Lacrimae Christi

von

Rudolf Baumbach.

Es war in alten Zeitenein schwäbischer Fiedelmann,der kräftig strich die Saitenund lustige Mären spann.Mit Friederich, dem andern,ins Welschland zog er ein,und kostete im Wandernvon einem jeden Wein.Und als auf seinem Zugeer nach Neapel kam,quoll ihm aus ird’nem Krugeein Tropfen wundersam.Er trank mit durst’gem Mundeund rief den Wirt herbei:„Viellieber, gebt mir Kunde,was für ein Wein das sei.„Er rinnt mir altem Knabenwie Feuer durchs Gebein;von allen Gottesgabenmuß das die beste sein.“Der dicke Kellermeistergab ihm die Auskunft gern:„Lacrimae Christi heißt er,denn Tränen sind’s des Herrn.“Da überkam ein Trauernden fremden Fiedelmann;er dachte an den Bauern,der in der Heimat rann.Und betend sank er nieder,den Blick empor gewandt:„Herr, weinst du einmal wieder,so wein’ im Schwabenland!“

Es war in alten Zeitenein schwäbischer Fiedelmann,der kräftig strich die Saitenund lustige Mären spann.Mit Friederich, dem andern,ins Welschland zog er ein,und kostete im Wandernvon einem jeden Wein.Und als auf seinem Zugeer nach Neapel kam,quoll ihm aus ird’nem Krugeein Tropfen wundersam.Er trank mit durst’gem Mundeund rief den Wirt herbei:„Viellieber, gebt mir Kunde,was für ein Wein das sei.„Er rinnt mir altem Knabenwie Feuer durchs Gebein;von allen Gottesgabenmuß das die beste sein.“Der dicke Kellermeistergab ihm die Auskunft gern:„Lacrimae Christi heißt er,denn Tränen sind’s des Herrn.“Da überkam ein Trauernden fremden Fiedelmann;er dachte an den Bauern,der in der Heimat rann.Und betend sank er nieder,den Blick empor gewandt:„Herr, weinst du einmal wieder,so wein’ im Schwabenland!“

Es war in alten Zeitenein schwäbischer Fiedelmann,der kräftig strich die Saitenund lustige Mären spann.

Es war in alten Zeiten

ein schwäbischer Fiedelmann,

der kräftig strich die Saiten

und lustige Mären spann.

Mit Friederich, dem andern,ins Welschland zog er ein,und kostete im Wandernvon einem jeden Wein.

Mit Friederich, dem andern,

ins Welschland zog er ein,

und kostete im Wandern

von einem jeden Wein.

Und als auf seinem Zugeer nach Neapel kam,quoll ihm aus ird’nem Krugeein Tropfen wundersam.

Und als auf seinem Zuge

er nach Neapel kam,

quoll ihm aus ird’nem Kruge

ein Tropfen wundersam.

Er trank mit durst’gem Mundeund rief den Wirt herbei:„Viellieber, gebt mir Kunde,was für ein Wein das sei.

Er trank mit durst’gem Munde

und rief den Wirt herbei:

„Viellieber, gebt mir Kunde,

was für ein Wein das sei.

„Er rinnt mir altem Knabenwie Feuer durchs Gebein;von allen Gottesgabenmuß das die beste sein.“

„Er rinnt mir altem Knaben

wie Feuer durchs Gebein;

von allen Gottesgaben

muß das die beste sein.“

Der dicke Kellermeistergab ihm die Auskunft gern:„Lacrimae Christi heißt er,denn Tränen sind’s des Herrn.“

Der dicke Kellermeister

gab ihm die Auskunft gern:

„Lacrimae Christi heißt er,

denn Tränen sind’s des Herrn.“

Da überkam ein Trauernden fremden Fiedelmann;er dachte an den Bauern,der in der Heimat rann.

Da überkam ein Trauern

den fremden Fiedelmann;

er dachte an den Bauern,

der in der Heimat rann.

Und betend sank er nieder,den Blick empor gewandt:„Herr, weinst du einmal wieder,so wein’ im Schwabenland!“

Und betend sank er nieder,

den Blick empor gewandt:

„Herr, weinst du einmal wieder,

so wein’ im Schwabenland!“


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