Gorch Fock:Schalotte.
Gorch Fock(Johann Kinau) — ist am 22. August 1880 auf dem hamburgischen Eiland Finkenwärder geboren, 1916 verschlang ihn die See auf S. M. S. Wiesbaden in der Skagerrak-Schlacht. Welchen Norddeutschen, welchen Hamburger ergreift nicht Stolz und Trauer zugleich, wenn er den Namen des Frühvollendeten hört! Ein zweiter Körner, zu hohen Hoffnungen berechtigend, mitten aus dem Leben und Schaffen gerissen auf dem Felde der Ehre, vom Meere verschlungen, dem er so manches gute Wort und Werk gewidmet hatte. Gorch Fock war ein Seemannskind, dem Meere blieb seine ganze Sehnsucht gewidmet, wenn ihn sein Kaufmannsberuf auch tief bis nach Mitteldeutschland verschlug und zeitlebens an den Kontorbock fesselte, bis ihn der Weltkrieg ins Heer rief. Tief verankert ist sein Dasein wie seine Dichtung in der deutschen Familie, wo Gott und Vaterland, Natur und Heimat keine leeren Begriffe sind.
So wurde er derDichter der Heimat. Aber nicht in behaglichem Schaffen und im Fluge rascher Erfolge. Selten hat sich ein Dichter die Zeit für seine Werke so mühsam abringen müssen vom Frohndienst des Tages. Die Not hat ihm dieFeder geführt, die Sorge um Eltern und Kinder, der drohende Untergang seiner geliebten Heimatinsel, deren idyllische Einsamkeit der Erweiterung des Hamburger Hafens zum Opfer fiel. Und endlich in seinen letzten Jahren ist es das gewaltige furchtbare Schicksal seines geliebten Vaterlandes gewesen, das er wie kaum einer mit allen Fasern durchlebte. Als Mensch eher einsam als gesellig, gießt er in seine niederdeutsche Dichtung den ganzen goldenen Humor seiner urgesunden norddeutschen Natur hinein. Mit Recht hat Aline Bußmann, seine feinsinnige Biographin, ihn einen lachenden Philosophen, einen wahren Lebenskünstler genannt, aber auch einen weltabgewandten durchglühten Schwärmer. Das ist die echte Mischung, aus der deutsche Humoristen entstehen. Auf Lebensbejahung ruht sein einziger, großer Roman: „Seefahrt ist not“. Von Freude durchtränkt sind auch eine ganze Reihe von jenen prächtigen kleinenGeschichten aus dem Seemannsleben. Vielleicht lag es in der Rastlosigkeit seines Daseins begründet, daß ihm knappe, prächtig angeschaute Stimmungsbilder in Menge gelungen sind, während er größere Novellen selten schuf. Auch die vorliegende kleine Erzählung vom lebensfrohen Steuermann und seiner koketten alten Braut bietet rein stofflich kaum etwas Neues. Aber was hat Gorch Focks Meisterhand daraus zu machen gewußt!
M. G.
Charlotte
Schalotte[54].
T
Tees Sanner kem mit sien Dreemastschuner „Charlotte“ mit een Lodung Holt von Sweden, un as he dorch den Nordostseeknol dorch weur, nehm he sik een Damper an un leet sik de Elw[55]rop bet no Brunshusen un de Swing rop bet no Stood slepen, wo he sien Balken un Breeder to löschen harr. Ashe sik oppen Kontor von den Holthändler mellen dä, geef de em een Breef ut Hamborg. Tees sien Froo schreef em, dat dat nu sowiet weur mit jemehr Deern[56], wenn he afkomen kunn, denn sull he man herreisen, denn wullen se Hochtied fiern. Dübel ok: Hochtied fiern, dat weur wat for Tees Sanner un bi de Hochtied von sien lütte Schalotte wull he öberhaupt un op jeden Fall mit bi sien: he öbergeef dorum Schipp un Kru[57]un Holt un dat Löschen an sien Stürmann Odje[58]Klütenmeyer un reis no Hamborg rop, as he sä, op dree Dog[59]. De Stürmann sä ober, he sull sik bi de Botterkoken[60]un bi den Grog man ornlich plegen un sull den Brand[61], wenn he een kriegen dä, wat jo doch licht moleurn[62]kunn, man geruhig utslopen un man gern acht Dog wegblieben: he wull mit dat Holt un mit de Lüd woll alleen klor warrn.
Un den annern Morgen Klock soß[63]kreg Odje Klütenmeyer, de Stürmann, sien Lüd vortüg[64], un de Lüd von Land keemen jem tor Hölp[65], un se löschen jemehr Lodung. Alltogau[66]gung dat jo nich: Odje sä, Schippsarbeit weur keen Hosenjagd un sweeten[67]kunn een genog unner de Lien[68], hier in uns Breetengroden[69]dä dat nich neutig[70], — ober dat gung doch. Son grot Schipp as den Dreemastschuner schienen de Stoodersnoch gornich sehn to hebben: wenigstens keemen nomiddags een ganz Deel Schoolkinner mit jemehrn Lehrer un Borgerslüd an un bekeken sik den lütten Schuner, as wennt de Potosi[71]weur. Unner de Bäum bitten achterto stunn[72]een Bank un dor sett sik halber Nomiddag een ol Fräulein oder Witfroo op dol[73]un bleef dor bet obends op sitten un kek ümmer stief no dat Schipp hen. Un wenn Odje Klütenmeyer mol opkek, denn mok se ümmer een seuten[74]Mund un nick em to. Odje kreg dat bald rut: Junge, sull dat Kieken un Nicken em gellen? He kek nochmol stief röber: woraftig, de Olsch[75]lach wedder un nick. Wat geiht di dat Wiefstück[76]an, dach he, ober he streek[77]doch all mol ober sien strubbeligen Bort un feuhl[78]mol no, of sien Slips ok noch sitten dä. Un he kunn dat Röberkieken ok nich loten. De Olsch harr woll ehr fiefunveertig[79]Johr oppen Puckel, kunnen ok söbenunveertig[80]sien, ober se harr noch goden Schick[81]un weur ok ganz god optokelt[82]un denn harr se jo een Og[83]op em smeeten[84], dat mok den besten Indruck op Odje, de all[85]seit dree Wochen keen anner Froo mehr sehn harr, as de dicke Olsch von een hollandsche Jalk[86], de ehr tweehunnert Pund weug[87]un em nich reizen kunn.
„Du, Hannes, wat is dat dor forn Froo op de Bank?“ freug[88]he toletzt, as he dat nich mehr uthollen kunn, een von de Arbeitslüd, dä ober ganz gliekgüllig[89], as wenn he blot mol een Word bi de Arbeit snacken[90]wull.
Hannes wisch sik den Sweet vorn Kopp weg un kek op. Denn lach he: „Dat is Schalotte.“
„Schalotte?“
„Jo, de heet jüst so as jon[91]Schipp. Dat is een Witfroo, hett een scheun[92]Hus buten[93]de Stadt mit Land un scheunen Gorn[94]un Geld hett se ok un verheiroten will se sik ok gern wedder, jo.“
Odje de Stürmann schul[95]gau nochmol innen Winkel von 45 Grod no de Bank röber. Mein Gott, de Froo harr doch allens, wat to een Froo geheurn[96]dä, meen he denn, of dor denn keen Rot[97]to weur, dat se noch wedder een Mann kriegen dä. Of se denn woll so krüsch[98]worden weur.
„Dat will ik nich seggen, dat se krüsch is,“ antwor Hannes, „ober erstmol is se bannig gebüldet, schrift sogor Gedichten un Geschichten for de Zeitung un all son Schiet[99]un denn hett se een Splien un drüttens will se bloß een Koptein ton Mann hebben. Ehr erst Mann is Stürmann west un se hett sik dat nu fast innen Kopp sett, dat se bloß noch een Koptein freen[100]kann.“
„So, so,“ sä de Stürmann un arger sik, dat he blot Stürmann weur.
„De Sook[101]hett bloß den Hoken, dat se keen Koptein kriegen kann,“ fung Hannes wedder an, „all de Kopteins, de hier mit jemehr Schep komt, sünd ümmer verheirot, un Schalotte, de bald jeden Dag dor op de Bank sitt, lurt[102]ümmer noch op een Koptein ohne Ring un verdreugt[103]dor woll so bi lütten bi.“
Dormit nehm Hannes sien Balken op un slep em no de Kai röber.
Odje ober fung dat Simuleern[104]an. Op een Koptein ohne Ring lur de rieke, scheune Froo dor un em nick se to. He kek no sien Hand: dor seet keen Ring op. Sull se em for den Koptein von dat Schipp hollen[105]un em dorum so tolachen? He kek nochmol röber: verdori, se lach wedder un wink sogor son bitten mit de Hand.
Junge, dat weur toveel for Odje Klütenmeyer. Wat Stürmann, wat Koptein, dach he, reep[106]gau: „Nu kiek doch mol, wat dor forn groten Fisch int Woter swemmt!“ — un as se olltosom öder de Reeling keken, do plier[107]he gau no Schalotte röber un lach un wink mit de Hand. Un se dank em mit Lachen.
Noher keemen poor annere Froonslüd an den Hoben[108]lang, de mit de Witfroo bekannt weurn. Se selten sik bi ehr[109]dol un snacken mit ehr, sonunglücklich Gesicht se ok moken much. Un toletzt nehmen se ehr mit. Odje kek ehr no, as wennt een Afschied op ewig weur, un se dreih sik nochmol un nochmol no em um.
Obends no Fierobend sleug[110]Odje dat Hart doch son bitten, wenn he doran dach, dat se em for den Koptein hollen dä, ober he gung doch hen un koff sik een reinen Krogen un leet sik roseeren un de Hoor snieden.
De Nacht weur sternklor un scheun, blot een mol leep een Schatten öber dat Holt un de Lantüchte[111]von den Nachtwächter beschien de Wanten[112]von de Charlotte, denn weur wedder allens still.
Morgens stunn een Blomenstruß vor de Kojüt un twüschen de roten un blauen Blomen steek een rosa Breef. De Jung worr den Struß toerst gewohr, de so scheun in de Sünn stunn un von de Daudruppens blenkern[113]dä. He rok[114]mol an de Blomen rum mit sien smuttelige[115]Nees un sä: hm, hm, un denn trock he den Breef vorsichtig ut de Kornblomen rut un lees de Adreß.
Herrn Kapitän Tees Sanner
Segelschiff Charlotte
hier
stunn dor op. He schüttel den Kopp, sowat harr he noch nich beleeft[116]. Nu keemen de Matrosen utden Roof[117]un bekeken de Bescheerung, beroken de Blomen un besnacken den Breef. „Markst Müs[118]?“ sä de een. „Ne, ober Rotten[119],“ sä de anner, „du, dat hett een Deern schreeben, kiek mol de Schrift an. Sull de Ol hier een Liebe hebben in Stood?“
„Wat is hier forn Volksversammlung von wegen Liebe.“ Dormit keem Odje ut de Kajüt rut. „Mokt de Winsch[120]klor!“
Blumen für den Kapitän
He kek de Blomen an, sä[121]ober keen Word, denn fot[122]he den Putt[123]an un broch em no de Kojütdol. Dor sett he em op den Disch. As he an to rüken fung, worr he den Breef gewohr. „Herrn Kapitän Tees Senner“ lees he: du, Stürmann, de is nich for di, dor blief von weg! Odje besunn[124]sik een Ogenblick von wegen dat Geweten[125], denn mok he den Breef ober getrost open: he wuß to swor Bescheed, wo de herkeem. Un denn lees he.
„An meinen Freund!“
Dat is for mi, dach Odje, sowat ward den dreugen Tees Sanner keen Minsch schrieben! He lees wieder:
„Ich konnt’ den Blick nicht von dir wenden,ich mußt’ dich anschaun immerdar!“
„Ich konnt’ den Blick nicht von dir wenden,ich mußt’ dich anschaun immerdar!“
„Ich konnt’ den Blick nicht von dir wenden,ich mußt’ dich anschaun immerdar!“
„Ich konnt’ den Blick nicht von dir wenden,
ich mußt’ dich anschaun immerdar!“
De hett würklich Poesie in de Knoken, dach Odje, un lees den Satz nochmol mit Smolt[126]un Andacht. Denn gungt wieder:
„Und schicke dir aus meinem Gärtchendie schönsten Grüße wunderbar.“
„Und schicke dir aus meinem Gärtchendie schönsten Grüße wunderbar.“
„Und schicke dir aus meinem Gärtchendie schönsten Grüße wunderbar.“
„Und schicke dir aus meinem Gärtchen
die schönsten Grüße wunderbar.“
As wenn Schiller dat schrieben harr, dach Odje un mok een klok Neeslock[127]op de Backbordsiet.
„Charlotte heißt dein stolzes Schifflein,du blonder, kühner Kapitän!“
„Charlotte heißt dein stolzes Schifflein,du blonder, kühner Kapitän!“
„Charlotte heißt dein stolzes Schifflein,du blonder, kühner Kapitän!“
„Charlotte heißt dein stolzes Schifflein,
du blonder, kühner Kapitän!“
Nu ist rut: se hollt mi for Tees Sanner, dach Odje un kek in den Spiegel: sull ik wirklich so as Tees Rugstoppel[128]utsehn? Denn lees he wieder:
„Charlotte heißt auch deine Freundin,die du wirst heute wiedersehn!“
„Charlotte heißt auch deine Freundin,die du wirst heute wiedersehn!“
„Charlotte heißt auch deine Freundin,die du wirst heute wiedersehn!“
„Charlotte heißt auch deine Freundin,
die du wirst heute wiedersehn!“
Schalotte, is egentlich gor keen slechten Nom, dach Odje, wenn ik dorbi bloß nich ümmer an Zippeln[129]un Schalotten denken muß, de ik nich uteenanner kennen kann! Denn lees he wieder:
„O sprich nicht nur mit Meer und Woge,nicht nur mit den Matrosen dein,sprich auch mit mir ein traulich Wörtchen,die Blumen flüstern: Denke mein!!Stade, 19. Juni 1913.Charlotte G.“
„O sprich nicht nur mit Meer und Woge,nicht nur mit den Matrosen dein,sprich auch mit mir ein traulich Wörtchen,die Blumen flüstern: Denke mein!!Stade, 19. Juni 1913.Charlotte G.“
„O sprich nicht nur mit Meer und Woge,nicht nur mit den Matrosen dein,sprich auch mit mir ein traulich Wörtchen,die Blumen flüstern: Denke mein!!Stade, 19. Juni 1913.Charlotte G.“
„O sprich nicht nur mit Meer und Woge,
nicht nur mit den Matrosen dein,
sprich auch mit mir ein traulich Wörtchen,
die Blumen flüstern: Denke mein!!
Stade, 19. Juni 1913.
Charlotte G.“
Odje kek den Breef nochmol dorch un dach, is jo allens heugste[130]Poesie un is jo woll allens god meent, de Blomen sünd jo rein een Stoot, ober ik mark doch gliek, dat ik hier oppen Lannen[131]bün: wo kummt de Froo dorto, mi gliek[132]mit Du antoreden? Mit de Bildung is dat doch woll nich so wiet her, as Hannes meent!
As he Kaffe drunken harr, gung he mit de Lud an de Arbeit, ober dor weur doch all son bitten Unnerscheed[133]gegen gestern to spören: he fot[134]all lang nich mehr so veel sülm[135]mit an un kummandeer all veel mehr mit de Lüd rum. Un de reine Krogen, den he um harr, de muß jo opfallen.
„Markst Rotten?“ freug de een Matros.
„Ne, Katten[136],“ sä de anner, „he will sik hier as Käppen opspelen, uns Stürmann, dor sall he sik ober fix bi innen Finger snieden.“
Charlotte und der Kapitän
Eben no de Middagsstunn keem Charlotte G. richtig wedder an. Odje worr ganz rot, so rot, as en Jantje[137]warrn kann, as he seh, dat se all von wieten winken dä, ober he kunn doch nich anners, he muß wedder winken. De Matrosen harrn dat woll sehn un wenn Odje wegkek, denn steeken se een smeerigen Grientje[138]op.
„Markst Katten?“
„Ne, Hunnen[139], dor spinnt sik wat an, Mandus! Un weest du wat? De Olsch meent, Odje is de Käppen!“
„Sall ik mol röber loopen un ehr seggen, dat he bloß de Stürmann is?“
„Ne, du, lot em man erstmol ornlich anbieten[140], lot de Olsch man erstmol fein an Bord komen, denn verrot wi den ganzen Kuddelmuddel.“
„Junge, Junge, jo!“
Den ganzen Nomiddag gung dat mit drohtlose Telegrophie twüschen Odje un Schalotte, bald worr winkt un bald worr nickt un bald worr lacht.
Toletzt wink Schalotte so dull, dat Odje ganz schomvigolett[141]warrn dä, wiel ok Hannes all wat marken kunn. Do stunn he op un gung no de Bank hen un sä de Witfroo Goden Dag un bedank sik for de scheunen Blomen un dat herrliche Gedicht. He sä würklich herrlich. Un se snack so seut un hochdütsch mit em, as se man kunn, un Herr Kapitän vorn un Herr Kapitän achtern un Herr Kapitän in de Midd, so gung dat man ümmerto as bi son Pepermöhl[142]un ehr Odje ehr noch sien Nom seggt harr, do harr se em all ehr ganz Leben von der Wiege bis zur Bahre verklort[143]un em von ehr Eensomkeit dor buten de Stadt vertellt un as Odje wedder an Bord gung, do harr he ehr all versprooken, obends in de Schummeree[144]bi ehr to Beseuk[145]to komen.
Büst doch een slechten Kerl, Odje Klütenmeyer, sä he to sik sülm, leitst di as Koptein inloden un büst doch blot een Stürmann! Dat slok[146]he oberbald dol, fleut[147]: Pflücke die Rosen kühn, die dir am Wege blühn! — un kek von Bord wedder no sien Schalotte röber.
Obends no Fierobend mok he sik landfein, as wenn he een Hochtied mitmoken wull un boß[148]dor rum as unklok[149].
„Markst Hunnen?“ freug de een Jantje.
„Ne, Ossen[150],“ sä de anner un lach, „ik gläuf[151], he will Schalotte beseuken!“
Odje ober de stebel[152]los, koff sik unnerwegens een veddel[153]Pund Rosen un keem in de Schummeree bi Schalotte an. Dübel ok, wat wohn se dor fein innen Greunen[154], wat seh dat Hus fein ut un wat lach de Gorn! Schalotte keem em in de Meut[155], geef em beide Hannen un gung mit em in den Gorn rin, dor weur een Läuw[156]mit een Disch un een Bank un dor sett se sik mit em hen. Een lütte nüdliche Köksch[157]keem un hung twee Lanternen op un broch dat Obendbrot for jem.
„Itoljeensche Nacht,“ sä Odje un meen wunner, wat he seggt harr. Denn hau he erst mol ornlich in: son Eten[158]kreg he an Bord nich to sehn. Schalotte weur selig, dat se een Koptein bi sik harr. „Noch immer keinen Ring, mein Freund?“ freug se un ei[159]sien grote brune Hand ümmer wedder von frischen. „Ne,“ sä Odje: wat sull he ok wieder seggen?He muß ehr noher ober doch Geschichten von sien Seefohrt vertellen, un de he nich beleeft harr, de muß he sik utdenken. Un wenn dat so recht gefährlich weur, denn keem se so ganz dicht bi em ran un krop[160]meist mit de Nees in sien Rocktasch rin un sä: „Ich fürchte mich sonst so sehr, Teseus!“ „Teseus,“ sä Odje, „wer is dat denn?“ „Das sind Sie, Herr Kapitän! Ich weiß wohl aus meiner Zeitung, daß Sie Tees heißen, aber ik kann mir bei Tees nichts denken und habe Ihnen darum in meinen Gedanken einen antüken Namen gegeben: ‚Teseus.‘“
„Ik dank ok for de Ehr,“ sä Odje un leet sik de Pannkoken god smecken.
Noher drunken se Wien, de beiden, un as Odje ton Adjüstseggen[161]keem, do weurn de Lanternen utbrennt un in de Düsterheit kreg he Schalotte hol mi de Dübel um den Hals to foten un geef ehr een Seuten. Do kriesch se ober op as son Küken, dat pett worden is, un leep gau int Hus rin. Odje stunn noch twüschen de Stickbeern[162]un dach, dor hest du scheun wat mokt, do worr dat Fenster boben open mokt un Schalotte flüster: „Ich bin Ihnen böse, Herr Kapitän, aber morgen komme ich an Bord, dann sollen Sie Abbitte tun.“
Abend in der Laube
Dat is jo een scheune Taß Tee, dach Odje, as he in sien Koje krupen[163]da, dat kann jo god warrn!Den annern Morgen weur he bannig gnatterig[164]un snauz an Bord rum as son Harm-mok-Larm.
„Markst Ossen?“ freug de een Jantje.
„Ne, ober Perd,“ sä de anner, „he hett woll een Poor Scheuh[165]kregen un will sien Wut nu an uns utloten.“
Nomiddag sä Odje ton Kock[166]: „Mok man een Taß Kaffe mehr, is meuglich, dat wie Beseuk kriegt!“
„Wi kriegt Beseuk? Wer kummt denn?“ freug de Kock.
„Een Bekannte von mi,“ sä de Stürmann kort un mok een Gesicht, as wenn he den ersten opfreeten[167]harr un bi den tweeten anfangen wull.
Un Schalotte keem! Ganz in Witt[168]keem se, mit een roten Sünnschirm boben den Kopp un danz as son Lustkutter op See.
De Stürmann kreg son Kopp.
„Markst Perd?“ freug de een Jantje.
„Ne, ober Elefanten,“ sä de anner, „nu paß mol op, wat he forn Angst hett, dat wi Stürmann to em seggt. Ober dat segg ik jo in Goden: seggt nu no Koptein to em, wi wöllt em erst noch mehr rinseilen loten.“
„Minsch, wat een Hitt[169]!“ stöhn Odje, as dat witte Kleed neuger[170]keem, un wisch sik den Sweet af.
Charlotte und der Steuermann
Do reep dat ok all von de Kai her:
„Guten Tag, Herr Kapitän, Sie sehen, ich halte mein Wort!“
„Gewiß, dat seh ik,“ sä de Stürmann un dach, wenn doch blot de Dübel keem un de ganze Kru[171]hier holen dä: „Komen Se rop!“
„Ogenblick,Herr Koptein,“ reep de een Jantje do, „ik will eben de Brügg for de gnädige Froo bitten beter henleggen. So, Herr Koptein, so geiht dat woll!“
De Stürmann kek em an, as wenn he den Fleegen Hollanner[172]vor sik harr, Schalotte reep ober: „O danke, es geht. Eine Seemannsfrau darf nicht ängstlich sein!“
Un se keem röbertrippelt as son Geescha[173]. „So, jetzt die Strafe, mein Freund, zeigen Sie mir Ihr Schiff!“
Odje wuß bald nich mehr, of he hochdütsch oder plattdütsch mit ehr snaken sull, so verlegen weur he den ersten Ogenblick. Denn dach he dor ober an, dat he een Hamborger Jung weur un dat elfte Gebot lehrt harr, un gung mit sien Beseuk stolz not Achterdeck.
As he an de Kombüs[174]vorbikeem, freug he: „Is de Kaffe klor, Kock?“
„Jowoll, Herr Koptein,“ reep de Kock un mok een dumm Gesicht, as Odje em scheef[175]ankek.
Schalotte sä: „Höfliche Leute haben Sie, mein Freund.“
„Dat liggt in jemehr Notur,“ sä Odje, „sünd all vonnen greunen Soot[176]!“
Schalotte leet sik dat ganze Schipp wiesen, drunk Kaffe in de Kojüt, vergeef Odje den Seuten von gestern un leet sik dorfor twee frische op de Backen backen[177]un lach as son Lachduw[178].
As se weggung, lod[179]se Odje wedder ton Obendeten in un denn sweef[180]se dor hen, as wenn se fleegen lehren wull.
Odje gung wedder an sien Törn[181].
„Stürmann, sölt nu erst de langen Stücken rut?“ freug de een Jantje.
„Jo, man to,“ sä Odje un weur de Fründlichkeit sülm, leet sogor for fief Groschen innen Buddel[182]holen un spendeer een Pund Kasbeern[183].
„Prost!“ reep de een Jantje, „prost Stürmann, dorfor seggt wi gern mol een halbe Stunn Koptein.“
„Wat sünd ji dor op komen?“ freug Odje.
„Na, as wi sehn dän, dat de Dame Se for den Koptein hollen dä, do droffen[184]wi Se doch nich in Verlegenheit bringen, Stürmann! Hamborger Jungens möt sik doch helpen!“
„Dat is recht, Jungens,“ sä Odje un reef[185]sik de Hannen. Un obends mok he sik wedder landfein un stebel wedder no sien Schalotte rut. Dütmol dreep he dor grote Sellschopp an: Schalotteharr all ehr Fründinnen inlodt un stell em vor as den Koptein „von dat grote Dreemastschiff, dat in unsen Hoben liggt“. Minsch, dach de Stürmann, weurst hier man erst wedder rut, ober dat holp em nix, he muß vertellen un snacken un Schalotte seet ümmer so dicht bi em, dat jedereen sehn muß: de beiden heurn tosomen. Dat weur een beusen Törn for Odje un as he wedder an Bord gung, dach he: wenn bloß dat Holt erst rut weur, dat wi wedder no See hen keemen.
Den annern Dag besoch Schalotte em mit dree Fründinnen an Bord. De Matrosen wullen sik dotlachen un reepen eenen Herr Koptein no den annern öbert Deck. Obends nehm Schalotte em mit in de Stadt rin, wo Konzert weur, un stell em de Honorotschoren von Stood[186]vor. As Odje ehr noher an de Husdör wedder aflebern[187]dä, sä se, as he ehr wedder een Seuten geben wull: se wull em gewiß nich drängen, ober von wegen ehr Fründinnen un von wegen de Lüd weur dat doch woll beter, wenn he sik bald erklären dä, ober se wull em nich drängeln.
Junge, Junge, nu weurt so wiet, nu seet de Stürmann Odje Klütenmeyer fast. He sull sik erklären, dat heet, he sull sik mit Schalotte verloben! Minsch, wat mok ik bloß, dach he, as he an Bord sleek, wat kom ik von de leege Wall[188]wedder af?
In de Kojüt stunn Tees Sanner, de Koptein,un trock grod de Unnerbüx ut: he wull tor Klapp[189]gohn.
„Hallo, Stürmann, wat geiht uns dat?“ reep he.
„Wat, Koptein, ji sünd all wedder hier?“ freug Odje.
„Jo, dat fule Leben dor in Hamborg is mi öber worden,“ sä Tees Sanner. „Allens in Trümm?“
„Jo, allensall right[190], Käppen!“
„Stürmann, ji seggt dat mit een Gesicht, as wenn jo dat Potent[191]nohmen weur. Dor is wat nich in Ornung, gläuf[192]ik.“
„Doch, Koptein, is allens in Ornung,“ antwor Odje.
„Ne, ne, is nich wohr,“ reep de Koptein, „un ik will weten, wat dor los is.“
To weten kriegt he dat morgen jo doch, dach Odje, sallst em man leber nu all vertellen.
Un he schroof[193]de Lamp dol un vertell de Geschichte von Schalotte. Erst lach Tees, wat he man kunn, toletzt sä he ober: „Is doch een beusen Streich, Stürmann. Wat hefft ji forn Entschuldigung dorfor?“
„De Liebe,“ sä de Stürmann.
„Och wat, Liebe,“ lach de Koptein, „wat sall dor nu von warrn?“
„Dat wet ik nich.“
„Un wenn se morgen nomiddag hier mit söben von ehr Fründinnen ankomen deit?“
„Dat wet ik nich.“
„Jä, dat wet ik nich, heet dat nu, wat, Stürmann? Ji harrn den ganzen Heunerkrom man noloten sullt.“
„Ik harr Schalotte man to leew,“ sä Odje un kek deepsinnig in de Lamp rin.
„Dat beste is, ji goht morgen hen un seggt ehr, dat ji keen Koptein sünd, un frogt ehr, of se jo as Stürmann hebben will.“
„Ne, dat do ik nich, Koptein, leber lop ik von Bord,“ sä Odje.
„Na, denn wöllt wi uns de Sook erst mol besloopen,“ sä de Koptein un puß em de Lamp vor de Nees ut.
Den annern Morgen, as se Kaffe drunken, mok Odje noch son Gesicht as een Putt vull Müs, dat den Koptein dat duern dä. He sä: „Ich much dien seute Schalotte ok woll mol sehn, Odje Klütenmeyer: wat meent ji, Stürmann, wenn ik mi mol rutpett un mit ehr snacken do: vullicht dat ik den Krom denn wedder in de Reeg[194]krieg. Oder wöllt ji mit?“
„Ne, Koptein, goht man erstmol alleen hen,“ sä Odje un gung no de Luk hen.
As Tees Sanner gegen Middag wedder keem, sä he keen Word to sien Stürmann, gung still an em vorbi un pett sik no de Kojüt rin. Dor sett he sik dol un lur, dat Odje komen sull.
Odje keem ok bald an.
„Na, Koptein, wat ist worden?“
„Slechten Kerl sünd ji doch, Stürmann, slechten Kerl. Son mooi[195]Wief so to bedreegen! Wat is dat noch forn feine Froo, de Schalotte, un wat hett se forn fein Hus! Un wat forn Gorn! Dor heff ik mit ehr in seten, eenfach herrlich, kann ik di seggen.“
„Ik ok,“ sä de Stürmann, de ganz lütt worden weur. „Will se mi nu noch hebben, Koptein?“
„Ne, ober de Ogen will se di utkratzen. Odje Klütenmeyer,“ reep de Koptein, „se bedankt sik for de Ehr, Froo Klütenmeyer to warrn!“
„Will se würklich nix mehr von mi weten?“
„Ne, den Koptein Tees Sanner, den harr se leew hatt, sä se, ober mit den Stürmann Odje Klütenmeyer wull se nix mehr to kriegen hebben. All ehr Gedichten, de se for di trechtschostert[196]hett, Odje, son Hümpel[197], hett se vor mien Ogen verbrennt. Hier werfe ich die Gluten in die Gluten, reep se, hest du een Ohnung, wat se dormit seggen wullt hett?“
„Se hett mi nich mehr leew,“ sä Odje, „vullicht hett se mi öberhaupt nich leew hatt. Droff ik ehr nochmol beseuken, Koptein?“
„Wen? Schalotte? Du, de is all lang weg, ik heff ehr noch no de Bohn henbrocht, se wull erst mol veer Wochen in de Eensomkeit, sä se, bet de Snackeree[198]von de Lüd vorbi weur.“
„Un bet wi no See hen sünd,“ sä de Stürmann un nick mit den Kopp.
„Richtig,“ reep de Koptein, „di Swinnelmeier, sä se, wull se nich wedder vor Ogen sehn!“
„Swinnelmeier, weur dat erst letzt Word?“ freug Odje.
„Ne,“ sä Tees Sanner, „dat letzte Word is düt Gedicht hier, dat hett se noch gau innen Wortesool klor mokt. Dichten un riemeln kann de Froo as de Dübel. Heur to: