Ratskollegium

Ratskollegium

von

Joseph Freiherrn von Eichendorff.

Hochweiser Rat, geehrte Kollegen!Bevor wir uns heute aufs Raten legen,bitt’ ich, erst reiflich zu erwägen,ob wir vielleicht, um Zeit zu gewinnen,heut’ sogleich mit dem Raten beginnen,oder ob wir erst proponieren müssen,was uns versammelt und was wir alle wissen?Ich muß pflichtgemäß voranschicken hierbei,daß die Art der Geschäfte zweierlei sei:die einen sind die eiligen,die andern die langweiligen.Auf jene pfleg’ ichcitozu schreiben,die andern können liegen bleiben.Die liegenden aber, geehrte Brüder,zerfallen in wicht’ge und höchstwicht’ge wieder.Bei jenen — nun, man wird verwegen,man schreibt nach amtlichem Überlegenmore solitohier und dort:ad acta.Diener rennen, man flucht, verpackt da,der Staat floriert und bleibt im Takt da.Doch werden die Zeiten so ungeschliffen,wild umzuspringen mit den Begriffen,kommt gar, wie heute, ein Fall, der eiligund doch höchstwichtig zugleich, dann freilichmuß man von neuem unterscheiden:ob er mehr eilig oder mehr wichtig.Ich bitte, meine Herrn, verstehn Sie mich richtig!Der Punkt ist von Einfluß. Denn wir vermeidendiespecies facti, wie billig, sofort,find’t sich der Fall mehr eilig als liegend.Ist aber das Wichtige überwiegend,wäre die Eile am unrechten Ort.Meine Herren, Sie haben nun die Prämissen,Sie werden den Beschluß zu finden wissen.

Hochweiser Rat, geehrte Kollegen!Bevor wir uns heute aufs Raten legen,bitt’ ich, erst reiflich zu erwägen,ob wir vielleicht, um Zeit zu gewinnen,heut’ sogleich mit dem Raten beginnen,oder ob wir erst proponieren müssen,was uns versammelt und was wir alle wissen?Ich muß pflichtgemäß voranschicken hierbei,daß die Art der Geschäfte zweierlei sei:die einen sind die eiligen,die andern die langweiligen.Auf jene pfleg’ ichcitozu schreiben,die andern können liegen bleiben.Die liegenden aber, geehrte Brüder,zerfallen in wicht’ge und höchstwicht’ge wieder.Bei jenen — nun, man wird verwegen,man schreibt nach amtlichem Überlegenmore solitohier und dort:ad acta.Diener rennen, man flucht, verpackt da,der Staat floriert und bleibt im Takt da.Doch werden die Zeiten so ungeschliffen,wild umzuspringen mit den Begriffen,kommt gar, wie heute, ein Fall, der eiligund doch höchstwichtig zugleich, dann freilichmuß man von neuem unterscheiden:ob er mehr eilig oder mehr wichtig.Ich bitte, meine Herrn, verstehn Sie mich richtig!Der Punkt ist von Einfluß. Denn wir vermeidendiespecies facti, wie billig, sofort,find’t sich der Fall mehr eilig als liegend.Ist aber das Wichtige überwiegend,wäre die Eile am unrechten Ort.Meine Herren, Sie haben nun die Prämissen,Sie werden den Beschluß zu finden wissen.

Hochweiser Rat, geehrte Kollegen!Bevor wir uns heute aufs Raten legen,bitt’ ich, erst reiflich zu erwägen,ob wir vielleicht, um Zeit zu gewinnen,heut’ sogleich mit dem Raten beginnen,oder ob wir erst proponieren müssen,was uns versammelt und was wir alle wissen?Ich muß pflichtgemäß voranschicken hierbei,daß die Art der Geschäfte zweierlei sei:die einen sind die eiligen,die andern die langweiligen.Auf jene pfleg’ ichcitozu schreiben,die andern können liegen bleiben.Die liegenden aber, geehrte Brüder,zerfallen in wicht’ge und höchstwicht’ge wieder.Bei jenen — nun, man wird verwegen,man schreibt nach amtlichem Überlegenmore solitohier und dort:ad acta.Diener rennen, man flucht, verpackt da,der Staat floriert und bleibt im Takt da.Doch werden die Zeiten so ungeschliffen,wild umzuspringen mit den Begriffen,kommt gar, wie heute, ein Fall, der eiligund doch höchstwichtig zugleich, dann freilichmuß man von neuem unterscheiden:ob er mehr eilig oder mehr wichtig.Ich bitte, meine Herrn, verstehn Sie mich richtig!Der Punkt ist von Einfluß. Denn wir vermeidendiespecies facti, wie billig, sofort,find’t sich der Fall mehr eilig als liegend.Ist aber das Wichtige überwiegend,wäre die Eile am unrechten Ort.Meine Herren, Sie haben nun die Prämissen,Sie werden den Beschluß zu finden wissen.

Hochweiser Rat, geehrte Kollegen!

Bevor wir uns heute aufs Raten legen,

bitt’ ich, erst reiflich zu erwägen,

ob wir vielleicht, um Zeit zu gewinnen,

heut’ sogleich mit dem Raten beginnen,

oder ob wir erst proponieren müssen,

was uns versammelt und was wir alle wissen?

Ich muß pflichtgemäß voranschicken hierbei,

daß die Art der Geschäfte zweierlei sei:

die einen sind die eiligen,

die andern die langweiligen.

Auf jene pfleg’ ichcitozu schreiben,

die andern können liegen bleiben.

Die liegenden aber, geehrte Brüder,

zerfallen in wicht’ge und höchstwicht’ge wieder.

Bei jenen — nun, man wird verwegen,

man schreibt nach amtlichem Überlegen

more solitohier und dort:ad acta.

Diener rennen, man flucht, verpackt da,

der Staat floriert und bleibt im Takt da.

Doch werden die Zeiten so ungeschliffen,

wild umzuspringen mit den Begriffen,

kommt gar, wie heute, ein Fall, der eilig

und doch höchstwichtig zugleich, dann freilich

muß man von neuem unterscheiden:

ob er mehr eilig oder mehr wichtig.

Ich bitte, meine Herrn, verstehn Sie mich richtig!

Der Punkt ist von Einfluß. Denn wir vermeiden

diespecies facti, wie billig, sofort,

find’t sich der Fall mehr eilig als liegend.

Ist aber das Wichtige überwiegend,

wäre die Eile am unrechten Ort.

Meine Herren, Sie haben nun die Prämissen,

Sie werden den Beschluß zu finden wissen.


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