strumpfband mit silbernem Schloß, Wappen A. von M. — Der Geschäftsreisende Schirmer war um 7½ Uhr morgens aufgestanden, unbekannt wohin gereist, was fand man in seinem Bette? Eine kleine goldene Uhr. — Herr Eberlein reiste in der Frühe ab, was fand man in seinem Bette? Ein kostbares Juchten-Zigarrenetui mit geheimem Verschluß. — Ein Brillantenhändler aus Brüssel hatte im Schlafzimmer eine Zahnbürste liegen lassen. Er holte sie nach einigen Tagen ab, da fand man auch noch einige Perlen dabei liegen, worauf er sagte, „die gehören nicht mir.“ — Mit einem großen Paket war ein Ehepaar angekommen. Sie zahlten im Voraus und gingen morgens in aller Frühe. Was ließen sie liegen? Ihr Paket. Es wurde geöffnet, und was fand man darin? Vier große Zigarrenkästen ohne Zigarren, aber mit Eierschalen. — Frau Professor hatte einige Tage im Hotel gewohnt, sie reist ab, da vergißt sie ihren Photographenapparat, den sie täglich spazieren führt, mitzunehmen. Ein Telegramm trifft ein; da fällt der Apparat auf den Boden und mit ihm Seife, Waschlappen, Puder, Schminke usw. Es war nur ein Renommierapparat gewesen; recht praktisch für die Frau Professor.

Rosette

Musterkoffer der Tollheit

Ein Herr kommt in einen Handschuhladen.

Verkäuferin: „Womit kann ich Ihnen dienen?“

Herr: „Ach, weißt du, du kannst mir ein Paar Glacéhandschuhe geben!“

Verkäuferin (erstaunt): „Was wünschen Sie?“

Herr: „Na, ich hab's dir ja schon gesagt, du möchtest mir ein Paar Glacéhandschuhe geben!“

Die Verkäuferin geht kopfschüttelnd und empört zum Chef und sagt: „Herr Klosettdeckel, da ist vorne im Laden ein wildfremder Mann, der mich in unverschämtester Weise duzt.“

Der Chef geht nach vorn in den Laden.

Chef: „Sie wünschen, mein Herr?“

Herr: „Ja, ich habe es doch schon deinem Fräulein gesagt, du möchtest mir ein Paar Glacéhandschuh geben!“

Chef (wütend): „Herr, was soll das heißen? Erst duzen Sie meine Verkäuferin und jetzt machen Sie mit mir dieselben Tollheiten?!“

Herr (ruhig): „Tollheiten? Wieso? Da draußen in dem Schaufenster steht doch ein Schild:

Glacéhandschuhe à Paar 3 MarkDuzend billiger!

Glacéhandschuhe à Paar 3 MarkDuzend billiger!

Rosette

Diener: „Da ist der Weinhändler mit der Rechnung für den Champagner; soll ich ihn hinausschmeißen?“

Herr: „Nein, noch nicht; ich muß doch erst sehen, ob die Rechnung auch stimmt.“

Rosette

Ein Hausierer kommt zu einem reichen Juden und bietet ihm Hosenträger an. „Nee, ich kaufe nix!“

„Nu, wenn ich Ihnen sag', es is e prima Qualität!“

„Nee, nee! Ich kaufe nix!“

„Nu, wenn Se nix kaufen, sind Se das größte Kameel, Rindvieh un Heupferd, das jemals gelebt hat!“

„Se kennen mir schmeicheln wie Se wollen, aber ich kaufe nix!“

Rosette

Prinzipal: „Nun, haben Sie den Schuldner Müller gefunden?“ — Kommis: „Leider nicht. In dem Hause wohnten eine Menge Müller, von denen keiner unser Gläubiger sein wollte. Der letzte hat mich sogar hinausgeworfen.“ — Prinzipal: „Zu dem gehen Sie noch einmal hin — der ist's.“

Rosette

Beim Minister des Innern hat ein Herr Audienz, der wegen Namensveränderung petitioniert.

„Wie heißen Sie?“

„Mein Name ist:Zietz.“

„Ja, das ist doch ein ganz schöner Name; weshalb wollen Sie ihn denn ändern?“

„Ich hab' doch ein Geschäft! Und sowie ich angerufen werde und sage:Hier Zietz!ruft der andere immer:Machen Sie die Tür zu!“

Rosette

Zwei Geschäftsreisende, die beide stottern, gehen zusammen spazieren.

Plötzlich sagt der eine: „Sieh—m—m—mal, da si—si—sitzt ein V—V—V— — schon fortgeflogen!“

Nach einer Weile der andere: „V—V—Vorsicht, d—d—da liegt — sch—sch— schon reingetreten!“

Rosette

In einer Gesellschaft unterhält man sich mit drolligen Erzählungen von Kleinbahn-Erlebnissen.

„Das ist alles noch gar nichts,“ prahlte u. a. der Schnellphotograph Müller, „ich sprang mal während der Fahrt aus dem Zuge, rannte ein Stück voraus und photographierte den heranbrausenden Zug von vorn!“

Rosette

Nur noch kurze Zeit und im fashionablen Westen Berlins wird wiederum ein neues elegantes Riesen-Warenhaus eröffnet und mit Wertheim, Tietz und Jandorf um die Palme der Konkurrenzlosigkeit ringen. Von dem bisher ungeahnten Komfort desselben werden jetzt bereits Wunderdinge erzählt. Wir sind in der Lage, einige Details aus dem Betriebe des neuen Kaufhauses veröffentlichen zu können.Jeder Besucher wird beim Eintritt vom Portier nach seinen Wünschen gefragt, hierauf in eine passende Kapsel gepackt und a la Rohrpost an den betreffenden Verkaufsstand „gepustet“, wodurch das ermüdende Herumlaufen vermieden wird. Nachdem man hieraufpneumatischbezahlt und gewechselt bekommen hat, wird man ebenfalls per Luftdruck wieder an den Ausgang zurückbefördert und umsonst per Auto nach Hause gefahren.Geradezu hervorragend sind dieGratis-Zugaben, die jeder Käufer im neuen Kaufhaus erhält. Wer für 1.— Mk. einkauft, erhält einen Bon im Werte von 80 Pfg. und einen eleganten Klosettpinsel oder Zahnbürste gratis; bei Einkäufen zum Preise von 1.— bis 5.— Mk. bekommt man nach Wahl einen Kinderwagen, ein Leistenbruchband oder ein Paar Schneeschuhe zu; bei 5.— bis 10.— Mk. betragenden Einkäufen kann man zwischen einer Freifahrt mit dem Zeppelinschen Luftschiff, einem Diner im „Rheingold“ (Wein a discretion) oder einem Gummibusen wählen. Kauft man für 20.— Mk., so erhält man ein Dutzend farbige Photographien in Lebensgröße mit Rahmen, einen Logenplatz zu den Kammerspielen oder ein Autogramm Wedekinds gratis, bei 100.— Mk.-Einkäufen wird man gratis in Marmor ausgehauen oder erhält ein kleines Motorboot oder ein Pianola gratis. Wer aber gar für 1000 Mk. kauft, bekommt eine Villa am Wannsee mit vollständigerEinrichtung, oder einen echten „Böcklin“, oder ein Rundreisebillett um die Erde, oder den Schwarzen Adlerorden gratis zu.Besonders zeitgemäß sind dieErfrischungsräumeausgeführt. Während der Sommermonate sind dieselben unter Wasser gesetzt, um als „Ostende des Westens“ vielen Familien die teuren Reisekosten zu ersparen. Jeder Käufer einer Badehose erhält ein Gratisbad, jeder Käufer eines Badeanzugs darf sich im „Familienbad“ tummeln, in welchem namentlich die „five o'clocksimWasser“ von den Berliner W.-Damen stark frequentiert sein werden.In den Erfrischungsräumen finden fernerFamilien-Konzertehervorragender Kunstgrößen wie Richard Strauß, Mahler, Nikisch usw. mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Vielen Zuspruch wird jedenfalls auch die „Henkel-Trocken-Fontäne“ und das „Kaufhaus-Kabarett“ finden. Im Winter wird der wunderbare Palmengarten als „Riviera des Westens“ große Anziehungskraft ausüben. Jedem Schlittschuhläufer steht der „Kaufhaus-Eis-Palast“ zur Gratisbenutzung zur Verfügung.Wie es schon jetzt üblich ist, den Käufern von Noten dieselben gleich vorzuspielen, so wird man im Neuen Kaufhaus in der Abteilung Theaterbilletts, Texte usw. auf einer Drehbühne die gewünschten Stücke von bedeutenden Schauspielern gleich zur Probe vorgemimt erhalten.Jeder Käufer, der mit dem gekauften Gegenstand nicht zufrieden ist, erhält denselben nicht bloß gegen ein konvenierendes Objekt bereitwilligst eingetauscht, sondern außerdem noch sein Geld zurück und „bedagt“ hierauf vergnügt nach Hause.Mehr kann man nicht verlangen!F. Schl.

Nur noch kurze Zeit und im fashionablen Westen Berlins wird wiederum ein neues elegantes Riesen-Warenhaus eröffnet und mit Wertheim, Tietz und Jandorf um die Palme der Konkurrenzlosigkeit ringen. Von dem bisher ungeahnten Komfort desselben werden jetzt bereits Wunderdinge erzählt. Wir sind in der Lage, einige Details aus dem Betriebe des neuen Kaufhauses veröffentlichen zu können.

Jeder Besucher wird beim Eintritt vom Portier nach seinen Wünschen gefragt, hierauf in eine passende Kapsel gepackt und a la Rohrpost an den betreffenden Verkaufsstand „gepustet“, wodurch das ermüdende Herumlaufen vermieden wird. Nachdem man hieraufpneumatischbezahlt und gewechselt bekommen hat, wird man ebenfalls per Luftdruck wieder an den Ausgang zurückbefördert und umsonst per Auto nach Hause gefahren.

Geradezu hervorragend sind dieGratis-Zugaben, die jeder Käufer im neuen Kaufhaus erhält. Wer für 1.— Mk. einkauft, erhält einen Bon im Werte von 80 Pfg. und einen eleganten Klosettpinsel oder Zahnbürste gratis; bei Einkäufen zum Preise von 1.— bis 5.— Mk. bekommt man nach Wahl einen Kinderwagen, ein Leistenbruchband oder ein Paar Schneeschuhe zu; bei 5.— bis 10.— Mk. betragenden Einkäufen kann man zwischen einer Freifahrt mit dem Zeppelinschen Luftschiff, einem Diner im „Rheingold“ (Wein a discretion) oder einem Gummibusen wählen. Kauft man für 20.— Mk., so erhält man ein Dutzend farbige Photographien in Lebensgröße mit Rahmen, einen Logenplatz zu den Kammerspielen oder ein Autogramm Wedekinds gratis, bei 100.— Mk.-Einkäufen wird man gratis in Marmor ausgehauen oder erhält ein kleines Motorboot oder ein Pianola gratis. Wer aber gar für 1000 Mk. kauft, bekommt eine Villa am Wannsee mit vollständigerEinrichtung, oder einen echten „Böcklin“, oder ein Rundreisebillett um die Erde, oder den Schwarzen Adlerorden gratis zu.

Besonders zeitgemäß sind dieErfrischungsräumeausgeführt. Während der Sommermonate sind dieselben unter Wasser gesetzt, um als „Ostende des Westens“ vielen Familien die teuren Reisekosten zu ersparen. Jeder Käufer einer Badehose erhält ein Gratisbad, jeder Käufer eines Badeanzugs darf sich im „Familienbad“ tummeln, in welchem namentlich die „five o'clocksimWasser“ von den Berliner W.-Damen stark frequentiert sein werden.

In den Erfrischungsräumen finden fernerFamilien-Konzertehervorragender Kunstgrößen wie Richard Strauß, Mahler, Nikisch usw. mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Vielen Zuspruch wird jedenfalls auch die „Henkel-Trocken-Fontäne“ und das „Kaufhaus-Kabarett“ finden. Im Winter wird der wunderbare Palmengarten als „Riviera des Westens“ große Anziehungskraft ausüben. Jedem Schlittschuhläufer steht der „Kaufhaus-Eis-Palast“ zur Gratisbenutzung zur Verfügung.

Wie es schon jetzt üblich ist, den Käufern von Noten dieselben gleich vorzuspielen, so wird man im Neuen Kaufhaus in der Abteilung Theaterbilletts, Texte usw. auf einer Drehbühne die gewünschten Stücke von bedeutenden Schauspielern gleich zur Probe vorgemimt erhalten.

Jeder Käufer, der mit dem gekauften Gegenstand nicht zufrieden ist, erhält denselben nicht bloß gegen ein konvenierendes Objekt bereitwilligst eingetauscht, sondern außerdem noch sein Geld zurück und „bedagt“ hierauf vergnügt nach Hause.

Mehr kann man nicht verlangen!

F. Schl.

F. Schl.

Rosette

In einer Gesellschaft bei Bankier Tulpenstiel werden Rätsel aufgegeben, plötzlich schreit da die kleine Tochter des Hauses: „Bitte, darf ich auch ein Rätsel aufgeben?“ „Ja, gerne, gerne,“ sagt ihre Mama, „wenn du ein schönes weißt!“ Da sagt die Kleine: „Welcher Unterschied ist zwischen dem Herrn Veilchenfeld hier und einer Katze?“ Niemand weiß es und man sagt zur Kleinen, sie möge die Auflösung sagen; da entgegnet die Kleine: „Die Katze hat einen Schweif und der Herr Veilchenfeld hat keinen.“ Ganz verlegen sagt die Mutter rasch, ohne zu überdenken, was sie spricht: „Entschuldigen Herr Veilchenfeld,meine Tochter meint nämlich — hinten.“

Rosette

Der wegen seiner Eleganz bekannte Herr Kommerzienrat Aaron steht nachdenklich vor der Börse; da tritt ein kleiner, schäbiger Börsenjobber an ihn mit der Frage heran: „Na, lieber Freund, wie geben Sie Russen?“ — Entrüstet wendet sich der Kommerzienrat um und spricht würdevoll: „Erstens bin ich für Sie der Herr Kommerzienrat Aaron; zweitens bin ich nicht Ihr lieber Freund und drittens — per wann wollen Sie se haben?“

Rosette

Seit dem jüngsten verwegenen Bankraube in Cody haben die meisten Banken im Staate Wyoming (U. S. A.) folgendes Regulativ an ihren Türen angeschlagen: „Wir zeigen an, daß wir Mitglieder der amerikanischen Scharfschützenvereinigung sind. Kunden, die glauben, daß der Kassierer sich geirrt hat, werden ersucht, nicht vor einer etwaigen Klarstellung zu schießen. Fremde dürfen die Bank nur mit hochgehaltenen Händen betreten, andernfalls setzen sie sich dem Feuer unseres Schützenstabes aus. Depositen von Leuten, die auf unserem Grund und Boden getötet werden, bleiben Eigentum der Bank. Die Bank ist für verlorene Revolver und Messer nicht verantwortlich. Kunden, die sich üben wollen, werden ersucht, nach den Federn in den Händen der Buchhalter zu schießen und den Kassierer unbelästigt zu lassen. Leute, die schnell bedient werden wollen, mögen freundlichst beachten, daß das Ausschießen der Lampen die Arbeit unserer Beamten mehr verzögert als beschleunigt. Die Leichenbestatter werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Bank nicht für die Beerdigungskosten von Personen aufkommt, die von unseren Stabsbeamten im Geschäftsbetriebe getötet werden.“

Rosette

Tuchhändler (zum Kommis): „Ist der neue Stoff, dergar nicht einlaufen soll, noch nicht eingelaufen?“

Rosette

Erdballerlaichtende ewige Lampe, wenn dich ich betrachte,Szieht mer ä Wonnegefiehl faktisch derekt durch den Leib,Funkelst doch so berückend wieGold, un noch eins imponiert mer --Sonne, akkrat as de Börs', gehste mal runter mal rauf!Darum begrießt dich als strahlendes Urbild von Hausse und BaisseNamens der „Spekulaßjon“ganz untertänigstR. Kohn.

Erdballerlaichtende ewige Lampe, wenn dich ich betrachte,Szieht mer ä Wonnegefiehl faktisch derekt durch den Leib,Funkelst doch so berückend wieGold, un noch eins imponiert mer --Sonne, akkrat as de Börs', gehste mal runter mal rauf!Darum begrießt dich als strahlendes Urbild von Hausse und BaisseNamens der „Spekulaßjon“ganz untertänigstR. Kohn.

Erdballerlaichtende ewige Lampe, wenn dich ich betrachte,Szieht mer ä Wonnegefiehl faktisch derekt durch den Leib,Funkelst doch so berückend wieGold, un noch eins imponiert mer --Sonne, akkrat as de Börs', gehste mal runter mal rauf!Darum begrießt dich als strahlendes Urbild von Hausse und BaisseNamens der „Spekulaßjon“ganz untertänigstR. Kohn.

Erdballerlaichtende ewige Lampe, wenn dich ich betrachte,

Szieht mer ä Wonnegefiehl faktisch derekt durch den Leib,

Funkelst doch so berückend wieGold, un noch eins imponiert mer --

Sonne, akkrat as de Börs', gehste mal runter mal rauf!

Darum begrießt dich als strahlendes Urbild von Hausse und Baisse

Namens der „Spekulaßjon“

ganz untertänigst

R. Kohn.

Rosette

Hat doch mei Chef, der Herr Kohn, die Sonne besungen ... e Kunststick!Werd' ich besingen den Mond, -- auch e poet'sches Objekt! --Also -- wenn abens ich auf'm Balkong sitz' un raufseh ßum Himmel,Schleicht mer -- identisch mit Kohn -- auch e Gefiel dorch's Gemieth.Sag' ich mer so: der Mond -- er pumpt von der Sonne sei Licht doch ...Goldiges-- nu' und was werft runter er nachts auf die Erd? --Silbernes!-- haißt e Geschäft! was? faktisch e faines Geschäft! --JederAgrariermuß finden darin e Simbol --:Sein Ideal --: 's Kappetal mechte ich borgen inGoldun de SzinsenSzahlen inweißemMetall! ... -- Bimetallistekalkiel!20 Reichsmark in Gold = 6 Taler 20, -- e TalerAber hatinnerenWert ßirka 'ne Mark nur im Kursch --Haste gesehen! ... un ich? -- was lern' ich vom Nachtlicht da oben?Nun, als e denkender Mensch komm ich ßudemResultat:Mond, 's existiert ßwischen uns 'ne frappante Ideengemeinschaft,Namentlichkommerßiellschätz ich als Vorbild dich hoch! --Darum verneigt sich vor dir in hochachtungsvollster ergebenerTiefster SubordenaßionLevy,im Hause R. Kohn.

Hat doch mei Chef, der Herr Kohn, die Sonne besungen ... e Kunststick!Werd' ich besingen den Mond, -- auch e poet'sches Objekt! --Also -- wenn abens ich auf'm Balkong sitz' un raufseh ßum Himmel,Schleicht mer -- identisch mit Kohn -- auch e Gefiel dorch's Gemieth.Sag' ich mer so: der Mond -- er pumpt von der Sonne sei Licht doch ...Goldiges-- nu' und was werft runter er nachts auf die Erd? --Silbernes!-- haißt e Geschäft! was? faktisch e faines Geschäft! --JederAgrariermuß finden darin e Simbol --:Sein Ideal --: 's Kappetal mechte ich borgen inGoldun de SzinsenSzahlen inweißemMetall! ... -- Bimetallistekalkiel!20 Reichsmark in Gold = 6 Taler 20, -- e TalerAber hatinnerenWert ßirka 'ne Mark nur im Kursch --Haste gesehen! ... un ich? -- was lern' ich vom Nachtlicht da oben?Nun, als e denkender Mensch komm ich ßudemResultat:Mond, 's existiert ßwischen uns 'ne frappante Ideengemeinschaft,Namentlichkommerßiellschätz ich als Vorbild dich hoch! --Darum verneigt sich vor dir in hochachtungsvollster ergebenerTiefster SubordenaßionLevy,im Hause R. Kohn.

Hat doch mei Chef, der Herr Kohn, die Sonne besungen ... e Kunststick!Werd' ich besingen den Mond, -- auch e poet'sches Objekt! --Also -- wenn abens ich auf'm Balkong sitz' un raufseh ßum Himmel,Schleicht mer -- identisch mit Kohn -- auch e Gefiel dorch's Gemieth.Sag' ich mer so: der Mond -- er pumpt von der Sonne sei Licht doch ...Goldiges-- nu' und was werft runter er nachts auf die Erd? --Silbernes!-- haißt e Geschäft! was? faktisch e faines Geschäft! --JederAgrariermuß finden darin e Simbol --:Sein Ideal --: 's Kappetal mechte ich borgen inGoldun de SzinsenSzahlen inweißemMetall! ... -- Bimetallistekalkiel!20 Reichsmark in Gold = 6 Taler 20, -- e TalerAber hatinnerenWert ßirka 'ne Mark nur im Kursch --Haste gesehen! ... un ich? -- was lern' ich vom Nachtlicht da oben?Nun, als e denkender Mensch komm ich ßudemResultat:Mond, 's existiert ßwischen uns 'ne frappante Ideengemeinschaft,Namentlichkommerßiellschätz ich als Vorbild dich hoch! --Darum verneigt sich vor dir in hochachtungsvollster ergebenerTiefster SubordenaßionLevy,im Hause R. Kohn.

Hat doch mei Chef, der Herr Kohn, die Sonne besungen ... e Kunststick!

Werd' ich besingen den Mond, -- auch e poet'sches Objekt! --

Also -- wenn abens ich auf'm Balkong sitz' un raufseh ßum Himmel,

Schleicht mer -- identisch mit Kohn -- auch e Gefiel dorch's Gemieth.

Sag' ich mer so: der Mond -- er pumpt von der Sonne sei Licht doch ...

Goldiges-- nu' und was werft runter er nachts auf die Erd? --

Silbernes!-- haißt e Geschäft! was? faktisch e faines Geschäft! --

JederAgrariermuß finden darin e Simbol --:

Sein Ideal --: 's Kappetal mechte ich borgen inGoldun de Szinsen

Szahlen inweißemMetall! ... -- Bimetallistekalkiel!

20 Reichsmark in Gold = 6 Taler 20, -- e Taler

Aber hatinnerenWert ßirka 'ne Mark nur im Kursch --

Haste gesehen! ... un ich? -- was lern' ich vom Nachtlicht da oben?

Nun, als e denkender Mensch komm ich ßudemResultat:

Mond, 's existiert ßwischen uns 'ne frappante Ideengemeinschaft,

Namentlichkommerßiellschätz ich als Vorbild dich hoch! --

Darum verneigt sich vor dir in hochachtungsvollster ergebener

Tiefster Subordenaßion

Levy,

im Hause R. Kohn.

Rosette

War da ein biederer Kleiderhändler, der einmal in einem Fabrikskontor vorsprach. Unter den Inschriften und Emblemen, die die Wände schmückten, fesselte besonders seine Aufmerksamkeit:


Back to IndexNext