Altes Bild.

Herr Holger am Kamine sitzt,Sein Brackhund bei ihm wacht,Nacht ist's, die Flamme springt und blitztUnd der Klotz in der Lohe kracht.Herr Holger in Sinnen versunken ist,Er wirrt des Bartes Flaum.Es streckt die Bracke den Widerrist,Und beide sinken in Traum.Es denkt der Hund an einen Tag,Da die Heide hilfefern,Da der Keiler über Herrn Holger lagUnd er befreit' den Herrn. –Herr Holger martert seine StirnIn Sinnen schwer und stumm:Wie er zu Willen einer DirnDen Blutsfreund brächte um.

Herr Holger am Kamine sitzt,Sein Brackhund bei ihm wacht,Nacht ist's, die Flamme springt und blitztUnd der Klotz in der Lohe kracht.

Herr Holger in Sinnen versunken ist,Er wirrt des Bartes Flaum.Es streckt die Bracke den Widerrist,Und beide sinken in Traum.

Es denkt der Hund an einen Tag,Da die Heide hilfefern,Da der Keiler über Herrn Holger lagUnd er befreit' den Herrn. –

Herr Holger martert seine StirnIn Sinnen schwer und stumm:Wie er zu Willen einer DirnDen Blutsfreund brächte um.

Der Markusdom, der bunte, klangumtönte,Hat seine Pforten gähnend aufgeschlagen,Am Hochaltar, wo Priester Kerzen tragen,Thront stolz der Doge, der vom Volk gekrönte.Es lehnt an ihm in mädchenhaftem ZagenSein junges Weib, das holde, glückverschönte.Ein Page, der an Schleppendienst gewöhnte,Kniet stumm dabei in Puffenwams und Kragen.Der Weihrauch dampft, zu Ende geht die Messe,Es blickt verklärt die schöne Dogaresse …Doch sehen könnt ihr, wenn ihr näher tretet,Daß tief im Samt, dem dunkelvioletten,Des Pagen Hand und ihre sich verketten –Der alte Doge kniet im Stuhl und betet.

Der Markusdom, der bunte, klangumtönte,Hat seine Pforten gähnend aufgeschlagen,Am Hochaltar, wo Priester Kerzen tragen,Thront stolz der Doge, der vom Volk gekrönte.

Es lehnt an ihm in mädchenhaftem ZagenSein junges Weib, das holde, glückverschönte.Ein Page, der an Schleppendienst gewöhnte,Kniet stumm dabei in Puffenwams und Kragen.

Der Weihrauch dampft, zu Ende geht die Messe,Es blickt verklärt die schöne Dogaresse …Doch sehen könnt ihr, wenn ihr näher tretet,

Daß tief im Samt, dem dunkelvioletten,Des Pagen Hand und ihre sich verketten –Der alte Doge kniet im Stuhl und betet.

Als tot auf schlechtem Gasthofbette lagSein junges Weib bei Unschlittkerzenflammen,Da schob Papier, verstreutes, er zusammen,Und schrieb darauf bis an den grauen Tag.Es ward an Inhalt und an süßem SchalleEin also großes, ewiges Gedicht,Daß die Genossen es verstanden nicht,Und schweigend wichen, tiefergriffen alle.Er aber blieb allein mit einem Sarg,Darin begrub er seine Jugendliebe –Und jenes Buch, das ew'gen Ruhm verbarg,Und das kein Denker leichthin nach ihm schriebe,Er schob es unters fahle GoldgelockAls Ruhekissen für die schöne Tote,Und riß sich aus den Hecken einen StockUnd schritt hinaus ins Morgenlicht, das rote.

Als tot auf schlechtem Gasthofbette lagSein junges Weib bei Unschlittkerzenflammen,Da schob Papier, verstreutes, er zusammen,Und schrieb darauf bis an den grauen Tag.

Es ward an Inhalt und an süßem SchalleEin also großes, ewiges Gedicht,Daß die Genossen es verstanden nicht,Und schweigend wichen, tiefergriffen alle.

Er aber blieb allein mit einem Sarg,Darin begrub er seine Jugendliebe –Und jenes Buch, das ew'gen Ruhm verbarg,Und das kein Denker leichthin nach ihm schriebe,

Er schob es unters fahle GoldgelockAls Ruhekissen für die schöne Tote,Und riß sich aus den Hecken einen StockUnd schritt hinaus ins Morgenlicht, das rote.

Geboren am 15. Juli 1874 zu Berlin. – Frühlingsfahrt 1896. Der Spiegel 1902. Neue Gedichte 1913.

Ich wohne, wo die Wolken gehn,Stillhoch in einer Dämmerstunde;Waldtiefer Bäume Wipfel stehnUm meinen Tisch in naher Runde,Die gern mein Licht im Abend sehn.Alt ist der Leuchter, der es trägt,Alt sind die Bäume, die es schauen,Die Flamm' ist alt, die sich bewegtUnd flattert durch das ewige Grauen,Wenn die uralte Luft sich regt.Flüsternd umkreist die DämmerungMich und mein Licht, das nach ihr greift.So alt ist alles, ich so jung –Da ist's, als ob ein Wort mich streift,Das rings um mich zur Fülle reift.„Du bist so alt als alle wir –“Sprach es das Licht, sprach es der Baum,Sprach's der zersprungne Tisch vor mir,Sprach's um mich her der Dämmertraum?Ich fühl' es dunkel jetzt und hier.Wie lächeln doch die ewigen Dinge,Wenn solch ein Strudel Erdenzeit,Ein Mensch, aufwacht in ihrem Ringe,Aufbraust in ihrer Einsamkeit –Wie lächeln doch die ewigen Dinge!Sie lächeln mich in ihre Ruh –Nun rag' auch ich uralt vom Grunde.Du Flamme, warum zitterst du?Bist du ein Wort aus meinem Munde,Rief dich die Dämmerung mir zu? –

Ich wohne, wo die Wolken gehn,Stillhoch in einer Dämmerstunde;Waldtiefer Bäume Wipfel stehnUm meinen Tisch in naher Runde,Die gern mein Licht im Abend sehn.

Alt ist der Leuchter, der es trägt,Alt sind die Bäume, die es schauen,Die Flamm' ist alt, die sich bewegtUnd flattert durch das ewige Grauen,Wenn die uralte Luft sich regt.

Flüsternd umkreist die DämmerungMich und mein Licht, das nach ihr greift.So alt ist alles, ich so jung –Da ist's, als ob ein Wort mich streift,Das rings um mich zur Fülle reift.

„Du bist so alt als alle wir –“Sprach es das Licht, sprach es der Baum,Sprach's der zersprungne Tisch vor mir,Sprach's um mich her der Dämmertraum?Ich fühl' es dunkel jetzt und hier.

Wie lächeln doch die ewigen Dinge,Wenn solch ein Strudel Erdenzeit,Ein Mensch, aufwacht in ihrem Ringe,Aufbraust in ihrer Einsamkeit –Wie lächeln doch die ewigen Dinge!

Sie lächeln mich in ihre Ruh –Nun rag' auch ich uralt vom Grunde.Du Flamme, warum zitterst du?Bist du ein Wort aus meinem Munde,Rief dich die Dämmerung mir zu? –

Oft, wenn die stille MitternachtEinsam im dunkeln Parke wacht,Wenn meine Fenster offen stehn,Ein Sternlein durchs Gezweige leuchtetUnd Nachtluft mir die Stirne feuchtet,Dann weiß ich, daß mich deine Augen sehnIn dieser stillen Mitternacht.Doch dieser Erde weit entschwebtIst, was mich hier umgibt und mit mir lebt:Mein still Gemach, der Park, der leise rauscht,Der See, der über seine Ufer lauscht.In ewige Fernen treiben wir dahin:Du kennst den Ort nicht, wo ich binIn dieser stillen Mitternacht.Noch seh' ich dich; und dein Gesicht ist blaß.Von Schauer wird mein Auge naß,Und tausend Wünsche werden wach.Doch schneller treibt der Park und das GemachHin in den fernenklaren Raum –Da lischt, ein Flackerlicht, dein TraumIn dieser stillen Mitternacht.

Oft, wenn die stille MitternachtEinsam im dunkeln Parke wacht,Wenn meine Fenster offen stehn,Ein Sternlein durchs Gezweige leuchtetUnd Nachtluft mir die Stirne feuchtet,Dann weiß ich, daß mich deine Augen sehnIn dieser stillen Mitternacht.

Doch dieser Erde weit entschwebtIst, was mich hier umgibt und mit mir lebt:Mein still Gemach, der Park, der leise rauscht,Der See, der über seine Ufer lauscht.In ewige Fernen treiben wir dahin:Du kennst den Ort nicht, wo ich binIn dieser stillen Mitternacht.

Noch seh' ich dich; und dein Gesicht ist blaß.Von Schauer wird mein Auge naß,Und tausend Wünsche werden wach.Doch schneller treibt der Park und das GemachHin in den fernenklaren Raum –Da lischt, ein Flackerlicht, dein TraumIn dieser stillen Mitternacht.

Eine Heimat hat der Mensch,Doch er wird nicht drin geboren –Muß sie suchen traumverloren,Wenn das Heimweh ihn ergreift.Aber geht er nicht in Träumen,Geht er achtlos ihr vorüber,Und es wird das Herz ihm plötzlichSchwer bei ihren letzten Bäumen.

Eine Heimat hat der Mensch,Doch er wird nicht drin geboren –Muß sie suchen traumverloren,Wenn das Heimweh ihn ergreift.

Aber geht er nicht in Träumen,Geht er achtlos ihr vorüber,Und es wird das Herz ihm plötzlichSchwer bei ihren letzten Bäumen.

Das ist unser schweigender Abendgang.Herbst. Blätter fallen wegentlang.Nasse Äste tragen den Himmel, der bleichUnd dunstig niederhängt über den Teich.Die Brücke. Trüber LaternenscheinFällt schwankend in schmutzigen Schlamm hinein.Vorüber. Dunkel wie Menschen stehnDie Bäume und sehn uns weitergehn.

Das ist unser schweigender Abendgang.Herbst. Blätter fallen wegentlang.Nasse Äste tragen den Himmel, der bleichUnd dunstig niederhängt über den Teich.

Die Brücke. Trüber LaternenscheinFällt schwankend in schmutzigen Schlamm hinein.Vorüber. Dunkel wie Menschen stehnDie Bäume und sehn uns weitergehn.

Schwermütig wächst mein FriedenIn Herbst und Einsamkeit.Mein Weg zur DämmerzeitVergraut wie abgeschieden.Ich fühle mich GestaltUnd Wesen tief vertauschen;Wildfremde Schritte rauschenDurchs Blattgewirr im Wald.Still geh' ich, schattenlosIm Grau, als wandle sichDer lange Weg in mich,Auf dem ich wurde groß.Daß ich der Wandrer bin,Der diesen Weg gegangen,Sind Worte, die verklangen,Und haben keinen Sinn.

Schwermütig wächst mein FriedenIn Herbst und Einsamkeit.Mein Weg zur DämmerzeitVergraut wie abgeschieden.

Ich fühle mich GestaltUnd Wesen tief vertauschen;Wildfremde Schritte rauschenDurchs Blattgewirr im Wald.

Still geh' ich, schattenlosIm Grau, als wandle sichDer lange Weg in mich,Auf dem ich wurde groß.

Daß ich der Wandrer bin,Der diesen Weg gegangen,Sind Worte, die verklangen,Und haben keinen Sinn.

Das ist der Erde furchtbares Gewicht:Gelang es dir, dich schwebend frei zu halten,Zu tauchen in das erdenfremde Licht,Daß sich die Meere unter dir gestalten,Winzig die Wolken unter dir verwehn,Und zitterst nicht –So fliegt die Erde auf in deine Höhn.

Das ist der Erde furchtbares Gewicht:Gelang es dir, dich schwebend frei zu halten,Zu tauchen in das erdenfremde Licht,Daß sich die Meere unter dir gestalten,Winzig die Wolken unter dir verwehn,Und zitterst nicht –So fliegt die Erde auf in deine Höhn.

Ich weiß es wohl, wie du zur Ruh dich legst,Wenn müde dich die Mitternacht umfängt.Du gehst verträumt im Zimmer auf und ab,Schaust das unwillige Schweigen an der Wand,Das seufzend hie und da ein Rahmen unterbricht.Dann sprichst du leise in den Kerzenschein,Als ob gleichgültig ihn ein andrer spräche,Meinen Namen, horchst – hörst ihn und erglühst …Und deine süßen Hände küssend, schläfst du ein.

Ich weiß es wohl, wie du zur Ruh dich legst,Wenn müde dich die Mitternacht umfängt.Du gehst verträumt im Zimmer auf und ab,Schaust das unwillige Schweigen an der Wand,Das seufzend hie und da ein Rahmen unterbricht.Dann sprichst du leise in den Kerzenschein,Als ob gleichgültig ihn ein andrer spräche,Meinen Namen, horchst – hörst ihn und erglühst …Und deine süßen Hände küssend, schläfst du ein.

Schwer schweigt der Wald in schwarzer Pracht.Mein Mantel flattert durch die Nacht,Streift welkes Laub am Boden mit;Und wo die Äste wie GestaltenHoch über mir die Hände halten,Folgt Zittern meinem festen Schritt.Und leis an mir herniederglitt,Als woll's im feuchten Gras erkalten,Was in mir kämpfte, rang und litt;Was ich in mir für schlecht gehalten,Das nahm die Nacht im Atem mit.Und stiller meine Schritte hallten,Wie eines fremden Freundes Tritt.

Schwer schweigt der Wald in schwarzer Pracht.Mein Mantel flattert durch die Nacht,Streift welkes Laub am Boden mit;Und wo die Äste wie GestaltenHoch über mir die Hände halten,Folgt Zittern meinem festen Schritt.

Und leis an mir herniederglitt,Als woll's im feuchten Gras erkalten,Was in mir kämpfte, rang und litt;Was ich in mir für schlecht gehalten,Das nahm die Nacht im Atem mit.

Und stiller meine Schritte hallten,Wie eines fremden Freundes Tritt.

In Wirbeln geht der Strom durchs Tal.Die Blätter wirbeln auf Söller und Saal.Tief herbstlich naht die frühe Nacht,Die unsere einsame Fackel entfacht.Und wie die Sterne schweigend steigen,Werden der Erde wir zu eigen.Nachtdunkel hat so wilde Weisen –Wir fassen uns, uns zu umkreisen.Der Sternsaal muß sich rasend drehnIn seiner Ferne.Im ganzen Raum der Welten stehnNur deine Augensterne.Wir sind wie des Herbstes tanzendes Laub,Wir sind, was wir werden:Kreisende Erden,Wirbelnder Staub.

In Wirbeln geht der Strom durchs Tal.Die Blätter wirbeln auf Söller und Saal.Tief herbstlich naht die frühe Nacht,Die unsere einsame Fackel entfacht.

Und wie die Sterne schweigend steigen,Werden der Erde wir zu eigen.Nachtdunkel hat so wilde Weisen –Wir fassen uns, uns zu umkreisen.

Der Sternsaal muß sich rasend drehnIn seiner Ferne.Im ganzen Raum der Welten stehnNur deine Augensterne.

Wir sind wie des Herbstes tanzendes Laub,Wir sind, was wir werden:Kreisende Erden,Wirbelnder Staub.

Geboren am 26. Januar 1878 zu Bremen. – Unmut 1899. Lieder an eine Geliebte 1900. Sprüche in Reimen 1900. An Belinde 1902. Sonette an eine Verstorbene 1905. Elysium 1906.

Nun kam der Abend.Die Sonne geht ins Meer,Der Wind ruht im Laub,Den sanften Weg entlangZiehen die Herden heimwärts.Sieh, wie die milden BergeIn Dunkelheit verhüllt sind –Im TalBlinken Lichter auf.Wanderer, wohin eilst du?„Nach Hause.“Wohin eilst du?

Nun kam der Abend.

Die Sonne geht ins Meer,Der Wind ruht im Laub,Den sanften Weg entlangZiehen die Herden heimwärts.

Sieh, wie die milden BergeIn Dunkelheit verhüllt sind –Im TalBlinken Lichter auf.

Wanderer, wohin eilst du?„Nach Hause.“

Wohin eilst du?

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„Die Lüge“ sagst duUnd „Die Wahrheit“Und redest wie ein Narr.Sage „Die Liebe“Und du redest wie ein Weiser.

„Die Lüge“ sagst duUnd „Die Wahrheit“Und redest wie ein Narr.

Sage „Die Liebe“Und du redest wie ein Weiser.

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Ich habe keine Schmerzen:Aber die Sehnsucht verzehrt mich.Ich habe keine Sehnsucht:Aber mein Verlangen macht mich unruhig.Ich habe kein Verlangen:Aber meine Schmerzen quälen mich!

Ich habe keine Schmerzen:Aber die Sehnsucht verzehrt mich.

Ich habe keine Sehnsucht:Aber mein Verlangen macht mich unruhig.

Ich habe kein Verlangen:Aber meine Schmerzen quälen mich!

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Ach, noch immer glaube ich,Wenn ein Klang die Luft aufweckt,Daß deine StimmeIm Zweiggewirr der Bäume,In Blumen, Gebüsch und GräsernNachzitternd sich gefangenhält.Ach, noch immer glaube ich,Wenn ein DuftVon ungefährAuf WindflügelnZu mir kommt,Daß es dein Atem sei.Ach, noch immer glaube ich,Daß ich nicht ganz verlassen sei.

Ach, noch immer glaube ich,Wenn ein Klang die Luft aufweckt,Daß deine StimmeIm Zweiggewirr der Bäume,In Blumen, Gebüsch und GräsernNachzitternd sich gefangenhält.

Ach, noch immer glaube ich,Wenn ein DuftVon ungefährAuf WindflügelnZu mir kommt,

Daß es dein Atem sei.

Ach, noch immer glaube ich,Daß ich nicht ganz verlassen sei.

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Das Glück ist ein leerer Schall;Und der Schmerz ist ein Name.Was uns von allem bleibt,Ist: allein zu sein.Und ist uns allen ein Los,Daß wir viele Güter habenUnd darben müssen.

Das Glück ist ein leerer Schall;Und der Schmerz ist ein Name.Was uns von allem bleibt,Ist: allein zu sein.Und ist uns allen ein Los,Daß wir viele Güter habenUnd darben müssen.

An jedem Tage gibt's ein Abschiednehmen;Und irgend etwas, das uns angehört,Wird jeden Augenblick für uns zerstörtUnd wandelt hin zu den vergessenen Schemen.Wohl, über dieses soll sich keiner grämen,Weil immer auch ein Neues uns betört;Und kein Verlassen ist so unerhört,Dem wir uns nicht zu guter Letzt bequemen.So gehn auch wir, und lassen alle WeltUnd sind nicht mehr; und jenes Wort: GewesenErklingt von uns, wie wir's von vielem sagen.Doch daß auch du dich denen zugesellt,Von denen wir nur noch den Namen lesen,Mein Herze will das nicht, und will's nicht tragen!

An jedem Tage gibt's ein Abschiednehmen;Und irgend etwas, das uns angehört,Wird jeden Augenblick für uns zerstörtUnd wandelt hin zu den vergessenen Schemen.

Wohl, über dieses soll sich keiner grämen,Weil immer auch ein Neues uns betört;Und kein Verlassen ist so unerhört,Dem wir uns nicht zu guter Letzt bequemen.

So gehn auch wir, und lassen alle WeltUnd sind nicht mehr; und jenes Wort: GewesenErklingt von uns, wie wir's von vielem sagen.

Doch daß auch du dich denen zugesellt,Von denen wir nur noch den Namen lesen,Mein Herze will das nicht, und will's nicht tragen!

Sie lassen sich am Ufer nieder,Sie legen ihre reinen GliederAuf leichten Sand.Entschlummern sie, so ist ihr TräumenWie das von Wellen oder BäumenVoll Unbestand.Sie sind so schön, weil sie im FächelnDer reinen Lüfte immer lächeln,Wie ausgesöhnt.Sie singen auch. – Wer möchte hören,Was diesen Nachtigallen-ChörenGanz klar enttönt?Sie wandeln über sanfte MattenIns grüne Dunkel kühler Schatten,Sie schwinden hin.– Oh holde Seelen, voll Beglückte,Ihr nicht Geplagte, nicht Entzückte,Ihr ohne Sinn!

Sie lassen sich am Ufer nieder,Sie legen ihre reinen GliederAuf leichten Sand.

Entschlummern sie, so ist ihr TräumenWie das von Wellen oder BäumenVoll Unbestand.

Sie sind so schön, weil sie im FächelnDer reinen Lüfte immer lächeln,Wie ausgesöhnt.

Sie singen auch. – Wer möchte hören,Was diesen Nachtigallen-ChörenGanz klar enttönt?

Sie wandeln über sanfte MattenIns grüne Dunkel kühler Schatten,Sie schwinden hin.

– Oh holde Seelen, voll Beglückte,Ihr nicht Geplagte, nicht Entzückte,Ihr ohne Sinn!

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Wenn sie wandeln, drückt dem WiesenrainSich der schattenhafte Fuß nicht ein.Wenn sie ruhn, so ist der leichte GastSeiner Lagerstätte keine Last.Wenn sie wünschen, das ist flüchtig auch,Kaum ein Traum, ein Atemzug, ein Hauch.Wenn sie lieben, das ist kaum ein Blick,Kaum ein Gruß. – So leicht ist dort das Glück.Alles ist ja leicht im untern Reich. –Leichte Schatten, wir begrüßen euch!

Wenn sie wandeln, drückt dem WiesenrainSich der schattenhafte Fuß nicht ein.

Wenn sie ruhn, so ist der leichte GastSeiner Lagerstätte keine Last.

Wenn sie wünschen, das ist flüchtig auch,Kaum ein Traum, ein Atemzug, ein Hauch.

Wenn sie lieben, das ist kaum ein Blick,Kaum ein Gruß. – So leicht ist dort das Glück.

Alles ist ja leicht im untern Reich. –Leichte Schatten, wir begrüßen euch!

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Leise laß sie ihren Reigen führen,Ohne ihre Schwermut anzurühren.Laß sie träumend dir vorüber hasten,Ohne ihre Leere zu belasten.Sorge nicht, sie heute zu verstehen,Denn dir wird wie ihnen bald geschehen.Freue dich, daß sie dich nicht erreichen,Morgen, morgen bist du ihresgleichen.

Leise laß sie ihren Reigen führen,Ohne ihre Schwermut anzurühren.

Laß sie träumend dir vorüber hasten,Ohne ihre Leere zu belasten.

Sorge nicht, sie heute zu verstehen,Denn dir wird wie ihnen bald geschehen.

Freue dich, daß sie dich nicht erreichen,Morgen, morgen bist du ihresgleichen.

Geboren am 27. Januar 1872 zu Kgl. Reetz im Oderbruch. – Gedichte 1900. Meine grüne Erde 1904. Auf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes 1908. Mitten in der Brandung 1911. Von Stundenleid und Ewigkeit 1914.

Unterdessen.Schönheit ist Atem. Aber Brot ist Brot.Und Tausend hungern. Und die Mühlen mahlen.Und Königstische wissen nichts von Not.Und Tausend beten nachts zu ihren Qualen.Und Mütter fiebern, wie kein Fieber schlägt,Weil ihre Kinder schwer im Schlafe wimmern.Die Mütter hören's, daß man Bretter trägt,Um einen rohen Armensarg zu zimmern.Und unterdessen lauscht die heilige Nacht,Und unterdessen wird das Licht erkoren,Und unterdessen hat die Schönheit achtAuf jede Perle, die der Tau geboren.

Unterdessen.

Schönheit ist Atem. Aber Brot ist Brot.Und Tausend hungern. Und die Mühlen mahlen.Und Königstische wissen nichts von Not.Und Tausend beten nachts zu ihren Qualen.

Und Mütter fiebern, wie kein Fieber schlägt,Weil ihre Kinder schwer im Schlafe wimmern.Die Mütter hören's, daß man Bretter trägt,Um einen rohen Armensarg zu zimmern.

Und unterdessen lauscht die heilige Nacht,Und unterdessen wird das Licht erkoren,Und unterdessen hat die Schönheit achtAuf jede Perle, die der Tau geboren.

Wer in die Nacht geht, müßt' mich sehnAm Wege auf dem Stein –Mein Krug und Wanderstecken stehnIm hellen Mondenschein.Die Schuhe hab' ich abgetan,Das Haar ist aufgelöst,Ich hab', als wüßt' ich keinen nahn,Auch meine Brust entblößt.Der Nachthauch kühlt mich wie ein Bad.Alle Wanderer ferne gehn. –Nur wer die Erde begraben hat,Kann mich hier sitzen sehn.

Wer in die Nacht geht, müßt' mich sehnAm Wege auf dem Stein –Mein Krug und Wanderstecken stehnIm hellen Mondenschein.

Die Schuhe hab' ich abgetan,Das Haar ist aufgelöst,Ich hab', als wüßt' ich keinen nahn,Auch meine Brust entblößt.

Der Nachthauch kühlt mich wie ein Bad.Alle Wanderer ferne gehn. –Nur wer die Erde begraben hat,Kann mich hier sitzen sehn.

Komm, denn der Abend kommt.Wir haben ihn so wild ersehnt.Nun ist er da. Wie er im MantelSich an die alten Pappeln lehnt.Jetzt schlägt er seine Wimpern aufUnd sieht uns an und nickt uns zu.Hat er nicht ganz dieselben Augen,Nicht ganz denselben Mund wie du?

Komm, denn der Abend kommt.Wir haben ihn so wild ersehnt.Nun ist er da. Wie er im MantelSich an die alten Pappeln lehnt.

Jetzt schlägt er seine Wimpern aufUnd sieht uns an und nickt uns zu.Hat er nicht ganz dieselben Augen,Nicht ganz denselben Mund wie du?

Vom Dorf her durch die Nacht erklingt Gesang:Ein altes deutsches wehes Liebeslied,Von Lieb' und NotUnd Treu' und Tod.Ein Schatten, der am Kreuzweg zieht,Lauscht lang'.Der Kauz schrie so entsetzlich schrill,Der hat ihn auch gesehn.Das Lied schweigt still.Der Schatten bleibt noch immer stehn.

Vom Dorf her durch die Nacht erklingt Gesang:Ein altes deutsches wehes Liebeslied,Von Lieb' und NotUnd Treu' und Tod.Ein Schatten, der am Kreuzweg zieht,Lauscht lang'.Der Kauz schrie so entsetzlich schrill,Der hat ihn auch gesehn.Das Lied schweigt still.Der Schatten bleibt noch immer stehn.

Was ist das Glück?Ein klimmendes, schwimmendes Fliegen?Ein Siegen,Ein Augenblick,Wo du der Sonne jauchzend winkstUnd dann versinkst?Oder ist es das treue Schauen,Wie sich Wolken aus Wolken bauen,Bis sich eine mit rotem RandHoch hinstellt über dein Ernteland?

Was ist das Glück?Ein klimmendes, schwimmendes Fliegen?Ein Siegen,Ein Augenblick,Wo du der Sonne jauchzend winkstUnd dann versinkst?Oder ist es das treue Schauen,Wie sich Wolken aus Wolken bauen,Bis sich eine mit rotem RandHoch hinstellt über dein Ernteland?

Geboren am 11. August 1883 zu Colmar i. E., fiel zu Anfang des Weltkrieges im Westen. – Präludien 1904. Der Aufbruch 1914.

Lösche alle deine Tag' und Nächte aus!Räume alle fremden Bilder fort aus deinem Haus!Laß Regendunkel über deine Schollen niedergehn!Lausche: dein Blut will klingend in dir auferstehn! –Fühlst du: schon schwemmt die starke Flut dich neu und rein,Schon bist du selig in dir selbst alleinUnd wie mit Auferstehungslicht umhangen –Hörst du: schon ist die Erde um dich leer und weitUnd deine Seele atemlose Trunkenheit,Die Morgenstimme deines Gottes zu umfangen.

Lösche alle deine Tag' und Nächte aus!Räume alle fremden Bilder fort aus deinem Haus!Laß Regendunkel über deine Schollen niedergehn!Lausche: dein Blut will klingend in dir auferstehn! –Fühlst du: schon schwemmt die starke Flut dich neu und rein,Schon bist du selig in dir selbst alleinUnd wie mit Auferstehungslicht umhangen –Hörst du: schon ist die Erde um dich leer und weitUnd deine Seele atemlose Trunkenheit,Die Morgenstimme deines Gottes zu umfangen.

In dieser Märznacht trat ich spät aus meinem Haus.Die Straßen waren aufgewühlt von Lenzgeruch und grünem Saatregen.Winde schlugen an. Durch die verstörte Häusersenkung ging ich weit hinausBis zu dem unbedeckten Wall und spürte: meinem Herzen schwoll ein neuer Takt entgegen.In jedem Lufthauch war ein junges Werden ausgespannt.Ich lauschte, wie die starken Wirbel mir im Blute rollten.Schon dehnte sich bereitet Acker. In den Horizonten eingebranntWar schon die Bläue hoher Morgenstunden, die ins Weite führen sollten.Die Schleusen knirschten. Abenteuer brach aus allen Fernen.Überm Kanal, den junge Ausfahrtwinde wellten, wuchsen helle Bahnen,In deren Licht ich trieb. Schicksal stand wartend in umwehten Sternen.In meinem Herzen lag ein Stürmen wie von aufgerollten Fahnen.

In dieser Märznacht trat ich spät aus meinem Haus.Die Straßen waren aufgewühlt von Lenzgeruch und grünem Saatregen.Winde schlugen an. Durch die verstörte Häusersenkung ging ich weit hinausBis zu dem unbedeckten Wall und spürte: meinem Herzen schwoll ein neuer Takt entgegen.

In jedem Lufthauch war ein junges Werden ausgespannt.Ich lauschte, wie die starken Wirbel mir im Blute rollten.Schon dehnte sich bereitet Acker. In den Horizonten eingebranntWar schon die Bläue hoher Morgenstunden, die ins Weite führen sollten.

Die Schleusen knirschten. Abenteuer brach aus allen Fernen.Überm Kanal, den junge Ausfahrtwinde wellten, wuchsen helle Bahnen,In deren Licht ich trieb. Schicksal stand wartend in umwehten Sternen.In meinem Herzen lag ein Stürmen wie von aufgerollten Fahnen.

Was waren Frauen anders dir als Spiel,Der du dich bettetest in soviel Liebesstunden:Du hast nie andres als ein Stück von dir gefunden,Und niemals fand dein Suchen sich das Ziel.Du strebtest, dich im Hellen zu befreien,Und wolltest untergehn in wolkig trüber Flut –Und lagst nur hilflos angeschmiedet in den ReihenDer Schmachtenden, gekettet an dein Blut.Du stiegst, dein Leben höher aufzutürmen,In fremde Seelen, wenn dich eigne Kraft verließ,Und sahst erschauernd deinen Dämon dich umstürmen,Wenn deinen dünnen Traum der Tag durchstieß.

Was waren Frauen anders dir als Spiel,Der du dich bettetest in soviel Liebesstunden:Du hast nie andres als ein Stück von dir gefunden,Und niemals fand dein Suchen sich das Ziel.

Du strebtest, dich im Hellen zu befreien,Und wolltest untergehn in wolkig trüber Flut –Und lagst nur hilflos angeschmiedet in den ReihenDer Schmachtenden, gekettet an dein Blut.

Du stiegst, dein Leben höher aufzutürmen,In fremde Seelen, wenn dich eigne Kraft verließ,Und sahst erschauernd deinen Dämon dich umstürmen,Wenn deinen dünnen Traum der Tag durchstieß.

Sie stehn im Schein der Kerzen, geisterhafte Paare, spöttisch und kokett in den VitrinenWie einst beim Menuett. Der Schönen Hände schürzen wie zum Spiel die KrinolinenUnd lassen weich gewölbte Knöchel über Seidenschuhe blühn. Die Kavaliere reichenGalant den degenfreien Arm zum Schritt, und ihre feinen frechen Worte, scheint es, streichenWie hell gekreuzte Klingen durch die Luft, bis sie in kühlem Lächeln über ihrem Mund erstarren,Indes die Schönen in den wohlerwognen Attitüden sanft und träumerisch verharren.So stehn sie, abgesperrt von greller Luft, in den verschwiegnen SchränkenHochmütig, kühl und fern und scheinen langvergeßnen Abenteuern nachzudenken.Nur wenn die Kerzen trüber flackern, hebt ihr dünnes Blut sich seltsam an zu wirren:Dann fallen Funken in ihr Auge. Heiße Worte scheinen in der Luft zu schwirren.Der Schönen Leib erbebt. Im zarten Puder der geschminkten Wangen gleißtIhr Mund wie eine tolle Frucht, die Lust und Untergang verheißt.

Sie stehn im Schein der Kerzen, geisterhafte Paare, spöttisch und kokett in den VitrinenWie einst beim Menuett. Der Schönen Hände schürzen wie zum Spiel die KrinolinenUnd lassen weich gewölbte Knöchel über Seidenschuhe blühn. Die Kavaliere reichenGalant den degenfreien Arm zum Schritt, und ihre feinen frechen Worte, scheint es, streichenWie hell gekreuzte Klingen durch die Luft, bis sie in kühlem Lächeln über ihrem Mund erstarren,Indes die Schönen in den wohlerwognen Attitüden sanft und träumerisch verharren.So stehn sie, abgesperrt von greller Luft, in den verschwiegnen SchränkenHochmütig, kühl und fern und scheinen langvergeßnen Abenteuern nachzudenken.Nur wenn die Kerzen trüber flackern, hebt ihr dünnes Blut sich seltsam an zu wirren:Dann fallen Funken in ihr Auge. Heiße Worte scheinen in der Luft zu schwirren.Der Schönen Leib erbebt. Im zarten Puder der geschminkten Wangen gleißtIhr Mund wie eine tolle Frucht, die Lust und Untergang verheißt.

Nun sind vor meines Glückes Stimme alle Sehnsuchtsvögel weggeflogen.Ich schaue still den Wolken zu, die über meinem Fenster in die Bläue jagen –Sie locken nicht mehr, mich zu fernen Küsten fortzutragen,Wie einst, da Sterne, Wind und Sonne wehrlos mich ins Weite zogen.In deine Liebe bin ich wie in einen Mantel eingeschlagen.Ich fühle deines Herzens Schlag, der über meinem Herzen zuckt.Ich steige selig in die Kammer meines Glückes nieder,Ganz tief in mir, so wie ein Vogel, der ins flaumige GefiederZu sommerdunklem Traum das Köpfchen niederduckt.

Nun sind vor meines Glückes Stimme alle Sehnsuchtsvögel weggeflogen.Ich schaue still den Wolken zu, die über meinem Fenster in die Bläue jagen –Sie locken nicht mehr, mich zu fernen Küsten fortzutragen,Wie einst, da Sterne, Wind und Sonne wehrlos mich ins Weite zogen.In deine Liebe bin ich wie in einen Mantel eingeschlagen.Ich fühle deines Herzens Schlag, der über meinem Herzen zuckt.Ich steige selig in die Kammer meines Glückes nieder,Ganz tief in mir, so wie ein Vogel, der ins flaumige GefiederZu sommerdunklem Traum das Köpfchen niederduckt.

Geboren am 7. Oktober 1876 zu Limburg a. d. Lahn. – Küsten 1904. Fahnen 1907. Neue Gedichte 1908.

Geöffnet sind meine Fenster;Ich trete zum einen, zum andern –Aber der Vogel der FerneFliegt nicht herein.Ich schließe die Augen und sageMir fest: „Er kommt nicht!“ Ich denke:Plötzlich schlägst du den Blick auf,Und – er ist da! …Und – er istnichtda! Vergebens!Wieder warten! Warten!Durch die verengte KehleDrückt sich ein Kiesel hinab.Wie, wenn es Nacht würde? Nein! …– Herz, wie du eilst! – Und ich müßteSchließen die Fenster? Der VogelKäme nicht mehr? …

Geöffnet sind meine Fenster;Ich trete zum einen, zum andern –Aber der Vogel der FerneFliegt nicht herein.

Ich schließe die Augen und sageMir fest: „Er kommt nicht!“ Ich denke:Plötzlich schlägst du den Blick auf,Und – er ist da! …

Und – er istnichtda! Vergebens!Wieder warten! Warten!Durch die verengte KehleDrückt sich ein Kiesel hinab.

Wie, wenn es Nacht würde? Nein! …– Herz, wie du eilst! – Und ich müßteSchließen die Fenster? Der VogelKäme nicht mehr? …

Soviel Lüftchen wehn und vergehn,Soviel Klänge durchziehen mich leis.Was mögen sie singen? Für wen?Wer weiß!Kaum daß du flüstern hörstUnd achtest, was es sei;Wie wenn du Geister störst –Vorbei.Nur manchmal im Leben ein Ton,Ein Wort, ein Gedankenstrahl –Du fragst: Wo vernahm ich's doch schonEinmal?

Soviel Lüftchen wehn und vergehn,Soviel Klänge durchziehen mich leis.Was mögen sie singen? Für wen?Wer weiß!

Kaum daß du flüstern hörstUnd achtest, was es sei;Wie wenn du Geister störst –Vorbei.

Nur manchmal im Leben ein Ton,Ein Wort, ein Gedankenstrahl –Du fragst: Wo vernahm ich's doch schonEinmal?

Eine plötzliche Stille kommt oft,Als ob das WeltgewühlDie Sekunde jetzt stockteUnd zwischen geraden WändenEine einzige schmale BahnFreilegte von mir zu dir:Dann denkst du an mich.Und wie durch die Furt voreinstDes gespaltenen Meers,Zieht gelassen ein TraumAuf inniger GasseJenem Ufer zu.

Eine plötzliche Stille kommt oft,Als ob das WeltgewühlDie Sekunde jetzt stockteUnd zwischen geraden WändenEine einzige schmale BahnFreilegte von mir zu dir:Dann denkst du an mich.Und wie durch die Furt voreinstDes gespaltenen Meers,Zieht gelassen ein TraumAuf inniger GasseJenem Ufer zu.

Die Glocken läuten dann wie jeden Tag …An meinem Fenster wird einer träumend stehn,und der gewölbte Berg, der drüben lag,wird – abendgrau – wie ein Grab aussehnund der Baum darauf, wie ein Baum auf einem Grab.Indessen werden die Stern' über meinem Grab aufgehn …Der Fremde tritt vom Fenster ins Zimmer hinein;von seiner Welt nicht mehr aufzusehn,nimmt er den Arbeitssessel wieder ein –Ich liege draußen allein, wie ich im Leben war.Und selbst die Toten neben mir werden mich nicht verstehn …Dann werde ich aufstehn und zu Gott gehn,daßermich behalte nun,oder mir sonst etwas aufgebe zu tun,oder die Flamme austrete –Dann werde ich ruhn.

Die Glocken läuten dann wie jeden Tag …An meinem Fenster wird einer träumend stehn,und der gewölbte Berg, der drüben lag,wird – abendgrau – wie ein Grab aussehnund der Baum darauf, wie ein Baum auf einem Grab.

Indessen werden die Stern' über meinem Grab aufgehn …Der Fremde tritt vom Fenster ins Zimmer hinein;von seiner Welt nicht mehr aufzusehn,nimmt er den Arbeitssessel wieder ein –Ich liege draußen allein, wie ich im Leben war.

Und selbst die Toten neben mir werden mich nicht verstehn …Dann werde ich aufstehn und zu Gott gehn,daßermich behalte nun,oder mir sonst etwas aufgebe zu tun,oder die Flamme austrete –Dann werde ich ruhn.

Im Feld ein Mädchen singt –Vielleicht ist ihr Liebster gestorben,Vielleicht ist ihr Glück verdorben,Daß ihr Lied so traurig klingt.Das Abendrot verglüht –Die Weiden stehn und schweigen –Und immer noch so eigenTönt fern das traurige Lied.Der letzte Ton verklingt. –Ich möchte zu ihr gehen.Wir müßten uns wohl verstehen,Da sie so traurig singt.

Im Feld ein Mädchen singt –Vielleicht ist ihr Liebster gestorben,Vielleicht ist ihr Glück verdorben,Daß ihr Lied so traurig klingt.

Das Abendrot verglüht –Die Weiden stehn und schweigen –Und immer noch so eigenTönt fern das traurige Lied.

Der letzte Ton verklingt. –Ich möchte zu ihr gehen.Wir müßten uns wohl verstehen,Da sie so traurig singt.

Ich liebe unter allen die am meisten,Die unsichtbare Kronen tragen.Wohl lieb' ich auch die heitern jungen Häupter,Auf deren Locken Rosenkränze liegen,Das Haupt, das sinnende Gedanken beugten,Der Demut frommgesenkte Kinderstirn;Doch lieb' ich unter allen die am meisten,Die frei und königlich im Leben stehnUnd unsichtbare Kronen tragen.

Ich liebe unter allen die am meisten,Die unsichtbare Kronen tragen.Wohl lieb' ich auch die heitern jungen Häupter,Auf deren Locken Rosenkränze liegen,Das Haupt, das sinnende Gedanken beugten,Der Demut frommgesenkte Kinderstirn;Doch lieb' ich unter allen die am meisten,Die frei und königlich im Leben stehnUnd unsichtbare Kronen tragen.

So in die still verschneite NachtBlick' ich hinaus;Die alte Sehnsucht ist erwachtUnd singt und flüstert, weint und lachtUnd lacht mich aus.Sie zieht um mich den ZauberkreisVon Wunsch und Wahn;Sie spricht wie du so scheu und leis;Sie starrt mich an so traurig heiß,Wie du getan.

So in die still verschneite NachtBlick' ich hinaus;Die alte Sehnsucht ist erwachtUnd singt und flüstert, weint und lachtUnd lacht mich aus.

Sie zieht um mich den ZauberkreisVon Wunsch und Wahn;Sie spricht wie du so scheu und leis;Sie starrt mich an so traurig heiß,Wie du getan.

Kein Liebeswort ist zwischen uns gefallen.Du hast mir nicht einmal die Hand geküßt,Wie mancher tat, der mir nicht teuer war.Ich sprach mit dir wie mit den andern allen.Der du mir Licht und Luft gewesen bistUnd Lebensodem dieses ganze Jahr.Doch das, was deine Augen mir verkündet,Die leuchtenden Verräter, halt' ich fest,Sowie in Sturm und Schnee ein armes KindSein Püppchen hält und wunderherrlich findetUnd immer wieder zärtlich an sich preßt,Neidlos auf die, die reich und glücklich sind.

Kein Liebeswort ist zwischen uns gefallen.Du hast mir nicht einmal die Hand geküßt,Wie mancher tat, der mir nicht teuer war.Ich sprach mit dir wie mit den andern allen.Der du mir Licht und Luft gewesen bistUnd Lebensodem dieses ganze Jahr.

Doch das, was deine Augen mir verkündet,Die leuchtenden Verräter, halt' ich fest,Sowie in Sturm und Schnee ein armes KindSein Püppchen hält und wunderherrlich findetUnd immer wieder zärtlich an sich preßt,Neidlos auf die, die reich und glücklich sind.

Geboren am 3. Februar 1887 zu Salzburg, gestorben am 3. November 1914 im Garnisonlazarett zu Krakau. – Gedichte 1914. Sebastian im Traum 1914. Gesammelte Dichtungen 1919.

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.Gekeltert ist der Wein, die milde StilleErfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;Im roten Wald verliert sich eine Herde.Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.Sehr leise rührt des Abends blauer FlügelEin Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden,Und Engel treten leise aus den blauenAugen der Liebenden, die sanfter leiden.Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.Gekeltert ist der Wein, die milde StilleErfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;Im roten Wald verliert sich eine Herde.Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.Sehr leise rührt des Abends blauer FlügelEin Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.

Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden,Und Engel treten leise aus den blauenAugen der Liebenden, die sanfter leiden.Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.

Sonne, herbstlich dünn und zag,Und das Obst fällt von den Bäumen.Stille wohnt in blauen RäumenEinen langen Nachmittag.Sterbeklänge von Metall;Und ein weißes Tier bricht nieder.Brauner Mädchen rauhe LiederSind verweht im Blätterfall.Stirne Gottes Farben träumt,Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.Schatten drehen sich am HügelVon Verwesung schwarz umsäumt.Dämmerung voll Ruh und Wein;Traurige Gitarren rinnen.Und zur milden Lampe drinnenKehrst du wie im Traume ein.

Sonne, herbstlich dünn und zag,Und das Obst fällt von den Bäumen.Stille wohnt in blauen RäumenEinen langen Nachmittag.

Sterbeklänge von Metall;Und ein weißes Tier bricht nieder.Brauner Mädchen rauhe LiederSind verweht im Blätterfall.

Stirne Gottes Farben träumt,Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.Schatten drehen sich am HügelVon Verwesung schwarz umsäumt.

Dämmerung voll Ruh und Wein;Traurige Gitarren rinnen.Und zur milden Lampe drinnenKehrst du wie im Traume ein.

Wieder wandelnd im alten Park,O! Stille gelb und roter Blumen.Ihr auch trauert, ihr sanften Götter,Und das herbstliche Gold der Ulme.Reglos ragt am bläulichen WeiherDas Rohr, verstummt am Abend die Drossel.O! dann neige auch du die StirneVor der Ahnen verfallenem Marmor.

Wieder wandelnd im alten Park,O! Stille gelb und roter Blumen.Ihr auch trauert, ihr sanften Götter,Und das herbstliche Gold der Ulme.Reglos ragt am bläulichen WeiherDas Rohr, verstummt am Abend die Drossel.O! dann neige auch du die StirneVor der Ahnen verfallenem Marmor.

Septemberabend; traurig tönen die dunklen Rufe der HirtenDurch das dämmernde Dorf; Feuer sprüht in der Schmiede.Gewaltig bäumt sich ein schwarzes Pferd; die hyazinthenen Locken der MagdHaschen nach der Inbrunst seiner purpurnen Nüstern.Leise erstarrt am Saum des Waldes der Schrei der Hirschkuh,Und die gelben Blumen des HerbstesNeigen sich sprachlos über das blaue Antlitz des Teichs.In roter Flamme verbrannte ein Baum; aufflattern mit dunklen Gesichtern die Fledermäuse.

Septemberabend; traurig tönen die dunklen Rufe der HirtenDurch das dämmernde Dorf; Feuer sprüht in der Schmiede.Gewaltig bäumt sich ein schwarzes Pferd; die hyazinthenen Locken der MagdHaschen nach der Inbrunst seiner purpurnen Nüstern.Leise erstarrt am Saum des Waldes der Schrei der Hirschkuh,Und die gelben Blumen des HerbstesNeigen sich sprachlos über das blaue Antlitz des Teichs.In roter Flamme verbrannte ein Baum; aufflattern mit dunklen Gesichtern die Fledermäuse.

Am Abend schweigt die KlageDes Kuckucks im Wald.Tiefer neigt sich das Korn,Der rote Mohn.Schwarzes Gewitter drohtÜber dem Hügel.Das alte Lied der GrilleErstirbt im Feld.Nimmer regt sich das LaubDer Kastanie.Auf der WendeltreppeRauscht dein Kleid.Stille leuchtet die KerzeIm dunklen Zimmer;Eine silberne HandLöschte sie aus.Windstille, sternlose Nacht.

Am Abend schweigt die KlageDes Kuckucks im Wald.Tiefer neigt sich das Korn,Der rote Mohn.

Schwarzes Gewitter drohtÜber dem Hügel.Das alte Lied der GrilleErstirbt im Feld.

Nimmer regt sich das LaubDer Kastanie.Auf der WendeltreppeRauscht dein Kleid.

Stille leuchtet die KerzeIm dunklen Zimmer;Eine silberne HandLöschte sie aus.

Windstille, sternlose Nacht.

Stille in nächtigem Zimmer.Silbern flackert der LeuchterVor dem singenden OdemDes Einsamen;Zaubrisches Rosengewölk.Schwärzlicher FliegenschwarmVerdunkelt den steinernen Raum,Und es starrt von der QualDes goldenen Tags das HauptDes Heimatlosen.Reglos nachtet das Meer.Stern und schwärzliche FahrtEntschwand am Kanal.Kind, dein kränkliches LächelnFolgte mir leise im Schlaf.

Stille in nächtigem Zimmer.Silbern flackert der LeuchterVor dem singenden OdemDes Einsamen;Zaubrisches Rosengewölk.

Schwärzlicher FliegenschwarmVerdunkelt den steinernen Raum,Und es starrt von der QualDes goldenen Tags das HauptDes Heimatlosen.

Reglos nachtet das Meer.Stern und schwärzliche FahrtEntschwand am Kanal.Kind, dein kränkliches LächelnFolgte mir leise im Schlaf.


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