Flocken.

Leise, leise fallen weiße Flocken,Fall'n wie einstens, als dein Fuß mit BebenIn mein Haus trat, als ich hell erschrockenAhnte, daß ein Wunder sich begeben …Als der Nachthauch unsre Pulse kühlte,Droben lichte Kinderstimmen klangen …Als ich deine schauernden Arme fühlte,Die so einzig meinen Hals umschlangen …Als ein trunkner Schrei aus meiner KehleFuhr, der lang' in meinem Haus gewaltet …Als zum ersten Male deine SeeleIhre Zitterflügel froh entfaltet …

Leise, leise fallen weiße Flocken,Fall'n wie einstens, als dein Fuß mit BebenIn mein Haus trat, als ich hell erschrockenAhnte, daß ein Wunder sich begeben …

Als der Nachthauch unsre Pulse kühlte,Droben lichte Kinderstimmen klangen …Als ich deine schauernden Arme fühlte,Die so einzig meinen Hals umschlangen …

Als ein trunkner Schrei aus meiner KehleFuhr, der lang' in meinem Haus gewaltet …Als zum ersten Male deine SeeleIhre Zitterflügel froh entfaltet …

Das Leben, glaubte ich, sei rot von Rosen,Man brauche nur in sein Gestrüpp zu greifen,Um hunderte an einem Tag zu streifen …Wohl griff ich Rosen, mehr noch Herbstzeitlosen.Die Wünsche warf ich weg; sie narrn mich nimmer.Ist so mein Herz um manche Hoffnung leerer,Ist es dafür um eine Weisheit schwerer,Und mich belebt ein heller, harter Schimmer.Ich blicke kälter. Doch: schenkt mir im WandernDas Leben plötzlich eine Rose wieder,Dann blicke ich wie trunken auf sie nieder:Sie glänzt ja röter als die hundert andern.

Das Leben, glaubte ich, sei rot von Rosen,Man brauche nur in sein Gestrüpp zu greifen,Um hunderte an einem Tag zu streifen …Wohl griff ich Rosen, mehr noch Herbstzeitlosen.

Die Wünsche warf ich weg; sie narrn mich nimmer.Ist so mein Herz um manche Hoffnung leerer,Ist es dafür um eine Weisheit schwerer,Und mich belebt ein heller, harter Schimmer.

Ich blicke kälter. Doch: schenkt mir im WandernDas Leben plötzlich eine Rose wieder,Dann blicke ich wie trunken auf sie nieder:Sie glänzt ja röter als die hundert andern.

Geboren am 8. Dezember 1881 zu Berlin. Gestorben ebenda am 3. November 1904. – Nachgelassene Schriften 1907.

Wir tauchten aus dem Strom, der jenseit fließt,Und wo wir eines waren willenlos,Und wandeln nun für eine kurze WeileIn argen Fesseln unter Raum und Stunden,Wir gehen Wege, welche weit getrennt sind,Und nur mit Blicken, welche trösten sollen,Von fern uns winkend – eine kurze Weile,Bis daß wir wieder zu dem Strome tauchenUnd wieder eines sind und willenlos.

Wir tauchten aus dem Strom, der jenseit fließt,Und wo wir eines waren willenlos,Und wandeln nun für eine kurze WeileIn argen Fesseln unter Raum und Stunden,Wir gehen Wege, welche weit getrennt sind,Und nur mit Blicken, welche trösten sollen,Von fern uns winkend – eine kurze Weile,Bis daß wir wieder zu dem Strome tauchenUnd wieder eines sind und willenlos.

Der Tod wird uns an seine Hände nehmen,Ein Führer jener Seelen, welche irrten,Und sprechen: „Dieses ist der rechte Weg!“Und weiter sprechen: „Dieses ist das Land,Nach welchem ihr Verlangen habt und Tränen.“Dann aber werden wir die Blicke senkenUnd voller Trauer fragen: „Dieses nur?“

Der Tod wird uns an seine Hände nehmen,Ein Führer jener Seelen, welche irrten,Und sprechen: „Dieses ist der rechte Weg!“Und weiter sprechen: „Dieses ist das Land,Nach welchem ihr Verlangen habt und Tränen.“Dann aber werden wir die Blicke senkenUnd voller Trauer fragen: „Dieses nur?“

Es rinnen rote QuellenUm mein gesegnet Haus;Es tränkt ein schwarzer ReiterSein schwarzes Roß daraus.Er lehnt schon hundert JahreVor meinem runden Tor;Die Zeit wird ihm nicht lange,Ich komme nie hervor.Es braucht nur dreier Schritte,So kann ich bei ihm stehn,So kann ich mit ihm reiten,Wie meine Wünsche gehn.Das ist so schön zu wissen!Ich sag' es tausendmal:„Es wartet einer draußen!“Und bleibe doch im Saal.Der Reiter schläft im Schatten,Sein Panzerhemd blinkt gut;Dem Rappen ist sehr schläfrig,Mir ist sehr froh zumut!

Es rinnen rote QuellenUm mein gesegnet Haus;Es tränkt ein schwarzer ReiterSein schwarzes Roß daraus.

Er lehnt schon hundert JahreVor meinem runden Tor;Die Zeit wird ihm nicht lange,Ich komme nie hervor.

Es braucht nur dreier Schritte,So kann ich bei ihm stehn,So kann ich mit ihm reiten,Wie meine Wünsche gehn.

Das ist so schön zu wissen!Ich sag' es tausendmal:„Es wartet einer draußen!“Und bleibe doch im Saal.

Der Reiter schläft im Schatten,Sein Panzerhemd blinkt gut;Dem Rappen ist sehr schläfrig,Mir ist sehr froh zumut!

Der Sänger:Die andern sprachen deinem Herzen vieles,Nur meine Lippen blieben stumm, vergib,Vor lauter Seligkeiten, da du kamest.Beatrix:Du irrest, Bruder, und ich hörte dich!Der Sänger:Ich irre nicht, die Lippen blieben stumm,Vor lauter Seligkeiten ohne Worte.Beatrix:Du irrest, Bruder, und ich hörte dich:Die Lippen nicht, ich hörte deine Seele.Der Sänger:Ich irre nicht, die Seele blieb verstummt,Und keine Worte kamen von der Seele.Beatrix:Du irrest, Bruder, und ich hörte dich,Ich hörte deine stumme Seele singen.

Der Sänger:Die andern sprachen deinem Herzen vieles,Nur meine Lippen blieben stumm, vergib,Vor lauter Seligkeiten, da du kamest.

Beatrix:Du irrest, Bruder, und ich hörte dich!

Der Sänger:Ich irre nicht, die Lippen blieben stumm,Vor lauter Seligkeiten ohne Worte.

Beatrix:Du irrest, Bruder, und ich hörte dich:Die Lippen nicht, ich hörte deine Seele.

Der Sänger:Ich irre nicht, die Seele blieb verstummt,Und keine Worte kamen von der Seele.

Beatrix:Du irrest, Bruder, und ich hörte dich,Ich hörte deine stumme Seele singen.

Du träumtest dieses Lebens Wirren ferne,Und durch den Traum nur drang ein Laut der ErdeUnd kam und ging gleich einem Wanderer,Von dessen Schritte nachts die Straßen hallen,Der deinem Fenster so vorübergeht,Daß nur ein Hallen dir von ihm bekannt,Sein Antlitz nicht und seines Leibes WuchsUnd seine Seele nicht und seine Stimme;Er geht vorüber, und der Schritt verhallt,Auf deinem Lager horchst du eine Weile:„Wer ging vorüber ..?“ – Dann entschlummerst du.

Du träumtest dieses Lebens Wirren ferne,Und durch den Traum nur drang ein Laut der ErdeUnd kam und ging gleich einem Wanderer,Von dessen Schritte nachts die Straßen hallen,Der deinem Fenster so vorübergeht,Daß nur ein Hallen dir von ihm bekannt,Sein Antlitz nicht und seines Leibes WuchsUnd seine Seele nicht und seine Stimme;Er geht vorüber, und der Schritt verhallt,Auf deinem Lager horchst du eine Weile:„Wer ging vorüber ..?“ – Dann entschlummerst du.

Der Heimweg führte mich in dieser NachtZum Parke, welcher voller Stille lag,Und viele dürre Blätter raschelten.Und zwischen zweien hohen dunkeln StämmenErschien es mir und war mir wohlbekanntUnd weinte auch und nickt' und lockte sehr;Doch als der Wind ein wenig lauter klagte,Zerrann es …

Der Heimweg führte mich in dieser NachtZum Parke, welcher voller Stille lag,Und viele dürre Blätter raschelten.Und zwischen zweien hohen dunkeln StämmenErschien es mir und war mir wohlbekanntUnd weinte auch und nickt' und lockte sehr;Doch als der Wind ein wenig lauter klagte,Zerrann es …

Trauernd stehst du an des Flusses Rande,Trauernd führt mein Weg am andern Ufer:Keiner weiß, ob ihn der andre riefe;Allzu heftig rauschen die Gewässer.Wollen wir ein Boot vom Strande ketten,Du vom rechten, ich vom linken Strande?Wollen wir dann in des Stromes MitteLeichten Ruderschlages uns begrüßen?Wollen wir die Wasser abwärts gleiten,Boot an Boot, und nur gelinde lächelnd,Bis das Meer in großem Glanz sich auftutUnd wir stehn und beide weinen müssen?

Trauernd stehst du an des Flusses Rande,Trauernd führt mein Weg am andern Ufer:Keiner weiß, ob ihn der andre riefe;Allzu heftig rauschen die Gewässer.

Wollen wir ein Boot vom Strande ketten,Du vom rechten, ich vom linken Strande?Wollen wir dann in des Stromes MitteLeichten Ruderschlages uns begrüßen?

Wollen wir die Wasser abwärts gleiten,Boot an Boot, und nur gelinde lächelnd,Bis das Meer in großem Glanz sich auftutUnd wir stehn und beide weinen müssen?

Und abermals wirst du geboren werdenAuf andern Sternen, deiner selbst nicht kundig,Und wirst die Wege gehen allen Lebens,In Schmerzen bald und manches Mal in Lächeln.Doch steigt aus Dämmerungen einer NachtGleichwie aus Schächten, die verschüttet sind,Ein Bildnis auf, ein Schatten und ein Ruf,So wisse du: Der Bruder ruft nach dir,Der abermals dem Tode sich entrangGleich dir und abermals das Leben wandeltAuf andern Sternen fern und trauervoll.

Und abermals wirst du geboren werdenAuf andern Sternen, deiner selbst nicht kundig,Und wirst die Wege gehen allen Lebens,In Schmerzen bald und manches Mal in Lächeln.Doch steigt aus Dämmerungen einer NachtGleichwie aus Schächten, die verschüttet sind,Ein Bildnis auf, ein Schatten und ein Ruf,So wisse du: Der Bruder ruft nach dir,Der abermals dem Tode sich entrangGleich dir und abermals das Leben wandeltAuf andern Sternen fern und trauervoll.

Wir haben wohl ein Lachen um die LippenUnd gehen gleichen Mutes durch das Leben,Und ihr in Tränen und Erschütterung;Und eines Tages ist es dann geschehen:Als eure Tränen immer heißer strömten,Die müden Häupter immer tiefer sanken,Da waren euch die Schwingen längst gewachsen,Da waret ihr im Äther längst entschwunden,Da wußten wir und brannten allzu wissend:Daß Glückes mehr in euern Tränen seiAls in dem Lachen unsrer armen Seele.

Wir haben wohl ein Lachen um die LippenUnd gehen gleichen Mutes durch das Leben,Und ihr in Tränen und Erschütterung;Und eines Tages ist es dann geschehen:Als eure Tränen immer heißer strömten,Die müden Häupter immer tiefer sanken,Da waren euch die Schwingen längst gewachsen,Da waret ihr im Äther längst entschwunden,Da wußten wir und brannten allzu wissend:Daß Glückes mehr in euern Tränen seiAls in dem Lachen unsrer armen Seele.

Geboren am 12. Juli 1862 zu Jeßnitz in Anhalt, studierte in Berlin, Leipzig und Würzburg besonders Philosophie und Germanistik und starb in Würzburg am 8. März 1890. – Lieder eines Sünders 1887.

Ich weiß – ich weiß: Nur wie ein Meteor,Das flammend kam, jach sich in Nacht verlor,Werd' ich durch unsre Dichtung streifen!Die Laute rauscht. Es jauchzt wie Sturmgesang, –Wie Südwind kost – es gellt wie TrommelklangMein Lied und wird in alle Herzen greifen …Dann bebt's jäh aus in schriller Dissonanz …Die Blüten sind verdorrt, versprüht der Glanz –Es streicht der Abendwind durch die Zypressen …Nur wenige weinen … Sie verstummen bald.Was ich geträumt: sie geben ihm Gestalt –Ich aber werde bald vergessen …

Ich weiß – ich weiß: Nur wie ein Meteor,Das flammend kam, jach sich in Nacht verlor,Werd' ich durch unsre Dichtung streifen!Die Laute rauscht. Es jauchzt wie Sturmgesang, –Wie Südwind kost – es gellt wie TrommelklangMein Lied und wird in alle Herzen greifen …

Dann bebt's jäh aus in schriller Dissonanz …Die Blüten sind verdorrt, versprüht der Glanz –Es streicht der Abendwind durch die Zypressen …Nur wenige weinen … Sie verstummen bald.Was ich geträumt: sie geben ihm Gestalt –Ich aber werde bald vergessen …

Im Sklavendienst der LügeHab' ich den Tag verbracht …Nun hat den Gnadenschleier leisHerabgesenkt die Nacht.Es schweigt verträumt die Runde,Nur raunend der Nachtwind rauscht –Ich aber mit brennendem MundeHabe Stunde um StundeMit Geistern aus nächtigem GrundeWilde Zwiesprach' getauscht!Hei! Wie er mich umflattert,Der Geister toller Schwarm!Wie er mich preßt mit dunkler LustIn seinen Riesenarm!Wie Frage er auf FrageIn meine Seele schreit!Und ob ich bang verzage,Die Brust mir blutig schlageUnd bete, daß es tage:Wie ist der Tag so weit!

Im Sklavendienst der LügeHab' ich den Tag verbracht …Nun hat den Gnadenschleier leisHerabgesenkt die Nacht.

Es schweigt verträumt die Runde,Nur raunend der Nachtwind rauscht –Ich aber mit brennendem MundeHabe Stunde um StundeMit Geistern aus nächtigem GrundeWilde Zwiesprach' getauscht!

Hei! Wie er mich umflattert,Der Geister toller Schwarm!Wie er mich preßt mit dunkler LustIn seinen Riesenarm!Wie Frage er auf FrageIn meine Seele schreit!Und ob ich bang verzage,Die Brust mir blutig schlageUnd bete, daß es tage:Wie ist der Tag so weit!

Ich wollte dich mit Rosen überschütten,Mit roten Rosen dein goldbraunes HaarUnd deines Mieders Knospenrundung schmücken …Als noch der Lenz mit süßem Veilchenodem,Ein milder Sieger, durch die Lande schritt,Sprach ich zu dir: Geliebte! Hat sein MundMit letztem heißem Abschiedskuß die Rose,Die rote Sommerrose, aufgebrochen,Dann will ich zu dir kommen und mit Rosen,Mit roten Rosen deine Schönheit krönen …Nun kam der Sommer … Und der Rosen FülleSeh' ich allorts und alle Stunden blühn …Die ganze Welt scheint ihrer Macht verfallen,Und ihre Keusche wirbt Vasallen um Vasallen …Selbst einen Bettler sah ich heute lächeln,Als sein vertränter Blick von ungefährAuf einen Korb mit roten Rosen fiel …Ich kauf' sie in der ganzen Stadt zusammenUnd schütte sie auf tote Liebesflammen …–  –  –Nun schmückt ein andrer wohl dein Knospenmieder,Und morgen wohl begegne ich euch beiden …Ich blick' euch lächelnd nach …Und denke ganz aus ZufallBei der Gelegenheit an einen Frühlingstag,Da wir uns sahn … Am Abend dannSchlug uns die Nachtigall in ihren Bann,Umduftete uns süß der Flieder …Wir aber liebten uns …–  –  –

Ich wollte dich mit Rosen überschütten,Mit roten Rosen dein goldbraunes HaarUnd deines Mieders Knospenrundung schmücken …

Als noch der Lenz mit süßem Veilchenodem,Ein milder Sieger, durch die Lande schritt,Sprach ich zu dir: Geliebte! Hat sein MundMit letztem heißem Abschiedskuß die Rose,Die rote Sommerrose, aufgebrochen,Dann will ich zu dir kommen und mit Rosen,Mit roten Rosen deine Schönheit krönen …

Nun kam der Sommer … Und der Rosen FülleSeh' ich allorts und alle Stunden blühn …Die ganze Welt scheint ihrer Macht verfallen,Und ihre Keusche wirbt Vasallen um Vasallen …Selbst einen Bettler sah ich heute lächeln,Als sein vertränter Blick von ungefährAuf einen Korb mit roten Rosen fiel …

Ich kauf' sie in der ganzen Stadt zusammenUnd schütte sie auf tote Liebesflammen …–  –  –Nun schmückt ein andrer wohl dein Knospenmieder,Und morgen wohl begegne ich euch beiden …Ich blick' euch lächelnd nach …Und denke ganz aus ZufallBei der Gelegenheit an einen Frühlingstag,Da wir uns sahn … Am Abend dannSchlug uns die Nachtigall in ihren Bann,Umduftete uns süß der Flieder …

Wir aber liebten uns …–  –  –

Wie ich mich auf den Frühling freue!Wie mir das Alte und doch so NeueSchon im tiefsten Winter die Seele bewegt!Noch ist's erst Weihnacht! Noch atmet der WinterAus vollen Lungen!Und doch ist's mir, als ob schon dahinterSehnsuchtsbezwungenLeise, ganz leise der Lenz sich regt …

Wie ich mich auf den Frühling freue!Wie mir das Alte und doch so NeueSchon im tiefsten Winter die Seele bewegt!Noch ist's erst Weihnacht! Noch atmet der WinterAus vollen Lungen!Und doch ist's mir, als ob schon dahinterSehnsuchtsbezwungenLeise, ganz leise der Lenz sich regt …

Mein Blick, nun weide dich zum letztenmalAn dieses Frühlings satter Blütenfülle!Voll Inbrunst sauge dieser Sonne Strahl –Mein Herz, sei stille! …Erschweig bewundernd vor dem Werdedrang!Was dich erfüllt, den Winden gib's zum Raube! …Ob dir der Hoffnung goldnes Sieb zersprang –Dir blieb der Glaube! …O glaube eine winzige Weile nur,Daß diese Botschaft auch für dich gebracht ward!Umfaß noch einmal trunken die Natur,Bevor es Nacht ward! …Auf meinen Scheitel streut der FrühlingswindMattweiße Blüten – eine letzte Krönung – – –Ich bin so fromm und heiter wie ein Kind …Und voll Versöhnung …

Mein Blick, nun weide dich zum letztenmalAn dieses Frühlings satter Blütenfülle!Voll Inbrunst sauge dieser Sonne Strahl –Mein Herz, sei stille! …

Erschweig bewundernd vor dem Werdedrang!Was dich erfüllt, den Winden gib's zum Raube! …Ob dir der Hoffnung goldnes Sieb zersprang –Dir blieb der Glaube! …

O glaube eine winzige Weile nur,Daß diese Botschaft auch für dich gebracht ward!Umfaß noch einmal trunken die Natur,Bevor es Nacht ward! …

Auf meinen Scheitel streut der FrühlingswindMattweiße Blüten – eine letzte Krönung – – –Ich bin so fromm und heiter wie ein Kind …Und voll Versöhnung …

Die müde schon verglühte,Die leise schon verklang,Jach ist sie wieder aufgeflammtIn jauchzendem Gesang!Wie Zimbelton, wie LautenschlagWard meine Liebe wieder wach,Die müde schon verglühte,Die leise schon verklang …Und heller tönt ihr Rauschen,Wie junger Frühlingswind,Wenn er in heißem SchöpferdrangDie Welt dem Licht gewinnt!Und das Prophetenwort erläßt,Daß nun der Menschheit Osterfest –Ja! Heller tönt ihr Rauschen,Wie junger Frühlingswind!Und wie durch NebelschleierDie Sonne siegreich bricht,Der jungen Flur ein goldnes BandUms Lockenantlitz flicht:So überglänzt mit PurpurscheinDie Liebe nun mein ganzes Sein,Gießt goldne Feuer niederUnd wirbt um neue Lieder …Und nah und ferne quellenBlitzende Wellen emporAn meinem LebenshorizontAus Dunst und Wolkenflor!Gedanken, die mir nie genaht,Und Pfade, die ich nie betrat,Entsteigen verborgenen Gründen,Heilige Kraft zu entzünden!Die leise schon verklungen,Die müde schon verglüht:Wild ist sie wieder aufgeflammt,Im Lenzsturm stark erblüht!Und lag ich nieder staubbedeckt,So hab' ich mich nun aufgereckt,Und die Gedanken schweifenIn großem Weltbegreifen!

Die müde schon verglühte,Die leise schon verklang,Jach ist sie wieder aufgeflammtIn jauchzendem Gesang!Wie Zimbelton, wie LautenschlagWard meine Liebe wieder wach,Die müde schon verglühte,Die leise schon verklang …

Und heller tönt ihr Rauschen,Wie junger Frühlingswind,Wenn er in heißem SchöpferdrangDie Welt dem Licht gewinnt!Und das Prophetenwort erläßt,Daß nun der Menschheit Osterfest –Ja! Heller tönt ihr Rauschen,Wie junger Frühlingswind!

Und wie durch NebelschleierDie Sonne siegreich bricht,Der jungen Flur ein goldnes BandUms Lockenantlitz flicht:So überglänzt mit PurpurscheinDie Liebe nun mein ganzes Sein,Gießt goldne Feuer niederUnd wirbt um neue Lieder …

Und nah und ferne quellenBlitzende Wellen emporAn meinem LebenshorizontAus Dunst und Wolkenflor!Gedanken, die mir nie genaht,Und Pfade, die ich nie betrat,Entsteigen verborgenen Gründen,Heilige Kraft zu entzünden!

Die leise schon verklungen,Die müde schon verglüht:Wild ist sie wieder aufgeflammt,Im Lenzsturm stark erblüht!Und lag ich nieder staubbedeckt,So hab' ich mich nun aufgereckt,Und die Gedanken schweifenIn großem Weltbegreifen!

Mit metallhartem RotgelbHat sich des HimmelsWestliche Wölbung beflammt.Mein Auge starrt staunendIn die leuchtende Blende,Die wachsend fortglüht,Als sei nimmer ihr EndeDie lichtlose Nacht …Da streift die brennendeLichtwand ein Fittich –Der nachtschwarze FittichEines Dämmerungsvogels …Eine kleine Spanne –Und die Weite verschlang ihn.Also trägt auch der MenschMit schwankem FittichSein zwielichtbefangenes SeinVorüber an der stetig leuchtendenKristallwand der Ewigkeit …Er huscht dahinEin Traum – ein Wahn –Auf schmaler Bahn –So bald – so baldRaubt seiner GestaltSchattengefügeDes NichtseinsFarblose Wahrheitslüge.Aber im Fluge –Im Vorüberfluge –Ahnt er das RätselDer stetig und stillIn sattem GlanzeFortdauernden Ewigkeit …

Mit metallhartem RotgelbHat sich des HimmelsWestliche Wölbung beflammt.

Mein Auge starrt staunendIn die leuchtende Blende,Die wachsend fortglüht,Als sei nimmer ihr EndeDie lichtlose Nacht …

Da streift die brennendeLichtwand ein Fittich –Der nachtschwarze FittichEines Dämmerungsvogels …Eine kleine Spanne –Und die Weite verschlang ihn.

Also trägt auch der MenschMit schwankem FittichSein zwielichtbefangenes SeinVorüber an der stetig leuchtendenKristallwand der Ewigkeit …

Er huscht dahinEin Traum – ein Wahn –Auf schmaler Bahn –So bald – so baldRaubt seiner GestaltSchattengefügeDes NichtseinsFarblose Wahrheitslüge.

Aber im Fluge –Im Vorüberfluge –Ahnt er das RätselDer stetig und stillIn sattem GlanzeFortdauernden Ewigkeit …

Geboren am 17. August 1876 zu Triest. – Das Nordlicht 1910. Der sternhelle Weg 1915. Hymne an Italien 1916. Das Sternenkind 1917.

Mit dem Monde will ich wandeln:Schlangenwege über BergeFühren Träume, bringen SchritteDurch den Wald dem Monde zu.Durch Zypressen staunt er plötzlich,Daß ich ihm entgegengeh,Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd,Wenn mich's friedlich talwärts zieht.Schlangenwege durch die WälderBringen mich zum Silbersee:Nur ein Nachen auf dem Wasser,Heilig oben unser Mond.Schlangenwege durch die WälderFühren mich zu einem Berg.Oben steht der Mond und wartet,Und ich steige leicht empor.

Mit dem Monde will ich wandeln:Schlangenwege über BergeFühren Träume, bringen SchritteDurch den Wald dem Monde zu.

Durch Zypressen staunt er plötzlich,Daß ich ihm entgegengeh,Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd,Wenn mich's friedlich talwärts zieht.

Schlangenwege durch die WälderBringen mich zum Silbersee:Nur ein Nachen auf dem Wasser,Heilig oben unser Mond.

Schlangenwege durch die WälderFühren mich zu einem Berg.Oben steht der Mond und wartet,Und ich steige leicht empor.

Die Buche sagt: Mein Walten bleibt das Laub.Ich bin kein Baum mit sprechenden Gedanken,Mein Ausdruck wird ein Ästeüberranken,Ich bin das Laub, die Krone überm Staub.Dem warmen Aufruf mag ich rasch vertraunIch fang im Frühling selig an zu reden,Ich wende mich in schlichter Art an jeden:Du staunst, denn ich beginne rostigbraun!Mein Waldgehaben zeigt sich sommerfroh.Ich will, daß Nebel sich um Äste legen,Ich mag das Naß, ich selber bin der Regen.Die Hitze stirbt: ich grüne lichterloh!Die Winterspflicht erfüll' ich ernst und grau.Doch schütt' ich erst den Herbst aus meinem Wesen.Er ist noch niemals ohne mich gewesen.Da werd' ich Teppich, sammetrote Au.

Die Buche sagt: Mein Walten bleibt das Laub.Ich bin kein Baum mit sprechenden Gedanken,Mein Ausdruck wird ein Ästeüberranken,Ich bin das Laub, die Krone überm Staub.

Dem warmen Aufruf mag ich rasch vertraunIch fang im Frühling selig an zu reden,Ich wende mich in schlichter Art an jeden:Du staunst, denn ich beginne rostigbraun!

Mein Waldgehaben zeigt sich sommerfroh.Ich will, daß Nebel sich um Äste legen,Ich mag das Naß, ich selber bin der Regen.Die Hitze stirbt: ich grüne lichterloh!

Die Winterspflicht erfüll' ich ernst und grau.Doch schütt' ich erst den Herbst aus meinem Wesen.Er ist noch niemals ohne mich gewesen.Da werd' ich Teppich, sammetrote Au.

Ein Wagen steht vor einer finstern Schenke.Das viele Mondlicht wird dem Pferd zu schwer.Die Droschke und die Gassenflucht sind leer;Oft stampft das Tier, daß seiner wer gedenke.Es halten diese Mähre halb nur die Gelenke,Denn an der Deichsel hängt sie immer mehr.Sie baumelt mit dem Kopfe hin und her,Daß sie zum Warten sich zusammenrenke.Aus ihrem Traume scheucht sie das GezänkeUnd oft das geile Lachen aus der Schenke.Da macht sie einen Schritt, zur Fahrt bereit.Dann meint sie schlafhaft, daß sie heimwärts lenkeUnd hängt sich an sich selbst aus Schläfrigkeit,Noch einmal poltern da die Droschkenbänke.

Ein Wagen steht vor einer finstern Schenke.Das viele Mondlicht wird dem Pferd zu schwer.Die Droschke und die Gassenflucht sind leer;Oft stampft das Tier, daß seiner wer gedenke.

Es halten diese Mähre halb nur die Gelenke,Denn an der Deichsel hängt sie immer mehr.Sie baumelt mit dem Kopfe hin und her,Daß sie zum Warten sich zusammenrenke.

Aus ihrem Traume scheucht sie das GezänkeUnd oft das geile Lachen aus der Schenke.Da macht sie einen Schritt, zur Fahrt bereit.

Dann meint sie schlafhaft, daß sie heimwärts lenkeUnd hängt sich an sich selbst aus Schläfrigkeit,Noch einmal poltern da die Droschkenbänke.

Ich möchte wandern. Nackt verschwinden, schwimmen.Stets weiterschwimmen, Frauen treffen, minnen.Mich geben wie das Wasser: abwärtsrinnen.Die Flut befragen. Schwimmend immer weiter klimmen.Im weichen Wasser wohnen Wunderstimmen.Sie wollen mich für ihre Glut gewinnen.Sie sind im Nebel. Noch im Tropfen drinnen.Ganz innen kann auch kaltes Wasser glimmen.Die Wellen wollen sich in mich verlieben.Wer ist bei mir geheimnisvoll zugegen?Nur wir! wenn alle Wünsche leicht zerstieben.Ich will mich in der Flut zur Ruhe legen,Die Wellen tragen meine Kunden weiter:Selbst alle Schwermut überschäumt sich heiter.

Ich möchte wandern. Nackt verschwinden, schwimmen.Stets weiterschwimmen, Frauen treffen, minnen.Mich geben wie das Wasser: abwärtsrinnen.Die Flut befragen. Schwimmend immer weiter klimmen.

Im weichen Wasser wohnen Wunderstimmen.Sie wollen mich für ihre Glut gewinnen.Sie sind im Nebel. Noch im Tropfen drinnen.Ganz innen kann auch kaltes Wasser glimmen.

Die Wellen wollen sich in mich verlieben.Wer ist bei mir geheimnisvoll zugegen?Nur wir! wenn alle Wünsche leicht zerstieben.

Ich will mich in der Flut zur Ruhe legen,Die Wellen tragen meine Kunden weiter:Selbst alle Schwermut überschäumt sich heiter.

Ich sah sie einst. Sie stand auf dem Mondlichtbalkone.Der Frühling verblühte in Beeten und Töpfen.Ihr goldenes Haar, eine luftige Krone,Verrankte, verlor sich in offenen Zöpfen.Ihr griechisches Doppelkreuz grüßte die Brüste,Die immer zum Kreuz hinan wogten und wallten,Als ob es die Seele sanft wachhalten müßte.Der Mondschimmer kam, ihren Traum zu erhalten.Bald lachten die Sicheln fast männlicher Zähne.Sie glänzten hinaus zu den horchenden Sternen.Es trug schon die Nacht ihre feurige Mähne,Sie schwang sich als Stute durch Steppen und Fernen.Die Augen der Russin vermuteten Meere.Sie regten sich stets in der furchtbaren Stille.Es nahte ein Augenblick schrecklicher Leere,Doch unentwegt zuckte die goldne Pupille.Dann schenkte die Ebne sich kühlende Winde.Die Russin erwachte und spürte die Kälte.Zitternd zerband sie die Fenstergewinde,Versperrte sich, schwand. Und ein ferner Hund bellte.

Ich sah sie einst. Sie stand auf dem Mondlichtbalkone.Der Frühling verblühte in Beeten und Töpfen.Ihr goldenes Haar, eine luftige Krone,Verrankte, verlor sich in offenen Zöpfen.

Ihr griechisches Doppelkreuz grüßte die Brüste,Die immer zum Kreuz hinan wogten und wallten,Als ob es die Seele sanft wachhalten müßte.Der Mondschimmer kam, ihren Traum zu erhalten.

Bald lachten die Sicheln fast männlicher Zähne.Sie glänzten hinaus zu den horchenden Sternen.Es trug schon die Nacht ihre feurige Mähne,Sie schwang sich als Stute durch Steppen und Fernen.

Die Augen der Russin vermuteten Meere.Sie regten sich stets in der furchtbaren Stille.Es nahte ein Augenblick schrecklicher Leere,Doch unentwegt zuckte die goldne Pupille.

Dann schenkte die Ebne sich kühlende Winde.Die Russin erwachte und spürte die Kälte.Zitternd zerband sie die Fenstergewinde,Versperrte sich, schwand. Und ein ferner Hund bellte.

Geboren am 25. Juli 1867 zu Würzburg, gestorben im Herbst 1918 auf Java. – Reliquien 1900. Singsangbuch 1907. Insichversunkene Lieder im Laub 1908. Der weiße Schlaf 1909. Lusamgärtlein 1909. Weltspuk 1910. Des großen Krieges Not 1915.

Laß mich in deinem stillen Auge ruhen,Dein Auge ist der stillste Fleck auf Erden.Es liegt sich gut in deinem dunkeln Blick,Dein Blick ist gütig wie der weiche Abend.Vom dunkeln Horizont der ErdeIst nur ein Schritt hinüber in den Himmel,In deinem Auge endet meine Erde.

Laß mich in deinem stillen Auge ruhen,Dein Auge ist der stillste Fleck auf Erden.

Es liegt sich gut in deinem dunkeln Blick,Dein Blick ist gütig wie der weiche Abend.

Vom dunkeln Horizont der ErdeIst nur ein Schritt hinüber in den Himmel,In deinem Auge endet meine Erde.

Graue Engel gehen um mich,Sehen trauernd auf dich, meine Seele,Sie stehen mit lahmen FlügelnAn Aschenhügeln und sinnen;Draußen und drinnen ist es Abend, meine Seele.

Graue Engel gehen um mich,Sehen trauernd auf dich, meine Seele,Sie stehen mit lahmen FlügelnAn Aschenhügeln und sinnen;Draußen und drinnen ist es Abend, meine Seele.

Am süßen lila Kleefeld vorbei,Zu den Tannen, den zwei,Mit der Bank inmitten,Dort zieht wie ein weicher FlötenlautDer sanfte Fjord,Blau im Schilfgrün ausgeschnitten.Gib mir die Hand.Die beiden Tannen stehen so still,Ich will dir sagen,Was die Stille rings verschweigen will.Gib mir die Hand …Gib mir in deiner Hand dein Herz.

Am süßen lila Kleefeld vorbei,Zu den Tannen, den zwei,Mit der Bank inmitten,Dort zieht wie ein weicher FlötenlautDer sanfte Fjord,Blau im Schilfgrün ausgeschnitten.

Gib mir die Hand.Die beiden Tannen stehen so still,Ich will dir sagen,Was die Stille rings verschweigen will.Gib mir die Hand …Gib mir in deiner Hand dein Herz.

Winde quälen die Bäume,Die Blätter frieren und gilben.Menschen, noch braun die Sommerwangen,Aber die Lippen sangen die letzten Silben.Bald ist das Lied zergangen.

Winde quälen die Bäume,Die Blätter frieren und gilben.

Menschen, noch braun die Sommerwangen,Aber die Lippen sangen die letzten Silben.Bald ist das Lied zergangen.

Die Amseln haben Sonne getrunken,Aus allen Gärten strahlen die Lieder,In allen Herzen nisten die Amseln,Und alle Herzen werden zu GärtenUnd blühen wieder.Nun wachsen der Erde die großen Flügel,Und allen Träumen neues Gefieder,Alle Menschen werden wie VögelUnd bauen Nester im Blauen.Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge,Und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,In allen Seelen badet die Sonne,Alle Wasser stehen in Flammen,Frühling bringt Wasser und FeuerLiebend zusammen.

Die Amseln haben Sonne getrunken,Aus allen Gärten strahlen die Lieder,In allen Herzen nisten die Amseln,Und alle Herzen werden zu GärtenUnd blühen wieder.

Nun wachsen der Erde die großen Flügel,Und allen Träumen neues Gefieder,Alle Menschen werden wie VögelUnd bauen Nester im Blauen.

Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge,Und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,In allen Seelen badet die Sonne,Alle Wasser stehen in Flammen,Frühling bringt Wasser und FeuerLiebend zusammen.

Die Luft so schwer,Wolken stehen weiß und still,Der Himmel hohl und aschenleer,Ein Rabenschrei –,Und kreischt vorbei.Die Bäume stehen kalt umher,Es ist, als ob das letzte Herz gestorben sei.

Die Luft so schwer,Wolken stehen weiß und still,Der Himmel hohl und aschenleer,Ein Rabenschrei –,Und kreischt vorbei.Die Bäume stehen kalt umher,Es ist, als ob das letzte Herz gestorben sei.

Auf deinem Haupt schmolz eine goldenrote Krone,Davon glüht nun dein Haar so goldenrot und stolz.Aus deinen Augen zieht das stille herbe LiedDer tiefen ungeweinten Tränen.Schliefen denn niemals Sonnenstrahlen auf deinen Lippen?Man könnte wähnen,Du habest nie dich selbst gesehn,So arm bist du.

Auf deinem Haupt schmolz eine goldenrote Krone,Davon glüht nun dein Haar so goldenrot und stolz.Aus deinen Augen zieht das stille herbe LiedDer tiefen ungeweinten Tränen.

Schliefen denn niemals Sonnenstrahlen auf deinen Lippen?Man könnte wähnen,Du habest nie dich selbst gesehn,So arm bist du.

In deinem AngesichtSchwebt Stille.Stille, welche in sommerschweren Wäldern lebt,Auf abendblauem Berge,Und im Blumenkelche.Eine Stille, warm und licht,Die ohne Laut vornehme Laute spricht.

In deinem AngesichtSchwebt Stille.Stille, welche in sommerschweren Wäldern lebt,Auf abendblauem Berge,Und im Blumenkelche.Eine Stille, warm und licht,Die ohne Laut vornehme Laute spricht.

Unsere Augen so leer,Unsere Küsse so welk,Wir weinen und schweigen,Unsere Herzen schlagen nicht mehr.Die Schwalben sammeln sich draußen am MeerDie Schwalben scheiden,Sie kommen wieder,Aber nie mehr uns beiden.

Unsere Augen so leer,Unsere Küsse so welk,Wir weinen und schweigen,Unsere Herzen schlagen nicht mehr.

Die Schwalben sammeln sich draußen am MeerDie Schwalben scheiden,Sie kommen wieder,Aber nie mehr uns beiden.

Stille weht in das Haus,Fühlst du den Atem des Mondes,Löse dein Haar,Lege dein Haupt in den Blauschein hinaus.Hörst du, das Meer unten am StrandWirft die Schätze ans Land;Sonst wuchsen im Mond Wünsche, ein Heer,Seit ich dein Auge gesehn, ist die Mondnacht wunschleer.

Stille weht in das Haus,Fühlst du den Atem des Mondes,Löse dein Haar,Lege dein Haupt in den Blauschein hinaus.Hörst du, das Meer unten am StrandWirft die Schätze ans Land;Sonst wuchsen im Mond Wünsche, ein Heer,Seit ich dein Auge gesehn, ist die Mondnacht wunschleer.

Die Sommernacht, und andachtvoll der dunkle GartenUnd schwer zufrieden mit den reichen Bäumen.Derselbe Mond, der all die großen Bäume klein gesehen,Vor dem die dunkeln Blätter staunend glänzen,Unwissend stumm gekommen, unwissend stumm vergehen.Der dunkle Garten, draus ein kalter Atem weht,Sehr kühl vom kaltgewordnen Schweiß der Erde.Und immer kommt und geht darin der MondUnd wird nicht müde, nie, und kommt und geht.Doch auszudenken, daß wir müde einstFür immer gehn, unwissend mit uns selbst.

Die Sommernacht, und andachtvoll der dunkle GartenUnd schwer zufrieden mit den reichen Bäumen.Derselbe Mond, der all die großen Bäume klein gesehen,Vor dem die dunkeln Blätter staunend glänzen,Unwissend stumm gekommen, unwissend stumm vergehen.

Der dunkle Garten, draus ein kalter Atem weht,Sehr kühl vom kaltgewordnen Schweiß der Erde.Und immer kommt und geht darin der MondUnd wird nicht müde, nie, und kommt und geht.Doch auszudenken, daß wir müde einstFür immer gehn, unwissend mit uns selbst.

Der Abendhimmel leuchtet wie ein Blumenstrauß,Wie rosige Wicken und rosa Klee sehen die Wolken aus.Den Strauß umschließen die grünen Bäume und Wiesen,Und leicht schwebt über der goldenen HelleDes Mondes Sichel wie eine silberne Libelle.Die Menschen aber gehen versunken tief drinnen im Strauß,Wie die Käfer trunken, und finden nicht mehr heraus.

Der Abendhimmel leuchtet wie ein Blumenstrauß,Wie rosige Wicken und rosa Klee sehen die Wolken aus.Den Strauß umschließen die grünen Bäume und Wiesen,Und leicht schwebt über der goldenen HelleDes Mondes Sichel wie eine silberne Libelle.Die Menschen aber gehen versunken tief drinnen im Strauß,Wie die Käfer trunken, und finden nicht mehr heraus.

Ich möchte mir Freuden wie aus roten Steinbrüchen brechen,Möchte Brücken schlagen tief in die Wolken hinein;Möchte mit Bergen sprechen wie Glocken in hohen Türmen,Wie Laubbäume ragen und mit den Frühlingen stürmenUnd wie ein dunkler Strom der Ufer Schattenwelt tragen.Fiel gern als Abenddunkel in alle Gassen hinein,Drinnen Burschen die Mädchen suchen und fassen.Möchte rollend das Blut aller Verliebten seinUnd von Liebe und Sehnsucht niemals vergessen.

Ich möchte mir Freuden wie aus roten Steinbrüchen brechen,Möchte Brücken schlagen tief in die Wolken hinein;Möchte mit Bergen sprechen wie Glocken in hohen Türmen,Wie Laubbäume ragen und mit den Frühlingen stürmenUnd wie ein dunkler Strom der Ufer Schattenwelt tragen.Fiel gern als Abenddunkel in alle Gassen hinein,Drinnen Burschen die Mädchen suchen und fassen.Möchte rollend das Blut aller Verliebten seinUnd von Liebe und Sehnsucht niemals vergessen.

Die Dunkelheit hat alle Wege mit Toren zugemacht:Wie eine dumpfe Stube steht die Sommernacht.Die Sterne kommen still den Berg ganz nah herauf,Manchmal da atmet tief ein Sternlicht auf.Ein großer Baum streckt seine Krone himmelan,Als ob die Nacht ihn weit fortrücken kann.Doch alle Dinge sind nur wie die SchattenVom Tag und von Gedanken und von Taten.Und alle Dinge sind stumm und verblichen,Als wären sie verstohlen ausgewichen.Sie alle haben nur verschwinden müssen,Damit die scheuen Lippen sich finden und küssen.

Die Dunkelheit hat alle Wege mit Toren zugemacht:Wie eine dumpfe Stube steht die Sommernacht.Die Sterne kommen still den Berg ganz nah herauf,Manchmal da atmet tief ein Sternlicht auf.Ein großer Baum streckt seine Krone himmelan,Als ob die Nacht ihn weit fortrücken kann.

Doch alle Dinge sind nur wie die SchattenVom Tag und von Gedanken und von Taten.Und alle Dinge sind stumm und verblichen,Als wären sie verstohlen ausgewichen.Sie alle haben nur verschwinden müssen,Damit die scheuen Lippen sich finden und küssen.

Der Mond geht groß aus dem Abend hervor,Steht über dem Schloß und dem GartentorUnd läßt sanft glühend die Erde los.Der Mond ist wie eine feurige Ros',Die meine Liebste im Garten verlor.Mein Schatten an den steinernen WändenGeht hinter mir wie ein dienender Mohr.Ich werde den Mohren hinsenden,Er hebe die Rose vorsichtig aufUnd bringe sie ihr in den dunklen Händen.

Der Mond geht groß aus dem Abend hervor,Steht über dem Schloß und dem GartentorUnd läßt sanft glühend die Erde los.Der Mond ist wie eine feurige Ros',Die meine Liebste im Garten verlor.

Mein Schatten an den steinernen WändenGeht hinter mir wie ein dienender Mohr.Ich werde den Mohren hinsenden,Er hebe die Rose vorsichtig aufUnd bringe sie ihr in den dunklen Händen.

Statt der Blumen und Blätter, die sich sonst regen,Steht Reisigholz stumm auf allen Wegen.Am Himmel gehen Nebel und Nässe um,Und Nachtstürme reiten die Bäume krumm.Ich stehe hinter Fensterscheiben verloren,Die alten Lieder sind nur Träume hinter sieben Toren.Die Geliebte ging weit in den Nebel fort,Nichts blieb als in den Ohren ihr Liebeswort.

Statt der Blumen und Blätter, die sich sonst regen,Steht Reisigholz stumm auf allen Wegen.Am Himmel gehen Nebel und Nässe um,Und Nachtstürme reiten die Bäume krumm.

Ich stehe hinter Fensterscheiben verloren,Die alten Lieder sind nur Träume hinter sieben Toren.Die Geliebte ging weit in den Nebel fort,Nichts blieb als in den Ohren ihr Liebeswort.

Wer hat die Wolken zerbeult?Wer heult vom Berg wie von einem Turm?Wer hat in der Brust solch zwiefachen Sturm?Wer jagt den Fluß vor sich her wie ein Tier?Wer ist es, der draußen wild aufstöhnen muß?Wem ist seine Qual hell wütend Genuß?Und wer verflucht sich finster und stier?Ist es die Nacht?Oder ein Stück Schatten von mir?

Wer hat die Wolken zerbeult?Wer heult vom Berg wie von einem Turm?Wer hat in der Brust solch zwiefachen Sturm?Wer jagt den Fluß vor sich her wie ein Tier?Wer ist es, der draußen wild aufstöhnen muß?Wem ist seine Qual hell wütend Genuß?Und wer verflucht sich finster und stier?Ist es die Nacht?Oder ein Stück Schatten von mir?

In der gelben und grünlichen AbendhelleGehn finsternde Wolken nicht von der Stelle.Übern Fluß kommt der Hunde verhetztes Gebelle.Noch immer sind Schritte am Pflaster draußen.Sie kommen und gehen in kurzen Pausen,Als ob da Schritte ohne Menschen hausen.Die Berge werden wie dunkle Kissen,Drauf ruhn die Abendstunden, welche die Sonne vermissen.Der Himmel steht wie ein sehnsüchtig Aug' hell aufgerissen.

In der gelben und grünlichen AbendhelleGehn finsternde Wolken nicht von der Stelle.Übern Fluß kommt der Hunde verhetztes Gebelle.

Noch immer sind Schritte am Pflaster draußen.Sie kommen und gehen in kurzen Pausen,Als ob da Schritte ohne Menschen hausen.

Die Berge werden wie dunkle Kissen,Drauf ruhn die Abendstunden, welche die Sonne vermissen.Der Himmel steht wie ein sehnsüchtig Aug' hell aufgerissen.

Geboren am 6. Februar 1859 zu Weißkirchen in Mähren, studierte deutsche Philologie in Wien, lebte daselbst als Schriftsteller und starb am 20. November 1906. – Gedichte 1892.

Ich weiß, mein Lied wird nie gesungenVon jungen Stimmen hell im Chor;Doch sagt's, vom Dämmern lind bezwungen,Vielleicht ein Träumer gern sich vor.Ob vieles zur Vollendung fehle,Er hört, in Lauten trüb und bang,Das Atmen einer müden Seele,Die hart um Licht und Leben rang.Es dunkelt. Und wenn lind und leiseSo Form wie Farbe rings verschwimmt,Erklingt in meiner Brust die Weise,So dämmerfroh und unbestimmt.Und wenn dann, tief in seinem Innern,Ein Abglanz meines Leids ersteht,Soll er des Dichters sich erinnern,Des Name längst im Wind verweht …

Ich weiß, mein Lied wird nie gesungenVon jungen Stimmen hell im Chor;Doch sagt's, vom Dämmern lind bezwungen,Vielleicht ein Träumer gern sich vor.Ob vieles zur Vollendung fehle,Er hört, in Lauten trüb und bang,Das Atmen einer müden Seele,Die hart um Licht und Leben rang.

Es dunkelt. Und wenn lind und leiseSo Form wie Farbe rings verschwimmt,Erklingt in meiner Brust die Weise,So dämmerfroh und unbestimmt.Und wenn dann, tief in seinem Innern,Ein Abglanz meines Leids ersteht,Soll er des Dichters sich erinnern,Des Name längst im Wind verweht …

Ich hab' kein Haus, ich hab' kein Nest,Ich hab' kein Hochzeit und kein Fest;Ich hab' kein Hof, ich hab' kein Feld,Ich hab' kein Heimat auf der Welt.Am Himmel selbst der Schauerstrich,Den fürchten sie nicht so wie mich;Mir geht's nicht gut, mir geht's nicht schlecht –Und so, gerade so ist's recht …

Ich hab' kein Haus, ich hab' kein Nest,Ich hab' kein Hochzeit und kein Fest;Ich hab' kein Hof, ich hab' kein Feld,Ich hab' kein Heimat auf der Welt.Am Himmel selbst der Schauerstrich,Den fürchten sie nicht so wie mich;Mir geht's nicht gut, mir geht's nicht schlecht –Und so, gerade so ist's recht …

Schon deckt beschattend dein GefiederDes Tages Licht, du nahst mit Macht.Auf starken Schwingen steigst du nieder,Du meine Mutter, stolze Nacht!Nun öffnen sich der Seele Pforten,So streng geschlossen kaum zuvor,Und meinem Weh und seinen WortenLeihst du dein mir geneigtes Ohr.Nun stehn die Gassen öd' und düsterUnd, wie in ewig regem Leid,Haucht sein verhallendes GeflüsterDein Wind durch deine Einsamkeit;Nun birgt das Kleine ernst dein Schleier –Den Blick beirrt' es kaum zuvor –Doch riesenhaft und ungeheuerWächst wahrhaft Großes nun empor.Ich liebe dich, bin dir entsprungen,Und feind dem Tag, so laut und dreist!Das Wenige, das mir gelungen,Du gabst es dem verwandten Geist;Dein Anhauch ist es, der zur LoheDer Seele trübes Licht entfacht –Sei mir willkommen, ernste hohe,Sei mir gegrüßt, ersehnte Nacht!

Schon deckt beschattend dein GefiederDes Tages Licht, du nahst mit Macht.Auf starken Schwingen steigst du nieder,Du meine Mutter, stolze Nacht!Nun öffnen sich der Seele Pforten,So streng geschlossen kaum zuvor,Und meinem Weh und seinen WortenLeihst du dein mir geneigtes Ohr.

Nun stehn die Gassen öd' und düsterUnd, wie in ewig regem Leid,Haucht sein verhallendes GeflüsterDein Wind durch deine Einsamkeit;Nun birgt das Kleine ernst dein Schleier –Den Blick beirrt' es kaum zuvor –Doch riesenhaft und ungeheuerWächst wahrhaft Großes nun empor.

Ich liebe dich, bin dir entsprungen,Und feind dem Tag, so laut und dreist!Das Wenige, das mir gelungen,Du gabst es dem verwandten Geist;Dein Anhauch ist es, der zur LoheDer Seele trübes Licht entfacht –Sei mir willkommen, ernste hohe,Sei mir gegrüßt, ersehnte Nacht!


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