Das Durchgehen ist nur den Mitgliedernder Direktion gestattet!
Das Durchgehen ist nur den Mitgliedernder Direktion gestattet!
Rosette
Der Agent Treppengeländer verhandelt mit den Gläubigern des Nathan Magensaft, um einen Vergleich zustande zu bringen.
Dem Hauptgläubiger, einem reichen Bankier, bietet er zwanzig Prozent, die auch sofort akzeptiert werden. Als er Magensaft von diesem Resultat Mitteilung macht, entspinnt sich folgendes Gespräch:
Magensaft: „Sie haben selbst zwanzig angeboten?“
Treppengeländer (stolz): „Gewiß! Weniger werd' ich doch nicht bieten!“
Magensaft: „Wissen Sie, Herr Treppengeländer, for mei Geld brauchen Siekeinen Kavalier zu spielen!“
Rosette
Ein Geschäftsreisender, der auf einer Tour wenig Erfolg hatte, schiebt in seinem Schreiben an seine Firma alle Schuld auf das schlechte Wetter, über dessen Launen er in allen Einzelheiten berichtet. Prompt erhält er von der Firma die Antwort: „Wetternachrichten erhalten wir von der meteorologischen Zentralanstalt, wir bitten Sie, uns lieber Aufträge zu senden.“
Rosette
Ein Reisender kommt in das Bureau einer größeren Maschinenfabrik. Auf die Frage: „Sie wünschen?“ erwidert er: „Mein Name ist Fix, Vertreter von nur ersten Häusern. Ich reise in Glühstrümpfen, Kabelschuhen, Dampfhemden, Bleimänteln, Dampfzylindern und Gummischuhen ...“ — Direktor: „Sagen Sie mal, ist Ihnen da das Reisen nicht manchmal etwas beschwerlich?“
Rosette
Chef (zum Kommis, der schriftstellert): „Ich habe gehört, daß Sie während der Geschäftszeit Trauerspiele schreiben!“ — Kommis: „Ich muß Geld verdienen ... geben Sie mir mehr Gehalt!“ — Chef: „Das kennt man ... und nachher schreiben Sie Lustspiele!“
Rosette
A: „Warum fluchst und wetterst du denn nur so?“ — B: „Ach, denke dir bloß, ich habe den verfl...... Prozeß in der ersten Instanz gewonnen, in der zweiten Instanz gewonnen und heut in der dritten Instanz verlier' ich glatt.“ — A: „Na, so sei doch nicht so mißgünstig, du hast nun zweimal gewonnen — laß den andern auch mal gewinnen.“
Rosette
Am Neujahrstage erschien bei Rothschild ein Bettler, um ihm zum Jahreswechsel zu gratulieren. Da er etwas laut sprach, sagte Rothschild zu ihm: „Sprechen Sie, bitte, etwas leiser — man schreit doch nicht so, wenn man ein Anliegen hat!“ Der Bettler erwiderte gekränkt: „Wollen Sie mich etwa schnorren lehren? Uebernehmen Sie doch mein Geschäft und übergeben Sie mir das Ihre!“
Chef (zum Kontoristen): „Kohn, sagen Sie mir, ist Ihnen einmal etwas passiert beim Arbeiten?“
Kontorist: „O nein! Aber wie kommt der Herr Chef zu dieser Frage?“
Chef: „Weil Sie so 'ne Angst vor dem Arbeiten haben!“
Rosette
Ein Amerikaner war in einen Prozeß mit einem seiner Nachbarn verwickelt. Vor dem Schlußtermin war er genötigt, eine Geschäftsreise zu unternehmen, und bat seinen Rechtsanwalt, ihm von dem Resultat telegraphisch Nachricht zu geben. Er erhielt folgende Depesche: „Gerechte Sache gesiegt.“ Unverzüglich ging die Drahtantwort zurück: „Sofort Berufung einlegen.“
Rosette
Der Chef tritt ins Kontor und sieht seinen Buchhalter, eine Zigarette rauchend, beim Schreibpult stehen. Erzürnt ruft er:
„Was ist das? E' neue Einführung? Seit wann raucht man bei der Arbeit?“
Buchhalter: „Wer sagt Ihnen, daß ich arbeite?“
Rosette
Am 1. Januar erhielt ein Kaufmann, der sich durch etwas langes „Pumpen“ auszeichnet, von einem seiner Lieferanten folgende Neujahrskarte:
Herzliche Glückwünschezum neuen Jahre.Valuta Juni!
Herzliche Glückwünschezum neuen Jahre.
Valuta Juni!
Rosette
Prinzipal(zum Kommis): „Aber, Herr Müller, Sie kommen doch auch regelmäßig eineganze halbe Viertel-Stunde zu spät!“
Rosette
Herren Schill, Göbel & Müller,Hamburg.
Herren Schill, Göbel & Müller,
Hamburg.
„Sie sind also nicht gesonnen, mir den gekürzten Skonto zu bewilligen? Ich weiß wohl, daß die Regulierung diesmal etwas länger angestanden hat, als üblich, wenn Sie aber einem so alten Kunden den Skonto durchaus nicht mehr gewähren wollen, dann sage ich Ihnen: „schämen Sie sich, Herr Schill, schämen Sie sich, Herr Göbel, schämen Sie sich, Herr Müller! Schämen Sie sich, Herr Schill, Göbel & Müller!“
AchtungsvollBruno Ruhig.
Achtungsvoll
Bruno Ruhig.
Rosette
„Ordnen Sie diese Briefe bitte alphabetisch und werfen Sie sie dann in den Papierkorb.“
Rosette
Der Produktenhändler Klosettdeckel hat einen Gehilfen, den jugendlichen Fritze Micheles, der dem Lager in altem Eisen, Lumpen, Metallabfällen und Knochen zu seiner Zufriedenheit vorsteht. Eines Tages entdeckt er jedoch zu seiner Empörung, daß Fritze Micheles ihn schnöde bemogelt, indem er Knochenposten an den Isidor Veigeles auf eigene Rechnung abgibt. Klosettdeckel wirft darauf entrüstet den ungetreuen Lageristen hinaus. Fritze Micheles, sehr zerknirscht und nur froh, daß sein Prinzipal von einer Anzeige des Diebstahls absieht, bittet ihn schließlich noch um ein Abgangszeugnis. — „Was soll ich schraiben for 'n Zeigniß for so 'n Lumpen, soll ich auch noch lügen, nachdem de mich hast betrogen un' bestohlen?“ — „Se sollen bei de Wahrheit bleiben, Herr Klosettdeckel,“ antwortete der zerknirschte Fritze, „schreiben Se bloß: ‚Ehrlich bis auf de Knochen!’“
Rosette
Buchhalter: „Ich möchte mir erlauben, wieder um eine kleine Zulage zu bitten; meine Familie hat sich neuerlich vermehrt.“ — Chef: „Schon wieder? Ja, aber lieber Freund, Sie können doch nicht verlangen, daß ich Ihnen jedes Kind, das Sie in die Welt setzen, förmlich abkaufe!“
Rosette
„.... Ihren Brief, über den ich mich sehr geärgert, habe ich augenblicklich vor mir. Bald werde ich ihn hinter mir haben ...!“
Rosette
A: „Was, Sie haben jetzt einen Posten als Prokurist in einer Pulverfabrik?“ — B: „Ja!“ — A: „Hm, da haben Sie jagute Aussicht, noch einmal in die Höhe zu kommen!“
Rosette
Der knauserige, aber sehr wohlhabende Kaufmann einer Provinzialstadt begibt sich mit dem Verkauf seiner Handlung in den Ruhestand, vor seinem beabsichtigten Wegzuge veranstaltet er ein kleines Fest, zu dem die mehrjährigen, treuen Kunden eingeladen werden. Seinem knauserigen Wesen getreu ist der Wein in einer als etwas Säuerling verrufenen Marke gewählt worden. Als der Festgeber seinen Nachbar, der als Satiriker bekannt war und sich auch kein Blatt vor den Mund nahm, fragte: „Nun, wie finden Sie den Wein?“ antwortete ihm dieser kühl und trocken: „Mir macht er den Abschied doppelt sauer!“
Rosette
Zum Chef kommt der Buchhalter:
„Herr Chef, ich bitte um Vorschuß.“
Chef: „Ich hab' jetzt keine Zeit, kommen Se morgen!“
Am nächsten Tage wiederholt der Buchhalter seine Bitte.
Chef: „Was ä Unverschämtheit! Gestern erst haben Se Vorschuß verlangt, heute kommen Se schon wieder?“
Rosette
Reisender: „Ich erlaube mir, Ihnen als Bewerber um den in Ihrem Hause vakanten Reiseposten meine persönliche Aufwartung zu machen!“
Chef: „Bedauere sehr! Sie sehen vielzu wohlgenährtaus! Wissen Sie, mein Herr, heutzutage muß ein Reisender durch sein Aeußeres quasiMitleid erwecken, wenn er Geschäfte machen will!“
Rosette
Kommis: „Der Lehrling Fritz ist nirgends zu finden.“
Chef: „Na, lassen Sie nur, bei der Inventur werden wir ihn schon finden.“
Rosette
Ich bin auf England nicht sehr gut zu sprechen,Doch sprech ich's trotzdem unumwunden aus,Daß manche Dinge in die Augen stechenDem Deutschen, drin uns England weit voraus.So ist zum Beispiel — jeder Mensch hat Schwächen —Ein englisch Beefsteak ein solenner Schmaus;Die schönste, beste aber ihrer SittenIst dieBureauzeitin dem Land der Briten.Um 8 Uhr morgens, den Kaffee im Magen,Begibt sich pünktlich ins Bureau der MannUnd pflegt der —Arbeit, wollen wir mal sagen,Bis 11. Es folgt die Frühstückspause dann.Hurrah! Soeben hat es 3 geschlagen!Er klappt die Bücher zu, so schnell er kann,Und eilt zum Weibchen oder heim zur MutterUnd labt sich dort am wohlverdienten Futter.Dann ist er frei!Dann kann er unternehmen,Was ihm behagt! Dann ist erHerr, statt Knecht.Er kann spazieren geh'n und zu sich nehmenDen Sauerstoff, der im Bureau so schlecht;Kann lesen, schreiben, schwelgen in Problemen,Wenn er nicht lieber mit Kollegen zecht.Er kann das Schläfchen halten, das bewußte,Das früher imBureauer pflegen mußte.Er ist einMensch, und nicht mehr wie am MorgenLaut seinem Vorgesetzten ein Kameel.Frei ist er, frei und ledig aller Sorgen,Kein Tadelwort erschreckt ihn, kein Befehl.DerArbeitkommt's zu gut am nächsten Morgen,Wenn er, statt mürrisch, heiter und fidel;Ach:schön ist Arbeit unter kluger Lenkung,Das heißt — mit weiser, nötiger Beschränkung!
Ich bin auf England nicht sehr gut zu sprechen,Doch sprech ich's trotzdem unumwunden aus,Daß manche Dinge in die Augen stechenDem Deutschen, drin uns England weit voraus.So ist zum Beispiel — jeder Mensch hat Schwächen —Ein englisch Beefsteak ein solenner Schmaus;Die schönste, beste aber ihrer SittenIst dieBureauzeitin dem Land der Briten.Um 8 Uhr morgens, den Kaffee im Magen,Begibt sich pünktlich ins Bureau der MannUnd pflegt der —Arbeit, wollen wir mal sagen,Bis 11. Es folgt die Frühstückspause dann.Hurrah! Soeben hat es 3 geschlagen!Er klappt die Bücher zu, so schnell er kann,Und eilt zum Weibchen oder heim zur MutterUnd labt sich dort am wohlverdienten Futter.Dann ist er frei!Dann kann er unternehmen,Was ihm behagt! Dann ist erHerr, statt Knecht.Er kann spazieren geh'n und zu sich nehmenDen Sauerstoff, der im Bureau so schlecht;Kann lesen, schreiben, schwelgen in Problemen,Wenn er nicht lieber mit Kollegen zecht.Er kann das Schläfchen halten, das bewußte,Das früher imBureauer pflegen mußte.Er ist einMensch, und nicht mehr wie am MorgenLaut seinem Vorgesetzten ein Kameel.Frei ist er, frei und ledig aller Sorgen,Kein Tadelwort erschreckt ihn, kein Befehl.DerArbeitkommt's zu gut am nächsten Morgen,Wenn er, statt mürrisch, heiter und fidel;Ach:schön ist Arbeit unter kluger Lenkung,Das heißt — mit weiser, nötiger Beschränkung!
Ich bin auf England nicht sehr gut zu sprechen,Doch sprech ich's trotzdem unumwunden aus,Daß manche Dinge in die Augen stechenDem Deutschen, drin uns England weit voraus.So ist zum Beispiel — jeder Mensch hat Schwächen —Ein englisch Beefsteak ein solenner Schmaus;Die schönste, beste aber ihrer SittenIst dieBureauzeitin dem Land der Briten.
Ich bin auf England nicht sehr gut zu sprechen,
Doch sprech ich's trotzdem unumwunden aus,
Daß manche Dinge in die Augen stechen
Dem Deutschen, drin uns England weit voraus.
So ist zum Beispiel — jeder Mensch hat Schwächen —
Ein englisch Beefsteak ein solenner Schmaus;
Die schönste, beste aber ihrer Sitten
Ist dieBureauzeitin dem Land der Briten.
Um 8 Uhr morgens, den Kaffee im Magen,Begibt sich pünktlich ins Bureau der MannUnd pflegt der —Arbeit, wollen wir mal sagen,Bis 11. Es folgt die Frühstückspause dann.Hurrah! Soeben hat es 3 geschlagen!Er klappt die Bücher zu, so schnell er kann,Und eilt zum Weibchen oder heim zur MutterUnd labt sich dort am wohlverdienten Futter.
Um 8 Uhr morgens, den Kaffee im Magen,
Begibt sich pünktlich ins Bureau der Mann
Und pflegt der —Arbeit, wollen wir mal sagen,
Bis 11. Es folgt die Frühstückspause dann.
Hurrah! Soeben hat es 3 geschlagen!
Er klappt die Bücher zu, so schnell er kann,
Und eilt zum Weibchen oder heim zur Mutter
Und labt sich dort am wohlverdienten Futter.
Dann ist er frei!Dann kann er unternehmen,Was ihm behagt! Dann ist erHerr, statt Knecht.Er kann spazieren geh'n und zu sich nehmenDen Sauerstoff, der im Bureau so schlecht;Kann lesen, schreiben, schwelgen in Problemen,Wenn er nicht lieber mit Kollegen zecht.Er kann das Schläfchen halten, das bewußte,Das früher imBureauer pflegen mußte.
Dann ist er frei!Dann kann er unternehmen,
Was ihm behagt! Dann ist erHerr, statt Knecht.
Er kann spazieren geh'n und zu sich nehmen
Den Sauerstoff, der im Bureau so schlecht;
Kann lesen, schreiben, schwelgen in Problemen,
Wenn er nicht lieber mit Kollegen zecht.
Er kann das Schläfchen halten, das bewußte,
Das früher imBureauer pflegen mußte.
Er ist einMensch, und nicht mehr wie am MorgenLaut seinem Vorgesetzten ein Kameel.Frei ist er, frei und ledig aller Sorgen,Kein Tadelwort erschreckt ihn, kein Befehl.DerArbeitkommt's zu gut am nächsten Morgen,Wenn er, statt mürrisch, heiter und fidel;Ach:schön ist Arbeit unter kluger Lenkung,Das heißt — mit weiser, nötiger Beschränkung!
Er ist einMensch, und nicht mehr wie am Morgen
Laut seinem Vorgesetzten ein Kameel.
Frei ist er, frei und ledig aller Sorgen,
Kein Tadelwort erschreckt ihn, kein Befehl.
DerArbeitkommt's zu gut am nächsten Morgen,
Wenn er, statt mürrisch, heiter und fidel;
Ach:schön ist Arbeit unter kluger Lenkung,
Das heißt — mit weiser, nötiger Beschränkung!
Karlchen.
Karlchen.
Rosette
Buchhalter: „Als Sie mich vor drei Monaten engagierten, sprachen Sie von einer Lebensstellung, und heute machen Sie Pleite!“ — Prinzipal: „Kann ich dafür, daß Sie so lange leben?“
Rosette
Bureauvorsteher (zum Schreiber): „Da haben Sie in Ihrem Skriptum einen i-Punkt vergessen. Geändert darf in dem Dokument nichts werden. Jetzt haben Sie das Vergnügen, die ganze Geschichte noch mal abzuschreiben.“
Rosette
Prinzipal (zum neu engagierten Kontoristen): „Sie kommen meinem Diktat nicht nach — weshalb stenographieren Sie nicht? Sie sagten doch beim Eintritt, daß Sie Stenograph sind?“ — „Bin ich auch, aber dann geht's noch langsamer.“
Rosette
Chef: „Worüber grübeln Sie denn?“ — Kommis: „Ich will eine Steuerreklamation einreichen und weiß nicht recht, womit ich sie begründen soll!“ — Chef (nachdenklich): „Wissen Sie, Meyer, ich werd' Ihnen etwas vom Gehalt abziehen!“
Rosette
Angestellter (der krankheitshalber einen Tag im Geschäft gefehlt hat, sich beim Chef entschuldigend): „Herr Chef werden verzeihen, daß ich nicht kommen konnte, hatte mir anscheinend den Magen verdorben, konnte den ganzen Tag nichts essen.“ — Chef: „So, das hätten Sie auch hier im Geschäft besorgen können.“
Rosette
Der Hausknecht des als Knauser bekannten Kaufmanns Knickrig begeht das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit in Knickrigs Hause, bei welcher Veranlassung letzterer ihn morgens in sein Kontor ruft und ihm nach einigen salbungsvollen Worten über bewiesene Treue usw. eine entsprechende Belohnung verheißt, welche er dem mit hochgespannten Erwartungen vor ihm stehenden Hausknecht in Gestalt seines Porträts überreicht. „Aber, Herr Knickrig,“ ruft der Hausknecht, das Porträt betrachtend, „das sieht Ihnen ähnlich!!“
Rosette
„Bei den Schmumüllers soll's ja so wackelig stehen.“
„Das wundert mich nicht. Die ganze Familie von acht Köpfen ist im Geschäft tätig und jeder verrechnet sich zu seinen Gunsten.“
Rosette
Dividenden der Schlauheit
Löb Wasserfloh, Grünwarenhändler aus Tarnapol, schreibt an seinen Spediteur Nachmann Traubeles in Alexandrowo:
„Ich bestätige Ihnen den Empfang von 1500 Gulden. Drei Banknoten à 100 Gulden waren falsch. Diesmal gelang es mir doch, dieselben unterzubringen.“
Rosette
„Haben Se geschrieben dem Salzlecker, er sei e' Lump und e' Betrüger?“ — „Jawohl, Herr Prinzipal!“ — „Na, glauben Se nich, daß er sich noch besinnt und bezahlt gutwillig?“ — „Wir haben immer noch einige Hoffnung!“ — „Dann streichen Se wieder aus den Lump und den Betrüger — aber so,daß er's kann noch lesen zur Not!“
Rosette
Pünktlichkeit im Schließen des Geschäfts ist die Höflichkeit der Prinzipale.
Besser einen dicken Chef, als ein mageres Gehalt.
Man soll den Chef nicht vor der Weihnachtsgratifikation loben.
Gehalt gibt es Ultimo. Vorschuß am Ersten eines jeden Monats.
Rosette
Die Spinnerei von Moritz Keller ist in Flammen. Kolossale Aufregung in der ganzen Stadt.
Moritz Keller ist verschwunden. Endlich, gegen Mittag findet die besorgte Familie ihn im Kontor von Enesberger & Söhne, Wollwaren en gros.
„Vater,“ rufen die Söhne, „Moritz,“ schreit die Frau — „was treibst du hier, während dein Haus brennt?“
„Nu, wie ich gesehn hab anfangen den Brand, hab ich kalkuliert: nu krieg ich doch ä größere Summe von der Versicherung. Nu kann ich doch ä größere Summe nicht gleich verwerten, denn die Spinnerei wird doch verbrännt sein. Hab ich gemacht mit Enesberger Söhne än Eventualvertrag auf stille Beteiligung mit 300000 M. für den Fall, daß meine Spinnerei abbrennt. Nu bin ich aber neugierig: is se nu richtig abgebrännt oder nich?“
Roda Roda
Roda Roda
Rosette
„Sind die Sohlen auch dauerhaft?“
„Es sind die besten amerikanischen Sohlen — wir garantieren ein volles Jahr.“
„Aber das Oberleder taugt nichts.“
„Erlauben Sie? Die paar Wochen, was unsre Sohlen halten, hält das Oberleder auch noch aus.“
Rosette
Eines Tages kam eine Kommission, bestehend aus drei Offizieren, einem Wachtmeister und einer Stehleiter, zu Joschkele Seidenfutter nach Mikulintze bei Tarnopol und begehrte das Fouragemagazin zu sehen. — Joschkele öffnete jammernd, der Wachtmeister stieg auf die Leiter und besichtigte eingehend den Plafond des Magazins an zwanzig Stellen und in allen Fugen und Ecken. —Als er fertig war, salutierte er und sagte: „Herr Oberst, ich meld ghorsamst, es is nix.“„Hm,“ sagte der Oberst und weidete sich an dem Anblick des geängstigten Joschkele, „möchten vielleicht Herr Leutnant die Güte haben —?“Also stieg der Herr Leutnant auf die Leiter — mit einigen Segenswünschen für die Andersgläubigen — pochte den Plafond von links nach rechts ab, dann von rechts nach links — hinten und vorn — — — nichts.Der Herr Rittmeister deutete den flehenden Blick des Obersten ganz richtig, indem er ebenfalls auf die Leiter stieg. Er holte mit seiner besten Ulanka die Spinnweben von der Magazinsdecke, aber auch er fand nichts.Endlich der Herr Oberst selbst. Er drohte zuerst dem Joschkele mit der Faust und kletterte dann. Er bohrte mit dem Finger in alle Ritzen. Er fand einen verstaubten Riß im Plafond, den die anderen alle nicht gefunden hatten, war sehr stolz auf ihn, putzte ihn sauber aus, besah ihn so lange, bis ihm der Schmutz in beide Augen fiel — nichts.Die Kommission ging, und Joschkele versperrte die Tür. Draußen zog er sehr tief den Zylinder und sagte: „Se entschuldigen schon, Euer Gnaden, Herr vün Oberst, bis hundertzwanzig Jahre sollen Se leben ünd gesünd sein und lauter Frad erleben. Aber wos kloppen Se mr auf mei Boden erüm?“„Das will ich Ihnen sagen, Herr Seidenfutter,“ der Herr Oberst zog ein Schriftstück aus der Brusttasche — „Sie haben vor einigen Wochen im Offertwege die Fouragelieferung für das Ulanenregiment Nr. 9 erstanden?“„Ja, Herr vün Oberst, bis hün — —“„Mit zwanzig Hellern per Zentner unter dem Marktpreis?“„Was tut e Mensch nit for dem Militär, Herr vün Oberst.“„Sehr schön, daß Sie Patriot sind, Herr Seidenfutter — aber die Leute glauben was andres. Da — lesen S' den anonymen Brief, was ich gestern kriegt hab. Wenn der Proviantoffizier und Tierarzt den Hafer übernommen haben und das Magazin versiegelt is, sollen Sie durch ein Loch im Plafond schlechten Hafer herunterschütten.“„E Konkorrenz-Manöver, Herr vün Oberstleben, bis hün —“„Schon gut — ich weiß — wir haben uns überzeugt. Aber wir wollen ein wachsames Auge auf Sie haben — richten Sie sich darnach.“„Ich soll nix essen können, Euer Gnaden, wenn bei mir so eppes vorkümmt, Herr vün Oberstleben.“Zwei Tage später kam eine neue Kommission: drei Herren, ein Wachtmeister und eine Leiter. Sie suchten wieder das Loch im Plafond und fanden es wieder nicht.Es kam noch eine dritte Kommission am Montag früh, eine Donnerstags nachts, eine am Sonntag nachmittag.In der folgenden Woche gab's täglich Untersuchungen: vom Regiment, von der nächstbeteiligten Eskadron, vom Verpflegsmagazin, vom Militär-Stationskommando, noch einmal vom Regiment und noch einmal von der Eskadron. Immer ohne Erfolg.Dann setzte sich Joschkele Seidenfutter hin und schrieb einen Brief:„Lieber Schwager Ignaz Germteig, Branntweinbrennerei und Schlempenerzeugung in Tarnopol!Ich dank dir, lieber Schwager, daß du bist gewesen eso freindlich, aber vün jetz an schreib ka anenime Briefe mehr. Warüm? Weil auf den letzten is schon gar keine Kommission mehr gekümmen. Jetzt kann die Konkorrenz schreiben, wenn se will. Daweil hob' ich mr schon geloßt machen das Loch in Plafon. Mit tausend GrißeJoschkele.“
Eines Tages kam eine Kommission, bestehend aus drei Offizieren, einem Wachtmeister und einer Stehleiter, zu Joschkele Seidenfutter nach Mikulintze bei Tarnopol und begehrte das Fouragemagazin zu sehen. — Joschkele öffnete jammernd, der Wachtmeister stieg auf die Leiter und besichtigte eingehend den Plafond des Magazins an zwanzig Stellen und in allen Fugen und Ecken. —
Als er fertig war, salutierte er und sagte: „Herr Oberst, ich meld ghorsamst, es is nix.“
„Hm,“ sagte der Oberst und weidete sich an dem Anblick des geängstigten Joschkele, „möchten vielleicht Herr Leutnant die Güte haben —?“
Also stieg der Herr Leutnant auf die Leiter — mit einigen Segenswünschen für die Andersgläubigen — pochte den Plafond von links nach rechts ab, dann von rechts nach links — hinten und vorn — — — nichts.
Der Herr Rittmeister deutete den flehenden Blick des Obersten ganz richtig, indem er ebenfalls auf die Leiter stieg. Er holte mit seiner besten Ulanka die Spinnweben von der Magazinsdecke, aber auch er fand nichts.
Endlich der Herr Oberst selbst. Er drohte zuerst dem Joschkele mit der Faust und kletterte dann. Er bohrte mit dem Finger in alle Ritzen. Er fand einen verstaubten Riß im Plafond, den die anderen alle nicht gefunden hatten, war sehr stolz auf ihn, putzte ihn sauber aus, besah ihn so lange, bis ihm der Schmutz in beide Augen fiel — nichts.
Die Kommission ging, und Joschkele versperrte die Tür. Draußen zog er sehr tief den Zylinder und sagte: „Se entschuldigen schon, Euer Gnaden, Herr vün Oberst, bis hundertzwanzig Jahre sollen Se leben ünd gesünd sein und lauter Frad erleben. Aber wos kloppen Se mr auf mei Boden erüm?“
„Das will ich Ihnen sagen, Herr Seidenfutter,“ der Herr Oberst zog ein Schriftstück aus der Brusttasche — „Sie haben vor einigen Wochen im Offertwege die Fouragelieferung für das Ulanenregiment Nr. 9 erstanden?“
„Ja, Herr vün Oberst, bis hün — —“
„Mit zwanzig Hellern per Zentner unter dem Marktpreis?“
„Was tut e Mensch nit for dem Militär, Herr vün Oberst.“
„Sehr schön, daß Sie Patriot sind, Herr Seidenfutter — aber die Leute glauben was andres. Da — lesen S' den anonymen Brief, was ich gestern kriegt hab. Wenn der Proviantoffizier und Tierarzt den Hafer übernommen haben und das Magazin versiegelt is, sollen Sie durch ein Loch im Plafond schlechten Hafer herunterschütten.“
„E Konkorrenz-Manöver, Herr vün Oberstleben, bis hün —“
„Schon gut — ich weiß — wir haben uns überzeugt. Aber wir wollen ein wachsames Auge auf Sie haben — richten Sie sich darnach.“
„Ich soll nix essen können, Euer Gnaden, wenn bei mir so eppes vorkümmt, Herr vün Oberstleben.“
Zwei Tage später kam eine neue Kommission: drei Herren, ein Wachtmeister und eine Leiter. Sie suchten wieder das Loch im Plafond und fanden es wieder nicht.
Es kam noch eine dritte Kommission am Montag früh, eine Donnerstags nachts, eine am Sonntag nachmittag.
In der folgenden Woche gab's täglich Untersuchungen: vom Regiment, von der nächstbeteiligten Eskadron, vom Verpflegsmagazin, vom Militär-Stationskommando, noch einmal vom Regiment und noch einmal von der Eskadron. Immer ohne Erfolg.
Dann setzte sich Joschkele Seidenfutter hin und schrieb einen Brief:
„Lieber Schwager Ignaz Germteig, Branntweinbrennerei und Schlempenerzeugung in Tarnopol!
Ich dank dir, lieber Schwager, daß du bist gewesen eso freindlich, aber vün jetz an schreib ka anenime Briefe mehr. Warüm? Weil auf den letzten is schon gar keine Kommission mehr gekümmen. Jetzt kann die Konkorrenz schreiben, wenn se will. Daweil hob' ich mr schon geloßt machen das Loch in Plafon. Mit tausend Griße
Joschkele.“
Joschkele.“
Rosette
Prinzipal: „Na, haben Sie den‚Müller’gefunden, für den ich Ihnen die Rechnung ausgeschrieben hatte?“
Kommis: „Leider nicht! In dem Hause wohnten eine ganze Menge ‚Müller’, von denen keiner unser Schuldner sein wollte. Der letzte hat mich sogar hinausgeworfen!“
Prinzipal: „Zu demgehen Sie nochmal —der ist's!“
Rosette
„Was machst du hier vor der Börse?“ — „Ich spekulier' in Minen!“ — „Wieso in Minen?“ — „Wenn einer rauskommt und macht 'ne gute Miene, schnorr ich ihn an — macht er 'ne böse Miene, lass' ich ihn laufen!“
Rosette
Maimum Kanalgeruch aus Tornow wird von einem Bekannten gefragt, wie sein letzter Konkurs ausgegangen sei.
„Hm,“ sagt Maimum, „wie soll er sein ausgegangen? Eines Tages haben mich eingeladen meine Gläubiger, ich soll geben Aufklärung über meine Bücher. Bin ich gekommen in e großes schönes Haus nach Lemberg, hat mich e Herr schöne grüne Beamtenuniform angezogen, hat mich aufgefordert zum Sitzen, und darauf bin ich gesessen und bin gesessen unhab' sechs Monat Aufklärung gegeben über meine Bücher!“—
Rosette
„Hörst, einem alten Freund nimmst Du eine etwas indiskrete Frage wohl nicht übel: Mit den Annoncen, daß Du Deine Waren unter dem Einkaufspreis verkaufst, hat es doch kaum seine Richtigkeit? Das ist nur ein Lockmittel fürs Publikum?“ — „Ganz und gar nicht!“ — „Aber wie kannst Du denn unter dem Einkaufspreis verkaufen?“ — „Im Vertrauen gesagt, ich bezahle halt den Einkaufspreis nicht!“
Rosette
„Warum behalten Sie diesen Schlingel von Kontoristen?“ — „Der Kerl mahnt großartig.“
Rosette
Eine Fabel von Karl Ettlinger.
Es war einmal ein Kaufmann, der war in jungen Jahren nach England ausgewandert und hatte dort lange Zeit gelebt und es zu großem Ansehen gebracht. Als er nun, von Heimweh ergriffen, wieder nach seinem Vaterland zurückkehrte, da wunderte er sich baß über vielerlei. War er in England in einer Gesellschaft von Aristokraten, hohen Militärs, Künstlern oder Politikern gewesen, so hatte man ihm stets die höchste Achtung gezollt, man hatte auf seinen erfahrenen Rat gehört, und seinen praktischen Sinn bewundert. Anders erging es ihm zu Hause. Redete er, so hörte man ihm wohl aus Höflichkeit zu, aber man ging über seinen Rat hinweg und lächelte arrogant: „Koofmich!“ Denn diesen geistvollen Namen hatten seine Landsleute für den Kaufmannsstand geprägt.Unser Kaufmann war ein intelligenter Kopf, und so ging er den Ursachen dieser eigentümlichen Geringschätzung nach. Er konnte sie aber nicht entdecken, sondern vermochte nur festzustellen, daß diese Geringschätzung sich nahezu auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zeigte. Im Parlament fand er zwar Landräte, Journalisten, Pfarrer, Handwerker, Agrarier, aber kein Dutzend Kaufleute. In der Diplomatie und den Staatsstellungen traf er fast ausschließlich Juristen an, Angehörige einer bestimmten Kaste, zumeist feudale Protektionskinder. Das war sonderbar. Doppelt sonderbar für einen Mann, der von England her das Gegenteil gewöhnt war. Also machte er sich auf den Weg zum Ministerium, denn er hoffte, dort des Rätsels Lösung zu erfahren. Nachdem er zehn Stunden gewartet hatte, ließ ihn der Finanzminister vor.„Exzellenz,“ begann er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: wie kommt es, daßderStand, der diemeisten Steuern zahlt, der fast allein die Zölle aufbringt, vom Staate in jeder Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“Der Finanzminister sah den Klagesteller mißtrauisch an. Sowas war ihm noch nicht vorgekommen. Dann lehnte er sich zurück und sagte: „Warum man diesen Stand so schlecht behandelt? Sehr einfach:weil es der Kaufmannsstand ist!“Das Wort „Kaufmann“ sprach er mit einer Betonung aus, wie etwa ein Kind „Lebertran“ sagt.„Uebrigens,“ fuhr der Finanzminister fort, „nebenan wohnt der Kultusminister, vielleicht weiß der näheres!“Also ging unser Kaufmann zum Kultusminister.„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: wie kommt es, daßderStand, der am meisten deutsche Kultur, deutsche Sprache und deutsche Sitten über den Erdball trägt, vom Staate in jeder Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“Der Kultusminister sah den Fragesteller mißtrauisch an. Dann sagte er: „Sehr einfach, Verehrtester! Weil es der Kaufmannsstand ist!“... Weil es der Kaufmannsstand ist! Dieselbe Antwort erhielt er, als er beim Handelsminister frug, warum der Staat Börsengesetze mache, ohne die Börse zu befragen; als er beim Justizminister frug, warum der jüngste Assessor mehr Macht und Ansehen genieße, als der kenntnisreichste Prokurist? Zuletzt ging er zu einem Hofmarschall.„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: Wenn unser Vaterland heute so groß und geachtet dasteht, so verdankt es dasmit in erster Linieseinem Handel und seiner Industrie. Wie kommt es nun, daß wir unter allen unseren Ministern und Diplomaten nureinenKaufmann haben? Daß der Kaufmann alsquantité négligeablebehandelt wird? Daß das vielseitigeWissen, die praktische Erfahrung unserer Kaufmannschaft fast gar nicht dem Staate nutzbar gemacht wird?“Der Hofmarschall runzelte die Stirne. So ein frecher Koofmich! Aber der Hofmarschall bezwang seinen Zorn und sagte: „Sehr interessant, was Sie da sagen! Ich werde Ihnen die Antwort schriftlich geben!“ und notierte sich die Adresse.Seit dieser Unterredung sind viele Jahre verflossen. Unser Kaufmann ist alt und grau geworden, aber eine Antwort auf seine Frage hat er noch nicht erhalten. Und das ist begreiflich.Denn warum der deutsche Kaufmann in seinem Vaterlande so wenig gilt, das weiß kein Mensch!—
Es war einmal ein Kaufmann, der war in jungen Jahren nach England ausgewandert und hatte dort lange Zeit gelebt und es zu großem Ansehen gebracht. Als er nun, von Heimweh ergriffen, wieder nach seinem Vaterland zurückkehrte, da wunderte er sich baß über vielerlei. War er in England in einer Gesellschaft von Aristokraten, hohen Militärs, Künstlern oder Politikern gewesen, so hatte man ihm stets die höchste Achtung gezollt, man hatte auf seinen erfahrenen Rat gehört, und seinen praktischen Sinn bewundert. Anders erging es ihm zu Hause. Redete er, so hörte man ihm wohl aus Höflichkeit zu, aber man ging über seinen Rat hinweg und lächelte arrogant: „Koofmich!“ Denn diesen geistvollen Namen hatten seine Landsleute für den Kaufmannsstand geprägt.
Unser Kaufmann war ein intelligenter Kopf, und so ging er den Ursachen dieser eigentümlichen Geringschätzung nach. Er konnte sie aber nicht entdecken, sondern vermochte nur festzustellen, daß diese Geringschätzung sich nahezu auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zeigte. Im Parlament fand er zwar Landräte, Journalisten, Pfarrer, Handwerker, Agrarier, aber kein Dutzend Kaufleute. In der Diplomatie und den Staatsstellungen traf er fast ausschließlich Juristen an, Angehörige einer bestimmten Kaste, zumeist feudale Protektionskinder. Das war sonderbar. Doppelt sonderbar für einen Mann, der von England her das Gegenteil gewöhnt war. Also machte er sich auf den Weg zum Ministerium, denn er hoffte, dort des Rätsels Lösung zu erfahren. Nachdem er zehn Stunden gewartet hatte, ließ ihn der Finanzminister vor.
„Exzellenz,“ begann er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: wie kommt es, daßderStand, der diemeisten Steuern zahlt, der fast allein die Zölle aufbringt, vom Staate in jeder Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“
Der Finanzminister sah den Klagesteller mißtrauisch an. Sowas war ihm noch nicht vorgekommen. Dann lehnte er sich zurück und sagte: „Warum man diesen Stand so schlecht behandelt? Sehr einfach:weil es der Kaufmannsstand ist!“
Das Wort „Kaufmann“ sprach er mit einer Betonung aus, wie etwa ein Kind „Lebertran“ sagt.
„Uebrigens,“ fuhr der Finanzminister fort, „nebenan wohnt der Kultusminister, vielleicht weiß der näheres!“
Also ging unser Kaufmann zum Kultusminister.
„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: wie kommt es, daßderStand, der am meisten deutsche Kultur, deutsche Sprache und deutsche Sitten über den Erdball trägt, vom Staate in jeder Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“
Der Kultusminister sah den Fragesteller mißtrauisch an. Dann sagte er: „Sehr einfach, Verehrtester! Weil es der Kaufmannsstand ist!“
... Weil es der Kaufmannsstand ist! Dieselbe Antwort erhielt er, als er beim Handelsminister frug, warum der Staat Börsengesetze mache, ohne die Börse zu befragen; als er beim Justizminister frug, warum der jüngste Assessor mehr Macht und Ansehen genieße, als der kenntnisreichste Prokurist? Zuletzt ging er zu einem Hofmarschall.
„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: Wenn unser Vaterland heute so groß und geachtet dasteht, so verdankt es dasmit in erster Linieseinem Handel und seiner Industrie. Wie kommt es nun, daß wir unter allen unseren Ministern und Diplomaten nureinenKaufmann haben? Daß der Kaufmann alsquantité négligeablebehandelt wird? Daß das vielseitigeWissen, die praktische Erfahrung unserer Kaufmannschaft fast gar nicht dem Staate nutzbar gemacht wird?“
Der Hofmarschall runzelte die Stirne. So ein frecher Koofmich! Aber der Hofmarschall bezwang seinen Zorn und sagte: „Sehr interessant, was Sie da sagen! Ich werde Ihnen die Antwort schriftlich geben!“ und notierte sich die Adresse.
Seit dieser Unterredung sind viele Jahre verflossen. Unser Kaufmann ist alt und grau geworden, aber eine Antwort auf seine Frage hat er noch nicht erhalten. Und das ist begreiflich.Denn warum der deutsche Kaufmann in seinem Vaterlande so wenig gilt, das weiß kein Mensch!—
Rosette
Ein schlauer Konzertunternehmer beabsichtigt, einen „Star“, die berühmte Sängerin Trillerini, in der Hauptstadt singen zu lassen. Um das Publikum vorher recht neugierig zu machen, rückt er in der gelesensten Zeitung eine Woche lang bloß die Worte ein: „Sie kommt!“ Am achten Tage hatte er vor, die Neugierde des Publikums zu befriedigen und zu sagen, wer komme ... Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als er am siebenten Tage in derselben Zeitung liest:
Sie ist da!die anerkannt beste Fett-Glanzwichse,die Schachtel zu 15 Pfennige.Zacharias Schlaucherl,Schnipferstr. 23.
Sie ist da!die anerkannt beste Fett-Glanzwichse,die Schachtel zu 15 Pfennige.Zacharias Schlaucherl,Schnipferstr. 23.
Rosette
Dame (die vom Chef bis zur Tür des Geschäftes hinausbegleitet wird): „O, das war gar nicht nötig, ich hätte auch so hinausgefunden; danke für gütige Begleitung.“ — Chef: „Keine Ursache, meine Dame, das ist bei uns Geschäftsusus, — es wird nämlich in letzter Zeit — so schrecklich viel gestohlen!“
Rosette
Nathan Bauchgedärm kauft bei einem seiner Lieferanten einen großen Posten Ware und es glückt ihm, dem Lieferanten dafür 280 M. in bar zu zahlen und ihm noch einen Wechsel über 20 M. anzudrehen.
Als er geht, sagt er: „Hab' ich bei Ihnen gekauft für dreihundert Mark Ware, da könnten Se mer doch auch ä Presentchen machen?“
Der Lieferant gibt ihm eine schwarze Krawatte.
„Haißt ä Präsentche,“ ruft Bauchgedärm, „ä Krawatte! Keine 25 Pfennige is se wert, und for dreihundert Mark hab' ich gekauft!“
„Na, schön,“ sagt der Lieferant, „weil Se sind ä anständiger Kunde von mir, will ich Ihnen ä anständiges Geschenk geben; hier haben Sie Ihren Wechsel zurück!“
Nathan nimmt den Wechsel, dreht ihn hin und her, kratzt sich am Kopfe und sagt dann:
„Geben Se mir doch lieber die Krawatte!“
Rosette
„Heut' hab' ich in einer Sekunde zehn Mark verdient.“
„Wieso?“
„Ae Kunde hat wollen kaufen bei mir ä Winterrock und fragt, was er kostet. Schon hab' ich wollen sagen zehn Mark — in der letzten Sekunde hab' ich gesagt zwanzig.“
Rosette
Dem Herrn Elkan wird am Tage des Versöhnungsfestes ein Kognak offeriert. Er lehnt höflich ab mit den Worten: „Erstens trinke ich nie Kognak, zweitens darf ich am Versöhnungstage überhaupt nichts genießen, drittens habe ich eben einen Kognak getrunken, und viertens — na, geben Sie schon her!“
Rosette
Agent(einer Unfallversicherungs-Gesellschaft zu einem Reisenden): „Sehen Sie, mein Lieber, gesetzt den Fall, Sie brechen ein Bein, so bekommen Sie 10000 Mark; brechen Sie nach vier Wochen einen Arm, so bekommen Sie 25000 Mark; brechen Sie aber gar das Genick, so bekommen Sie 50000 Mark — und sind dann der glücklichste Mensch der Welt!“
Rosette
Erster Kaufmann: „Na, Sie haben's weit gebracht, nach einem Jahr melden Sie schon Konkurs an?“ —
Zweiter Kaufmann(stolz): „Nicht wahr? Und mit gar nichts habe ich angefangen.“
Rosette
„Onkel, wenn Du mir die tausend Gulden verweigerst, dann spring' ich ins Wasser.“ — „Werst De kriegen 'n Schnupfen!“ — „Oder schieße mir eine Kugel vor den Kopf.“ — „Werd se prallen ab an Deiner Stirn.“ — „Dann kaufe ich mir einen Strick.“ — „Werd nichts tun ein Strick dem andern.“ — „Ich laß mich taufen!“ — „Werden wir uns freuen, daß mer sind Dich los!“ — „Gebe ich meine Studien auf und eröffne Dir gegenüber ein Konkurrenzgeschäft!“ — „Hier hast De's Geld!“
Rosette
„Itzigsohn, was kostet jetzt der Hafer?“ — „160 Mark!“ — „Hör' mal, Itzigsohn, ich werde dir 158 Mark geben.“ — „Gott soll mich strafen! 158 Mark! Ich geb' Ihnen mein Ehrenwort, daß der Schröter schon hat geboten 159,50 Mark.“ — „Itzigsohn, wenn du mir gibst dein Ehrenwort, daß das gelogen ist, werde ich dir 159,50 Mark geben.“ — „Is in Ordnung.“
Rosette
Wenn einer weiß, was er will, und nur das will, was er kann, und kann was er will, und weiß, daß er kann was er will, der wird ein ganzer Mann.
Rosette
Moses Treppengeländer merkt auf einer Geschäftstour, daß er seine Pantoffel zu Hause gelassen hat, er setzt sich also abends ins Schreibzimmer des Hotels und schreibt an seine Frau:
Liebes Rebeckchen! — Ich möcht Dir bitten, sende mirDeinePantoffel! Ich brauche allerdings nichtDeinePantoffel, sondernmeinePantoffel, aber wenn ich Dir schreibe,meinePantoffel, wirst Du ja lesenmeinePantoffel und verstehenDeinePantoffel und mir schickenDeinePantoffel. Darum schreibe ichDeinePantoffel, damit Du liestDeinePantoffel und verstehstmeinePantoffel und mir wirklichmeinePantoffel schickst.
Dein Moses.
Dein Moses.
Rosette
Onkel: „Jetzt habe ich dir das teure Buch „Der kleine Kaufmann“ geschenkt, und du hast noch keinen Blick hineingeworfen.“ — Moritzche: „Ach, Onkel, was ist denn heutzutage ein kleiner Kaufmann!“
Rosette
Geschäftsmann (vor dem Laden zu einem Kunden): „Sie lassen sich ja gar nicht mehr bei mir sehen, wollen Sie denn gar nicht mehr bei mir kaufen?“ — Kunde: „Nee, wenn Sie immer sagen, Sie hätten Schaden dabei — das kann ich doch nicht verlangen.“ — Geschäftsmann: „Nun ja, aber wenn Sie recht viel kaufen, habe ich doch immer etwas Nutzen!“
Rosette
Ein nettes Geschichtchen erzählt man sich in der Berliner Konfektionsbranche: Die beiden Chefs eines noch nicht lange bestehenden Hauses hatten einen Reisenden, mit dem sie sehr zufrieden waren. Im ersten Jahre hatte das Geschäft rein netto 16000 Mark gebracht, so daß auf jeden der Inhaber 8000 Mark kamen, der Reisende aber hatte 12000 Mark verdient. Da er wußte, daß ihn die Firma nötiger brauche als er die Firma, verlangte er als Sozius aufgenommen zu werden. Nach einigem Hin und Her setzte er seine Forderung durch. Dem neuen Chef wurde außer anderen Ehrenrechten auch die Benutzung der den Chefs vorbehaltenen Toilette eingeräumt und der dazu gehörige Schlüssel mit einer gewissen Feierlichkeit überreicht. Ein Jahr verging, der neue Mitbesitzer hatte stramm gearbeitet, und der Reingewinn hatte sich auf 30000 Mark gehoben. Auf jeden der Chefs kamen 10000 Mark. Als der frühere Reisende dies Ergebnis erfuhr, ging er still an sein Pult und brachte den Schlüssel seinen Kompagnons zurück. „Zweitausend Mark dafür sind mir zu teuer,“ sagte er, und aus dem Associé wurde wieder ein Angestellter.
Ein nettes Geschichtchen erzählt man sich in der Berliner Konfektionsbranche: Die beiden Chefs eines noch nicht lange bestehenden Hauses hatten einen Reisenden, mit dem sie sehr zufrieden waren. Im ersten Jahre hatte das Geschäft rein netto 16000 Mark gebracht, so daß auf jeden der Inhaber 8000 Mark kamen, der Reisende aber hatte 12000 Mark verdient. Da er wußte, daß ihn die Firma nötiger brauche als er die Firma, verlangte er als Sozius aufgenommen zu werden. Nach einigem Hin und Her setzte er seine Forderung durch. Dem neuen Chef wurde außer anderen Ehrenrechten auch die Benutzung der den Chefs vorbehaltenen Toilette eingeräumt und der dazu gehörige Schlüssel mit einer gewissen Feierlichkeit überreicht. Ein Jahr verging, der neue Mitbesitzer hatte stramm gearbeitet, und der Reingewinn hatte sich auf 30000 Mark gehoben. Auf jeden der Chefs kamen 10000 Mark. Als der frühere Reisende dies Ergebnis erfuhr, ging er still an sein Pult und brachte den Schlüssel seinen Kompagnons zurück. „Zweitausend Mark dafür sind mir zu teuer,“ sagte er, und aus dem Associé wurde wieder ein Angestellter.
Rosette