Gegend.Meereshöhe in Metern.Anzahl der Beobachtungstage.Monat.R.°R.°V. 6 U.M. 12 U.N. 6 U.MaximumMinimumDifferenzSansibar—29Jan.2121,921,823,720,33,4Useguha, erste Terrasse, ö. von Nguru253–333122125,224,22719,87,2Sansibar—26Febr.2122,122,224,420,44Usagara, zweite Terrasse416–5762221,124,623,827,419,28,2V. 10 U.N. 4 U.Sansibar—28Sept.20,421,4—22,817,55,3Kl. Marenga-Mkaliund Ugogi852830821,220,5—24195V. 6 U.N. 4 U.N. 6 U.Sansibar—27Dec.20,322,721,724,119,74,4Am Südfuße des Rubeho-Gebirges von Ugogibis Kikoboga8305132017,126,7213015,514,5
Anmerkung.Wenn auch kein nennenswerther Temperaturunterschied sich zeigen dürfte, ob nun die Beobachtung eine halbe oder eine ganze Stunde früher oder später angestellt wird, so muß doch der Wahrheit gemäß angeführt werden, daß Marno seine meteorologischen Instrumente in Useguha und Usagara zwischen 5½ und 6½ Uhr vormittags und zwischen 6 und 7 Uhr nachmittags ablas und daß Burton während des Marsches am Fuße des Rubeho-Gebirges „bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang” notirte.
Im Sima-Thal (Usagara) betrug im November 1885 die Durchschnittstemperatur mittags 28° R.; es war dies der heißeste Monat im Jahr.
In Kondoa wurden von Bloyet folgende Thermometerbeobachtungen im Jahre 1880 gemacht:
Juli, August und September:Maxim.20,6°R.,Minim.12°R.October und November:„24°„„16,6°„
Das Vegetationskleid, das die Natur über das Wami-Gebiet geworfen, ist im allgemeinen ein monotones: Savannen mit Dorngebüsch und lichtem Gehölz über die Ebenen, geschlossene Wälder über die Berge, streifenweise dazwischen Wiesenflächen und fruchttragende Felder. Die Aecker liefern Mais, Hirse, Maniok, ein weniges an Bananen und Taback. Von Bäumen sind zu nennen: die Deleb- und Dumpalme, die Bambusen in Fülle, die Sykomore, der Wollbaum und als besondere Eigenthümlichkeit der Miombo. Ferner gibt es in großer Menge Kalebassen (Bugu) und einen Baum, genannt Mkoma, der einen Stammumfang von 3½ m, angenehm schmeckende Steinfrüchte, und ein Holz, ähnlich dem Rosenholz besitzt, aus welchem Bogen und Pfeile geschnitzt werden. Die Kokospalme kommt nur in der Küstenniederung vor.
Trotz des vorhandenen großen Wasserreichthums ist die Culturfähigkeit eine beschränkte; sie zeigt sich nur an jenen Stellen an und in dem Gebirge, wo dichter Waldbestand die Feuchtigkeit langsam absickern läßt und mäßig geneigte Hänge den verwitterten Gneis als feinkörnigen Schwemmboden am Thalrand absetzen, wie dies am günstigsten in Nguru der Fall zu sein scheint. An den beiden Ufern des Wami auf der erstenTerrasse wird der Laterit von einer sehr dürftigen Humusschicht bedeckt. Die große Makata-Ebene ist ein zäher, uncultivirbarer Thonboden. Das Hochland der Kleinen Marenga-Mkali und das breite Matamombo-Thal tragen den ausgesprochenen Charakter dorniger, steiniger Steppe.
Ueberall, wo es hier Savannenland gibt, gibt es auch Heerden von Antilopen, Zebra und Giraffen; dazu gesellen sich in der Makata-Ebene Büffel und Wildschweine; in der Umgegend von Mbambwa das Nashorn und südwestlich des Nguru-Gebirges noch der Elefant, Löwe und Leopard. Hervorragend wildreich ist die Ebene am Westrande der Kleinen Rubeho-Berge bei Tubugwe gefunden worden. Der untere Wami wimmelt derart von Flußpferden, daß die Fahrt in den allein verwendbaren flachen Booten sehr gefährlich ist.
Als Hausthiere werden überall Ziegen, Hühner, auch Schafe gehalten; in seltenern Fällen Rindvieh. Man trifft nur in einigen Thälern Ngurus, in Usagara nur bei Kitangi, Mbambwa, Manjovi und Murundusi (bei Ugogi) auf größere Rinderheerden.
Von kleinem Gethier, das dem Menschen das Dasein erschwert und den Aufenthalt verleidet, sind hervorzuheben:
Die Tsetsefliege; sie zeigt sich auf der ganzen Karavanenstraße von Saadani bis tief nach Usagara hinein; ihrem Stich erliegen Ochsen, Maulthiere und Esel; sie soll übrigens nur in den Wäldern und Dschungeln hausen und das offene Feld vermeiden.
Die weiße Ameise; sie bevorzugt den rothen Thonboden und wandert in breiten Massen meilenweit; alles was nicht von Stein oder Eisen ist, zernagt und zerstört sie; sie läßt sich nur durch Feuer oder kochendes Wasser vertreiben; um doch etwas zu nützen, dient sie den Eingeborenen als Gewürz in den sonst geschmacklosen Mehlsuppen.
Endlich die Ohrwürmer von Mbambwa; an und für sich unschädlich wie bei uns, treten sie aber dort in solchen Massenauf und überkriechen derart die verborgensten Kleidungsstücke des Reisenden, daß Nacktheit und Flucht als die einzige Rettung erscheinen.
Die Grenzen der auf der Karte eingetragenen Landschaften können absolut keinen Anspruch auf Exactheit machen, denn sie sind nicht durch politische Verhältnisse geschaffen, sondern von den jeweiligen Reisenden als der Umfang einer annähernd einheitlichen Bevölkerung bezeichnet worden, und zwar entweder nach eigener Erfahrung oder auf Grund von Erkundigungen. Die Bevölkerung selbst aber ist, namentlich an den Grenzgebieten, stark fluctuirend, und was vor zehn Jahren vollkommen correct angegeben wurde, kann heutzutage in demselben Maße ungültig sein.
Useguha, also das Land, in welchem die Waseguha wohnen, greift mit seiner Nordgrenze über den Pangani hinüber bis zum Fuß des Usambara-Gebirges; die Westgrenze liegt vor dem Ostrand der Nguru-Berge, dessen ungefähre Lage wol in der Nähe des 38. Längengrades gesucht werden muß, aber keineswegs sichergestellt ist.
Von Kidudwe, dem südöstlichen Eckpunkt von Nguru, verläuft vermuthlich die Grenze in einem kurzen westlichen Bogen zum Fluß Gerengere, auf dessen südlicher Seite die Berglandschaft Ukami sich erhebt. Die Gegend von Msuwa und die Bezirke von Ukwere und Udoë, an das Thal des Kingani herantretend, trennen im Süden und Südosten Useguha von Usaramo.
Die Küste Useguhas vom Pangani bis zum Kingani bildet ein Stück jener flachen Niederung, welche von Mombas bis zum Rufidschi gleichmäßig mit dem NamenMrimabezeichnetwird. Dicht an der See besteht sie aus Sand, weiter landeinwärts aus braunrothem Lehmboden, welchen Savanne oder strichweise Mais-, Hirse- und Maniokculturen bedecken und besonders Baumwollstauden mit für den Hausbedarf reichlichem Erträgniß, und schließt mit einem Buschwald von Akazien-, Kandelaber-Euphorbien, Dumpalmen und Kopalbäumen ab.
Der Hauptort an der Küste istSaadani, ein Dorf auf einem grünen, schlammigen, mit Mangrovegebüsch bewachsenen Grund, unter Palmen versteckt, von einem aus Baumstämmen und Aesten hergestellten Palissadenzaun und von hohen Sandbänken und Dämmen umgeben. Saadani scheint ehemals von größerer Bedeutung gewesen zu sein; Burton sah 1858 noch die Ruinen von zwei Moscheen. Es ist jetzt der Ausgangspunkt der Karavanen nach Useguha und Nguru. Der Hafen ist ganz offen, durch keine Bänke geschützt. Die Seeschiffe müssen 5 km entfernt auf offener Rhede verankern; nur bei Flut können Barken bis zu einer nördlich gelegenen Sandbank gelangen; die letzte Strecke (1–1½ km) muß durchwatet werden. Am Nachmittag wird das Landen durch die herrschende Brandung erschwert, in den frühen Morgenstunden aber bei ruhigem Wasser leichter bewerkstelligt.
Die Karavanenstraße führt von Saadani nach Kidudwe inNguru(140 km) in westlicher Richtung. Nach 8 km wird bei Ndumi (94 m ü. d. M.) die erste Terrasse erstiegen, deren höchster Punkt bei Magubika 339 m über dem Meere liegt. InNdumi(25–30 Hütten) trifft man die letzten Kokospalmen an. Man hat früher geglaubt, auf dieser Strecke, von Saadani über Kidudwe nach Farhani, einen besser gangbaren Weg nach Usagara gefunden zu haben, als ihn die Ukami-Route Bagamoyo—Simbamweni—Farhani bietet, weil auf jenem die sehr schwierige und lästige Durchquerung der Makata-Ebene vermieden werden konnte. Ja, die Engländer unter Rev. Price machten sich im Jahre 1876 sogar ans Werk, die Straße für Ochsenfuhrwerk benutzbar herzurichten. Alleindies Unternehmen scheiterte vollständig, nicht nur wegen der hier vorkommenden Tsetsefliege, sondern auch wegen der vielen schwer passirbaren Dschungeln und der tief eingerissenen Bach- und Flußrinnsale, die bei Regenwetter mit tosenden Gewässern sich anfüllen.
Von Ndumi bis Kidudwe wechselt die Gegend zwischen Savanne und dichtem Wald; westlich von Magubika erschwert stundenlang ein stacheliges Gestrüpp auf morastigem Boden das Vorwärtskommen, und zwischen Matungu und Kidudwe liegt eine unbewohnte, dornige Savannenwildniß von 30 km Ausdehnung. Hier und da zeigt sich bebautes Land, so bei Mkange und Msisi; am günstigsten erschien die Lage vonMbusineam Rukigura, weshalb denn auch hier eine deutsche Station, Petershof, gegründet wurde. Allein trotz der Schilderung üppigster Vegetation an den mit Dörfern reichbesetzten Gehängen des Rukigura-Thales muß die Rentabilität der Plantage stark bezweifelt werden, weil der Lateritboden von einer viel zu dünnen Humusschicht bedeckt wird.
Schlägt man von Mbusine eine direct nördliche Richtung ein, so gelangt man nach Durchschreitung einer Waldzone in die offene und fruchtbarere Gegend vonKondeund an den von West nach Ost fließenden Mligasi, der nördlich von Saadani das Meer erreichen soll. BeiKurimba(638 m) gewinnt man die zweite Terrasse von Useguha, die beiMuango(734 m) mit dem Berg Kiwa ihre höchste Erhebung erreicht und dann langsam zum Thal des Pangani bei Lutyomo (508 m) abfällt. Graf Pfeil, der als erster Reisender dieses Stück Land 1887 durchwanderte, schildert die Umgebung des Kiwa bis Kiambo als besonders fruchtbar, den graurothen Boden lehmhaltig. Quellen und Bäche sind nicht zu sehen; die Eingeborenen holen das Wasser aus nur ihnen bekannten Vertiefungen. Wasserlose Steppe und lichtes Gehölz bedecken den nördlichsten Theil von Kiambo bis zum Pangani, dessen rechtes Ufer bis zur Küste den gleichen Landschaftscharakter trägt undauf dem nur zuweilen ein dichter Niederwald, ausgezeichnet durch die mächtigen Ranken der Landolphia, erscheint.
Südlich von Mbusine bis zum Gerengere erstreckt sich mit einer Erhebung bis zu 432 m eine wasserlose, mit Dorngebüsch und stacheligem Gras bedeckte und durch nackte Kiesflächen unterbrochene, unbewohnte Gegend.
UdoëundUkwereliegen am rechten Ufer des Wami.Udoëbietet, sowie man den südöstlichen, ausgetrockneten Grenzstrich überschritten, ein ziemlich erfreuliches Bild dar: Hügelreihen, waldbedeckte Abhänge, in den thonhaltigen Thalgründen gutbebaute Felder und auf den kurzgrasigen Wiesen ein Blumenmeer von Lilien und Narcissen. Aber das Wasser ist brakisch und kaum trinkbar. Von Simbambili führt der Weg über Mlonga zu dem durch Berge eingeengten Wami und am nördlichen Ufer auf steilem Fußpfad zu der französischen MissionsstationMandera, die in einem durch viele Arbeit gewonnenen Gartenland ein ziemlich angenehmes Dasein fristet.
Ukwereist armseliges Savannenland mit Buschwald. Der Weg von Rosako nach Mfute am Wami (bei der Mündung des Rukigura), von den von Bagamoyo nach Nguru und Usagara ziehenden Karavanen benutzt, bietet keine wesentlichen Hindernisse, er trifft sogar bei denPongwe-Hügeln, die, 5–600 m hoch, die Ausläufer des Bergzuges bei Mandera sein dürften, trotz des rothen, zähen Lehmbodens auf eine mit zahlreichen Fächerpalmen und Ricinusbäumen geschmückte Gegend; aber der südliche Theil, den die Straße von Rosako zum Gerengere und nach Ukami durchzieht, birgt westlich von Mbiki ein 16 km breites, mühselig zu durchschreitendes Dschungeldickicht. BeiMsuwaundKisimobeginnt der Boden an Fruchtbarkeit zuzunehmen. In dem welligen, zum Gerengere führenden Gelände liegen zahlreiche Ortschaften, undMusondizeichnet sich durch schöne Wiesengründe, ja durch Bananenpflanzungen aus. Die Tsetsefliege soll nach Cameron’s Bericht hier nicht existiren.
DieWaseguhasind von mittlerer, etwas schmächtiger Statur, braun oder schwarzbraun, mit krausem Kopf und Barthaar; die mittlern Schneidezähne werden ausgefeilt. Sie tragen einen Lendenschurz von Zeug oder Leder, begnügen sich aber gelegentlich mit Palmblättern. Wenn auch noch Schwerter, Pfeil und Bogen bei ihnen gesehen werden, so haben sie doch längst das Feuergewehr als Hauptwaffe sich erkoren. Dieses verschaffte ihnen auch einst die Möglichkeit, die schlechter bewaffneten Wasambara von dem nördlichen Ufer des Pangani in die Berge zu vertreiben und in dem Thale selbst sich dauernd niederzulassen. Sie erscheinen überall im Norden und Süden, wie auch dieWakwere, ihre Stammesgenossen, als fleißige Ackerbauer.
Derjenige Theil der Bevölkerung, welcher die Mrima oder die Küstenniederung bewohnt, hat sich ganz und gar dem Einfluß und der Nachäffung arabischer Sitten ergeben: es sind das dieWamrima. Sie tragen Fes, Hüften- und Schultertuch; die Weiber ein Sackkleid, das unter den Armen über die Brust gebunden bis zum Fußgelenk hinabreicht. Sie gelten als ein faules, heruntergekommenes, unzuverlässiges Volk, dessen Intelligenz in der Erfindung der glaubwürdigsten Lügen gipfelt.
Zu den übrigen Bewohnern der Mrima gehören dieSuaheli, das sind Eingewanderte aus der Umgegend von Mombas und von der Insel Sansibar. Suaheli heißt allgemein und eigentlich jeder Neger, der entweder auf der Insel Sansibar oder auf dem Küstengebiet zwischen Lamu und Mombas geboren, also in den ersten Niederlassungen der Vollblutaraber seßhaft geworden ist. Der Suaheli ist Mulatte, das Product der Verbindung eines Arabers mit einer Negerin. Doch auch die Kinder von Mulattenältern rühmen sich Suaheli zu sein. Vom Araberthum haben sie die gekrümmte Nase, vom Negerstammdie wulstigen Lippen und den Prognathismus erhalten. Sie sind kurzköpfig. Ihre sie auszeichnende Tracht ist der Turban und ein langes, gelbes Oberkleid. Sie betrachten sich allein als die berechtigten Herren des Festlandes, den Araber von Oman aber als Eindringling. Mit dem größten Mistrauen begegnen sie den Beamten des Sultans von Sansibar.
DieWadoëbilden durch ihre Sitten und ihr abgeschlossenes Stammesleben eine merkwürdige Enclave unter den Waseguha. Von jeher dem Glauben ergeben, daß die Einsetzung oder die Bestattung eines Häuptlings nur durch ein Festmahl von Menschenfleisch richtig und würdig gefeiert werden könne, waren sie, da das Verzehren der Stammesgenossen gegen die Sitte ging, auf Menschenraub in den benachbarten Bezirken angewiesen. Da sie auch an Karavanen sich vergriffen und die Sicherheit des Handelsverkehrs bedrohten, unternahmen die Araber einen Vernichtungskrieg gegen sie, aber nur mit halbem Erfolg. Sie wurden nur in engeren Raum zusammengedrängt. Man behauptet, sie seien stamm- und sprachverwandt mit der Bevölkerung von Manyema, westlich vom Tanganika-See. Sie besitzen ein einheitliches souveränes Oberhaupt; 1884 war es der steinalte Simbambili, dessen vierzig Kinder seine Herrschaft im ganzen Lande befestigten. Eine Art staatlicher Organisation besteht, indem Udoë in vier Districte eingetheilt ist. Die Wadoë sind fleißige Ackerbauer, schön und kräftig gebaut. Den französischen Missionaren, die von der Küste nach Mandera reisen, kommen sie stets mit Freundlichkeit entgegen.
Mit Ausnahme von Udoë und der Mrima, in welch letzterer der Sultan von Sansibar seinem einheitlichen Wirken durch die Walis wenigstens dem Namen nach Geltung verschafft, existirt in ganz Useguha keine größere politische Gemeinschaft als die der einzelnen Dorfschaften unter ihren voneinander unabhängigen Häuptlingen.
Das Gebirgsland, in dem der Luseru und der Rukigura entspringen und das diese mit vielen Nebenflüssen durchströmen, heißtNguru. Eine schärfere Begrenzung läßt sich nur für die südliche Abdachung angeben. Das Stück des Wami, südlich von Kidudwe bis zur Mündung des Mvomero, ist die Südgrenze von Nguru.
Diese Abdachung bildet die zweite Terrasse des Wami-Gebietes; sie erhebt sich von 333 m bei Kidudwe bis zu 397 m bei Mvomero und setzt sich nach Usagara fort. Sie ist unwirthbares Savannenland mit Busch, mit morastigen Strecken östlich und mit dichtem Waldgestrüpp westlich von Mkindo. Nur in dem 10 km breiten Thal vonKidudweund an den Ufern des Luseru beiMkungagenießt man den Anblick einer fruchtbaren Landschaft.
Da das Gebirge zum größten Theil mit geschlossenen Wäldern bedeckt ist, bietet das Innere günstigern Boden zum Anbau. Eine ausführliche Schilderung des ganzen Umfanges verdanken wir einem einzigen Reisenden, dem englischen Missionar Last. Wenn sie auch möglicherweise etwas zu optimistisch gefärbt ist, so erhält sie doch im Gegensatz zu der erwiesenen Unfruchtbarkeit der andern bereisten Strecken einen gewissen Grad von Glaubwürdigkeit.
An dem Nordwestrande des Gebirges aus der Masai-Ebene fließt der Luseru herab; hier mündet das Thal desLuvumo, in welchem große Rinderheerden weiden und das Zuckerrohr gedeiht. Bei Sagasa fließt derLuidschiin den Luseru; an seinen Ufern wohnt bis Mgära eine dichte Bevölkerung; Zuckerrohr und selbst Bananen wachsen hier in üppigster Fülle. BeiKisera, durch welches die Handelsstraße vom untern Wami nach dem elfenbeinreichen Masai-Land führt und das selbst in weniger fruchtbarer Gegend liegt, nimmt der Luseru von Südwesten denBoromaauf. Er entspringt auf rauhen Höhenund durchströmt bis Kibanti ein dürres, von Büffeln, Nashörnern und Elefanten durchstreiftes Savannenland; beiKibantientfaltet der von klarem Wasser getränkte Boden eine derartige Fruchtbarkeit, daß trotz starker localer Bevölkerung die weitere Umgebung mit Nahrungsmitteln versorgt werden kann. Ein zweites Kibanti befindet sich weiter südlich auf den Bergen, welche das rechte Ufer des Luseru begleiten, in einem Wald von gigantischen Wollbäumen, Farrnbäumen und Himbeersträuchern. Die französische MissionsstationMondo(Kinjumbi), 450 m über dem Meere, liegt auf dem ansteigenden Gelände des westlichen Luseru-Ufers in einer reich bewohnten Gegend von so vortrefflicher Güte, daß nach Kapitän Foot’s Meinung Kaffee-, Cacao- und Zuckerplantagen lohnenden Ertrag liefern würden. Bis nach Mkunga hinab setzt sich die Fruchtbarkeit des Luseru-Thales fort.
Von denWanguruwissen wir nicht vielmehr, als daß sie Ackerbauer sind, im Wami-Thal nicht in bienenkorbartigen Hütten, sondern in viereckigen, einen Hofraum umschließenden Tembes wohnen. Während sie durch Vertreibung der Waschamba sich zu Herren des Luidschi-Thales gemacht, benehmen sie sich am Luvumo gegen die eindringenden Masai so furchtsam, daß sie alles ihnen geben und leisten, was verlangt wird. Im obern Luseru-Thal legen sie die Felder inmitten der Waldungen an, umzäunen diese mit Euphorbia-Hecken und lassen nur einen schmalen, über 200 m langen Pfad, der noch durch mehrere verbarrikadirte Thore überquert wird, bis zur Eingangspforte des Dorfes frei. So suchen sie sich gegen dieWahumbazu schützen, ein tapferes, kriegslustiges Räuber- und Jägervolk.
Die Wahumba wohnen diesseit und jenseit der Höhen von Sabundila und an den südwestlichen Grenzen gegen Usagara; sie werden ihrerseits wieder von den Masai verfolgt.
Außerdem lebt noch ein anderer abgesplitterter Völkerstamm innerhalb der Berge: dieWakamba. Sie sind hauptsächlich Jäger mit Pfeil und Bogen und streifen bis zum Tanganika-See; sie verkaufen entweder die erbeuteten Elefantenzähne für Rinder an die Masai oder sie bringen sie selbst auf den Markt nach Mombas.
Die Bewohner von Nguru räumen keinem andern als dem eigenen Dorfhäuptling irgendwelche Hoheitsrechte ein, und kein Häuptling hat sich, soviel wir bisjetzt wissen, jemals zu einer hervorragenden Stellung über die andern emporgeschwungen.
Die Grenzlinie im Osten läuft von der Mündung des Mvomero den Wami aufwärts bis zu dem Mindu- und Rufutu-Gebirge; im Süden durchschneidet es in dem Bezirk Kirigawana’s das Quellgebiet des Ruhembe-Iowa, im Westen zieht sie sich dem Fuße des Rubeho-Gebirges entlang von Maroro über Ugogi bis Tschunjo (westlich von Mbambwa). Im Norden kann man im allgemeinen die Masai-Ebene als Grenze bezeichnen; Nsogi scheint die erste größere Masai-Niederlassung zu sein. Läßt man, vielleicht mit Recht, Gedscha (das Land der Wakaguru) als wesentlich gesonderte Landschaft nicht gelten, so trennen die Berge von Sabundila und Kisiwa im Anschluß an das Kidete-Gebirge Usagara von Nguru.
Vier Karavanenwege führen von Osten in das Herz von Usagara, nach dem Mukondogwa-Thal im engern Sinn: der erste von Nguru, der zweite von Ukami über die Makata-Ebene, der dritte von Kutu über den Goma-Paß und ebenfalls über den Makata, der vierte von Kutu über den Mabruki-Paß durch das Hochthal des Makata und am Ostrand des Rubeho-Gebirges entlang.
Der erste Karavanenweg tritt aus Nguru bei Mvomero in das Land von Usagara; er steigt auf der zweiten Terrassebis Farhani von 397 m bis zu 481 m über dem Meere an. Dieses zur Trockenzeit ausgedörrte Savannenland mit Dschungelcomplexen und lichtem Gehölz von Akazien und Delebpalmen von ungefähr 80 km Ausdehnung wird in der Regenzeit auf weite Strecken hin zum Morast, namentlich südlich von Msuero und Rudewa. Als eine kleine fruchtbare erquickende Oase erscheintMsuero. BeiFarhani,RehennekoundKondoa(der französischen Missionsstation) ändert sich das Landschaftsbild noch mehr: schönbewaldete Berge treten nahe heran, eine zahlreiche Bevölkerung bestellt die von klarem Wasser durchrieselten Felder von Negerkorn, Mais und Bananen.[11]Die Ausdehnung des culturfähigen Bodens beträgt nicht viel mehr als 12 km; bei dem Eintritt in die Enge des Mukondogwa-Thales beginnt wieder die Wildniß.
Der zweite Karavanenweg überschreitet, von Simbamweni in Ukami ausgehend, eine niedrige Einsattelung der Mindu-Berge auf felsigem Grund und gelangt in dieMakata-Ebene, welche aus zähem grauem Lehm besteht, in der Trockenzeit hart wie Stein wird und in tiefe Risse zerspringt, in der Regenzeit in schlüpfrigen Schlamm mit brusttiefen Rinnsalen sich verwandelt: eine breitwellige Fläche voll Riedgras mit vereinzeltem Bambusengebüsch und mit dichtem Baumwuchs an den Ufern des Makata-Flusses. Stanley brauchte zur Ueberschreitung der 30 km breiten Ebene, freilich in der Regenzeit, fünf Tagemärsche.
Der dritte Karavanenweg nimmt seinen Ausgang von Sungomero (150 m) in Kutu. Zwischen Blöcken von Schiefer, über Glimmer, Kies und Sandstein geht es im Rufutu-Gebirge steil aufwärts bis zum plateauartigenGoma-Paß(670 m). Man steht in einem Meer von Berggipfeln. Auf erstabschüssigem, dann auf sanftem Abstieg durch hohes Gras, Cacteen und Aloën kommt man nachMuhama, in eine freundliche Gegend mit Fächerpalmen, Melonenbäumen und reichen Mais- und Durra-Feldern, dann in den von niedrigen Hügeln eingeschlossenen und stellenweise von tiefen Schluchten durchschnittenen Thalgrund des Makata. Am jenseitigen Ufer dehnt sich bis zum Miombo eine Savannenfläche aus, die mit Gehölz von Delebpalmen und immergrünen Laubbäumen geschmückt ist. Am mittlernMiombowird viel Taback gebaut. Von hier bis hinab zum Eingang in das Mukondogwa-Thal tritt ein mächtiger Urwald voll erstickender Miasmen auf, den im Nordwesten eine unfruchtbare Steppe begrenzt. Durch diese geht es zu den morastigen Ufern des Mukondogwa beiMbumihinab.
Der vierte Karavanenweg hat seinen Ausgangspunkt ebenfalls in Sungomero in Kutu und übersteigt das Rufutu-Gebirge in direct westlicher Richtung über denMabruki-Paßund gelangt steil hinab in die Mulde vonKikoboga(513 m). Der südliche Abschluß der Makata-Ebene behält den Charakter der ganzen bei; nur herrscht nicht mehr grauer Lehmboden vor, sondern schwarze torfartige Erde mit zahlreichen Wassertümpeln. An den Ostabhängen des Rubeho-Gebirges, denen entlang am linken Makata-Ufer der Pfad vonMuhanda(492 m) nach abwärts führt, wechseln Hügel und Schluchten ab. Zwischen Bananen und Delebpalmen und gutbebauten Feldern liegt dasobere Mbumi(444 m).
DasMukondogwa-Thalvon Kondoa bis Ndiabi ist in der Sohle derart mit Schilf und Buschwald überwachsen und so leicht Ueberschwemmungen ausgesetzt, daß auf beiden Seiten nur über die Berge die Wege führen und mit Ausnahme von Kilosa, Sima und Kiora alle Hütten der Eingeborenen hoch auf den Abhängen liegen. Geht man von Kondoa amnördlichenUfer thalaufwärts, so muß man auf steilem, felsigem Grund durch hohes Riedgras mühsam hinaufklettern;durch Dorngebüsch, Mimosen und Akazien gelangt man wieder hinab zu der Niederlassung vonKilosa(Misongi, Kadetamare), zuerst zu Reis- und Maisfeldern auf versumpftem Boden, dann zu günstiger gelegenem Land, auf welchem sogar Taback cultivirt wird. Zwischen Kilosa und Sima drängt sich das Gebirge mit vielen Dorfschaften dicht an das Flußufer heran.Sima(Muinin-Sagara), ehemals deutsche Station, der Endpunkt des sehr fruchtbaren Thales gleichen Namens, macht einen erfreulichen Eindruck durch seine Wälder von Palmen und hohen Laubbäumen und gutgepflegten Culturen. Von Sima bis zum Ende der Thalenge beim Absturz derRuembe-Berge zieht ein breiter Streifen kräftigen Pflanzenwuchses, aber unbesiedelt in den untern Lagen hin, in den obern behält die Landschaft den dürren Savannencharakter bei.
Am rechten,südlichenUfer, etwas oberhalb der Furt von Mbumi mündet das pittoreske enge Thal des Tschogwe.Kiora(ehemals deutsche Station), im Osten und Westen von dornigem Gestrüpp umgeben, ist zwar ein malerischer Platz, besitzt auch einige Felder, ernährt aber nur eine dürftige Bevölkerung und gilt als ungesund. Viel besser ist dieManjovigenannte Gegend auf den Höhen oberhalb von Kiora: zahlreiche Rinderheerden weiden auf prächtigen Wiesenfluren. Flußaufwärts von Kiora bis Ndiabi durchwandert man ein wüstes, welliges Tafelland mit dichtem Gebüsch von Aloën und Cacteen zwischen Sandhügeln und Steingeröll. BeiNdiabi(738 m) am klaren und frischen Rumuma erreicht man eine anmuthige, fruchtbare und bewohnte Gegend; Tamarinden und Kalebassen stehen zwischen Feldern von Korn, Mais, Bohnen, Erdnüssen und Taback.
Nach der schwülen, durch verfaulende Vegetation mit Miasmen erfüllten Atmosphäre des Mukondogwa-Thales erfrischt in den ersten Stunden des Marsches die reine trockene Luft derKleinen Marenga-Mkali(852 m über dem Meere) zwischen Ndiabi und dem Großen Rubeho-Paß. Bald aberlähmt die Monotonie der Landschaft die Freude des Wanderns: trostlose, wasserlose Savanne, unterbrochen nur von rauhen Hügeln mit Dschungeldickicht.Inenge(1089 m) am Fuß des Rubeho-Gebirges, in rothbrauner Ebene gelegen, bietet endlich Erholung und als Ueberraschung die lang entbehrten Nahrungsmittel: Butter, Milch und Honig. Steil und steinig aufwärts geht es durch das Gebirge voll aromatischer Kräuter in zwei Anstiegen zum Großen (1542 m) und dann zum KleinenRubeho- oderWindi-Paß(1710 m), an tiefen Abgründen und hohen Felskegeln vorbei. Auf ähnlich rauhem Wege, der zuletzt in eine Via mala sich umgestaltet, kommt man hinab nachUgogi(830 m), dem letzten Ruheplatz vor der Großen Marenga-Mkali.
Die breite Hochebene, welche von Ndiabi am Ugombe-See vorbei und längs des Matamombo bis Mbambwa sich erstreckt, erscheint als ein von steilen, dunkelbraunen Berghängen umfaßtes früheres Seebecken. Das Wasser ist brakisch. Auf dem von der Sonne gebleichten staubigen Granitboden wächst dünnes, hartes Gras und stehen in weiter Zerstreuung einzelne Baobabs.
InMbambwa(Mpwapwa) (986 m) betritt man wieder lachende Gefilde, mit frischem Grün bekleidete Hügel. Riesige Sykomoren, Tamarinden und Wollbäume gewähren den ersehnten Schatten und die dichte Bevölkerung versorgt aus ihren großen Rinderheerden die Karavanen mit Fleisch.
Mbambwa ist der Vereinigungspunkt der südlichen Karavanenstraßen, von Mvomero über Farhani durch das Mukondogwa-Thal, und der nördlichen, kürzeren von Mvomero über Mkundi und Mamboia. Letztere geht in einer Meereshöhe von 800–1000 m durch einen der besten Landstriche Usagaras. Westlich der felsigen Kidete-Berge breitet sich eine wildreiche unbewohnte Ebene aus. BeiMakubikawird sie zu einer gesegneten, reichlich bewässerten und gut bevölkerten Gegend, in welcher Rindviehzucht getrieben wird.Mamboia(1216 m),eine englische Missionsstation, liegt auf einem Hügel am Nordende des schönen Sima-Thales; die gute Qualität des Bodens erhält sich bis Nguru und Berega in der Richtung von Sabundila und Kisiwa am Westrand des Mguru-Gebirges, verwandelt sich aber von dort nordöstlich in steinige, dornige Steppen.
Das herrlichste Land findet man im 16 km breiten Becken vonKitangi(1050 m) an den Quellen des Mtate.
Die starke Bevölkerung treibt neben Ackerbau ergiebige Viehzucht; das Land ist offen, mit kurzem Gras und nur an den Wasserrinnen mit Busch bedeckt.
Den Mtate abwärts bleibt die Fruchtbarkeit auf gleicher Höhe; das Thal ist aber wegen räuberischer Einfälle zum größten Theil verlassen. Dieses Eden schließen im Westen dieKleinen Rubeho-Bergeab, deren höchster steilansteigender Uebergang 1368 m über dem Meere liegt. Nach Südwesten und Westen flachen sie sich ganz allmählich ab und bilden wahrscheinlich die nördliche Begrenzung des Matamombo-Thales; im Norden enden sie rasch in einer ungemein wildreichen, von Dschungeldickicht durchsetzten Ebene, die nach Westen über die Karavanenstraße herabbiegt und von einer Thalschlucht mit Steinsalzlager begrenzt wird. Hier und in dem unmittelbar westlich aufsteigenden Hügelzug von Mlali (1127 m über dem Meere) sind wahrscheinlich die Quellzuflüsse des salzig-bittern Matamombo zu suchen. Zwischen dem fruchtbaren und stark bewohnten Bezirk vonTubugweund Mbambwa erheben sich dieKiboriani-Bergebis zu 1800 m. Nördlich von ihnen beginnt, beiSagala, mit anbaufähigem Boden das mächtige Hochplateau Innerafrikas; bei der vorwiegenden Trockenheit, die nur während fünf Monaten von einzelnen Regenschauern unterbrochen wird, ist die Luft rein und frei von Malariakeimen.
Nicht zum Flußgebiet des Wami, aber ethnographisch zu Usagara gehört die sogenannteKirigawana-Route; sie geht von Ugogi der Südseite des Rubeho-Gebirges entlang, übersteigtdieses bei Kiperepeta und endet bei Kikoboga am Südende der Makata-Ebene. Sie wird mit Vorliebe bei dem Marsch aus dem Innern gewählt, da hier weniger oder seltener an die Häuptlinge Tribut zu zahlen, überall der Nahrungsbedarf zu bekommen und die meist offene Steppe leicht zu passiren ist.
Unbequemlichkeiten verursachen nur die vielen Flußübergänge und das schlüpfrige Auf- und Absteigen an den Bergrippen, welche entweder mit schwarzschlammiger Erde bedeckt sind oder aus nacktem Felsgestein bestehen. Südöstlich von Ugogi, nach einem kurzen Marsch durch welliges, dorniges Land, eröffnet sich dem Blick beiMurundusi, dem Grenzort zwischen Uhehe und Usagara, eine herrliche, fruchtbare Gegend: feines Gras, Tamarinden, Sykomoren und Miombos von außergewöhnlicher Stärke, in denen Papagaien, Tauben und Dohlen nisten; zwischen den Behausungen der Eingeborenen Rinder in Menge; in Gruben von 5–6 m Tiefe vorzügliches Trinkwasser. Von hier bis Maroro (653 m) trifft man nur dürres, rauhes Land von rother Erde; vereinzelte Schluchten mit weißsandigen Ufern, von smaragdgrünen Bäumen umsäumt. BeiRudi, das von Wahehe bewohnt wird, gibt es viel Tabackbau. Westlich von Kikako durchschreitet man auf steinigem Bergpfad den einzigen zusammenhängenden größern Wald.Marorobesitzt frisches Gewässer, das rasch in der schwarzen Erde der tiefern ebenen Lagen versumpft und hohes, binsenartiges Gras hervorschießen läßt. Auf den Feldern dazwischen gedeihen in der feuchtheißen Luft Mais, Durra, Bataten und Taback. Der Ort ist ungesund und die Plage der Mosquitos peinlicher als sonst auf diesem Wege. Von Maroro gelangt man durch Stein und Gestrüpp über den Paß von Kiperepeta nach dem von grünen Hügeln umgebenen, ziemlich fruchtbaren Bezirk vonKisanga, in welchem das Dorf Kirigawana liegt. Verleihen auch Sykomoren und Wollbäume dem Landschaftsbild einen etwas mehr erfreulichenAnblick, so ist doch das Erträgniß der Felder sowol hier wie am Ruhembe-Bach von geringer Beschaffenheit.
DieWasagarasind im Wami-Thal meist Ackerbauer und in den Hochebenen der Nordgrenze meist Viehzüchter. Ziegenfelle, Grasröcke, zuweilen auch Tuchfetzen bilden die spärliche Bekleidung; Ringe von Messingdraht um die Arme, die Fußgelenke, um den Hals (hier zuweilen weit abstehend) und schwer herabziehende Ohrgehänge bilden den Schmuck; Pfeile, Assegais und Steinschloßgewehre in geringer Zahl die Waffen. Stirn, Brust und Arme werden tätowirt. Wegen der häufigen Ueberschwemmungen und aus Furcht vor den thalwärts ziehenden Räuberhorden bauen sie sich fast ausnahmslos an den Abhängen des Gebirges an. Im mittlern Wami-Thal, zwischen Msuero und Kondoa, und theilweise in den nördlichen Districten bis Mbambwa wohnen sie in den schmutzigen, von Ungeziefer wimmelnden viereckigen Lehmgehöften, in den Tembes, sonst in den üblichen bienenkorbartigen Hütten. Von ihrem Nationalcharakter können wir nur die eine negative Thatsache anführen, daß sie kein besonders tapferes Volk sind und sich den Sklavenjagden der Waseguha, Wahumba, Wagogo und Wahehe wenn möglich durch das Verlassen von Haus und Hof entziehen. Elend und scheu ist ihr Aussehen und Benehmen im Mukondogwa-Thal, entschieden stämmiger und kampflustiger am Rumuma und an der Nordgrenze. Unter ihnen wohnt ein gesonderter Jägerstamm, wie die Wandorobbo unter den Wakuafi und die Wakamba unter den Wanguru, nämlich dieWakwaim Wami-Thal bei Mungubugubu und Msuero; sie erlegen Elefanten und Büffel mit vergifteten Pfeilen oder auch mit Steinschloßgewehren.
Eine politische Organisation für ganz Usagara oder nur für einen größern Theil existirt nicht. Was als Ortschaft in den Karten bezeichnet ist, bedeutet meistens einen Bezirk odereine Gemeinde; die zugehörigen Hüttencomplexe haben ein gemeinschaftliches Oberhaupt, einen Dorfhäuptling. Diese „Herrscher und Fürsten” sind voneinander unabhängig und von keinem wird berichtet, daß er hervorragenden Einfluß in einem größern Umkreis gewonnen. Nur eine Ausnahme könnte bestehen, wenn sich die Verhältnisse seit der Reise des französischen Missionars Etienne Bauer im Jahr 1885 nicht geändert haben: das Land am Westufer des Wami zwischen Loonga und Komberina mit Farhani und Rudewa und am Ostufer mit Kakonga und Kisukara stehen unter der Oberhoheit der Fürstin Simbamweni in Ukami.
Was an Naturproducten das Wami-Gebiet gegenwärtig hervorbringt, kommt für denExportkaum in Betracht: es sind nur Feldfrüchte, die den Localbedarf decken. Demnach kann auch derImport, Baumwollzeuge, Eisen- und Messingdraht, bei der Bedürfnißlosigkeit der wenig energischen Bevölkerung von keiner besondern Bedeutung sein.
Allein die Fruchtbarkeit des Bodens ist in einzelnen Gegenden so gewaltig und so wenig ausgebeutet, daß eine erhöhte Culturthätigkeit Aussicht auf lohnenden Ertrag verspricht. Die geringen Resultate der bisherigen Versuche in Mbusine, Kiora und zum Theil auch in Sima dürfen nicht abschrecken; es waren nicht die besten, sondern nur die zunächst liegenden Plätze ausgewählt worden.
Soweit die bisher erworbene Kenntniß des Landes es erlaubt, kann behauptet werden, daß zumPlantagenbauin erster Linie sich eignen: Mondo im Thal des Luseru für Kaffee, Cacao, Zuckerrohr, Taback; Farhani in der Makata-Ebene für Zuckerrohr und Taback; das mittlere Sima-Thal, ebenfalls für Taback.
In zweiter Linie: das obere Thal des Luseru bei Sagasa, Kibanti und am Luvumo.
Endlich, besonders als Jagd- und Viehzuchtstationen: Kitangi und Mbambwa.
Für alle, auch für die erstgenannten Ansiedelungen gilt als sehr bedeutendes Erschwerniß der Mangel guter Verkehrswege und die allzu große Entfernung von der See.
DieArbeiterfragewird wahrscheinlich keine ungünstig entscheidende Rolle spielen, denn die Bevölkerung ist in jenen Bezirken eine zahlreiche und an Ackerbau gewöhnte.
Zwischen den Mündungen des Kingani und des Rufidschi liegt die Küste als ein 5–20 km breiter, niedriger, knapp über die Meereshöhe sich erhebender Streifen Landes da. Von diesem steigt ein Plateau empor, das zwischen den beiden genannten Flüssen sich bis nach Sungomero in Kutu ausdehnt. Es ist eine von Süd nach Nordwest geneigte Fläche; es fällt von der höchsten Erhebung am Konoge-Hügel (210 m) der Küste entlang bis gegen Bweni (90 m) und längs des Rufidschi bis Sungomero (153 m) langsam ab; rascher und tiefer senkt es sich gegen das Thal des Kingani (Dundunguru 58 m und Kiranga Nanga 22 m). Der östliche Plateaurand tritt als ein Hügelgelände zwischen Kondutschi und Dar-es-Salaam dicht an die See heran, buchtet sich weiter südlich aus und gibt Raum für die Verbreiterung der Thalebene des Mbesi; von den Marui- bis zu den Konoge-Hügeln verläuft er nahezu parallel mit der Seeküste.
Im Vergleich mit der ersten Terrasse Useguhas liegt die Hochfläche Usaramos um durchschnittlich 150 m niedriger und reicht ununterbrochen um etwa 100 km weiter landeinwärts. Deshalb machen sich auch die Seewinde und das Seeklima bis tief nach Kutu hinein bemerklich. Der östliche Thalgrund des Kingani von Bomani bis Usungula wird von dem westlichen durchschnittlich um 70 m überragt, sodaß dieser wie eine Hügelkette erscheint.
Im Westen von Usaramo steigt, vom Gerengere und Mgeta wie von zwei Armen umfaßt, eine vielfach gegliederte Gebirgsmasse empor. Den Centralstock bildet dasUruguru-Gebirgein Ukami mit einer Erhebung von 1800–2000 m. Es dehnt sich nach Nordosten bis zumKungweoder Kira-Berg (1768 m) aus, der als Höhenzug südöstlich sich fortsetzt und mit demKidunda-Berg am Mgeta endet. Nach Süden dacht sich das Uruguru-Gebirge zu denDutumi- oderMkambaka-Bergen (900–1200 m) und nach Westen zu denKigambwe-Bergen ab. An diese schließen sich nördlich die 570 m hohen Kihindo- (oder Mindu-) und die Mguruwandege-Berge an, welche Ukami und Kutu von der Makata-Ebene in Usagara scheiden; im Süden stößt das Rufutu-Gebirge (ungefähr 800 m) an.
Die schroffen Abhänge der Dutumi-Berge umschließen im Norden die Thalebene von Sungomero und Kiriru; dagegen bildet eine östliche Abzweigung der Rufutu-Berge von Mbwigwa gegen Behobeho die Wasserscheide zwischen dem Mgeta und dem Msendasi-Ruaha.
Das ganze Gebirge in Ukami und Kutu besteht aus Granit, der als nackter Felsen auf den Kämmen und höchsten Gipfeln zu Tage tritt oder in mächtigen, zerstreut liegenden Blöcken gefunden wird. Manchmal ist er von Thon- und Sandsteinschichten überlagert. Die Bergcontouren sind kuppelförmig oder wildgezackt. Eine eigenthümlich symmetrische Form besitzt der Kilima Hatambula bei Behobeho; von einer flachen Terrasse erhebt er sich viereckig, gleich einem Denkmal, nahezusenkrecht. Die Masse besteht aus Sandstein; dazwischen liegen eingesprengte Lavalager, welche die totale Verwitterung gehemmt und die Gleichförmigkeit bewirkt haben.
Das Plateau von Usaramo wird an seiner Westgrenze von dem Kingani und an seinem Südrande von dem Rufidschi bespült, aber in keiner Richtung von irgend nennenswerthen Rinnsalen durchfurcht. So erhält der Kingani von der gegen sein Bett stark geneigten 60–100 km breiten Hochfläche keinen einzigen nennenswerthen Zufluß; alles Wasser, das ihm zuströmt, kommt von der linken Seite, von den Bergen von Ukami und Kutu. Nur dem steilen Ostrand der Hochfläche entquellen eine größere Zahl von Bächen, die sich nach kurzem Lauf in das Meer ergießen, so derMsingain die Bucht von Dar-es-Salaam, derMbesiin die Schungu-Bai und derMgasiin die Bai von Kisiju.
DerKinganientsteht aus dem Zusammenfluß des Gerengere und Mgeta bei Usungula. Beide entspringen im Ukami-Gebirge.
Das Quellgebiet desGerengereliegt in dem Zusammenstoß des Uruguru-Gebirges mit den Kigambwe-Bergen. Nach kurzem nördlichen Lauf schlägt er in mehrfachen Windungen eine östliche und von Konge eine nahezu südliche Richtung ein. Im Oberlauf nimmt er von rechts denMrogoromit demTongeni, dann bei Vingongo denMakobolaund endlich nördlich von Quaba denLongweauf. Von der Useguha-Terrasse strömt ihm bei Konge derTangezu. Er ist ein klares Wasser mit starkem Gefäll, in theils sandigem, theils felsigem Bett. In der Regenzeit wird er von den Sturzbächen des Gebirges überfüllt und tritt verwüstend über seine Ufer. Die Ueberschwemmungen steigern sich in manchen Jahren bis zur Zerstörung weiter, angebauter Strecken, besonders bei Simbamweni und Musondi. Seine Breite beträgt in der Regenzeitbei Simbamweni 2 m, seine Tiefe 1½ m und die Uferhöhe 4 m; bei Musondi ist er 27 m (nach Stanley 18 m) breit, knietief und seine Ufer haben die Höhe von 7–8 m, wie Cameron angibt. Die Breite des Flußbettes selbst erweitert sich aber hier bis zu 225 m.
Der Mgeta entspringt auf der Südseite des Kigambwe-Gebirges, durchströmt die Ebene von Sungomero und behält noch bis Kidunda den Charakter eines in sandigem und steinigem Bett fließenden gelblichen Bergwassers bei; kurz nach der Regenzeit hat er hier eine Breite von 45 m und eine Tiefe von 3½ m. Er nimmt von den Dutumi-Bergen denMgasiundDutumiauf und vom Uruguru-Gebirge den noch nicht erforschtenMswasi. Dicht unterhalb des Mabruki-Passes befindet sich die Wasserscheide des Mgeta vom Ruaha; nach Süden fließt derMsendasiab, nach Osten derMsegweundVilansi. Bei Kidunda erhält er den einzigen stärkern Zufluß vom Plateau, den in tiefeingeschnittenem Bett über Blöcke von Quarz, Syenit, Hornblende und rothem Sandstein dahinfließendenManjora.
DerKingani(auch Rufu und zwischen Kidunda und Usungula Mpezi genannt) wälzt sein rothbraunes, süßlich schmeckendes Wasser von Usungula in vielfach geschlungenem Lauf mit nordöstlicher Richtung dem Meere zu. Seine Breite schwankt im untern Lauf je nach der Jahreszeit zwischen 15 und 45 m. Die Thalebene, die bei Kiranga Ranga eine Breite von 11 km besitzt und bei Dunda auf 4 km sich verengt, erweitert sich bei der Fähre von Bagamoyo und Bikiro bis zu 13 km. Seine Ufer sind schlammig. Er wird eingeschlossen von den Plateaurändern von Ukwere auf der linken Seite (105 m) und von Usaramo auf der rechten Seite (allmählich ansteigend von 22 und 38 m bis zu 58 m bei Dundunguru). An seiner Mündung schließen sich mit Mangrovewaldungen dicht umsäumte Lagunen an. Er ist bis Dunda zu jeder Jahreszeit schiffbar, zur Regenzeit noch 20 km weiter stromaufwärts.
Das niedrige, weitausgedehnte Plateau von Usaramo gestattet dem feuchten Küstenklima den Zutritt bis tief in die Thäler von Kutu, die Hochfläche von Ukwere hingegen hält die vom Meer aufsteigende Feuchtigkeit von dem Tiefland von Ukami ab. An der Küste weht von 9 oder 10 Uhr vormittags angefangen tagsüber der Seewind, nach Sonnenuntergang bringt der Landwind entsetzliche Schwüle. Man bemerkt noch in Sungomero am Vormittag und am Abend die Seebrise. Der über die erhitzte Ebene streichende Wind begegnet im Innern den vom Gebirge herabfließenden kühlern Luftströmungen, weshalb in Kutu mit Ausnahme einiger Wochen im Januar fortwährende Feuchtigkeit herrscht und häufige Niederschläge sich einstellen. An der Küste und nahe landeinwärts tritt zwischen der großen Regenzeit (März bis Mai) und der kleinen (October und November) eine ausgesprochene andauernde Trockenzeit ein. Wird einerseits Kutu durch den Wechsel von Seewind und Bergwind fast unaufhörlich in Dunst gehüllt, dem sehr empfindlichen plötzlichen Austausch zwischen Schwüle und Kälte ausgesetzt und durch die aus faulender Vegetation aufsteigenden Giftgase in eine nie versiegende Brutstätte des Fiebers verwandelt, so genießt Ukami, dank Ukwere und den eigenen Bergen, nicht nur den befruchtenden Segen intermittirenden Regens fast in allen Monaten, sondern auch eine gleichmäßigere, angenehmere Temperatur und besitzt deshalb weit günstigere Gesundheitsverhältnisse als Kutu und der größere Theil von Usaramo.
Um einen ziffermäßigen Vergleich derTemperaturenanzustellen, kann man nur die Aufzeichnungen Burton’s[12]und die Tabellen von O. Kersten in Bezug auf Kutu, Usaramo und Sansibar benutzen; und auch bei Burton genügen allein die Angaben über Sungomero den Anforderungen annähernd erschöpfender Genauigkeit; denn für Usaramo sind es zu wenigBeobachtungstage und die hier gebrauchte Ortsangabe „auf dem Rückmarsch” ist zu allgemein. Thomson[13]hat wol auch eine Reihe von Thermometerablesungen angegeben, aber sie dürften bei dem Mangel der Stunde, ja in den meisten Fällen der Tageszeit überhaupt, nur in ganz beschränkter Weise einige Verwerthung finden.
Mitteltemperaturen für Usaramo und Kutu im Vergleichmit Sansibar.