Geographie von Deutsch-Ostafrika.

„Leipzig” am 21.August vor Bagamoyo. Flaggenhissung.7.September bei Tanga.20.bis 23. September vor Bagamoyo. Abwehr des Angriffs.„Carola” am 16.August vor Bagamoyo. Flaggenhissung.18.und 19. August vor Pangani. Landung einer Wachtruppe.28.November vor Windi. Beschießung.„Olga” am 7.September vor Tanga.„Möwe” am 16.August vor Pangani. Flaggenhissung.20.und 21. August vor Bagamoyo. Flaggenhissung.23.August vor Pangani. Einholen der Wachtruppe der „Carola”.5.und 7. September vor Tanga. Befreiung der deutschen Beamten.22.bis 24. September vor Kilwa.„Sophie” am 8.September vor Tanga.22.October vor Bagamoyo. Landung einer Wachtruppe.31.October vor Windi. Beschießung.28.November vor Windi. Beschießung.29.November vor Saadani.

Die Brandreden des Cardinal Lavigerie, Erzbischofs von Karthago, in den Monaten August und September gegen die Scheußlichkeiten des Sklavenhandels und die dadurch aufgeregte öffentliche Theilnahme in ganz Europa boten für den deutschen Reichskanzler eine günstige Handhabe, mit England und Portugal Anfang November ein Abkommen über eineBlokadeder ostafrikanischen Küste zu vereinbaren, wodurch einerseits die Sklavenausfuhr gehemmt oder aufgehoben, andererseits durch die Verhinderung der Munitionseinfuhr die Mittel zur Fortsetzung des Aufstandes abgeschnitten werden sollten.

Das Blokadegeschwader, bestehend aus sechs deutschen Schiffen mit 54 Geschützen und 1337 Mann und aus sieben englischen Schiffen mit 52 Geschützen und 1510 Mann, erreichte den einen Zweck, Unterdrückung des Sklavenexports, ziemlich vollständig, soweit sich dies aus der Entfernung beurtheilen läßt. Der Aufstand selbst aber erlitt dadurch keine wesentliche Schwächung. Die angesammelten Massen von Gewehren undMunition, sicherlich heimlich verstärkt durch fortwährende geringere Zufuhr, genügten immer noch zur Ausführung der wenigen Unternehmungen im Charakter des kleinen Krieges.

Um den Aufstand niederzuwerfen, das Ansehen der Deutschen wiederherzustellen und den Handelsverkehr nach dem Innern wieder zu eröffnen, mußte unbedingt die Küste erobert werden. Das vermochte die Marine nicht, man bedurfte einer eigens hierzu bestimmten und geeigneten Landtruppe. Wer sollte sie aufbringen und bezahlen? Der Sultan von Sansibar, der als Souverän der Küste in erster Linie hierzu berufen gewesen wäre, hatte mit seinen Truppen bisher vollständig Fiasco gemacht. Diese fraternisirten lieber mit den Rebellen, als daß sie zu Gunsten der Deutschen den Befehlen ihres Kriegsherrn gehorchten. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, auf sich selbst angewiesen, verfügte über zu geringe finanzielle Mittel, um die Ausgaben zur Lösung einer so unerwartet ihr gestellten Aufgabe zu bestreiten. Sie mußte entweder liquidiren oder die Hülfe des Deutschen Reiches anrufen. Sie wählte das Letztere und mit vollem Recht. Haben doch auch andere europäische Colonien und Colonialgesellschaften, vor allem die englischen, an das Mutterland appellirt, wenn sie in der Bedrängniß durch uncivilisirte Völkermassen die Rettung des eigenen Besitzes und das Ansehen der eigenen Nation in höchster Gefahr und sich dieser gegenüber machtlos sahen. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft wandte sich Anfang Januar 1889 an den Deutschen Reichstag. Der Deutsche Reichstag beschloß durch Gesetz vom 2. Februar 1889 die deutschen Interessen in Ostafrika zu schützen. Hauptmann Wißmann, der berühmte Erforscher des südlichen Kongobeckens, der gründliche Kenner des Araber- und Negercharakters, wurde von S. M. dem Deutschen Kaiser mit der Ausführung des Unternehmens betraut. Eine militärische Expedition wurde ausgerüstet: 14 Offiziere, 4 Aerzte, 4 Verwaltungsbeamte und 100 Unteroffiziere der deutschen Armee traten freiwillig bei ihr ein;600 Sudanesen und Zulus wurden angeworben und 6 Dampfer in deutschen Häfen gechartert.

Mit dem Eintreffen Wißmann’s in Sansibar am 31. März 1889 beginnt ein neuer Abschnitt in der Gründung und Wiedereroberung Deutsch-Ostafrikas.

Im allgemeinen gilt es als ein müßiges Beginnen, über das, was geschehen ist, kluge Betrachtungen anzustellen. Mit dem Unabänderlichen soll man rechnen, nichts weiter. Zugegeben; aber richtig zu rechnen vermag nur derjenige, welcher den Werth der Factoren kennt; und die in Ostafrika wirkenden Factoren, die bisher durch den alltäglichen Verlauf der Dinge verdeckt waren, sind während des Aufstandes und durch ihn in ein grelles Licht getreten. Nicht eine Rechtfertigung der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft soll geschrieben, sondern die naturnothwendige, gesetzmäßige Wirkung von Neuerungen auf starre Verhältnisse dargestellt werden.

Jede Veränderung in den Einrichtungen eines Staates schafft Befriedigte und Unzufriedene; greift ein fremdes Volk ein, so wird die öffentliche Stimmung energischer erregt. Tritt die Veränderung mit absolut zwingender Gewalt ein, sei es als Befreiung von Ungerechtigkeiten und Lasten, sei es unter der Entfaltung imponirender militärischer Kraft, so werden Zufriedene wie Unzufriedene sich fügen; das Fremdartige des Neuen wird allmählich zur unbewußten Gewohnheit im täglichen Leben werden.

Der Abschluß des deutschen Küstenvertrags war an und für sich kein Eingriff in den Staatsorganismus von Sansibar. Die Zollerhebung sollte verpachtet werden, wie dies seit mehrern Jahrzehnten geschehen zwischen dem Sultan und indischenKaufleuten; ebenso wenig beabsichtigte die deutsche Gesellschaft gesetzgeberische Veränderungen bei der Uebernahme der Justiz und Verwaltung. Aber daß Europäern das Recht übertragen wurde, nicht nur Zölle in anderer Weise zu erheben, sondern auch Richter zu bestellen und Verwaltungsbeamte zu ernennen, das war eine noch nie erlebte Neuerung und mußte voraussichtlich bei den grundverschiedenen Anschauungen zwischen Europäern und Orientalen eine tiefgehende Umwälzung zur Folge haben.

Gegen den Verkauf der Zölle an die deutsche Gesellschaft hatten die Araber nichts einzuwenden, wie sie dem Generalconsul Michahelles im November 1888 auseinandersetzten; das wäre eine private Geschäftssache des Sultans, von der sie nicht den geringsten Nachtheil zu befürchten hätten. Nur die Manipulation der Zollerhebung sollte nicht dem Gutdünken der Deutschen überlassen werden, welche die herkömmlichen, den Händlern vortheilhaften Misbräuche und Durchstechereien wahrscheinlich abschaffen würden. Was sie am meisten aufbrachte, war die Befürchtung, daß mit dem Eintritt der deutschen Verwaltung ihr uncontrolirtes, freies Schalten und Walten an der Küste, die durch Bestechlichkeit handsam gewordene Rechtspflege und die Präponderanz ihres Ansehens unter den Negern aufhören werde. Mit der Verminderung ihrer socialen Stellung käme auch das Vertrauen in die Prosperität ihrer Geschäftsverbindungen ins Schwanken und die indischen Kaufleute entzögen ihnen dann jede Art von Vorschüssen, ohne welche sie ihren Handel nicht wie bisher betreiben könnten. So und ähnlich äußerte sich wenigstens das Haupt der Empörung, Buschiri, gegen Dr. Hans Meyer.

Ohne Frage hatte die Negerbevölkerung in ihrer Gesammtheit einen positiven Nutzen von der Einführung der deutschen Verwaltung in der Zukunft zu erwarten. Denn Unsicherheit des Eigenthums, Sklavenraub in vereinzelten Fällen und auch in größerm Maßstab, Parteilichkeit vor dem Richter — daswar das Kennzeichen der Sultanswirthschaft. Allein Erwartung ist noch nicht Thatsache, und was der Neger nicht mit Händen greifen kann, das ist für ihn nicht vorhanden und denkbar. Zudem gibt es an der Sansibarküste keinen Volkswillen in unserm Sinne; entscheidend allein ist die Meinung der vielen Häuptlinge, der Jumbes, in den zerstreuten Ortschaften. Für diese war die Erhaltung des halbanarchischen Zustandes eine Sicherung ihrer Willkür. Ihnen konnten die Araber leicht begreiflich machen, daß ihre Gewohnheiten und Rechte von den Deutschen nicht berücksichtigt werden würden. Sie bildeten auch mit ihren Sklaven das kriegerische Gros der Empörung.

Ein Einwurf scheint hier gerechtfertigt: mit dem Vertrag ging doch nicht dieHerrschaftan sich auf die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft über; sie blieb bei dem Sultan von Sansibar; inseinemNamen, unterseinerFlagge, mitseinemEinverständniß sollte sie ausgeübt werden. Er ist Despot und seine Unterthanen sind gewöhnt, sich ohne Zaudern seinem Willen zu unterwerfen. Aber Despoten, auch orientalische, sind nicht verkörperte Ideen, die von dem Volke kritiklos und gehorsam von einer Person auf die andere übertragen und dadurch gleichmäßig wirkend gemacht werden; nein, auch sie besitzen nur eine individuelle Wirkungskraft. Said Bargasch waren die Araber unbedingt ergeben, da sie seinen starren Willen fürchteten. Said Khalifa dagegen erschien ihnen als ein Spielball in den Händen der Europäer, ein Spielball ihrer eigenen Ränke und Widersetzlichkeiten. Sein Sultanswort bezauberte nicht mehr ihre Ohren, noch erschreckte es sie.

Konnten also die Deutschen hoffen, daß die Ausführung des Küstenvertrags die Belebung des Handels, die Sicherheit der Person und des Besitzes in der Zukunft bewirken und dadurch eine beruhigte Stimmung in der Masse der Bevölkerung eintreten würde, so mußten sie für den Moment darauf gefaßt sein, daß die ersten Schritte ihrer Thätigkeit auf Widerstand stoßen und daß nur militärische Zwangsmittel diesofortige Fügsamkeit unter die neue Ordnung ermöglichen würden. Die Gesellschaft hat manches unterlassen, was die Schärfe des Conflicts gemildert hätte: Rücksicht auf die Reizbarkeit des arabischen und indischen Elements, und namentlich die Anwerbung und Ausrüstung einer größern Anzahl von Polizeisoldaten. Sie setzte zu großes Vertrauen in die Bereitwilligkeit und Fähigkeit des Sultans, der in dem Vertrage vom 28. April 1888 versprochen hatte, „mit seiner ganzen Autorität undMacht” in der Ausführung der Stipulationen zur Seite zu stehen.

Als diese Macht zur Herstellung der Ordnung, zur Bezähmung der rebellischen Bevölkerung eingesetzt werden sollte, erwies sie sich als morsch und wirkungslos.

Der Aufstand trug nicht den Charakter einer immer gewaltiger werdenden Empörung großer Volksmassen; er blieb von Anfang an bis zum Frühjahr 1889 in dem Rahmen kleiner, gelegentlicher Scharmützel. So wurde Bagamoyo am 23. September und dann erst wieder am 5. December angegriffen. Vor und nachher gingen und kamen Karavanen; ja die Deutschen wurden in den ersten Monaten in ihrem amtlichen Dienste von Arabern und Indern unterstützt. Dar-es-Salaam blieb vier Monate unberührt, bis Buschiri Ende December erschien. Kilwa, Lindi und Mikindani fielen nicht durch die Empörung der Ansässigen, sondern durch die herbeigerufenen Yaos den Arabern in die Hände.

Wenn die Veranlassung des Aufstandes nicht in dem Auftreten und in den Maßregeln der deutschen Beamten gefunden werden darf, sondern nur in der Einsetzung einer neuen Regierungsthätigkeit an Stelle der altgewohnten, so könnte die Unrichtigkeit einer solchen Behauptung durch die ungestörte Ruhe innerhalb derEnglisch-Ostafrikanischen Compagnie, die denselben Vertrag wie die deutsche mit Sansibar abgeschlossen hatte, als erwiesen erachtet werden.

Allein bei dieser waren vor allem die Verhältnisse andersgelagert. In Sansibar und auch an der Sansibarküste sind die Engländer seit langer Zeit heimisch, sei es durch Consulate, Handelsfactoreien oder Missionsstationen. Die zahlreichen dort ansässigen indischen Kaufleute hielten von jeher darauf, als englische Unterthanen zu gelten; sie mußten also englische Unternehmungen zu unterstützen, nicht zu untergraben trachten. Die englische Interessensphäre liegt nicht in dem Bereich der massenhaften Sklavenjagden und des im großen Stil betriebenen Sklavenexports, wie die deutsche. Deshalb wurden auch hier die Araber nicht so sehr durch das Erscheinen der Engländer von sofortigen Verlusten bedroht und geängstigt. Das nächste Hinterland von Mombas bis nach dem Kilimandscharo ist nur Durchzugsland für die Karavanen; dort können keine Plantagen angelegt werden und deshalb keine Conflicte mit ansässigen oder habgierigen Häuptlingen entstehen.

Trotz dieser ungemein günstigen Verhältnisse wagten die Engländer es nicht, das ihnen vertragsmäßig vom 1. October 1888 zustehende Recht der Zollerhebung sofort auszuüben. Sie waren durch den von den Deutschen erlittenen Schaden klug genug geworden, um nicht durch vorzeitiges Auftreten als Gebieter den sonst unvermeidlichen Ausbruch einer Revolte im eigenen Lager heraufzubeschwören. Am 6. Juni 1889 erklärte Mackenzie in der Vorstandssitzung der Gesellschaft in London, sie würden erst vom 1. August 1889 an die Zollverwaltung in die eigenen Hände nehmen. Wenn Hauptmann Wißmann die Araber niedergezwungen, dann ist es auch für sie Zeit zur Ernte — so rechnen sie, gewiß überlegt und berechtigt.

Misgunst ist sehr häufig die Quelle der Ueberhebung; das andern Nationen eingeräumte Zugeständniß des Besserverstehens dagegen die Quelle der eigenen Verbesserung. Wir Deutsche können nicht alles für uns brauchen, was die Engländer mit Erfolg für sich anwenden — wir besitzen nicht die geschulten Kräfte für Gründung und Einrichtung von Colonien,und noch viel weniger die Bereitwilligkeit eines massenhaften Kapitals. Aber in einzelnen und sehr wichtigen Fällen sollten wir vernünftigerweise in ihre Fußstapfen treten.

Die Englisch-Ostafrikanische Compagnie hatte im Sommer 1888 fünf Millionen Mark für das kleine Gebiet zwischen Tana und Umba beim Beginn ihrer Operationen zur Verfügung. Sie quartierte sich in Mombas ein, unternahm wegen des Aufstandes in den Nachbarterritorien nichts als Recognoscirungen von Land und Leuten, Besprechungen mit den vornehmsten Arabern und kurze Ausflüge nach dem Westen, um die Handels- und Productionsverhältnisse zu studiren. Als einmal die Gelegenheit kam, den Arabern sich als großmächtige Gentlemen zu zeigen, bezahlten sie ihnen die in eine englische Missionsstation entflohenen und mit Ungestüm zurückverlangten Sklaven mit baarem Gelde: dafür ernteten sie Jubel von den Heiden und Mohammedanern. Nachdem die Sicherheit im englischen Gebiete von Monat zu Monat sich mehr und mehr befestigt hatte, dachten die Engländer endlich daran, dem Handel einen Anstoß und neues Leben zu geben. Die Araber sind und bleiben die geschicktesten Händler im Innern von Afrika; sie sollten auch unter englischer Obhut ihr Handwerk fortsetzen und zwar mit der wesentlichen Verbesserung, daß nicht, wie bisher die wucherischen Inder ihnen den nöthigen Vorschuß gaben, sondern die englische Gesellschaft und nur unter Verpfändung ihrer Kokosplantagen.

Um jedoch diesen Vortheil billigen Zinses und außerdem den Schutz englischer Stationen im Binnenland genießen zu können, müssen sie sich verpflichten, weder Sklavenhandel zu treiben noch auf Sklaven Jagd zu machen.

Die Engländer sahen nach den von den Deutschen erlebten Erfahrungen sehr wohl ein, daß sie eines Tages eine stärkere Polizeitruppe nothwendig haben dürften. Zu diesem Zweck wählten sie das einfachste und billigste Mittel, dessen Wirksamkeit freilich noch in Frage steht: sie kauften sich einen angesehenenHäuptling in der Nachbarschaft von Mombas durch Auszahlung eines jährlichen Einkommens und dieser hat sich verpflichtet, waffenfähige Mannschaft den Engländern zu stellen.

Der geistige Anschluß der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft an die englische, nicht die Bekämpfung und die Herabsetzung des englischen Einflusses wird die Früchte europäischer Culturarbeit in diesen Gebieten des dunkeln Welttheils zur Reife bringen.

Die deutsche Interessensphäre in Ostafrika, durch das deutsch-englische Abkommen vom 1. November 1886 begrenzt im Norden durch den Umba, im Süden durch den Rovuma, im Osten durch den 10 englische Meilen breiten, dem Sultan von Sansibar unterworfenen Küstenstrich und im Westen ganz allgemein durch den im Seengebiet anstoßenden Kongo-Staat, wird Deutsch-Ostafrika im weitern Sinne genannt. Im engern Sinne aber können gegenwärtig nur diejenigen Länder innerhalb der Interessensphäre als Deutsch-Ostafrika bezeichnet werden, in welchen entweder Verträge mit den eingeborenen Häuptlingen deutscherseits abgeschlossen worden sind oder deutscher politischer und wirthschaftlicher Einfluß sich geltend gemacht hat. Darnach muß die Westgrenze und zwar diese allein anders gezogen werden. Sie verläuft von Norden nach Süden: vom Kilimandscharo-Gebiet den Pangani entlang an der westlichen Seite von Nguru und Usagara vorbei nach Mahenge und von da in unbestimmbarer Linie nach dem Rovuma.

Vom geographischen und colonisatorischen Standpunkt aus umschließt Deutsch-Ostafrika zur Zeit die Flußgebiete des Pangani und Umba, des Wami und Kingani, des Rufidschi und Rovuma im mittlern und untern Theil.

Auf diesen Umfang beschränkt sich im allgemeinen die vorliegende Darstellung der Geographie von Deutsch-Ostafrika.

DieGestaltungund mit ihr die klimatischen und Vegetationsverhältnisse Deutsch-Ostafrikas erhalten ihre charakteristische Eigenthümlichkeit als Küstengebiet durch eine mächtige, zusammenhängende Gebirgskette, welche zwischen dem Hochplateau Innerafrikas und dem Indischen Ocean in breiter Masse eingelagert ist. Das Gebirge, mäßig von Westen ansteigend, fällt steil nach Osten in bis zum Seestrand reichenden Terrassenstufen ab. Die Ausdehnung und die Höhe der Erhebung der Terrassen verursacht im speciellen einen wesentlichen Unterschied zwischen dem nördlichen und dem südlichen Theil. Während zwischen Umba und Kingani das Terrain sich rasch erhebt und als Ebene von geringerer Breite an den Fuß der nahe gelegenen Berge herantritt, erstreckt sich das Land zwischen Kingani und Rovuma als eine mächtige, gleichmäßige Hochfläche mit minderer Erhebung tief in das Innere zu dem fernliegenden Gebirge hinan.

Ueber dasKlimaauf dem Festlande besitzen wir keine genügenden meteorologischen Aufzeichnungen; länger andauernde, an einem bestimmten Ort gemachte Beobachtungen existiren gar nicht, sondern nur gelegentliche, in Zahlen gefaßte Reisenotizen und allgemeine Bemerkungen über das Wetter. Um uns aber doch ein annähernd richtiges Bild zu verschaffen, um Anhaltspunkte zur Verwerthung der in den Reisewerken zerstreuten Wetternotirungen zu gewinnen, müssen wir uns eine Grundlage bilden durch die Betrachtung der klimatischen Verhältnisse auf der Insel Sansibar. Sie sind durch die Arbeiten Dr. Seward’s, die Otto Kersten[1]benutzte, und Dr. John Robb’s[2]ziemlich genau und übereinstimmend sichergestellt. Da die Lage Sansibarsunter denselben Himmelsstrich fällt, wie der in Betracht zu ziehende Theil des Küsten- und Binnenlandes, so liefern uns die inSansibargewonnenen Resultate in großen, allgemeinen Zügen den klimatischen Charakter Deutsch-Ostafrikas; Sansibar gibt uns die Regel, auf dem Festland finden wir die Steigerungen und Minderungen.

Ostafrika hat keinen Winter und keinen Sommer, sondern zweimal eine Regenzeit und zweimal eine Trockenzeit. Die bestimmenden Factoren sind Monate andauerndePassatwinde(Monsuns), welche aus entgegengesetzter Himmelsrichtung wehend halbjährig sich ablösen, und die mit dem zweimaligen Zenithstand der Sonne zusammenfallendenWindstillenoder Calmen, welche nach dem Aufhören des einen Passatwindes und vor Beginn des andern eintreten.

Anfang März erlischt der Nordost; Calmen folgen; am 4. März erreicht die Sonne den Zenithstand. Mitte März beginnt die erste, sogenannte große Regenzeit (Masika) und dauert bis Ende Mai; darauf folgt die erste Trockenzeit, welche bis Mitte October anhält. Von Ende März bis Ende September weht der Südwest.

Anfang October erlischt der Südwest; Calmen folgen; am 9. October steht die Sonne im Zenith. Mitte October beginnt die zweite, sogenannte kleine Regenzeit (Vuli) und dauert bis Mitte December; darauf folgt die zweite Trockenzeit, welche bis Mitte März anhält. Von Ende November bis Ende Februar weht der Nordost.

Um die Uebersicht und späteres Vergleichen zu erleichtern, ist das Gesagte in der umstehenden Tabelle geordnet.

Die Witterungsregelmäßigkeit der Tabelle hält natürlich die Wirklichkeit mit solcher Exactheit nicht ein. Die Windströmungen setzen nicht ein oder hören nicht auf genau an dem fixirten Tag, ebenso wenig die Regenzeiten; aber die Differenzen bewegen sich in den Grenzen von ein bis zwei, in seltenen Fällen von drei Wochen.

Uebersicht des Witterungswechsels in Sansibar.

JanuarTrockenzeitNO.—}Die heißesten Monate.Februar„„—März 1. Hälfte„CalmenSonne im Zenith2. HälfteRegenzeit„—April„SW.—Feuchtester Monat.Mai„SW.—JuniTrockenzeitSW.—}Die kühlsten Monate.Juli„„—August„„—Trockenster Monat.September„„—Oct. 1. Hälfte„CalmenSonne im Zenith2. HälfteRegenzeit„—Nov. 1. Hälfte„„—2. Hälfte„NO.—Dec. 1. Hälfte„„—2. HälfteTrockenzeit„—

Sowenig es in der Regenzeit unausgesetzt regnet, sondern überhaupt nur alle Tage und heftig, sowenig ist es in der Trockenzeit absolut trocken; es gibt auch hier einzelne Regenschauer.

Auch bei den Luftströmungen und Calmen treten gelegentlich Modificationen ein; der Nordost schlägt in Nord oder Ost, der Südwest in Süd, West oder Südost um. In der Calmenzeit tauchen oft leichte und variable Winde auf.

Ueber die Temperaturen gibt die nächste Tabelle Aufschluß. Da die von Kersten mitgetheilten meteorologischen Beobachtungen Dr. Seward’s wegen ihrer weitgehenden Ausführlichkeit später zum Vergleich citirt werden, so sind sie neben jene, einen größern Zeitraum umfassenden, von Dr. J. Robb gesetzt. Die Resultate beider sind von unbedeutender Verschiedenheit; man kann aus beiden folgende Schlüsse ziehen:

Die Wärmedifferenz innerhalb des ganzen Jahres ist sehr gering; sie beträgt, Februar und März mit Juli und August verglichen, 2,5° R. Januar, Februar, März sind die heißesten,Juni, Juli, August die kühlsten Monate. Der Unterschied zwischen dem Jahresmittel der Maxima und dem der Minima macht bei Seward 4,9° R. und bei Robb sogar nur 3,2° R. aus.

Den fast gleich sich bleibenden Monatstemperaturen entspricht die kaum sich steigernde und kaum sich abmindernde Temperatur des Tages. Die höchste Steigerung der Wärme vom Morgen zum Mittag kommt im October vor, ebenso die stärkste Abkühlung während der Nacht; sie beträgt im ersten Fall 3° R. und im zweiten 2,6° R.

Monatsmittel der Tagestemperatur von Sansibar in Réaumur-Graden.

Während 1886, nach Dr.Seward.Nach Dr.Robb, 1874–78.Monat6 Uhr V.12 Uhr M.6 Uhr N.Im Durch­schnitt des TagsMaxi­mumMini­mumIm Durch­schnitt des TagsMaxi­mumMini­mumJan.2121,921,821,623,720,322,423,920,6Febr.2122,122,221,824,420,422,62420,8März19,92221,721,22418,622,72420,6April19,921,620,820,823,618,62223,120,2Mai19,521,220,720,523,418,621,322,819,5Juni18,920,82019,922,417,720,622,119,1Juli1820,319,719,221,516,82021,718,5Aug.17,820,619,519,221,816,620,121,918,5Sept.18,321,220,319,922,817,520,422,418,7Oct.18,321,320,920,223,216,72122,819,1Nov.19,72221,621,124,41921,723,220Dec.20,321,921,721,324,119,722,323,420,4Im Jahr20,623,318,421,422,919,7

Betrachtet man die Temperaturentabelle Sansibars genau, so gewahrt man in den Monatsmitteln eine sehr minimale, fast nur in den Decimalstellen sichtbare, allmähliche Abnahme und eine ebenso geartete Zunahme. Auf dem Festland vergrößern sich diese Differenzen und man kann in einzelnenGegenden das Jahr in eine kühle und in eine heiße Zeit eintheilen. Eine nach europäischen Begriffen gebräuchliche Annahme, in den Gebirgen eine frischere Luft anzutreffen, erweist sich für Ostafrika als Regel unhaltbar. So ist das Gebirgsland Usagara heißer als Sansibar. Auch der Vorstellung muß entsagt werden, daß mit der Zunahme der Bodenerhebung die Salubrität einer Gegend verbunden sei. Kutu ist das ungesundeste Land, ebenso ein großer Theil Usagaras. Die feuchte Wärme aus üppig wuchernder Vegetation ist die Quelle des Fiebers. Wo also hoch entwickelte Fruchtbarkeit existirt, herrscht in minderm oder höherm Grad das Fieber. Absolut gefährlich ist die Nähe von Sümpfen und morastigen Niederungen. Fieberfreie und zugleich fruchtbare Oertlichkeiten findet man in einigen vereinzelten Fällen und zwar da, wo entweder durch besonders günstige Lage oder durch die Cultur der nothwendige Grad von Trockenheit erreicht worden ist.

Die Monotonie des ziemlich hohen Temperaturzustandes ist es nicht allein, welche die Energie des Europäers in Sansibar abschwächt, sondern der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Luft: am Morgen 89%, von Mittag bis Sonnenuntergang 73%, das Jahresmittel 81,8%. Der April ist der feuchteste mit 88,7% und der August der trockenste Monat mit 76,2%.

Sansibar, namentlich die Stadt, gilt als gesund für jeden, der sich in Diät und Kleidung tropischen Anforderungen zu fügen weiß. Die Gefährlichkeit des Klimas beginnt auf dem Festland, in der Region der Spaltpilze, welche die Sonnenglut aus den vegetationsreichen, durchnäßten Erdschichten, aus Lagunen und Sümpfen zu fiebererzeugenden Miasmen auskocht.

Die mit Dampf übersättigte Seeluft strömt nach dem Continent, streicht über Küsten und Terrassen nach dem Gebirgswall, verdichtet sich hier zu Wolken und Regen und kommt trocken und klar in die Hochflächen Innerafrikas. Deutsch-Ostafrika liegt also ganz in dem Bereich des dunstigen Himmelsstrichs.Modificationen treten gemäß der Bodengestaltung ein. An der Küste fließen die kühleren Luftschichten dem erhitzten Binnenland zu und verursachen auch während der Trockenzeit unregelmäßige, häufige Niederschläge. Sind die anstoßenden Plateaus von höherer Erhebung und erreichen sie bald den Fuß der Gebirge, so nähert sich ihr Wettercharakter dem des Strandes und der Berge, so in Bondei und Useguha. Steigen sie aber nur langsam empor und treffen sie erst in weiter Entfernung von der See auf die Masse eines Gebirges, so kommt die austrocknende Hitze der Sonne zur entscheidenden Herrschaft und die Regenzeiten beginnen später und sind von geringerer Dauer: so im mittlern Usaramo und wahrscheinlich in dem Land zwischen Rufidschi und Rovuma. In allen Gebirgsgegenden, von Usambara bis Kutu, werden die Luftströmungen der See von kühleren Schichten aufgenommen, und Regen fällt hier fast in allen Monaten des Jahres, verstärkt und gedrängt zu früherm Ausbruch durch die eigentlichen Regenzeiten und gemindert durch die Trockenzeiten.

Ein Theil Deutsch-Ostafrikas fällt jenseit des dunstigen Küstenklimas in den Wetterbereich Centralafrikas: das sind die ebenen Strecken, welche zwischen den Usambara-Bergen und dem Kilimandscharo-Gebirge gelagert sind.

DiegeologischeBeschaffenheit von Deutsch-Ostafrika ist einfach: das Gebirge und die anstoßenden Plateaus bestehen aus Gneis, die zum Meer sich absenkende schmale Flächenzone aus Sand- und Kalkstein, die Küste aus Korallenkalk. Eruptive Gesteinsmassen findet man am Kilimandscharo und an einigen Stellen im oberen Kutu.

DerGneisbestimmt in dem Zustand der Verwitterung den Vegetationscharakter des ganzen Landes. In vier verschiedenen Stadien wird er zu rother, graurother, schwarzer Erde und zu Humus.

Dierothe Erdeist das Verwitterungsproduct des Gneises auf horizontaler Fläche, der bekannte poröse, eisenhaltigeLateritboden. Regengüsse zerklüften ihn und die Sonnenglut backt ihn zusammen zu steinharten Klumpen. Hartes Büschelgras, Dorngebüsch, Mimosen, Akazien und Baobabs wachsen auf ihm. Liegt er unter einem Himmel mit Regenfällen, auch während der Trockenzeit, so ändert sich seine Beschaffenheit zu Gunsten gesteigerter Fruchtbarkeit, sodaß er Getreide, Taback und Gemüse erzeugen kann.

Wird die rothe Erde, auf geneigter Ebene liegend, vom Regenwasser nach Abhängen und Bodensenkungen geschwemmt, so wird sie zerrieben, mit verwesenden Pflanzenresten untermischt und zurgraurothenErde. Die Productionskraft ist gesteigert: alle Cerealien gedeihen, ebenso Bananen, Bataten, Taback, Wälder voll schattiger Bäume mit dichtem Unterholz, Wiesen mit Futtergras.

Die graurothe Erde, zu dauerndem Ruhelager in die Tiefe gelangt, verwandelt sich in feinzertheilten, durch organische Substanzen massenhaft bereicherten üppig fruchtbarstenHumusunter den Bedingungen anhaltender Feuchtigkeit, starker Erwärmung und mäßiger Wasserversickerung. Diese Bedingungen werden in seltenen Fällen in gleichmäßigem Grade erfüllt, am meisten in den geschlossenen sogenannten Regenwäldern, in den Thälern von Alluvium absetzenden Flüssen und auf den sanft verlaufenden Abdachungen der Gebirge.

Findet das vom Humus eingesogene Wasser keinen Abfluß, so formt sich der Boden zuschwarzer Erdeum, die entweder mit Savannen oder mit zähem Schlamm und mit Sümpfen bedeckt wird.

Diese vier verschiedenen Qualitäten der Erdkruste kommen selten rein, meistens in mannichfach abgestuften Uebergängen vor. Welche Ausdehnung die eine oder andere Gattung besitzt, läßt sich bei der Lückenhaftigkeit unserer gegenwärtigen topographischen Kenntnisse nicht annähernd genau weder behaupten, noch viel weniger mit Zahlen angeben, aber ein allgemeiner Ueberblick führt zu dem Schluß, daß der größere Theil deszwischen Umba und Rovuma liegenden Landes mit der rothen Lateriterde bedeckt ist.

VierHauptströmefließen von den Bergen dem Meere in westöstlicher Richtung zu: der Pangani, Wami, Kingani und Rufidschi. Trotz starken Gefälles und unausgesetzter Nährung durch zahlreiche Zuflüsse, hat keiner sein Bett so tief gegraben, daß er auf größere Strecken von der Küste aus für Lastschiffe oder Dampfbarkassen schiffbar wäre. Der Wasserüberschuß wird in periodischen Ueberschwemmungen vergeudet.

Die Verzweigung des Flußsystems in eine Menge von Thälern und Schluchten hat zwei Vortheile:

erstens tragen die Bäche und Ströme im Gebirge reichlich vorhandene Feuchtigkeitsmengen den sonst in der Sonnenhitze vertrocknenden ebenen Niederungen zu; zweitens schlemmen sie die Verwitterungsproducte der höheren Regionen nach den Tiefländern ab und häufen hier ein fruchtbares Alluvium an.

Das allgemeineVegetationsbildDeutsch-Ostafrikas ist demnach folgendes:

In und auf denBergengeschlossene Waldungen, an den Abhängen und in den Thalsohlen Bananenhaine und vereinzelte Wiesenflächen.

Auf den ebenenNiederplateausund in den breiterenThalbetten:

Moräste mit Complexen von Buschwald.

Offene Savannen, entweder cultivirbare oder steinige, ausgedörrte.

Savannen mit üppigem oder dornigem Dschungel oder mit leichtem Gehölz (Savannenwald) und mit Buschwald an den Rinnsalen der Gewässer (Galeriewälder).

Unmittelbar an derKüste:

Kokospalmenhaine und Baumwollstauden auf fruchtbarem Sandboden; Mangrove-Waldungen, überall mit sumpfigen Lagunen. Kopalwälder im südlichen Theil.

Ausgedehnte Culturflächen im europäischen Sinn existiren nirgends, nur Culturflecke inmitten der Wälder, an Gebirgsabhängen, im bewässerten Savannenland und in der Nähe des Meeres.

DieWälderbestehen hauptsächlich aus Wollbäumen, Sykomoren, Tamarinden, Banianen, Akazien, Dum- und Delebpalmen, Miombo- und Kopalbäumen. Die häufigsten Schlinggewächse, die sie durchziehen, sind die Gummiliane und die Sassaparilla. Baumartige Farrn, Bambusen und Kriechpflanzen bilden das Unterholz, das fast überall die Räume zwischen den Stämmen ausfüllt. Verfaulende Vegetation erfüllt die Waldluft mit schwülen Miasmen; düsteres Dämmerlicht herrscht auch beim hellsten Sonnenschein. Die Wälder stehen auf dem fruchtbarsten, weil wasserhaltigsten Boden.

Dieoffene Savanneist blumenloses Grasland mit vereinzelt stehenden Affenbrotbäumen (Baobab). Das Gras schießt mit 2–4 m hohen, harten, kantigen Halmen, in getrennten, oben sich ausbreitenden Büscheln auf; am Boden ist freier Zwischenraum für niedriges und kleines Gethier. Das Wandern in demselben ist für den erwachsenen Menschen ermüdend und nach Thaufall sehr unbehaglich, da er mit dem Haupte das über ihm zusammenschlagende Gräsermeer immer von neuem zertheilen muß; bei der Nähe von Büffeln, Löwen, Leoparden oder feindlich gesinnten Eingeborenen wird das Durchschreiten solcher Strecken ziemlich gefährlich, da man weder über die Halme hinweg, noch zwischen diese auf nur geringe Entfernung sehen kann. Wird die Savanne niedergebrannt oder verdorrt sie unter der Glut der Sonne, so verwandelt sie sich in fußtiefe, lästig staubige Asche. In der wasserarmen, steinigen, auf nacktem Lateritboden stehenden Savanne härten und schärfen sich die Halme; die Grasbüschel stehen weit auseinander. Erhält sie aber Befeuchtung, sei es von häufigen Regenschauern oder von durchfließendem Gewässer, so kann aus ihr ertragfähiges Ackerland geschaffen werden.

Die Monotonie der Savanne wird unterbrochen entweder durch lichtes Gehölz (Savannenwald) oder durch Buschwald (Dschungel).

DerSavannenwaldsetzt sich wesentlich aus Akazien, Eriken und Mimosen zusammen. Je trockener der Boden, desto zahlreicher tritt die stachelige Gummi-Akazie auf.

DasDschungelist der gefürchtete Gestrüppwall. Es bildet eine compacte Masse strauchartiger, eng in sich und von Grund aus verzweigter, mit zähem Schlinggewächs netzartig verbundener Bäume und dornenbewehrter Blattpflanzen. Haben nicht Elefanten oder Nashörner einen Pfad durchgebrochen, so muß der Durchgang mit Beilen und Messern erkämpft werden. Die Luft darin ist düster und schwül, der Boden oftmals versumpft; es ist die Heimstätte der Tsetsefliege. Bei der Zunahme nackten, trockenen Lateritbodens überwiegen stachelige Gewächse die immergrünen, dornenlosen. Zu jenen gehören die Gummi-Akazie, Euphorbien, Opuntien und Aloën.

Die inCultur genommenen Landstrichebedecken Pflanzungen von Fruchtbäumen und Felder.

Von Fruchtbäumen gedeihen, sei es in Hainen oder in Gruppen zwischen den Hütten der Dörfer:

Kokos- und Delebpalmen, Orangen-, Melonen- und Mangobäume, die Banane.

Auf den Feldern wird angebaut:

Kaffernkorn, Negerhirse, Maniok, Sesam, Bataten, Erdnüsse, Reis, Zuckerrohr, Taback.

Um von denBäumenundPflanzen, die später vielfach mit Namen angeführt werden, eine annähernd deutliche Vorstellung zu geben und um zugleich über den allgemeinen Culturwerth derselben zu orientiren, lasse ich hier eine möglichst kurze und bündige Beschreibung derselben in einem Verzeichniß folgen. Bei einzelnen Arten ist neben der lateinischen Benennung auch die landesübliche Bezeichnung beigefügt.

Affenbrotbaum(Adansonia digitata, „Baobab” [westafr.], „Mbuju” [ostafr.]). Höhe 12–22 m, Umfang bis zu 47 m. Stamm von weichem, schwammigem Holz. Wipfel, von 38–48 m im Durchmesser, von der Form einer Halbkugel. Gefingerte Blätter. Weiße Blüten an meterlangen Stielen. Gurkenähnliche, 30 cm lange Früchte mit weißem, trockenem Mark. Aus diesem wird ein kühlendes, säuerliches Getränk bereitet. Rinde als Mittel gegen Fieber, die Fasern zu Stricken. Wächst einzelstehend auf der Savanne in der Ebene und auf Höhen; am Fuße des Kilimandscharo bildet er einen Theil des Waldes.

Akazien(Acacia). Schirmförmige Krone. Dornig. Kleine gelbe Blüten.

Catechu-Akazie (Acacia catechu). Großer unregelmäßiger Baum. Braune, rissige Rinde. Kurz bedornte Aeste. Schmale, 30 cm lange Blätter. Aus dem gekochten Holz gewinnt man einen wässerigen Extract als Gerbstoff: das Katechu.

Gummi-Akazie (Acacia gummifera). Abstehende Aeste mit scharfen Dornen. Kurze gefiederte Blätter. Liefert schlechtes Gummi.

Banianen(Ficus indica;Banian-tree[englisch]). Sehr dicker Stamm. Große flache Krone. Von den horizontal verlaufenden Aesten senken sich Luftwurzeln in den Boden und bilden neue Stämme. Tiefgrüne, glänzende Blätter.

Kopalbäume(Hymenaea Courbaril; „Msandarusi”). Umfang 26 m. Hartes Holz, als Nutzholz verwendbar. Der angeschnittene Stamm liefert ein Harz, das zur Fälschung des halbfossilen Kopals benutzt wird. 1–1½ m unter dem Standort der Kopalbäume wird der halbfossile Kopal ausgegraben.

Mangrove(Rhizophora Mangle). 20–25 m hoch. Der hellgraueoder röthlich braune Stamm ruht entweder auf einem viertheiligen, freistehenden Wurzelgerüst, 3–5 m über dem Boden, oder er liegt bockartig horizontal auf einer Masse von Wurzeln und aus ihm sprießen senkrecht zahlreiche Stämme empor. Alle Zweige und Wurzeln greifen dicht ineinander hinein und bilden ein undurchdringliches Wirrsal. Die Blätter sind dunkelglänzend und lederartig. Die Mangrove wächst nur an der Küste, in dem vom Salzwasser durchtränkten Boden. Das sehr schwere und sehr dauerhafte Holz findet als hochgeschätztes Schiffsbauholz Verwendung.

Mimosen(Mimosa). Dorniger Baum oder Strauch. Abwechselnde, doppeltgefiederte Blätter mit Nebenblättern.

Miombo. Die afrikanische Esche. Höhe 15 m; Umfang des Stammes 2½ m. Dunkelgrünes Laub. Grünliche Blüte, wie Jasmin riechend. Frucht eine große Schote mit zwölf harten, braunschwarzen, inwendig rothen Kernen. Die Rinde vielfach verwendet zum Bau von Hütten und Canoes. Das Holz ein vorzügliches, andauerndes Feuermaterial.

Sykomore, Maulbeerfeigenbaum (Ficus Sycomorus; „Mkuju”). Sehr dicker, säulenartiger Stamm, 12–15 m hoch. Breit sich ausdehnende Aeste mit dichtem Laub überschatten einen Raum von 150 m im Durchmesser. Blätter lorbeerähnlich von festem und starrem Gewebe. Nutzholz.

Tamarinde.Die afrikanische Eiche. (Tamarindus indica; „Subar”). Höhe 9–12 m. Weit ausgebreitete, schattenreiche Krone. Paarig gefiederte Blätter. Früchte: fingerdicke, bis zu 20 cm lange Schoten mit süßsäuerlichem Mark. Aus diesen wird ein berauschendes Getränk bereitet, das gut gegen Gallenfieber ist, oder sie werden (namentlich von den Arabern) verkocht, getrocknet, mit Oel und Salz versetzt, in Kugeln geformt und als Würze zu den Speisen benutzt; jahrelang haltbar. Das Holz des Stammes ist Nutzholz.

Teakbaum.Die indische Eiche (Tectona). 40 m hoch. SchlankerStamm. Eiförmige Blätter. Das Holz von angenehmem Geruch, braunschwarz, gut spaltbar, dreimal so dauerhaft als Eichenholz. Besonders zum Schiffsbau verwendet.

Wollbaum(Bombax Ceiba; „Mparamusi”). Der Riese des Waldes; 40–50 m hoch. Gelblich-grüner, buchenähnlicher Stamm, 4½ m im Durchmesser, mit tafelähnlichen Strebepfeilern umwachsen, 30–40 m astlos. Die Krone breitet sich oben mächtig aus. Immergrüne Blätter. Die im Samen enthaltene seidenartige kurze Wolle wird zum Füllen von Kissen benutzt. Das leichte, sehr weiche Holz dient zu Schnitzereien und auch zu Canoes.

Arecapalme, Betelnußpalme (Areca catechu). Schlanker Stamm, 12–19 m hoch, bis 60 cm im Umfang. Gefiederte, 4 m lange Blätter. Die ovalen Früchte, von der Größe und Form eines Hühnereies, wachsen büschelartig, enthalten der Muscatnuß ähnliche Kerne; werden getrocknet, zerschnitten, mit Gewürz bestreut und kommen so in den Handel. Man kaut die Stücke zur Reinigung des Mundes und als Reizmittel. Eine Palme liefert 200–800 Nüsse jährlich.

Bambusa(„Viansi”). Der Stamm besteht aus einem mächtigen Bündel schaftartiger, hohler, 15–18 m langer Zweige, die dicht aus dem Boden herauswachsen. Die Bambusa gedeiht an feuchten Stellen in Wäldern und außerhalb derselben. Die Schäfte werden zu Bauzwecken und zu leichtem Zimmergeräth verwendet.

Delebpalme(Borassus aethiopum; „Mvumu”). 18–22 m hoch. Stamm 60 cm im Durchmesser; oberhalb der Mitte angeschwollen; rauh mit abgewelkten Zweigen; fächerartige Krone. Jeder Baum hat 10–15 Fruchtbüschel mit 8–10, 3–5 kg schweren Früchten. Gelblich-rothe, kinderkopfgroße Früchte, wie Ingwer schmeckend. Dassaftige, ananasartige Fleisch umschließt länglich runde, eßbare Kerne. Die Früchte werden auf Kohlen geröstet. Aus den Blütenkolben wird Wein gewonnen. Die Blätter dienen zu Umzäunungen und Dachdeckungen; das Holz zu Bau- und Schreinerholz. Die Delebpalme bildet Wälder.

Dumpalme(Hyphaene thebaica; „Mohama”). 9 m hoch. Der Stamm gabelt sich oben in einige Aeste mit fächerartiger Krone. Die Früchte mit dicker, mehliger Rinde sind von angenehmem Geschmack.

Kokospalme(Cocos nucifera; „Mnasi”). 30 m hoch. Sehr schlanker, elastischer Stamm von 30–60 cm Durchmesser. 10–12 gefiederte Blätter von 4–6 m Länge bilden die nach allen Seiten ausgebreitete Krone. Die Früchte sind die Kokosnüsse (bis zu 120 an einem Exemplar) von melonenartiger, dreikantiger Form. Die unreife Kokosnuß enthält einen milchig flüssigen Saft, die Kokosmilch. Mit zunehmender Reife wird das Innere eine fleischige Masse, die getrocknet als Kopra zur Bereitung von Kunstbutter in den Handel kommt. Die Kerne der vollausgereiften Kokosnuß schmecken wie Haselnüsse und sind sehr nahrhaft; aus ihnen wird das Kokosöl gepreßt. Aus der faserigen Hülle der Kokosnuß werden Schnüre und Seile gedreht.

Palmyrapalme, Weinpalme (Borassus flabelliformis). 19–22 m hoch. Der Stamm läuft kegelförmig zu. Große Fächerblätter aus der breiten Krone. Die Frucht ähnlich wie die Kokosnuß, mit schwammigem, saftigem Fleisch, werden roh oder geröstet gegessen, bilden ein wichtiges Nahrungsmittel. Die Blütenkolben liefern Wein. Das schöne schwarze und steinharte Holz zu Tischlerarbeiten verwendbar.

Phönixpalme, die wilde Dattelpalme (Phönix sylvestris; „Mkindu”). 12 m hoch. Graziöse, gebogene Stämmemit luftiger, gefiederter Krone, bestehend aus blaugrünen 3 m langen Blättern. Die Früchte ungenießbar. Aus dem zuckerreichen Saft des Stammes wird wohlschmeckender Wein bereitet.

Raphiapalme(Raphia vinifera). Es ist eine Fiederpalme mit niedrigem, dickem Stamm, der am Ende eine Rosette von mächtigen Wedeln trägt. Die gänseeigroßen Früchte sind hochroth und goldbraun, mit Ananasgeschmack, aber hart und fest geschlossen. Sie liefert Palmwein.

Banane.

1.Paradiesfeige(Musa paradisiaca;Plantains[engl.]; „Ndisi”). 4–10 m hoch. Wächst in Gruppen von 10–12 Stämmen. Ein staudenartiger Baum. Den Stamm krönen 3–4 m lange und 60 cm breite Blätter. Eine Fruchttraube, bis zu 75 kg schwer, besteht aus 20–120 gurkenähnlichen 20–30 cm langen Früchten, die unreif von dunkelgrasgrüner, auch von goldgelber Farbe sind. Sie enthalten vierzigmal mehr Nahrungsstoff als die Kartoffel. Reif können sie roh als feines Birnenobst (aber wahrscheinlich fieberanregend) genossen werden; gesünder ist es, sie reif oder unreif entweder zu kochen oder zu braten. Man röstet sie in glühender Asche; man bratet sie in Butter oder kocht sie wie Kartoffel zu Mus; man dämpft sie mit Mehl und Eiern dick ein und erhält dann ein haltbares, exportfähiges Nahrungsmittel.

2.Pisang(Musa sapientium). Gestreifter oder gefleckter Schaft, mit kürzeren, aber süßeren Früchten.

3.Die wilde Banane(Musa Ensete); mit goldgelben und rothen, aber ungenießbaren Früchten.

Kalebassenbaum, Kürbisbaum (Crescentia; „Bugu”). 6–9 m hoch. Lanzettartige Blätter. Die flaschenförmige Frucht von 30 cm Durchmesser wächst in Büscheln, hateine grüne, holzige Rinde und schwammiges, süßsäuerliches Fleisch. Die Fruchtschale verwenden die Eingeborenen zu Trinkgeschirren.

Mangobaum(Mangifera indica). 12 m hoch. Der Stamm 4½ m im Umfang. Längliche, lederartige, immergrüne Blätter. Die orangegelben, gänseeigroßen Früchte (Pflaumen) sind vortreffliches Obst; die darin enthaltenen haselnußgroßen Samenkerne schmecken wie bittere Mandeln. Die Rinde des Baumes dient zum Gerben.

Melonenbaum(Carica Papaya). Der Stamm sendet wenige Zweige in der Höhe aus; astlos bis zu 6 m. Handförmige Blätter. Die Früchte besitzen ein wohlschmeckendes, zuckerreiches Fleisch mit milchigem Saft. Sie werden entweder roh mit Zucker oder Salz gegessen, oder unreif zu Gemüse verkocht.

Agaven(Agave). Stammlos, bis zu 12½ m hoher Blütenschaft; fleischige, dornige Blätter, rosettenförmig gestellt. Glockenförmige, duftende Blüten.

Aloën(Aloë spicata). Bis zu 9 m hoch. Entweder stammlose oder palmenähnliche verholzte Gewächse. Dicke, fleischige Blätter, am Rande mit scharfen Dornen besetzt. Traubenförmige, schön gefärbte Blüten.

Baumwollstaude(Gossypium punctatumundarboreum; „Msufi” oder „Mesofi”). 2–3 m hoch. Besteht aus 4–5 grünrindigen Stämmen, mit je 1 m im Umfang, die aus einer Wurzel entspringen. Die spitzig zulaufenden dornigen Zweige stehen steif vom Stamme ab. Dürftige Blätter. Die Frucht ist eine 3–5fächerige Kapsel, welche bei der Reife in 3–5 Klappen aufspringt, wobei die langen weißen Haare — die Baumwolle — elastisch hervorquellen. Sie bedarf kalkreichen Bodens.

Erica.Kommt als niedriges Gebüsch vor, erreicht als Gesträuch eine Höhe bis zu 6 m. Die Blätter sind schmal und geschuppt.

Euphorbie, Wolfsmilchbaum (Eupborbia). Kandelaber-Euphorbie (E. canariensis). 5 m hoch. Säulenförmige, fleischige, blattlose, mit Dornen besetzte Stämme. Der Saft dient als Brech- und Purgirmittel.

Farrn(Filices,Alsophila armata); als Farrnkraut und Farrnbaum bis zu 6 und 9 m Höhe. Säulenförmige astlose Stämme mit Rosetten von Wedeln als Wipfel.

Hanf(Cannabis indica; „Bang” [arabisch]). 3 m hoch. Die Blätter werden wie Taback zubereitet und geraucht.

Opuntien.Sträucher von blattlosen, dicken, fleischigen Stämmen von runder oder eckiger Gestalt, mit Astbildung und geringer Holzentwickelung. Der Blätteransatz ist nur angedeutet durch warzenförmige, mit kleinen Dornen bespickte Höcker.

Ricinusölpflanze(Ricinus communis; „Mbono”). Erreicht die Höhe von 12 m. Große handförmige Blätter. Das im Innern enthaltene Oel wird von den Eingeborenen als Salbe benutzt.

Stechapfel(Datura stramonium; „Muranha”). Narkotischer Strauch mit großen weißlichen Blüten und einer stacheligen, eiförmigen Kapsel (Stechapfel), welche scharfbitter schmeckenden, giftigen, atropinhaltigen Samen umschließt. Blätter, Blüten und Wurzelfasern werden in getrocknetem Zustand geraucht als Mittel gegen Asthma und Husten. Gedeiht nur auf nassen Wiesen.

„Kamboa”-Liane. Enthält süßes, wohlschmeckendes und reichliches Wasser. Kommt in Udoë vor.

Kautschuk-Liane(Landolphia florida). Immergrünes Laub. Weiße Blüten mit betäubendem Duft. OrangenähnlicheFrüchte. Die Liane wird in manchen Gegenden schenkeldick; angeschnitten fließt ein milchiger Saft heraus: er trocknet in freier Luft sofort und kommt als Kautschuk in den Handel.

Sassaparilla, Stechwinde (Smilax). Immergrüne kletternde Halbsträucher mit stark verzweigten, kantigen, stacheligen Stengeln und Luftwurzeln. Die Blätter dornig, zackig, lederartige Trauben, ständige wohlriechende Blüten. Rothe kugelförmige Früchte. Die Wurzeln Arzneimittel gegen syphilitische Krankheiten.

Bataten, süße Kartoffeln (Convolvulus Batatas). Sträucher von 1½-2 m Höhe. Langgestielte Blätter. Die walzenförmigen Wurzelknollen enthalten den Nährstoff; sie sind 1–6 kg schwer, mehlig; außen purpurroth, innen weiß. Vortreffliches, leicht verdauliches Nahrungsmittel. Man genießt sie entweder gekocht oder in Butter geröstet oder gebacken als Brot.

Durra, Negerhirse, Kaffernkorn (Holcus sorghicus; „Mtama”). 2–3 m hoch. Hauptnahrungsmittel. Aus dem schmackhaften Mehl wird hauptsächlich eine breiartige Suppe hergestellt. Außerdem dient Durra zur Herstellung eines bierähnlichen berauschenden Getränkes (Pombe).

Erdnüsse(Arachis hypogaea). Bis zu 60 cm hohes Kraut. Fiederblätter, mit gelben Schmetterlingsblüten. Samenkerne befinden sich in einer eiförmigen Hülse unter der Erde; über Feuer geröstet dienen sie als Nahrungsmittel, mit mandelartigem Geschmack. Zerstoßen und aufgekocht gewinnt man das auf dem Wasser schwimmende farblose Oel. Die Kerne enthalten an 50% Oel.

Sesam(Sesamum orientale). Ein krautartiges Gewächs. Ovale, drüsig behaarte Blätter. Weiße und rosarothe glockenförmige Blüten. Der Samen enthält an 70%eines goldgelben, angenehm schmeckenden Oels, das nicht leicht ranzig wird. Man verwendet es vielfach zur Zubereitung der Speisen.

Maniok, Kassave (Manihot utilissima). Knollenstaude von außerordentlich raschem Wachsthum. Vorzügliche Nährpflanze. Die Wurzelknollen sind der genießbare Theil; sie werden geschält, in Stücke geschnitten und in Wasser ausgelaugt; dann in der Sonne getrocknet bekommen sie eine schneeweiße Farbe. Man kocht oder röstet sie; oder man zerstößt sie in Mörsern zu Mehl und bereitet aus diesem Brei oder Brot.

Yams(Dioscorea). Kräuter oder Sträucher mit sich windenden Stengeln. Trauben- und ährenförmige, unansehnliche Blüten. Die dicken, fleischigen Wurzelknollen sind genießbar.

Der Reichthum an jagdbaren wildenThierenist in den nördlichen Gebieten, wie besonders in der Nähe des Kilimandscharo sehr bedeutend, dagegen südlich vom Kingani äußerst dürftig.

Der Elefant ist nahezu ganz verschwunden, er hat sich nach den Hochebenen im Osten und Nordosten zurückgezogen; auch das Nashorn trifft man in größerer Zahl nur am obern Pangani an. Der Löwe scheint seine Heimatstätte am Jipe-See und nördlich von Usagara zu haben; doch nicht selten dehnt er seine Streifzüge nach den Küsten von Bondei und Useguha aus. Leoparden und Hyänen finden sich überall. Ungemein zahlreich sind in den nördlichen und mittlern Savannengegenden die Heerden von Büffeln, Antilopen und Zebras; auch die Giraffe zeigt sich gelegentlich in Rudeln in den den Masai benachbarten Gegenden.

Die Wälder sind stumm; man hört keinen Vogelgesang, kein Vogelgezwitscher, selbst das Volk der Affen belebt sie nicht überall. Dagegen wimmeln Sümpfe und Flüsse vonFlußpferden und Krokodilen und die Ufergelände von Wasservögeln.

Von kleinerm Gethier, das den Reisenden und Colonisten in peinlichster Weise belästigt, seien die Ameise und die Tsetsefliege erwähnt. Millionen von Ameisen verschiedener Gattung zerstören auf ihren Wanderzügen nicht nur die Erntevorräthe, sondern sie vertreiben auch den gegen sie wehrlosen Menschen aus seiner Behausung. Wo die Tsetsefliege heimisch ist, da kann keine Rindviehzucht aufkommen; ihr Stich verwundet tödlich. Sie macht auch die Verwendung von Zugvieh zur Unmöglichkeit.

An Hausthieren werden überall gehalten: Hühner, Ziegen und Schafe. Von der Gewinnung von Schafwolle hört man nirgends. In einzelnen Gegenden, wie in Usambara, im Kilimandscharo-Gebiet, im nördlichen Usagara, wird Rindviehzucht in größerm Maßstab betrieben. Futtergras ist im Verhältniß zu den ausgedehnten Flächen wenig vorhanden, und oftmals tritt da, wo es reichlich existirt, die verderbenbringende Tsetsefliege auf.

DieColonisationsfähigkeitDeutsch-Ostafrikas kann nicht in Frage gestellt werden: Bodenverhältnisse, Klima, die Culturen der Eingeborenen, die Pflanzungen der Araber, die bereits angestellten deutschen Plantagenversuche enthalten die Bedingungen und die Möglichkeit gesteigerter Fruchtbarkeit. Aber zwei Factoren von schwerem Gewicht beeinträchtigen eine zu günstige Beurtheilung und zu vertrauensvolle Zuversicht: die Beschränkung colonialwirthschaftlicher Unternehmungen in Bezug auf den Raum und die Unsicherheit in Bezug auf rentable Erzeugung werthvoller tropischer Producte.

Sehen wir ab von dem gewiß nicht unbedeutenden Nutzen, den der deutsche Handel aus dem Export und Import später unter geordneten Verhältnissen gewinnen wird, und betrachten wir das ganze Gebiet als Arbeitsfeld des Ackerbauers, somüssen wir uns nach Ländereien umsehen, die mit Rücksicht aufreiche Ertragsfähigkeitzur Anlegung von Plantagen sich eignen. Solche Ländereien sind in der beigegebenen Karte mit grüner Farbe bezeichnet. Im Vergleich zur Ausdehnung der ganzen Colonie über 5 Breite- und 2 Längegrade nehmen sie sich sehr vereinzelt und dürftig aus. Es wurde eben nur solches Land als besonders zur Cultur geeignet bezeichnet, dessen Fruchtbarkeit sich durch wirklich bestehenden Anbau bereits vollgültig erprobt hat. Um gerecht und günstiger zu urtheilen, muß man hierbei berücksichtigen, daß erstens aus Savannen- und Waldstrecken in künftigen Zeiten neues und reichliches Culturland gewonnen werden kann, und daß zweitens große Flächen noch unerforscht und unversucht vor uns liegen.

Die eingetragenen, also wirklich vorhandenen Culturflecke reduciren sich übrigens auf eine noch geringere Anzahl, wenn man ihresofortigeVerwerthung, also auch ihre Lage und ihre bequeme Verbindung mit dem Seeverkehr in Betracht zieht. Bei der Unschiffbarkeit der Flüsse, bei dem Mangel von Straßen und billigen Transportmitteln wird man nur in der Nähe der Küste mit der Anlage von Plantagen beginnen können.

Um Rentabilität dem Plantagenbau zu sichern, darf die Production nicht nur von den Transportkosten nicht aufgezehrt werden, sondern sie muß auch das in Tropengegenden nothwendig große Anlagekapital lohnenswerth verzinsen, und das vermag sie nur bei werthvoller Qualität. Gewiß kann man schon mit Zuckerrohr-, Kokospalmen- und Reispflanzungen bei geringem Aufwand erhebliche Gewinne erzielen; ausschlaggebend aber ist die Beantwortung der Frage: vermag der Boden Deutsch-Ostafrikas Kaffee, Cacao, Baumwolle und Taback von solcher Güte und in solchen Massen hervorzubringen, um concurrenzfähig auf dem Weltmarkt zu erscheinen?

Eine stichhaltige Antwort darauf in bejahender Form möge die Zukunft geben; die bisherigen Versuche haben noch nicht genügt.


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