Semper idem

Bilanzen der Liebe

Herr Bankier Cohnreich (zu seiner Frau, welche auf den Stuhl steigt, um auf dem Schrank etwas zu suchen): „Berta, verlier' nicht deBilanze!“

Rosette

Moses kommt zum Rechtsanwalt.

„Herr Rechtsanwalt, was soll ich machen, jedesmal wenn ich nach Haus komme, sitzt mein Buchhalter mit meiner Frau zusammen auf'm Sofa und da knutschen sie sich ab.“

„Schmeißen Sie doch Ihren Buchhalter 'raus!“

„Das kann ich nicht, er ist im Geschäft unentbehrlich.“

„Dann lassen Sie sich von Ihrer Frau scheiden!“

„Ich habe meine Frau so lieb — das tu' ich nicht.“

„Dann kann ich Ihnen nicht helfen.“ — —

Nach einiger Zeit treffen sich Moses und der Rechtsanwalt auf der Straße.

„Na, haben Sie sich nun von Ihrer Frau scheiden lassen oder haben Sie Ihren Buchhalter 'rausgeschmissen?“

„Nee — ich habe 'sSofa verkauft!“

Rosette

Liebste Emma!

Im Besitze deiner werthen ZeilenVon dem fünfundzwanzigstencurrentisBeehr' ich mich ergebenst mitzutheilenDaß mein Herz in heißer Lieb entbrennt is.Dich hab ich ergebenst auserkorenAls die höchste Sehnsucht meiner TriebeUnd so bitt' ich Euer WohlgeborenHöflichst um gefäll'ge Gegenliebe.Welche Qual mir Deine werthen Blicke schufen!Ach und dennoch kann ich nicht bereuen.Deine Reize brauchen nämlich unberufenWirklich keine Konkurrenz zu scheuen!In Betreff der heiligsten Gefühle,Welche ganz ergebenst in mir brennen,Da bedaure ich, o blonde Kühle,Leider keine Rücksicht mehr zu kennen.Nein, ich kann mich nicht mehr länger fügenOben detaillierten SchicksalsschlägenUnd so sehe ich denn mit VergnügenIhrer werthen Rückantwort entgegen.

Im Besitze deiner werthen ZeilenVon dem fünfundzwanzigstencurrentisBeehr' ich mich ergebenst mitzutheilenDaß mein Herz in heißer Lieb entbrennt is.Dich hab ich ergebenst auserkorenAls die höchste Sehnsucht meiner TriebeUnd so bitt' ich Euer WohlgeborenHöflichst um gefäll'ge Gegenliebe.Welche Qual mir Deine werthen Blicke schufen!Ach und dennoch kann ich nicht bereuen.Deine Reize brauchen nämlich unberufenWirklich keine Konkurrenz zu scheuen!In Betreff der heiligsten Gefühle,Welche ganz ergebenst in mir brennen,Da bedaure ich, o blonde Kühle,Leider keine Rücksicht mehr zu kennen.Nein, ich kann mich nicht mehr länger fügenOben detaillierten SchicksalsschlägenUnd so sehe ich denn mit VergnügenIhrer werthen Rückantwort entgegen.

Im Besitze deiner werthen ZeilenVon dem fünfundzwanzigstencurrentisBeehr' ich mich ergebenst mitzutheilenDaß mein Herz in heißer Lieb entbrennt is.Dich hab ich ergebenst auserkorenAls die höchste Sehnsucht meiner TriebeUnd so bitt' ich Euer WohlgeborenHöflichst um gefäll'ge Gegenliebe.Welche Qual mir Deine werthen Blicke schufen!Ach und dennoch kann ich nicht bereuen.Deine Reize brauchen nämlich unberufenWirklich keine Konkurrenz zu scheuen!In Betreff der heiligsten Gefühle,Welche ganz ergebenst in mir brennen,Da bedaure ich, o blonde Kühle,Leider keine Rücksicht mehr zu kennen.Nein, ich kann mich nicht mehr länger fügenOben detaillierten SchicksalsschlägenUnd so sehe ich denn mit VergnügenIhrer werthen Rückantwort entgegen.

Im Besitze deiner werthen Zeilen

Von dem fünfundzwanzigstencurrentis

Beehr' ich mich ergebenst mitzutheilen

Daß mein Herz in heißer Lieb entbrennt is.

Dich hab ich ergebenst auserkoren

Als die höchste Sehnsucht meiner Triebe

Und so bitt' ich Euer Wohlgeboren

Höflichst um gefäll'ge Gegenliebe.

Welche Qual mir Deine werthen Blicke schufen!

Ach und dennoch kann ich nicht bereuen.

Deine Reize brauchen nämlich unberufen

Wirklich keine Konkurrenz zu scheuen!

In Betreff der heiligsten Gefühle,

Welche ganz ergebenst in mir brennen,

Da bedaure ich, o blonde Kühle,

Leider keine Rücksicht mehr zu kennen.

Nein, ich kann mich nicht mehr länger fügen

Oben detaillierten Schicksalsschlägen

Und so sehe ich denn mit Vergnügen

Ihrer werthen Rückantwort entgegen.

Karl Ettlinger

(Aus „Streifzüge eines Kreuzvergnügten.“)

Rosette

Herr Isidor Nelkenkopf hat eine Geschäftsführerstelle für sein Seidenhaus ausgeschrieben und läßt sich die einzelnen Bewerber in seine Privatwohnung kommen, denn seine Frau hat — wie in allen Sachen — auch im Geschäft ein wichtiges Wort mitzusprechen. Drei Herren hatten sich bereits vorgestellt, doch keiner entsprach den gestellten Forderungen. Plötzlich geht die Tür auf und der vierte Bewerber tritt ein: Herr Isaak Fingerstock. Sobald dieser seine Prinzipalinin speerblickte, schrak er sichtlich zusammen und brachte kein Wort hervor. Herr Nelkenkopf bemerkte dies und frug erstaunt:

„Nuu — was is das? Kennen Se ihr?“

„Ja“ — stotterte Fingerstock, „ich — ich — —“

„Nuu und woher kennen Se ihr?“ unterbrach ihn der Prinzipal.

„Ich — ich war mal mit ihr verlobt,“ — sagte Fingerstock zaudernd.

„Verlobt!— mit ihr!“ schrie Nelkenkopf, „undtrotz ihres Geldeshaben Sie ihr nischt geheirat. Das beweist mir, daß Sie unbedingt ä kluger Kopf sein missen. Sie passen mir in mein Geschäft. Morgen können Se de Stellung antreten!“

Herr Aaron Tapetenmuster, Chef der Firma Tapetenmuster & Cie., kommt eines Tages zu ungewohnter Stunde heim und findet zu seinem Entsetzen seinen ersten Reisenden mit seiner jungen schönen Frau in einer äußerst kompromittierenden Situation.

„Sie Lump, Sie elendiger,“ fährt er auf den Ehestörer los, „Sie Spitzbub, Sie Hallunk, Sie Bube, Sie ehrloser; wenn ich jetzt einen Revolver bei mir hätt', meiner Seel' und Gott —ich hauet' Ihnen zwei Ohrfeigen herunter!“

Rosette

Isaak: „Aaron, Gott was de hast vor ä reizende Braut mit vornehmem Sinn vorhöhere Interessen!“

Aaron: „Gott, was kann mer nützen derSinn vor höhere Interessen, zahlt ja heutzutage niemand mehr alshöchstens3-3½Perzent!“

Rosette

Braut(deren Verlöbnis vom Bräutigam rückgängig gemacht wurde): Und somit gebe ich Ihnen auch die Briefe zurück, die Sie an mich gerichtet haben.

Kaufmann: Brauch' ich gar nicht;sie sind alle kopiert.

Rosette

Junge Damestark begehrtTailleknappStiefelchenhoher AbsatzWerbungstetigUeberredungskunstlebhaftBedenkenmattWiderstandschwachTreuekaum behauptetUmarmungfestKüssestark angebotenGegenliebesehr behauptetGlückstillVerliebtheitsteigendVernunftfallendHerzschlagunruhigEifersuchthochKassenstandniedrigGeschenketeuerKoketterieunverändertEndeflauAbschiedruhig

Rosette

Hirsch jun. (in Berlin telegraphiert an seinen Vater in Landsberg): „Erwarte deine Einwilligung zur Heirat. 50 000.“ — Hirsch sen. (antwortet): „Mark oder Taler?“ — Hirsch jun.: „Taler.“ — Hirsch sen.: „Meinen Segen!“

Rosette

A: „Haben Sie nicht damals in das Geschäft Ihres Prinzipals eingeheiratet?“ — B: „Ja, aber ich habe, Gott sei Dank, schon wieder herausgeheiratet!“

Rosette

Der Münchener Vertreter einer Lebensversicherungs-Gesellschaft erhielt kürzlich aus einem Provinzstädtchen folgenden vielsagenden Schreibebrief: „Hochgeehrter Herr! Mit tiefer Betrübnis im Herzen ergreife ich die Feder, um einige Zeilen an Sie zu richten. Meine liebe Frau Anna Maria, geborene Lindner, welche, wie Ihre Liste ausweisen wird, bei Ihrer ehrenwerten Gesellschaft für 3000 Mark versichert war, ist plötzlich gestorben und hat mich in Verzweiflung zurückgelassen. Der schmerzliche Schlag traf mich heute morgen 6 Uhr. Trachten Sie doch gütigst, daß ich die versicherte Summe recht bald erhalte. Die Police-Nummer ist 21 762. Ich kann im Ernst und in voller Wahrheit sagen, sie war eine treue Gattin und auch eine zärtlich liebende Mutter. — Ich habe, damit alles schneller geht, gleich das bezirksärztliche Zeugnis beigelegt. Sie war nur ganz kurze Zeit leidend; sie hat aber doch recht viel gelitten, und für mich war der Schmerz um so größer. Ich denke, Sie werden etwas zu meinem Troste beitragen und das Geld recht bald schicken, besonders wenn ich Ihnen die Zusicherung gebe, daß ich auch meine zweite Frau seinerzeit bei Ihnen versichern lassen will, und zwar um das Doppelte, also 6000 Mark. Mein Schmerz ist groß, jedoch die Hoffnung auf Ihre freundliche Güte und Gefälligkeit hält meinen gesunkenen Mut noch aufrecht. Der recht baldigen Einsendung des obigen Betrages sieht mit Hochachtung entgegen N. N. mit Kindern.“

Der Münchener Vertreter einer Lebensversicherungs-Gesellschaft erhielt kürzlich aus einem Provinzstädtchen folgenden vielsagenden Schreibebrief: „Hochgeehrter Herr! Mit tiefer Betrübnis im Herzen ergreife ich die Feder, um einige Zeilen an Sie zu richten. Meine liebe Frau Anna Maria, geborene Lindner, welche, wie Ihre Liste ausweisen wird, bei Ihrer ehrenwerten Gesellschaft für 3000 Mark versichert war, ist plötzlich gestorben und hat mich in Verzweiflung zurückgelassen. Der schmerzliche Schlag traf mich heute morgen 6 Uhr. Trachten Sie doch gütigst, daß ich die versicherte Summe recht bald erhalte. Die Police-Nummer ist 21 762. Ich kann im Ernst und in voller Wahrheit sagen, sie war eine treue Gattin und auch eine zärtlich liebende Mutter. — Ich habe, damit alles schneller geht, gleich das bezirksärztliche Zeugnis beigelegt. Sie war nur ganz kurze Zeit leidend; sie hat aber doch recht viel gelitten, und für mich war der Schmerz um so größer. Ich denke, Sie werden etwas zu meinem Troste beitragen und das Geld recht bald schicken, besonders wenn ich Ihnen die Zusicherung gebe, daß ich auch meine zweite Frau seinerzeit bei Ihnen versichern lassen will, und zwar um das Doppelte, also 6000 Mark. Mein Schmerz ist groß, jedoch die Hoffnung auf Ihre freundliche Güte und Gefälligkeit hält meinen gesunkenen Mut noch aufrecht. Der recht baldigen Einsendung des obigen Betrages sieht mit Hochachtung entgegen N. N. mit Kindern.“

Rosette

„Nachdem dem Herrn Kommerzienrat Mayer sein Kassierer mit dessen Frau durchgegangen ist, hat er sich eine Kassierin genommen!“ — „Nun, und jetzt?“ — „Ist er mit der Kassierin verduftet!“

Rosette

Kaufmann Schulze hatte schon lange ein Auge auf die Tochter des Zigarrenhändlers Deckblatt geworfen; nur über die finanzielle Seite der Frage war er sich noch nicht klar. — Da nahm er eines Tages seinen Mut zusammen und frug den Vater der Schönen gleich kurzweg in seinem Laden, ob er ihm wohl seine Tochter zur Frau geben würde. „Warum nicht?“ entgegnet Deckblatt freundlich. „Sie sind ein tüchtiger junger Mann!“ — „Und,“ fragt Schulze erfreut, „wieviel Mille würden Sie ihr wohl mitgeben?“ — „Zwanzig,“ entgegnet jener. Schulze erklärt sich damit einverstanden, und nach vierzehn Tagen führte der glückliche Freier die Zigarrenhändlerstochter zum Altar. — (Zwei Tage nach der Hochzeit.) „Nun, lieber Papa, darf ich Dich um die Mitgift bitten?“ — „Jawohl, mein lieber Schwiegersohn! Sag' mir nur, welche Sorte Du willst: Regalia, Colorado, Divinos oder Perfectos?“ — „Waas?Zigarren?!... Und ichUnglücklicherbin noch dazuNichtraucher!!“

Rosette

Agent: „Sie haben sich auf Ihrer Tour wirklich mit der Tochter eines Kunden verlobt, weil Sie keine andere Möglichkeit sahen, den Ansturm der Konkurrenz abzuschlagen? Was hat denn Ihr Prinzipal zu einer solchen Aufopferung gesagt?“ — Geschäftsreisender: „Gar nichts, er hat mir bloß für meinen Verlobungstag die Spesen gestrichen, weil mich da Essen und Trinken nichts gekostet hätte.“

Rosette

Kommerzienrat: „Nu, main Lieber, Se sollen also haben main Rebbekche, doch de Mitgift werd' ich deponieren bei der Bank!“

Freiender Handelsmann: „Was meine Se su main Vorschlag, Herr Kommerzienrat? Ich mein', Sie sollten mer geben de Mitgift und das Rebbekche deponieren bei der Bank!“

Rosette

Buchhändler (dem neuen Schwiegersohn die Tochter übergebend): Hier übergebe ich Ihnen das Beste, was ich habe, lieber Schwiegersohn. (Gerührt.)Soll ich sie Ihnen etwas in Papier einschlagen?

Rosette

Ein Großhändler in Budapest besitzt einen Kontoristen, der ein Muster seines Standes wäre, wenn er minder an unheilbarer Bummelei litte. Vieles ließ ihm sein Chef hingehen; als er ihn aber eines Tages, da der Gute schon um vier Uhr fortgegangen war, um einen schwerkranken Bruder zu pflegen, mit einem hübschen Mädchen spazieren gehend fand, da war auch seine Geduld erschöpft und er kündigte ihm ernste Maßregeln für den Wiederholungsfall an. Einige Tage war alles in Ordnung; dann nahte sich der Kontorist dem Gestrengen wieder mit dem bekannten Armensündergesicht. Der aber ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. „Herr!“ schrie er ihn an, „kommen Sie morgen pünktlich, oder ...“ Der folgende Tag kam; es ward elf Uhr, der Chef saß in seinem Kontor und blätterte mit finsterer Miene in einem ganz eigentümlichen Geschäftsbuche; dort wurden nämlich alle Ausreden gebucht, die der Unverbesserliche bereits ersonnen, und es gab dort so viel gestorbene Neffen, erkrankte Nichten, angelangte Tanten, daß der Buchhalter eine ganz unglaublich große Familie besitzen mußte. Endlich trat der Sünder ein, so drollig zerknirscht, daß sein Brotgeber fast seinen Zorn schwinden fühlte. „Nun! wer ist gestern gestorben?“ rief er ihm zu. „Gestorben? Niemand, ich habe bloß heute geheiratet,“ erwiderte der Ankömmling zerknirscht. — „Herr, das ist doch zu arg, das ist eine infame Ausrede!“ — „Entschuldigen Sie,“ erwiderte tief seufzend der Buchhalter, „aber, leider Gottes, es istdiesmal leiderkeine Ausrede.“

Ein Großhändler in Budapest besitzt einen Kontoristen, der ein Muster seines Standes wäre, wenn er minder an unheilbarer Bummelei litte. Vieles ließ ihm sein Chef hingehen; als er ihn aber eines Tages, da der Gute schon um vier Uhr fortgegangen war, um einen schwerkranken Bruder zu pflegen, mit einem hübschen Mädchen spazieren gehend fand, da war auch seine Geduld erschöpft und er kündigte ihm ernste Maßregeln für den Wiederholungsfall an. Einige Tage war alles in Ordnung; dann nahte sich der Kontorist dem Gestrengen wieder mit dem bekannten Armensündergesicht. Der aber ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. „Herr!“ schrie er ihn an, „kommen Sie morgen pünktlich, oder ...“ Der folgende Tag kam; es ward elf Uhr, der Chef saß in seinem Kontor und blätterte mit finsterer Miene in einem ganz eigentümlichen Geschäftsbuche; dort wurden nämlich alle Ausreden gebucht, die der Unverbesserliche bereits ersonnen, und es gab dort so viel gestorbene Neffen, erkrankte Nichten, angelangte Tanten, daß der Buchhalter eine ganz unglaublich große Familie besitzen mußte. Endlich trat der Sünder ein, so drollig zerknirscht, daß sein Brotgeber fast seinen Zorn schwinden fühlte. „Nun! wer ist gestern gestorben?“ rief er ihm zu. „Gestorben? Niemand, ich habe bloß heute geheiratet,“ erwiderte der Ankömmling zerknirscht. — „Herr, das ist doch zu arg, das ist eine infame Ausrede!“ — „Entschuldigen Sie,“ erwiderte tief seufzend der Buchhalter, „aber, leider Gottes, es istdiesmal leiderkeine Ausrede.“

Rosette

A: „Sie sind mit Zwillingen beschenkt worden. Sind es denn Jungen oder Mädchen?“ — B: „Gemischt! Von jeder Sorte ein zwölftel Dutzend!“

Rosette

Ich kenne Herrn v. Mollnow von meinem Aufenthalt in Pommern her — nun freute ich mich ungemein, ihm in Berlin zu begegnen.

„Ick bleibe nich lang,“ erzählte er mir, „ick fahre heute schon wieder nach meener Klitsche. Jestan abend, wissen Se, is mir nämlich hier in Balin ene sehr, ene unanjenehme Jeschichte passiert.

Ick wohne doch imma int Christliche Hospiz — nich? Un wie ick nu bei Dressel soupiert habe, jehe ick in die Winzerstuben, un dort mache ick ne sehr ene interessante Bekanntschaft mit 'ner russischen Jräfin. Een Wort jibt det andre — sie erzählt, sie wohne nich jut un will janz jern diese Nacht ooch int Christliche Hospiz.“

„Ah — und da hat man Sie wohl nicht eingelassen?“

„Rin ließ man uns schon — ick sagte, die Dame wäre meene Frau. Aber wie ick mit der Jräfin in meene Stube komme, wissen Se, da waren wa nich alleene. Ick hatte nämlich, wissen Se, in meenem Tran total vajessen, det ick meene richtije Frau mit nach Balin jenommen hatte.“

Roda Roda

Roda Roda

Rosette

Geschäftsreisender (zur unverheirateten Ladenbesitzerin, der er etwas verkaufen will): „Noch eins: mein Chef ist ledig, ich bin ledig, der Buchhalter ist ledig ... und wir heiraten nur in der Kundschaft!“

Rosette

Freier (um die Hand der Tochter eines Geldverleihers anhaltend): „... Und nach alledem bitte ich Sie, geben Sie mir Ihre Tochter zur Frau.“ — „Auf wie lange, junger Mann?“

Rosette

Ein Heiratsvermittler besucht einen jungen Bankbeamten, um ihm eine Partie anzutragen.

„Herr Rosenfeld,“ redet er ihm zu, „ich weiß für Sie eine Frau, die hat 50 000 Mark Mitgift ... dann eine mit 75 000 ...“

„Geben Sie sich doch keine Mühe,“ unterbricht ihn Rosenfeld, „ich habe Ihnen doch gesagt, ich heirate nur aus Liebe ...“

„... und dann,“ fährt der Schadchen unbeirrt fort, „dann habe ich eine, die kriegt 100 000 Mark Mitgift ...“

Rosenfeld schweigt.

„Nu,“ ruft der Schadchen, „lieben Sie sie noch nicht ...“

Rosette

Die Tochter des Abraham Wassergeplätscher bekommt Besuch ihres Verehrers. Der Alte empfängt den jungen Mann und sagt: „Gehen Se 'erein und setzen Se sich bei meiner Tochter auf 'ndos-à-dos!“

Als er nach einer Weile ins Zimmer tritt, überrascht er das Pärchen bei einer Umarmung.

„Nu,“ schreit er los, „ich habe Ihnen gesagt, Se sollten sich setzendos-à-dos, aber nix —Nos-à-Nos!“

Rosette

Der Fabrikbesitzer Veilchenbaum kommt unerwartet von einer Geschäftsreise nach Hause und überrascht dort seine Frau im zärtlichsten Tête-à-Tête mit seinem Prokuristen Morgenstern. Wütend stürzt er auf den Räuber seiner Ehre und es entspinnt sich ein heftiges Handgemenge. Der bedeutend stärkere Prokurist hat bald seinen Chef auf den Boden unter sich gebracht und haut wie verrückt auf ihn los. Plötzlich tönt durch das Getümmel der heisere Schrei:„Herr Morgenstern, de Prokura is erloschen!“

Rosette

„Ehe ich Ihnen eine gute Partie namhaft mache, muß ich Sie um zwanzig Kronen Vorschuß bitten —“ — „Na, glauben Sie, ich dächte ans Heiraten, wenn ich noch zwanzig Kronen hätte!“

Rosette

11JanuarInserat (junge Komptoristin gesucht, die flott Schreibmaschine schreiben kann)25013"Wochensalär, pränumerando an Frl. R. Lieblich5—14"Besseren Komptoirstuhl für Frl. L.—5020"Wochensalär für Frl. L.10—22"Bonbons für R.16—22"Veilchen für meine Frau—5024"Frühstück mit Rosa157526"Hut für Röschen28—27"Salär an Röschen20—29"Theater und Souper mit Röschen542530"Sealskinmantel für meine Frau450—30"Seidenkleid für meine Schwiegermutter180—30"Inserat (jungerSekretärgesucht, der flott Schreibmaschine schreibt)250

Rosette

Prinzipal:Wer ist am Telephon?

Lehrling:Ihre Frau Gemahlin.

Prinzipal:Was will sie denn?

Lehrling:Ich hab nur das Wort „Schafskopf“ verstanden!

Prinzipal:Gehen Sie fort — sie will mich wahrscheinlich selbst sprechen!

Rosette

Tochter des Hauses(ihren Anbeter im Hausflur erwartend): „Nun, was hat Papa gesagt?“Der junge Mann(Weinreisender, erschreckt): „Ach Gott, ich wollte ja um deine Hand anhalten —das habe ich ganz vergessen— ich habe ihm 25 Flaschen Rotwein verkauft!“

Rosette

Frau:„Männchen, heute war der Bote von Schulz & Comp. hier und wollte die gelieferte Ware bezahlen; ich habe ihm aber die Tür weisen müssen!“

Mann:„Aber sage mir doch ...“

Frau:„Der Mensch hatte gar keine Erziehung! Er wollte sich in meiner Gegenwart durchaus — was war es doch? — denDiskont abziehen.“

Rosette

Bankerott der Dummheit

Der Chef einer „en gros“-Firma in Berlin wünscht auch in der Provinz eine ausgedehnte Kundschaft zu haben und will daher einen seiner jungen Leute probeweise auf die Reise schicken. Da der Jüngling in diesem Fache noch unbewandert ist, gibt ihm der Chef genaue Verhaltungsmaßregeln mit auf den Weg: „Also Se fahren erst nach Nakel. Da trinken Se ne Bouillon und dann jehn Se in das Jeschäft von Lilienthal und machen Offerte ... Se werden ja sehen, was sich machen läßt. Verkaufen Se nich jleich was, nu, schadet auch nichts. Schreiben brauchen Se erst am dritten Tag, am besten Se telegraphieren!“

Der Jüngling reist. Am zweiten Tage schon wird der Chef ungeduldig. Man beruhigt ihn, da er selbst doch erst am dritten Tage eine Nachricht haben wollte.

Am dritten Tage endlich kommt die Depesche. Der verzweifelte Jüngling drahtet: „In ganz Nakel keine Bouillon aufzutreiben! Was tun?“

Rosette

Chef (zum Angestellten): „Gestern war ein Stellesuchender hier, der sich um Arbeit beworben hat; haben Sie sich seine Adresse notiert?“ — Angestellter: „Gewiß, Herr Chef, ich habe sie jedoch verlegt und kann sie nicht wiederfinden.“ — Chef: „Na, da schreiben Sie dem Mann, er soll seine Adresse nochmals einsenden.“

Rosette

Herr Meyer fragt auf der Reise in X. nach postlagernden Briefen. „Jawohl,“ sagt der Postbeamte, „da ist ein eingeschriebener Brief für Sie; Sie müssen sich aber legitimieren.“ Herr Meyer sucht in allen Taschen nach einer Legitimation, findet keine; zeigt aber schließlich dem Postbeamten seine Photographie. „Jawohl, das sind Sie!“ sagt dieser und händigt den Brief aus.

Rosette

„Sie, Herr Weiß,“ redete der Chef eines Warenhauses seinen ersten Buchhalter an, „hat John & Comp. in letzter Zeit eine Zahlung auf seine Schuld geleistet?“ — „Nichts,“ antwortete der Buchhalter. „So? Der Mann erweist sich seit längerem als schlechter Zahler,“ bemerkte kopfschüttelnd der Chef. „Jawohl, als schlechter Zahler,“ stimmte Weiß zu. „Man darf ihm in Zukunft nicht mehr kreditieren, Herr Weiß!“ — „Nein, man darf ihm nicht mehr kreditieren.“ — „Er scheint ein Bruder Leichtfuß zu sein.“ — „Jawohl, ein Bruder Leichtfuß.“ — „Na, schließlich ist er eben jung.“ — „Jawohl, er ist eben jung.“ — „Wollen also Geduld mit ihm haben.“ — „Sehr wohl, Geduld mit ihm haben.“ — „Kann noch 'mal ein brillanter Kunde werden.“ — „Gewiß, kann noch sehr brillanter Kunde werden.“

Rosette

Der Kommis Meyer hat ziemlich laut nach dem Lehrling gerufen.

Chef: „Was soll das heißen, Herr Meyer! Sind SieChefoder sind Sie es nicht?!“

Meyer: „Ich bin nicht Chef, Herr Hirsch!“

Chef: „Also, wenn Sie sindnicht der Chef, wie können Sie da so brüllen im Lokal wie ein Ochse?!“

Rosette

Reisender: „Kaufen Sie mir was ab, Herr Meyer, billig, preiswert, lauter Nouveautés.“

Meyer: „Was tu' ich mit Ihren Nouveautés; habe noch eine ganze Masse ‚alte Nouveautés’ auf Lager.“

Reisender: „Aber bedenken Sie doch, ich verkaufe Ihnenà tout prix.“

Meyer: „Atuprih habe ich ebenfalls noch auf Lager.“

Rosette

Reisender: „Die Ware ist von bester Qualität, darauf können Sie sich verlassen; überhaupt würde es mir nicht einfallen, Ihnengleich beim ersten Geschäft schlechte Warezu liefern!“

Rosette

Eines Tages, als ich auf einem Kanonenrohr der Belgrader Festung saß und über Save und Donau hinweg in die Ferne blickte, kam mein Freund Milan auf mich zu und rief:„Na, wie gehts, wie stehts, Mütterchens Goldsohn? Was machst du?“„Ich denke über meine Zukunft nach und schwanke noch, ob ich Löwenbändiger oder Tanzlehrer werden soll.“„Wähle den Mittelweg, Bruder, und werde Generalinspektor! — Na, sieh mich nicht so groß an, ich meine es ernst. Du mußt wissen, ich bin seit acht Tagen eine Art Assekuranzkönig von Serbien — im Dienste der La Terre, Zemlja, die Erde — Erste internationale Hagel-, Feuer- und Lebensversicherungsgesellschaft. Da brauche ich einige Dutzend Generalinspektoren.“„Wie ... und du ... du willst mich ernennen?“ Vor Freude stand mir das Herz im Leibe still.„Was gibts da zu verwundern? Natürlich. Ich drücke mein Sultanssiegel darunter, und du bist Generalinspektor.“Das sagte er so einfach. Nein, wer hätte das in dem kleinen Milan gesucht?„Bist du einverstanden?“„Aber natürlich. Mit tausend Freuden. Ich bitte dich: schon ein General schlechthin ist ein hoher Herr. Inspektor ... auch nicht zu verachten. Und ich soll nun mit einem Schlag Generalinspektor werden?“„Na, laß dirs nur nicht in die Krone fahren. Ohne weitres gehts ja auch nicht. Du wirst dich zu einer Probeleistung verstehen müssen.“„Auch das tue ich; überhaupt alles, was du willst.“„So komm nur erst mit mir, da sollst du alles hören.“Wir gingen im Kalimegdankkpark auf und ab. Dort erklärtemir Milan meine Pflichten und wie ich es anstellen müsse, die Leute zu bewegen, daß sie sich versichern ließen.„Denn gern tun sies nicht,“ erzählte mir Milan. „Manchem muß man Zureden wie einem kranken Pferd. Zuerst fragt man ihn nach der Schwägerin in Nisch und ob der Onkel noch in Poscharewatz im Kerker sitze ... unschuldig natürlich. Dann kommt man langsam, ganz langsam auf die Politik zu reden. Ist der Kerl radikal, so schimpft man über die Schwaben, und sonst über die Russen, aber immer nur mäßig und ohne Hitze. Kommt die Sprache auf die Regierung, so wiegst du bedächtig den Kopf und sagst: „Sie werden sehen, es kommt bei diesem System nichts gutes heraus“ — und bist gleich beim Wetter. Davon kann man viel erzählen. Nach und nach lenkst du das Gespräch entweder auf den Hagel, auf den Blitz oder die vielen Halsentzündungen — je nach dem, was versichert werden soll. Du spielst mit der Hand in der Tasche, und auf einmal hast du ein Prospektchen in den Fingern. Das wäre dir rein zufällig untergekommen, sagst du — und so gibt ein Wort das andre ... Wenn du aber Generalinspektor werden willst, mußt du mir heute noch den Joso Bojanitsch versichern. Er wohnt auf der Terasija, gleich beim alten Brunnen. Versuchs doch einmal, Alterchen. Viel Glück auf den Weg!“Er klopft mir noch auf die Schulter — und weg ist er.„Gesundheit! Guten Tag!“ sagte Joso Bojanitsch ungemein zärtlich.Ich freue mich über die gute Vorbedeutung des ersten Empfanges.„Nehmen Sie doch Platz bei mir. Anitze! Anitze! Bring Schnaps für den Herrn!“„O, ich danke,“ entgegne ich geschmeichelt. „Zu viel Ehre!“„Nehmen Sie mit wenigem vorlieb, Herr ...“„Roda“, ergänze ich.„Tja, ja, Herr Roda! Schade, daß Sie nicht gestern gekommen sind, wir haben so herrlichen Kuchen gehabt. Aber immerhin — Sie sind auch heute willkommen. Meine Schwägerin in Nisch ...“„Wie, Sie haben auch eine Schwägerin in Nisch?“ frage ich — fast erschrocken vor Freude darüber, daß Milans Rezept so prächtig zutrifft.„Ja. Haben Sie auch eine Schwägerin in Nisch? ... Gesundheit, Herr Roda! Stoßen Sie an! ... Brr! Großartige Ware, der Schnaps, was? 's ist aber auch Eigenbau. Das heißt nämlich eigentlich kein Eigenbau, denn er stammt von meinem Oheim, der ihn leider Gottes nicht trinken kann.“„Oh! Ist er tot, Ihr Oheim?“„Schlimmer als das. Denken Sie nur: er ist in Poscharewatz eingesperrt ... Was haben Sie? Was staunen Sie?“„Hm ... nichts, wirklich nichts ... Sagen Sie doch, bitte, Herr Bojanitsch, hat jede Belgrader Familie einen Oheim in Poscharewatz sitzen?“„Wie witzig Sie sind! Ja, die Herren Ausländer! Das bringt den Geist aus der Welt mit. Ein andres Leben da draußen als hier auf dem Balkan — wie? Na, es wird auch bei uns einmal anders werden. Denn, nehmen wir an, der Berliner Vertrag wird eines schönen Tages revidiert ...“„Um Gottes willen, nur nicht zu viel von der Politik!“ rufe ich, eingedenk der Warnung Milans.„Sie haben recht. Es ist ein undankbares Ding. Was dich nicht brennt, das blase nicht. Sie sind ein Oesterreicher, nicht wahr? Tja, ja — zunächst hängt unser Heil doch nur von Oesterreich ab ...“ Joso Bojanitsch beginntden Kopf zu wiegen. „Anitze, sag ich immer zu meiner Frau, Anitze ...“Ich wiege mit. — „Du wirst sehen, es kommt bei diesem System nichts gutes heraus.“Joso blickt auf — erfreut darüber, daß ich seine Gedanken so gut errate.„Freund,“ schreit er, „Sie gefallen mir, wie Sie doch die Dinge so richtig zu beurteilen wissen!“„Mein Gott, wenn man schon so lange hier ist ...“„Ah, schon lange hier? Aber dennoch: Grütze muß man im Kopf haben. Hat man die, findet man sich überall gleich zurecht. Und gefällts Ihnen bei uns?“„Sehr gut. Das Klima ...“„Herr,“ ruft er. „Sie sind ein Gedankenleser! Eben auf das Klima wollt ich zu reden kommen. In Silber sollte man Ihre Worte fassen. Tja, ja. Scheußlich, dieses Wetter. Sind Sie Landwirt?“„Nein. Ich ...“„Also Hausbesitzer, nicht wahr?“„Nein. Ich ...“„Tja, ja, ein mörderisches Wetter! Wenn man in Belgrad umhergeht und die schönen Menschen sieht, meint man, es müsse, weiß Gott, wie, gesund sein, hier zu leben. Alle sehen aus, als sollten sie dereinst ihr Brot mit einem Zahn kauen. Aber, aber: sie sind wie die Pappeln, diese Belgrader — der Stamm ist groß, das Holz ist morsch. Das lebt wie die Made im Speck und denkt nicht an die Zukunft ... Noch ein Gläschen, Herr Roda? ... Zur Gesundheit!“Ich stoße fröhlich an. So leicht habe ich mir die Sache nicht gedacht. — Ich habe ein verbindliches Lächeln auf den Lippen, stelle das Gläschen hin und greife in die Tasche. Jetzt muß ja bald mein Prospekt heraus.„So sind die Leute; Sie haben wahr gesprochen, Herr Bojanitsch,“ knüpfe ich an. „In den Tag hinein leben sieund denken nicht daran: Was wird aus meinen Lieben, wenn ich einmal nicht mehr bin?“„Bravo, junger Mann! Ich wollt, ich hätte eine Tochter. Ihnen würde ich sie anvertrauen.“„Ich erkenne den guten Willen an. — Wenn man sieht, wie so mancher in Saus und Braus lebt ...“„Nicht wahr? Und alles verbraucht, so daß Weib und Kinder dereinst darben müssen, weil ihnen das Familienoberhaupt nichts zurückgelassen hat? ... Herr,“ ruft Bojanitsch, „wenn ich was zu befehlen hätte, müßte jedermann ...“„Ein Viertel seines Einkommens in einer Lebensversicherungspolizze anlegen.“„Was sagen Sie, ein Viertel? Ein Drittel wenigstens, ein volles Drittel.“Jetzt heraus mit dem Prospekt! Aber wo hab ich ihn, zum Kuckuck?Auf einmal fängt Bojanitsch herzlich an:„Sehen Sie, da hab ich rein zufällig ein Prospektchen bei mir: von der Ozean, Internationale Versicherungsgesellschaft, einem Unternehmen ersten Ranges.“„Aber ...“ Ich strecke ihm hilflos den Prospekt meiner La Terre entgegen.„Nein Aber, junger Mann! Sie müssen unbedingt eine Polizze nehmen. Ich sage nur auf vierzigtausend Dinar.“„Aber ...“„Kein Aber! Sie sind nicht verheiratet, wollen Sie sagen? Denken Sie nicht an die armen Eltern, an die Geschwister? Sollen die verhungern, wenn Sie einst nicht mehr sind?“„Aber ...“„Lächerlich. Vierzigtausend Dinar, denken Sie nur! Sie gehn auf der Straße, ein Ziegel fällt Ihnen auf den Kopf, und schlägt Sie tot. Weinend umringt Sie Ihre Braut. Doch vierzigtausend Dinar sind da. Haha!“„Aber ...“„Unterschreiben Sie, junger Mann, rate ich Ihnen! So was von Gesellschaft, wie die Ozean, gibts doch nicht zum zweitenmal. Sie zucken noch mit Händen und Füßen, und die Gesellschaft zahlt schon aus. Dabei ist die Prämie lächerlich billig, vierteljährlich dreihundertundzwanzig Dinar und zwanzig Para. — Anitze, schnell noch einen Schnaps! — Schreiben Sie, junger Mann, morgen um neun Uhr ist der Arzt bei Ihnen ... So! Nun setzen Sie noch das Datum über Ihren Namen! So! ... Zur Gesundheit, Herr Roda! Mögen Sie sich, Gott behüte, recht bald von der Solidität der Ozean überzeugen!“Vernichtet und geschlagen kehre ich zu den Kanonen in die Festung zurück.'s nützt nichts. Ich hab kein Talent fürs Versicherungsgeschäft.

Eines Tages, als ich auf einem Kanonenrohr der Belgrader Festung saß und über Save und Donau hinweg in die Ferne blickte, kam mein Freund Milan auf mich zu und rief:

„Na, wie gehts, wie stehts, Mütterchens Goldsohn? Was machst du?“

„Ich denke über meine Zukunft nach und schwanke noch, ob ich Löwenbändiger oder Tanzlehrer werden soll.“

„Wähle den Mittelweg, Bruder, und werde Generalinspektor! — Na, sieh mich nicht so groß an, ich meine es ernst. Du mußt wissen, ich bin seit acht Tagen eine Art Assekuranzkönig von Serbien — im Dienste der La Terre, Zemlja, die Erde — Erste internationale Hagel-, Feuer- und Lebensversicherungsgesellschaft. Da brauche ich einige Dutzend Generalinspektoren.“

„Wie ... und du ... du willst mich ernennen?“ Vor Freude stand mir das Herz im Leibe still.

„Was gibts da zu verwundern? Natürlich. Ich drücke mein Sultanssiegel darunter, und du bist Generalinspektor.“

Das sagte er so einfach. Nein, wer hätte das in dem kleinen Milan gesucht?

„Bist du einverstanden?“

„Aber natürlich. Mit tausend Freuden. Ich bitte dich: schon ein General schlechthin ist ein hoher Herr. Inspektor ... auch nicht zu verachten. Und ich soll nun mit einem Schlag Generalinspektor werden?“

„Na, laß dirs nur nicht in die Krone fahren. Ohne weitres gehts ja auch nicht. Du wirst dich zu einer Probeleistung verstehen müssen.“

„Auch das tue ich; überhaupt alles, was du willst.“

„So komm nur erst mit mir, da sollst du alles hören.“

Wir gingen im Kalimegdankkpark auf und ab. Dort erklärtemir Milan meine Pflichten und wie ich es anstellen müsse, die Leute zu bewegen, daß sie sich versichern ließen.

„Denn gern tun sies nicht,“ erzählte mir Milan. „Manchem muß man Zureden wie einem kranken Pferd. Zuerst fragt man ihn nach der Schwägerin in Nisch und ob der Onkel noch in Poscharewatz im Kerker sitze ... unschuldig natürlich. Dann kommt man langsam, ganz langsam auf die Politik zu reden. Ist der Kerl radikal, so schimpft man über die Schwaben, und sonst über die Russen, aber immer nur mäßig und ohne Hitze. Kommt die Sprache auf die Regierung, so wiegst du bedächtig den Kopf und sagst: „Sie werden sehen, es kommt bei diesem System nichts gutes heraus“ — und bist gleich beim Wetter. Davon kann man viel erzählen. Nach und nach lenkst du das Gespräch entweder auf den Hagel, auf den Blitz oder die vielen Halsentzündungen — je nach dem, was versichert werden soll. Du spielst mit der Hand in der Tasche, und auf einmal hast du ein Prospektchen in den Fingern. Das wäre dir rein zufällig untergekommen, sagst du — und so gibt ein Wort das andre ... Wenn du aber Generalinspektor werden willst, mußt du mir heute noch den Joso Bojanitsch versichern. Er wohnt auf der Terasija, gleich beim alten Brunnen. Versuchs doch einmal, Alterchen. Viel Glück auf den Weg!“

Er klopft mir noch auf die Schulter — und weg ist er.

„Gesundheit! Guten Tag!“ sagte Joso Bojanitsch ungemein zärtlich.

Ich freue mich über die gute Vorbedeutung des ersten Empfanges.

„Nehmen Sie doch Platz bei mir. Anitze! Anitze! Bring Schnaps für den Herrn!“

„O, ich danke,“ entgegne ich geschmeichelt. „Zu viel Ehre!“

„Nehmen Sie mit wenigem vorlieb, Herr ...“

„Roda“, ergänze ich.

„Tja, ja, Herr Roda! Schade, daß Sie nicht gestern gekommen sind, wir haben so herrlichen Kuchen gehabt. Aber immerhin — Sie sind auch heute willkommen. Meine Schwägerin in Nisch ...“

„Wie, Sie haben auch eine Schwägerin in Nisch?“ frage ich — fast erschrocken vor Freude darüber, daß Milans Rezept so prächtig zutrifft.

„Ja. Haben Sie auch eine Schwägerin in Nisch? ... Gesundheit, Herr Roda! Stoßen Sie an! ... Brr! Großartige Ware, der Schnaps, was? 's ist aber auch Eigenbau. Das heißt nämlich eigentlich kein Eigenbau, denn er stammt von meinem Oheim, der ihn leider Gottes nicht trinken kann.“

„Oh! Ist er tot, Ihr Oheim?“

„Schlimmer als das. Denken Sie nur: er ist in Poscharewatz eingesperrt ... Was haben Sie? Was staunen Sie?“

„Hm ... nichts, wirklich nichts ... Sagen Sie doch, bitte, Herr Bojanitsch, hat jede Belgrader Familie einen Oheim in Poscharewatz sitzen?“

„Wie witzig Sie sind! Ja, die Herren Ausländer! Das bringt den Geist aus der Welt mit. Ein andres Leben da draußen als hier auf dem Balkan — wie? Na, es wird auch bei uns einmal anders werden. Denn, nehmen wir an, der Berliner Vertrag wird eines schönen Tages revidiert ...“

„Um Gottes willen, nur nicht zu viel von der Politik!“ rufe ich, eingedenk der Warnung Milans.

„Sie haben recht. Es ist ein undankbares Ding. Was dich nicht brennt, das blase nicht. Sie sind ein Oesterreicher, nicht wahr? Tja, ja — zunächst hängt unser Heil doch nur von Oesterreich ab ...“ Joso Bojanitsch beginntden Kopf zu wiegen. „Anitze, sag ich immer zu meiner Frau, Anitze ...“

Ich wiege mit. — „Du wirst sehen, es kommt bei diesem System nichts gutes heraus.“

Joso blickt auf — erfreut darüber, daß ich seine Gedanken so gut errate.

„Freund,“ schreit er, „Sie gefallen mir, wie Sie doch die Dinge so richtig zu beurteilen wissen!“

„Mein Gott, wenn man schon so lange hier ist ...“

„Ah, schon lange hier? Aber dennoch: Grütze muß man im Kopf haben. Hat man die, findet man sich überall gleich zurecht. Und gefällts Ihnen bei uns?“

„Sehr gut. Das Klima ...“

„Herr,“ ruft er. „Sie sind ein Gedankenleser! Eben auf das Klima wollt ich zu reden kommen. In Silber sollte man Ihre Worte fassen. Tja, ja. Scheußlich, dieses Wetter. Sind Sie Landwirt?“

„Nein. Ich ...“

„Also Hausbesitzer, nicht wahr?“

„Nein. Ich ...“

„Tja, ja, ein mörderisches Wetter! Wenn man in Belgrad umhergeht und die schönen Menschen sieht, meint man, es müsse, weiß Gott, wie, gesund sein, hier zu leben. Alle sehen aus, als sollten sie dereinst ihr Brot mit einem Zahn kauen. Aber, aber: sie sind wie die Pappeln, diese Belgrader — der Stamm ist groß, das Holz ist morsch. Das lebt wie die Made im Speck und denkt nicht an die Zukunft ... Noch ein Gläschen, Herr Roda? ... Zur Gesundheit!“

Ich stoße fröhlich an. So leicht habe ich mir die Sache nicht gedacht. — Ich habe ein verbindliches Lächeln auf den Lippen, stelle das Gläschen hin und greife in die Tasche. Jetzt muß ja bald mein Prospekt heraus.

„So sind die Leute; Sie haben wahr gesprochen, Herr Bojanitsch,“ knüpfe ich an. „In den Tag hinein leben sieund denken nicht daran: Was wird aus meinen Lieben, wenn ich einmal nicht mehr bin?“

„Bravo, junger Mann! Ich wollt, ich hätte eine Tochter. Ihnen würde ich sie anvertrauen.“

„Ich erkenne den guten Willen an. — Wenn man sieht, wie so mancher in Saus und Braus lebt ...“

„Nicht wahr? Und alles verbraucht, so daß Weib und Kinder dereinst darben müssen, weil ihnen das Familienoberhaupt nichts zurückgelassen hat? ... Herr,“ ruft Bojanitsch, „wenn ich was zu befehlen hätte, müßte jedermann ...“

„Ein Viertel seines Einkommens in einer Lebensversicherungspolizze anlegen.“

„Was sagen Sie, ein Viertel? Ein Drittel wenigstens, ein volles Drittel.“

Jetzt heraus mit dem Prospekt! Aber wo hab ich ihn, zum Kuckuck?

Auf einmal fängt Bojanitsch herzlich an:

„Sehen Sie, da hab ich rein zufällig ein Prospektchen bei mir: von der Ozean, Internationale Versicherungsgesellschaft, einem Unternehmen ersten Ranges.“

„Aber ...“ Ich strecke ihm hilflos den Prospekt meiner La Terre entgegen.

„Nein Aber, junger Mann! Sie müssen unbedingt eine Polizze nehmen. Ich sage nur auf vierzigtausend Dinar.“

„Aber ...“

„Kein Aber! Sie sind nicht verheiratet, wollen Sie sagen? Denken Sie nicht an die armen Eltern, an die Geschwister? Sollen die verhungern, wenn Sie einst nicht mehr sind?“

„Aber ...“

„Lächerlich. Vierzigtausend Dinar, denken Sie nur! Sie gehn auf der Straße, ein Ziegel fällt Ihnen auf den Kopf, und schlägt Sie tot. Weinend umringt Sie Ihre Braut. Doch vierzigtausend Dinar sind da. Haha!“

„Aber ...“

„Unterschreiben Sie, junger Mann, rate ich Ihnen! So was von Gesellschaft, wie die Ozean, gibts doch nicht zum zweitenmal. Sie zucken noch mit Händen und Füßen, und die Gesellschaft zahlt schon aus. Dabei ist die Prämie lächerlich billig, vierteljährlich dreihundertundzwanzig Dinar und zwanzig Para. — Anitze, schnell noch einen Schnaps! — Schreiben Sie, junger Mann, morgen um neun Uhr ist der Arzt bei Ihnen ... So! Nun setzen Sie noch das Datum über Ihren Namen! So! ... Zur Gesundheit, Herr Roda! Mögen Sie sich, Gott behüte, recht bald von der Solidität der Ozean überzeugen!“

Vernichtet und geschlagen kehre ich zu den Kanonen in die Festung zurück.

's nützt nichts. Ich hab kein Talent fürs Versicherungsgeschäft.

Rosette

passierte gestern im Geschäftszimmer der Essigfabrik von Schultze. EinReisender, der das Aufsehen erregende Buch „Reise-Kniffe, die zu ungeahnten Erfolgen verhelfen“, gekauft, gelesen und studiert hatte, war kaum mit seiner Offerte in das Zimmer des Geschäftsinhabers getreten, als er von Herrn Schultze gefaßt, geprügelt, in den Bauch gestoßen, auf den Rücken getrampelt, vermöbelt, zerbolzt, in Stücke gerissen und auf die Straße geworfen wurde! — Ein unglückseliger Zufall hat es gefügt, daßeine Viertelstunde vorherauch HerrSchultze die „Reise-Kniffe“ gelesen hatte.

Rosette

Herr Willi Schulz — ein reicher Kaufmannssohn — darf mit einigen Studenten verkehren, da er über ein Auto verfügte; wird aber von ihnen etwas von oben herab behandelt. Eines Tages fragt er, ob er die Herren am Sonntag morgen um 7 Uhr zu einer Fahrt abholen dürfe. Da wird ihm zur Antwort:

„Um 7 Uhr?! Was denken Sie, mein Lieber, da kotzt ja der Gent noch!“

Rosette

Der Bankier Tulpenthal beauftragt seinen Buchhalter, dem Herrn Baron von X., welcher trotz wiederholter Versprechungen seine alten Schulden nicht begleicht, einen recht groben Brief zu schreiben, ohne jedoch direkt verletzend, d. h. „ä bißchen durch die Blume grob“ zu sein. Der Buchhalter tut dies. Der Herr Chef ist aber mit der Leistung sehr unzufrieden; er vernichtet den Brief und schreibt selbst folgendermaßen: „Geehrter Herr Baron! Wer hat wollen seine Schuld ausgleichen spätestens am 1. Januar d. J.? — Sie, Herr Baron! Wer hat es aber nicht getan? — Sie, Herr Baron!! Wer hat darauf versprochen, am 1. März zu bezahlen? — Sie, Herr Baron!!! Wer hat aber nicht bezahlt am 1. März? — Sie, Herr Baron!!!! Wer hat also sein Wort zweimal gebrochen? — Sie, Herr Baron!!!!! Wer ist demnach ein ganz gemeiner Lump?


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